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Spiritualität der Ökumene - Ökumenische Spiritualität: Spirituelle Theologie Band 2
Spiritualität der Ökumene - Ökumenische Spiritualität: Spirituelle Theologie Band 2
Spiritualität der Ökumene - Ökumenische Spiritualität: Spirituelle Theologie Band 2
eBook158 Seiten1 StundeSpirituelle Theologie

Spiritualität der Ökumene - Ökumenische Spiritualität: Spirituelle Theologie Band 2

Von Corinna Dahlgrün (Editor)

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Über dieses E-Book

Die "Arbeitsgemeinschaft Theologie der Spiritualität (AGTS)" ist seit ihren Anfängen ökumenisch zusammengesetzt, mittlerweile ist sie eine von ihrer Intention wie ihrer Struktur her ökumenische Gemeinschaft.

Nun hat es ökumenisches Bemühen gegenwärtig nicht leicht: Missverständnisse erschweren die Gespräche, Irritationen bei allen Partnern weisen auf das Noch-nicht-Verheiltsein alter Verwundungen hin, verschiedentlich werden Stagnation der Bemühungen und Abkühlung der Kontakte konstatiert.
In dieser Situation hat die AGTS die Frage der Ökumene, genauer: des Zusammenhangs von Spiritualität und Ökumene zum Thema gemacht. Im Rahmen einer Tagung im September 2010 wurde in Form von Vorträgen und substanzreichen Diskussionen bedacht, wie die Spiritualität der Ökumene und wie eine spezifisch ökumenische Spiritualität aussehen könnten. Das Ergebnis dieses Nachdenkens ist in diesem zweiten Band der Reihe "Spirituelle Theologie" dokumentiert.
SpracheDeutsch
HerausgeberEchter Verlag
Erscheinungsdatum26. Juli 2011
ISBN9783429060022
Spiritualität der Ökumene - Ökumenische Spiritualität: Spirituelle Theologie Band 2

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    Buchvorschau

    Spiritualität der Ökumene - Ökumenische Spiritualität - Corinna Dahlgrün

    Vorwort

    Corinna Dahlgrün

    Die „Arbeitsgemeinschaft Theologie der Spiritualität (AGTS) ist seit ihren Anfängen ökumenisch zusammengesetzt, mittlerweile ist sie eine von ihrer Intention wie ihrer Struktur her ökumenische Gemeinschaft. Nun hat es ökumenisches Bemühen gegenwärtig nicht leicht: Missverständnisse erschweren die Gespräche, Irritationen bei allen Partnern weisen auf das Noch-nicht-Verheiltsein alter Verwundungen hin, verschiedentlich werden Stagnation der Bemühungen und Abkühlung der Kontakte konstatiert. In dieser Situation schien es uns sinnvoll, innerhalb der AGTS die Frage der Ökumene, genauer: des Zusammenhangs von Spiritualität und Ökumene zum Thema zu machen. Während der Tagung im September 2010 in Würzburg bedachten wir also in Form von Vorträgen, Bibelarbeiten (eine vom Deutschen Evangelischen Kirchentag her vertraute Form der Eröffnung des Tages) und substanzreichen Diskussionen, wie die Spiritualität der Ökumene und wie eine spezifisch ökumenische Spiritualität aussehen könnten. Der Ertrag unseres Nachdenkens ist in diesem zweiten Band der Reihe „Spirituelle Theologie dokumentiert.

    Der Eröffnungsvortrag von Josef Freitag zur „Spiritualität der Ökumene" weist mit Nachdruck auf das allen ökumenischen Partnern gemeinsame Fundament in Christus hin, auf die allen in der Taufe gegebene neue Wirklichkeit. Von dorther bestimmt er die Sensibilisierung für den Schmerz, der aus der Trennung erwächst, und die Achtsamkeit für die jeweiligen Verwundungen als unverzichtbar, ebenso aber das Bemühen um ein ‚Leben aus der Begegnung’. Ein solches Leben könne in konkreten ‚ökumenischen Haltungen‘ realisiert werden, wie sie etwa im Gebet als ‚Zugangsweg zum Anderen‘ oder in der Wertschätzung der ‚Ökumene vor Ort‘, der Ökumene mit konkreten Partnern gegeben seien.

