Über dieses E-Book
Die beiden Mädchen verstehen sich gut. Nana begeistert Nina mit ihren akrobatischen Kunststücken, aber die Erwachsenen machen es ihnen schwer. Als ein Baby in Nanas Familie krank wird, erlauben ihnen Ninas Eltern, dass sie bis zur Gesundung des Babys im Gartenhaus ihres Parks übernachten dürfen.
Jetzt beginnen die Probleme. Für Ninas Mutter ist der Park ihr großes Hobby und ihr Gärtner sieht durch die Flüchtlinge die Ordnung und Sauberkeit des Parks gestört. Ninas Vater denkt nur an seine Arbeit, aber kaum an die Flüchtlinge. Und Nanas Vater fühlt sich in seiner Religion angegriffen, als er in der Zeitung des Gärtners eine Mohammed-Karikatur entdeckt.
Das sorgt für einen Wirbel, der nicht nur die Familien von Nina und Nana erfasst, sondern auch die Schule, wo Ninas Lehrerin nur unter Aufbietung ihrer pädagogischen Fähigkeiten den Streit schlichten kann. Nanas Vater aber will nicht mehr in Gartenhaus bleiben, sondern zieht mit seiner Familie weiter in die nächste Flüchtlingssiedlung vor den Toren der Stadt. Nina verspricht Nana, sie dort zu besuchen, aber es wird nicht einfach sein, weil Nanas Vater, in seinem religiösen Stolz verletzt, ihre Freundschaft nicht will.
Für ihre Freundschaft sprechen aber Ninas Neugier und Offenheit und Nanas Wunsch, mit ihrer Hilfe Ärztin zu werden.
Klaus Steinvorth
Studium der Germanistik und Anglistik in Hamburg, Freiburg, USA 15 Jahre im Ausland als Lektor und Lehrer: USA, Frankreich, Indien, Nigeria, Ägypten. Gymnasiallehrer in Hamburg und Norderstedt, Schleswig-Holstein verheiratet, 3 Kinder, 7 Enkelkinder
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Buchvorschau
Nina und Nana - Klaus Steinvorth
Klaus Steinvorth
Nina und Nana
Für Rosa
Nina, die 12-jährige Tochter sehr reicher Eltern, schließt Freundschaft mit einem gleichaltrigen Mädchen, das ihr Gegenteil ist: Sie ist arm, schwarz, muslimisch, ein Flüchtlingskind, das ihre Mutter verloren hat. Kann so eine Freundschaft bestehen?
Die beiden Mädchen verstehen sich gut. Nana begeistert Nina mit ihren akrobatischen Kunststücken, aber die Erwachsenen machen es ihnen schwer. Als ein Baby in Nanas Familie krank wird, erlauben ihnen Ninas Eltern, dass sie für eine Zeitlang im Gartenhaus ihres Parks übernachten.
Jetzt beginnen die Probleme. Für Ninas Mutter ist der Park ihr großes Hobby und ihr Gärtner sieht durch die Flüchtlinge die Ordnung und Sauberkeit des Parks gestört. Ninas Vater denkt nur an seine Arbeit, aber kaum an die Flüchtlinge. Und Nanas Vater fühlt sich in seiner Religion angegriffen, als er in der Zeitung des Gärtners eine Mohammed-Karikatur entdeckt.
Das sorgt für einen Wirbel, der nicht nur die Familien von Nina und Nana erfasst, sondern auch die Schule, wo Ninas Lehrerin nur unter Aufbietung ihrer pädagogischen Fähigkeiten den Streit schlichten kann. Nanas Vater aber will nicht mehr in Gartenhaus bleiben, sondern zieht mit seiner Familie weiter in die nächste Flüchtlingssiedlung vor den Toren der Stadt. Nina verspricht Nana, sie dort zu besuchen, aber es wird nicht einfach sein, weil Nanas Vater, in seinem religiösen Stolz verletzt, ihre Freundschaft nicht will.
Für ihre Freundschaft sprechen aber Ninas Neugier und Offenheit und Nanas Wunsch, mit ihrer Hilfe Ärztin zu werden.
Bildnachweis
Cover: dreamstime.com
Rückseite: welt.de
1. Kapitel. Der Unfall
Nina sprang die Treppe hinunter. Endlich war die Schule aus. „Dreimal x ist nix!, sang sie laut. „Hoppe, mach mal fix!
