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Don Cavelli und der Gottesbeweis: Die dreizehnte Mission  – Ein actiongeladener Vatikan-Krimi
Don Cavelli und der Gottesbeweis: Die dreizehnte Mission  – Ein actiongeladener Vatikan-Krimi
Don Cavelli und der Gottesbeweis: Die dreizehnte Mission  – Ein actiongeladener Vatikan-Krimi
eBook288 Seiten2 StundenDon Cavelli

Don Cavelli und der Gottesbeweis: Die dreizehnte Mission – Ein actiongeladener Vatikan-Krimi

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Über dieses E-Book

Muss die Wahrheit mit dem Tod bezahlt werden?


Die ganze Welt blickt mit angehaltenem Atem auf den Vatikan: An der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften behandelt das diesjährige Symposium die alles entscheidende Frage, ob die Existenz Gottes wissenschaftlich bewiesen werden kann. Als Professor für die Geschichte des Vatikan kann Don Cavelli sich dies auf keinen Fall entgehen lassen – doch er hat nicht damit gerechnet, wie gefährlich die Wahrheit ist: Schon bald wird ein Wissenschaftler nach dem anderen Opfer rätselhafter Todesfälle. Gemeinsam mit Rosanna Valiani, einer jungen Reporterin von Radio Vaticano, geht Cavelli der Sache nach. Haben sich diese Wissenschaftler in ihrer Hybris tatsächlich den Zorn Gottes zugezogen?


Der fesselnde 13. Band der Bestsellerreihe um den Vatikandetektiv wider Willen – alle Kriminalromane um Don Cavelli sind unabhängig voneinander lesbar.
SpracheDeutsch
Herausgeberdotbooks
Erscheinungsdatum1. Okt. 2025
ISBN9783690767798
Don Cavelli und der Gottesbeweis: Die dreizehnte Mission  – Ein actiongeladener Vatikan-Krimi
Autor

David Conti

David Conti wurde 1964 in Rom geboren und verbrachte dort – unterbrochen von einem mehrjährigen Aufenthalt in München – seine Kindheit und Jugend. Nach einem Studium der Theologie, Geschichte und Germanistik in Perugia, Yale und Tübingen, war er mehrere Jahrzehnte lang in verantwortlicher Position bei einer internationalen Institution in Rom tätig. Seit seinem beruflichen Ausscheiden aus dieser, verbringt er seine Zeit mit Reisen und dem Schreiben der »Don Cavelli«-Reihe. Er lebt abwechselnd in Castel Gandolfo, Zürich und Santa Barbara. Bei dotbooks erscheint David Contis »Don Cavelli«-Vatikankrimireihe mit bislang elf Bänden, die als eBooks und Printausgaben erhältlich sind. Die ersten acht Bände der Reihe sind auch als Hörbuch bei Saga Egmont erschienen.

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    Buchvorschau

    Don Cavelli und der Gottesbeweis - David Conti

    Über dieses Buch:

    Die ganze Welt blickt mit angehaltenem Atem auf den Vatikan: An der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften behandelt das diesjährige Symposium die alles entscheidende Frage, ob die Existenz Gottes wissenschaftlich bewiesen werden kann. Als Professor für die Geschichte des Vatikan kann Don Cavelli sich dies auf keinen Fall entgehen lassen – doch er hat nicht damit gerechnet, wie gefährlich die Wahrheit ist: Schon bald wird ein Wissenschaftler nach dem anderen Opfer rätselhafter Todesfälle. Gemeinsam mit Rosanna Valiani, einer jungen Reporterin von Radio Vaticano, geht Cavelli der Sache nach. Haben sich diese Wissenschaftler in ihrer Hybris tatsächlich den Zorn Gottes zugezogen?

