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Rezensionen für Leto und Niobe
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Buchvorschau
Leto und Niobe - Kim Bergmann
Prolog
Die Welt war noch jung, als Leto geboren wurde. Das Chaos war erst vor wenigen Zeitaltern vom sanften Schimmer des Eros belebt worden, und der Fall des Uranos unter den Händen des Kronos stand den Titanen noch lebhaft vor Augen.
Leto liebte es, ihre Eltern von früheren Zeiten sprechen zu hören. Abends, wenn alle daheim waren, kletterte sie oft auf Phoibes Schoß, kuschelte sich an sie und richtete die großen Augen erwartungsvoll auf ihren Vater, der dann ohne weitere Aufforderung zu erzählen begann. Und so lauschte Leto mit heimlichem Schaudern den Geschichten des Koios. Er beschrieb eindringlich und spannend, und Leto, deren Fantasie schon in jungen Jahren beeindruckende Maße erreicht hatte, sah sich selbst mit den Titanen schmachten, die von Uranos tief in der Erde eingeschlossen worden waren. Sie malte sich im Geiste beängstigende Geschöpfe aus, als Koios die Gerüchte erwähnte, denen zufolge an anderer Stelle noch andere Wesen ähnlich gefangen liegen sollten. Ihre Lieblingsgeschichte war jedoch die von Kronos, dem wilden Bruder ihres Vaters, der die Gefangenschaft der Titanen beendete, indem er Uranos entmannte und ins Meer stürzte.
Koios sagte ernst zu den großen Augen seiner Tochter: „Ich werde ihm ewig dankbar sein, dass er uns befreit hat, aber genauso dankbar bin ich dafür, dass ich nicht wie er bin. Uranos war immerhin unser Vater. Kronos ist wild und unbezähmbar, und seine Tat war Segen und Frevel zugleich. Außerdem hörten wir in unserem Kerker, wie Uranos ihm im Fall prophezeite, dass er ebenfalls von einem Sohn gestürzt werden würde, und seitdem hat nie jemand ein Kind des Kronos gesehen, obwohl Rheia andauernd schwanger ist. Er beugte sich vor und raunte mit gesenkter Stimme: „Man sagt, dass er seine eigenen Kinder verschlingt, um dem Fluch des Uranos zu entgehen.
Leto drückte sich unwillkürlich enger an Phoibe, die sie mit beiden Armen umschlang und ihren Gatten halb lächelnd, halb strafend anblickte. Koios setzte sich wieder auf, erwiderte das Lächeln seiner Gattin und strich Leto über den weichen Scheitel. „Na, Schatz, keine Angst. Du und Asteria, ihr müsst euch nicht beunruhigen."
Letos Schwester, die wie üblich auf dem Boden saß und ganz in das Spiel mit ihren Puppen vertieft war, schaute beim Klang ihres Namens auf.
„Was ist los?"
Koios lächelte ihr zärtlich zu und sagte: „Ich versicherte nur deiner Schwester gerade, dass wir euch nicht verschlingen werden wie Kronos seine Kinder."
Asteria wandte sich desinteressiert wieder ihrem kleinen Hofstaat zu.
„Weiß ich doch."
Leto wurde rot und wand sich verlegen in den Armen ihrer Mutter.
„Ich auch. Aber findest du das denn überhaupt nicht gruselig? Ich meine, er ist unser Onkel. Und er isst seine Kinder!"
„Bloß so eine Geschichte, mit der man uns Angst machen will, glaube ich", murmelte Asteria, während sie einer ihrer Puppen etwas Fürchterliches zustoßen ließ.
Leto blickte misstrauisch von Koios zu Phoibe. Beide schauten ernst, aber versteckte sich da nicht doch ein Lachen in ihren Augen?
„Wie auch immer, sagte sie, als sie sich tiefer in die Wärme ihrer Mutter kuschelte, „ich bin froh, dass er uns nicht besucht.
Koios lachte.
„Nein, das wird er wohl nicht. Habe ich dir schon von der besonderen Göttin erzählt, die beim Fall des Uranos geboren wurde?"
Leto wusste natürlich, wer gemeint war, und sie kannte die Geschichte, aber sie schüttelte den Kopf, um sie noch einmal zu hören.
