Kriegswirren: Horror- Kurzgeschichten
Von Max Stascheit
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Über dieses E-Book
Gegen Ende des zweiten Weltkrieges erleben amerikanische Soldaten in einem Bau der Nazis das absolute Grauen, ein junger Kunststudent besucht seine Familie
auf einer englischen Halbinsel, doch ein blutgieriges Wesen geht dort um, eine Gameshow in der Zukunft hat nur eine Regel: Drücken Sie den roten Knopf und eine Babysitterin erlebt die Horrornacht ihres Lebens...
Diese und weitere makabre Kurzgeschichten vom Newcomer des Horrors erwarten Sie in dieser doppelbödigen Anthologie.
Max Stascheit
Max Stascheit, geboren 1991, entdeckte seine Leidenschaft für die Literatur bereits in jungen Jahren durch Werke von Stephen King. Besonders inspiriert wurde er von Robert Bloch, den er als sein schriftstellerisches Vorbild nennt. Nach einem Studium in Design sowie Film-, Literatur- und Theaterwissenschaften widmete er sich einer vielseitigen kreativen Laufbahn: Er arbeitet als Journalist, ist Autor von fünfzehn Kurzgeschichtenbänden und Romanen, Moderator der eigenen Musiksendung "MAXimal Musik" bei Alsterfilm und Filmkritiker beim Format "Pantoffelkino". Darüber hinaus ist er Host seines eigenen Podcasts "MAX Der Podcast", in dem er nationale und internationale Gäste aus Kunst, Musik und Kultur begrüßt, produziert Hörspiele, tritt als Schauspieler auf und verwirklicht Filmprojekte.
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Buchvorschau
Kriegswirren - Max Stascheit
Das Buch
Gegen Ende des zweiten Weltkrieges erleben
amerikanische Soldaten in einem Bau der Nazis das
absolute Grauen, ein junger Kunststudent besucht
seine Familie auf einer englischen Halbinsel, doch ein
blutgieriges Wesen geht dort um, eine Gameshow in
der Zukunft hat nur eine Regel: Drücken Sie den roten
Knopf und eine Babysitterin erlebt die Horrornacht
ihres Lebens...
Diese und weitere makabre Kurzgeschichten vom
Newcomer des Horrors erwarten Sie in dieser
doppelbödigen Anthologie.
Der Autor
Max Stascheit wurde am
09.04.1991 in Vechta geboren.
Schon in jungen Jahren faszinierte
ihn das Unheimliche und
Makabre.
Comics, Kurzfilme und Hörspiele
sind nur einige Dinge die ihn begeistern und immer wieder
erneut antreiben.
Erste Erfahrungen mit Horrorliteratur machte er mit
Büchern von Stephen King.
Sein großes schriftstellerisches Vorbild ist nach eigenen
Aussagen Robert Bloch.
2
Max Stascheit
Kriegswirren
Kurzgeschichten
3
Titel der Originalausgabe
>Kriegswirren<
Copyright © 2015 -‐ Max Stascheit
Umschlagillustration -‐ Max Stascheit
ISBN 978-‐3-‐7375-‐4127-‐5
Deutsche Erstausgabe
Alle Rechte vorbehalten
Copyright 2015
Max Stascheit
4
5
Kriegswirren
Seite 7
Der Theaterbesuch
Seite 86
Drücken Sie den roten Knopf!
Seite 90
Das Familientreffen
Seite 99
Schiffbrüchig
Seite 175
Schere, Stein, Papier
Seite 187
Wie du mir, so ich dir
Seite 189
Der Grinsende
Seite 194
Das Streitgespräch
Seite 198
Nachwort des Autors
Seite 202
6
Leseprobe
Seite 207
7
Kriegswirren
Aus einer zerbeulten Blechdose, noch halb gefüllt mit einer
übelriechenden Erbsenmischung, kroch eine schwarz-‐
verklebte Spinne auf den schlammigen Asphalt.
Leutnant Liam Barns zog noch ein letztes Mal an seiner
Lucky Strike Zigarette und drückte sie zielsicher auf dem
Kriechtier aus. Es zischte kurz und der bläuliche
Zigarettendampf quoll aus dem zerquetschten Leib der
Spinne in den Nachthimmel.
Der Soldat erhob sich langsam und stieß dabei den
klapprigen Holzschemel um, auf dem er gerade noch
gesessen hatte.
