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Abschiede: Vom Mut loszulassen und der Kraft weiterzugehen
Abschiede: Vom Mut loszulassen und der Kraft weiterzugehen
Abschiede: Vom Mut loszulassen und der Kraft weiterzugehen
eBook279 Seiten3 Stunden

Abschiede: Vom Mut loszulassen und der Kraft weiterzugehen

Von Anselm Grün OSB und Rudolf Walter (Editor)

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Über dieses E-Book

Abschiede sind Teil unseres Lebens, von der Kindheit bis zum letzten Abschied. Heute sind sie besonders aktuell, sei es durch die Kirchenkrise, den Klimawandel oder Kriegsgefahr. Anselm Grün zeigt, wie Abschiednehmen befreiend und nicht nur belastend sein kann. Er beschreibt, wie wir mit schmerzhaften Trennungen und gescheiterten Lebensträumen umgehen und gleichzeitig die Chancen von Neuaufbrüchen erkennen. Dabei teilt er auch eigene Erfahrungen und zeigt, wie Abschied ein Weg zu einem neuen, guten Leben sein kann. Ein wichtiges Buch über Lebenskunst in schwierigen Zeiten.
SpracheDeutsch
HerausgeberVerlag Herder
Erscheinungsdatum14. Juli 2025
ISBN9783451839146
Abschiede: Vom Mut loszulassen und der Kraft weiterzugehen
Autor

Anselm Grün OSB

Anselm Grün, Dr. theol., geb. 1945, Mönch der Benediktinerabtei Münsterschwarzach, geistlicher Begleiter und Kursleiter in Meditation, Fasten, Kontemplation und tiefenpsychologischer Auslegung von Träumen. Seine Bücher zu Spiritualität und Lebenskunst sind weltweite Bestseller – in über 30 Sprachen. Sein einfach leben-Brief begeistert monatlich zahlreiche Leser.

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    Buchvorschau

    Abschiede - Anselm Grün OSB

    Die Buchseite zeigt eine minimalistische Berglandschaft in Grautönen mit mehreren gestaffelten Bergen. Am Himmel befinden sich ein großer Mond und zwei fliegende Vögel. Der Aquarellstil erzeugt eine friedliche, meditative Atmosphäre. In der Mitte steht der Text: Wenn Situationen eintreten, die alles verändern.

    Klimakrise und Coronaschock: Verlorene Sicherheiten, notwendige Abschiede, heilsame Konsequenzen

    „Die Welt eine Wolke, ohne Regeln"

    „Abschiede, so heißt ein 2020 entstandener Text des niederländischen Autors Cees Nootebom. Er nennt ihn „Gedicht aus der Zeit des Virus. Darin ruft er „die Warnung, die niemand hören wollte, immer/ dasselbe in Erinnerung. Wir haben nicht wahrnehmen wollen, was uns jetzt bedroht. Der Dichter findet ein eindringliches Bild für unsere Situation: „Die Welt eine Wolke/ ohne Regeln: Alles unübersichtlich und instabil also, so wie die Natur selbst? Und die Zukunft so nebulös wie die Antwort auf eine Frage nach den Aussichten? Das Gedicht jedenfalls stellt die Frage: „Das Ende vom Ende, was könnte das sein?"

    Was könnte dieses „Ende vom Ende" denn sein? Könnte das, wovon wir uns verabschieden müssen, auch der Anfang von etwas Neuem werden?

    Zum einen ist klar: Die Natur ist eine Wirklichkeit, die wir neu sehen müssen und nicht beliebig manipulieren können. Sie zeigt uns Grenzen auf, innerhalb derer wir mit ihr umgehen müssen. Wir müssen uns verabschieden von der Illusion, sie beliebig für unsere Zwecke ausnutzen oder sie auch nur kontrollieren zu können. Wir wissen nicht, ob und wann eine neue Pandemie auftreten wird. Und wir haben keine Ahnung, was an Naturkatastrophen wie Erdbeben, Überschwemmungen oder Tornados auf uns zukommen kann und wie weit der Klimawandel unsere Lebensgrundlagen beeinträchtigen oder zerstören wird.

    Ein Damoklesschwert

    Der Klimawandel hängt wie ein Damoklesschwert über uns. Die Bewegung „Fridays for Future hat viele Menschen aufgerüttelt. Es gibt junge Menschen, die in Panik geraten, wenn sie an ihre Zukunft denken, und die eine große Wut auf die gegenwärtig handelnde Generation haben. Da ist der Ausspruch eines 17-Jährigen, Mitglied einer Aktivistengemeinschaft der Umweltschutzbewegung, die sich „Aufstand der letzten Generation nennt: „Wer jetzt noch Hoffnung hat, ist zynisch. Ein anderer junger Mensch sagt bei einer Umfrage: „Hauptsächlich ältere, jedoch demografisch stärkere Generationen zerstörten und zerstören meine Perspektiven, auf einer gesunden Erde und in einer friedlichen Gesellschaft zu leben. Ältere Menschen dagegen fragen nicht weniger angstvoll: „Was kommt auf unsere Kinder zu? Wie werden meine Enkelkinder (4 und 2 Jahre) in 20 Jahren (über)leben?"