„Als die Blutstropfen aus Uranos' Wunde ins Meer fielen, erzählte Koios, „begann das Wasser an dieser Stelle zu schäumen, und aus dem Schaum wuchs eine herrlich schöne Göttin hervor. Wir nennen sie Aphrodite, das heißt 'die Schaumgeborene'. Aphrodite stand mit ihren hübschen rosa Füßchen in einer Muschel, und diese Muschel trug sie über das Meer bis ans Ufer. Es heißt, dass die Fische sie den ganzen Weg über begleitet haben und weinen mussten, als sie an Land ging. Wohin sie ihren Fuß auch setzte, sprossen Blumen aus dem Boden, und alle Schöpfung neigte sich ihr zu, denn sie ist die Göttin der Liebe. Sie kümmert sich um alle Lebewesen, die lieben, es wollen oder es auch nicht wollen, denn wenn Aphrodite das so möchte, dann muss man sich ihr fügen, da hilft gar nichts. Sie ist sicherlich auf ihre Art die mächtigste Göttin überhaupt, vermutlich hat selbst Kronos vor ihr Angst. Liebte er Rheia nicht so sehr, müsste er schließlich keine Angst vor seinem Sturz haben.
Leto blickte nachdenklich auf.
„Ist sie denn böse, die Aphrodite?"
Koios krauste die Stirn, als er diese Idee bedachte, lächelte dann aber.
„Nein, Schatz, böse ist sie wohl nicht. Doch wenn man über solche Macht verfügt, kann man wohl kaum verhindern, dass man auch Unheil anrichtet. Aber was genau ich damit meine, meine Süße, wirst du vermutlich früh genug erfahren. Und um deine Mutter und mich musst du dir keine Sorgen machen. Wir dienen ihr treu."
Und hinter Letos Rücken fanden sich Koios‘ und Phoibes Hände.
Leto verstand nicht genau, was ihr Vater meinte, aber sie war sich sicher, dass es gut war, dass ihre Eltern Aphrodite treu dienten. Was war das aber wohl für ein Unheil, das die schöne Göttin anzurichten imstande war, fragte sich das kleine Mädchen, ehe es in den Armen seiner Mutter einschlief.
Zeus
Die Vögel setzten zu ihrem letzten Konzert für den Abend an und würden bald von den Grillen abgelöst werden, aber die Erde hier auf Kreta unter dem Olivenbaum war warm, und die Luft roch würzig, und Leto hatte keine Lust, sich auf den langen Heimweg zu machen. Asteria hatte inzwischen eine Tochter, Hekate, und so begabt und intelligent dieses Kind auch war, es war Leto ein bisschen unheimlich. Die Kleine hatte Kräfte, die sie sogar mit der Unterwelt in Verbindung treten ließen, und starrte ganze Nächte lang in den Mond. Außerdem war sie bemerkenswert humorlos für ihre fünf Jahre.
Leto seufzte und schloss die Augen. Du bist eine schlechte Tante, dachte sie sich. Andererseits hat dieses Kind schon so früh eine Persönlichkeit entwickelt, dass man ihm gegenüber auch früher als sonst die einzigartige, persönliche Sympathie oder Antipathie entwickelt, die sonst Älteren vorbehalten ist. Und in Hekates Fall war es bei Leto nun einmal Antipathie, daran ließ sich nichts ändern. Sie stellte fest, dass sie in den letzten Monaten außerordentlich viel Zeit im Freien verbracht hatte, beim Träumen, Wandern, Gärtnern. Die Sonne hatte ihre Haut gebräunt und die viele Bewegung sie ausdauernd und gesund gemacht. Trotzdem konnte sie sich selbst nicht darüber täuschen, dass sie das alles lediglich tat, um diesem Kind aus dem Wege zu gehen, und dass sie es gerade jetzt unheimlich genoss, hier zu liegen und gar nichts zu tun, außer nicht in Hekates Nähe zu sein.
„Schlechte, schlechte Tante, murmelte Leto, als die letzten Abendsonnenstrahlen ihr Gesicht streichelten. Sie fuhr mit der Hand müßig über die Gräser neben sich, hielt aber mitten in der Bewegung inne, als plötzlich eine unbekannte Stimme fragte: „Was hat die schlechte Tante denn verbrochen, und was kann ich tun, um sie zu strafen?
