Perspektivwechsel: Positive Psychologie für Hunde | Stärken fördern statt Schwächen bekämpfen
Von Maria Hense und Christina Sondermann
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Buchvorschau
Perspektivwechsel - Maria Hense
TEIL I: POSITIVE PSYCHO-LOGIE FÜR HUNDE?
WAS DAS IST UND WARUM ES SPASS MACHT!
(Foto: Shutterstock.com)
Positive Psychologie – was ist das überhaupt? In einem kurzen Einstieg erfahren Sie das nötigste Wissenswerte rund um diesen Zweig der Psychologie. Wo kommt die Idee her? Können wir die Ansätze aus der Humanpsychologie auf unsere Hunde übertragen? Welche Handlungsfelder gibt es? Welche Hunde profitieren besonders? Und: Wie kann man „normale" Verhaltenstherapie und Positive Psychologie miteinander kombinieren?
(Foto: Shutterstock.com/Cheryl Casey)
So, wie es sein sollte: Das Leben mit Hund ist ein Genuss.
WAS IST POSITIVE PSYCHOLOGIE?
Uns allen liegt es am Herzen, dass unsere Hunde sich wohlfühlen. Dafür gibt es viele gute Gründe: Zum einen natürlich, weil wir sie mögen und weil wir möchten, dass sie glücklich sind. Und weil es einfach schön ist, glücklichen Hunden beim Leben zuzuschauen.
Doch wussten Sie auch: Glückliche Hunde sind gesünder, gelassener gegenüber alltäglichen Herausforderungen, lassen sich seltener aus der Bahn werfen, zeigen weniger Problemverhalten.
Dass Hunde sich wohlfühlen und gut mit der Welt klarkommen: Dafür sorgt Positive Psychologie!
Positive Psychologie des Menschen
In den letzten Jahren werden Forschung und Praxis der traditionellen Psychologie zunehmend durch einen weiteren Aspekt ergänzt: den der Positiven Psychologie. Ihr Begründer Martin Seligman, Professor für Psychologie an der Universität von Pennsylvania, stellt die „normale" Psychologie der Positiven Psychologie gegenüber und schreibt dazu:
„Gemütszustände zu behandeln, die das Leben unglücklich machen, hat die Aufgabe in den Hintergrund gedrängt, Gemütszustände auf- und auszubauen, die das Leben lebenswert machen" (in: Der Glücksfaktor, Bastei Lübbe 2005).
Während im Mittelpunkt der herkömmlichen Psychologie lange Zeit die Heilung psychischer Störungen und die Therapie von Mängeln stand, verlässt die Positive Psychologie diesen Handlungsschwerpunkt. Stattdessen wendet sie sich der Ergründung dessen zu, was den Menschen allgemein stärkt und ein gutes Leben ermöglicht. Die Positive Psychologie versucht, positive Emotionen zu verstehen und zu fördern. Ihre Ziele sind Glück und Wohlbefinden.
Für unser menschliches Leben würde das bedeuten: Wir sind so sehr damit beschäftigt, Alltagssorgen oder sogar Depressionen oder Ängste zu bekämpfen, dass wir ganz vergessen, unser Leben trotz allem zu genießen. Nach Seligman sollten wir uns auf die Suche machen nach angenehmen Erfahrungen. Nach all den Dingen, die wir gut können, die uns Freude machen und uns interessieren. Das sollten wir gerade dann tun, wenn das Leben uns als eine einzige Kette von langen anstrengenden Arbeitstagen und Sorgen erscheint. Denn es lohnt sich: Wir haben mehr Gelegenheiten, uns zu freuen – und finden unser Leben ganz automatisch etwas schöner und bunter. Insgesamt sind wir zufriedener, weil sich Gutes und Schlechtes die Waage halten – oder das Gute sogar überwiegt! Außerdem werden wir belastbarer, denn Erfolgserlebnisse machen uns optimistischer im Alltag – auch dann, wenn es mal stressiger wird.
Als Folge verbessert sich unsere körperliche und seelische Gesundheit. Wir kommen insgesamt besser mit dem Leben klar. Nach Seligman ruht die positive Psychologie beim Menschen auf drei Säulen:
positiven Emotionen (zum Beispiel Zufriedenheit)
positiven Eigenschaften (zum Beispiel Kreativität) und Fähigkeiten (beispielsweise das Talent zum Ausüben eines Hobbys) sowie
positiven Institutionen (zum Beispiel Familie).
(Foto: Shutterstock.com/Jaromir Chalabala)
Wer seine Hobbys ausüben darf, ist glücklich.
In diesen drei Feldern oder Handlungsbereichen arbeitet die Positive Psychologie. Sie sind leicht verständlich:
(Foto: Shutterstock.com/Jagodka)
Dass Hunde sich wohlfühlen und gut mit der Welt klarkommen: Dafür sorgt Positive Psychologie!
Positive Institutionen schaffen das notwendige Umfeld, um glücklich zu leben. Gemeint ist damit zum Beispiel ein familiäres Umfeld, in dem wir uns sicher und geborgen fühlen.
Wenn wir unsere individuellen positiven Eigenschaften und Fähigkeiten entdecken und ausbauen – dann sind wir erfolgreicher und zufriedener. Der Erfolg macht uns gelassener gegenüber Alltagsherausforderungen, denn wir haben den Eindruck, dass wir diese mit unserer neu gewonnenen Kraft bewältigen können. Außerdem kennt es jeder von sich selbst: Wenn wir das machen, was wir gut können, fühlen wir uns glücklich. Wir brauchen dann gar keinen zusätzlichen Anreiz – die Tätigkeit selbst macht uns glücklich!
