Zerstörte Kathedralen, treulose Hirten: Verzeichnis der 66 von Hugenotten verwüsteten Dome Frankreichs und ihrer meist abwesenden Bischöfe
Von Christoph Weber
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Über dieses E-Book
Christoph Weber
Christoph Weber (* 7. Juni 1943 in Graz) ist ein deutscher Historiker. Er war Professor für Neuere Geschichte an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Seine zahlreichen und grundlegenden Arbeiten über den Kirchenstaates im 18. Jahrhundert machten ihn in der Fachwelt zu einem der besten Kenner von Kirchenstaat und römischer Kurie in der frühen Neuzeit.
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Buchvorschau
Zerstörte Kathedralen, treulose Hirten - Christoph Weber
Die Ruinen der Kathedrale von Maillezais
(Dep. Vendée), gesprengt im Jahre 1587
INHALT
VORWORT
I. EINLEITUNG
Drei maßgebliche Werke und ihre Lücken
(Dale K. Van Kley, Arlette Jouanna, Patrick Cabanel)
Langfristige Verdrängung: Die Nachfrage von Nicole Bertin, Das Monumentalwerk von Louis Réau
Neue Wege, um einen Katalog der zerstörten Kathedralen zu finden
Zerstörte und nicht zerstörte Dome: zwölf Beispiele einer Rettung
Nicht residierende Bischöfe als Mitursache der Zerstörungen: Die abwesenden Erzbischöfe Frankreichs (ca. 1550-1590)
II. VERZEICHNIS DER ZERSTÖRTEN KATHEDRALEN FRANKREICHS (1562-1598)
A) ERZBISTUM ARLES
1. Saint-Paul-Trois-Chateux
B) ERZBISTUM AIX-EN-PROVENCE
2. Sisteron
3. Gap
4. Riez
C) ERZBISTUM NARBONNE
5. Alet
6. Saint-Pons-de Thomières
7. Lodève
8. Nimes
9. Montpellier
10. Béziers
11. Uzès
12. Agde
D) ERZBISTUM TOULOUSE
13. Saint-Papoul
14. Pamiers
15. Montauban
16. Lavaur
17. Lombes
E) ERZBISTUM AUCH
18. Lescar
19. Lectoure
20. Oloron
21. Bazas
22. Aire
23. Tarbes
24. Comminges
F) ERZBISTUM BORDEAUX
25. Agen
26. Angoulème
27. Luçon
28. Maillezais
29. Périgueux
30. Poitiers
31. Saintes
32. Sarlat
33. Condom
G) ERZBISTUM EMBRUN
34. Embrun
35. Glandèves
36. Senez
37. Digne
H) ERZBISTUM VIENNE
38. Vienne
39. Valence
40. Die
41. Grenoble
42. Viviers
I) ERZBISTUM LYON
43. Lyon
44. Mácon
45. Chalon-sur-Saône
K) ERZBISTUM BOURGES
46. Bourges
47. Mende
48. Castres
49. Vabres
50. Cahors
51. Albi
L) ERZBISTUM TOURS
52. Tours
53. Nantes
54. Le Mans
55. Angers
M) ERZBISTUM SENS
56. Orléans
57. Meaux
58. Auxerre
N) ERZBISTUM REIMS
59. Soissons
60. Boulogne
O) ERZBSTUM ROUEN
61. Rouen
62. Lisieux
63. Bayeux
64. Coutances
65. Avranches
66. Séez
III. SCHLUSSWORT
IV. LITERTURVERZEICHNIS
VORWORT
In diesem Büchlein wird strikt nur das behandelt, was der Titel verspricht. Das heißt, hier findet der geneigte Leser keine Erörterungen über die psychischen oder sozialen Grundlagen des Bildersturms, keine strategischen Details zu den Religionskriegen oder der mühsamen Kunst der Pazifikationen, keinen kulturanthropologischen Diskurs zum Thema Gewalt oder Massaker: zu all dem gibt es eine reichhaltige moderne und zeitgenössische Literatur. Was mich interessiert, ist die Statistik der zerstörten französischen Kathedralen. Wer mir darin folgt, wird nicht enttäuscht werden und, nebenbei, einiges Neues sogar zum Thema Papstgeschichte erfahren.
Denn während der Recherche zu den zerstörten, ikonoklastisch verwüsteten, geplünderten und oft auf scheußliche Weise geschändeten Kirchen fanden sich immer mehr Vorgänge, die mit der Abwesenheit der Bischöfe zusammenhingen. Und diese Abwesenheit der Hirten war wiederum kein bloßes individuelles Versagen, sondern notwendige Folge der Ausbeutung der Bistumseinkünfte, sowohl seitens der Päpste als auch seitens der Könige von Frankreich. Dies im Rahmen des mir möglichen nachzuzeichnen, war am Ende der Recherche meine Hauptaufgabe.