Leto blieb noch einen Sekundenbruchteil mit geschlossenen Augen liegen. Die Stimme klang angenehm, tief und samtig, sie erinnerte sie an die Erzählerstimme ihres Vaters. Allerdings hatte hier eindeutig ein neckender Unterton mit geschwungen, mutwillig, aber freundlich. Außerdem klang der Sprecher deutlich jünger als Koios. Wie interessant.
Langsam hob sie die Lider. Ein paar Meter entfernt stand ein junger Mann, den sie noch nie gesehen hatte. Abgesehen von einer kurzen Tunika schien er auf Kleidung nicht sonderlich viel Wert zu legen, er war barfuß wie sie, und das letzte Abendlicht malte beeindruckende Schatten auf seine muskulösen Arme und Beine. Schwarze Locken fielen ihm in die Stirn, und er lächelte sie fröhlich und neugierig an.
„Die schlechte Tante mag ihre Nichte nicht, antwortete Leto und lächelte zurück, während sie sich aufsetzte und ein Stück zur Seite rutschte – eine eigentlich vollkommen überflüssige Bewegung, saß doch weit und breit niemand außer ihr selbst, aber sie verfehlte ihre Wirkung nicht: Der interessante Fremde machte die letzten paar Schritte und ließ sich neben ihr nieder. Er betrachtete ihr Gesicht, die rehbraunen Augen, den sanft geschwungenen Mund, ließ seinen Blick über ihre ganze schlanke, aber wohl gerundete Gestalt schweifen, zupfte an ihren dunkelroten gewellten Haaren und fragte: „Und was gibt es an einer so entzückenden Nichte nicht zu mögen? Bist du vielleicht nicht sehr liebenswürdig?
Leto, die etwas Angst gehabt hatte, nach dieser Musterung aus seinen absurd blauen Augen unter den schwarzen Brauen plötzlich keine Worte mehr finden zu können, prustete los.
„Doch, lachte sie, „doch, ich bin sehr liebenswürdig, aber die Nichte nicht. Ich bin die Tante, hallo.
Sie streckte ihm die Hand hin, und er ergriff sie. Er hat große Hände, bemerkte sie, mit breiten Fingern, und man sieht die Adern auf dem Handrücken.
„Hat die Tante auch einen Namen? Ich heiße Zeus, sagte er. „Ich bin Leto. Es ist schön, deine Bekanntschaft zu machen
, gab sie zurück. „Kommst du aus der Gegend?"
Für einen winzigen Augenblick hatte sie das Gefühl, dass Zeus' Blick sich umwölkte, aber dann lachte er, als habe sie etwas höchst Treffendes gesagt, dass sie selbst aber nicht verstehen konnte.
„Ja, stimmte er zu, „ja, man kann sagen, ich komme aus der Gegend. Und du, bist du auch von hier?
„Na, nicht ganz, sagte sie zögernd. „Ich komme ziemlich weit herum auf der Flucht vor meiner Monsternichte, wenn man so will. Aber ich mag es hier sehr gern, es ist hübsch und friedlich.
Sie streckte die Hand aus und fing die ganze Szenerie ein, und er folgte mit den Augen mehr ihrem schlanken Arm, als dass er sich die Umgebung anschaute, aber er stimmte zu.
„Noch..." murmelte er.
„Was hast du gesagt?"
Leto blickte ihn fragend an, aber er hatte den Kopf abgewandt. Sie schaute direkt auf die kurzen Locken, die sich in seinen Nacken ringelten, und pustete unwillkürlich zart dagegen. Sofort biss sie sich auf die Lippen und errötete; was hatte sie sich nur gedacht? Zeus' Kopf ruckte herum: Von seiner kurzen Verstimmung war keine Spur mehr zu sehen. Er blickte auf ihren Mund, eine Augenbraue hochgezogen, ein amüsiertes Lächeln auf den Lippen. „Nichts."
Dann stand er auf, griff ihre Hand und zog sie auf die Beine. „Wenn du das hier schon schön findest, zeig ich dir noch einen anderen Flecken, ja?"
