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Circle of Warlocks
Circle of Warlocks
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eBook340 Seiten4 Stunden

Circle of Warlocks

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Über dieses E-Book

Nach Beendigung seiner Agentenlaufbahn beschließt Miguel Nantes zusammen mit seinen Freunden ein Hotel zu eröffnen. Was ganz nett anfing entpuppt sich schon bald als Katastrophe, die Gäste bleiben aus, um die Finanzen steht es schlecht und zu allem Übel taucht auch noch Miguels bester Freund Feng Li auf. Wo er ist, ist auch der Ärger nicht weit. Es kommt wie es kommen musste und sehr schnell steht fest dass das Unheil kaum noch abzuwenden ist. Ein sehr einflussreicher und mächtiger Mentalist kommt vor dem Eingang des Hotels ums Leben, worauf Miguel von seiner Vergangenheit eingeholt wird. Die Ereignisse rufen Antonio auf den Plan, der in Miguels Abwesenheit die Organisation übernahm. Er soll in dieser Sache ermitteln und er fordert Fengs Auslieferung. Als Miguel sich weigert seinem Ex-Kollegen zu helfen, entbrennt ein verheerender Konflikt. Doch geht es Antonio wirklich nur um den Erhalt von Recht und Ordnung? Berechtigte Zweifel kommen auf, was seine Beweggründe angeht. Systematisch spielt er einen Freund nach dem anderen gegen Miguel aus und schon bald offenbart sich, dass es hier um viel mehr geht…
SpracheDeutsch
HerausgeberBooks on Demand
Erscheinungsdatum19. Okt. 2015
ISBN9783739279794
Circle of Warlocks
Autor

Reinhard Schmelzer

Neben seiner Arbeit in einem großen und namenhaften Weinkeller und seiner Nebenbeschäftigung als Selbstverteidigungstrainer, bringt Reinhard Schmelzer die Mentalists-Saga in die vierte Runde.