    Wir haben unseren Lebensstil mit all den positiven Möglichkeiten genossen und gemeint, wir hätten einen Anspruch darauf. Davon gilt es Abschied zu nehmen.

    Wir haben schon in den letzten Jahren erlebt, dass trockene und heiße Sommer Menschen und Natur belastet haben und dass es auch bei uns im Frühjahr und Herbst weniger geregnet hat. Obwohl es Warnungen gab (der Bericht des „Club of Rome ist vor über 50 Jahren erschienen): Wir haben Jahrzehnte in dem blinden Glauben gelebt, dass ständiges wirtschaftliches Wachstum und steigender Wohlstand möglich sind. Von dieser Vorstellung müssen wir uns verabschieden, weil sie die natürliche Begrenztheit unseres Planeten außer Acht lässt. Wissenschaftliche Studien zum Klimawandel haben die Grenzen des Wachstums berechnet und gezeigt: Wenn wir so weitermachen wie bisher, erwartet uns bis 2100 eine Welt, die im Schnitt um 3–4 Grad heißer sein wird. Das hätte apokalyptisch anmutende Folgen: Anstieg des Meeresspiegels, Dürrekatastrophen, Wassermangel, extreme Stürme. Wissenschaftler beschreiben die katastrophalen Folgen, die ein nicht mehr umkehrbares „Kippen des Klimas für das Leben unseres Planeten haben wird. Wir können uns gegen alles versichern. Doch wenn der Klimawandel ganze Küstenstreifen im steigenden Meereswasser untergehen lässt, wenn meterhohe Wellen in hoher Stundengeschwindigkeit ganze Häuser wegreißen und Ortschaften zerstören, wie das 2021 im Ahrtal geschah, und im Jahr 2022 in Australien, wo weite Landstriche verwüstet wurden, dann gilt es nicht nur in unserem Teil der Welt für viele Menschen, Abschied von der Heimat zu nehmen oder künftig beliebte Urlaubsorte zu streichen. Dann geht es weltweit auch an die Lebensgrundlagen vieler Menschen. Natürlich: Es gab auch früher schon Hungerzeiten. Im 19. Jahrhundert führten diese viele Menschen dazu, auszuwandern. Wir in Europa wissen heute allerdings nicht, wohin wir auswandern könnten. Denn überall ist die Welt unsicher. Ja, anderswo ist es offensichtlich noch schlimmer. Schließlich flüchten so viele Menschen nach Europa, weil sie hier für sich eher eine gute Zukunft erwarten. Wir müssen uns also jetzt Gedanken machen, Phantasie einsetzen und Pläne entwickeln, die über die Gegenwart hinausreichen. Wir müssen vorstellbar machen, wie wir unseren Planeten, das gemeinsame Haus Erde, auch für künftige Generationen intakt, bewohnbar und lebenswert erhalten. Die Vision des Milliardärs Elon Musk, auf den Mars auszuwandern, um dort das Weiterleben zu ermöglichen, ist jedenfalls für mich keine Vision, die wir weiter verfolgen sollten.

    Wir haben die Natur nicht im Griff

    Auch die Pandemie hat unser Leben erschüttert: Wir waren überzeugt, dass Epidemien wie Pest oder Cholera der Vergangenheit angehören und große Gesundheitskrisen zumindest in unseren Wohlstandsländern unwahrscheinlich sind. Dann hat die Pandemie die ganze Welt über Jahre in Atem gehalten und uns drastisch vor Augen geführt, wie labil und gefährdet generell unser Leben ist, auch hierzulande. Wir haben die Natur eben generell nicht im Griff. Das Virus hat nicht an einer Staatsgrenze Halt gemacht und die Gesundheit der Menschen weltweit bedroht. Als im April 2020 Militärlastwagen die Särge von Covid-19-Opfern durch das nächtliche Bergamo transportierten, wurde vielen erstmals klar: Der Tod, den wir so gerne verdrängen, ist in unserer Gesellschaft immer gegenwärtig. Die Pandemie hat uns während der Quarantäne in der Bewegungsfreiheit und in den sozialen Kontakten eingeschränkt und die Vereinzelung schmerzhaft spürbar gemacht. Sie hat uns auch gezwungen, von alten Gewohnheiten Abschied zu nehmen: nicht nur von der Gewohnheit, im Urlaub in ferne Länder zu reisen, oder von der selbstverständlichen Gewohnheit, jederzeit mit anderen in ein Restaurant zu gehen, ein Konzert oder eine Opernaufführung zu besuchen. Sie hat gezeigt, dass wir nicht einfach so weiterleben können. Auch sie hat Fragen nach unseren Werten und unserem Lebensstil gestellt. Wir haben unseren Lebensstil mit all den positiven Möglichkeiten genossen und gemeint, wir hätten einen Anspruch darauf. Die Krise fordert Konsequenzen auch für unseren Alltag: wie wir uns ernähren, wie wir wohnen, wie wir unsere Mobilität künftig leben.