, sang Lisa weiter, die neben ihr lief. Frau Hoppe war ihre Klassenlehrerin, bei der sie Mathe hatten, und sie sagte bei jedem, der etwas länger brauchte: „Mach mal fix!" Dabei machte sie selbst nicht fix und wollte zu keinem Ende kommen. Auch die Uhrzeiger machten nicht fix, sondern bewegten sich wie Schnecken. Da guckte man am besten nicht hin und war ganz überrascht, dass es doch klingelte.
Jetzt konnte es nach Hause gehen. Nina wurde mit Papas großem Wagen nach Hause gebracht. Sie hatten einen neuen Fahrer, weil Herr Kramer krank geworden war. Der neue hieß Ibrahim, war schwarz, weil er aus Afrika kam, hatte Kräuselhaar und große Augen, die lustig funkelten und manchmal rollten. Er sprach nicht so gut Deutsch, aber besser Englisch, weshalb er mit Nina Englisch sprechen sollte. Sie hatten in der Schule gerade mit Englisch angefangen und dann könnte sie doch mit ihm unterhalten, hatte Papa gesagt.
Ibrahim stand an der Wagentür, die er geöffnet hatte, tippte an seine Mütze und bat sie, einzusteigen. „Please, get in, missus!", sagte er.
Lisa kicherte. Mit ihr stand die halbe Schule um den großen Wagen und staunte den schwarzen Fahrer an. Denn es war das erste Mal, dass Ibrahim sie von der Schule abholte.
„Willst du mit?" Nina drehte sich zu Lisa.
Lisa zögerte. Damit hatte sie nicht gerechnet.
„Ibrahim macht einen kleinen Umweg und bringt dich nach Haus. Nicht wahr, Ibrahim?"
Er rollte mit den Augen, was heißen konnte, dass er sie nicht verstand oder nicht verstehen wollte.
„I show you the way!", sagte Nina und reckte sich. Sie war stolz auf ihren englischen Satz. Papa sprach manchmal mit ihr englisch. Er konnte gut Englisch, er brauchte es für seine Arbeit.
Ibrahim wiegte den Kopf. Nina wusste, dass er noch Papa abholen musste und der durfte nicht warten.
„She shows you the way", sagte Nina und zeigte auf Lisa, die schnell sagte: „Yes, yes!" und stolz war, dass sie mitreden konnte.
Das entschied. Ibrahim nickte und fuhr mit einer Affengeschwindigkeit rückwärts über den Parkplatz. Er hupte und guckte scharf in den Rückspiegel. Die Schüler sprangen beiseite und Nina dachte schon, der Wagen würde andere schrammen. Aber er flutschte unbeschadet durch. Auf der Straße fuhr er noch schneller. Er überholte mehrere Autos und winkte durch das Fenster, als wollte er sich entschuldigen. Papa durfte eben nicht warten.
Doch bald klebte hinter ihnen ein Auto, das sie immer wieder zu überholen versuchte. Als eine Ampel vor ihnen auf Rot schaltete, fuhr Ibrahim langsamer. Das nutzte der Fahrer hinter ihnen aus, um nach vorn zu schießen und sie abzudrängen. Ibrahim trat auf die Bremse, aber es war zu spät. Der Überholer raste auf sie zu und schrammte sie, Ibrahim hatte Mühe, sein Auto auf der Straße zu halten.
Aus dem schweren Überholwagen stürzte ein Mann, der finster aussah mit seinem schwarzen Schnurrbart und seinen schwarzen Augenbrauen. Er riss Ibrahim hoch, der gerade die Tür öffnete, und schrie: „Du kannst in Afrika wie ein bekloppter Affe fahren! Aber nicht in Deutschland!"
Ibrahim rief. „No, sir! No, sir!"
Da hatte er schon zugeschlagen und Ibrahim sackte weg. Der Gangster sprang in seinen Wagen und raste davon.
Nina ballte die Faust. Sie hatte so eine Wut auf diesen Gangster, dass sie es schade fand, dass sie nur ein kleines Mädchen war und nicht der Sheriff, der aus der Hüfte schoss.
Dann sah sie Ibrahim, der stöhnte.
„Was hast du?, rief Nina. „Ist es schlimm?