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    Buchvorschau

    Circle of Warlocks - Reinhard Schmelzer

    Kapitel 1 – Willkommen zurück

    „Alles muss man selbst machen, dachte ich mir gerade, während ich auf Knien den dunklen Dielenboden im Flur schrubbte. Es war der Boden den ich eigenhändig legte, im Hotel welches ich höchstpersönlich leitete. Gerade deswegen regte mich jede Kleinigkeit auf, vor allem dieser Brandfleck auf dem Gemälde im Flur. Wenn ich so darüber nachdachte war das doch keine Kleinigkeit, es war sogar Sachbeschädigung. Auf dem Portrait war Jesus zu sehen, vor dem Hintergrund einer untergehenden Sonne. Ich kaufte es vor einigen Jahren bei einem Antiquitätenhändler, gerade einmal für fünf Euro. Eigentlich war es wertlos, doch ich verknüpfte damit ein ganz besonderes Erlebnis. Der Brandfleck war genau inmitten des Gesichtes. Ob mir damit vielleicht jemand was sagen wollte? Jedenfalls rauchte hier jemand, das verriet bereits der beißende Gestank der sich in den hohen Wänden des Altbaus festsetzte. Ich schmiss den Schwamm in den Eimer und griff zum Handy, gerne hätte ich gewusst wo die Putzfrau wieder steckt. Dieses alte schielende Luder kam und ging wie sie wollte. Nach mehrmaligem Läuten musste ich wieder einmal feststellen, dass das verdammte Miststück sich wieder einen schönen Tag machte, während ich hier die Drecksarbeit machen durfte. Während ich mich wieder einmal über das unzuverlässige Personal aufregte, hörte ich Schritte die von schwarzen Lackschuhen ausgingen. Jemand kam auf mich zu, was dem knirschenden Dielenboden anzuhören war. Ein klein wenig wurden die Schritte vom roten Teppich gedämpft, der auf dem Boden ausgerollt lag. Die Designerschuhe gehörten zu einem Gast, einem sehr hochgewachsenen Gast. „Guten Morgen Herr Nantes, heute mal eigenhändig am Schuften?, begrüßte mich Georgious, mit einer Zeitung unterm Arm und einer Zigarre in der Hand. „Hallo Herr Georgious Dimitrious Grigoropoulos, beglücken sie uns noch immer mit Ihrer Anwesenheit?, entgegnete ich ihm sarkastisch. Ich wäre jede Wette eingegangen, dass er für den Brandfleck verantwortlich war. „Irgendjemand muss hier ja die tollen Dienstleistungen in Anspruch nehmen, konterte er und spielte damit auf die leerstehenden Zimmer an. In der Tat stand es um unsere Finanzen nicht sehr gut, das wusste Georgious Dimitrious Grigoropoulos, dessen Name alles andere als leicht auszusprechen war. Wir hatten kaum Gäste, bis auf ihn und einige Warlocks die hier regelmäßig Zuflucht suchten, weil sie vom Tribunal oder vom Circle of Mentalists verfolgt wurden. Erst einmal hatte ich die Schnauze voll vom sauber machen und ging über das Treppenhaus zur Bar hinunter. Dort angekommen erblickte ich einen etwas korpulenteren Kerl in weisem Hemd mit roten Haaren die bereits einen leicht gräulichen Schimmer aufwiesen. Er genehmigte sich gerade ein Bier. „Victor?, zeigte ich mich erstaunt. Er drehte sich zu mir um und hob sein Glas so als wolle er mit mir anstoßen. „Hast du heute nicht frei? Was soll der Aufzug ich hätte dich fast nicht erkannt, wunderte ich mich darüber ihn an seinem freien Tag hier anzutreffen. Auch wunderte ich mich über die Uhrzeit, war es nicht noch etwas zu früh für Bier? Ich setzte mich neben ihn, um vielleicht mehr zu erfahren. „Einen Kaffee, du weißt wie ich ihn möchte?, gab ich bei Sam, dem Barkeeper, meine Bestellung auf. Wie üblich nickte er mir freundlich zu. „Erzähl, was gibt es zu feiern?, begann ich sofort den alten Mann zu löchern. „Neben dir sitzt der neue Drill-Sergeant des Circle of Mentalists, erklärte er mir. „Verstehe… du wirst uns verlassen, schlussfolgerte ich mit bestürzter Mine. „Ja, nichts gegen euch, aber umso schneller ich das tue desto besser, sagte er mir knallhart seine Meinung. „Nichts gegen dich und das was wir zusammen hier aufgebaut haben, aber wach auf das sind nicht wir. Seid wir versuchen ein normales Leben zu führen sind wir nur noch Schatten unserer Selbst. Wann hast du Jason das letzte Mal gesehen? Der Typ steht nur noch auf seinem Balkon und malt irgendwelche abstrakten Gemälde. Dao ist in der Küche maßlos unterfordert und du bist so