Ist unser Sohn hochsensibel?: Hochsensibilität bei Jungen erkennen und verstehen
Von Uta Reimann-Höhn
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Über dieses E-Book
Die Autorin ist eine renommierte Expertin und Ratgeberautorin. In ihrem Buch hilft sie Eltern, ihre hochsensiblen Jungen in dieser Eigenart zu erkennen, zu verstehen und zu begleiten - vom Kindergarten bis ins junge Erwachsenenalter. Mit Test und vielen konkreten Tipps.
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Buchvorschau
Ist unser Sohn hochsensibel? - Uta Reimann-Höhn
1. Kapitel
Hochsensibilität oder Hypersensibilität – Mode-Diagnose, Krankheit oder Wesenszug?
Richtige Kerle stecken das weg
Paul kann Hosen mit Knöpfen nicht ertragen und weint stundenlang, wenn seine Lieblingsjeans mit dem weichen Gummizug in der Waschmaschine ist. Auch Reißverschlüsse machen ihm Angst und er bevorzugt flauschige Sweatshirts.
Moritz schläft auch mit zwölf Jahren nur im absoluten Notfall bei der Oma oder bei einem Freund. In einem fremden Bett fühlt er sich einfach nicht wohl, kann dann nicht einschlafen und ist irritiert von der unbekannten Umgebung. Die fremden Geräusche und Gerüche halten ihn wach.
Luka spürt jede Missstimmung in der Familie oder bei seinen Freunden sofort. Er möchte dann wissen, was los ist, und die Situation wieder normalisieren. Gelingt das nicht, zieht er sich entweder völlig zurück oder bekommt einen Wutanfall, weil er mit der ungeklärten Situation und dem Gefühlschaos nicht umgehen kann.
Leon ist mit seinen Ohren überall. Selbst entfernte Gespräche kann er noch wahrnehmen und sich über den Inhalt Gedanken machen. Wenn andere Kinder auf dem Schulhof Witze machen, denkt Leon sofort, er wird ausgelacht. Das belastet seine sozialen Kontakte enorm.
Paul, Moritz, Luka und Leon gelten als hochsensibel, ihre Wahrnehmung der Umgebung ist intensiver als bei anderen. Sie reagieren empfindlicher und feinfühliger als gleichaltrige Jungen, obwohl es dafür keinen offensichtlichen Grund gibt. Weder ist ihr Gehör außergewöhnlich gut ausgeprägt noch wurden sie von ihren Eltern auf das Wahrnehmen bestimmter Gerüche oder Empfindungen trainiert. Es sind ganz normale Jungen, die sich in ihrem Verhalten von den anderen abheben. Sie müssen häufiger getröstet werden, fühlen sich schnell von Ereignissen und Anforderungen überrollt, sind oft erschöpft und ihre Belastbarkeitsgrenzen sind niedrig. Sie brauchen mehr Zeit, um sich an Neues zu gewöhnen, und überdenken Dinge gerne intensiv. Solche Kinder profitieren sehr davon, wenn ihre Bedürfnisse ernst genommen werden.
Hochsensible Jungen können leicht zu Außenseitern werden
Heulsuse und Weichei sind nur einige beleidigende Namen, die sich solche empfindsamen Jungen anhören müssen. Die Seelchen, zartbesaiteten Mimosen oder Muttersöhnchen sind jedoch keine »Warmduscher«. Im Gegenteil: Durch ihre Feinfühligkeit müssen sie in ihrer Wahrnehmungswelt mit wesentlich mehr Anforderungen zurechtkommen als andere Kinder. Um sich weitgehend normal zu verhalten, müssen sie intensive Empfindungen überspielen. Das ist anstrengend und kostet Energie. Wenn sie als Kind nicht von Erwachsenen verstanden, geschützt und bestärkt werden, landen sie leicht in der Rolle des Opfers, Außenseiters oder Sonderlings. Besonders jüngere Kinder haben wenig Verständnis dafür, wenn jemand anders ist oder sich merkwürdig verhält. Gespräche können dabei helfen, Verständnis für die hochsensiblen Jungen zu erreichen. Häufig ist dafür aber gar keine Zeit. Die hochsensiblen Kinder müssen lernen, mit ihrer intensiven Form der Wahrnehmung zurechtzukommen. Dass sie ihren eigenen Weg finden, ihre Belastungsgrenzen kennen und das Leben danach ausrichten, ist ein wichtiges Erziehungsziel.