    Die Bibelarbeit von Manfred Seitz zu christlicher Einheit (Eph 4,1–6.11–15) fordert mit dem Verfasser des Epheserbriefes Respekt für den anderen, wenn Einheit fehle, und bestimmt weiterhin ‚Einheit‘ als ‚Pluralität mit einem tragenden Grund’, der in Christus gegeben sei.

    Kees Waaijmans Vortrag „Ökumenische Aspekte säkularer Spiritualität weitet den Blick auf primordial bestimmte inidigene (im Sinne von dem Menschen in seiner geschöpflichen Ausstattung mitgegebene) Spiritualitäten, die sich gleichermaßen in den biblischen Schriften, etwa den Psalmen, in der Areopagrede des Paulus (Act 17), in den „Werken der Barmherzigkeit und in heutiger säkularer Spiritualität fänden, wie sie in Interviews mit Bauern oder Mitarbeitern im Gesundheitswesen wahrzunehmen sei. Dabei lässt die Konzentration auf die gemeinsamen Strukturen die ökumenische Übereinstimmung und nicht mögliche Differenzen in den Vordergrund treten.

    Einige Beobachtungen zu Ökumenischen Kirchentagen stellt Corinna Dahlgrün an. Sie fokussiert dabei einige besondere Formen ökumenischer Annäherung und resümiert: Eine solche Bewegung aufeinander zu, wie im Vorschlag Philipp Harnoncourts zum punktuellen eucharistischen Fasten oder in der gemeinsamen Mahlfeier von Altkatholiken und Anglikanern, bedeute für die jeweils Beteiligten immer auch ein partielles Aufgeben von Vertrautem, eine Veränderung des eigenen Standpunktes. Dies aber ermögliche Verbundenheit trotz differierender Meinungen.

    Die verschiedenen Impulse wurden in einer immer wieder auch kontroversen Diskussion aufgenommen, über die Corinna Dahlgrün berichtet. Die positiven Erträge der Gespräche werden wegen ihrer möglichen Bedeutung für die Anliegen der Ökumene hier wiedergegeben: Die ökumenischen Partner seien um der Ganzheit willen aneinander gewiesen; dies könne in gemeinsamem Tun und Beten und in einem wechselseitigen Mitleben und Mitfeiern der jeweiligen Gottesdienste zum Ausdruck kommen.

    Eine weitere Bibelarbeit zum Epheserbrief (Eph 2,11–22) von Josef Freitag ergänzt das Bisherige um die wesentliche Frage, wie denn die Feindschaft untereinander zu überwinden sei, und betont mit der Perikope, dass dies nur in Christus geschehen könne, in dessen Person allein die Versöhnung bereits geschehen sei: „Denn er ist unser Friede."

    Schließlich erfolgt ein Blick auf eine tatsächlich gelebte Form ökumenischer Spiritualität, wie sie sich in der Kommunität von Iona zeigt. Corinna Dahlgrün zeichnet anhand der ‚rule of life‘ die besonderen Akzente dieser Gemeinschaft nach, die darin gesehen werden könnten, dass hier jeder seine Mitchristen als ebenso ernsthaft in der Gottesliebe und auf dem Weg der Nachfolge Christi befindlich ansehe wie sich selbst.