antiautoritär geworden, dass dir sogar die Putzfrau auf der Nase herumtanzt!, machte Victor mir klar und schlug dabei so fest auf den Tisch dass sein Glas fast umfiel. Dieser Schlag unterstrich seine schlagfertige Ansprache. Nur verstand ich nicht was er gegen Jasons Gemälde hatte. Ich fand sie auch nicht besonders schön, aber solange er sie nicht auf die Idee kam sie im Foyer aufzuhängen hatte ich kein Problem damit. „Der Kaffee Chef, stellte mir Sam meinen Kaffee auf den Tresen. „Na gut der Waschlappen ist eine Ausnahme. Dem gefällt die Mittelmäßigkeit, unterstellte Victor dem Restaurantfachmann. Sam starrte Victor so an als wolle er etwas dazu sagen, doch dann drehte er seinen Kopf doch von ihm weg. „Es ist viel passiert…, antwortete ich auf diese erschlagenden Worte. „Ja ich weiß, viele unserer Freunde haben ins Gras gebissen. Gott verdammt es waren auch meine Freunde, aber der Unterschied ist eben dass die ihr Leben schon hinter sich haben, wollte mir Victor klarmachen, doch ich war es leid ihm zuzuhören. Statt mich weiter auf ihn zu konzentrieren, legte ich mein Smartphone auf den Tisch und checkte meine Emails. Ich wusste dass er es hasste wenn das jemand tat. Für ihn war es ein Zeichen von Desinteresse und in seinen Augen äußerst unhöflich. Victor nahm sein Glas in die Hand und trank den Rest in einem Zug aus. „Betrachte das einfach mal als meine mündliche Kündigung. Ich würde sagen die Formalitäten sparen wir uns, löste Victor Vitorious sein Arbeitsverhältnis an der Rezeption auf und drehte mir den Rücken zu. „Du kannst nicht einfach gehen, du hast noch Resturlaub!, rief ich ihm hinter her, ohne meinen Kopf in seine Richtung zu drehen. „Geschenkt, lehnte er ab und verließ das Hotel. „Vielleicht hättest du ihm gratulieren sollen, hielt Sam für möglich und er hatte Recht. Eigentlich hätte ich mich für ihn freuen sollen, doch irgendwie konnte ich nicht. Abschiede lagen mir nicht besonders und so blieb mir nicht mehr von Victor als eine enttäuschende Erinnerung. Seufzend setzte ich meine Kaffeetasse auf dem Unterteller ab und faltete die Hände über meinem kahl rasierten Kopf zusammen. „Miguel…, sprach mich Sam an. „Was?, erwiderte ich genervt. „… gestern kamen zwei Leute herein und haben nach Unterschlupf und Arbeit verlangt, schilderte er mir. „Du hast sie doch hoffentlich weggeschickt oder?, hoffte ich. „Miguel, du hast doch gesagt dass jeder der hier reinkommt und Hilfe braucht auch Hilfe bekommen, erinnerte mich Sam an meine eigenen Worte. „Ja das war noch bevor ich wusste was dieser Spaß kostet. Wir haben kein Geld für Wohltätigkeit, wir haben kaum Kundschaft, erinnerte ich Sam wiederum. „Und was soll ich jetzt machen?, wollte er von mir wissen. „Schick die Beiden wieder weg!, forderte ich von ihm und hatte so langsam keine Lust mehr mich um jeden Scheiß selbst zu kümmern. „Tut mir Leid aber das kannst du nicht von mir verlangen, verweigerte Sam meine Anweisung, was mich ehrlich gesagt wenig verwunderte. Er war sozusagen die gute Seele des Hotels. Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft stand für ihn immer an oberster Stelle. Seine freundliche und liebevolle Art im Umgang mit Menschen machten ihn zum perfekten Mitarbeiter für den Servicebereich. Das alles waren Dinge die ich sehr an ihm schätzte, aber in diesem Fall konnte ich darauf keine Rücksicht nehmen, auch wenn ich dafür von seiner Seite kein Verständnis erwarten konnte. Wir konnten uns einfach nicht noch mehr Angestellte leisten. „Aber da Victor eben gekündigt hat, wäre doch mindestens eine neue Stelle frei, versuchte Sam sein Anliegen bei mir durchzuboxen. „Was eigentlich sogar gut war, so musste ich ihm nicht kündigen, aufgrund der miesen Auftragslage, argumentierte ich dagegen, um die Diskussion im Keim zu ersticken. „Wo sind die Neuen?, wollte ich wissen, damit ich sie rausschmeißen konnte. „Du wirst sie vor die Tür setzen oder?, vermutete Sam. „Genau das werde ich tun, also wo sind sie?, fragte ich erneut. „Der Junge räumt gerade das Lager auf, wo das Mädchen ist kann ich dir nicht sagen", antwortete der Restaurantangestellte und ich machte mich sofort auf den Weg in Richtung Lager.

