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Don Cavelli und der Engel der Apokalypse: Die zwölfte Mission  – Ein actiongeladener Vatikan-Krimi
Don Cavelli und der Engel der Apokalypse: Die zwölfte Mission  – Ein actiongeladener Vatikan-Krimi
Don Cavelli und der Engel der Apokalypse: Die zwölfte Mission  – Ein actiongeladener Vatikan-Krimi
eBook288 Seiten3 StundenDon Cavelli

Don Cavelli und der Engel der Apokalypse: Die zwölfte Mission – Ein actiongeladener Vatikan-Krimi

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Über dieses E-Book

Sie sind die Vollstrecker des Jüngsten Gerichts Nichtsahnend nimmt Vatikanbewohner Don Cavelli den Anruf eines alten Studienkollegen an – doch Roberto Norelli enthüllt ihm eine schockierende Nachricht: Sein Sohn ist seit Monaten wie vom Erdboden verschwunden, angeblich ist er in die Fänge einer fanatischen Sekte geraten. Ihr Anführer ist ein gewisser Bruder Jakobus. Hat er sich nach dem Apostel Jakobus »der Gerechte« benannt? Glaubt er, im Auftrag Gottes zu wirken und dass das Ende der Welt bevorsteht? Letzte Spuren von Robertos Sohn führen in die sizilianische Wüste, ein karger, unwirtlicher Ort. Doch je weiter Cavelli in dessen Herz vordringt, desto mehr muss er erkennen, dass die Wüste nicht so verlassen ist, wie es den Anschein hat – es soll nur niemand mehr lebend herauskommen! Der actiongeladene zwölfte Band der Bestsellerreihe um den Vatikandetektiv wider Willen – alle Kriminalromane um Don Cavelli sind unabhängig voneinander lesbar.
SpracheDeutsch
Herausgeberdotbooks
Erscheinungsdatum1. März 2025
ISBN9783989529366
Don Cavelli und der Engel der Apokalypse: Die zwölfte Mission  – Ein actiongeladener Vatikan-Krimi
Autor

David Conti

David Conti wurde 1964 in Rom geboren und verbrachte dort – unterbrochen von einem mehrjährigen Aufenthalt in München – seine Kindheit und Jugend. Nach einem Studium der Theologie, Geschichte und Germanistik in Perugia, Yale und Tübingen, war er mehrere Jahrzehnte lang in verantwortlicher Position bei einer internationalen Institution in Rom tätig. Seit seinem beruflichen Ausscheiden aus dieser, verbringt er seine Zeit mit Reisen und dem Schreiben der »Don Cavelli«-Reihe. Er lebt abwechselnd in Castel Gandolfo, Zürich und Santa Barbara. Bei dotbooks erscheint David Contis »Don Cavelli«-Vatikankrimireihe mit bislang elf Bänden, die als eBooks und Printausgaben erhältlich sind. Die ersten acht Bände der Reihe sind auch als Hörbuch bei Saga Egmont erschienen.

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    Buchvorschau

    Don Cavelli und der Engel der Apokalypse - David Conti

    coverpage

    Über dieses Buch:

    Nichtsahnend nimmt Vatikanbewohner Don Cavelli den Anruf eines alten Studienkollegen an – doch Roberto Norelli enthüllt ihm eine schockierende Nachricht: Sein Sohn ist seit Monaten wie vom Erdboden verschwunden, angeblich ist er in die Fänge einer fanatischen Sekte geraten. Ihr Anführer ist ein gewisser Bruder Jakobus. Hat er sich nach dem Apostel Jakobus »der Gerechte« benannt? Glaubt er, im Auftrag Gottes zu wirken und dass das Ende der Welt bevorsteht? Letzte Spuren von Robertos Sohn führen in die sizilianische Wüste, ein karger, unwirtlicher Ort. Doch je weiter Cavelli in dessen Herz vordringt, desto mehr muss er erkennen, dass die Wüste nicht so verlassen ist, wie es den Anschein hat – es soll nur niemand mehr lebend herauskommen!

    Über den Autor:

    David Conti wurde 1964 in Rom geboren und verbrachte dort – unterbrochen von einem mehrjährigen Aufenthalt in München – seine Kindheit und Jugend. Nach einem Studium der Theologie, Geschichte und Germanistik in Perugia, Yale und Tübingen, war er mehrere Jahrzehnte lang in verantwortlicher Position bei einer internationalen Institution in Rom tätig. Seit seinem beruflichen Ausscheiden aus dieser, verbringt er seine Zeit mit Reisen und dem Schreiben der »Don Cavelli«-Reihe. Er lebt abwechselnd in Castel Gandolfo, Zürich und Santa Barbara.

