Schnittstelle Tod: Sind Religionen religiös und Wissenschaften wissend?
Von Walter van Laack (Editor)
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Über dieses E-Book
Ohne Scheuklappen oder Berührungsängste sollen hier Referenten der verschiedensten Fachrichtungen und Denkansätze ein Forum geboten bekommen:
Das gilt für Naturwissenschaftler, Theologen, Philosophen und Mediziner genauso wie für NTE-Betroffene sowie Vertreter sehr unterschiedlicher esoterischer Gruppen. Gerade diese Vielfalt hat die Aachener Seminarreihe bisher ausgezeichnet.
Das diesjährige Symposum trug den Untertitel "Sind Religionen religiös und Wissenschaften wissend?"
Diese für viele sicher provokante, wenn nicht gar unangebrachte Frage deutet schon im Vorfeld darauf hin, dass wohl offensichtlich vieles von dem, was man heute zum einen glauben und zum anderen als bereits gesichertes Wissen annehmen soll, tatsächlich unverändert kritisch hinterfragt werden muss.
Das Seminar sollte wieder dabei helfen, sich einen Überblick über die aktuellen Vorstellungen und die zahlreichen damit verbundenen Probleme, offenen neuen Fragen und nicht selten auch großen Unstimmigkeiten zu machen; denn unsere Welt ist wohl ziemlich sicher anders, als wir sie heute verstehen und verstehen sollen.
Nach wie vor sucht man zu Recht nach den Wahrheiten, doch gibt es sie überhaupt und was könnte vielleicht helfen, wenigstens in die richtigen Richtungen zu blicken? Oder ist selbst das zu vermessen?
Nicht wenige Forscher fordern längst einen Paradigmenwechsel im wissenschaftlichen Weltbild, unter anderem auch, weil das häufige Phänomen von NTE meist bloß abfällig abgetan und missachtet wird, womöglich aber tatsächlich auf andere Realitäten hinzudeuten scheint.
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Buchvorschau
Schnittstelle Tod - Walter van Laack
Herausgeber:
Prof. Dr. med. Walter van Laack
Facharzt für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie, Physikalische Therapie, Sportmedizin, Chirotherapie, Akupunktur, Dozent an der FH Aachen, Campus Jülich, für Medizintechnik und Grenzgebiete der Medizin im Fachbereich Medizintechnik und Technomathematik, Buchautor
Umschlagseite
gestaltet von meinem Sohn Martin van Laack, Master of Science in Architektur (RWTH Aachen)
Inhaltsverzeichnis
Vorwort des Herausgebers
Klaus Müller
Prolog
Alois Serwaty
Die Brüche des Lebens sind die Einfallstore des Unendlichen
Rinus van Warven (NL)
Sind Religionen religiös?
Raymond Saerens (B)
Wie wissend sind Naturwissenschaften heute?
Christine Stein
Botschaften meiner eigenen Nahtoderfahrung
Christina Hecke
Meine eigene Nahtoderfahrung
anschl. Christina Hecke im Interview mit Frank Hansen
Die zweite Geburt der Christina Hecke
Jörgen Bruhn
Nahtoderfahrungen als Thema im Unterricht
Willibert Pauels
Tod und Auferstehung im Christentum
Enno E. Popkes
Nahtoderfahrungen als vergessene Quellen des frühen Christentums: Thesen zum Verhältnis von Nahtoderfahrungen, Platonismus und Christentum
Ralf Otte
Physikalische Grundlage des Geistes
Walter van Laack
Nahtoderfahrungen im Spiegel von Wissenschaft und Logik
Das Netzwerk Nahtoderfahrung e.V. (N.NTE)
Aktuelle Bücher des Herausgebers
Vorwort des Herausgebers
nach 2009, 2011, 2013 und 2015 fand am 4. November 2017 in Aachen bereits die fünfte Tagung zu Nahtoderfahrungen (NTE), dem Thema Tod im Allgemeinen und der Frage nach einem möglichen „Danach", statt. Die Seminarreihe dient dazu, Referenten der verschiedensten Fachrichtungen und Denkansätze ohne Scheuklappen oder Berührungsängste ein Forum zu bieten:
Das gilt für Naturwissenschaftler, Theologen, Philosophen, Mediziner genauso wie für NTE-Betroffene und Vertreter sehr unterschiedlicher esoterischer Gruppen. Gerade diese Vielfalt hat die Aachener Seminarreihe bisher ausgezeichnet.
Das diesjährige Symposium trug den Untertitel
„Sind Religionen religiös und Wissenschaften wissend?"