    „Nein tu es nicht!, rief Silvia und schrie dabei so laut dass das zurückhallende Echo sie vermutlich aus dem Schlaf gerissen hätte, wenn das ihre Alpträume nicht bereits getan hätten. Ständig kamen ihr die Bilder vor Augen, Bilder die sich ihr tief ins Gedächtnis brannten. Als sie schlagartig aufschreckte durchfuhr sie ein stechender Schmerz. Es war die Narbe, die sich quer über ihren Bauch zog. Hektisch und panisch sah sie sich um. Wo war sie? Ein riesiges Fenster ohne Vorhänge, eine kleine Ledercouch und eine Wohnwand ohne Fernseher. Die Matratze auf der sie lag, war sehr weich, fast schon zu weich. An den Wänden hingen keine Bilder und auch sonst nichts, was sehr trostlos wirkte und auch sehr unfertig. Dies war jedenfalls der Grund dafür dass die Akustik sehr gewöhnungsbedürftig war. Silvia konnte aufatmen, denn es war das Hotelzimmer in dem sie untergekommen war. Sie schleppte sich zum Badezimmer, um sich frisch zu machen. Als sie in den Spiegel sah, um ihr Gesicht zu waschen, erblickte sie nur ein verzerrtes Bildnis ihrer Selbst. Ein hageres dünnes Fräulein, welches Dinge wie regelmäßige und warme Mahlzeiten nur noch vom Hörensagen kannte. Sie schob die Tür zur Kabine zur Seite und stellte sich unter die Duschvorrichtung. Sie genoss es wie die warmen Wasserstrahlen durch ihre hellen blonden schulterlangen Haare glitten und an ihrem schlanken Körper herabtropften. Es war ein Luxus den sie selten genoss und der für sie alles andere als selbstverständlich war. Luxus war für sie allgemein nicht selbstverständlich. Dies stellte sie wieder einmal fest als sie am Waschbecken stand und ihr einfiel, dass sie gar keine Zahnbürste besaß. Zahncreme lag neben dem Waschbecken und sie tat es wie sie es seit drei Jahren schon tat. Seitdem sie auf der Straße lebte putzte sie sich nämlich mit dem Finger die Zähne. Wenn man solch ein Leben auf der führte war das einfach praktischer, da man so eine Sache weniger mit sich herumschleppen musste. Als sie aus dem Bad herauskam und sich anziehen wollte lagen vor ihr lediglich ein paar abgetragene Lumpen und ein paar zerrissene Stiefel. Sie überlegte einen kurzen Moment. Der Typ unten im Restaurant machte ihr ja den Vorschlag hier im Hotel für eine Weile zu arbeiten, bis sie genug Geld hatte um weiterzuziehen. Mit diesem Geld könnte sie sich neue Klamotten kaufen, was auch bitter nötig war. Bis es so weit war würde ihr Arbeitskleidung zustehen, die sie auch in Anspruch nehmen wollte. Sie nahm den Hörer des Telefons, das neben dem Bett stand und wählte die Nummer von Sam, der schwor sich um ihre Belange zu kümmern. „Hey Sam steht dein Angebot von Gestern noch?, fragte sie direkt als sie seine Stimme auf der anderen Seite der Leitung vernahm. „Es tut mir leid, ich hab dem Boss von dir und Jacob erzählt. Er sagte lediglich wir können keine neuen Angestellten gebrauchen. Ich hab ja versucht ihn zu überzeugen aber…, antwortete er, doch beendete den Satz nicht, zumindest nicht bevor Silvia ihn unterbrach. „…schon gut du hast es zumindest versucht. Für diese Nacht fallen aber keine Kosten an oder? Das hast du doch gesagt, wollte sie sich noch einmal rückversichern. „Nein natürlich nicht, das ist schon okay. Aber ihr solltet lieber gehen bevor der Boss euch rausschmeißt. Der ist heute nämlich alles andere als gut gelaunt, warnte Sam die junge Frau. „Ist gut, ich schnapp mir Jacob und dann hauen wir ab, stimmte sie Sams Bitte zu. „Da solltest du dich vielleicht lieber beeilen. Jacob ist im Lager und der Boss müsste jeden Moment bei ihm sein. Ich weiß nicht wie dein Kumpel so drauf ist, aber ich hoffe zumindest dass es nicht eskaliert, äußerte der Restaurantchef seine Befürchtung. „Ich beeil mich, sagte Silvia und legte auf.