    In der »Don Cavelli«-Reihe erscheinen bei dotbooks:

    »Don Cavelli und der tote Kardinal – Die erste Mission«

    »Don Cavelli und der letzte Papst – Die zweite Mission«

    »Don Cavelli und die Hand Gottes – Die dritte Mission«

    »Don Cavelli und das Sizilianische Gebet – Die vierte Mission«

    »Don Cavelli und der Apostel des Teufels – Die fünfte Mission«

    »Don Cavelli und die Wege des Herrn – Die sechste Mission«

    »Don Cavelli und die Stille Stadt – Die siebte Mission«

    »Don Cavelli und die Töchter Marias – Die achte Mission«

    »Don Cavelli und der Atem Gottes – Die neunte Mission«

    »Don Cavelli und der Schattenpapst – Die zehnte Mission«

    »Don Cavelli und der Mann aus Assisi – Die zwölfte Mission«

    Alle Romane sind sowohl als eBook- als auch Printausgaben erhältlich. Die ersten acht Bände sind außerdem als Hörbücher bei Saga Egmont erschienen.

    ***

    Originalausgabe März 2025

    Copyright © der Originalausgabe 2025 dotbooks GmbH, München

    Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

    Redaktion: Ralf Reiter

    Titelbildgestaltung: Wildes Blut – Atelier für Gestaltung Stephanie Weischer unter Verwendung mehrerer Bildmotive von © shutterstock

    eBook-Herstellung: Open Publishing GmbH (rb)

    ISBN 978-3-98952-936-6

    ***

    dotbooks ist ein Verlagslabel der dotbooks GmbH, einem Unternehmen der Egmont-Gruppe. Egmont ist Dänemarks größter Medienkonzern und gehört der Egmont-Stiftung, die jährlich Kinder aus schwierigen Verhältnissen mit fast 13,4 Millionen Euro unterstützt: www.egmont.com/support-children-and-young-people. Danke, dass Sie mit dem Kauf dieses eBooks dazu beitragen!

    ***

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    David Conti

    Don Cavelli und der Engel der Apokalypse

    Die zwölfte Mission

    dotbooks.

    »In der Hölle sind die Seelen,

    die nicht an sie glauben.«

    Ordensschwester Faustyna Kowalska

    Prolog

    Drei Jahre zuvor

    Dies war der vierzigste Tag.

    Vierzig Tage ohne Essen.

    Vierzig Tage und vierzig Nächte, ohne einen einzigen Menschen gesehen zu haben.

    Die Negevwüste war zwölftausend Quadratkilometer weit und bedeckte damit fast zwei Drittel des Staates Israel. Der junge Mann, den man später Bruder Jakobus nennen würde, verscheuchte mit einer matten Geste eine Fliege, die auf seinen ausgetrockneten Lippen gelandet war, und wischte sich mit dem Handrücken den Schweiß von der Stirn. Nachts konnte es hier in der Negevwüste sehr kalt werden – und außerdem war dann das Heulen von Streifenhyänen und Arabischen Wölfen zu hören (was ihm Angst machte), tagsüber hingegen war die Hitze unerträglich. Doch immer wieder hatte er sich zur Demut ermahnt. Er war mit seinem Landrover hier rausgefahren, der ihm Schutz vor Kälte und wilden Tieren bot und in dessen Schatten er sich tagsüber aufhielt. Außerdem hatte er Plastikkanister mit vierhundert Litern Wasser an Bord, die er bisher nicht angerührt hatte, da er ganz in der Nähe auf eine klare Quelle gestoßen war. Dies war nichts gegen das, was er erlitten hatte. Jesus hatte unendlich viel mehr erduldet. Das hatte er sich immer und immer wieder ins Gedächtnis gerufen. Doch mit jedem weiteren Tag war es schwerer geworden.

    Hunderte Male war er drauf und dran gewesen, aufzugeben. Sei kein Narr, hatte eine verführerische Stimme in seinem Kopf gesagt. Was quälst du dich so sinnlos? Du wirst ohnehin nicht vierzig Tage durchhalten. Das ist einfach unmöglich. Niemand kann das. Wozu also noch weitermachen? Gib auf! Setz dich in dein Auto und in nicht einmal einer Stunde bist du in Eilat. Dort warten komfortable Hotels mit weichen Betten, deftige Steaks, köstliche Eiscreme und ein kaltes Bier auf dich.