Diese für viele sicher provokante, wenn nicht gar unangebrachte Frage weist bewusst deutlich darauf hin, dass wohl offensichtlich vieles von dem, was man heute zum einen glauben und zum anderen als bereits gesichertes Wissen annehmen soll, tatsächlich unverändert kritisch hinterfragt werden muss.
Die Seminarreihe soll dabei helfen, sich einen Überblick über die aktuellen Vorstellungen und die zahlreichen damit verbundenen Probleme, offenen und neuen Fragen und nicht so selten auch großen Unstimmigkeiten zu machen.
Eines ist wohl sicher: Unsere Welt ist wohl ziemlich anders, als wir sie heute verstehen und verstehen sollen!
Nach wie vor sucht man zu recht nach den Wahrheiten, doch gibt es sie überhaupt und was könnte vielleicht helfen, wenigstens in die richtigen Richtungen zu blicken? Oder ist selbst das vermessen?
Nicht wenige Forscher fordern längst einen Paradigmenwechsel im wissenschaftlichen Weltbild, unter anderem auch, weil das häufige Phänomen von NTE immer noch sehr häufig bloß abfällig abgetan und missachtet wird, womöglich aber tatsächlich auf andere Realitäten hinzudeuten scheint.
Wie bisher jedes Mal nach einer solchen Tagung im Aachener Dreiländereck, erscheint auch diesmal wieder ein Tagungsband. Mit ihm sind Sie nun einmal mehr herzlich eingeladen, sich mit diesem, einen jeden Einzelnen von uns existenziell berührenden Themenkreis intensiv auseinanderzusetzen, sich über den aktuellen Stand der Forschungen zu informieren und gerne auch kritisch mitzudiskutieren.
Dabei können die hier publizierten Beiträge hier und da etwas von den Inhalten der eigentlichen Seminarvorträge abweichen und diese damit noch ergänzen. Das ist so gewollt.
Wie immer, so gibt auch in diesem Band jeder Beitrag stets vor allem die Sichtweise des jeweiligen Autors wieder, die durchaus nicht immer – und zumindest nicht immer vollständig – mit der Sichtweise anderer Autoren oder des Herausgebers übereinstimmen muss.
Die Beitragsanordnung entspricht wie schon in allen letzten Tagungsbänden der Reihenfolge der bei dem Seminar gehaltenen Vorträge, mit einer Ausnahme: Das Seminar moderierte diesmal der Mitbegründer und langjährige Vorsitzende des deutschen Netzwerks Nahtoderfahrung (N.NTE), Alois Serwaty.
Auch ihn habe ich daher eingeladen, für diesen Tagungsband einen Beitrag zu schreiben, der dem Prolog von Klaus Müller folgt.
Aachen, im Januar 2018 Prof. Dr. med. Walter van Laack
Nahtoderfahrungen (NTE) im Spiegel von Religionen
und Wissenschaften – Prolog
Klaus Müller
Kapitän
Zunächst danke ich Prof. Dr. Walter van Laack und Alois Serwaty für die Initiative und den Mut, zum 5. NTE – Seminar nach Aachen einzuladen. Referenten und Gäste haben wieder die Möglichkeit, Neues über NTE zu hören, zu berichten, es besser zu verstehen und sich Einsichten zu erarbeiten.
NTE gehen in all unsere Sinne und sind kaum zu überschauen. Vielleicht sollte der Titel des Prologs, statt „Nahtoderfahrungen im Spiegel von Religionen und Wissenschaften, geändert werden in „NTE, ein Spiegel der Wissenschaften
, oder in „Ein Spiegel unserer Sinne".
Könnte man doch einen besseren Ausdruck als „NTE" finden.
Vielleicht Grenzerlebnis, Seelenwanderung oder auch Seelenerkenntnis. Etwas, das die Faszination und Bedeutung der NTE kurz und treffend ausdrückt. NTE zu erklären führt zu einer unbewussten Ablehnung, allein wegen des Begriffs Nah-Todes-Erfahrung. Menschen im Hospiz- und Palliativdienst gehen leichter mit dem Begriff „Tod" um.
NTE – Forschung umfasst unter anderem alle systematisch gesammelten, aufbewahrten, gelehrten und überlieferten Erkenntnisse und Erfahrungen. Das ergibt ein breites Spektrum. Physik, Chemie, Natur, Weltall, Mathematik, Philosophie, Psychologie, Medizin und Religion – NTE fordert und bittet sie alle um vernünftige Erklärungen für ein Phänomen, welches real existiert und bislang keiner umfassend und erfolgreich in eine Schublade stecken konnte.