    Als ich das Lager betrat erblickte ich einen schlanken jungen Mann der trotz seines schmalen Körperbaus gut in Form zu sein schien. Die schweren Kisten hob er mit Leichtigkeit und das Lager das sonst so unordentlich und chaotisch war, sah auf einmal so aufgeräumt aus. Alles war akkurat und ordentlich sortiert. Die Kisten standen sogar alle fast schon exakt einen Zentimeter über der Kante und hatten auch alle haargenau denselben Abstand zueinander. „Mein Gott, der Typ der das in so einer kurzen Zeit schafft muss Superkräfte und einen starken Hang zum Perfektionismus besitzen, dachte ich mir laut und das schien er auch gehört zu haben, denn er drehte seinen Kopf in meine Richtung. „Das kann nicht sein, dachte ich mir als ich dem Mann in die Augen blickte. Vor Schreck ließ ich sogar meinen Kaffee fallen, den ich noch immer in der Hand hielt. „Bist du es wirklich?, fragte ich ihn und er blickte mich nur verwundert an. „Kennen wir uns?, fragte er mich im Gegenzug und in diesem Moment kam Sam mit einer blonden Frau hereingestürmt. „Was ist hier nur los?", dachte ich mir und richtete die Frage insbesondere an Sam. Als er daraufhin ins Stottern geriet, sah ich nur nach unten zu meiner zerbrochenen Kaffeetasse und dem braunen koffeinhaltigen Fleck. Wo war nur die Putzfrau?

