Glaube & Ansichten – Beiträge zur zeitgenössischen deutschen Geschichte
Von Joachim Gerlach
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Über dieses E-Book
Joachim Gerlach
Abitur und Facharbeiterbrief 1965, anschließend 10 Jahre NVA (8 davon Seestreitkräfte), danach Studium der Betriebswirtschaft im Maschinenbau an der TU Karl-Marx-Stadt , von 1979 bis 1989 im Bank- und Staatsapparat tätig, nach der Wiedervereinigung in diversen Beschäftigungsfeldern , oft von Arbeitslosigkeit unterbrochen, die letzten 10 Berufsjahre ausnahmslos als technischer Betreuer und Personaltrainer für EDV-Systeme tätig, seit 2008 im zeitkritischen Ruhestand
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Buchvorschau
Glaube & Ansichten – Beiträge zur zeitgenössischen deutschen Geschichte - Joachim Gerlach
Gert HOLSTEIN
Glaube und Ansichten
Ein Skizzen- und Episodenbuch
Inhaltsverzeichnis
Ansichten 7
Vom Unternehmer-Mythos 13
Autowahn 21
Sinn der Gesellschaft 48
Katzenjammer 52
Woher – wohin 75
Verwandtschaft 82
Moses 150
Ego sum, ego existo 157
Freiheit 159
Heinz 163
Selbstbestimmungsrecht der Völker 171
Jochen 173
Ostalgie 175
Waffe Erdöl 177
Wörter und Unwörter 178
Bodo Ramelow 183
Center-Ost 189
Flüchtlinge 192
Mäcke 196
Volkes Wille 208
Vereinfacher 209
Bedingunsloses Grundeinkommen 214
Gutmenschen 217
MoraL 228
Armageddon 231
Per aspera ad astra? 237
Joachim Gauck 243
Wolfgang 245
Donald Trump 258
Ansichten
(September 2013)
Meine Tochter zieht es in die Ferne. Australien, Mexiko, Indien, Vietnam, alles hat sie schon, zumeist auf asketisch-abenteuerliche Art, bereist. Das Fernweh muss sie von mir geerbt haben, obgleich ich inzwischen über Tage hinweg kaum mehr als nur einen Fuß über die Grenzen unseres bescheidenen Anwesen setze. Schon als kleiner Bub im Vorschulalter war ich vom unstillbaren Wunsch beseelt, später einmal als Seemann um die ganze Welt zu fahren. Aus diversen Gründen hat sich dieser Wunsch dann lediglich im Befahren der Ostsee, und auch dies nur in sehr bescheidenem Umfang, manifestiert. Aber zurück zu meiner Tochter. Vergangenes Jahr kehrte sie aus China zurück und brachte wie üblich neben jeder Menge fremdländischer Utensilien auch mir eine Geschenk mit. Eine Mao-Fibel, zweckmäßig im Format, so dass in jede Jackentasche passend, versehen mit einem strapazierfähig-schlichten roten Plastikeinband. Die Zitate und Thesen des Großen Führers darin thematisch und zeitlich geordnet, dargeboten in teilweise liebenswert-fehlerhaftem Englisch. Seitdem lese ich hin und wieder darin. Was ich zu meinem Erstaunen vorfinde, ist mir allesamt bestens bekannt. Zitat für Zitat könnte einem der Lehrbücher, Referate, Diskussionsbeiträge etc. entnommen sein, wie sie einst zu hunderten über mich ergingen. Mit eiferndem Enthusiasmus aufsaugend in meinen frühen Jahren, späterhin gelangweilt und aus eingeredet-notwendiger Disziplin hingenommen, um letzten Endes mit Skepsis, Argwohn und zuweilen mit geringem Schauder selbige in Frage zu stellen. Ich habe kein Problem damit zu gestehen, dass auch ich einige dieser Zitate dereinst im Munde führte: aus unwissender Überzeugung, aus rechthaberischem Drang, den Disputgegner verbal zu liquidieren, aus Parteidisziplin, aus Opportunismus der guten Schulnote wegen.
