Schlüssel der Zeit - Band 1: Der Ruf der Schlösser: Lokale Histo-Fantasy-Serie
Von Tanja Bruske
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Über dieses E-Book
Ein Abenteuer durch Zeit und Raum im Hanau-Wilhelmsbad des 19. Jahrhunderts.
Band 2 "Der Hexer von Bergheim" und Band 3 "Das Geheimnis der Kommende" der Serie "Schlüssel der Zeit" liegen ebenfalls als E-Books bei mainbook vor. Die Serie wird fortgesetzt.
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Buchvorschau
Schlüssel der Zeit - Band 1 - Tanja Bruske
1. Der Traum
Das Herz pochte Keyra so heftig in der Brust, dass sie meinte, es würde ihr gleich herausspringen. Sie wagte es nicht, stehen zu bleiben, obwohl sie bereits fast bis zur Erschöpfung gerannt war. Doch sie durfte die Gestalt, die vor ihr über das Kopfsteinpflaster in den nächtlichen Straßen zwischen den Fachwerkhäusern eilte, nicht aus den Augen lassen. Anfangs war die Person, die in einen braunen Kapuzenmantel gehüllt war, noch mindestens hundert Meter entfernt gewesen. Doch Keyra hatte aufgeholt. Es war wichtig, sie zu erreichen. Kaum zwanzig Meter trennten sie jetzt noch von der Verfolgten. Keyra war sich sicher, dass es sich um eine Frau handelte, auch wenn sie nicht wusste, woher sie diese Gewissheit nahm. Der Mantel verhüllte die Frau fast komplett. Vielleicht lag es an der Gewandtheit, mit der sie sich bewegte, an den geschmeidigen Schritten.
Nun wandte sich die Frau plötzlich im Laufen um, sodass Keyra ihr Gesicht sehen konnte. Hellblaue Augen, ein blasser Teint, ein breiter Mund mit vollen Lippen, blonde, wellige Haare. Keyra geriet vor Überraschung ins Stolpern. Es war das Gesicht ihrer Mutter.
Die Frau drehte sich um und rannte weiter. Keyra brauchte einige Sekunden, um sich zu fassen. Dann nahm sie die Verfolgung wieder auf. Keuchend holte sie immer weiter auf, bis ihre Mutter nur noch wenige Schritte vor ihr war.
Da bog ihre Mutter unvermittelt nach links in eine Seitenstraße ab. Keyra folgte ihr einige Sekunden später – und blieb wie erstarrt stehen. Die Straße endete nach etwa drei Metern vor einer Hauswand. Und die Sackgasse war leer.
Eine hölzerne Tür befand sich in der Mitte der Wand, der Keyra nun gegenüber stand. Sie rang nach Atem, so sehr hatte die Verfolgungsjagd sie angestrengt. Ihr Mund war trocken wie altes Papier, als sie sich zögernd der Tür näherte. Ihre Mutter musste hindurchgegangen sein, gerade eben. Sie strecke die Hand aus und drehte den metallischen Knauf. Doch die Tür war verschlossen.
Keyra ließ den Griff los, als hätte sie sich daran verbrannt. Tränen der Enttäuschung brannten in ihren Augen, und ein deftiger Fluch, den ihre Großmutter Clara wohl als wenig damenhaft bezeichnet hätte, wollte über ihre Lippen kommen. Doch er blieb ihr im Hals stecken. Sie hörte einen leisen, singenden Ton, der sich immer wiederholte.
„Keeeeeeeeyyyyyyyyraaaaaaaa …"
Es klang so fremdartig, dass sie erst nach Sekunden ihren Namen erkannte. Der Ruf kam aus dem kleinen, dunklen Türschloss unter dem Knauf. Blinzelnd beugte sich Keyra vor und starrte in die Öffnung, die wohl für einen groben Schlüssel gedacht war. Rief da jemand auf der anderen Seite nach ihr?
„Mama?", flüsterte sie hoffnungsvoll.
„Keeeeeeeeeeeeeeyyyyyyyyyyyyyyyraaaaaaaaaaaaaaa …"
Das Schloss begann plötzlich, sanft zu schimmern und dann immer intensiver zu leuchten. Mit dem stärker werdenden goldenen Licht schwoll auch das Singen an. Keyra wich zurück und kniff die Augen zusammen, als das Licht, das aus dem Schloss fiel, zu einem blendenden Gleißen wurde und der Ruf ihr in den Ohren dröhnte. Sie streckte die Hand aus, um nach dem Schloss zu greifen …
Mit einem dumpfen Klatschen fiel das Geschichtsbuch zu Boden. Alle Köpfe ruckten herum. Keyra zwinkerte orientierungslos.