    Eine kurze Zeit später fanden wir uns, bei einer weiteren Tasse Kaffee, im Foyer wieder. Da ohnehin gerade wenig Kundschaft da war hatten wir nicht sonderlich viel Stress. So konnte ich mir in aller Ruhe die Geschichte der beiden Neuankömmlinge anhören. „Woher kennen wir uns?, fragte mich Jacob erneut. „Du kannst dich also wirklich nicht erinnern, wurde mir bewusst, dass er mich doch nicht auf den Arm nahm. „Jacob und ich haben zusammen schon sehr viel durchgemacht. Er hat mir das Leben gerettet, mischte sich Silvia ein. „Wie lange kennt ihr euch genau?, wollte ich von ihr wissen. „Seit ungefähr einem Jahr. Er ist mir sozusagen zugelaufen, ohne Kleidung, ohne Essen und vor allem ohne Erinnerung. Er wusste nichts über sich außer seinen Namen. „Verstehe…, begann ich so langsam zu begreifen. „Du hast gesagt er hat dir das Leben gerettet. Vor was denn, wenn ich fragen darf?, stocherte ich im Lebenslauf der jungen Blondine, was fast schon einem Vorstellungsgespräch gleichkam, nur eben ohne die Belanglosigkeiten. „Wir wurden angegriffen, gestand sie mir. „Von Warlocks? Die sollen sich in dieser Gegend immer öfter herumtreiben, spekulierte ich. „Nein das waren keine Warlocks, sondern Agenten des Circle of Mentalists, erklärte sie mir und mir fiel im ersten Moment die Kinnlade nach unten. Jacob nickte, als wolle er damit den Wahrheitsgehalt dieser Aussage unterstreichen. „Versteht mich bitte nicht falsch, ich will euch nicht als Lügner bezeichnen, aber ich arbeitete selbst früher für den Circle of Mentalists, Jacob übrigens auch. Also ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass die einfach so Leute überfallen, widersprach ich ihr. „Diese Narbe sagt was anderes, argumentierte Silvia. Sie stand auf und zog ihr T-Shirt ein klein wenig nach Oben. „Das waren Agenten von C.O.M?, überlegte ich und machte mir darüber Gedanken wie viel an Silvias Aussage dran sein könnte. Ihre Narbe sah wirklich übel aus, so als wäre sie von einem riesigen Raubtier angefallen worden. Es war keine gerade Narbe, wie man sie von einem Schwert oder einer anderen Waffe erwarten würde, sondern hatte ein eher unregelmäßiges Muster, welches sich in alle Richtungen vom Unterbauch bis zur Brust erstreckte. „Die Chirurgen haben sich dabei wahrscheinlich dumm und dämlich flicken müssen. Der hat statt Nadel und Faden, wahrscheinlich eine Nähmaschine benutzt, scherzte ich und versuchte damit ein wenig die Stimmung aufzulockern, ohne Erfolg. Silvia starrte mich weiterhin mit ihren blauen durchdringenden Augen an. Sie wusste, dass ich ihr nur sehr schwer glauben konnte. „C.O.M. ist nicht so toll wie die meisten denken. Ich kenne viele Warlocks, und die sind netter mit mir umgegangen als diese Bestien, diskutierte sie mit mir und setzte sich währenddessen wieder hin. „Weißt du nichts von der Chippflicht?, konfrontierte mich Jacob mit etwas von dem ich zum ersten Mal hörte. „Chips, also so richtig wie bei Hunden?, wurde mir äußerst unwohl bei dem Gedanken, doch es zu glauben fiel mir nach wie vor schwer. „Sie haben Recht, ich habe auch schon davon gehört dass es bestimmte Personen mit Einfluss gibt die so etwas fordern, doch das wurde doch noch nicht bewilligt soweit ich weiß?, beteiligte sich Sam an unserer interessanten Unterhaltung, der er heimlich lauschte. „Ob genehmigt oder nicht, es wird bereits praktiziert. Im Moment noch nicht flächendeckend, aber sagen wir es so man wird selten gefragt ob man dieses Ding will, erklärte mir Silvie mit einem hohen Maß an Überzeugung. Auch wenn sie nicht direkt aus der Haut fuhr, ihre durchdringenden blauen Augen verrieten mir dass sie die Wahrheit sagte.

