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Chance and Heart
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eBook315 Seiten9 Stunden

Chance and Heart

Von Kade Boehme und Xenia Melzer

Bewertung: 4 von 5 Sternen

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Über dieses E-Book

Chance Beckets Leben ist komplett geplant: Eines Tages wird er die Ranch besitzen, auf der er aufgewachsen ist, eine Familie haben und der Sohn sein, zu dem er erzogen wurde, wie alle guten Jungs in Smalltown, USA. Doch als seine Highschool Liebe eine Beziehungspause einfordert, landet er – zu seiner eigenen Überraschung – ausgerechnet im Bett seines alten Freundes Bradley, der seit Jahren offen schwul lebt. Verwirrt von seiner Sexualität muss Chance sich entscheiden, was wichtiger ist – die Loyalität zu seiner Familie oder die Aussicht, mit dem Menschen glücklich zu werden, den er immer gewollt hat.
SpracheDeutsch
Herausgeberdead soft verlag
Erscheinungsdatum15. Dez. 2017
ISBN9783960891680
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    Buchvorschau

    Chance and Heart - Kade Boehme

    cover.jpg

    Kade Boehme

    Chance & Heart

    Aus dem Englischen von Xenia Melzer

    Impressum

    © dead soft verlag, Mettingen 2017

    http://www.deadsoft.de

    © the author

    Titel der Originalausgabe: Chance of the Heart

    Übersetzung: Xenia Melzer

    Cover: Irene Repp

    http://www.daylinart.webnode.com

    Bildrechte:

    © JEANNE – fotolia.com

    © Jason Stitt – fotolia.com

    1. Auflage

    ISBN 978-3-96089-167-3

    ISBN 978-3-96089-168-0 (epub)

    Inhalt:

    Chance Beckets Leben ist komplett geplant: Eines Tages wird er die Ranch besitzen, auf der er aufgewachsen ist, eine Familie haben und der Sohn sein, zu dem er erzogen wurde – wie alle guten Jungs in Smalltown, USA.

    Doch als seine Highschool Liebe eine Beziehungspause einfordert, landet er – zu seiner eigenen Überraschung – ausgerechnet im Bett seines alten Freundes Bradley, der seit Jahren offen schwul lebt.

    Verwirrt von seiner Sexualität muss Chance sich entscheiden, was wichtiger ist – die Loyalität zu seiner Familie oder die Aussicht, mit dem Menschen glücklich zu werden, den er immer gewollt hat.

    Kapitel 1

    Die dämlichste Idee aller Zeiten. Chance Beckets schlechte Laune hatte sich endlich gebessert. Er hatte Caitlins dumme Idee vergessen. Zumindest bis David, verdammt sei er, sie wieder zum Thema gemacht hatte. Er konnte nicht glauben, dass Caitlin gegenüber Davids Frau, Jeri, nicht den Mund gehalten hatte. Er fand, dass das nicht fair war, weil sie alle von der Zeit an, als sie einem Grashüpfer gerade Mal bis zum Knie gereicht hatten, beste Freunde waren. Er konnte das nicht gebrauchen. Nicht jetzt. Er hatte es geschafft, in den sechs Wochen, seit Caitlin zurück ans College gegangen war, nicht darüber zu sprechen. Und wegen der Fohlensaison hatte er ohnehin keine Zeit gehabt, irgendetwas zu tun. Er hatte einfach zu viel Arbeit, um überhaupt darüber nachzudenken.

    „Das ist nur ein kleines Schlagloch auf der Straße, Mann. Sie hat gesagt, es wäre nur solange sie in diesem letzten Semester beschäftigt ist. Warum bist du deswegen so wütend?" David ließ nicht locker. Mit einem schweren Seufzen legte Chance den Hammer beiseite, den er benutzt hatte, um eine verrottete Planke am Zaun zu ersetzen. Er wusste, dass er David Singleton nicht ignorieren konnte. Man war nicht so lange befreundet wie sie beide, ohne zu wissen, wann der andere einen nerven würde, bis man alles erzählte.

    „Es ist noch nicht einmal eine Pause. Ich glaube, ihr habt das alle missverstanden."

    Davids Kopf ruckte herum. „Ihr habt euch doch sicher nicht getrennt, oder?"