Während wir positive Emotionen erleben, geht es uns gut. Die Folge: Bewusst oder unbewusst suchen wir Situationen auf, die uns noch einmal gute Gefühle bringen. Damit werden zufriedene oder glückliche Momente häufiger. Aber es passiert noch mehr. Machen wir diese Erfahrung immer wieder – dann üben wir das Gutfühlen ein! Es geht uns also immer häufiger gut, und das genießen wir nicht nur selbst – sondern man merkt es uns an!
Warum Positive Psychologie auch Hunden guttut
Gehirnaufbau und -chemie von Hund und Mensch sind nicht komplett gleich, aber sie ähneln sich stark. Es gilt inzwischen als wissenschaftlich unumstritten, dass grundlegende Gefühle ähnlich erlebt werden.
Vor diesem Hintergrund lassen sich die Erkenntnisse der Positiven Psychologie auch auf Hunde übertragen – oder besser noch: auf Hunde und ihre Menschen. Die Idee „Schau nicht nur auf die Probleme, sondern auch auf alles Gute!" und die Handlungsbereiche der drei Säulen sind ebenso durchdacht wie simpel. Ihre Anwendung beim Hund ist nicht nur machbar, sondern auch außerordentlich nützlich!
(Foto: Shutterstock.com/paddlepooch)
Mensch und Hund nehmen grundlegende Gefühle ähnlich wahr.
(Foto: Shutterstock.com/otsphoto)
Ein ausgeglichener, selbstbewusster Hund zeigt wenig Problemverhalten.
Die Ausgangssituation in der Hundepsychologie ähnelt der in der Humanpsychologie: Die „ganz normale" Hundepsychologie beschäftigt sich mit unerwünschtem Verhalten. Ihr Fokus liegt auf dem, worunter der Hund leidet oder was dem Menschen nicht gefällt. Der Besitzer, wenn nötig unterstützt von Trainer oder Verhaltenstherapeut, konzentriert sich darauf, dies zu verändern.
Die Positive Psychologie für Hunde wendet – genau wie die des Menschen – den Blick von den Problemen ab. Sie beruht auf der Beobachtung, dass manche Probleme kleiner werden oder sogar verschwinden, wenn positive Erlebnisse und Fähigkeiten genutzt und gefördert werden. Sie bringt den Hund zum „Aufblühen, denn ein ausgeglichener, selbstbewusster Hund zeigt weniger Problemverhalten. Er hat seltener Angst, kann mit Stress besser umgehen – und hat es nicht mehr so nötig, Erfolgserlebnisse in unerwünschten „Hobbys
(Jagen, Hüten, Bewachen) zu suchen.
HANDLUNGSFELDER DER POSITIVEN PSYCHOLOGIE
(Foto: Shutterstock.com/dezi)
Alle drei Handlungsbereiche der Positiven Psychologie des Menschen lassen sich gut auf den Hund übertragen.
Für positive Emotionen sorgen
Gefühle sind Reaktionen auf Ereignisse in uns oder in unserer Umgebung. Wir erleben sie im Körper (zum Beispiel, wenn uns das Herz schneller schlägt oder uns die Knie zittern), wir verbinden sie mit Vorstellungen (zum Beispiel Erinnerungen) und Bewertungen (zum Beispiel „Das tut gut"). Sowohl Mensch als auch Hund können negative Emotionen (zum Beispiel Angst) und positive Emotionen (zum Beispiel Freude) verspüren. Je mehr positive Emotionen Hunde (und ihre Menschen) erleben, umso besser geht es ihnen.
WELCHE POSITIVEN EMOTIONEN KÖNNEN HUNDE ERLEBEN?
Die Fachleute sind sich nicht sicher, ob der Hund so komplizierte Gefühle wie beispielsweise Stolz auf eine Leistung erleben kann. Ganz sicher kann er jedoch Freude erleben: Freude am Spiel, über leckeres Futter, über die Heimkehr seiner Menschen. Die meisten Hundebesitzer kennen außerdem Zufriedenheit und die Anzeichen von Zuneigung beim eigenen Hund.
Freude
Vorfreude im Gesicht ihres Vierbeiners kennen die meisten Hundebesitzer. Ihr Hund springt herum, wenn sie zum Spaziergang aufbrechen, oder er läuft wedelnd zwischen Mensch und Fressplatz hin und her, wenn sein Futter vorbereitet wird. Auch in einem ausgeglichenen Spiel wird Freude empfunden.
Bei diesem Gefühl ist die Schnauze geöffnet, die Maulwinkel sind manchmal etwas zurückgezogen und es sieht aus, als ob der Hund lacht. Sein Gesicht ist faltig, aber nicht angespannt. Die Bewegungen seines Körpers sind locker und lebhaft. Freude geht mit etwas Aufregung einher – erkennbar an lebhafteren Bewegungen.
(Foto: Christina Sondermann)
Zufriedenheit bedeutet Erholung und Stressabbau.
(Foto: Anette Lüke)
Kuscheln tut Mensch und Hund gut!
Der Funke springt zum Hundehalter über: Wir fangen an zu lächeln, wenn wir unseren freudigen Hund sehen.
Zufriedenheit
Zufriedenheit ist noch wichtiger als Freude. Stellen Sie sich vor, wie Ihr Hund nach einem angenehmen Spaziergang oder einer leckeren Mahlzeit neben Ihnen auf dem Sofa liegt oder auf einem Platz in der Sonne. Er fühlt sich