„It's okay", sagte er und stand auf. Aus seinem Mund tropfte Blut. Er setzte sich hinter das Steuer und legte den Kopf auf seine Hände. Sein Körper zuckte. Er weinte! Nina hatte noch nie Papas Fahrer weinen sehen. Also war es überhaupt nicht okay!
„Ruf deinen Vater an!", flüsterte Lisa.
Das wollte Nina gerade tun. Sie hatte ihr Handy schon in der Hand. Sie brauchte nur einen Knopf zu drücken, weil die Nummer eingespeichert war. Aber es dauerte eine Ewigkeit, bis er sich meldete.
„Papa!, rief sie aufgeregt. „Ein Gangster hat uns angefahren. Er hat Ibrahim zusammengeschlagen!
„Ist dir was passiert?" Sie hörte, wie er stark atmete.
„Nein, aber..."
„Warte!, sagte Papa. „Gib mir mal Ibrahim!
Sie reichte ihm ihr Handy und hörte, wie er „No, sir!" und „Yes, sir!" sagte. Mehr verstand sie nicht. Er sprach auch ein anderes Englisch, als sie es in der Schule lernten. Aber Papa verstand ihn gut. Er war im Computer-Business, da sprachen sie nur Englisch.
Ibrahim gab ihr das Handy zurück. Papa war noch dran. „Ich schicke euch Herrn Müller. Der wird Ibrahim helfen. Ich benachrichtige auch die Polizei. Du verhältst dich ganz ruhig. Okay?"
„Okay", sagte sie.
„Was hat dein Papa gesagt?", fragte Lisa.
Richtig, sie war auch noch da! Papa wusste nichts von ihr. Und ihre Mutter auch nicht. „Willst du zu Hause anrufen?", fragte Nina und reichte ihr das Handy.
Ihre Mutter sprach so laut, dass Nina sie durch das Telefon hören konnte. Sie regte sich auf, dass Lisa mitgefahren war. Sie wollte gleich mit ihrem Auto zu ihnen kommen, sagte Lisa, als sie Nina das Handy zurückgab. Sie seufzte: Ihre Mutter hatte immer Angst, dass was passierte. Und dann passierte auch noch was!
„Meine Mama hat noch mehr Angst!, sagte Nina. „Deshalb rufe ich sie nicht an.
Sie hoffte, dass Papa es auch nicht tat.
Lisas Mutter war bald da, weil sie nicht weit weg wohnte. Sie nahm Lisa in den Arm und weinte fast vor Freude oder vor Angst und Lisa hielt ganz still und versuchte sie dann zu beruhigen.
„Hallo, Nina!, sagte die Mutter und hielt Lisa fest im Arm. „Ist dir was passiert?
„Mir ist nichts passiert, nur Ibrahim", sagte Nina und Lisa entwand sich den Armen ihrer Mutter und wollte zurück zu Nina.
„Nein!, sagte ihre Mutter streng. „Wir fahren jetzt nach Hause. Das Mittagessen ist mir schon kalt geworden.
Es half nichts, Lisa musste mit. Sie ging höflich zu Ibrahim und sagte lächelnd „Good bye!" Ibrahim wollte auch lächeln, aber er konnte nur das Gesicht verzerren, seine Lippen waren blutig geschlagen.
Lisas Mutter fragte besorgt, ob alles okay war. Ibrahim sagte: „Yes, madam, everything okay!"
Dann kam Herr Müller. Der war noch dicker als Papa. Papa hatte einen kleinen Bauch, Herr Müller einen großen. Den schob er zu Ibrahim, der aus dem Wagen gesprungen war, gerade stand und mit zwei Fingern an der Mütze tippte. Das Blut an seinem Mund lief nicht mehr. Sie unterhielten sich englisch. Nina verstand wieder nur „Yes, sir!", „No, sir!"
Schließlich kam die Polizei. Sie kamen mit drei Wagen, Blaulicht und heulenden Sirenen. Sie alle zuckten zusammen, Ibrahim zitterte und lehnte sich an die Tür. Mehrere Polizisten umringten sie, schauten durch die Scheiben, liefen hin und her. Herr Müller sagte etwas, da gingen sie zu ihm.
Jetzt stieg Nina aus. Sie wollten hören, was die Polizei sagte.
