Über dieses E-Book
Borge Ousland
Børge Ousland, * 1962 in Oslo, von 1984 bis 1993 Tiefseetaucher, danach Militärdienst bei einer Marinespezialeinheit. Zahlreiche Expeditionen, 1996 Solodurchquerung der Antarktis, 2001 Solodurchquerung der Arktis von Sibirien nach Kanada über den Nordpol, 2004 Expedition durch Patagonien zus. mit T. Ulrich, 2006 zus. mit M. Horn erste Winterexpedition zum Nordpol, 2007 zus. mit T. Ulrich vom Nordpol nach Franz-Josef-Land zum Nachvollzug der Reise von F. Nansen und H. Johansen 100 Jahre zuvor. Bei Klaus Isele Editor sind folgende Bücher von ihm erschienen: »Allein zum Nordpol«, »Allein durch die Antarktis«, »Allein über den Nordpol«.
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Rezensionen für Alleine zum Nordpol
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Buchvorschau
Alleine zum Nordpol - Borge Ousland
Inhalt
Kap Arctichesky
Die Herausforderung
Vorbereitungen
Sredny
Nordwärts
Packeis
Offene Wasserrinnen
Sturm
Kälte
86° 14’
Stille
Der Nordpol
Epilog
CAP ARCTICHESKY
»Dieser dunkle Schatten ist vielleicht offenes Wasser«, sagte der russische Helikopterpilot und zeigte nach Nordwesten. Wir flogen zum westlichen Teil der Severnaya Zemlya-Inselgruppe weit im Norden Sibiriens. Kap Arctichesky war die letzte Station, eine eiskalte Nehrung, die ins Polarmeer hineinragte; die Landzunge, von der aus ich in Richtung Nordpol aufbrechen sollte – allein und ohne Nachschubversorgung.
Der Pilot hatte den Frostrauch gesehen, der von der offenen Rinne vor uns aufstieg, und kurz danach trat ein, was ich am meisten gefürchtet hatte. Ein starker Südwestwind hatte drei Tage lang geweht und das Eis nach Norden getrieben. Zwischen dem Land und den ersten vereinzelten Eisschollen hatte sich im Windschatten des Kaps eine zwanzig Kilometer breite Rinne gebildet. Schwarzes, unüberwindbares Wasser. Das erste feste Eis war 50 km weiter nördlich. Die Aussichten waren alles andere als rosig.
Ich hatte ein kleines Gummiboot mitgenommen, um schmale Wasserrinnen in der Nähe von Festland zu überqueren, aber zwanzig Kilometer waren etwas völlig anderes. Die Wellen vor der Küste waren hoch, und es wäre Wahnsinn, es in einem solch kleinen Boot zu versuchen. Wie konnte ich hinüberkommen? Die offene Rinne zu überfliegen und auf festem Eis zu starten, hätte den Bruch eines ungeschriebenen Gesetzes bedeutet. Ich musste vom Land aus starten, ganz gleich, wie ungünstig die Bedingungen waren.
Nach einer Erkundungsrunde mit dem Helikopter flogen wir wieder in Richtung Kap. Eine Eiszunge, die mit dem Festland verbunden war, erstreckte sich weit im Nordosten. Die Rinne schien sich in dieser Richtung zu verschmälern; wenn ich nur weit genug Richtung Osten vordringen würde, könnte ich eine Stelle zum Überqueren finden. Dann hinaus auf das Treibeis, weg vom Land – und danach Richtung Norden.
Es war am 2. März kurz nach 14 Uhr, als der Helikopter auf Kap Arctichesky landete. Ein Schneetreiben empfing uns. Eine frische Brise aus Süd ließ die 37 Grad minus noch kälter erscheinen. Auf diesem Breitengrad scheint die Sonne so früh im Jahr nur ein paar Stunden über Mittag. Die Dunkelheit, die sich im Osten bildete, teilte den Himmel. Strahlend und hell, wo die Sonne untergegangen war, die eine Hälfte, die andere grau und bleiern.
Im Helikopter trank ich eine letzte Tasse Tee und aß eine Scheibe Brot mit russischen Würstchen. Wir sprachen wenig. Alle Vorbereitungen waren getroffen, die Stimmung war bedrückt. Wir alle wussten, dass dies die schlimmsten Bedingungen waren, mit denen ein Polarreisender zu rechnen hatte. Ich bekam die Brotstücke kaum hinunter. Irgendwie schien meine Kehle sich zusammenzuschnüren, und ich fühlte einen Druck hinter den Augen. Gleich würde ich allein auf dem Eis stehen und dem Helikopter nachblicken, wie er in Richtung Süden verschwand.