    Victor war gerade damit beschäftigt seinen neuen Arbeitsplatz einzurichten. Ihm stand ein eigenes Büro zur Verfügung, dass er eigentlich kaum brauchte, denn sein eigentlicher Arbeitsplatz war draußen auf dem hektarweiten Übungsgelände. Seine Aufgabe war es die neuzusammengewürfelten Truppen von C.O.M auf Vordermann zu bringen. Er blickte durch das riesige Fenster seines Büros auf seine Leute herab, die gerade trainierten. Was er dort sah, war schon einmal sehr vielversprechend. „Drei Feuermagier, zwei Lichtmagier, sechs Schattenkrieger, ein Erdmagier, vier Wassermagier, drei Windmagier, acht Korpus-Krieger und sogar noch einen Seelenbändiger, zählte er und stellte fest dass es sogar einige darunter gab, die noch mehrere Talente hatten, sich also nicht nur auf eines der acht Elemente beschränkten. Victors Erfahrung auf diesem Gebiet war schon so umfangreich, dass er die Fähigkeiten von Mentalisten schon an ihrem Äußeren erkannte. „Das wird interessant, dachte er sich und ging nach unten. Als die Männer und Frauen gerade damit beschäftigt waren sich gegenseitig mit Feuerbällen und Lichtkugeln zu beschießen hallte ein lauter Pfiff durch den Hof, es war die Trillerpfeife des neuen Drill-Sergeants. „Alle mal hergehört, jetzt habt ihr hier genug gespielt. Jetzt beginnt der Ernst des Lebens! Ich bin Victor Vitorious, euer neuer Drill-Sergeant. Ich bin überzeugt davon dass wir eine sehr aufregende Zeit zusammen haben werden, versprach er den Agenten, die ihm wie gebannt zuhörten, nicht weil seine Ansprache besonders spannend und aufschlussreich war, sondern eher weil er genau wusste wie man sich Respekt und Gehör verschafft. Das Versprechen, dass sie alle zusammen eine sehr aufregende Zeit haben würden, hörte sich vielmehr nach einer Drohung an als nach Spaß und Heiterkeit. Einigen lief bereits jetzt der Angstschweiß. Es gab unter ihnen jedoch Einen dem eine Frage auf der Seele brannte. „Hey Sie, wann haben wir Feierabend?, wollte einer der Rekruten wissen. „So ist das also du hast heute noch Termine, ja wenn das so ist kannst du natürlich jederzeit gehen. Wir haben hier Gleitzeit musst du wissen, veräppelte er den Anwärter, doch dieser verstand diese Art von Sarkasmus nicht. Er drehte sich um und lief in Richtung Ausgang. Das war die Chance seine Autorität zu unterstreichen, dachte sich Victor und lief blitzschnell auf den Agenten zu. Dieser wusste gar nicht wie ihm geschah als er sich umdrehte und gleich die Faust des Korpus-Kriegers im Gesicht hatte. Der Arme flog viele Meter, bis ihn eine Mauer stoppte. Korpus war das Element welches für den eigenen Körper stand. Mentalisten die mit dieser Fähigkeit gesegnet waren, verfügten über sehr viel Kraft und Durchhaltevermögen. Genau das zeichnete Victors Kampfstil auch aus. Erschrocken und angsterfüllt sahen die Agenten ihn an. Mit solch einem kompromisslosen Führungsstil wurden sie bisher noch nie konfrontiert. „Hat hier noch jemand eine Frage, oder etwas Besseres vor? Wenn ja dann kann er sich gerne an mich wenden, gab er seinen Rekruten zu verstehen, dass allein er hier das Sagen hatte. „Ach tut das gut wieder daheim zu sein", flüsterte er vor sich hin und schien diesen Moment sichtlich zu genießen.