Ein Zitat hat es mir besonders angetan, war es doch über Jahrzehnte eines meiner obersten Glaubensgrundsätze: The sodalist system will eventually replace the capitalist system; this is and objective, law independent of mans will. However much the reactionaries try to hold back the wheel of history, sooner or later revolution will take place and will inevitably triumph. (Speech at the Meeting of the Surpreme Soviet of the U.S.S.R., in eleboration of the 40th Anniversary of the Great October Socialist Revolution, November 6, 1957) steht so wie hier Buchstabe für Buchstabe und Wort für Wort geschrieben in dem Büchlein. Unterm Strich die Unausweislichkeit und Unabänderlichkeit des prognostizierten historischen Verlaufs.
Seite für Seite, These für These, Zitat für Zitat arbeite ich mich nun durch die Fibel, freilich ohne jegliche Hast und schon gar nicht mehr unter Druck. Und so verwunderlich es auch klingen mag: Ich finde darin nichts Unlogisches. Wer das Große Ziel im Auge hat, und festen Willens ist, dies umzusetzen, kommt nicht umhin, die Zitatenweisheiten nahezu abstrichlos zu befolgen. Ich sehe keine andere Alternative. Es ist keine Ansichtssache, es ist Sachzwang. Ansichtssache hingegen ist das Große Ziel an sich. Und da scheiden sich die Geister, ganz erheblich zumal. Womit ich beim eigentlichen Thema wäre.
Menschen streiten sich seit Aber- und Aber-Zeiten über das Woher und das Wohin. Sie tun dies unter allen möglichen und unmöglichen Umständen, verbunden nur allzu oft mit rein materiellen Motivationen. Das Problem dabei: Die wirklichen Bewegungsgesetze des Universums, darin eingeschlossen die der menschlichen Gesellschaft, waren und sind uns nach wie vor weitestgehend unerkannt. Selbst die Physik, Urmutter aller Naturwissenschaften vermag bei Bemühung der aufwendigsten Methoden die verborgenen Geheimnisse nicht zu entschleiern und flüchtet sich der Erklärung halber in ominöse Raum-Zeit-Betrachtungen und esoterische Stringtheorien, welche bis dato immerhin 11-fach dimensionierte Universen-Strukturen entstehen ließen. Wie sprach doch gleich die Gänsemagd zum Pferdekopf? Oh Falada, der Du da hangest! Was mich dabei zudem bewegt: Bedarf das Universum in seiner Unendlichkeit tatsächlich eines Faktors „Zeit? Wenn nicht, wohin dann mit ihrer Krümmung und dem „Raum-Zeit-Kontinuum
? Und die Krümmung des Raumes wäre dann auch gleich noch zu hinterfragen.
Noch ärger betrifft’s, was die Wahrheitsdeutung anbelangt, die sogenannten Gesellschaftswissenschaften (Geschichts-, Politik- und ähnliche andere „Wissenschaften" darin eingeschlossen).
Was letztlich, solange der wirkliche 100ige Beweis nicht vorliegt, verbleibt, sind bloße Ansichten, diese mehr oder weniger stark in ihrem Wahrscheinlichkeitsgehalt durch praktischen Gebrauch belegt. In diesem Sinne sehr stark belegten Ansichten wie dem Axiom „1+1=2 stehen aus reinen Naturgegebenheiten gänzlich unbelegte Ansichten wie die „Einführung des Mindestlohnes
gegenüber. Ich stritt in meinen jüngeren Jahren zu meinem heutigen Verdruss selbst mit Freunden, Verwandten und Bekannten, da ich glaubte (damals „wusste"), die Gesetzmäßigkeiten des geschichtlichen Verlaufs zu kennen - dem Prinzip nach wenigstens - und vermeinte, meinem jeweiligen dies so nicht bewussten Streitgegenüber auch mit zuweilen recht deutlicher Vehemenz vermitteln zu müssen. Was hin und wieder zu verständlichen Irritationen und Verärgerungen führte.
