Das Flüstern der Pappeln
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Über dieses E-Book
Während die junge Frau glaubt, mehr und mehr einem Geheimnis auf der Spur zu sein, macht sie sich auf die Suche nach Antworten. Immer mehr taucht sie in die Vergangenheit ein; und während die ihre Türen für Hennie öffnet, muss sie sich fragen, ob diese sie auch in die Zukunft führen werden.
Julia von Rein-Hrubesch
Julia von Rein-Hrubesch wurde 1979 in Gera geboren. Inzwischen lebt, arbeitet und schreibt die Autorin in Ingolstadt. Besuchen Sie Julia von Rein-Hrubesch auf ihrer Webseite: juliaschreibtblog.wordpress.com!
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Buchvorschau
Das Flüstern der Pappeln - Julia von Rein-Hrubesch
Das Flüstern der Pappeln
Über die Autorin
Das Flüstern der Pappeln
Danksagung
Quellenverzeichnis
Weitere Werke/Empfehlungen
Impressum
Über die Autorin
Julia von Rein-Hrubesch schreibt am liebsten Novellen und Kurzromane. Sie ist besessen von dem Wunsch, das Wichtigste zwischen de Zeilen zu verstecken, und verliebt in den Gedanken, dass der Leser in ihren Geschichten vor allem Überraschung findet, wie immer die auch aussehen mag. Die Autorin schreibt Entwicklungsromane, hat es bisher jedoch noch nicht erfolgreich geschafft, dem Genre Fantasy zu widerstehen. Sie veröffentlichte die Novelle Dein Paradies wächst und war Mitherausgeberin der Anthologie Sehnsuchtsfluchten.
In jeder ihrer Geschichten spielt die Natur eine wichtige Rolle. Landschaften sind wild und ungezähmt, rau und spröde. Oder aber besonnen und ruhig. Genau wie die Menschen.
Julia von Rein-Hrubesch schöpft nicht nur Ruhe und Entspannung aus der Natur, sondern auch Inspiration.
Informationen zu künftigen Projekten und Lesungen finden Sie unter:
https://juliaschreibtblog.wordpress.com
Julia von Rein-Hrubesch
Das Flüstern der Pappeln
KURZROMAN
Ich erwarte nichts von Dir. Das habe ich nie.
Es ist wie ein Rascheln von Papier, wie ein Flüstern. Als ob ich jeden einzelnen der Briefe dem Land entnehme, sie unter den Bäumen aufspüre, aus der Erde grabe. Und sie dann in meinen Händen entfalte.
Wie ein Hauch, der mich streift, ein Atemzug. Ein Streicheln, das mich liebkost. Trotzdem bin ich achtsam, ich muss es sein.
Es ist wie der Wind, der durch die Pappeln streift. Nur er kann ihnen ihr Lied entlocken. Diese einmaligen Töne.
Wäre es mein Lied, so würde ich ihm einen anderen Text hin- zufügen. In meinem Lied erzählte ich von dem Mädchen, das nach Hause zurückgekehrt ist und diese Briefe unter den Pappeln findet.
Doch so ist es nicht.
Es ist das Lied des Windes. Jetzt, da ich unter den Bäumen wandle und er mir durchs Haar streift, ist es auch meines. Ich habe es zu meinem gemacht.
Der Liedtext ist nicht stimmig. Ich habe ihn verändert.
Ich finde die Briefe, ja. Eher noch fanden sie zu mir. Doch ich hole sie nicht von tief unter der Erde hervor.
In Wirklichkeit ist es ein nüchterner Prozess. Das ist die Wirklichkeit immer: nüchtern.
Ich hole die Briefe aus einem Postfach. Sie sind nicht an mich gerichtet, das wusste ich von Anfang an, seit ich die ersten Zeilen gelesen hatte. Es spielt keine Rolle. Vielleicht will ich sie ja auch nicht hergeben. Ich will sie für mich. Denn sie entreißen der Wirklichkeit die starre Maske aus Nüchternheit und Logik. Sie entblößen das wahre Gesicht der Welt. Wenn auch nur für einen kurzen Augenblick.
Ich gehe unter den Pappeln entlang, diesen hohen, majestätischen Bäumen. Hoch und schlank sind sie, doch voller Demut. Wie der Milan, der über die Ebenen streift. Auch er verneigt sich vor der Welt und der Schönheit, mit der sie gesegnet ist.
Vor dieser Schönheit bin ich geflüchtet. Die Leute im Ort sagen: »Sieh dir die Hennie an, sie ist klug und geht hinaus. Sie fährt nach Übersee, um Mediendesign zu studieren. Sieh sie dir an!« Die Wahrheit erzählt eine andere Geschichte, und auch dieses Mal ist sie nüchtern, während sie das tut.