    Chance erhob sich aus seiner kauernden Position und spürte, wie seine Knie knackten, als wäre er viel älter als seine dreiundzwanzig Jahre. Er hasste es, über Dinge zu reden, brauchte niemanden, der seine Gedanken oder Gefühle zerpflückte. Er war ein guter Junge mit einem einfachen Leben. Er arbeitete hart, respektierte seine Mama und seinen Daddy, ging am Sonntag in die Kirche, war Caitlin treu gewesen und hatte Geld gespart, um seine zukünftige Familie versorgen zu können. Er machte ohne zu murren das, was von ihm erwartet wurde, denn was gab es sonst noch, außer der Hoffnung auf ein gutes Leben, ein kleines Fleckchen Erde, das er sein Eigen nennen konnte, und seiner Familie zu helfen, die Ranch am Laufen zu halten, wie sie es seit zwei Generationen tat?

    „Nein. Wir haben nichts dergleichen gemacht."

    David sah verwirrt aus. Wenn er doch nur die geringste Ahnung hätte. Chance war wahrscheinlich verwirrter als je zuvor in seinem Leben. Es hatte nie einen Grund gegeben, irgendetwas auf diese Weise zu hinterfragen. Er hatte einen vorgefügten Pfad, ein Ziel, seit er ein kleiner Junge gewesen war und dank eines einzigen verdammten Gesprächs war er zutiefst erschüttert und konnte beim besten Willen nicht verstehen warum.

    „Warum hat sie dann Jeri gesagt, dass es ihr recht ist, wenn du dich mit anderen triffst? Sie sagte, wir sollten dich nicht überwachen."

    „Keiner von euch hätte mich je überwachen sollen."

    „Das habe ich nicht! Ich kann nichts dafür, dass diese Weiber so zusammenhalten. Jeris beste Freundin ist auf dem College, natürlich ist es Teil ihres Schwestern-Codes, es weiterzugeben, wenn sie mitbekommt, wie du versuchst, der Trostpreis eines Buckle-Bunny zu werden", versuchte David zu erklären.

    „Was zur Hölle ist ein Schwestern-Code? Und außerdem ist es nicht so, dass ich nie ausgehe. Ich habe sie nur nie betrogen." Chance fing an, sein Werkzeug einzusammeln und auf seinen ATV zu laden.

    David hob die Hände. „Wir wissen das. Aber sie hat gesagt, dass Jeri speziell jetzt kein Auge auf dich haben muss, solltest du … du weißt schon … dein Ding machen."

    Chance nahm seinen Stetson von der Stelle, wo er ihn an den Lenker gehängt hatte, und setzte ihn sich auf. Das war besser. Zumindest musste er jetzt nicht mehr die Augen zusammenkneifen, um seinen Freund sehen zu können. „Ich verstehen nicht, warum sie euch alle eingeweiht hat, aber sie dachte, weil wir uns wahrscheinlich verloben werden, wenn sie endgültig zurückkommt, und sie nicht nach Hause kommt, weil es ihr letztes Semester ist, gibt sie mir eine Art Freibrief, falls ich mich noch einmal austoben möchte oder so ein Unsinn."

    David lachte und tätschelte Chances Schulter. „Bist du darum so sauer? Verdammt, Mann! Du bist von uns allen der letzte Single." Was der Wahrheit entsprach. Sie alle hatten sich entweder in der High-School oder gleich danach zusammengetan. David und Jeri erwarteten bereits ihr zweites Kind. Chance war insgeheim immer froh darüber gewesen, dass Caitlin nach dem Abschluss aufs College gegangen war.

    Ja, sie hatten immer gewusst, dass sie heiraten und wahrscheinlich in einem Haus auf dem Land seines Vaters leben würden – davon gab es jedenfalls genug. Aber er war froh gewesen, diese Zeit für sich zu haben. Seit seinem sechzehnten und ihrem fünfzehnten Lebensjahr waren sie zusammen. Sie waren füreinander die Ersten in allem gewesen. Aber eine Ehe… nicht nur seinen Raum, sondern auch sein ganzes Leben mit ihr zu teilen … das war mit achtzehn ein beängstigender Gedanke gewesen, als er gerade erst seinen eigenen Bereich in dem Apartment bezogen hatte, das er über der großen Dreifachgarage seiner Eltern gebaut hatte.

    Jetzt war es wohl an der Zeit. Was ihn ruhelos werden ließ. So war es überhaupt zu diesem Gespräch gekommen.