Er behielt ihre Hand gleich für sich, zog sie unter seinem Ellenbogen hindurch und bettete sie auf seinen Unterarm, während er seine andere Hand warm auf ihren Fingern ruhen ließ.
Leto wunderte sich, woher diese Vertrautheit rühren mochte; es fühlte sich gut an, bei Zeus eingehakt durch den Sonnenuntergang und die junge Nacht zu wandern. Verstohlen sog sie seinen Geruch ein. Er war beruhigend und aufregend gleichermaßen, genau wie seine Berührung und seine Blicke. Ihre Fingerspitzen spielten miteinander, und hin und wieder blickten sie sich an, lächelten, und Zeus drückte ihren Arm sekundenlang eng an seine Seite.
Als schließlich der Mond die Insel in sein silbriges Licht tauchte, musste Leto sich gewaltsam davon abhalten, Zeus die ganze Zeit anzustarren. Glücklicherweise schien er von ähnlichen Problemen geplagt, und als sich einmal mehr ihre Blicke kreuzten und sie beide unwillkürlich rasch fortschauten, lachte er leise auf. Er legte seine Hand unter ihr Kinn und drehte ihr Gesicht wieder zu sich, um sie ausgiebig anzuschauen, und zu ihrem Erstaunen wurde sie nicht einmal rot, sondern genoss es, ihn so genau mustern zu können. Erst, als sie zu stolpern begannen, weil sie nicht mehr auf den Weg geachtet hatten, rissen sie ihre Blicke voneinander los, um sich nur mehr alle Augenblicke durch ein Lächeln zu verständigen.
Sie sprachen nicht viel, als sie begleitet vom Zikadenchor über die Insel wanderten. Ihre Äußerungen beschränkten sich größtenteils auf Bemerkungen über die Landschaft oder die Sterne; beide waren zu erfüllt vom Staunen über das, was da gerade mit ihnen geschah, und von einem überraschenden, überschwänglichen Glücksgefühl.
Leto stellte fest, dass sie nicht wissen wollte, ob er ein Titan war wie sie oder eins von Prometheus' Geschöpfen, den Menschen. Sie vermutete zwar den Titan in ihm, weil er ihr so umwerfend erschien, aber sie würde nicht fragen. Hier und jetzt war er perfekt, und was konnte er schon sagen, was ihn verbessern würde? Dass er ebenfalls nicht fragte, nahm sie nur noch mehr für ihn ein.
Irgendwann hörte Leto das Meeresrauschen lauter werden, sie blickte Zeus fragend an. „Ja, dahin wollte ich, sagte er. „Bist du müde?
Sie schüttelte den Kopf, so voller Energie war sie seit Kindertagen nicht mehr gewesen. „Ich könnte jetzt stundenlang laufen."
„Klettern auch?"
Er zeigte nach vorn, wo der Mond den vor ihren Füßen zum Meer abfallenden Fels beschien.
„Klettern ganz besonders", erklärte sie ihm. Sie zog ihre Hand von seinem Arm und machte sich gewandt an den Abstieg. Als Kind war sie leidenschaftlich gern in den Klippen herumgeturnt, warum hatte sie nur so lange nicht mehr daran gedacht? Sie fühlte ihr Herz klopfen, sog die Seeluft tief in die Lungen und setzte sicher die Füße und Hände auf den noch vom Tag warmen Stein. Kurz über ihr kletterte Zeus; sie gestattete sich einen ausgiebigen Blick auf seine kräftigen Waden und lachte leise, weil der Augenblick so verheißungsvoll war.
Am Strand angekommen, wartete Leto nicht auf Zeus, sondern lief direkt über die wenigen Meter Strand ins Meer, bis sie fühlte, wie das laue Wasser fast ihre Knie erreichte. Hier wurde es sehr schnell sehr tief. Der Saum ihres Kleides wurde nass, und es war ihr vollkommen egal.