    Originalausgabe Oktober 2025

    Copyright © der Originalausgabe 2025 dotbooks GmbH, München

    Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

    Redaktion: Ralf Reiter

    Titelbildgestaltung: Wildes Blut – Atelier für Gestaltung Stephanie Weischer unter Verwendung mehrerer Bildmotive von © shutterstock

    eBook-Herstellung: dotbooks GmbH unter Verwendung von IGP (rb)

    ISBN 978-3-69076-779-8

    ***

    dotbooks ist ein Verlagslabel der dotbooks GmbH, einem Unternehmen der Egmont-Gruppe. Egmont ist Dänemarks größter Medienkonzern und gehört der Egmont-Stiftung, die jährlich Kinder aus schwierigen Verhältnissen mit fast 13,4 Millionen Euro unterstützt: www.egmont.com/support-children-and-young-people . Danke, dass Sie mit dem Kauf dieses eBooks dazu beitragen!

    ***

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    David Conti

    Don Cavelli und der Gottesbeweis

    Die dreizehnte Mission

    dotbooks.

    Meine Forschungen haben ergeben, dass hinter all der Welt, mit der wir uns befassen, ein großer Orchesterdirigent sein muss, der alles lenkt und der unser Gutes will.

    Albert Einstein

    Zwischen Religion und Naturwissenschaft finden wir nirgends einen Widerspruch, wohl aber in den entscheidenden Punkten volle Übereinstimmung.

    Max Planck

    Der erste Trunk aus dem Becher der Naturwissenschaft macht atheistisch, aber auf dem Grund des Bechers wartet Gott.

    Werner Heisenberg

    Wäre es nicht seltsam, wenn ein Universum, das keinen Zweck hat, völlig zufällig Menschen hervorbrächte, die so versessen sind auf einen Zweck?

    Sir John Templeton

    Naturwissenschaft und Religion in Gegensatz zu stellen,

    ist Sache von Leuten, die schlecht unterrichtet sind.

    In der einen wie der anderen Wissenschaft.

    Chemiker und Nobelpreisträger Paul Sabatier

    Gott, wenn es Dich gibt, zeig Dich mir!

    Gebet des Agnostikers

    Suchet, so werdet ihr finden.

    Jesus

    Prolog

    Das Italien des neunzehnten Jahrhunderts war zu weiten Teilen geprägt von der Bewegung des Risorgimentos – der Wiedererstehung – welche die politische Einheit des Landes zum Ziel hatte. Schon seit 1849 war auf den Straßen Italiens immer öfter der Ausruf »Viva Verdi!« zu hören. Der bezog sich jedoch keineswegs auf den berühmten Komponisten, sondern stand für Vittorio Emanuele Re d‘Italia – Viktor Emanuel König von Italien. Zwischen 1860 und 1870 fand sich der Kirchenstaat, der unter der Oberhoheit des Papstes stand und große Teile Italiens umfasste, den erbitterten Angriffen des Freiheitskämpfers Giuseppe Garibaldi und des savoyischen Königshauses ausgesetzt. Daraufhin erließ Papst Pius IX. einen Aufruf an die Katholiken in aller Welt, ihm zu Hilfe zu eilen, und viele Tausende kamen. So entstand eine Art Fremdenlegion des Kirchenstaates. Eines dieser Korps waren die Päpstlichen Zuaven, deren Mitglieder sich aus allen Schichten der Bevölkerung rekrutierten, von Prinzen über wohlhabende Bürger bis hin zu Handwerkern und Bauern – insgesamt über viertausendfünfhundert Mann aus siebenundzwanzig Nationen, die sich in mehreren Schlachten so glänzend bewährten, dass der französische Schriftsteller Victor Hugo ihre Tapferkeit in seinem Gedicht Mentana rühmte.

    Doch so viele Vatikanische Scudos der Kirchenstaat auch aufwendete, so viele gläubige Soldaten auch fielen, am Ende konnten letztlich auch die Zuaven nicht verhindern, dass das Schicksal des katholischen Imperiums besiegelt war und 1870 bis auf das Gebiet der Vatikanstadt schrumpfte. Der Papst bezeichnete sich selbst als »Gefangener im Vatikan« und verließ diesen fortan nicht mehr. Ein Zustand, der von seinen Nachfolgern fortgeführt wurde und der erst 1929 mit den Lateranverträgen mit Diktator Benito Mussolini ein Ende fand.

