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Die schönsten Märchen aus Südafrika
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eBook388 Seiten4 Stunden

Die schönsten Märchen aus Südafrika

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Über dieses E-Book

In diesem Buch finden Sie die schönsten Märchen aus Südafrika. Sie spiegeln die Vielfalt und Vitalität der dort ansässigen und so unterschiedlichen Völker und Stämme wieder und vermitteln uns einen Eindruck von der Faszination dieses uns zuweilen so fremden Kontinents.
SpracheDeutsch
Herausgeberneobooks
Erscheinungsdatum20. Mai 2018
ISBN9783742737397
Die schönsten Märchen aus Südafrika

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    Buchvorschau

    Die schönsten Märchen aus Südafrika - Andreas Model

    Vorbemerkung

    Märchen sind Prosatexte, die von wundersamen Begebenheiten erzählen und in allen Kulturkreisen auftreten. Seit jeher sind sie eine wichtige und sehr alte Textgattung in der mündlichen Überlieferung überall auf der Welt. Fast jeder von uns ist mit dieser Erzähltradition aufgewachsen und sie ist ein Teil unserer Menschwerdung.

    In diesem Buch finden Sie die schönsten Märchen aus Südafrika. Sie spiegeln die Vielfalt und Vitalität der dort ansässigen und so unterschiedlichen Völker und Stämme wieder und vermitteln uns einen Eindruck von der Faszination dieses uns zuweilen so fremden Kontinents.

    Und jetzt wünsche ich Ihnen, ob jung oder alt, eine unterhaltsame und zuweilen vielleicht auch lehrreiche Lektüre dieser so verschiedenen Märchen aus Südafrika, die uns auch in besonderer Weise die Eigenheiten dieses Landes und seiner Menschen aufzeigen.

    Babana

    Babana verwandelte sich jede Nacht in einen Elefanten und aß die Kürbisse in den Gärten. Am Tage stand er meist erst spät auf. Den Leuten seines Dorfes wurde der Verlust bald zu groß, und sie beschlossen, denjenigen zu töten, der immer ihre Kürbisse aufaß. Sie lauerten dem Elefanten nachts auf, griffen ihn mit ihren Waffen an, konnten ihn aber nicht töten. Sie gingen nach Hause und beschlossen: Morgen werden wir ihm folgen.

    In der nächsten Nacht folgten sie der Spur des Elefanten. Plötzlich hörte die Elefantenspur auf, und es waren nur noch die Fußabdrücke eines Menschen und Blut zu sehen. Kurz darauf fanden sie die Stelle, wo der Elefant seine beiden Stoßzähne abgeworfen hatte, die wie lange Pfähle aussahen. Die Leute wunderten sich sehr und fragten einander: Wie hat der Elefant es geschafft, dass er sich in einen Menschen verwandeln konnte? Misstrauisch geworden, prüften sie, ob alle Männer da waren. Sie entdeckten, dass Babana fehlte und dass er auch nicht bei der Jagd auf den Elefanten dabei gewesen war.

    Sie liefen zu seiner Hütte und fanden ihn mit Speerwunden krank daniederliegend. Und als sie ihn fragten, bekannte er, dass er sich in einen Elefanten verwandelt hatte, um viele Kürbisse essen zu können. Da machten sie ein Spottlied auf ihn und sangen: Babana hat sich in einen Elefanten verwandelt, der ein Kürbisesser ist! Fortan sang man dieses Spottlied überall im Lande.

    Das Ei, das immer größer wurde

    Ein Mann hatte elf Söhne. Der jüngste von ihnen aber war der Sohn der zweiten Frau. Bevor der Mann starb, überließ er jedem der zehn älteren Söhne drei Rinder. Dem jüngsten Sohn übergab er ein kleines Ei und trug ihm auf, es draußen, weit weg vom Kraal aufzubewahren und dem Ei jeden Tag etwas vorzusingen. Dann starb der Mann.

    Der jüngste Sohn ging nun jeden Tag zu seinem Ei und sang ihm etwas vor, und das Ei wuchs und wuchs. Bald war es größer als eine Hütte, aber es wuchs immer noch. Da bekam der jüngste Sohn Angst vor dem Ei und kletterte auf einen Baum, wenn er ihm vorsang. Endlich, als er eines Tages wieder sang, platzte das Ei und Tiere jeglicher Art kamen heraus: Rinder, Schafe und Ziegen. Da baute der jüngste Sohn seinen eigenen Kraal und lebte glücklich darin.

