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Faunus: Cara & Finn
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eBook111 Seiten1 Stunde

Faunus: Cara & Finn

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Über dieses E-Book

Die 15-jährige Cara ist genervt. Seit einem halben Jahr herrscht dicke Luft zwischen ihr und ihren besten Freundinnen, die sich nur noch für Jungs, Make-up und Klamotten interessieren. Cara jedoch hat nur eines im Sinn: Klettern! Jeden Tag zieht sie sich in die Krone ihres Lieblingskletterbaums zurück, der alten Eiche auf dem Hexenberg. Dort oben hat sie immer wieder einen Traum von einem Jungen, der auf einem Hügel steht und auf sie wartet. Cara, die schon immer eine Klarträumerin war, nimmt den Traum mit nach Hause und träumt sich fortan jede Nacht in die Arme des fremden Jungen. Doch eines Tages ist alles anders. Ihr Lieblingsbaum soll gefällt werden und der Junge aus ihren Träumen fleht sie um ihre Hilfe an.
SpracheDeutsch
HerausgeberHanna Nolden
Erscheinungsdatum15. Okt. 2019
ISBN9783967244175
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    Buchvorschau

    Faunus - Hanna Nolden

    Kapitel 1: Der Traum

    Schon wieder so ein Scheißtag, dachte Cara, während sie den Fuß in einem Astloch platzierte und die Arme um den Baumstamm schlang. Sie streckte das Knie durch und schob sich in die Höhe, genoss den satten Geruch des Baumes. Moos, Erde, Holz … sie liebte diese Aromen und fühlte sich gleich besser. Aber noch war sie zu dicht am Boden. Sie schnappte sich den Ast über ihrem Kopf und zog sich hoch. Die erste Station war geschafft. Rittlings setzte sie sich auf den kräftigen Ast und nahm den Rucksack ab. Das Gleichgewicht zu halten, war ein Leichtes für sie. Sie hatte jeden Baum in der Gegend erklettert. Da machte ihr niemand etwas vor. Diese alte Eiche allerdings war ihr Lieblingsbaum.

    Caras Eiche stand auf dem Hexenberg, ungefähr auf der Hälfte des Weges zum Abenteuerspielplatz. Früher war das gesamte Wohngebiet ein Teil des Waldes gewesen und der Hexenberg, ein Abhang zwischen Caras Straße und einem kaum benutzten Kopfsteinpflasterweg, hatte sich seine Ursprünglichkeit bewahrt. Vom kleinen Spielplatz aus schlug man sich durch das Gebüsch und stand plötzlich im Wald, auch wenn dieser nur ein paar Quadratmeter maß. Im Laufe der Jahre hatten viele Kinderfüße einen Trampelpfad vom kleinen zum großen Spielplatz geschlagen, der jedoch bereits wieder zuwucherte. Cara war jetzt fünfzehn Jahre alt und auch die jüngeren Kinder, mit denen sie früher gespielt hatte, waren längst der Spielplatzzeit entwachsen. Heute benutzte niemand mehr diese Abkürzung. Die einzigen Sprösslinge in der Nachbarschaft waren im Kindergartenalter und Cara hatte den Eindruck, dass Eltern ihre Kinder heutzutage nicht mehr ohne Aufsicht draußen spielen ließen. So war sie die einzige, die den Hexenberg noch besuchte. Hier hatte sie ihre Ruhe.

    Sie hängte ihren Rucksack über den Stumpf des geborstenen Astes, der einem der heftigen Herbststürme zum Opfer gefallen war, und kletterte weiter. Sie war nicht traurig um die Einsamkeit. Aus diesem Grund war sie schließlich hier. Und wegen des Baumes natürlich. Oben, in seiner grünen Krone, wo es frisch nach Laub roch und sie das ganze Viertel überblicken konnte, fand sie Frieden. Sie war stets gern hergekommen, aber noch nie hatte sie es so gebraucht wie im letzten halben Jahr. Sie konnte nicht einmal genau sagen, wann alles angefangen hatte, schief zu laufen.

    Es ist die Pubertät, wurde ihre Mutter nicht müde zu predigen. Bald habt ihr das überstanden und dann seid ihr wieder Freunde.

    Manchmal glaubte Cara, ihre Mutter wäre wohl nie in der Pubertät gewesen. Zumindest hatte sie keine Ahnung, wie es sich anfühlte, wenn in der Klasse auf einmal alle gegen einen waren. Mama war mit ihrer besten Freundin seit der ersten Klasse befreundet. Weder Mamas Schwangerschaft noch Elises Comingout hatten der Frauenfreundschaft etwas anhaben können. Vermutlich hatten die beiden auch mal Streit gehabt, aber den Gedanken schob Cara beiseite. Manchmal war Realismus einfach nicht angebracht. Caras Freundinnen jedenfalls hatten sich quasi über Nacht in gehässige Biester verwandelt. Schuhe von der falschen Marke? Oh Gott, die sind so was von out! Einen Pony? Trägt heute echt keiner mehr! Und was sind das für Klamotten?