    Die Päpstlichen Zuaven indes – für die, wie für alle Soldaten des Papstes, nach 1870 keine Verwendung mehr bestand – kehrten in ihre Heimatländer zurück. Doch im Gegensatz zu den anderen Regimentern lösten sie sich nicht einfach auf, sondern blieben in Bruderschaften verbunden – jederzeit bereit, dem Papst zur Verfügung zu stehen, sollte er sie eines Tages wieder brauchen ...

    Erstes Buch

    I

    Don Cavelli saß auf dem Platz vor der ältesten katholischen Kirche in Rom, der Santa Maria ad Martyres, in einem seiner Lieblingscafés, trank einen heißen Caffè americano und wartete. Er mochte dieses Getränk, dessen Name aufgrund kultureller Unterschiede entstanden war. Als Ende des Zweiten Weltkriegs Rom zur offenen Stadt erklärt worden und von der amerikanischen Armee besetzt war, verwirrte es die G.I.s, dass sie einen Espresso serviert bekamen, wenn sie »Coffee« bestellten. Er war ihnen zu stark und zu wenig, so dass sie ihn mit viel heißem Wasser verdünnten. Ein neues Getränk war geboren, und die Italiener nannten es nach ihren »Erfindern«: Americano.

    Cavelli kam immer gern hierher. Dieser relativ kleine Platz, der stets von Touristen überlaufen war, atmete römische Geschichte in vielen Facetten. Da war zum einen die Kirche selbst, obwohl sie fast jeder unter einem ganz anderen, nämlich ihrem ursprünglichen Namen kannte: das Pantheon. Dieser uralte Tempel, der jahrhundertelang für keine bestimmte Gottheit gedacht war, sondern pan-Theon – für alle Götter – bestimmt war und erst im Jahre 609 mittels eines exorzistischen Rituals zur christlichen Kirche geweiht wurde. Die äußerst prächtige Fassade war später geplündert worden. Die vergoldeten Platten der Kuppel waren in Konstantinopel gelandet und die Kupferplatten des Dachstuhls hatte Barberini-Papst Urban VIII. verwendet, um Kanonen für die Engelsburg zu gießen und das Ziborium im Petersdom zu errichten. Seither kursierte in Rom der bekannte Spruch: »Was die Barbaren nicht gestohlen haben, haben die Barberini gestohlen.« Die beiden riesigen Bronzetüren wogen jede 8,5 Tonnen und ließen sich dennoch leicht von einer einzigen Person öffnen. Das fast zweitausend Jahre alte Türschloss funktionierte immer noch. Andererseits war es kurios, dass die eingemeißelten Hieroglyphen auf dem ägyptischen Obelisken, der vor dem Pantheon auf einem Brunnen stand, willkürlich ausgedachter Humbug ohne Sinn waren, die man einfach aus optischen Gründen dort angebracht hatte. Genie und Blendertum hatten in Rom schon immer dicht beieinander gelegen, und oft war nur schwer zu erkennen, womit man es gerade zu tun hatte.

    An einem der Nebentische saßen zwei ältere Damen vor zwei riesigen Eisbechern und tuschelten, während sie verstohlene Blicke zu Cavelli herüberwarfen. Er wusste, was in ihnen vorging. Es war nicht das erste Mal, dass er so etwas erlebte. Der gutaussehende schwarzhaarige Mann in dem cremefarbenen, leicht verknitterten Anzug kam ihnen irgendwie bekannt vor. Cavelli erinnerte viele Ältere an den früh verstorbenen französischen Filmschauspieler Gérard Philipe, auch wenn sie es nicht immer einordnen konnten. Cavelli winkte ihnen freundlich zu, worauf sie rot wurden und verschämt wegsahen.

    Amüsiert dachte er an das Gespräch, dass er vor einigen Minuten geführt hatte. Eigentlich kannte er den Mann gar nicht, es war der Freund eines Kollegen von Cavelli, der wie er ebenfalls an der Sapienza in Rom als Professor unterrichtete, und Cavelli hatte sich in erster Linie darauf eingelassen, um den Kollegen nicht vor den Kopf zu stoßen, teilweise aber auch, weil man angedeutet hatte, dass es dabei um eine unentdeckte Reliquie von allergrößter Bedeutung aus dem Umfeld von Jesus Christus ginge. Das hatte Cavellis Neugier geweckt.