Sebastian Geiger, ihr Geschichtslehrer, den die Schüler heimlich und respektlos „Sozen-Seppl" wegen seiner Vorliebe für die Geschichte der SPD in Deutschland nannten, sah auf.
„Alles in Ordnung, Keyra?, fragte er und zog die Augenbrauen nach oben, die ebenso blassblond wie sein lichtes Haupthaar waren. Er sprach ihren Namen immer überkorrekt englisch aus – die meisten sagten einfach „Kiieera
mit hessisch-rollendem „r".
„Äh … ja, ich denke schon, stammelte Keyra. Sie bemerkte, dass sie noch immer die Hand nach vorne ausgestreckt hatte, um nach dem Schloss zu greifen. Sie wurde rot. „Ich habe das Buch leider nicht mehr rechtzeitig erwischt, bevor es runterfallen konnte
, sagte sie entschuldigend.
„Na, dann heb es jetzt einfach auf und lies weiter, sagte Geiger, der sich offensichtlich gerne wieder in die neueste Ausgabe von „Vorwärts
vertiefen wollte. „Oder bist du mit dem Kapitel schon durch?"
„Nein", sagte Keyra hastig, schnellte hoch und hob das Buch auf. Hinter ihr wurde gekichert. Sicher Greta Strobel, die dämliche Gans.
Keyra warf den Kopf zurück und setzte sich wieder, schlug das Buch bei dem Kapitel auf, in dem es um das Hambacher Fest ging, und tat so, als lese sie mit großem Interesse. Dabei hatte sie bislang noch kein Wort gelesen – gleich, nachdem Geiger den Kurs zur Stillarbeit verdonnert hatte, war sie mit ihren Gedanken abgeschweift – und, so wie es aussah, eingenickt. Geiger hatte das offensichtlich nicht mitbekommen. Aber womöglich der halbe Geschichtsleistungskurs.
Oh Gott – wenn Greta Strobel kapiert hat, dass ich kurz weggenickt bin, dann weiß das spätestens nach der Mittagspause die ganze Otto-Hahn-Schule – wenn nicht sogar ganz Hanau, dachte Keyra panisch. Toll gemacht, Keyra Kelly – da bist du deinem Ruf als Tollpatsch mal wieder gerecht geworden.
Ein zusammengefalteter, karierter Zettel wurde auf ihren Tisch geschoben. Keyra blickte rasch zur Seite. Ihre Freundin Lou, die neben ihr saß, weitete fragend die Augen. Natürlich von Lou – wären Handys an der Schule nicht weitestgehend verboten, hätte sie Keyra sicher eine SMS geschickt. Aber so musste sie auf die altertümliche Methode zurückgreifen, nach der Schüler bereits seit Jahrhunderten heimlich im Unterricht kommunizierten.
Keyra griff nach dem Zettel und versicherte sich, dass Geiger seine Aufmerksamkeit wieder seinem Parteiheftchen zugewandt hatte. Dann faltete sie die Nachricht auf.
„Was ist los?", stand da in Lous runder, fröhlicher Handschrift. Keyra hätte beinahe aufgestöhnt. Lous Neugier war fast ebenso sprichwörtlich wie Keyras Ungeschick.
„Später", kritzelte sie darunter und schob den Zettel zurück. Lou las die Antwort und runzelte unzufrieden die Stirn. Keyra wusste nur zu gut, dass Lou am liebsten sofort über jedes Detail in Kenntnis gesetzt worden wäre.
Doch eigentlich wusste Keyra ja selbst nicht genau, was geschehen war. Gut, sie war offenbar kurz eingedöst – Sekundenschlaf kam bei Schülern der zwölften Klasse gerne und regelmäßig vor, besonders während langweiliger Leseaufgaben. Aber was war das für ein seltsamer Traum gewesen? Sie hatte seit Jahren nicht mehr von ihrer Mutter geträumt. Um ehrlich zu sein, hatte Keyra sich schon Gedanken gemacht, dass das Bild, das sie von ihrer Mutter hatte, langsam zu verblassen drohte. Doch im Traum hatte sie die Mutter so deutlich vor sich gesehen wie vor sieben Jahren – kurz, bevor sie aus ihrem Leben verschwunden war.
Noch seltsamer kam ihr aber die Sache mit dem leuchtenden und singenden Schloss vor. Normalerweise hätte sie das sicher als eine der absurden Sachen abgetan, die man eben manchmal in Träumen erlebt. Aber irgendwie war ein seltsames Gefühl in ihr zurückgeblieben, so wie man manchmal noch Stunden später das bittere Aroma von Grapefruit auf der Zunge schmeckte.