    Merkwürdig nur, dass Cara überhaupt nichts an sich geändert hatte. Sie war die gleiche alte Cara geblieben. Die, die auf Bäume kletterte, mit den Jungs Fußball spielte und dabei heimlich mal für den einen oder den anderen schwärmte. Ihre beiden Freundinnen Bianca und Rieke waren bis vor einem halben Jahr kaum anders gewesen. Am liebsten hatten sie im Stadtpark rumgehangen und über Jungs gequatscht. Doch aus dem Gequatsche wurden Strategien und auf einmal war es wichtig, sich die Nägel zu lackieren und die Haare zu färben, Parfum zu tragen und auszusehen wie aus dem Ei gepellt. Cara sah es gar nicht ein, sich für einen Jungen zu verändern und ihre ständig abgebrochenen, schmutzigen Fingernägel zu lackieren, hatte wenig Sinn. Nur stand sie mit ihrer Meinung ziemlich allein da und plötzlich war sie das hässliche Entlein zwischen zwei eitlen Schwänen und verstand die Welt nicht mehr.

    Inzwischen hatte Cara die Krone des Baumes erreicht. Dort gab es eine perfekte Kombination aus drei Ästen. Einen dicken Ast zum Sitzen, den Stamm als Lehne für den Rücken und zwei stabile Äste, auf denen Cara ihre Arme ablegen konnte. Nicht einmal Papas Fernsehsessel war so gemütlich wie dieser Platz in der Krone der alten Eiche. Cara machte es sich bequem, lehnte den Hinterkopf gegen den Stamm und blickte in den Himmel. Es war ein herrlicher Frühlingstag. Die Blätter waren schon alle wieder da und es war angenehm warm. Blütenweiße Schönwetterwolken zogen träge über den Himmel. Cara stellte sich vor, sie wären Boote, die über das Meer segelten. Früher hatte sie geglaubt, es wäre besser, immer Kind zu bleiben, und gehofft, dass die Schulzeit mit ihren langen Ferien und den Pausen mit den Freundinnen niemals enden möge. Heute konnte sie es kaum erwarten, erwachsen zu sein, alles hinter sich zu lassen und irgendwo neu anzufangen.

    Cara schloss die Augen. Angst, herunterzufallen, hatte sie nicht. Nirgendwo fühlte sie sich sicherer als in der Krone dieses Baumes. Es war, als würde er seine Äste wie Arme um sie schlingen und sie an sich drücken, während der Wind in den Blättern leise ihren Namen wisperte.

    Cara. Cara. Cara.

    Sie driftete davon, gab sich hin und träumte.

    ***

    In ihrem Traum sah Cara einen Jungen auf einem Hügel stehen. Er hatte schwarzes Haar und sonnengebräunte Haut. Er blickte ihr entgegen und breitete die Arme aus, wie um sie willkommen zu heißen. Sie hatte den Jungen schon oft in ihrem Traum gesehen. Zuerst hatte sie diesen Traum genau hier gehabt: in der Krone der alten Eiche. Und am Anfang war er nur wiedergekommen, wenn sie im Geäst ein Nickerchen gehalten hatte. Inzwischen träumte sie jedoch auch zuhause von dem Jungen. Jede Nacht. Sie sprachen nie miteinander. Nicht mit Worten. Und doch konnte Cara alles fühlen. Sie konnte nicht wortwörtlich seine Gedanken lesen, spürte sie mehr wie warme Wellen salzigen Wassers, die über sie hinweg schwappten. Am Anfang hatte sie ihn aus der Ferne beobachtet, obwohl sie gewusst hatte, dass es nur ein Traum war. Die Gefühle waren zu intensiv. Sie waren so stark, dass sie sie ängstigten. Noch nie hatte sie so empfunden. Noch nie hatte sie etwas so gewollt, wie näher heranzugehen. Und genau das ließ sie verharren. Auch er stand nur dort und rührte sich nicht. Ganz gleich, wie lange sie ihn anstarrte. Er stand regungslos da, mit ausgebreiteten Armen und einem Lächeln auf seinem schönen Gesicht. Doch sie konnte ihn spüren. Als spräche er in ihren Gedanken und rief: »Komm, Cara! Komm zu mir!«

    Seine Stimme war wie das Wispern des Windes in den Blättern. Und irgendwann gab sie sich einen Ruck und ging auf ihn zu. Jeden Tag ein Schritt. Und je näher sie kam, desto stärker wurden die Gefühle. Desto stärker wurde das Sehnen. Es war wie Verliebtsein. Etwas, das Cara kannte. Schwärmereien für den einen oder anderen Jungen, die plötzlich kamen, aufwallten und wieder verschwanden. Ein Auf und Ab, ein Kommen und Gehen, wie Ebbe und Flut. Bloß war es hier so heftig, dass die Wogen viel höher schlugen, einer Sturmflut gleich, die Cara mitreißen würde, wenn sie es

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