    „Du bist ruhelos. Ich hatte Zeit, mir darüber klarzuwerden, was ich will. Du solltest jetzt dasselbe tun. Ich habe lachhaft viele Kurse in diesem Semester und während des Spring Break werde ich nach Mexiko gehen, deswegen … nimm dir diese Zeit für dich selbst." Chance hatte als Antwort nur gegrunzt, was Caitlins Gesicht aufleuchten ließ, als sie süßlich lächelte.

    „Engstirniger Mann. Du bekommst sogar einen von diesen Freibriefen. Meine Freunde haben es getan, bevor sie geheiratet haben. Wir stellen keine Fragen. Wenn niemand etwas macht, spielt es keine Rolle. Wenn du es aber tust, geht es mich nichts an. Ich war auf dem College und hatte Spaß und du warst zuhause. Du gehst nicht aus, du arbeitest nur. Sei ein wenig verrückt."

    „Du hast also mit anderen geschlafen?", hatte er wie betäubt gefragt.

    „Nein! Sie hörte auf, ihren gelockten schwarzen Pferdeschwanz zu drehen, und schlug ihm auf den Arm. „Das würde ich nie tun.

    „Du sagst, dass du mit anderen schlafen willst. Ehe sie das verneinen konnte, fuhr er fort. „Oder du denkst, dass ich etwas verpasst habe, weil ich nicht mit anderen geschlafen habe.

    Sie legte eine Hand auf sein Knie. „Das sage ich nicht. Ich sage nur, dass du dir sicher sein sollst. Wir haben noch gute sechs Monate, bis das wirkliche Leben uns tatsächlich einholt. Das hier wäre das erste Mal, dass wir so etwas wie eine Pause haben. Mach was draus."

    Und hatte sich das nicht wie ein Tritt in die Eier angefühlt? Sobald sie gegangen war, waren ihm all diese Gedanken gekommen. Gedanken, die er weggepackt hatte wie den Weihnachtsbaum vom letzten Jahr, den er jetzt nicht hervorzuholen brauchte, weil er über den Sommer und die Fohlensaison nachdenken musste. Aber wie es schien, fand Weihnachten in diesem Jahr früher statt und der Gedanke an diesen Weihnachtsbaum ließ seinen Magen vor Nervosität zusammenkrampfen.

    „Alles in Ordnung?", fragte David.

    „Oh ja", murmelte er. Er hob die letzten Reste des Holzes von der Reparatur auf und band alles mit Spanngurten am ATV fest.

    „Ich weiß nicht, worüber du so wütend bist. Sie hat Recht. Sogar ich hatte ein paar Mädchen, bevor Jeri und ich zusammengekommen sind. Du warst immer nur mit ihr zusammen. Vielleicht wäre es gar nicht so schlecht, wenn du ein wenig Auslauf bekommst. Erzähl meiner Frau aber bloß nicht, dass ich das gesagt habe."

    Ein paar Mädchen vor Jeri? Das war eine Untertreibung. David hatte wahrscheinlich mit der Hälfte der Cheerleader aus der Schulmannschaft geschlafen. Chance verstand diese Faszination nicht. Ja, Sex war gut. Es war Sex. Aber all die Kondome und die Sorge, jemanden zu schwängern. Ich den acht Jahren, die er und Caitlin schon zusammen waren, konnte er an seinen Fingern und Zehen abzählen, wie oft sie es durchgezogen hatten. Jetzt versuchte er, sich davor zu drücken, mit jemand anderem zu schlafen, und konnte sich nicht entscheiden, ob das so war, weil er dachte er sollte nicht, oder weil er es nicht wirklich wollte.

    Und darum hasste er es, wenn die Dinge unklar waren.

    David legte Chance eine Hand auf die Schulter, als er den Wagen startete und hielt ihn so auf. „Ich will nicht mehr darüber reden, David." Er schnappte nicht. Chance schnappte nie, aber er benutzte seine Chefstimme.

    David schnaubte. Natürlich war David die einzige Person auf der ganzen verdammten Red River Ranch, bei der die Stimme nicht funktionierte. „Ich meine ja nur, es ist Freitag. Das ist in diesem Monat unser letztes, langes, freies Wochenende. Vielleicht fährst du nach Abernathy. Geh auf den Strip, trink ein paar Bier, schau was passiert. Sieh es als dein letztes Hurra. Was kann es schon schaden?"

    „Was mache ich unter all diesen College-Kindern?"

    „Dich betrinken? Wir sind ja nicht so viel älter. Zieh etwas anderes als Flanell und Stiefel an. Rede über Gedichte, weil du ja sensibel und so einen Scheiß bist." Jetzt benahm David sich einfach nur wie ein Arschloch.