>>Wir müssen weiter.<< rief er entschlossen zu seinen
Kameraden, welche einige Meter vor ihm ebenfalls eine
Pause gemacht hatten.
Ein schneidender Wind umspielte die einengende Kleidung
der Männer. Barns schulterte seine M1903 Springfield und
ging langsam auf die anderen zu.
>>Das Ortsschild haben wir passiert. Bis wir in Binz sind,
wird es sicher noch eine halbe Stunde dauern. Wir werden
dort unser Nachtlager aufschlagen.<<
Das wettergegerbte Gesicht des Leutnants wurde hart. Die
Kälte kroch unaufhaltsam in die Knochen der Soldaten und
schwächte sie. Und da war noch der Hunger.
Seit Tagen hatten sie nichts gegessen, nur eine kleine
Ration war noch übrig und man hatte beschlossen, diese
bis Binz nicht zu verzehren.
Ein junger Mann drehte sich zu seinem Vorgesetzten um
und musterte den Nachthimmel.
>>Bisher sind wir gut vorangekommen. Wollen wir sicher
in dem Ort übernachten?<<
Der junge Mann, aus dessen Antlitz jegliche Unschuld der
Jugend gewichen war, blickte den Leutnant ernst an.
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>>Wir haben seit Tagen keine weiteren Angriffe mehr
abwehren müssen. Doch der Schein kann trügen. Diese
Krauts können durchaus taktisch vorgehen. Vor allem,
wenn sie wissen, dass nun nichts mehr zu verlieren ist.<<
Barns blickte entschlossen zu dem jungen Mann.
>>Ich denke, wir sollten es riskieren, Ethan. Seit wann
hatten wir kein richtiges Dach mehr über dem Kopf? Der
Krieg ist vorbei und unsere Mater auf hartem Grund
ebenfalls.<<
Logan Gleeson, ein Mann in den Vierzigern, nickte und
legte seine Hand auf die Schulter des jungen Ethan Roth.
>>Er hat recht Ethan. Wir werden in Binz unser Lager
aufschlagen. Vielleicht gibt es eine Pension, die wir nutzen
können.<<
Ethan Roth nickte.
>>Dann lasst uns keine Zeit verlieren. Diese vermaledeite
Kälte ist nicht mehr auszuhalten.<<
Der Wind pfiff harsch von Richtung des Meeres. Die Ostsee
war bekannt für ihre Launen.
Die Männer gingen die verdreckte Straße entlang. In ihrem
Blickfeld tauchten die ersten Häuser auf, dicht gefolgt von
prunkvollen Villen neureicher Deutscher.
Sie würden bald nette Gesellschaft erhalten, dachte Barns
und zündete sich eine weitere Zigarette an. Bisher hatte er
hausgehalten mit seinem spärlichen Zigarettenvorrat, doch
in Anbetracht der Umstände konnte er getrost eine
Ausnahme machen.
Der Krieg war vorbei, die Deutschen geschlagen und nur
noch eine letzte Mission zu tun.
Das Feuer aus dem Zippo des Leutnants flackerte im Wind.
Schützend hielt er eine Hand vor die kleine Flamme und
zog an seiner Zigarette. Das Nikotin füllte seine Lunge und
brachte ein klein wenig Wärme mit sich.
Die Männer sahen flackernde Lichter hinter den
zugezogenen Gardinen der kleinen Häuser.
Die Menschen hatten Angst. Nicht nur vor den Erlebnissen
9
des Krieges. Sie hatten Angst vor dem, was kommen
würde. Hitler war tot, das Reich geschlagen und die
versprochene glorreiche Zukunft im tausendjährigen Reich
in Schutt und Asche, so wie auch die meisten deutschen
Städte.
Doch in Binz sah es anders aus. In ganz Mecklenburg-‐
Vorpommern hatte der Krieg nicht so sehr gewütet wie in
Dresden oder Berlin. Hier lebte man nicht in
Trümmerfeldern und zwischen Leichenbergen.
Doch die Stadt wirkte dennoch bedrohlich. Eine beinahe
unerklärliche Unruhe breitete sich in der Brust der
Soldaten aus.
Sie waren viel gewohnt, doch selbst an diesem Ort schien
der Krieg eine weitere Facette dazugewonnen zu haben.