Hinter sich hörte sie Zeus über den Sand laufen, und gerade, als sie sich nach ihm umdrehen wollte, hechtete er auf sie zu, packte mit den Händen ihre Taille und stürzte sie beide kopfüber ins Wasser. Spuckend und prustend kam Leto wieder hoch, wischte sich das Meerwasser aus den Augen und sah, wie Zeus direkt vor ihr auftauchte und die Haare nach hinten warf. Grinsend blickte er auf sie herab.
Sie keuchte. „Du bist doch... „...großartig?
Er nahm ihr Gesicht in die Hände, beugte sich über sie und küsste sie. Seine Lippen waren nass, warm und salzig, und sein Atem streichelte ihre Wange. Der Kuss fühlte sich an wie alle Berührungen bisher: Aufregend, sehr innig und überraschend selbstverständlich. Ihre Zunge begrüßte seine, als sie langsam und genießerisch in ihren Mund glitt und sie streichelte. Ihre Hände hoben sich ganz von selbst und legten sich auf seine Brust.
Lange Momente vergingen, ehe sich ihre Lippen voneinander lösten, und Zeus war entzückt zu sehen, dass Leto heute schon zum zweiten Mal langsam die Augen zu ihm aufschlug. Ebenso langsam breitete sich ein Lächeln über ihr Gesicht, das ihm direkt ins Herz schnitt. Wenn er das jeden Morgen sehen dürfte!
„Das war nicht das Wort, nach dem ich gesucht hatte."
Er blickte verwirrt. Wort? Sie lachte leise, als sie sein Gesicht sah, und half ihm auf die Sprünge.
„Großartig. Eigentlich wollte ich das nicht sagen, aber irgendwie hast du wohl doch recht. Ein bisschen großartig bist du vermutlich."
Er grinste und nahm sie in die Arme.
„Bin ich das, ja? Na, dann ist es wohl gut, dass du auch ein bisschen großartig bist. Vielleicht sogar auch ein bisschen mehr."
Er küsste ihre Mundwinkel.
Leto betrachtete zärtlich sein Gesicht und strich ihm eine feuchte Locke aus der Stirn. Er fing ihre Hand ein und biss spielerisch in den Daumenballen. Sie lachte und entwand sich ihm, sodass Zeus für einen kurzen Moment die schreckliche Vorstellung hatte, sie könne jetzt einfach verschwinden. „Warte, rief er, die Hand nach ihr ausstreckend, „magst du bei mir bleiben?
„Wenn du mich fängst", gab sie zurück und verschwand im Meer. Zeus hechtete hinter ihr her, und für einige Minuten lieferten sie sich eine wilde, chaotische, planschende Verfolgungsjagd, ehe er einen Richtungswechsel antäuschte, woraufhin sie einen Haken schlug und direkt in seinen Armen landete.
Lachend und keuchend hielten sie sich aneinander fest, und Zeus fragte: „Also, was ist jetzt? Ich hab dich gefangen, darf ich dich jetzt behalten? Leto hörte auf zu lachen und schaute in seine blauen Augen. Sie fragte nicht wo oder wie lange, sie sagte nur leise: „Ja.
Zeus hob sie auf die Arme, drückte liebevoll die Lippen auf ihre und trug sie zum Strand. Er bettete sie auf den warmen Sand, legte sich neben sie und nahm sie in die Arme. Sie kuschelte sich an ihn, sah zum ihm auf, lächelte zufrieden und schloss die Augen. Noch ehe Zeus sie fragen konnte, ob sie jetzt wirklich und wahrhaftig schlafen wollte, hatte Morpheus auch ihn übermannt – er forderte seinen Tribut für das Wandern, Klettern und Herumalbern im Wasser.
Leto hörte als erstes die Brandung. Mit geschlossenen Augen lauschte sie dem Rauschen, schnupperte sie die salzige Luft. Die Sonne wärmte angenehm ihre Haut. Leto fühlte sich großartig und versuchte schlaftrunken festzustellen, wo sie war. Mit ihren Eltern und Asteria am Strand? Dann kehrte die Erinnerung zurück und ließ ihr Herz hüpfen. Nein, sie war älter, und es war nicht ihre Familie, die bei ihr war.