    „Ich bin nicht sensibel", erwiderte Chance, seine Gereiztheit klang selbst in seinen eigenen Ohren kindisch.

    David nickte zustimmend. „Was immer du sagst, Boss."

    Chance würde dieses Gespräch mit seinem Freund über etwas, das wie die schlimmste Idee in der Geschichte schlimmer Ideen klang, nicht fortsetzen. Abernathy war eine mittelgroße Universitätsstadt ungefähr eineinhalb Stunden von ihrer eigenen kleinen Stadt mit 1200 Einwohnern entfernt. Es war ein guter Vorschlag, anonymer als die hiesigen Bars. Wenn Chance sich für so etwas interessiert hätte. Was er nicht tat.

    David öffnete den Mund, um etwas zu sagen, aber Chance ließ den ATV an, brachte ihn so zum Schweigen und fuhr zurück zu den Scheunen. Er hatte keine Zeit mehr für diesen Mist und die Pferde würden sich nicht selbst tränken.

    Bradley Heart schaute sein Handy mit gerunzelter Stirn an, als es ihm den dritten verpassten Anruf seines Exfreundes innerhalb von zwei Stunden anzeigte. Carson wusste, dass er arbeitete. Was stimmte nur nicht mit ihm? Sie hatten seit drei Wochen kein Wort miteinander gewechselt, seit Carson seine Sachen aus Bradleys Heim geholt hatte. Ausgerechnet heute war nicht der Tag, um mit seinen üblichen Stimmungsschwankungen anzufangen.

    Bradley legte sein Handy auf den Schreibtisch, wahrscheinlich mit mehr Wucht als nötig, was die Blicke einiger Angestellter in dem offenen Büro auf ihn lenkte. Was hätte er in diesem Moment nicht alles für ein Zellenbüro gegeben!

    Er klickte in seinem Buchhaltungsprogramm herum, um zu einem ihrer größeren Kunden zu kommen, und versuchte, sich wieder zu konzentrieren.

    „Heart, sagte seine direkte Vorgesetzte, Tanya Bigbee, während sie sich vor seinen Schreibtisch stellte. „Können wir mit Ihnen in Mr. Moores Büro sprechen?

    Scheiße! Er hatte gesehen, wie zwei Leute vor ihm in die Höhle des Chefs gegangen waren, darum war er sich sicher, keine guten Nachrichten zu bekommen. Es hatte Gerüchte über Kürzungen nach den Feiertagen gegeben, aber zwei Wochen nach Weihnachten? Wirklich?

    Er nickte, bevor er aufstand, seine Anzugjacke nahm, sie anzog und zuknöpfte und ihr den Flur entlang folgte. Er hatte sich hiervor gefürchtet, aber gehofft, er wäre einer der Wenigen, die verschont würden. Seine letzten Beurteilungen waren hervorragend gewesen, er hatte sich um einige ihrer größten Kunden gekümmert, obwohl er einer der jüngsten Buchhalter war. Das musste doch sicher etwas zählen.

    Doch als er fünfzehn Minuten später Mr. Moores Büro verließ, war er zwischen Schock und Resignation gefangen. Drei Wochen und seine gesamte Abteilung wäre „nicht länger notwendig für die zukünftigen Geschäfte der Firma". Sie hatten etwas über Outsourcing gesagt und ihm ein gutes Zeugnis in Aussicht gestellt, aber er hatte nur ungefähr jedes dritte Wort verstanden, nachdem die Axt auf seine Karriere niedergegangen war. Ja, er war jung. Fünfzwanzig war nicht einmal ansatzweise zu alt, um noch einmal von vorne anzufangen. Verdammt, das hier war vor drei Jahren sein erster Job gewesen, nachdem er das College beendet hatte.

    Das war nur ein geringer Trost. Er ignorierte die entschuldigenden Blicke der anderen Angestellten, die vor ihm ins Büro gegangen waren, nicht in der Stimmung, sich gegenseitig zu bemitleiden.

    Er ließ sich auf seinen Bürostuhl fallen und starrte auf den Bildschirm. Ihm war gesagt worden, dass er sich um den Kunden, an dem er gerade arbeitete, keine Sorgen machen musste. Es handelte sich um einen der größeren Kunden, der weitergereicht werden würde. „Machen Sie die Michaels, ChumDum und Liezel Konten in ihren letzten Wochen hier fertig. Wir danken Ihnen für Ihre harte Arbeit."