Mit der Zeit musste ich mir eingestehen, dass besagte Ansichten, welche ich vor Zeiten noch mit dem Begriff „Weltanschauung" ummantelte, in aller Regel der Ursachen mehrere haben. Theoretische Erkenntnis und Wissen schon, soziale Herkunft, Mentalität, praktische Erfahrung und andere mehr aber nicht minder. Zumal das Wissen, allem voran das individuelle, naturgegeben – emsige Belesung dabei unterstellt – am Ende immer wieder nur knapp bemessen sein wird, je nach Umstand noch bemessener. Was im komplexen Prozess der individuellen Einflussfaktoren über die Jahre und Jahrzehnte entsteht, die individuellen Ansicht, ist von den tatsächlichen Gegebenheiten und Wahrheiten lichtjahreweit entfernt.
Lohnt es dann, darob zu streiten? Mag sein. Lohnt es dann, darob zu kämpfen, zu verkrüppeln, zu sterben? Wohl kaum.
Vornehmlich die gesellschaftlichen Ansichten, geboren aus ethisch-moralischen Befindlichkeiten, aus politischen „Notwendigkeiten", aus eigenen und kollektiv-historischen Erfahrungen usw. nicht aber aus Naturgegebenheiten (und schon gar nicht aus belegten) befinden sich nach wie vor im Dunstkreis menschlicher Erkenntnis. Ich nenne ein paar prägnante:
Es gibt keinen Gott.
Die Naturreichtümer der Erde gehören allen Menschen.
Völker bedürfen einer starken Führung.
Kapitalismus ist Ausbeutung.
Die Besitzverhältnisse sind ungerecht verteilt.
Wir brauchen direkte Demokratie und Volksentscheide.
Fleischesser sind Unholde.
Präventivkriege sind gerechte Kriege.
Alles Ansichten. Ich belasse es dabei, könnte jedoch noch Seiten damit füllen. Was bleibt? Wenn Ansichten „nicht vollständig belegte Erkenntnisse" sind, ist - wie hoch auch immer – stets die Wahrscheinlichkeit gegeben, dass der Widerpart im Streit um Ansichten der wahren Ansicht ist. Das jedoch kann sich erst im Fortgang der Geschichte herausstellen. Bis dahin soll der verbale Streit, die mit Wort geführte Mehrheitengewinnung, nicht aber der waffentechnische Kampf die Plattform für Auseinandersetzung um Ansichten sein.
Ist meine Ansicht eben.
Vom Unternehmer-Mythos
(Januar 2017)
Ein Mythos geistert seit Adam Smiths Zeiten nunmehr nahezu ein Vierteljahrtausend durch die Lehrbücher der Betriebs- und Volkswirtschaften: der Mythos vom Unternehmer. Es ist der Mythos vom risikobereiten, verantwortungsbewussten, reichtumschaffenden sowie vor allem erfindungs- und entdeckungsumtriebigen Individuum, welches stimuliert vom Gewinnstreben sein Unternehmen betreibt und erweitert und auf diese Weise Beschäftigung und Einkommen sichert, letzteres gar im nationalen und globalen Rahmen. Klassische Figuren wie Siemens, Bosch, Bell, Schuckert, aber auch modernerer Art wie Jobs, Zuckerberg und Gates stehen dafür gern als Protagonisten parat, der von ihnen im Rahmen ihrer ökonomischen Betriebsamkeit realisierte Profit – in welcher Größenordnung auch immer - wird im allgemeinen unter der Wucht vorgenannter Attributierungen bedenkenlos als rechtmäßig akzeptiert.
