Briefkontakte
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Über dieses E-Book
So entstanden die `Sonnenstrahlenbriefe´, die ebenso aktuelle Ereignisse aufgreifen, als auch ein Spiegel der Erinnerungen sind, indem sie alltägliche Situationen der letzten Jahrzehnte ins Gedächtnis rufen.
So ist dieses Buch eine ideale Möglichkeit zum Erinnern und zum Reflektieren.
Durch die gewählte Briefform eignen sich die Geschichten auch gut zum Vorlesen im Bereich Sozialarbeit.
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Buchvorschau
Briefkontakte - Karin Niederkrome
Karin Niederkrome
Briefkontakte
Sonnenstrahlenbriefe für Senioren
in der Corona Zeit.
IMPRESSUM
Briefkontankte
von Karin Niederkrome
Copyright:
2023 Hober Verlag
Hober Verlag
Hamburger Straße 6
32760 Detmold
www.hober-verlag.de
hober-verlag@gmx.de
Dieses E-Book, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt und darf ohne Zustimmung des Autors nicht vervielfältigt, wieder verkauft oder weitergegeben werden.
ISBN: 9783989111073
Verlag GD Publishing Ltd. & Co KG, Berlin
E-Book Distribution: XinXii
www.xinxii.com
logo_xinxiiInhalt
Teil 1
Corona Pfunde
Gewitter
Große Wäsche
Haare
Homeoffice
Maskerade
Rosen
Systemrelevant
Videokonferenz
Einkaufen in Coronazeiten
Teil 2
Der Weg zum Fjord
Die Henne Mølle Å
Geh aus mein Herz
Heckenrosenzeit
Mai
Maikäfer
Muttertag
Schafskälte
Sommerkirche
Wandergesellen
Teil 3
Badetag
Einkauf früher
Eichhörnchen
Gemüsegarten
Getreideernte
Hausierer
Kränze
Obstgarten
Tiere
Zahnarzt
Teil 1
Corona Pfunde
Liebe(r)
wieder ist einige Zeit vergangen und ich hoffe, dass es Ihnen weiter gut geht? Ich wünsche es Ihnen.
Vieles ist in den letzten Tagen geschehen: Die Geschäfte haben wieder geöffnet, die Restaurants auch und die Schwimmbäder. Und: Man darf jetzt mit jemandem zusammen sein, der nicht zum eigenen Haushalt gehört.
Das sind alles kleine Schritte in eine „neue Normalität", wie es heißt. Es hört sich gut an. Und wir wollen hoffen, dass wir auf dem richtigen Weg sind.
Aber noch etwas hat sich seit dem 13. März 2020 geändert. Man sah es nicht sofort, aber man spürte es an seinem eigenen Körper, schleichend, langsam. Jetzt, zwei Monate später, spürt man es schon deutlicher und man sieht es auch schon deutlicher: Das Corona-Virus versprüht unglaublich viele Kalorien, die sich einfach an unsere Körper heften. Nicht, dass es uns z.Z. ansteckt und furchtbar krank macht, nein, zum Glück nicht. Die Politiker und die Virologen und die Ärzte und die Krankenschwestern und –pfleger haben alles für unsere Bevölkerung getan, um das Virus von uns fern zu halten. Und die meisten von uns waren sehr diszipliniert und sind nicht nach draußen gegangen, haben home office gemacht. Allerdings waren wir da auch immer in der Nähe eines gut gefüllten Kühlschranks!
Die Kinder durften nicht in die Schule gehen oder in die Kitas. Es wurde alles dafür getan, damit das Virus in Deutschland nicht wild um sich schlagen konnte. Und dafür sind wir alle den unermüdlichen Helfern und Schützern sehr dankbar.
Das Virus wütet zum Glück nicht in unserer Nähe, doch es versprüht ständig seine Kalorien. Man atmet sie ein und sie legen sich auf unsere Hüften und unseren Bauch. Der Hals und die Arme und die Beine kriegen nicht so viel von den Kalorien und Kohlehydraten ab, sind wohl noch nicht durchgerutscht. Aber der Bauch und die Hüften! Mir ist das zuerst an mir selber aufgefallen. Ich bin von Natur aus gar kein schlanker Mensch, aber ich staune, dass meine Waage morgens immer ein wenig mehr an Gewicht anzeigt, als vor dem 13. März.