    Schließlich war der junge Mann, der sich als Julio vorstellte, aufgetaucht – auf einem dieser Elektroroller, mit denen die jungen Leute heute unbeweglich wie Statuen lautlos durch die Städte schwebten, und fast zwanzig Minuten zu spät, was Cavelli ganz und gar nicht gefiel. Der junge Mann mit der seltsam asymmetrischen Frisur hatte einen Smoothie bestellt und dann zunächst einmal ausführlich von seiner Begeisterung für die Archäologie geschwärmt. Davon, dass er freiwillig bei den Ausgrabungen auf dem Monte Testaccio helfe, dem gewissermaßen achten Hügel Roms, der in der Antike als Müllhalde gedient hatte und in der sich auch heute noch jede Menge finden ließ, vor allem Tonscherben von alten Olivenöl-Amphoren. Noch immer bot der Monte Testaccio Archäologen jede Menge zu tun, denn er reichte nicht nur etwa fünfzig Meter in die Höhe, sondern auch fünfundvierzig Meter in die Tiefe. Cavelli hatte geduldig zugehört. Irgendwann war Julio schließlich verstummt und hatte sich misstrauisch umgesehen, ob jemand mithörte. »Aber darum geht es eigentlich gar nicht«, hatte er dann geraunt, während er sich weit über den Tisch zu Cavelli beugte. »In einem uralten Buch aus dem neunten Jahrhundert bin ich auf etwas wirklich Unglaubliches gestoßen.« Er machte eine Kunstpause, um die Spannung zu erhöhen. »Und zwar auf den Ort in Jerusalem, wo sich eine Reliquie erster Klasse befindet.«

    Er ließ erneut einige Sekunden verstreichen, bevor er mit fast feierlicher Stimme fortfuhr: »Die Peitsche, mit der Jesus vor seiner Kreuzigung gegeißelt worden ist.«

    Cavelli lehnte sich zurück. Er musste sich zusammenreißen, um nicht laut aufzulachen. Er wollte den jungen Mann, der nicht unsympathisch war, nicht allzu sehr vor den Kopf stoßen, also wählte er seine Worte mit Bedacht: »Zunächst einmal, Julio, handelt es sich hier nicht um eine Reliquie erster Klasse. Das wären Knochen, Haare, Blut oder Ähnliches von Heiligen. Reliquien zweiter Klasse sind Kleidungsstücke beziehungsweise Teile davon sowie Gegenstände, die der Heilige besessen hat. In diesem Fall aber handelt es sich um einen Gegenstand, der mit Jesus in Berührung gekommen sein soll, und wäre somit eine Reliquie dritter Klasse

    »Ja, gut, wie auch immer.« Julio machte eine ungeduldige Handbewegung, als wolle er Cavellis Worte fortwischen.

    »Vor allem aber fürchte ich«, fuhr Cavelli behutsam fort, »dass es sich bei der Textstelle in Ihrem Buch entweder um einen Irrtum oder um ... nun ja ... Betrug handelt.«

    Julio schüttelte widerwillig den Kopf. »Was? Nein. Weshalb denn?«

    »Dies wäre in der Tat eine sensationelle Reliquie«, erklärte Cavelli. »Fast wie die Lanze, die der römische Soldat Longinus Jesus am Kreuz nach seinem Tod in die Seite gestochen hat. Sie wird in einem der Vierungspfeiler im Petersdom aufbewahrt. Seit Jahrhunderten ist diese Reliquie bekannt. Dass man von der Existenz der Geißel noch nie etwas gehört hat, macht es einfach extrem unwahrscheinlich, dass sie echt ist – oder überhaupt noch existiert.«

    Julio hatte noch eine Weile herumdiskutiert und versucht, seinen Traum vom Sensationsfund zu retten, aber schließlich war er auf seinem Roller missmutig von dannen geschwebt.