Bei genauerer Betrachtung dieser menschlichen Spezies indes fällt auf, dass darunter ganz sicher eine Reihe hochkreativer Erfinder und Entwickler zu finden sind, doch stellen sie bei weitem nicht die Mehrheit, im Gegenteil – ihr Anteil ist weit eher als gering zu benennen. Was wir dagegen mehrheitlich vorfinden – und das trifft auch oder gerade auf diejenigen zu, welche eigentlich selbst nicht direkt die Eigentümer von Unternehmen sondern sind, sondern die hochdotiert im Auftrag der Eigentümer die Geschäfte führen - sind Berufsfelder, die bekannterweise nicht unbedingt zu den kreativen gehören, als da wären Juristen, Kaufleute aller Coleur, Verleger, Inhaber von Galerien und dergleichen mehr. Unter kreativ
verstehe ich hierbei eingeengt die Fähigkeit, vermittels wissenschaftlicher oder technischer Methoden qualitativ neue Produkte oder Verfahren zu schaffen. Die besondere Sorte Kreativität, welche den Unternehmern allerdings allesamt eigen ist, über welche sie bei Strafe ihres Untergangs unbedingt verfügen müssen, ist von einer anderen Art. Diese Kreativität ist nicht auf die Entwicklung von Produkten oder Verfahren gerichtet sondern darauf, zu erkennen, auf welche Weise man über die Zeit mit Produkten und Verfahren aus einem in diese Produkte oder Verfahren investierten Geldbetrag einen angemessen höheren herausziehen könnte. Ganz unbestritten eine Art von Kreativität, welche wahrlich nicht jedem Menschen gegeben ist. Doch rechtfertigt diese Art von Kreativität tatsächlich die teilweisen, in Relation zu den Einkünften der in ihren Unternehmen Beschäftigten enormen Gewinne? Zumal dann, wenn diese Unternehmer, wie vornehmlich unter den modernen Produktionsbedingungen gegeben, selbst rein fachlich gesehen nicht einmal der Branche entstammen? Die funktionell lediglich Leitungs- und Steuerungsfunktionen ausüben, ohne von der betrieblichen Materie an sich wirklich etwas zu verstehen? Verleger, welche selbst nicht in der Lage sind, Bücher oder Kolumnen zu verfassen, Galeristen, welche nicht einmal eine simple Kohlestift-Skizze zuwege bringen, geschweige denn ein erkennbares Gemälde? Banker, welche den tatsächlichen Inhalt der von ihnen verkauften Finanzprodukte selber nicht kennen oder gar verstehen? Top-Manager in Super-Unternehmen, die bitgesteuerte, juristisch festgezurrte In-und-Out-Put-Algorithmen erstellen, ohne zu wissen, wie das Unternehmen eigentlich praktisch bewegt wird? Also all derer, deren Kreativität am Ende allein auf die Motivation ihrer unmittelbaren, mit den Geschehnissen im Unternehmen schon besser vertrauten Unterstellten sowie der Erhaltung und des Ausbaus der für das Unternehmen notwendigen Netzwerke ausgerichtet ist?
Werfen wir eine Blick zurück in die Geschichte. Umtriebig-geschäftstüchtige Menschen sind bekannt seitdem es Handel und Wandel gibt, seitdem also im gegebenen Moment nicht selbst benötigte Güter zum Tausch bereit gestellt wurden. Ein besonderer Gewinn indes konnte aus diesen frühen Tauschgeschäften örtlicher Märkte nicht erzielt werden, solange jedenfalls nicht, solange die am Tausch beteiligten Personen selbst den Arbeitsaufwand der Tauschobjekte einigermaßen reell einzuschätzen vermochten. Ergo tauschten sich die Produkte nach dem Äquivalenzprinzip gleicher darin verausgabter Aufwendungen. Kein Mensch wird ohne wirklich zwingenden Grund einen Handwagen gegen einen Kamm im Verhältnis 1:1 tauschen. Gewinne aus den Tauschgeschäften wurden erst dann möglich, als der am Tauschobjekt interessierte Partner abgesehen von seinen Begierden den Arbeitsaufwand des Gutes nicht mehr selbst einschätzen konnte, die Basis dafür schuf der Fernhandel. Dass Waren über unendliche See- und Landwege herangekarrt auch ihren entsprechenden Preis haben müssen, galt wohl als gerechtfertigt. Dass der eigentliche in fernem Land gezahlte Warenpreis aber um ein Vielfaches den nun geforderten Kaufpreis abzüglich der Transportaufwendungen unterlag, blieb den Käufern verborgen. Die Differenz manifestierte sich im Profit des Fernhändlers. Allein, so ganz ohne Risiko und Kosten war der Fernhandel nicht zu realisieren, ausgesprochen hohe Vorleistungen waren erforderlich, um Transportgerät wie Schiffe oder Wagenkolonnen nebst ihren Besatzungen bereitzustellen, nicht zu reden von den zu transportierenden Gütern. Ein Fernhändler allein war dazu nicht in der Lage, auch nicht im genossenschaftlichen Verbund seinesgleichen. Die Finanzlücke füllte der frühe Banker. Der stellte zeitweilig freies, eine ihm zur sicheren Verwahrung und möglichen Mehrung übergebene Geldmenge, das Kapital, gegen eine entsprechende Teilhabe am geschätzten Ertrag der Handelsunternehmung zur Verfügung. Diese Teilhabe, der Zins
, fand in den Lehrfibeln der bürgerlichen Betriebswirtschaft als Preis für Geldverleihung
ihren Eingang, was zwar ihrer oberflächlichen Erscheinung Genüge tut, nicht aber ihren wahren Inhalt kennzeichnet. Woraus wir zweifelsfrei ersehen, dass die wahre Blüte des Unternehmertums, der Kapitalismus, im Bunde des Fernhandels mit dem Bankensystem ihre wahren Wuzerln hatte.