    O, wie verlockend hatte all das in seinen Ohren geklungen, doch er hatte gegen diese Stimme angekämpft. Er wusste nur zu gut, wer da sprach: Es war niemand anders als der große Versucher – Satan persönlich. Er hatte die Präsenz des Teufels buchstäblich spüren können, hatte spüren können, wie er belauert wurde von der grauenhaften Bestie.

    Jedes Mal hatte er die beste Waffe gegen den Teufel – seinen Rosenkranz – nur umso heftiger umklammert und umso lauter gebetet und jedes Mal hatte er am Ende den Sieg davongetragen. Doch dies war der vierzigste Tag. Der letzte. Am Ende des Tages würde er diese Tat Jesu ebenfalls vollzogen haben. Es würde einen riesigen Schritt voran bedeuten. Es würde seine letzten Zweifel, dass er würdig sei, beseitigen. Doch bis dahin war es noch ein weiter Weg. Die letzte Stunde war nun angebrochen, irgendetwas in ihm hatte von Anfang an geahnt, dass es die schwerste sein würde. Instinktiv schlossen sich seine Finger fester um den Rosenkranz und er betete.

    Irgendwann sah er auf die Uhr, jetzt waren es nur noch drei Minuten, dann würde es vollbracht sein. Die Zeit schien still zu stehen. Noch zweieinhalb Minuten. Noch zwei. Noch hundertzehn Sekunden. Hundertfünf. Er hatte das Gefühl, wahnsinnig zu werden. Hundertzwei. Hundert ...

    Dann ganz plötzlich – ohne Vorwarnung – sah er ihn. JESUS!

    Er schwebte etwa zwei Meter über dem Boden und sah genau so aus, wie er ihn sich immer vorgestellt hatte. Ein übernatürliches Strahlen drang aus seiner Brust und sein Gesicht war die Güte selbst. Seine Stimme war süß wie Honig. »Lass ab von deinem bösen Plan«, sagte er. »Du wirst nur Unheil über dich und viele Menschen bringen. Lass ab!«

    Panisch riss er den Rosenkranz nach oben und streckte ihn dem Trugbild entgegen. Eine nie gekannte Angst durchfuhr ihn, als er begriff, dass er um ein Haar dieser letzten List des Teufels aufgesessen wäre. Mit geschlossenen Augen betete er drei Vaterunser. Erst dann wagte er es, die Augen wieder zu öffnen.

    Das Trugbild war verschwunden. Mit Gottes Hilfe hatte er den Teufel besiegt. Die letzte Probe war bestanden.

    Er war bereit.

    Erstes Buch

    I

    Modernität und Umweltschutz sind wahrscheinlich nicht unbedingt die ersten Begriffe, die den meisten einfallen würden, wenn sie an den Vatikan denken, und doch ist dieser das einzige klimaneutrale Land der Welt. Eine fußballfeldgroße Solaranlage auf dem Dach der Audienzhalle, der Aula Paolo VI., sorgt für zwanzig Prozent der gesamten Stromversorgung, die Beleuchtung von Petersdom, Petersplatz und Sixtinischer Kapelle wurde auf LED umgebaut, was neunzig Prozent Strom einspart, nach und nach wird der päpstliche Fuhrpark komplett auf Elektroautos umgestellt und der restliche CO2-Ausstoß wird durch einen siebentausend Hektar großen Wald in Ungarn ausgeglichen. Außerdem hatte der Heilige Vater ein Motu Proprio mit dem Titel Fratello Sole – Bruder Sonne – herausgegeben, in dem angeordnet wurde, ein exterritoriales Gebiet in Santa Maria di Galeria, auf dem sich ältere Gebäude von Radio Vaticano befanden, mit Solaranlagen zu bestücken, welche die restlichen achtzig Prozent des Vatikan mit Strom versorgen sollen.