Hochsensible Kinder werden immer mehr wahrgenommen
Paul, Moritz, Luka und Leon haben eine feine Wahrnehmung für Zwischentöne und Stimmungen. Das ist ein ganz besonderer Wesenszug, der in den letzten Jahren immer interessanter für Therapeuten, Pädagogen, Psychologen und Neurowissenschaftler geworden ist. Und auch in der öffentlichen Wahrnehmung finden hochsensible Menschen langsam aber sicher ihren Platz. In Blogs und Foren, in Zeitungsbeiträgen oder Dokumentationen, Sachbüchern und sogar in Kinderbüchern. Das ist gut! Wer einen hochsensiblen Sohn hat, kennt aus eigener leidvoller Erfahrung die Probleme, die sich dadurch im Alltag ergeben.
Da eine besondere Empfindsamkeit immer noch nicht als Kernkompetenz des männlichen Geschlechts gilt, sind Jungen und junge Männer besonders betroffen. Viele hochsensible Männer leiden zeitlebens unter ihrer intensiven Wahrnehmung, ihrer Reizoffenheit, und versuchen, sich den Vorstellungen der Gesellschaft über »normales Männerverhalten« anzupassen. Es ist der Anpassungsdruck, der sie belastet. Sie verstecken ihre Hochsensibilität, gehen Menschenansammlungen und Gruppenaktivitäten aus dem Wege, verbringen viel Zeit alleine oder täuschen bei zu hoher Belastung eine Krankheit vor. Oft fühlen sie sich unverstanden, ausgegrenzt und alleine. Diese Selbstwahrnehmung beginnt schon in der Kindheit, wenn hochsensible Jungen merken, dass sie anders sind.
Je mehr Verständnis diese Kinder erfahren, desto eher können sie ein gesundes Selbstbewusstsein entwickeln und sich mit ihrer besonderen Art der Wahrnehmung arrangieren. Damit das gelingt, müssen Eltern ihre Kinder verstehen und unterstützen. Aber auch die Öffentlichkeit sollte ein Gespür dafür bekommen, dass manche Menschen reizoffener und damit angreifbarer als andere sind. Am besten gelingt das durch Information. Fernsehbeiträge, Zeitungsberichte und Bücher tragen dazu bei, dass die besonderen Wahrnehmungsfähigkeiten von hochsensiblen Menschen nicht als Spinnerei abgetan werden. Medien werden aufmerksam und beginnen das Phänomen zu untersuchen. Auch die Wissenschaft beschäftigt sich zunehmend mit der Untersuchung von Menschen, die sich als besonders feinfühlig, empfindsam oder hochsensibel bezeichnen. Sie versucht herauszufinden, was es mit dem Phänomen auf sich hat. Nach und nach nimmt die Hochsensibilität ihren Platz in der Gesellschaft ein.
Hochsensibilität – ein junges Forschungsgebiet
Das Phänomen der Hochsensibilität oder Hypersensibilität interessiert viele Menschen, denn laut einer Umfrage ordnet sich jeder Fünfte dieser Gruppe zu. Sich anders zu fühlen als andere, besonders empfindlich zu sein oder keiner Gruppe anzugehören können Signale dafür sein, dass eine Hochsensibilität vorliegt. Doch eine klare Grenze zwischen erhöhter sensitiver Wahrnehmung und der Hochsensibilität ist nicht bekannt. Allerdings spricht für die Existenz eines solchen Persönlichkeitsmerkmales, dass das Interesse daran riesengroß ist. Viele Menschen tragen dieses Wissen um ihr Anderssein ein ganzes Leben lang mit sich herum und sind erleichtert und glücklich, wenn das Phänomen einen Namen bekommt.
»Unsere Umwelt ist komplexer geworden. Dass sich so viele mit Hochsensibilität identifizieren, kann ein Ausdruck ihrer Überforderung sein.«
Die Psychologin Sandra Konrad leitet an der Bundeswehruniversität in Hamburg das einzige deutsche Forschungsprojekt zur »höheren sensorischen Verarbeitungssensitivität«, wie das Phänomen in der Fachsprache heißt.
Besonders Eltern hochsensibler Kinder oder betroffene Erwachsene suchen nach Erklärungen und Lösungen.
Elaine N. Aron, die »Mutter« der Hochsensibilität
1997 begann die amerikanische Psychologin Elaine N. Aron¹ erstmals, das Thema wissenschaftlich aufzuarbeiten. Die meisten Bücher und Testverfahren zur Hochsensibilität beziehen sich auf die Erkenntnisse der Psychologin. Laut Elaine Aron ist die Hochsensibilität ein angeborenes und damit auch vererbtes Persönlichkeitsmerkmal. Diese hochsensible Veranlagung zeige sich bereits im Säuglingsalter, unter anderem durch ein intensives und aufmerksames Beobachten des Umfeldes, durch ein schnelles Quengeln bei zu vielen Aktivitäten und durch ein geringeres Bedürfnis, das Umfeld zu erkunden.