Die Schulglocke beendete die sechste Stunde. Während sich die Oberstufenschüler leise murmelnd von ihren Stühlen erhoben und ihre Sachen zusammenpackten, rief Geiger: „Lest das Kapitel zu Hause fertig. Ihr habt dazu jetzt drei Tage Zeit. Und am 2. Mai gibt es einen Kurztest."
Der Kurs stöhnte auf. Geigers Kurztests waren berüchtigt, weil er gerne Detailfragen stellte, mit denen niemand rechnete.
Der Lehrer ließ sich von dem Gemurre nicht beirren. „Sonderpunkte gibt es übrigens für diejenigen, die herausfinden, was das Hambacher Fest mit unserem schönen Hanau verbindet", kündigte er an. Auch das noch. Eine Fleißaufgabe.
„Dann werde ich das Kapitel wohl noch mal genauer durchlesen müssen", sagte Keyra resigniert zu Lou und setzte ihren Rucksack auf.
„Keine Bange – du packst das doch im Schlaf", sagte ein gutaussehender Blondschopf und gab ihr im Vorbeigehen einen Klapps auf die Schulter. Keyra erstarrte umgehend zu einer Salzsäule. Ben hat es gesehen. Ausgerechnet Ben. Oh nein …
„Ich möchte bitte sterben, jetzt gleich und hier", murmelte Keyra, während die anderen Schüler, Lou ausgenommen, an ihr vorbei aus der Klasse eilten. Sie ließ ihre Stirn auf die Tischplatte sinken.
Lou sah sie verständnislos an. „Was ist denn nur los?, fragte sie und schaltete umgehend in ihren Schnellsprechmodus. „Ich hab vorhin gedacht, du hast ein Gespenst gesehen, weil du so blass warst. Meine Güte, hab ich mich erschreckt, als das Buch auf den Boden geknallt ist. Ich meine, dieser Text von wegen Vormärz und bürgerliche Opposition ist schon echt langweilig und ich war froh über jede Ablenkung, aber du warst so blass, dass ich dachte, du kippst gleich vom Stuhl …
„Lou, gib mir ne Sekunde, ja? Ich erzähl dir ja alles, aber nicht hier", unterbrach Keyra ihre Freundin und richtete sich wieder auf. Wenn sich Lou erst einmal in Form gelabert hatte, gab es keine Chance mehr, ihren Redeschwall irgendwie einzudämmen – es sei denn, man hatte Erdbeer-Käsekuchen-Eis dabei. Ihre Schwäche für diese Eissorte sah man Lou auch an.
„Du hast recht, Süße, ich rede schon wieder zu viel. Wir holen uns was Leckeres und verziehen uns in den Lesegarten", sagte Lou. Sie fuhr mit der Hand durch ihre kinnlangen, glatten braunen Haare, um die Keyra sie aufrichtig beneidete. Sie selbst hatte die roten Haare ihres irischen Vaters geerbt, aber nicht dessen wilde Locken und auch nicht die glatten blonden Haare der Mutter, sondern so ein welliges, unmöglich frisierbares Zwischending. Wenigstens die grünen Augen des Vaters hatten sich eindeutig durchgesetzt.
Keyra und Lou holten sich am Kiosk eine Käsestange und eine Cola und schlugen den Weg Richtung Bibliothek ein. Dort würden sie mit Sicherheit ungestört sein, denn die meisten anderen Oberstufenschüler nutzten die 45-minütige Mittagspause, um vor dem Gelände zu rauchen – auf dem Schulgelände war es streng untersagt – oder in der Mensa etwas zu essen. Die jüngeren Schüler hatten nachmittags keinen Pflichtunterricht. Einige blieben zu AGs, andere gingen nach Hause.
Im Lesegarten, dem kleinen Innenhof der Schulbibliothek, waren Lou und Keyra tatsächlich so gut wie ungestört – und das, obwohl das Frühlingswetter warm und sonnig war und sich somit kaum ein angenehmerer Aufenthaltsort auf dem Schulgelände bot – zumindest in Keyras Augen. Sie hatte für Unterhaltungsliteratur zwar seit einigen Jahren nicht mehr allzu viel übrig, doch sie mochte die Gesellschaft von Büchern noch immer sehr gerne. Das lag vermutlich an ihrem ganz eigenen Duft. Oder an den vielen unerforschten Welten, die sich in ihnen verbargen. Keyra mochte keine große Leseratte sein, doch sie schätzte die Möglichkeiten, die Bücher boten.
Ganz im Gegensatz zu Lou, die eindeutig mehr den neuen