>>Seht ihr das?<< fragte der vierte Mann der Truppe, ein
hochgewachsener Riese, der auf den Namen Kibutz hörte.
Die Männer verlangsamten ihre Schritte und blickten auf
die ausgestreckte Hand ihres Kameraden, welche in die
Richtung eines Hauses zeigte.
Im Wind schaukelte ein aus Holz gesägtes Schild, auf
dessen durch Regen und die Zeit verblasster Vorderseite
ein Name stand.
Pension zum eisernen Ritter
>>Was steht dort Leutnant?<< fragte Ethan Roth seinen
Vorgesetzten lautstark gegen den Wind ankämpfend.
Barns, dessen Deutsch durch diverse Schulungen für ihn
akzeptabel war, studierte das schaukelnde Schild.
Er übersetzte und beratschlagte sich, mit zwei der drei
Männer in Richtung der Herberge zu gehen. Der Rest sollte
die Nachhut bilden und auf eventuellen Feindbeschuss
achten.
Barns griff nach seiner Waffe und überprüfte das noch
halbvolle Magazin. Dann gab er seinen Kameraden Gleeson
und Kibutz Zeichen.
Gemeinsam huschten die Männer wie Gespenster durch die
verwehte Hauptstraße der Kurstadt.
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Eine mit roter Farbe angestrichene Holztür kam in ihr
Sichtfeld.
Barns drückte sich an die Wand und umschloss mit hartem
Griff den Türknauf der Herberge.
Noch einmal schaute er zu den Soldaten, welche sich
ebenfalls an die Wand eines benachbarten Hauses
drückten.
Man konnte nie vorsichtig genug sein, dachte Barns und
erinnerte sich an eine Begegnung vor einigen Wochen.
Sie waren in einem Waldstück nahe der Brohmer Berge
unterwegs gewesen und auf eine Gruppe Jungen gestoßen.
Die verängstigten Kinder konnten nicht älter als zehn Jahre
alt gewesen sein, dennoch hielten sie Barns und seinen
Gefolgsleuten drei 98. Karabiner entgegen.
Barns hatte mit Kibutz versucht die Situation zu
entschärfen, doch ihre Anweisungen und
Schlichtungsversuche schlugen fehl. Keiner der Jungs
konnte Englisch und selbst Barns kläglicher Versuch die
Angreifer auf gebrochenem Deutsch zur Ruhe zu bringen
schlugen fehl.
Die sogenannten Werwölfe, Hitlers letzte verzweifelt
aufgestellte Schutztruppe, meist bestehend aus Kindern
und Jugendlichen, hatten kaum Waffenerfahrung.
Und so war die Situation eskaliert. Sie hatten geschossen,
jedoch nicht getroffen. Ein Querschläger traf einen der
Jungen am Hinterkopf.
Noch heute erinnerte sich Barns mit Grausen an das
Gesicht des Jungen, seinen angsterfüllten Blick, sein
Unglaube über das, was ihm widerfahren war.
Sie hatten die anderen Jungs überwältigt und unter
tosenden Schreien ihre Waffen genommen. Dann waren sie
weitergezogen.
Barns warf seinen nächsten Zigarettenstummel auf die
Hauptstraße und hielt den Türgriff fest, als hinge sein
Leben davon ab.
Man konnte nie vorsichtig genug sein.
11
Dann drückte er seine Hand nieder.
Schwaches Licht flackerte auf die Straße und ließ die
Schlammpfützen aussehen wie kleine Lachen von Blut.
Barns hatte seine Waffe im Anschlag und trat mit dem
linken Fuß auf die Schwelle der Tür. Er blickte hinein und
inspizierte die Umgebung.
Alles war still. Doch um diese Uhrzeit war dies kein
Wunder. Die Menschen in dieser Stadt schienen zu
schlafen.
Bei diesem Gedanken kam Barns der Magensaft hoch und
er musste hart schlucken um den säuerlichen Geschmack
zu verdrängen.
Während anderswo Millionen Menschen ihren Tod fanden,
schliefen diese Menschen, als sei nie etwas passiert.
Dann bemerkte der Leutnant eine Bewegung neben sich.
Gleeson und Kibutz waren nachgerückt, sie standen neben
Barns und schauten sich um.
>>Keiner Zuhause?<< flüsterte Gleeson beinahe lautlos.
Die drei Männer wandten sich zur Straße und suchten in
den Schatten der Häuser nach Roth, welcher die Nachhut
bilden sollte.