Unbegreiflich! Ich kann essen, was ich will, ich nehme nicht ab! Zuerst dachte ich: „Ach, das ist im Moment nicht so schlimm, das nimmst du locker wieder ab! Leider stellte ich mir damals nicht die Frage: „Aber wann?
Ich dachte, das wird schon. Aber es wurde nicht, es wurde mehr. Die Zahlen auf der Waage verschoben sich langsam, aber stetig, immer weiter ein Stückchen nach oben.
Dabei aß ich doch genauso weiter, wie bisher. Ich verzichtete sogar ganz auf Süßigkeiten, weil meine Enkelkinder ja nicht mehr zu Besuch kamen. Ich habe keine Süßigkeiten mehr im Schrank, also esse ich auch keine. Insgesamt nahm allerdings der Konsum von Süßigkeiten im März dieses Jahres in der Bevölkerung um eine zweistellige Prozentzahl zu, wie der Süßwarenverband sagt. Corona ermuntert uns, alles zu uns nehmen, was Kalorien und Kohlenhydrate hat!
Das Internet ist stark gefragt, wenn es um neue Rezepte geht. Nicht etwa um kalorienarme Rezepte, die sind nicht so sehr gefragt. Aber: „Wie backe ich mein Bananenbrot selber?", wird ständig abgerufen.
Auch noch bemerkenswert ist es, dass der Hype auf die Low-Carb Ernährung seit dem 13. März verklingt. Low-Carb heißt, weniger Kohlenhydrate zu sich zu nehmen. Das ist vorbei, wie der Ernährungswissenschaftler Uwe Knop sagt.
In Krisenzeiten brauchten wir Nudeln und Mehlspeisen. Das hat man in den Lebensmittelgeschäften im März erlebt: Es gab keine Nudeln mehr und Mehl gab es bis in den April nicht mehr. Das mit dem Toilettenpapier ist ein anderes Thema, aber die mangelnde Hefe passt wieder dazu, dass wir alles ergattern wollten oder gehamstert haben, was nur irgendetwas mit Kalorien oder Kohlenhydraten zu tun hatte.
Also: Corona lässt die Kalorien und die Kohlehydrate auf uns zu fliegen. Da haben wir doch eine wunderbare Erklärung für meine Gewichtszunahme!
Und nicht nur für meine: In den letzten Tagen habe ich beim Einkaufen tatsächlich einmal darauf geachtet, ob die Menschen wohl zugenommen haben? Vielleicht sind meine Beobachtungen nicht repräsentativ, aber die Dame vor mir an der Kasse war ganz in schwarz gekleidet und trug über ihrer Kleidung einen weiten schwarzen Umhang. Ich will nicht sagen, dass sie zugenommen hätte, aber ihr Hals und ihre Beine waren richtig schlank, doch unter ihrem Umhang wölbten sich ein paar Kohlenhydrate. Schwanger war sie nicht, sie war über 50 Jahre alt. Ich sah mich weiter um an den anderen Kassen. Auch da stand eine ältere Dame mit einem weiten beigen Umhang. Und dann sah ich noch eine Dame und noch eine. Ich will nicht sagen, dass ich erleichtert war, ich trug ja auch ein ganz weites T-Shirt. Einige Damen waren ganz schlank, wie immer wahrscheinlich. Sie sind einfach kalorienresistent, toll! Und da machen ihnen so ein paar umherfliegende Corona Dickmacher auch keine Probleme. Sie prallen an ihnen einfach ab.
Und dann fielen mir auch einige Herren auf. Die trugen keine weiten Umhänge, sie zeigten, was sie hatten. Ich glaube nicht, dass das nur Bierbäuche waren.