Gewinnerwirtschaftung ist nur möglich vermittels Tauschgeschäften, welche, abgesehen von Extremsituationen, den inneren Warenwert der zu tauschenden Produkte, die in ihnen steckenden Arbeitsaufwendungen also, nicht sofort offenbaren, unerheblich dabei, ob es sich um Güter der materiellen Art oder Dienst- also Arbeitsleistungen handelt. Seit sich neben dem frühen Handels- und Bankenkapitalismus der Kapitalismus herauskristallisierte, ist dieses Prinzip der Unkenntnis der wahren Tauschwerte das Kernelement der Privatwirtschaft, seine praktische Umsetzung findet es im System der Geschäfts- oder Ladenkasse
. Einblicke in diese Kasse hat nur der Eigentümer, der Unternehmer, beziehungsweise sein Prokurist, ein von ihm vergatterter und wohldotierter Beauftragter. Die inneren Prozesse der Ladenkasse, ihre Aus- und Eingänge und daraus resultierenden Salden bleiben den Unternehmensbeschäftigten ein ehernes Geheimnis, sie sie ist die praktikable Grundlage der Aneignung fremder, unbezahlter Arbeitsleistung und damit des Unternehmergewinns. Ein Geheimnis, welches wir seit Marx Ausbeutung
nennen.
Der Unternehmer von heute ist das, was er vor Jahrhunderten schon war – ein Mensch mit einem besonderen Instinkt für Tauschgeschäfte, aus denen er mittels verdeckter Kosten einen finanziellen Gewinn für sich ganz persönlich erzielen kann, ein Kaufmann eben. Und dies gänzlich unbedacht seiner auch möglichen technischen und wissenschaftlichen Begabungen, am Ende schaut aus allen Fugen und Ritzen seiner Persönlichkeit nichts als der auf Profit orientierte Kaufmann heraus. Nur dass er unter den nunmehrigen globalen Vernetzungen und den damit einhergehenden transparenten Aufwandskenngrößen der jeweiligen Waren und Dienstleistungen diesen seinen Profit nicht mehr dadurch erzielen kann, dass er Produkte von Weither mit einem für den Kunden nicht durchschaubaren Preisaufschlag versieht. Heutzutage bezieht er seinen Profit aus nichts anderem als aus dem unbezahlten Einbehalt von Wertschöpfungsanteilen, welche die in seinem Unternehmen Beschäftigten erwirtschaften. Alles Gerede von zu vergeltender Risikobereitschaft, Verantwortungsbereitschaft, Erfindergabe, Entdeckerdrang und dergleichen ist Schall und Rauch, denn eingestellt werden die Beschäftigten vom Unternehmer nur, wenn durch ihre Beschäftigung im Unternehmen ein signifikanter Mehrgewinn erwirtschaftet wird. Legen die Beschäftigten die Arbeit nieder, nutzen all die oben genannten edlen Charaktereigenschaften eines Unternehmers nichts, dann gehen im Unternehmen alle Lichter aus, dann gibt es weder Umsatz noch Gewinn.
Kein Wunder, dass die Apologeten des Kapitalismus in Marx ihren Todfeind sehen, legt er doch als einziger der klassischen bürgerlichen Ökonomen das Geheimnis der Ladenkasse offen und prophezeit daraus den Niedergang des privaten Unternehmertums als prinzipielles System. Was ich unbedacht des derzeitig vollständig desolaten Zustandes nahezu jedweder aktuellen linken Theorien und Praxis nicht nur aus der Logik der marxschen