    Das Ende der Freundschaft zwischen der Hyäne und dem Hund

    Die Hyäne stand hinter einem Zaun, schaute durch ein Loch und sah, wie die Menschen den Hund schlugen. Der Hund hatte sich ein Stück fettes Fleisch geschnappt und floh damit durch das Loch im Zaun ins Freie. Dort traf er auf die Hyäne, die auf ihn gelauert hatte. Sie packte den Hund und rannte mit ihm davon. Nach einer Weile setzte sie den Hund ab und sagte: Ich höre dich immer heulen, weshalb wirst du denn geschlagen? Der Hund antwortete: Ich werde wegen des fetten Fleisches geschlagen! Da fragte die Hyäne: Wo haben denn die Menschen das fette Fleisch her, um dessentwillen sie dich immer schlagen? Der Hund erklärte sich bereit, der Hyäne die Stelle zu zeigen.

    Sie machten sich beide auf den Weg. Schließlich kamen sie an ein Wasserloch, in dem sich der Mond spiegelte. Der Hund zeigte in das Loch und sagte: Da ist das fette Fleisch, das die Menschen holen. Da bat ihn die Hyäne: Geh doch hinein und bringe mir etwas. Der Hund aber hatte den Bissen fetten Fleisches noch im Rachen. Er ging in das Wasserloch, kam zurück, holte den Bissen Fett hervor und gab ihn der Hyäne. Die Hyäne fraß ihn und sagte: Geh noch einmal und bringe mir noch etwas. Der Hund sagte: Mir ist das zu tief. Schicke doch diejenigen, die lange Arme haben, damit sie etwas holen! Wenn du kannst, so versuche es selber, denn du bist groß! 

    Und die Hyäne ging zum Wasserloch und versuchte, etwas herauszuholen. Doch sie fand nichts. Während sie sich noch bemühte, floh der Hund. Und als die Hyäne wieder aus dem Wasserloch herauskam, war der Hund weggelaufen. Sie verfolgte ihn. Als er durch das Loch im Zaun schlüpfen wollte, fasste sie den Hund beim Schwanz und biss ihm ein Stück davon ab. Sie beschimpften einander, und die Hyäne sagte: Das Stück deines Schwanzes werde ich zerreißen und wegwerfen. Mit unserer Freundschaft ist es aus. Seitdem ist es so, dass eine Hyäne, wenn sie einen Hund getötet hat, den Schwanz nicht mitfrisst. Hyänen und Hunde hassen einander sehr. Wenn die Hunde nachts eine Hyäne hören, können sie nicht schlafen, sondern bellen laut.

    Das Ende des großen Häuptlings der Tiere

    Es war einmal eine Frau, die für kurze Zeit ihr Haus verlassen musste und ihre Kinder einem Hasen in Obhut gab. Der Ort, an dem sie lebten, lag dicht an einem Pfad, den Scharen von wilden Tieren benutzten.

    Bald nachdem die Frau weg war, erschienen die Tiere. Dem Hasen fuhr der Schreck in die Glieder, als er sie sah, und so rannte er ein Stück weit weg, blieb dann stehen und beobachtete. Unter den Tieren war ein schreckliches Ungeheuer, das den Hasen anrief und wissen wollte, was für Kinder das seien. Der Hase nannte ihre Namen, danach verschlang das Tier die Kinder mit Haut und Haaren.

    Als die Frau wiederkam, erzählte ihr der Hase, was geschehen war. Da sammelte die Frau etwas trockenes Holz, schärfte zwei Messer, nahm beides und lief den Pfad entlang. Nun war das Ungeheuer der Häuptling der Tiere, und als die Frau auf einem Hügel ihm gegenüber anlangte, rief sie laut heraus, dass sie ihre Kinder suche. Das Tier erwiderte: Komm näher, ich kann dich nicht verstehen.

    Als sie zu ihm ging, verschlang es sie ebenfalls. Die Frau fand ihre Kinder am Leben, auch viele andere Leute und Ochsen und Hunde. Die Kinder hatten Hunger. Da schnitt die Frau mit ihren Messern Fleisch von den Rippen des Tieres, machte Feuer, kochte das Fleisch, und die Kinder aßen.