Bis heute gibt es noch keine eindeutige neurowissenschaftliche Definition, und auch die Diagnose der Hochsensibilität ist umstritten. Die Fachleute beschäftigen sich allerdings weiter mit dem Thema aus dem noch sehr jungen Forschungsgebiet. Trotzdem liegen bisher kaum wissenschaftliche Studien zum Phänomen der Hochsensibilität vor.
Untersuchungen aus den Jahren 2008 (Temperamentsforscher Mary Rothbart und David Evans) und 2015 (Psychologen Karin Sobocko und John Zelenski) befassen sich mit dem ursprünglichen Fragebogen zur Feststellung der Hochsensibilität. Die Ergebnisse der Tests sprechen gegen die Annahme, dass es sich bei der Hochsensibilität nach Aron um ein einzelnes, zusammenhängendes Konstrukt handelt. Vielmehr würde es sich hier um die Messung verschiedener Typen von Empfindsamkeit handeln.
Immer wieder wird daher die Frage gestellt, ob das Phänomen der Hochsensibilität wirklich existiert oder nur eine weitere neue Erfindung im Spektrum der vermeintlich besonderen Wesensmerkmale ist. Daher werden die empfindsamen Menschen in Bezug auf ihr Verhalten und ihre Fähigkeiten in unterschiedlichsten Zusammenhängen erforscht. Franziska Borries kam in ihrer Doktorarbeit an der Universität Bielefeld zu dem klaren Ergebnis, dass es hochsensible Menschen gibt. Sie kennzeichnet sie als Personen, »die sich von anderen in der Art und Weise unterscheiden, wie sie Stimuli wahrnehmen und verarbeiten.«² HSPs (High sensitive persons) finden sich in allen Altersstufen und sozialen Schichten. Der Wesenszug bleibt das ganze Leben erhalten und befähigt die Betroffenen, sich gerade in zwischenmenschlichen Lebensbereichen sinnvoll und produktiv einzubringen.
Auch die Forscherin Elke Van Hoof von der Freien Universität Brüssel befasst sich eingehend mit der Hochsensibilität. Elke Van Hoof ist Gesundheitspsychologin und schloss im Jahr 2015 eine Langzeitstudie mit mehr als 1000 Personen ab. Erste Erkenntnisse veröffentlichte sie im Sommer 2016. Sie und ihre Kollegen verstehen unter der Hochsensibilität keine übersteigerte Emotionalität, sondern eher eine spezielle neuronale Ansprechbarkeit. Das Gehirn der hochsensiblen Menschen arbeitet anders. Als Kernsymptom sehen die Forscher ein äußerst bedachtsames Handeln, das sorgfältige Sammeln und Verarbeiten aller Eindrücke, bevor eine Handlung erfolgt und Betroffene selber aktiv werden.
Fazit Hochsensibilität
Persönlichkeitsmerkmal oder nicht – mit dem Begriff Hochsensibilität werden die Fähigkeit zur differenzierten Sinneswahrnehmung und eine extreme Reizoffenheit beschrieben. Hinzu kommen die Fähigkeit zur Empathie (Einfühlungsvermögen) und eine hohe soziale und emotionale Intelligenz. Wissenschaftlich anerkannte Diagnosemöglichkeiten gibt es nicht, und eindeutige Forschungsergebnisse, die eine klare Abgrenzung hochsensibler Menschen von anderen ermöglichen würden, existieren bislang nicht. Auch sind Überschneidungen einzelner Verhaltensaspekte zu erkennen, die bei Neurotizismus, sensorischer Integrationsstörung, AD(H)S, Hochbegabung oder Autismus auftreten. Beim genaueren Hinsehen lassen sich diese aber immer schnell von der Hochsensibilität abgrenzen. Trifft bei einem Kind keine der gängigen Diagnosen zu, so liegt die Vermutung nahe, dass es sich um eine Hochsensibilität handelt.
2. Kapitel
Positive Merkmale von hochsensiblen Jungen
In vielen Büchern, Blogs oder Beiträgen wird die Hochsensibilität als Problem geschildert. In einer unsensiblen, auf Leistung und Äußerlichkeiten geprägten Umgebung haben es hochsensible Jungen in der Tat schwer. Stoßen sie jedoch auf Verständnis und können ihre besonders intensive Art der Wahrnehmung akzeptieren und einbringen, birgt dieses Persönlichkeitsmerkmal eine Fülle von Potenzial. Es ist sehr wichtig, Persönlichkeitsmerkmale nicht negativ zu betrachten, sondern sie wertzuschätzen und positiv anzusehen. Im Sinne einer sich selbst erfüllende Prophezeiung führt die negative Sichtweise häufig in eine Abwärtsspirale. Schaffen es Eltern und Kinder jedoch, ihre besonderen Fähigkeiten als Bereicherung zu betrachten, ändert sich die Haltung zur Hochsensibilität.