Bewegende Momente haben die Eigenschaft, sich messerscharf im Bewusstsein einzubrennen. Bis heute läuft mir ein Schauer über den Rücken, wenn der Name Arctichesky erwähnt wird. Mein eigener Wille – unerbittlich und unumstößlich – würde mich aus dem Helikopter zerren und vom Rest der Welt abschneiden.
Aber es musste sein. Es ging doch einfach nur darum, loszumarschieren. Je länger ich das Unvermeidliche vor mir herschob, umso schlimmer würde der Aufbruch werden.
Irgendwie war ich schon weg und fühlte eine deutliche Kluft zwischen mir und den anderen im Helikopter. Sie beäugten mich wie eine merkwürdige Kreatur, die zum ersten Mal in die Wildnis entlassen werden sollte. Wie käme sie zurecht? Würde sie all die Gefahren da draußen überleben?
Gesprochen wurde wenig. Thom hielt eine kleine Ansprache darüber, wie gut ich vorbereitet war und dass ich es sicher schaffen würde, aber das meiste kam bei mir nicht an. Kjell Ove riet mir, es die ersten Tage locker anzugehen, und massierte meine Oberschenkel. Die Standardprozedur eines ehemaligen Slalomtrainers. Håvard stieß ein »Bis bald« aus, riss sich zusammen und fügte hinzu: »Ich meine, im Mai.«
Meine Skier warteten unbarmherzig auf mich. Ich legte sie aufs Eis, nahm wegen der offenen Wasserrrinne Verpflegung für drei Extra-Tage mit und packte den Rest meiner Ausrüstung auf den Schlitten. Der Letzte, von dem ich mich verabschiedete, war Thom. »Versprich mir, dass du mir einen Platz freihältst, wenn du deinen Vortrag vor der Royal Geographical Society hältst«, sagte er. »Ja«, flüsterte ich. Dort hatten wir uns im Vorjahr kennengelernt, bei einem Vortrag von Erling Kagge. Erlings Expedition zum Südpol war ein großer Erfolg gewesen. Jetzt war ich an der Reihe.
Mein Kiefer war taub, weil ich die Zähne so lange mit aller Kraft zusammengebissen hatte; jetzt konnte ich mich nach Nordosten wenden und ein paar meiner Gefühle abreagieren. Jeder konnte sehen, was ich durchmachte, aber ich wollte stark sein, und falls ich zusammenbrechen würde, dann wäre es besser, wenn ich dabei alleine wäre. Es gab schließlich kein Zurück mehr. Ich pflanzte meine Skistöcke in den Schnee und brach auf zu einem Ziel, das unglaubliche 980 Kilometer weiter nördlich lag.
DIE HERAUSFORDERUNG
Östlich von George Island vor Franz-Josef-Land kämpften sich zwei Männer und ein Hund durchs Packeis. Es war früh im Jahr 1993. Agnar Berg, ein Husky namens Sarek und ich unternahmen den kühnen Versuch, Svalbard auf Skiern zu erreichen. Wir waren von Jackson Island gekommen, wo Fridtjof Nansen und Hjalmar Johansen überwintert hatten. Fast ein Jahrhundert zuvor waren sie nach Svalbard aufgebrochen, nachdem sie bei dem Versuch gescheitert waren, den Nordpol vom Polarschiff Fram aus zu erreichen. Zufall, Schicksal oder wie man es auch nennen mag beschlossen etwas anderes, und während sie immer noch auf Franz Josef-Land waren, trafen sie auf eine britische Expedition und wurden nach Norwegen zurückgebracht. Die Bereisung der Inselgruppe blieb unvollständig, und genau diesen Kraftakt wollten Agnar und ich in Angriff nehmen.
Sarek musste sich sehr anstrengen; ich ging etwas voraus. Das Schneetreiben war dicht, und Agnars stämmige Umrisse kamen und gingen wie ein verschwommener Schatten in der konturlosen Landschaft. Schließlich verschwanden sie vollständig, aber da ich genau wusste, dass sie meiner Spur folgen würden, eilte ich alleine weiter.