    Die anderen Leute sagten: Wir sind auch hungrig. Gib uns zu essen. Da schnitt sie wieder Fleisch ab und kochte auch für sie. Durch diese Behandlung fühlte sich das Tier unwohl und rief seine Vertrauten um Rat an, aber sie konnten ihm keine Medizin nennen. Das Tier legte sich nieder und wälzte sich im Schlamm, aber auch das half nicht; schließlich ging es hin, steckte seinen Kopf in den Zaun vom Kraal und starb.

    Seine Vertrauten standen in einiger Entfernung und hatten Angst, sich ihm zu nahem. Deshalb schickten sie einen Affen, nach ihm zu sehen. Der Affe kam wieder und sagte: Diejenigen, die auf den Bergen leben, müssen zu den Bergen rennen; diejenigen, die in den Ebenen leben, müssen in die Ebenen eilen; was mich betrifft, ich gehe zu den Felsen. Da verschwanden die Tiere alle.

    Um diese Zeit war es der Frau gelungen, ein Loch in den Bauch des Häuptlings zu schneiden und, gefolgt von ihren Kindern, herauszuklettern. Dann kam ein Ochse heraus und sagte: Bö! Bö! Wer hat mir geholfen? Danach ein Hund, der sagte: Wau! Wau! Wer hat mir geholfen? Darauf ein Mann, der sagte: Ho! Ho! Wer hat mir geholfen? Und nun folgten nach und nach alle anderen Leute und die Kühe. Sie wurden sich einig, dass die Frau, die ihnen geholfen hatte, ihr Häuptling sein sollte.

    Als die Kinder Männer wurden, befanden sie sich eines Tages auf der Jagd und erblickten einen grässlichen Menschenfresser, der in einem Schlammloch feststeckte. Sie töteten ihn und liefen dann nach Hause, um den Männern ihres Stammes zu erzählen, was sie vollbracht hatten. Die Männer kamen mit, häuteten den Menschenfresser ab, und da krochen auch aus ihm eine Menge Leute heraus. Sie schlossen sich ihren Befreiern an, so dass ein großes Volk entstand.

    Das gefangene Mädchen

    Einmal brach eine Schar Mädchen früh am Morgen von zu Hause auf, um Imbola zu holen, den roten Ton, mit dem sie ihre Körper und Kleider färben. Unter ihnen war eine Häuptlingstochter, ein sehr hübsches Mädchen. Als sie genug eingesammelt hatten und nach Hause gehen wollten, schlug die eine vor, in einem großen Teich, den es da gab, zu baden. Damit waren alle einverstanden, und so gingen sie ins Wasser und spielten lange darin herum. Schließlich zogen sie sich wieder an und machten sich auf den Heimweg. Aber als sie ein Stückchen gegangen waren, bemerkte die Häuptlingstochter, dass eins ihrer Schmuckstücke fehlte, dass sie vor dem Baden abgelegt hatte. Sie bat eine Verwandte, mit ihr umzukehren, aber die lehnte ab. Da fragte sie ein anderes Mädchen und noch ein anderes, aber keine wollte mitkommen. So war sie gezwungen, allein zu dem Teich zurückzukehren, während die anderen nach Hause gingen.

    Als sie bei dem Wasser ankam, näherte sich ihr ein ekelhafter Menschenfresser, der nur ein Bein hatte. Er packte sie und steckte sie in einen Sack. Sie war so erschrocken, dass sie ganz still lag. Der Menschenfresser zog mit ihr durch verschiedene Dörfer und ließ sie für sich singen. Er nannte sie seinen Vogel. Kam er zu einem Dorf, bat er um Fleisch, und erhielt er es, sagte er: Sing, mein Vogel. Aber niemals öffnete er den Sack, so dass niemand sehen konnte, was für einen 'Vogel' er darin hatte.