Dann traten sie in den Hausflur der Pension.
Das Mobiliar war alt, aber dennoch gut gepflegt. Ein
Kerzenleuchter hing in der Mitte des Zimmers und glühte
schwach in dem dämmrigen Raum.
An der Wand hingen allerlei Gemälde, die meisten zeigten
die Stadt und ihre Haupteinnahmequelle, den Schiff-‐ und
Jachtbau und die Fischerei.
Ein Bild Adolf Hitlers fiel Barns beinahe nicht auf, zu sehr
hatte er sich an die Selbstverständlichkeit gewöhnt, mit der
man in Deutschland sein Konterfei an die Wand hing.
Logan Gleeson schob Barns sacht zur Seite und griff nach
dem Bild Hitlers. Er nahm es mit einem Ruck von der Wand
und der daran befestigte Nagel sprang durch den Raum
und rollte in eine der Dielenritzen.
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Mit einem Klirren zerschellte der Rahmen auf der
Hauptstraße, auf welche Gleeson das Bild geworfen hatte.
>>Verdammte Dreckssau.<< murmelte er und betrat die
Pension erneut.
Dann hörten sie es. Schritte, knarzendes Holz und eine
weibliche Stimme. >>Hallo? Ist da jemand?<< vernahmen
die Soldaten.
Barns blickte zum Fuße einer Holztreppe, auf dem eine
junge Frau in weißem Nachtgewand erschienen war.
Sie war kaum älter als Anfang Dreißig, hatte beinahe
ebenso weiße Haut wie ihr Gewand und einen furchtsamen
Blick.
Barns blickte sie entschlossen, aber gutmütig an.
>>Guten Abend.<< sagte er gepresst, seine Aussprache war
bisher immer noch das größte Problem gewesen.
Die Frau hatte eine Kerze in der Hand, welche sie wie eine
Waffe umklammerte.
In ihrem Gesicht lasen die Männer Angst, aber auch
Neugier.
>>Keine Angst, wir tun Ihnen nichts Fräulein.<< begann
Barns. >>Wir sind auf der Suche nach einem Zimmer für
diese Nacht.<<
Er wartete die Reaktion der Frau ab und sah, wie diese sich
ein wenig entspannte. Sie schien erleichtert zu sein, als sie
erkannte, dass diese Männer ihr nichts Unrechtes tun
wollten.
Die Frau trat auf die Dielen des Flurs und umrundete ein
Holzmöbel, auf dem ein in Leder gefasstes Buch lag.
Barns lächelte. Er bewunderte die Korrektheit der Frau,
auch wenn in dem Buch sicher keinerlei Gäste vermerkt
waren, sie wollte die Ankömmlinge pflichtbewusst
eintragen. Wahrscheinlich war hier niemand seit Jahren
gewesen. Doch der Trott steckte ebenso in der Frau, wie
die Vorsicht.
>>Ich habe Zimmer für Sie.<< sagte sie knapp. >>Wie viele
benötigen Sie?<<
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Barns gab Kibutz ein Zeichen auch Roth in die Pension zu
holen. Der stämmige Mann verließ das Haus und pfiff über
die Straße.
Ein Außenstehender hätte den Pfiff für einen Vogel
gehalten, sie hatten sich bereits seit Beginn des Krieges so
verständigt, um keine unliebsamen Gäste anzulocken.
Nach einigen Sekunden kam Kibutz und Roth in die
Pension und schauten fragend in Barns Richtung.
>>Sie hat für jeden von uns ein Zimmer.<< lächelte Barns.
>>Sie will dafür nicht einmal Geld. Schlaues Mädchen, es
wäre sowieso nichts wert.<<
Die Männer nickten und folgten der Frau aufmerksam mit
ihren Blicken.
Nachdem die Frau einige Schlüssel in der Hand hielt und
auf die Treppe zuschritt, hielt Logan sie am Arm fest.
>>Frag sie, ob sie allein ist.<< ermahnte Gleeson Barns.
Dieser stellte Gleesons Frage an die Frau, welche den Kopf
schüttelte. Eine Träne floss kaum sichtbar an ihrer rechten
Wange hinab.
Dann gingen die fünf die Treppe hinauf.