Sie fragte Ibrahim nach seinen Papieren und er gab ihnen ein Papier, das von Hand zu Hand wanderte. Jeder schüttelte den Kopf. Keiner konnte lesen, was darauf stand. Auch Herr Müller nicht. „Haben Sie keinen internationalen Führerschein?", fragte der erste Polizist.
Ibrahim sagte: „Yes, sir!" und zeigte auf sein Papier: „international". Aber die Polizisten waren nicht zufrieden.
Herr Müller sagte, dass ihr richtiger Fahrer, Herr Kramer, krank geworden war, und Ibrahim ihn für die Zeit ersetzte. Die Firma würde für ihn bürgen und fehlende Papiere nachreichen. Jetzt sollte man sich doch bitte schön um den Unfall kümmern. Hier ging es offensichtlich um Fahrerflucht!
Der erste Polizist machte ein strenges Gesicht. Er wollte von Ibrahim einen Ausweis sehen, einen Personalausweis, wenn möglich.
Ibrahim zeigte ihnen ein zweites Papier, auf das die Polizisten ihre Köpfe fallen ließen. Sie schüttelten sie, als sie aufschauten. „Das ist nur ein Flüchtlingsschein", sagte der erste Polizist.
Herr Müller seufzte. Seine Firma würde sich darum kümmern.
Der erste Polizist sah immer noch streng aus. „Tun Sie das! Ein Fahrer ohne gültige Papiere kann ein Verkehrsrisiko sein, dem man nicht unbedingt sein eigenes Kind anvertraut."
Herr Müller bekam einen roten Kopf.
„Das ist nicht mein Papa!", rief Nina.
Herr Müller beeilte sich zu versichern, dass der Vater des kleinen Mädchens sein Chef war.
Nina wollte wieder rufen, dass sie nicht klein war, unterließ es aber. Das wäre jetzt kindisch. Es gab wichtigere Sachen.
Der Polizist zuckte die Achseln „Wir werden bei Ihrer Firma nachfragen müssen."
Er schrieb die Adresse von Papas Firma auf und klappte sein Büchlein zu. Dann wandte er sich an Ibrahim. Ob er sich das Kennzeichen des Fluchtautos gemerkt hatte?
Ibrahim sah ihn hilflos an und zeigte auf das verkrustete Blut an seinem Mund.
Herr Müller übersetzte ihm die Frage.
Ibrahim antwortete schnell auf Englisch. Es war klar, dass er nicht viel sehen konnte, weil man ihn zusammengeschlagen hatte.
Nina ärgerte sich, dass sie nicht auf die Autonummer geschaut hatte. Es war alles viel zu schnell gegangen!
Aber die Polizisten fragten sie, ob sie das Fluchtauto beschreiben konnte.
„Es war groß und schwarz", sagte Nina sofort.
Der Polizist nickte und sah sie an.
„Allradantrieb!, sagte Nina. „Ranger. Pick-up!
Papa benutzte so einen Wagen, wenn er zum Angeln fuhr.
Das Gesicht des Polizisten leuchtete auf. „Du hast gut beobachtet!", lobte er sie.
Nina freute sich.
Die Polizisten gingen noch einmal um den Wagen herum und sahen sich den Schaden an. Über dem linken Vorderrad gab es die Schramme und die Beule. Der Wagen konnte weiterfahren, aber Ibrahim durfte es nicht, Herr Müller musste fahren.
Er schob seinen Bauch unter das Steuer und fuhr los. Ibrahim drückte sich zusammen, als wollte er ganz klein werden. Er tat Nina leid.
„Don't worry! Take it easy!"
Das hatte sie von Papa gehört.
Er machte ein schiefes Gesicht.
Herr Müller sagte, er würde sie jetzt nach Hause bringen und ihr Vater würde anschließend kommen. Das sollte sie bitte ihrer Mutter ausrichten.
Sie versprach es.
2. Kapitel. Blacky jault
Herr Müller setzte sie vor dem Tor zu ihrer Villa ab, wendete und fuhr zurück zu Papa. Nina drückte auf den Knopf der Sprechanlage, schon öffnete sich das Tor und ihr Pudel Blacky sprang ihr bellend entgegen, gefolgt von Oma und Konstanze. Oma war immer schon bei ihnen gewesen und kümmerte sich um Nina, weil