    Als die Mädchen nach Hause kamen, erzählten sie dem Häuptling, dass sich seine Tochter, die ins Alter des Ntonjane gekommen sei, mit einer anderen zusammen in einer Hütte aufhalte. Der Häuptling glaubte die Geschichte, schlachtete einen großen Ochsen und rief die Leute zum Essen. An diesem Tag aßen sie fettes Rindfleisch und waren sehr lustig. Die Jungen holten sich Fleisch und aßen es weit vom Dorf entfernt. Der Menschenfresser, der nicht wusste, dass der Vater des gefangenen Mädchens in jenem Dorf Häuptling war, kam dazu. Er sagte den Jungen, für ein wenig Fleisch ließe er seinen Vogel für sie singen. Also gaben sie ihm Fleisch, und er befahl: Sing, mein Vogel. Der Bruder des Mädchens war auch dabei. Ihm schien, der Vogel sänge wie seine Schwester, aber er fürchtete sich, den Menschenfresser darum zu bitten, ihm den Vogel zu zeigen, sondern riet ihm, ins Dorf zu gehen, dorthin wo die Männer waren, und er erzählte ihm, dass es dort Mengen von Fleisch gäbe. Da lief der Menschenfresser ins Dorf und ließ dort seinen Vogel singen. Der Häuptling wünschte sehr, den Vogel zu sehen, aber der Menschenfresser wollte den Sack nicht öffnen. Einen Ochsen bot ihm der Häuptling für den Vogel, aber der Menschenfresser schlug das Angebot aus.

    Da dachte sich der Häuptling einen Plan aus. Er bat den Menschenfresser, ein bisschen Wasser zu holen und versprach ihm bei seiner Rückkehr eine Menge Rindfleisch. Der Menschenfresser war einverstanden zu gehen, wenn sie versprachen, in seiner Abwesenheit den Sack nicht zu öffnen. Alle versprachen, den Sack nicht anzurühren. Dem Menschenfresser gaben sie für das Wasser ein Gefäß mit einem Loch, so dass er lange fort sein würde. Sobald er außer Sicht war, öffnete der Häuptling den Sack und zog seine Tochter heraus. Zuerst konnte er es nicht glauben, dass es wirklich seine Tochter war, er dachte doch, dass sie das Ntonjane einhalte. Aber als er erkannte, wie sehr ihn die anderen Mädchen getäuscht hatten, forderte er, sie alle müssten sterben. Und so wurden sie getötet. Dann steckte der Häuptling Schlangen und Kröten in den Sack und band ihn wieder zu.

    Als der Menschenfresser zurückkam, beschwerte er sich über das löchrige Gefäß, aber sie gaben ihm eine Menge Fleisch, um ihn zu beruhigen, und er nahm seinen Sack über und ging fort. Er wusste ja nicht, was inzwischen geschehen war. Als er sich seiner Hütte näherte, rief er seiner Frau zu: Bereite alles zum Kochen vor! Und dann ließ er alle anderen Menschenfresser zu einem Festschmaus einladen. Sie erschienen und erwarteten, etwas Gutes zu bekommen. Ein Weilchen ließ er sie warten, damit ihr Hunger wuchs. Dann öffnete er seinen Sack und wollte das Mädchen herausholen, aber er fand nur Schlangen und Kröten darin. Die anderen wurden darüber so böse, dass sie ihn töteten und aus ihm ihren Festschmaus bereiteten.

    Das Honigrohr

    Während einer Hungersnot nahm ein Mann Pfeil und Bogen und ging hinaus, um für die Seinen zu jagen. Unterwegs sah er einen Bienenstock. Er nahm die Waben heraus und fand, dass sie viel Honig enthielten. Zu Hause angekommen, stellte er fest, dass niemand daheim war. Er nahm seinen Topf, schüttete den Honig hinein, ging hinters Haus, grub ein Loch und vergrub den Topf sehr sorgfältig, damit keine Erde in den Honig fiel. Vorher hatte er noch ein Rohr in den Topf gesteckt, dessen Spitze aus der Erde ragte. Als nun die Familie am Abend nach Hause kam und das Essen fertig war, wollte man ihm auftun. Er aber sagte: Gebt nur den Kindern. Was mich angeht, so will ich, dass die Kinder, wenn sie gegessen haben, mitgehen und mir hinter dem Haus mein Lied singen. Er ging mit den Kindern hinaus und lehrte sie ein neues Lied, und das lautete so: Es möge ertönen, es soll auf mich zufließen. Während die Kinder sangen, beugte sich der Mann nieder und sog so lange Honig aus dem Rohr, bis er vollkommen satt war. So tat er es alle Tage. Als er aber eines Tages nicht zu Hause war, sprachen die Kinder untereinander: Kommt, lasst uns gehen und das Lied unseres Vaters singen. Und während die anderen sangen, versuchte ein Kind, an dem Rohr zu saugen, wie es der Vater immer tat. Es merkte: Das Lied war außerordentlich süß! Auch die anderen Kinder kosteten den süßen Honig. Schließlich riefen sie ihre Mutter. Die Mutter erkannte, dass in der Erde Honig vergraben war und fand auch bald den Topf. Sie grub ihn aus, schüttete den Honig in ihren Topf und goss in den anderen Wasser hinein. Darauf vergrub sie den Wassertopf wieder sorgfältig im Boden, denn der Vater durfte nichts merken. Den Honig trug sie ins Haus und aß davon mit ihren Kindern. Nachdem der Vater am Abend heimgekehrt war, sang er wie immer mit den Kindern das Lied. Als er aber an dem Rohr sog, merkte er, dass er nur Wasser schluckte. Er probierte noch einmal und fand, dass es tatsächlich so war. Da ging er mit den Kindern betrübt ins Haus. Sie aber verrieten ihm nichts. Nun aßen die Kinder Honig und gaben dem Vater nichts - wie er es mit ihnen getan hatte.