    Wir dürfen nicht in Ohnmacht verharren. Wir müssen überlegen, wie eine Transformation unseres Lebens aussehen kann, damit Hoffnung möglich bleibt, und wie wir diese Umgestaltung bewerkstelligen.

    Wovon werden wir uns definitiv verabschieden müssen? Sicher nicht nur von der Idee, alles sei selbstverständlich. Sondern auch von der Illusion, wir hätten unser Leben immer im Griff und könnten die Welt insgesamt kontrollieren. Auch der typische „Macher" muss Abschied nehmen von seinen Allmachtsphantasien und sich bescheiden mit seiner begrenzten Fähigkeit, die Welt zu gestalten. Er muss diese bei aller Begrenztheit aber bewusst und gezielt einsetzen. Was wir alle lernen müssen: Die Unsicherheit auszuhalten gehört wesentlich zu unserem Menschsein.

    Anfragen an den Lebensstil jedes Einzelnen

    Natürlich muss sich im Großen, in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, viel ändern. Aber das Verabschieden liebgewordener Gewohnheiten tut auch dem Einzelnen weh. Etwa wenn unser Mobilitätsverhalten in Frage gestellt wird: Ist es zu vertreten, dass wir so viele Flüge unternehmen, immer weitere Fernreisen planen oder überall mit dem Auto hinfahren? Können wir unseren Fleischkonsum angesichts des Klimawandels noch vertreten? Heute haben wir ein neues Bewusstsein dafür bekommen, wie weit unser eigener Lebensstil zum Klimawandel beiträgt. Man spricht vom ökologischen Fußabdruck und meint damit die Auswirkungen unseres Handelns auf das Klima. Das betrifft alle unsere Lebensvollzüge, unsere Essgewohnheiten, den Wasserverbrauch beim Duschen, beim Gießen des Rasens, unseren Energieverbrauch beim Heizen, beim Betreiben elektrischer Geräte, beim Verkehr, egal ob Auto, Flugzeug oder Zug. Wir spüren, dass wir nicht einfach so weitermachen können wie bisher. Manchen macht das Angst, dass sie sich von liebgewordenen Gewohnheiten verabschieden sollen. Andere wiederum befürchten, dass uns vor lauter Moralisieren das Leben vergällt wird, wenn jeder Schritt, den wir tun, von Umweltmoralisten begutachtet wird. Es braucht ein bewusstes und zugleich freies Umgehen mit unserem Lebensstil. Vieles ist verzichtbar. Das einzusehen, spart auch Lebensenergie. Gewohnheiten nur so weiterzuführen wie bisher, ohne unser Verhalten zu prüfen, das gehört jedenfalls einer Vergangenheit an, von der wir uns verabschieden müssen.

    Moralische Appelle reichen nicht

    Wir dürfen nicht nur auf die Krisen starren. Wir müssen gleichzeitig überlegen, wie eine Umgestaltung unseres Lebens aussehen kann, damit Hoffnung möglich bleibt, damit sich Tore in eine bessere Zukunft auftun und unsere Welt auch für unsere Nachkommen gesichert und lebenswert sein kann. Dazu gehört, dass wir positive Auswirkungen wahrnehmen: Uns ist deutlich geworden, wie gut uns auch die Entschleunigung tut, wie wertvoll menschliche Nähe ist und wie wichtig unmittelbare soziale Kontakte sind. Es hat sich gezeigt, wie viel verzichtbar ist: dass Videokonferenzen etwa aufwendige Dienstreisen unnötig machen können. Und eine Untersuchung hat ergeben, dass der weltweite CO2-Emissionsausstoß im ersten Jahr der Pandemie weltweit und auf das ganze Jahr gerechnet um 7 % reduziert wurde, weil es weniger Verkehr und weniger Produktion gab: Das ist in etwa der Wert, den wir jährlich bräuchten, um das Klimaziel zu erreichen. Durch moralische Appelle allein gelingt die Transformation offensichtlich nicht. Helfen könnte aber eine vertiefte spirituelle Beziehung zur Natur. Die spirituelle Beziehung will unsere Augen öffnen auch für die Schönheit der Natur. Das deutsche Wort „schön hängt zusammen mit „schauen und „schonen". Das Schöne kann ich nicht besitzen. Ich kann es nur schauen. Im Schauen vergesse ich mich, lasse das Schöne sein. Und das Schöne werde ich auch

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