Die Zimmer waren nicht sehr groß, aber durchaus
gemütlich, wenn Barns und seine Kameraden darauf wert
gelegt hätten. Sie brauchten eine Unterkunft und eine
warme Decke über ihren durchfrorenen Körpern.
Leutnant Liam Barns entledigte sich seiner Kleidung und
legte sie über einen alten Sessel, der an einigen Stellen
bereits gerissen war und aus dessen Innerem eine
weißliche Stofffüllung hervorquoll.
Barns setzte sich auf sein Bett und griff nach seinem
Rucksack. Die Schnallen lösend, blickte sich der Mann in
dem Zimmer um. Das alte Mobiliar mit den schweren
Deckenbalken verströmte rustikalen Scharm.
Ein Bild zu seiner Rechten forderte seine Aufmerksamkeit
und er erhob sich aus seinem Bett.
Die Malerei zeigte die Ostsee und dessen Strand. Im
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Hintergrund sah man einen riesigen Gebäudekomplex.
Barns wendete sich von dem Bild ab und griff in seinen
Rucksack. Sein Kopf juckte und seine Glieder brannten wie
Feuer. Er sehnte sich nach einer erfrischenden Dusche und
einer warmen Mahlzeit, doch alles, was sich in seinem
Proviant befand, war ein Flachmann mit einem üblen
deutschen Schnaps, den sie von einer alten Frau auf einem
Bauernhof bekommen hatten.
Er griff nach dem silbernen Flachmann, auf dessen
Vorderseite seine Initialen eingraviert waren. Ein
Geschenk seiner Frau, kurz vor Beginn seiner Mission in
Deutschland.
Er drehte den Verschluss auf und setzte das Destillat an
seine Lippen, dann kippte er den Inhalt fast gänzlich in
seinen Mund.
Der Schnaps brannte. Wahrscheinlich hatte die Alte das
Zeug aus Unkraut gebrannt, dachte er grinsend, doch es
erfüllte seinen Zweck. Es ließ ihn ein wenig abschalten und
vergessen. Es verdrängte die Bilder des toten Jungen, den
Anblick in seinem Gesicht und die grausamen
Erinnerungen an den Krieg.
Barns leerte den Flachmann und legte ihn behutsam, wie
einen kostbaren Diamanten, wieder zurück in den
Rucksack. Er sehnte sich nach seiner Frau, nach seiner
Tochter. Er wollte sie sehen, wollte den Duft ihrer Haare
riechen und endlich nach Hause kommen.
Doch er hatte noch eine Aufgabe zu erledigen, eine letzte
Aufgabe, bevor es endlich in die Heimat gehen konnte.
Liam erhob sich und ging auf die Tür seines Zimmers zu. Er
umfasste die schwere Klinke und drückte sie behutsam
hinab.
Er schaute auf den mit rotem Teppich ausgelegten Gang.
Alles war still, nur eine kleine Lampe spendete flackernd
ein wenig Licht auf dem spärlich ausgeleuchteten Flur.
Barns schlich, bei den alten Dielen nicht ganz geräuschlos,
zu der Treppe und ging hinab.
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Als er in dem Hausflur angekommen war, wandte er sich
nach links. Beim Vorübergehen sah er an die Wand, an
dessen hellerer Stelle vorher das Bild Hitlers gehangen
hatte. Dann steuerte er auf eine weitere Tür zu, die seiner
Meinung nach in die Küche führen musste.
Liam Barns drückte die Tür einen Spalt breit auf und sah
hinein. Er hatte Recht, dies war die Küche.
Eine Kerze stand in der Mitte eines kleinen Holztisches, an
dessen Rand einige Streichhölzer lagen.
Barns griff zu und entzündete eines der Hölzchen, dann
hielt er es an die Kerze.
Der Raum wurde ein wenig heller und Barns schaute sich
um. Er entdeckte einen Korb mit Brotlaiben, einige Ringe
Wurst und einen Krug mit frischer Butter.
Er konnte nicht anders, er musste etwas essen. Den
Männern hatte er seine eigene Notration überlassen,
wohlwissend, dass sie diese nötiger hatten als er.
Und dennoch, er hatte einen riesigen Hunger.
Wie ein reumütiger Dieb sah er sich verstohlen um,
versuchte jede Bewegung schon zu erahnen. Als er sicher
war, dass niemand kam, griff er zu und stellte das Brot, die
Wurst und den Krug Butter in die Tischmitte. Er