    Das Huhn und der Falke

    Als das Huhn einmal ein Tier getötet hatte, besaß es nichts, um es zu zerschneiden. Da sah es den Falken vorbei fliegen und rief: Kamerad, leihe mir dein Messer! Der Falke zog sein Messer heraus und gab es dem Huhn. Er flog weiter, um Futter zu suchen. Als er nach einer Weile zum Huhn zurückkehrte, hatte das Huhn das Messer des Falken verloren. Da sprach der Falke: Such weiter, ich werde wiederkommen, um mir mein Messer zu holen! Das Huhn suchte und suchte, konnte das Messer aber nicht finden. Als der Falke wiederkam und das Huhn ihm das Messer nicht geben konnte, sprach er: Nun, es ist gut. Von jetzt an werde ich deine Kinder essen, damit ich für mein verloren gegangenes Messer Schadenersatz bekomme. Seit dieser Zeit hassen Huhn und Falke einander. Und wenn ein Huhn einen Falken kommen sieht, bringt es seine Kinder in Sicherheit.

    Das Mädchen Pelo

    Einst hatte eine Frau keine Töchter, die verheiratet werden konnten, und deshalb wurde sie von ihrem Mann verstoßen. Sie ging zu einem Medizinmann und erbat ein Mittel, um Töchter zu bekommen. Der Medizinmann schlachtete eine Ziege und sprach zu ihr: Nimm eine Tonscherbe! Dann legte er die Eingeweide der Ziege darauf und fuhr fort: Wenn du nach Hause kommst und isst, nimm etwas Brei und schleudere ihn auf die Tonscherbe! Die Frau tat, wie ihr der Medizinmann gesagt hatte. Am übernächsten Tag, als sie wieder etwas Brei auf die Scherbe warf, bemerkte sie, dass sich die Eingeweide in Mädchen verwandelt hatten. Die Frau sprach zu ihnen: Meine Kinder, ihr dürft euch nicht draußen herumtreiben! Da fragten die Kinder: Warum denn, Mutter? Du gehst doch auch hinaus, weshalb dürfen wir es nicht? Und sie liefen in der Mittagszeit zum Fluss. Als sie eben Wasser schöpften, kamen zwei junge Männer daher. Sie baten die Mädchen um Wasser. Die erste schöpfte und verschüttete das Wasser, die nächste schöpfte und verschüttete es ebenfalls. Da kam die dritte herbei und schöpfte Wasser. Sie hieß Pelo und war sehr schön. Die Jünglinge nahmen das Wasser und tranken. Als sie getrunken hatten, sagte der eine zu Pelo: Ich will dich haben, komm mit mir! Das Mädchen war einverstanden. Der Jüngling setzte sie auf einen Ochsen, um mit ihr nach Hause zu gehen und sie zur Frau zu nehmen. Als sie unterwegs waren, hielt er an, um den Tieren Wasser zu geben. Pelo blieb zurück. Als sie so saß und wartete, kam ein kleiner wilder Hund und sagte zu ihr: Gib mir alles, was du anhast. Ich will sehen, ob es mir steht. Pelo gab ihm, was sie hatte. Der Hund schenkte ihr seinen Schwanz und sprach: Geh zu jener Grube dort und koch den Brei, der auf dem Feuer steht. Pelo ging zur Grube und tat, wie ihr geheißen. Als der junge Mann vom Fluss zurückkam, fragte er den Hund: Du bist doch wohl Pelo? Da stellte sich der Hund beleidigt und sprach: Wie kannst du nur zu mir sagen: 'Du bist doch wohl Pelo?' Da kannst du mich gleich zu meiner Mutter zurückbringen. lass mich, ich will zu meiner Mutter zurück! Der Jüngling lenkte ein und sagte: Das heißt doch nicht, dass wir zu deiner Mutter gehen wollen. Sie gingen zu den Verwandten des Jünglings. Das Mädchen Pelo aber folgte ihnen. Um die Mittagszeit kam sie bei den Verwandten des Jünglings an und bat um etwas Korn, damit sie es mahlen könne. Man gab ihr Korn, und sie mahlte es. Daraufhin nahm Pelo Lehmerde und glättete den Boden im Haus. Als der Jüngling hereinkam, fragte er: Wer hat denn hier den Boden geglättet? Man antwortete ihm, dass es ein wunderschönes fremdes Mädchen gewesen sei. Da befahl er: Wenn sie wiederkommt, dürft ihr sie nicht fortlassen! Als Pelo wiederkam, hielt man sie zurück. Der junge Mann erkannte, wer die wirkliche Pelo war, und jagte den Hund weg. Bald darauf heiratete Pelo den Jüngling.