    Noch immer gingen wir Silvias Worte nicht aus dem Kopf. Dass der Circle of Mentalists jetzt versuchen würde jedem Mentalisten Chips zu implantieren hielt ich für absolut inakzeptabel. Jedoch hatte die Idee auch einen Vorteil, die Welt wäre vielleicht sicherer. In einer sicheren Welt hätten wir lange nicht diese Verluste erlitten, die wir in der Vergangenheit verkraften mussten. „Silvia, flüsterte ich leise vor mich hin. Während sie die Tische sauber machte, fiel mir auf dass sie dieselben Augen hatte wie jemand den ich sehr gut kannte. Was mir außerdem noch auffiel war, dass sie so arbeitete wie jemand der noch nie in seinem Leben einen Lappen in der Hand hielt. In ihrer Putztechnik fand sich weder Reihenfolge noch System. „Schön gründlich wenn ich bitten darf, du willst doch nicht dass ich meine Meinung ändere bezüglich der Einstellung auf Probe, versuchte ich sie anzuspornen, doch sie warf mir lediglich einen genervten Blick zu. „Faszinierend sie sieht fast so aus wie Jane, sprach eine Stimme die aus dem nichts ertönte, mir jedoch auch sehr bekannt vorkam. Vor Schreck drehte ich mich hektisch um, um die Person auszumachen von der die Stimme kam. „Feng!, stellte ich erschrocken fest. „Was machst du hier?, fragte ich meinen alten Freund, der hinter der Theke stand und sich gerade einen Cocktail mixte. Ich begrüßte ihn mit einem Händedruck, der meine Wiedersehensfreude nur dosiert zur Geltung brachte. „Ich war nur zufällig in der Gegend, da dachte ich dass ich mal vorbeischauen sollte um zu sehen wie dein Hotel so läuft, klärte mich der junge Chinese auf, während er schon zum ersten Schluck ansetzte. „Es ist nicht mein Hotel, es gehört zu 92% Jason. Ich bin nur der Geschäftsführer, erklärte ich ihm. „Ach so, aber immerhin der Typ der hier das Sagen hat, versuchte er mich aufzubauen. „Feng, dir ist schon klar, dass du immer noch gesucht wirst oder?, fragte ich ihn und das hatte auch seine Gründe. Feng hatte sich einiges geleistet in seiner Vergangenheit. Für übermenschliche Strafverfolger war er schon lange kein unbeschriebenes Blatt mehr. Er hatte das Pech in eine Terroristenfamilie hineingeboren zu sein. Sein Bruder, sein Vater und seine Schwester waren allesamt korrupt und verfolgten das Ziel die Menschheit auszurotten. Darüber hinaus wurde ihm Fahrlässigkeit vorgeworfen, da der Circle of Mentalists erheblichen Schaden durch ihn erlitt. Dies war in der Zeit als er nach das Sagen beim Circle of Mentalists hatte. Richtig: Ein zweiundzwanzigjähriger Halbstarker, der schon mittags zur Flasche griff, war der Boss von einer der bedeutendsten Organisationen auf diesem Erdball, und damals war er gerademal sechzehn. Was ihm noch zur Last gelegt wurde war, dass er sich an einigen Politikern vergriff und einen Unsterblichen tötete. Die Unsterblichen waren die mächtigsten Mentalisten, Magier des obersten Ranges. Jede Unhöflichkeit gegen sie, galt als ein Kapitalverbrechen. Jemanden aus ihren Reihen zu töten war unverzeihlich. „Feng du musst hier weg, du wirst gesucht, das weißt du doch, erinnerte ich ihn und versuchte ihn dazu zu bewegen sich zu verdünnisieren. „Schau mal einer an, wer da aus seinem Loch hervorkommt, wurde Feng von Georgious Dimitrious Grigoroplus begrüßt, der mit einem Bademantel bekleidet im Foyer stand und Tee trank. Ich fasste mir an die Stirn, denn das war genau die Situation die ich verhindern wollte. „Du musst Feng Li sein, schien der Unsterbliche ihn in Empfang nehmen zu wollen, indem er langsam auf ihn zuging und ihm die Hand reichte. Sofort vermutete ich eine Finte dahinter, doch ich konnte nichts tun. „Wer ist diese Witzfigur?, fragte mich Feng und war sich dem Ernst der Lage nicht einmal ansatzweise bewusst. „Das ist einer vom höchsten Rat, der ist wegen Jay hier, versuchte ich Fengs Gedächtnis auf die Sprünge zu helfen. „Witzfigur…!, schien Georgious bereits innerlich zu kochen. „Jay…?, schien sich Feng jedoch nicht zu erinnern. „Das ist also Gregor Dimi Dingens Dildo Gyros?, flüsterte mir Feng zu und schien doch zu wissen worum es ging. Besonders Leise flüsterte er auch nicht. Scheinbar ging es ihm mehr darum den Unsterblichen zu provozieren, als sich irgendwie herauszureden. „Mein Name ist Georgious Dimitrious Grigoropoulos aber Leute aus älteren Kulturkreisen kannten mich unter dem Namen Poseidon!, versuchte er noch einmal seinen Rang zu verdeutlichen, was Feng nicht sonderlich beeindruckte. „Du bist also der Typ der hier schon seit drei Jahren auf mich wartet? Ich dachte eigentlich dass ein Unsterblicher Besseres zu tun hätte als drei Jahre lang zu warten bis ich hier irgendwann mal aufkreuze", mutmaßte Feng und provozierte Poseidon weiterhin.

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