    Wenn das kein Tritt in die Eier gewesen war. Verdammt, er wollte nicht auf das lächerliche Angebot seiner Schwester eingehen müssen, das sie ihm gemacht hatte, als er die ersten Gerüchte über die Kürzungen erwähnt hatte. Er konnte sich nicht einmal vorstellen, zur Ranch seines Vaters zurückzukehren, geschweige denn zur Kirche seines Vaters in Hope Springs. Ha! Wohl eher Hopeless Springs. Er war seit mindestens sechs Jahren nicht mehr dort gewesen und er glaubte nicht daran, dass das seinem Vater irgendwie mehr leidtat als ihm.

    Sein Handy klingelte wieder. Verdammter Carson. Schon wieder. Er nahm ab. „Was?"

    „Du bist ja guter Stimmung, Liebster", bemerkte Carson trocken.

    „Ich bin auf der Arbeit." Kurz und auf den Punkt. Er sah den strengen Blick, den Tanya ihm von ihrem Schreibtisch am anderen Ende des Zimmers aus zuwarf. Aber was konnte sie schon machen? Ihn aufschreiben? Feuern? Nicht, dass er die kein-Handy-Politik je umgangen wäre. Zur Hölle damit!

    „Ich habe versucht, ein Apartment in Centre Point zu mieten." Wie er sich die schöneren Apartments am anderen Ende der Stadt leisten konnte, wusste Bradley nicht.

    „Und …"

    „Sie haben dieselbe Vermieterfirma wie The Arms."

    „Und …"

    „Ich kann deine Miete nicht mehr bezahlen."

    Bradley schnappte nach Luft. „Mann, du hast mit mir Schluss gemacht. Du hast gesagt, ich könnte diese letzten zwei Monate haben. Kannst du nicht noch ein wenig länger bei deinem neuen Typen wohnen? Jetzt ist nicht unbedingt ein guter Zeitpunkt."

    „Schau Brad, ich weiß, dass es scheiße ist. Aber wir versuchen, eine Wohnung zu finden, und wir wollen diese eine. Es ist gemein –"

    „Was du nicht sagst!"

    „Aber … wir können nicht warten. Sein Mietvertrag endet diesen Monat. Sie haben gesagt, du kannst diesen Monat einfach abschreiben und die Kaution benutzen …"

    „Jetzt willst du auch noch meine Hälfte der Kaution?" Bradley lachte, in dem Wissen, dass er gleich hysterisch werden würde.

    „Bradley …"

    „Nein. Weißt du was? Scheiß drauf. Nimm das verdammte Ding. Komm und sag mir, wo ich unterschreiben muss. Ein kleiner Preis, wenn ich dann endlich mit dir fertig bin. Endlich!" Er meinte es nicht so. Ja, es wäre nett, den fremdgehenden Bastard endlich loszuwerden, aber er könnte seine Hälfte der eintausendvierhundert Dollar Kaution wirklich brauchen, jetzt da er arbeitslos war. Und er hatte keine Ahnung, wo er wohnen würde. Es sah aus als ob – Nein! Nein, du wirst nicht zurückgehen!

    „Die Verwalterin hat gesagt, sie würde dir die nötigen Unterlagen zufaxen." Nachdem er die Faxnummer bekommen und Carson ein Scher dich zum Teufel mitgegeben hatte, legte er auf. Was für ein Tag.

    Er schrieb seiner besten Freundin Emma eine SMS und bat sie darum, mit ihm auszugehen. Er musste diesen Tag eindeutig vergessen, wenn auch nur für ein paar Stunden. Er wartete auf ihre Zusage und legte dann sein Handy weg, nachdem Tanya sich zum dritten Mal geräuspert hatte.

    Das Beste daran, in einer Universitätsstadt zu leben, war die hohe Anzahl an Bars mit jeder Menge billigem Alkohol. Das würde er heute Nacht eindeutig ausnutzen. Und vielleicht würde er sich einen heißen Studentenarsch gönnen. Es war schon zu lange her, dass er so etwas gehabt hatte.

    Kapitel 2

    Darum, genau darum, hasste Chance es, wenn die Dinge unklar waren. Weil er dann immer ein bisschen den Verstand verlor. Dann dachte er an Dinge, an die er nicht denken sollte, und ging zu Orten, an denen er nicht sein sollte.