Ich hatte Angst.
Ich bin geflohen vor dieser Schönheit, vor dieser unwiderruf- lichen Schönheit, die einfach und unbedingt ist und immer da. Sie verlangt einem nichts ab. Genau wie die Liebe meiner Eltern.
Diese Liebe kann einem himmelangst werden lassen. Sie liegt wie eine tonnenschwere Kette zwischen Mama und Papa und verlangt nichts. Manchmal stolpert man darüber.
Meistens bin ich das. Ich tue es noch immer, doch in dem Jahr, als ich mich entschied, den elterlichen Hof zu verlassen, tat ich es beinahe jeden Tag.
»Hennie!« Dieser Schrei fährt einem in die Knochen.
Ich bin ganz allein auf dem Grundstück, zumindest was den Geist angeht. Mama ist körperlich anwesend, doch sie arbeitet in der Werkstatt, dort sind ihre Sinne ausschließlich auf das Glas ausgerichtet. Und Großmutter ist dem Tod näher als dem Leben, ihr Geist schwebt daher frei umher und ist nicht als anwesend zu bezeichnen.
Ich kneife die Augen zusammen und suche die Kirchturmuhr, die jedoch viel zu weit entfernt ist. Der Pappelhof liegt verlassen. Die Nachbargrundstücke sind mit bloßem Auge zu erkennen, ebenso der Ortskern; Einsamkeit ist dennoch das richtige Wort.
Ich sehne mich nach der Einsamkeit. Gern hätte ich sie aufgesucht, im Norden der USA. Wyoming, das war mein Sehnsuchtsort. Das ist er noch immer. Vielleicht kriegt man so einen Sehnsuchtsort nicht mehr los, wenn man ihn einmal gefunden hat. Wenn man ihn einmal in sein Herz gelassen hat. Womöglich ist man ihm für immer ausgesetzt, für immer in ihm verloren.
Mir gefällt das, obwohl ich normalerweise mit für immer nicht viel anfangen kann.
Großmutter ersetzt die Kirchturmuhr. Das schafft ihr Geist noch. Oder vielleicht ist er rüber in den Ort geflogen und hat einen Blick auf die Spitze des Kirchturms geworfen.
Das Erste, was ich getan habe, als ich an den Hof zurückkehrte, war, meine Uhr abzustreifen. In New York braucht man ständig eine Uhr, man ist so abhängig von der Zeit, dass sonst nicht mehr viel von einem übrigbleibt.
Nun liegt sie in der Kommode neben meinem Bett, dieses hässliche Swarovski-Ding. Ich habe nicht vor, es je wieder anzulegen.
Die Pappeln lasse ich hinter mir, sie schweigen. Ich wünschte, es würde ein Wind aufkommen, damit sie ihre Geschichte erzählen. Der Hof ist ein riesiges Karree, auf der Seite zur Straße die breite Einfahrt und das Tor, links daneben das Wohnhaus, dahinter die Werkstatt.
Ich steuere auf das Haus zu, der Kies knirscht unter meinen Füßen. Ich weiß, dass Mama bis zum Abend in der Werkstatt beschäftigt sein wird. Papa ist draußen auf den Feldern. Ich schätze, dass er bereits mäht. Es war trocken die letzten Tage.
Im Haus hat sich nichts verändert. Nur der ungewohnte Geruch stört mich. Es riecht nach Krankenhaus. Vermutlich hat sich dieser Beigeschmack ins Haus geschlichen, als Großmutter aus der Klinik wiederkam.
Der Krankenhausgeruch legt sich über diesen herben Duft von Holz und Gras und ich habe Angst, dass er ihm den Atem nimmt. Über kurz oder lang wird das geschehen.
Wie lang, das vermag niemand zu sagen. Keiner wagt eine Prognose darüber, wann Großmutter sterben wird. Doch alle wissen, dass es bald sein sollte.
Ich bin nicht die Einzige, die so denkt, doch ich bin die Einzige, die es ausspricht. Alle haben sich entsetzt angeblickt. Die sollen nicht so tun, diese Heuchler.
Ich gehe die mächtige Treppe nach oben. Ein langer Flur führt durch das Geschoss zum Zimmer mit dem Krankenbett. Pflegebett heißt es. Was hat das mit Pflege zu tun, frage ich mich. Es ist ein Sterbebett. Oder ein Übergangsbett, wenn der Sarg das Totenbett ist. Oder der Platz unter der Erde.
Ich möchte einmal unter den Pappeln liegen.