    Das Mädchen und seine Schlange

    Ein Mädchen betrog einst seine Eltern, indem es sagte: Ich bin krank und kann nicht aufs Feld gehen. Die Eltern mussten allein aufs Feld, um zu hacken. 

    Als sie fort waren, stand das Mädchen auf, säuberte den Topf und stellte ihn aufs Feuer. Dann reinigte es den Holzlöffel, mit dem der Brei aufgefüllt wird, und säuberte schließlich mit weißer Erde ein Bastkörbchen. Nachdem der Brei zubereitet war, schüttete sie ihn sorgfältig in das Körbchen und trug es auf einen Berg. Dort oben angekommen, sang das Mädchen folgendes Lied: He, Mmamota-Schlange, komm heraus! He Mmamota, komm heraus! Da kroch eine riesengroße Schlange heran. Das Mädchen hockte sich hin, wusch die Schlange mit Wasser und gab ihr dann den mitgebrachten Brei zu essen. 

    Nachdem die Schlange gesättigt war, stand das Mädchen auf und kehrte nach Hause zurück. Dort legte es sich nieder und tat wieder wie eine Kranke. 

    Als die Eltern am Abend zurückkamen, fragten sie: Wie geht es dir, Kind? und das Mädchen antwortete, dass es immer noch sehr krank wäre. Auch an den folgenden Tagen gab das Mädchen vor, krank zu sein. Kaum waren aber die Eltern aufs Feld gegangen, kochte es wieder Essen und brachte es der Schlange auf den Berg.

     Eines Tages wurde sie dabei von einem Jäger beobachtet. Der Jäger berichtete dem Vater des Mädchens, was er gesehen hatte. Er wiederholte auch das Lied, das er dem Mädchen abgelauscht hatte. Der Vater des Mädchens machte sich nun auf, ging auf den Berg und stimmte das Lied an: He Mmamota, komm heraus! He Mmamota, komm heraus! 

    Als die Schlange heraus gekrochen kam, er­schlug der Vater sie mit seinem Beil.

    Am nächsten Morgen tat das Mädchen wieder so, als ob es krank sei, und blieb zu Hause. Es kochte Brei und brachte ihn der Schlange. Aber als das Lied, das die Schlange sonst heranlockte, verklungen war, kam niemand. Das Mädchen suchte überall, und als es schließlich die Schlange fand, rief es: He Mmamota! Was ist heute mit Euch los, dass Ihr nicht kommt, wenn ich Euch rufe? Kommt und esst, da ist Euer Brei! Doch alles blieb still. Das Mädchen versuchte die Schlange zu schütteln, da merkte es, dass sie tot war. Nun begann das Mädchen bitterlich zu weinen, schüttete den Brei weg und zerschlug die Gefäße. Dann kehrte es wie eine Kranke nach Hause zurück. Am Abend aber sagte der Vater: Steh auf, du bist nicht krank! Du stellst dich nur krank, weil ich deine Schlange getötet habe. Das Mädchen klagte, aber es wurde wirklich gesund.