In einer Statistik liest man, dass die Herren mehr Muskelmasse z.Z. verlieren, und wenn dann die Corona-Kalorien auf sie zufliegen, dann ist das ungefähr ein Ausgleich zu ihrem regulären Gewicht. Wir Frauen haben generell weniger Muskelmasse, deshalb sieht man bei uns gleich, dass wir zugenommen haben, wenn uns die Corona-Kohlenhydrate getroffen haben. Noch eine gute Erklärung dafür, warum ich zugenommen habe. Ich finde solche Statistiken richtig gut. Bei etwas älteren Menschen machen sich die Corona-Fettpölsterchen gar nicht so bemerkbar, schreibt die Statistik. Ältere Menschen nehmen im Moment genauso viel ab oder zu wie immer. Ach, wäre ich doch nur schon älter!
In Deutschland sagen 20% der Bevölkerung, sie hätten zugenommen. 8% der Bevölkerung meinen, dass sie sogar abgenommen hätten. Na, wenn da die Waage mal stimmt!
In Frankreich hat eine Umfrage ergeben, dass über 50% der Bevölkerung zugenommen habe und in China sollen 73% der Bevölkerung zugenommen haben. Hoffentlich trägt die Erde das zunehmende Gewicht der Industrieländer!
Es ist aber auch zu verführerisch seit mehr als acht Wochen jeden Tag frisch zu kochen. So mancher hat sein Kochtalent entdeckt. Wir haben jeden Tag Zeit, es gibt so viel Entschleunigung, wir können endlich mal wieder die alten Rezepte von früher ausprobieren, einen deftigen Eintopf, Kartoffelpuffer oder den Lippischen Pickert. Es gibt ja wieder Hefe! Alle diese wunderbaren Speisen schmecken so gut und wir haben ja Zeit!
Und das Internet hilft uns weiter, wenn uns nichts mehr einfällt.
Ganz herzliche Grüße von Karin Niederkrome.
Bleiben Sie gesund!
Gewitter
Liebe(r)
wie geht es Ihnen in den vergangenen Tagen? Das Wetter ist ja im Moment nicht so angenehm.
Manche Menschen bekommen davon Kopfschmerzen, andere fühlen sich gar nicht so gut und sind immer müde, viele haben gar keine Lust, irgendetwas zu unternehmen:
Wir haben Gewitterluft. Merken Sie es auch? Die Luft ist schwül geworden und feucht. Manchmal ist es kalt, dann steigen die Temperaturen wieder, es wird noch drückender.
Und irgendwann türmen sich die Wolken auf, es wird ganz dunkel am Himmel, auch wenn es Tag ist, und von Weitem hören wir den Donner grollen, bald zucken die ersten Blitze: Das Gewitter kommt.
Ich habe Ihnen ein Gedicht von Josef Guggenmos aufgeschrieben:
Josef Guggenmos, Das Gewitter
Hinter dem Schlossberg kroch es herauf: Wolken–Wolken! Wie graue Mäuse ein ganzes Gewusel. Zuhauf jagten die Wolken gegen die Stadt.
Und wurden groß und glichen Riesen und Elefanten und
dicken, finsteren Ungeheuern, wie sie noch niemand gesehen hat. „Gleich geht es los!" sagten im Kaufhof Dronten drei Tanten und rannten heim, so schnell sie konnten.
Da fuhr ein Blitz mit helllichtem Schein, zick-zack, blitzschnell in einen Alleebaum hinein.
Und ein Donner schmetterte hinterdrein, als würden dreißig Drachen auf Kommando lachen, um die Welt zu verschrecken.
Alle Katzen der Stadt verkrochen sich in die allerhintersten Stubenecken.
Doch jetzt ging ein Platzregen nieder!
Die Stadt war überall nur noch ein einziger Wasserfall. Wildbäche waren die Gassen.
Plötzlich war alles vorüber, die Sonne kam wieder und blickte vergnügt auf die Dächer, die nassen.