    Alles Modernisierungen, die Don Cavelli sehr begrüßte (an andere, wie zum Beispiel die zwei Tennisplätze an der nördlichen Mauer des Vatikan, würde er sich wohl nie gewöhnen können, das war einfach unpassend, aber zum Glück lagen sie ziemlich versteckt, so dass sie niemand entdeckte, der nicht aus einigen ganz bestimmten Fenstern der Vatikanischen Museen sah), doch im Großen und Ganzen gefiel es ihm, dass der Vatikan in den allermeisten Dingen ein Meer der Ruhe war, in dem sich nur wenig veränderte und wenn, dann meist nur sehr langsam. Die Tradition genoss hier – mehr als an den meisten anderen Orten – höchstes Ansehen, ja sie war Gesetz. Nicht einmal der Papst selbst war berechtigt, in Bezug auf den Katholischen Glauben etwas anderes zu lehren als das, was schon immer gelehrt worden war.

    Und letztlich hatte Cavelli sein Recht, im Vatikan zu leben, der Tradition zu verdanken. Und seinem Urahn, Capitano Umberto Cavelli. Dieser hatte im Jahre 1513 etwas getan, für das Papst Julius II. so dankbar gewesen war, dass er die Cavelli-Familie liberatus ab ullis calamitatibus – also frei von allen Nöten – stellte und dies bis zum Jüngsten Tag. Konkret bedeutete dies – neben einer großen Summe Goldes, die in fünfhundert Jahren durch Zins und Zinseszins zu einem exorbitanten Millionenvermögen angewachsen war, dass die Cavellis das Recht hatten, im Vatikan zu wohnen, und dort eine Reihe von Privilegien genossen. Eines dieser Privilegien bestand auch heute noch darin, dass Cavelli die Schlüssel zu allen Gebäuden besaß. Inwieweit das ursprünglich als eine Belohnung gedacht war, ließ sich nicht mehr feststellen. Vielleicht hatte sich Julius II. auch einfach nur sicherer gefühlt, wenn die Person, der er am meisten vertraute, überall Zutritt hatte. Befürchtete der misstrauische Pontifex eine Intrige seiner engen Mitarbeiter, gegen die er sich auf diese Weise absichern wollte? Cavelli hielt es für nicht unwahrscheinlich.

    Natürlich waren diese uralten Privilegien in der heutigen Zeit manchen hochrangigen Vatikanangehörigen ein Dorn im Auge. Etliche Male hatte man versucht, sie für veraltet und ungültig zu erklären, doch jedes Mal hatten der jeweilige Heilige Vater oder seine engsten Mitarbeiter solchen Bestrebungen einen Riegel vorgeschoben. Papst Julius II. hatte eine Regel erlassen, die bis zum Jüngsten Tag gelten sollte, und daran war nicht zu rühren. Sie aufzuheben hätte einen Präzedenzfall geschaffen, der die Autorität des Papstamtes an sich in Frage gestellt hätte, und niemand wagte es, diese Büchse der Pandora zu öffnen.

    Heute war wieder einer dieser seltenen Tage, an denen Cavelli einen neuen Schlüssel erhielt. Das geschah in seltenen Fällen, wenn im Vatikan ein neues Gebäude eingeweiht wurde, so wie das Gästehaus Santa Marta, das Johannes Paul II. hatte errichten lassen, um den Jahrhunderte alten unwürdigen Zustand zu beenden, dass die Kardinäle beim Konklave tagelang unter primitivsten Bedingungen in den Fluren der Vatikanischen Museen hausen mussten, aber meistens nur, wenn ein älteres Gebäude modernere Schlüssel bekam, wobei das bei manchen Räumen und Kellern nie der Fall zu sein schien. Cavelli besaß etliche Schlüssel, die Jahrhunderte alt waren und immer noch eingesetzt werden konnten.

    Überreicht wurden die neuen Schlüssel jeweils vom Clavigero, dem Herrn über alle 2797 Schlüssel des Vatikan, der jeden Tag ab fünf Uhr morgens, gemeinsam mit zehn Mitarbeitern, alle dreihundert Türen der Vatikanischen Museen und auch zahlreiche andere aufzuschließen begann und ab fünf Uhr abends das gegenläufige Ritual ausführte.

    In einem formellen Schreiben war Cavelli aufgefordert worden, heute pünktlich um vierzehn Uhr in dem winzigen Büro des Clavigero im Apostolischen Palast zu erscheinen und vier neue Schlüssel für das Governatorat entgegenzunehmen. Wie immer rochen die Böden in dem langen Gang mit den vielen Büros nach Bohnerwachs und wie immer erhielt er dazu eine gesiegelte lateinische Urkunde überreicht, die ganz eindeutig dazu diente, dem Akt einen Symbolcharakter zu verleihen, womit man ihm zu verstehen geben gedachte, dass man darauf vertraue, dass er die Schlüssel niemals benutzen würde. Cavelli würde die Urkunde – wie stets – in den erstbesten Mülleimer werfen; er hasste es, wenn man versuchte, ihn zu manipulieren. Er hatte Anspruch auf dieses Privileg und er sah es als seine Pflicht gegenüber allen vielleicht noch kommenden Cavellis, eisern auf deren Bewahrung zu bestehen.