    Das Mädchen, das aus der Höhe kam

    Ein junger Mann wollte heiraten, doch er fand keine Frau. Da weinte er sehr und zog sich in die Einsamkeit zurück. Eines Tages kam er an eine große Wasserstelle. Er zog sich aus, ging ins Wasser und wusch sich. Als er wieder aus dem Wasser kam, sah er ein Mädchen nahe bei seinen Kleidern sitzen. Er erschrak, doch dann fragte er sie: Woher kommst du? Sie antwortete: Ich komme von zu Hause! Als er wissen wollte, wo ihr Zuhause sei und wohin sie ginge, erklärte sie ihm, dass sie aus der Höhe zu ihm gekommen wäre. Nun wollte der junge Mann den Grund ihres Kommens erfahren, und sie erklärte: Die Unseren sagten: 'Geh für ihn kochen, er dauert uns, denn er ist Junggeselle.' Als die beiden abends in das Dorf des jungen Mannes kamen, fragten dessen Eltern, wer das junge Mädchen sei. Da erzählte er ihnen, was er erlebt hatte, und dass sie seine Frau werden wolle. Die Eltern freuten sich sehr und gaben ihr den Namen 'Aus-der-Höhe-Gekommene'.

    Das Mädchen kochte für den jungen Mann und wurde seine Frau. Bald war sie schwanger. Die Eltern des jungen Mannes wollten nun, dass sich das Mädchen bei ihren eigenen Eltern vorstelle. Doch sie weigerte sich und sprach: Mein Zuhause besucht man nicht! Gehe ich wieder dorthin, kann ich nicht mehr zurückkehren. Die Schwiegereltern aber gaben sich nicht zufrieden und fragten: Was ist das für eine Frau, die keine Eltern hat? Auch ihr Mann plagte sie und verlangte: Wir wollen deine Eltern besuchen! Bald darauf gebar die junge Frau einen Knaben, und er erhielt den Namen 'Aus-der-Höhe-Gekommener'. Nun drängten die Schwiegereltern die junge Frau von neuem: Bring das Kind zu seinem Großvater. Doch sie weigerte sich wiederum und erklärte, dass sie dann niemals mehr wiederkommen könne. Da wurden die Schwiegereltern zornig und sagten: Du lügst! Bring den Knaben in deine Heimat, du wirst schon mit ihm wiederkommen. Die Frau weinte sehr, nahm ihr Kind auf den Rücken und machte sich auf den Weg. Ihr Mann begleitete sie. Als sie an der großen Wasserstelle angekommen waren, nahm die junge Frau das Kind vom Rücken, gab es dem Vater, grüßte ihn und stieg ins Wasser. Kurz darauf war sie verschwunden. Sie war zu Wasser geworden.

    Tief betrübt kehrte der Mann mit dem Kind zu seinen Eltern zurück und erzählte ihnen, was geschehen war. Da weinten sie bitterlich und bereuten sehr, dass sie ihre Schwiegertochter vertrieben hatten.

    Das Mädchen, das der Fluss geholt hat

    Vor langer, langer Zeit geschah es einmal, dass einige Mädchen, die in der Ikhuba wohnten, zum Baden an den Fluss gingen. 

    Als sie dort ankamen, steckten sie ein Mädchen ins Wasser und sagten: Bleib hier und bade, während wir am Ufer spielen. Aber als sie da spielten, stieg der Fluss an und nahm das Mädchen mit. Als die anderen wiederkamen, sahen sie, dass der Fluss das Mädchen mit sich genommen hatte. Sie gingen nach Hause. 

    Dort sagten sie niemandem, dass die Flut das Mädchen, das bei ihnen gewesen war, mitgerissen hatte. Sie schwiegen einfach still. 

    Dann erkundigten sich die Leute: Die Mädchen in der Ikhuba, wann kommen die denn wieder? Der Tag, an dem sie kommen sollten, ist doch schon längst vorbei.

    Und ein Mann verließ den Kraal, um Holz zu schlagen, und als er an den Fluss kam, hackte er drauflos: Poch, poch! Da fing das Mädchen zu singen an: "O weh, der du da hackst, geh und sage meiner Mutter, dass es Buhlasi, die Tochter des Häuptlings, nicht mehr gibt.

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