Kinder mögen das Gedicht sehr gerne, weil es so genau beschreibt, wie ein Gewitter heraufzieht mit wuseligen dunklen Wolken, wie die Menschen Angst haben vor dem Gewitter und dem Platzregen und schnell nach Hause laufen wollen, wie es dann plötzlich blitzt und donnert und regnet und stürmt und die Straßen zu Bächen werden. Selbst die Katzen „verziehen sich in die allerhintersten Ecken". Und dann ist plötzlich alles wieder vorbei: Die Wolken verziehen sich und die Sonne scheint wieder auf die nassen Dächer. Aus dem Boden und von
den Straßen steigt die Feuchtigkeit wie Nebel. Die Luft
ist wieder reiner geworden und frischer.
Als Kind hatte ich große Angst vor einem Gewitter. Und es gab in meiner Kindheit heftige Sommergewitter, die sich auch lange an der gleichen Stelle hielten. Kam das Gewitter tagsüber, dann musste meine Großmutter ganz schnell das Heu auf der Wiese oben auf dem Königsberg zusammenharken, damit es nicht völlig durchnässt und eigentlich unbrauchbar wurde. Ganz außer Atem kam sie wieder am Haus an, oft gerade noch rechtzeitig, bevor das Gewitter da war und der Regen aus den Wolken platzte. Tagsüber waren nur meine Großmutter, meine Mutter - wenn sie nicht arbeitete - und wir Kinder zu Hause.
Meine Großmutter holte die Kiste mit den Familienpapieren aus ihrem Schlafzimmer und setzte sich zu uns auf die unterste Treppe im Haus, nahe der Haustür. Und wir hatten Angst vor den Blitzen, die waren tagsüber aber nicht so schlimm für uns, weil wir sie nicht so deutlich sahen. Größere Angst hatten wir vor dem Donner, der über uns krachte, wenn das Gewitter nahe war. Wir hielten uns die Ohren zu. Nach jedem Blitz zählten wir die Sekunden: Drei Sekunden war schon gut, dann war das Gewitter nicht mehr direkt über uns. Bei 10 Sekunden standen wir wieder von der Treppe auf, das Gewitter war verzogen.
Schlimmer waren für mich die Gewitter in der Nacht: Gab es eines der schlimmen Gewitter, wurden wir geweckt und zogen unsere Kleidung wieder an, die Erwachsenen waren längst wieder bekleidet. Jetzt saßen vier Frauen und zwei verschlafene Kinder auf der Treppe, jede Frau mit ihren „Papieren", wie sie es nannten. Die drei Männer des Hauses standen unten am Eingang, sie waren mutiger, aber man merkte auch ihnen an, dass sie Respekt hatten. Nun sahen wir die Blitze in aller Deutlichkeit und hatten schon Angst vor dem lauten Krachen und hielten uns die Ohren zu.
Manchmal saßen wir eine lange Zeit auf der Treppe. Viel gesprochen wurde nicht, nur ge-flüstert. Die Männer schauten bei nachlassendem Blitzen und Donnern schon mal hinter dem Haus nach, ob das Gewitter sich wohl verzieht. Dort standen sie vor dem strömenden Regen geschützt unter einem Dach.
Einmal bin ich mit nach draußen gegangen an der Hand meines Großvaters.
„Opa, es blitzt ja immer noch! –„Das ist nur noch Wetterleuchten. Das Gewitter ist weggezogen.
Manchmal kam das Gewitter aber zurück, dann hieß es: „Das Gewitter kommt nicht über die Weser!", und wir mussten erneut wieder auf der Treppe sitzen. Meine Großeltern erzählten, dass in unser Haus einmal der Blitz eingeschlagen hatte, an der Hauswand den gemauerten Schornstein entlang, der von der Hauswand abplatzte. Von dem Moment an hatten alle im Haus Angst vor einem Gewitter. Und wir übernahmen diese Angst.
Wie war das bei Ihnen bei einem Gewitter? Fühlten Sie sich immer sicher oder hatten Sie auch Angst? Hatten Sie Blitzableiter am Haus? Die Angst vor jedem Gewitter ist bei mir in dem alten Haus immer geblieben. In jeder anderen Wohnung, in der meine Familie und ich später wohnten, hatte