    Oh ja, er hatte Davids Ratschlag befolgt. Er war nach Abernathy gefahren. Er hatte sich sogar ein Poloshirt zu seiner Jeans angezogen, anstelle seines üblichen Flanells. Er hatte schon immer gefunden, dass Babyblau die Farbe seiner Augen betonte. Die Art, wie die kurzen Ärmel sich über seinem Bizeps spannten und wie eng es um seinen Brustkorb lag, betonte die wenigen seiner Vorzüge, von denen er selbst überzeugt war. Nicht, dass er viel über sein Aussehen nachdachte. Warum sollte er? Er hatte niemanden, den er beeindrucken musste. Warum war es also wichtig gewesen, dass er heute Abend dieses Shirt angezogen hatte?

    In Bezug auf die Stiefel hatte er aber nicht auf David gehört. Er war der Meinung, dass seine neuesten Schlangenlederstiefel gut aussahen. Und er hatte ganz bestimmt nicht gedacht, dass, als David vorgeschlagen hatte, er solle in eine der Bars auf dem Strip in Abernathy gehen – offensichtlich eine Straße voller Bars, die das Leben für die betrunkenen Studenten beim Bar-Hopping leichter machte – er ausgerechnet in diese Bar gehen würde.

    Er wusste nicht, warum er in der Bar None gelandet war. Es gab auf dem Strip Spelunken und Pubs, zwei Orte, die aussahen wie Löcher in der Wand, und eine Juke-Bar. Stattdessen war er nach zwei Drinks im Steakhaus, wo er mit einem alten Freund zu Abend gegessen hatte, in einer Schwulenbar abgestiegen. Sicher, Bar None war für ihr gemischtes Publikum bekannt. Die Hetero-Mädchen dachten, sie wären hier sicher vor Flirtversuchen, und auch die Hetero-Jungs wussten das genauso gut wie Chance, der nicht einmal ein Stammkunde war.

    Aber er hatte nicht ein einziges Mädchen angesehen, seit er wie eine Motte vom Licht von der Bar mit ihren Regenbogen-Flaggen und Neonlichtern angezogen worden war. Er war ganz sicher kein Fan der ganzen Diva-Lieder, die gespielt wurden, beginnend bei Taylor Swift und endend irgendwo bei Disco-Beats aus den Siebzigern.

    Er hatte keine Ahnung, warum er hier war. Ich hasse, wenn die Dinge unklar sind.

    Er trank sein drittes Bier. Ganz egal, warum er oder warum er nicht hier sein sollte, er saß schon seit dreißig Minuten auf einem Barhocker und dachte, dass ihre Biere für einen Dollar gar nicht so schlecht schmeckten. Und die Mädchen waren hübsch. Zumindest konnte er sicher sein, dass er in dieser Bar niemanden traf, den er kannte.

    Um ehrlich zu sein, hatte er sich nicht zum ersten Mal von dieser Bar angezogen gefühlt. Nach seinem einundzwanzigsten Geburtstag war er ein oder zwei Mal mit Freunden ausgegangen, nur, um in Bar None zu stranden, nachdem sie ihn alle für die Nacht allein gelassen hatten. Damals hatte er das Gleiche getan wie jetzt, er saß am Rand, beobachtete all die sorglosen Menschen, die ihr Wochenende genossen, nicht sicher, wonach er suchte, welche Antworten er brauchte. Er hatte Sex mit einer Frau, genoss es, auch wenn es nicht oft passierte. Er war nicht schwul. Vielleicht beneidete er einfach die Weltoffenheit der Menschen, die er in dieser besonderen Bar zu sehen bekam. Hier gab es kein Macho-Gehabe wie in den Lokalen, die er besuchte, wenn er mit den anderen Arbeitern von Red Creek ausging.

    Vielleicht war er einfach nur im Arsch. Er stöhnte und schlug sich mit dem langen Hals seiner Bierflasche an die Stirn.

    „Alles in Ordnung, Cowboy?", fragte der Barkeeper. Er war unglaublich freundlich gewesen, seit Chance die Bar betreten hatte. Er wusste nicht, warum. Es war nicht so, dass er besonders schön anzuschauen war, und er konnte nicht sicher sagen, ob der Typ ihn anmachte. Er hatte es auch bei Caitlin nicht gewusst, bis sie ihn rundheraus gefragt hatte, ob er mit ihr zu seinem Junior Prom gehen würde.

    „Oh ja, mir geht es gut", antwortete er, obwohl er über der Musik wahrscheinlich kaum zu verstehen war. Der Bartender

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