    Als er, vorbei an einem salutierenden Schweizer Gardisten, den Apostolischen Palast durch das Bronzetor verließ und über den Petersplatz lief, fragte er sich wie schon Tausende Mal zuvor, was genau Umberto eigentlich getan haben mochte, um diese Gnaden zu verdienen. Zahllose Stunden hatte er im Geheimarchiv des Vatikan verbracht, zu dem er – ein weiteres Privileg – unbeschränkten Zugang hatte, doch nie war er fündig geworden. Entweder, weil er einfach auf das entsprechende Dokument noch nicht gestoßen war, oder – und das war die wesentlich wahrscheinlichere Variante – weil ein solches Schriftstück nie existiert hatte. Verständlicherweise. Für Cavelli stand fest, dass es sich bei der Tat, die dem machtgierigen und jähzornigen Julius II., der auch unter dem Namen il terribile – der Schreckliche – bekannt war, so außergewöhnlich viel wert gewesen war, um etwas unaussprechlich Grauenvolles gehandelt haben musste und so etwas schrieb man nicht auch noch auf, sondern hielt es unter allen Umständen geheim. Cavelli hegte sogar die Vermutung, dass man alle, die damals davon wussten, auf ewig zum Schweigen gebracht hatte, anders war es nicht erklärbar, dass eine so spektakuläre und wichtige Tat in keiner Weise überliefert war. Der Vatikan war schon immer sehr gut darin gewesen, Geheimnisse zu hüten. Vielleicht besser als jede andere Institution. Bis heute mussten alle Angestellten des Vatikan bei Amtsantritt einen heiligen Eid ablegen, strengstes Stillschweigen über alle internen Vorgänge zu bewahren. Manchmal hatte Cavelli das Gefühl, dass die Geheimniskrämerei sich hier verselbständigt hatte und auch da angewandt wurde, wo es gar nicht nötig war. Jahrelang war es beispielsweise ein streng gehütetes Geheimnis gewesen, dass Johannes Paul II. an die hundert Mal in den Abruzzen Skilaufen war.

    Auf eines der amüsantesten Geheimnisse war er erst kürzlich gestoßen: Papst Pius XII. war ein großer Fan des Komiker-Duos Stan Laurel & Oliver Hardy gewesen und hatte sich mindestens einmal im Monat einen ihrer Filme vorführen lassen. Als die beiden 1950 in Europa ihren letzten Film, Atoll K, drehten, bestand der Papst darauf, die beiden zu einer Privataudienz einzuladen. Das Treffen fand statt, doch es existieren keinerlei offiziellen Aufzeichnungen darüber, noch gibt es Fotos. Der Grund lag im Lebenswandel der beiden Komiker. Laurel war viermal geschieden und Hardy zweimal, sowie überdies auch noch Freimaurer. Dass solche Leute in den Vatikan eingeladen wurden, durfte niemand erfahren.

    Zuweilen erlebte Cavelli, dass Menschen, zumindest solche, die ihn nur oberflächlich kannten, ihn so behandelten, als sei er ebenfalls ein Mitarbeiter des Vatikan und nicht nur ein Bewohner dieses kleinen Landes. Dann wurden manche Witze nicht erzählt und falls man unbedacht eine kritische Bemerkung über Religion, den Vatikan oder den Papst gemacht hatte, warf man erschrocken unsichere Blicke, um seine Reaktion zu sehen. Cavelli war es längst gewohnt, den Leuten in solchen Fällen die Scheu zu nehmen und sie dazu zu bringen, ihn wie einen normalen Menschen zu behandeln.

    Auch heute war wieder eine solche Situation, doch wenn er es genau betrachtete, war das Verhalten seines alten Studienkollegen Roberto Norelli sogar noch extremer. Roberto hatte ihn am Vortag aus heiterem Himmel angerufen und gesagt, dass er Cavellis Rat brauche. Das kam durchaus etwas überraschend, denn sie hatten sich mindestens zwei Jahre nicht gesprochen. Roberto war meistens im Ausland unterwegs und lebte, falls Cavelli da noch auf

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