Wer versucht, NTE aus nur einem der genannten Themenkreise zu erklären, ohne die anderen einzubeziehen, kann auch nicht zum Ziel gelangen.
NTE leben von interdisziplinärer Forschung und Forschungsfreiheit, überprüfbar, offen, frei und neutral. NTE fordern all unser Wissen, wahrlich eine faszinierende Menge und doch längst nicht genug.
Wissenschaftliche Aussagen über NTE sind oft abhängig von der persönlichen Einstellung zu dem Thema.
NTE werden seit etwa 40 Jahren konsequenter als je zuvor erforscht. Klare Ergebnisse der NTE – Forschung liegen durchaus vor.
Doch wir geraten schnell an Grenzen, ob in Naturwissenschaft oder Mystik.
Wer Gott, Metaphysik, Geist, Seele und Bewusstsein grundsätzlich ablehnt, weil nicht im wissenschaftlichen Sinn mit Experimenten beweisbar, sollte lieber schweigen, wenn er um NTE befragt wird.
Wie sagte schon Goethe: Es ist für den denkenden Menschen das schönste Glück, das Erforschliche erforscht zu haben und das Unerforschliche ruhig zu verehren.
Eigenes Wissen, absolut und wie ein Credo zu bewerten, mag in vielen Details richtig sein, dem Ganzen dient es wenig; denn das Ganze ist stets mehr als nur die Summe seiner Bestandteile.
Leben und Tod sind ein unfassbares Ganzes. Wir sind hier einmal mehr in Aachen, um tiefer darin einzudringen.
Wir können zwischen dem, was wahrnimmt, und dem, was wahrgenommen wird, unterscheiden. Wir wissen aber auch, dass schon das Leben selbst ein unfassbares Ganzes ist und bleibt.
Wahres Selbst ist kein Etwas. Es ist eine Metapher für die unfassbare Dimension unseres Lebens, die durch das Körperliche Sein allein nicht erklärt wird. Und Ausdruck dieser Einsicht ist tiefes Vertrauen in das Leben als eine andere Form des Seins, die das Körperliche, ja alles Irdische übersteigt.
Die westliche Kultur und Wissenschaft gibt leider kaum Raum für spirituelle Erfahrungen.
Immer wieder wird die Sicht unserer Welt hinterfragt. Und dabei zeigt sich, die Vorstellungen unserer Welt und von uns selbst, stoßen schon bald an Grenzen. Diese Erkenntnis sollte uns Demut lehren und auch auf die innere Stimme der Weisheit zu hören. Und wir dürfen erkennen; unser Ich und unser Bewusstsein sind weitere große Mysterien.
In Goethes Mephisto im „Faust2" findet sich, spöttisch im Saal des Thrones:
„Daran erkenn ich den gelehrten Herrn! Was ihr nicht tastet steht euch meilenfern, was ihr nicht fasst, das fehlt euch ganz und gar, was ihr nicht rechnet, glaubt ihr sei nicht wahr. Was ihr nicht wägt, hat für euch kein Gewicht, was ihr nicht münzt, das, meint ihr, gelte nicht."
Mehr als Essen und Trinken sind nötig um weise zu werden, ja, um erst wirklich Mensch zu sein.
Wer intensiv fragt, wird immer wieder feststellen, dass Dinge anders sind, als sie scheinen. Die Frage ist ebenso wichtig wie die Antwort.
Weisheit ist eine Voraussetzung für erfolgreiche NTE Forschung. Und die Folgen einer NTE gehen in Richtung mehr Weisheit.
Hier einige weitere Zitate, die nachdenklich stimmen:
Albert Einstein sagte: „Ich bin religiös. Gott offenbart sich in harmonischer Ordnung. Die Natur verbirgt ihr Geheimnis durch die Erhabenheit ihres Wissens."
Immanuel Kant meinte: „Die Wissenschaft kann 3 Probleme nicht lösen: Gott, Freiheit, Unsterblichkeit."
Und weiter:
„Alle Dinge verändern sich – es gilt das irdische zu übersteigen.
Der Weg zur Weisheit führt am Ende über die Moral!
Das Göttliche im Menschen ist als Weisheit erfahrbar."
Der bekannte zeitgenössische Quantenphysiker Hans-Peter Dürr war überzeugt: „Wir erleben mehr, als wir begreifen. Und auch: „Es gibt nicht die eine Wahrheit, sondern die eine Wirklichkeit hat etwas mit Wahrscheinlichkeiten zu tun.