    Naturgemäß ist die Zahl der Fragestellungen, die bei einer Tagung gemeinsam bedacht werden können, begrenzt, und naturgemäß fehlen darum in diesem Band wichtige Themen aus dem Zusammenhang ökumenischer Spiritualität. Darum ist es uns eine besondere Freude, eines dieser Themen im Nachhinein ergänzen zu können, das der konfessionsverbindenden Ehen und Familien. Rowan Williams, der Erzbischof von Canterbury, hat uns freundlicherweise erlaubt, seinen Vortrag „The Fellowship of the Baptized" in unserem Jahrbuch ein weiteres Mal zu veröffentlichen¹. Er macht deutlich, dass die in Christus Getauften dort seien, wo Christus infolge der Inkarnation wie infolge seines Sterbens und Auferstehens sei, nämlich in der Gemeinschaft mit Gott und zugleich im Zentrum der Finsternis, des Chaos. Für die Gemeinschaft der Getauften bedeute das, dass sie ebenso in Christus geeint wie durch Spaltung untereinander und durch Trennung von Gott verwundbar seien. Doch im Leib Christi wirke der Geist immer von neuem heilend, darum sei die Gemeinschaft der Getauften immer zugleich gebrochen und erneuert. In diesem Zusammenhang seien die konfessionsverbindenden Ehen ein sakramentales Zeichen der göttlichen Gnade für die gesamte Kirche. Sie machten in besonderer Weise das Wesen der Taufe deutlich, denn sie seien eine physisch greifbare Verkörperung der verheißenen Liebe in allen Enttäuschungen und Trennungen und wiesen damit zugleich über sich selbst hinaus als ein eschatologisches Zeichen mit transformativer Kraft.

    Gemeinsames Tun ist, so wurde auf der Tagung immer wieder festgestellt, ein Weg zu ökumenischer Gemeinschaft. In diesem Sinne kann hoffentlich auch die Veröffentlichung der gehaltenen Vorträge und Bibelarbeiten zum Nachvollziehen des gemeinsam Getanen und so als ein Schritt zur „Einheit in Christus" dienen.

    1 Die Erstveröffentlichung erfolgte in: INTAMS review 16 (2010) 83–87.

    Spiritualität der Ökumene

    Josef Freitag

    Was ich vortragen möchte, entstammt eigenen ökumenischen Erfahrungen, eigener Praxis und eigener Reflexion. Es ist weder eine Abhandlung des Themas noch aus einschlägiger Literatur zusammengestellt. Es ist nicht abgeschlossen, sondern ein offenes Angebot.

    Beim Lesen eines Bildbandes von Marko Ivan Rupnik SJ, slowenischer Jesuit, Künstler und Theologe, der im Centro Aletti (Rom) lebt und östliche und westliche christliche Glaubenswelt zu verbinden versucht, fand ich ein mögliches Motto für mein Vorhaben:

    Love is the force that creates a symphony out of contrasts.

    The heart of the universe desires a unity without mutilations.

    Liebe ist die Kraft, die eine Symphonie aus Kontrasten heraus erschafft.

    Das Herz des Universums verlangt nach einer Einheit ohne Verletzungen.¹

    Auf der gleichen Seite schreibt er: God is free relationship, communion, love. Sin divorces humanity from God, forcing us into isolation and thus towards death, since everything that is not in communion dies.

    Gott ist freie Beziehung, Gemeinschaft, Liebe. Sünde scheidet die Menschen von Gott und zwingt uns in Isolation und so zum Tod, denn alles, was nicht in Gemeinschaft steht, stirbt.

    Jesus sagt unmissverständlich: „Wenn ein Reich in sich gespalten ist, kann es keinen Bestand haben. Wenn eine Familie in sich gespalten ist, kann sie keinen Bestand haben." (Mk 3, 24 f par) Ökumenische Spiritualität hat im Endeffekt exakt mit dieser Spannung von Gemeinschaft und Leben einerseits, Trennung, Spaltung, Isolation und Tod andererseits zu tun

    1. Grundlagen: Wie sagen wir wir? Wie wollen wir wir sagen?

    Wen meinen wir, wenn wir als Christen wir sagen? Vielleicht können wir uns anhand dieser Frage über unsere ökumenische Einstellung und Spiritualität klarer werden.