Dann kann die intensive Wahrnehmung von Details oder Emotionen für alle sehr bereichernd sein. Gespräche mit einem hochsensiblen Jungen eröffnen manchmal neue Fragen und können sich lange hinziehen. Wer nur oberflächlich smalltalken möchte, wird dies nicht zu schätzen wissen. Wer aber Freude und Spaß an guten Gesprächen hat, kommt mit einem hochsensiblen Jungen, jungen Mann oder Erwachsenen immer auf seine Kosten. Doch auch hier gibt es Grenzen, denn intensive Gespräche können erschöpfend sein. Wie bei allen intensiven Betätigungen und Handlungen ist dann eine kleine Pause notwendig, um die Beteiligten nicht zu überfordern.
Generell sind hochsensible Menschen schneller erschöpft als andere, besonders wenn sie sich in öffentlichen Situationen befinden und einer Reihe von Sinneseindrücken ausgesetzt sind.
Beispiel: Die Eltern von Jan (neun Jahre) sind mit ihrem Sohn auf einem Flohmarkt. Es ist heiß und voll, die Menschen drängen sich an den Ständen. Jan sucht nach einem speziellen Computerspiel und durchstöbert konzentriert die Auslagen. Nach 40 Minuten wirkt er plötzlich erschöpft. Seine Belastungsgrenze ist ausgereizt und er bräuchte nun dringend eine Pause von dem Trubel. Seine Eltern reagieren verständnisvoll: »Lass uns in den Schatten gehen und einWasser trinken, wir wollen ja schließlich Spaß haben und keinen Flohmarktmarathon absolvieren.« Sie reagieren auf Jans Signal mit Verständnis und profitieren selber von der erholsamen Pause. Danach haben alle noch Lust, den Flohmarkt weiter zu durchstöbern. Der Vormittag verläuft ohne Zwischenfälle und alle freuen sich über den schönen Ausflug.
Auch wenn die Eltern von Jan noch keine Anzeichen von Erschöpfung zeigen, so ist es doch sinnvoll, sich nach ihrem Sohn zu richten. Sobald sie seine Belastungsgrenze überschreiten, wird der Flohmarktbesuch zu einem Glücksspiel. Jan wird sich zusammenreißen, aber zunehmend lustlos und angestrengt sein. Seine Laune wird immer schlechter werden und die miese Stimmung wird sich auch auf seine Eltern übertragen. Da ist es nur klug, sich nach dem Jungen zu richten und das Beste aus der Situation zu machen. Schließlich schadet eine kleine Pause niemandem und Jan lernt dadurch, auf sich zu achten.
Die gute Wahrnehmungsfähigkeit von hochsensiblen Jungen und Mädchen hat viele Vorteile. Eine hohe Belastbarkeit und Stressresistenz gehören nicht dazu, aber ihre anderen Fähigkeiten können für Freunde oder die Gemeinschaft sehr hilfreich sein.
Das können Hochsensible richtig gut
⚫ Hochsensible Menschen sind gute Zuhörer. Sie erkennen die Zwischentöne menschlicher Kommunikation besser, je älter sie werden.
⚫ Sie sind nachdenklich und fragen gerne nach. Sie interessieren sich für die Hintergründe und möchten diese verstehen.
⚫ Hochsensible nehmen viele Details auf, schauen genau hin, können gut analysieren.
⚫ Sie merken sich viele Details, haben ein gutes Gedächtnis.
⚫ Ältere Jungen und Erwachsene denken viel über sich und andere nach.
⚫ Da sie ständig eine Vielfalt von Reizen und Informationen aufnehmen, steigert sich auch ihre Komplexität im Denken.
⚫ Hochsensible haben oft ein gutes Körpergefühl und lernen intuitiv.
⚫ Da sie Töne, Klänge, Gerüche und Farben intensiver wahrnehmen, haben sie oft auch eine musische oder künstlerische Ader.
⚫ Sie sind häufig sehr verantwortungsbewusst, sowohl ihrer eigenen Gesundheit als auch dem Wohlergehen anderer gegenüber.
⚫ Sie empfinden Gefühle intensiver als andere, sowohl die schönen als auch die negativen. Dadurch erleben sie wunderbare Glücksgefühle