Ich sah mich um; alles war weiß und grau, und ich spielte mit dem Gedanken: allein. Wie käme ich zurecht, wenn ich hier allein wäre? War ich aus so hartem Holz geschnitzt, dass ich eine lange Isolation aushalten würde? Die Jäger, die nach Norden gingen, waren oft monatelang allein, und es waren allermeistens ganz normale Menschen. Andere waren allein zu Expeditionen aufgebrochen und waren auch zurechtgekommen. Ich spürte, ich konnte es schaffen, aber gleichzeitig erschien mir das Ganze größer und beängstigender als alles, was ich bis dahin erreicht hatte. Würde ich wahnsinnig? Würde die Angst die Oberhand gewinnen, wenn ich niemanden hatte, auf den ich mich stützen konnte?
Bei diesen Überlegungen wurde mein Gedankengang unterbrochen, weil Agnar und Sarek wieder neben mir waren. Wir gingen zusammen weiter. Zwei Wochen später steckten wir auf einer Eisscholle fest, die sich westlich von Franz-Josef-Land schnell nach Süden bewegte. Eine riesige offene Wasserrinne hatte sich geöffnet, und Eis aus dem Bereich, in dem wir uns befanden, hatte angefangen, dort hineinzutreiben.
Das war für uns drei das Ende der Reise. Die schwankende Scholle wurde immer kleiner und brach schließlich vollständig um uns herum ab. Wir saßen im Zelt und diskutierten, was wir tun sollten, als wir es plötzlich mehrmals laut knallen hörten. Eineinhalb Meter vom Zelt entfernt hatte sich das Eis geöffnet, und unsere Schlafsäcke, die zum Trocknen draußen lagen, schwammen im Wasser. Schnell kappten wir die Leinen des Zelts und schafften die Ausrüstung auf festeres Eis. Es war der 19. April. Und um 11:40 Uhr morgens baten wir um Hilfe. Fünf Stunden später nahm uns ein Rettungshubschrauber von Svalbard auf.
Nach vorangegangenen Reisen hatte ich immer lange gebraucht, bis ich zu neuen Herausforderungen bereit war. Das Abenteuer als solches verliert nie an Anziehungskraft, aber die Reisen selbst sind anstrengend, und es dauert einige Zeit, um genug Motivation aufzubauen, damit man wieder einen Trip mit Hunger und Kälte durchstehen kann.
Aber diesmal war es anders. Seit meiner ersten Expedition durch Grönland 1986 hat mich die Arktis ungemein angezogen. Als ich von Franz-Josef-Land heimgekommen war, sehnte ich mich bereits wieder danach, zum Eis zurückzukehren – zu seiner Stille und der leuchtenden Pracht der Elemente.
Der Entschluss, solo zum Nordpol zu gehen, kam später. Es war Sjur Mørdre, der das als Erster konkret vorgeschlagen hat. Einige andere und ich hatten bislang lediglich mit diesem Gedanken gespielt – vor allem, als Erling den Südpol alleine erreicht hatte. Doch der Nordpol und das Polarmeer sind eine andere Nummer. Zum einen sind sie gefährlicher, und es fällt einem Menschen unter rein physischen Gesichtspunkten deutlich schwerer, allein und ohne Proviantnachschub über das Packeis bis zum Pol zu kommen.
In den letzten Jahren haben mehr als zehn Expeditionen versucht, den Nordpol ohne Nachschub zu erreichen. Es gelang unter diesen Bedingungen – ohne irgendwelche Hilfe oder Unterstützung von außen – erst 1990. Am 8. März brachen Geir Randby, Erling Kagge und ich von Ward Hunt Island in Kanada auf. Geir verletzte sich schwer am Rücken und musste ausgeflogen werden, aber 58 Tage nach dem Aufbruch erreichten Erling und ich den Pol. Es war eine extrem anstrengende Expedition, die keiner von uns so leicht vergessen wird.
Dasselbe solo zu versuchen, wäre noch wesentlich härter. Zwei Menschen waren zuvor »solo« zum Nordpol gereist: Umura aus Japan fuhr 1982 mit einem Hundegespann los und wurde auf der Reise drei Mal aus einem Flugzeug, das auf dem Eis landete, mit Vorräten und einem frischen Hundegespann versorgt. 1986 tat der Franzose Louis Etienne es ihm gleich, allerdings ohne Hunde. Auch er wurde vom Flugzeug aus nachversorgt, das auf dem Eis landete, und sein Schlitten wog niemals mehr als 50 kg.