    Wer sind, wenn wir wir sagen, die anderen, die nicht zum wir gehören? Wo ziehen wir, ohne nachzudenken, die Grenze?

    In den offiziellen Papieren reden beide großen Kirchen in Deutschland, die katholische wie die evangelische, von Kirche fast immer so, als gäbe es die andere Kirche nicht, sondern nur die eigene. Das ist eigentlich der alte theologische Singular aus vorökumenischer Zeit. Wer sind „die anderen", wenn wir von uns als Kirche reden? Sind sie auch Christen oder wirklich Nichtchristen? (Übrigens bleibt die Rede in beiden Fällen selbstbezogen, ist nie vom anderen her oder mit ihm zusammen gedacht). Sind die anderen (Christen) ein bloßes Gegenüber? Auf dem Boden welcher – verbindenden – Gemeinsamkeit sind sie die anderen oder andere? Welches Verhältnis haben wir zu ihnen? Ist es stärker von der Gemeinsamkeit oder von der Differenz, dem Anderssein, bestimmt?

    Sind sie andere als Fremde, als eine gegenüber stehende, unbekannte Gruppe, oder sind sie andere, wie Yves Congar programmatisch formuliert hat, als chrétiens désunis, als un-geeinte Christen, die einmal zusammengehörten, aber infolge von Spaltung, Trennung oder Scheidung bis heute ent-zweit, genauer: ent-eint sind? Das Gemeinte ist zu verdeutlichen.

    Aus Münster in Westfalen gebürtig, arbeite ich jetzt in Erfurt/Thüringen. Neue Bundesländer oder ehemalige DDR oder Osten oder „anderes" Deutschland wird diese Gegend zumeist genannt. Immer wird der Unterschied benannt, nicht das dortige Selbstverständnis.

    Was ist wirklich vorgegangen, dass wir und bis wir Deutschland, wenn auch mit Mühe, auf welchen Wegen auch immer, irgendwie wieder zusammen gebracht und als Einheit verwirklicht haben? Gerade weil Deutschland infolge des Nationalsozialismus und des Krieges de facto machtmäßig, politisch und vor allem ideologisch gespalten war, gehörte paradoxer wie unvermeidlicher und bezeichnender Weise zur Identität der DDR die BRD dazu und zur Identität der BRD die DDR. Keiner der beiden Staaten konnte sich selbst verstehen und in seiner Selbstbestimmung handeln, ohne zugleich den anderen als zur eigenen Identität im Kontrast als dazugehörig, wenn auch ungewollt zugehörig, zu wissen und zu berücksichtigen. Man konnte die DDR nicht ohne Bundesrepublik denken und die Bundesrepublik nicht ohne DDR – gerade wegen des Alleinvertretungsanspruches (vgl. die Hallsteindoktrin). Das Gegenüber gehörte gerade durch die Abgrenzung zur eigenen Existenz. Hier war der andere, den man unreflektiert im Sinn hatte, so etwas wie der Systemkonkurrent, der für das eigene Selbstverständnis unbewußt und ungewollt mitkonstitutiv war, ohne den man sich selbst de facto nicht verstand; der wohl abgeblendet wurde, aber nicht auszublenden war.

    Der Andere ist unter Umständen zugleich der Böse, der das Unrecht begeht, das wir systematisch ablehnen. Der Gewalt ausübt, die wir nicht anwenden. Der Unterdrückung betreibt, die bei uns nicht vorkommt. Der kollektiv denkt, was bei uns nicht der Fall ist, usw. So lebt man aus Kontrasten (bis zu Projektionen), statt aus einem Verhältnis zur Wirklichkeit des anderen und des eigenen Selbst.

    Ein solches enteintes Gegenüber kann unter Umständen viel schärfer trennen als ein sogenannter „Erbfeind", der immer schon der andere, der Feind war. Die DDR und unter Umständen der andere

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