Düsseldorf, Dezember 2023
I. EINLEITUNG
1. DREI MAẞGEBLICHE WERKE UND IHRE LÜCKEN
(DALE K. VAN KLEY, ARLETTE JOUANNA, PATRICK CABANEL)
Die acht Religionskriege in Frankreich (1562-98) gehören zu den Themen, die unerschöpflich scheinen, ähnlich wie das Grand Siècle Ludwigs XIV, die große Revolution und das Abenteuer Napoleons. Die Regalwände von Literatur, die es zu solchen epochalen Ereignissen gibt, auch nur ansatzweise zu kennen, ist dem Autor dieser Studie nicht gegeben.¹
Dennoch glaube ich, auf einen merkwürdigen Sachverhalt aufmerksam machen zu sollen, dessen auffällige Vernachlässigung mir im Laufe der Jansenismus-Studien begegnet ist: es gibt bis heute kein Verzeichnis aller von den Hugenotten zerstörten Kirchen, ja nicht einmal einen Katalog der zerstörten Kathedralen, die dem Ikonoklasmus der Jahrzehnte nach 1561 zum Opfer gefallen sind. Dass ein solcher Katalog aber von hohem Interesse ist, da er nicht nur das ausmaß der Zerstörungslust und die entsprechende Vergeltungswut der Gegner deutlich macht, sondern auch grundsätzliche Fragen zum Phänomen des reformierten Ikonoklasmus aufwirft, zeigt ein rascher Blick in drei moderne Werke, in denen der gegenwärtige Stand der Diskussionen sichtbar wird.
Da ist als erstes das international anerkannte Buch von Dale K. Van Kley, „The Religious Origins of the French Revolution. From Calvin to the Civil Constitution, 1560-1791", Yale Univ. Press, 1996, zu nennen, in dem mit bewundernswerten weitläufigen Quellenstudien die These entwickelt wird, dass in Frankreich die Reformation und ihr Scheitern, dann der Jansenismus und sein Scheitern am Ende auch die Große Revolution habe scheitern lassen. Ohne dass es expressis verbis gesagt wird, steht im Hintergrund die angelsächsische Revolutionsgeschichte, die unter dem siegreichen Einfluss des Kalvinismus die großen revolutionären Umstürze des 16., 17. und 18. Jahrhunderts erfolgreich zum Sieg geführt hatte. ein entscheidendes Kapitel am Anfang des Werkes trägt den Titel „From Calvin to Quesnel" (S. 15-74) und reiht sich damit in die Tradition jener Polemiker ein, die den Jansenismus als versteckte Fortsetzung des Kalvinismus deuteten: eine etwas merkwürdige Interpretation für einen bewusst reformierten Autor, worauf hier nicht näher einzugehen ist.
Blickt man in diesem Kapitel auf die Seiten, die der Epoche der Religionskriege gewidmet sind (S. 16-31), so findet man zwar eine gelehrte Diskussion über die Theoretiker des Absolutismus, aber nicht die Realität dieser Kriege, am wenigsten über die Zerstörung von Kirchen und die dabei vorgefallenen Gräueltaten. Dass aber die Niederlage der Hugenotten eventuell genau hier ihren Grund hatte, bleibt gänzlich außerhalb des Gesichtskreises des Autors. Wir werden noch auf die systematische Verschweigung der Kirchenzerstörungen eingehen.
Das zweite Werk, das auf technisch höchstem Niveau sein Thema behandelt, ist das von vier Gelehrten der Universitäten Montpellier III und Lyon verfasste Buch Histoire et Dictionnaire des guerres de religion (Edition Robert Laffont) 1998, 2015 im Umfang von 1526 Seiten. Hauptautorin ist Arlette Jouanna, welche die zentralen Teile über die Kriege sowie einen Dictionnaire zu dieser Zeit verfasst hat. So bewundernswert diese Leistung in ihrer Detailgenauigkeit, analytischen Kraft und bibliographischen Vollständigkeit auch ist, so sucht man vergeblich nach einer irgendwie gearteten, auch nur exemplarischen Zusammenstellung der Kirchenverwüstungen. Auch ist nicht zu übersehen, dass die Autorin bei den Kalvinisten generell Klugheit und Moderation erblickt, bei den Katholiken aber Zorn, Ressentiment und irrationale Wut. Man vergleiche die Darstellung der ersten drei Religionskriege (1561-1570) auf ihren Seiten 110-184.
Das dritte jüngst erschienene Werk, das hierhin gehört, ist die Histoire des protestants en France XVIe-XXIe siècle von Patrick Cabanel (2012), im Umfang von 1502 Seiten. Der Autor wird von einem echten Streben nach Objektivität getragen, und das heißt: den Standpunkt der Katholiken erkennen und, was wichtiger ist: er beschönigt die Massaker der Hugenotten nicht, die zwar punktuell nie das Ausmaß der Bartholomäusnacht erreichten, aber in der Fläche Frankreichs, d.h in den Städten und Dörfern, den Klöstern und der tausendfachen Vielzahl der beschädigten Kirchen eine