Unterwegs keinen Nachschub zu bekommen, bedeutete ganz einfach, dass du mit dem zurechtkommen musst, was du mitnimmst. Deine eigene Kraft und deine Fähigkeiten sind die entscheidenden Faktoren – nicht die Hunde, die Versorgung aus der Luft oder die Schneemobile. Wenn man bedenkt, welche lange Zeitspanne er auf sich alleine gestellt überleben und welche Entfernung er überwinden muss, dann gibt es kaum etwas Effektiveres als einen Mann auf Skiern, der einen Schlitten zieht. Aber das Allerwichtigste ist, dass dies eine Herausforderung der ehrlichsten Art ist, ohne jede Möglichkeit zu mogeln.
Ich persönlich zweifelte nicht daran, dass die richtige Person es solo schaffen würde. Die Frage war nur, ob ich diese richtige Person war. Ich war schon vorher dort gewesen und wusste, was ich mir körperlich zumuten konnte. Ich zweifelte auch nicht an meiner eigenen Willenskraft, aber ich hatte noch nie eine so lange Reise alleine bewältigt. Wie würde ich in einer so rauhen und herausfordernden Region wie dem Polarmeer mit einer zweimonatigen Isolation zurechtkommen? Dies war die Frage, auf die ich eine Antwort suchte.
Um das Problem zu lösen, brauchte ich die Unterstützung anderer. Als ich meine verschwommenen Pläne gegenüber meiner Partnerin Wenche erwähnte, überraschte mich ihre Antwort: »Ja, ich glaube, du solltest es machen.« – »Aber zwei Monate allein«, hakte ich nach. »Ja, das schaffst du, kein Problem«, bekam ich zur Antwort. Obwohl es aus meiner Sicht nicht ganz so einfach war, war damit eine wichtige Voraussetzung erfüllt.
Die Reaktionen meiner engsten Freunde waren etwas gemischter, bezogen sich allerdings eher auf Risikofaktoren und den Schwierigkeitsgrad. »Wenn einer es schafft, dann du«, sagten sie, und das half.
Je mehr ich darüber nachdachte, umso mehr reifte die Idee. Je mehr Zeit verging, umso sicherer wurde ich, dass dies etwas war, was ich schaffen konnte. Im Juli traf ich den endgültigen Entschluss. Der Nordpol sollte mir gehören, und ich begann, mich auf die vielleicht größte Herausforderung meines Lebens vorzubereiten.
Training im Oslofjord
VORBEREITUNGEN
Den größten Teil des Sommers über arbeitete ich weiter als Berufstaucher in der Nordsee und plante währenddessen meine Expedition. Mein letzter Tauchgang war im September, und von da an widmete ich all meine Zeit der Ausrüstung, den Finanzen und dem Training. Ich trainierte etwa drei Stunden am Tag fünf Mal die Woche. Für gewöhnlich mit einem Rucksack und einem Autoreifen im Schlepp, der den Schlitten simulieren sollte, aber manchmal auch nur mit einem schweren Rucksack. Was bei einer solchen Expedition zählt, ist ein gleichmäßiger, stetiger Schritt, und obwohl das Trainingsprogramm eher einen improvisierten, unprofessionellen Charakter hatte, schien es mir doch ausgewogen zu sein. Reines Jogging wäre zu wenig intensiv gewesen: Niedrigpulstraining. Schwerstarbeit über einen bestimmten Zeitraum hinweg bereitet Muskeln und Skelett besser auf die enormen Anstrengungen vor. Niemand ist als Polarreisender geboren. Es klappt nur mit hartem Training.
Mein Sohn Max begleitete mich oft. Seit seinem zweiten Lebensjahr kommt er als willkommener Extra-Ballast mit zu meinen vorbereitenden Trainingseinheiten vor einer Expedition. Max ist einer der wenigen Menschen, die es für ganz normal halten, auf Skiern zum Nordpol zu fahren. Wir profitierten beide davon. Ich wurde stärker und stärker, und im Kindergarten hatten die anderen Kinder das Nachsehen, wenn Max erläuterte, wie wichtig es war, fünf Mal die Woche einen Gummireifen hinter sich herzuziehen. Das war viel bedeutender, als ins Büro zu gehen.
Die finanzielle Seite eines solchen Projekts gehört zu den Dingen, die am meisten Zeit kosten. Zu meinem Ziel gab es keine Flugverbindung, und das Chartern von Flugzeugen und Hubschraubern war der größte Posten im Budget. Langsam, unaufhaltsam und unverhältnismäßig hoch im Vergleich zum restlichen Nordpol-Konto stieg die Telefonrechnung an.
Ein großer Teil dieser Arbeit wurde mir von Hanne Gamnes abgenommen, einem wirklichen Enthusiasten, der an mich glaubte und manchmal alles andere zur Seite schob, um hinter den Kulissen als mein Türöffner