Der Flur zieht sich beinahe endlos, ich nehme an, dass es im Winter ziemlich schaurig ist, ihn entlangzugehen. Allein das Ziel dieses Ganges ist schaurig. Im Winter ist es duster und still, man hört Dinge, die man sonst nicht hört in diesem riesigen Haus.
Doch jetzt im Frühsommer ist es hell, alle Fenster sind geöffnet, neben Desinfektionsmitteln und Exkrementen riecht es nach Erde. Vielleicht passt das auch zusammen.
Ich besuche Hedi jeden Tag um dieselbe Uhrzeit. Ein Uhr mittags. Heute war ich mit dem Essen später dran, Hedi hat meine Abwesenheit bemerkt und nach mir geschrien. Das ist äußerst selten. Dass sie überhaupt etwas mitbekommt, ebenfalls. Nur wenn ich ihr von den Briefen erzähle, scheint sie hellwach.
Ich halte die Luft an, als ich vor ihrem Zimmer stehe, dann drücke ich die Klinke herunter.
»Guten Tag, Oma. Wie ist das Befinden?«
Es ist schlecht. Scheiße ist es. Und als würde das Schicksal auf einem unbestreitbaren Indiz beharren, klebt die Scheiße überall an Hedis Körper. Ich habe keine Ahnung, wie sie das anstellt, doch ich weigere mich, das sauber zu machen. Meine Eltern haben entschieden, sie nach Hause zu holen, also sollen sie auch den Dreck wegmachen.
»Der Tod macht Dreck, was, Hedi?« Ich setze mich in den Korbsessel zu ihrer Rechten, so habe ich den Blick auf die Pappeln.
Die Großmutter nickt mit aufgerissenen Augen. Ich nenne das den Blick der Wahrheit. So schaut sie immer, wenn sie denkt, dass ich etwas Gutes gesagt habe. Ich freue mich darüber. Ich habe die Sprache vermisst. Die Formen, die sie annehmen kann; die Gebilde, die man aus Worten entstehen lassen kann.
»Ich putze das nicht weg, das weißt du. Warten wir auf den Pflegedienst.«
Sie tut nichts. Meine Großmutter ist die Einzige, die meine Einstellung zu akzeptieren scheint.
Ich blicke in ihre Augen aus Wasser. Sie sehen aus wie Seen in einer runzeligen Berglandschaft. Manchmal habe ich Angst, dass sie zerfallen. Einen besseren Begriff habe ich für das Wasser noch nicht gefunden.
Wenn ich vom Anblick meiner Großmutter zu viel habe, blicke ich aus dem Fenster auf die Pappeln.
Hedi sieht komisch aus, wie breitgelaufen. Flach und breit, als habe sie vor, die gesamte Fläche des Bettes auszufüllen.
Sie bewegt ruckartig die Hand, es ist immer der Zeigefinger, die anderen Finger folgen. Es sieht aus, als würde sie dirigieren. Eine zuckende Melodie. Eine Arie in Ekstase.
Ich ziehe den Brief aus meiner Tasche und lese ihn ihr vor. »Ich erwarte nichts von dir. Das habe ich nie.«
Wir lauschen den Worten und warten, wie sie nachhallen. Das tun sie immer. Auch wir beide tun jedes Mal dasselbe, meine Großmutter und ich. Wir sitzen da und lauschen und warten. Warten darauf, was die Worte mit uns anstellen werden.
Ganz am Anfang konnte ich das nicht. Es tat einfach zu sehr weh. Die ersten Briefe waren wortreicher. Das war schmerzhaft. Die Worte waren wie eine Spitzhacke, die sich zu den tiefsten Reichen der Seele durchgräbt. Und dort alles freilegt.
Natürlich wollte ich das nicht, ich will es noch immer nicht. Ich weigere mich, etwas freizulegen.
Doch die Neugier ist mächtig. Sie verdeckt den Schmerz. Der Schmerz ist ja nicht meiner, er gehört meiner Großmutter.
Während die Spitzhacke weiter gräbt, ihre tiefsten Kerne freilegt und sie in Seelenpein verwandelt, liegt sie in ihrer Scheiße und wartet auf den Tod.
Der Brief, den ich in den Händen halte, ist der achte. Ich habe ihn Hedi bereits gestern vorgelesen und den Tag davor. Vorgestern habe ich ihn aus der Stadt geholt, gleich nach dem Essen bin ich die Stufen hochgestiegen zu Hedis Zimmer.
Ich kann lediglich einmal in der Woche in die Stadt fahren, höchstens. Es gibt nur ein Auto auf dem Hof, und Mama und Papa wollen wissen, was ich zu tun habe, was ich brauche.
Ständig müssen sie alles wissen über mich. Mir ist klar, dass sie sich fragen,