Der französische Naturforscher, Philosoph und Theologe Pierre Teilhard Chardin fragte sich treffenderweise: „Sind wir nicht alle zusammen ein Gott im Werden?!"
Seit vielen Tausend Jahren lehren uns Religionsstifter und Philosophen wie Buddha, Sokrates, Jesus und Meister Eckart bereits Konsequenzen, auch aus Nahtoderfahrungen zu ihrer Zeit: Sie forderten Harmonie, Mitgefühl und Gerechtigkeit, aber allem voran, Liebe.
Bei Shakespeare findet sich im berühmten Hamlet, der bekannte Satz: „Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als Schulweisheit sich träumen lässt."
Für viele große Philosophen, für Heilige und Weise existierte keine Trennung zwischen Seele und Körper. Dualismus ist eine Einheit, aber der Körper produziert nicht die Seele, und er ist nicht die Seele. Eine Seele wächst und reift mit ihm heran, aber sie überdauert auch seine Alterung und natürlich auch seinen Tod.
Ethik, Weisheit, Moral und alles auf dem Boden von Liebe: Das ist die Basis der NTE- Wissenschaft.
Viel Wissen muss erarbeitet werden, um auch vertrauen zu können.
Die eigene Erfahrung aus meiner Hospizarbeit ist: Man hilft Sterbenden mit den Erkenntnissen der NTE. Sterbende hören mit großem Interesse über Nahtoderfahrungen.
Die NTE-Welt ist nicht „jenseitig und liegt auch nicht „hinter der Alltagswelt
, sondern sie ist deren Basis und eigentliche Struktur, nicht jenseitig und esoterisch, sondern im Gegenteil, auf radikale Weise diesseitig und empirisch.
Dögen Zenji, ein Meister des Zen-Buddhismus im 13. Jahrhundert, meinte einmal: „Weisheit wird hervorgerufen durch hören, nachdenken, üben und verwirklichen."
Referenten aus mehreren europäischen Ländern befassen sich deshalb hier in Aachen einmal mehr mit dem Thema Nahtoderfahrungen. Das führt zu Fragen nach Leben und Tod im Allgemeinen und natürlich auch zu der Frage nach Vorstellungen zu einem möglichen Leben „Danach. Das Thema wird diskutiert aus naturwissenschaftlicher, medizinischer, religiöser und philosophischer, aber auch aus esoterischer Sicht. Auch kommen NTE- „Betroffene („Beschenkte
) zu Wort und schildern ihre eigenen Erfahrenen und Empfindungen.
Weisheit ist schwierig zu definieren und zu lehren. Ähnliches gilt auch für NTE. Aber von ihr Beschenkte, sind einen wichtigen Schritt weiter auf dem Weg dorthin.
An Mediziner, Physiker, Theologen, NTE–Erfahrene und an alle interessierten Zuschauer, die wieder hier in Aachen zusammenkamen und kommen, gilt Dank und Anerkennung!
Man kann sich wahrlich freuen, wieder an diesem Seminar teilzunehmen.
Deshalb noch einmal, herzlichen Dank für Sinn und Zweck dieses Beisammenseins, und herzlichen Dank an alle Referenten, die zahlreichen Zuhörer und alle Helfer.
Die Brüche des Lebens sind die Einfallstore
des Unendlichen
Alois Serwaty
Mitgründer und langjähriger Vorsitzender N.NTE¹
www.netzwerk-nahtoderfahrung.org
An einem schönen Septembertag sitze ich noch einmal in den späten Nachmittagsstunden in einem Strandkorb an der Rheinpromenade an meinem Wohnort Emmerich am Rhein. Es ist die letzte Stadt auf deutschem Boden, bevor der Fluss - sich verzweigend nach 1240 km - in die Nordsee mündet. Vor mir der Strom, die Weite der niederrheinischen Landschaft. Es ist bereits etwas anderes zu spüren, eher zu erahnen: Wandlung, Umbruch, Veränderung, Überschreitung. Der Wechsel der Jahreszeit ist bereits angelegt im Gegenwärtigen dieses Spätsommertages. Alles um mich vergessend, habe ich mich in ein politisches Buch vertieft: In den Fängen von Stb, MfS und CIA
von Nicole Glocke. Sie schildert dort die Lebensgeschichte des Sudetendeutschen Eugen Mühlfeit, der in der Zeit des Kalten Krieges in die Fänge der Geheimdienste in Ost und West gerät. Fast gegen Ende stoße ich auf den Bericht seiner Folterung. Eugen Mühlfeit erwartet