Sie öffnete die Augen und drehte sich behutsam unter Zeus' Arm, bis sie ihm ins Gesicht blicken konnte. Er schlief noch tief und fest, und so betrachtete sie ihn eingehend. Er sah entspannt und zufrieden aus, fast wie ein großer Junge, obwohl seine prägnanten Gesichtszüge und die Bartstoppeln darauf hinwiesen, dass er alles andere war als das. Seine Tunika war verknittert und starr vom getrockneten Salzwasser, und in seinen zerzausten Haaren hingen Unmengen von Sand. Auf eine absurde Weise ließ ihn das noch attraktiver erscheinen, irgendwie wild. Leto lachte im Stillen über ihre eigenen Gedanken und fragte sich gerade, wie sehr das Salzwasser und der Sand ihrem eigenen Aussehen zugesetzt haben mochten, als Zeus die blauen Augen aufschlug, sie schlaftrunken ansah und breit zu lächeln begann.
„Guten Morgen, murmelte er und zog sie fester in seine Arme. „Du bist wunderschön. Magst du immer noch bei mir bleiben?
Leto küsste ihn sanft auf die Lippen. Gedankenleser, dachte sie.
„Guten Morgen. Weil du so nett bist und im Schlaf so gut aussiehst, bleibe ich bei dir."
Zeus schüttelte kurz den Kopf, um die letzte Schläfrigkeit zu vertreiben, und runzelte gespielt entrüstet die Brauen, ehe er sich behände mit Leto in den Armen drehte, sodass sie flach auf dem Rücken lag und er strafend auf sie hinab blicken konnte.
„Ich sehe also im Schlaf gut aus, ja? Und was ist, wenn ich wach bin?"
Leto vergaß für einen Moment das Atmen, als Zeus' Oberkörper ihren berührte, und stellte mit Entzücken fest, dass es ihm nicht anders erging.
„Wenn du wach bist – na, das kommt ganz darauf an, sagte sie. „So im Gegenlicht, mit der Abendsonne im Rücken, die mir direkt in die Augen schien, warst du schon ganz ansehnlich. Mondlicht hat sich ebenfalls als eindeutig vorteilhaft für dich erwiesen. Und jetzt, also so richtig bei Tageslicht betrachtet...
Sie ließ den Satz verklingen und tat so, als unterzöge sie Zeus einer genauen Betrachtung. Der biss ihr spielerisch ins Kinn.
„Biest!"
Lachend wehrte sie ihn ab.
„Nicht! Du hast ja keine Ahnung, was ich sagen wollte."
„Ach ja, und was war das?"
Sie legte nachdenklich den Kopf schief.
„Nein... nein, ich fürchte, jetzt habe ich es vergessen."
Zeus lachte und küsste sie.
„Vielleicht fällt es dir ja später wieder ein, wenn ich sehr nett zu dir gewesen bin. Du schmeckst übrigens nach Salz."
„Du auch. Du möchtest sehr nett zu mir sein? Wie das denn?" Zeus sah ihr einen Moment lang tief in die Augen, und sie spürte, wie sein Herz kurz aussetzte, um dann schneller zu schlagen. Er stützte sich neben ihr auf einen Ellenbogen und zupfte an ihrem zerknitterten Gewand. Seine Stimme klang eine Winzigkeit rau.
„Ich könnte mich sehr fürsorglich geben und dich darauf hinweisen, dass du dir so das hübsche Kleid ruinierst. Vielleicht wäre es besser, wenn du es ausziehst, sonst wird es ganz sandig."
Leto hörte durch das rauschende Blut in ihren Ohren kaum ihre eigene Stimme, als sie antwortete: „Gut, dass du das sagst; ich hätte es gar nicht bemerkt, und es ist doch mein Lieblingskleid. Würdest du mir helfen?"
Und so half Zeus ihr aus dem zerknitterten Kleid. Stumm, aber mit leuchtenden Augen betrachtete er sie, und ihr ging durch den Kopf, dass es gut war, dass er neben ihr lag, weil sie bestimmt unsicher geworden wäre, hätte er sie ohne diese Nähe so angeschaut. Just diesen Moment wählte Zeus, um aufzustehen. Ehe sich aber die gefürchtete Unsicherheit einstellen konnte, hatte er die Tunika abgestreift, und Leto vergaß schlagartig ihre Sorgen über ihr eigenes Aussehen,