    Cavelli trank seinen Americano aus und lehnte sich zurück. Er hatte geholfen – wenn auch nicht so, wie man es sich wohl erhofft hatte. Viele Menschen waren einfach unglaublich naiv, daran hatte sich seit dem Mittelalter anscheinend nicht viel geändert, wo ein ganzer Geschäftszweig sich ausschließlich mit der Herstellung gefälschter Reliquien beschäftigte und sehr viel Geld damit verdient hatte. Die andere Naivität war, anzunehmen, dass Cavelli Experte für alles und jedes war, was mit Kirche und Glauben zusammenhing. Sicher, seine Familiengeschichte war eindrucksvoll: Im Jahre 1513 hatte sein Urahn – Capitano Umberto Cavelli – dem Papst Julius II., der den ursprünglichen Petersdom und mit ihm Dutzende von Papstgräbern abreißen und den heutigen Petersdom erbauen ließ, weil der alte nicht groß genug für das von ihm geplante Grabmal für sich selbst war und bei dem sich selbst sein nicht gerade zart besaiteter Zeitgenosse Niccolò Machiavelli fragte, ob dieser nicht komplett wahnsinnig sei, einen besonderen und offenbar überaus wertvollen Dienst erwiesen. Daraufhin hatte der Pontifex angeordnet, dass Umberto und alle seine Nachfahren liberatus ab ullis calamitatibus, also frei von allen Nöten, zu stellen seien und dies bis zum Jüngsten Tage. Dies beinhaltete unter anderem Wohnrecht im Vatikan, zahlreiche Privilegien und eine monumentale Summe Goldes, die innerhalb eines halben Jahrtausends mit Zins und Zinseszins zu einem so riesigen Vermögen angewachsen war, das kein Cavelli es jemals würde verschleudern können. Zudem war Cavelli, wie schon sein Vater Spiridon, Experte für die Geschichte des Vatikan und lehrte dieses Fach als Professor für ein symbolisches Salär von einem Euro pro Jahr an der Sapienza-Universität in Rom. Das hieß aber noch lange nicht, dass er auch Experte für Reliquien war. Entspannt ließ Cavelli seinen Blick über den Platz gleiten.

    Aus einer der Wohnungen über dem Café drang Adriano Celentanos Song Prisencolinensinainciusol. Cavelli hatte Celentano immer sehr gemocht. Der Sänger hatte stets etwas ganz Eigenes gehabt, eine schräge Mischung aus Elvis Presley und Groucho Marx. In den siebziger Jahren hatte sich Adriano Celentano darüber geärgert, dass die Italiener fast nur Lieder aus den USA hörten, obwohl sie den Text gar nicht verstanden, und er hatte behauptet, dass alles, was amerikanisch klang, automatisch ein Hit würde. Daraufhin schrieb er Prisencolinensinainciusol, das außer dem englischen Wort »all right« nur sinnloses Kauderwelsch enthielt. Es war ein Riesenerfolg geworden. Cavellis Blick wanderte zu dem Obelisken mit den gefälschten Hieroglyphen und dachte, dass sich in zweitausend Jahren eigentlich nicht allzu viel geändert hatte in der Ewigen Stadt.

    Er setzte seine Sonnenbrille auf, ließ sich die Sonne ins Gesicht scheinen und genoss den kühlen Wind und die Musik. Das Leben war schön. Dass sich das schon sehr bald dramatisch ändern würde, ahnte er noch nicht.

    II

    Man hätte fast meinen können, dass der Ort des Treffens mit einem speziellen Sinn für Symbolik ausgewählt worden sei, doch so war es nicht.

    Sicher, die neun Männer, die in dem ultramodernen Raum, der von Leder, Stahl und Glas dominiert wurde, um einen langen Konferenztisch auf teuren Designerstühlen saßen, waren sich völlig gewiss, ein Leben zu führen, dass sie eines Tages in den Himmel führen würde, und hier in dem Penthouse im vierundachtzigsten Stock eines der höchsten Gebäude von São Paulo waren sie dem Himmel schon ausgesprochen nahe, doch diese Männer waren nicht für ihre Fantasie oder einen romantischen Sinn für Symbolik bekannt. Keiner von ihnen dachte in diesen Kategorien. São Paulo – benannt nach dem Heiligen Paulus, der ursprünglich Saulus hieß und ein strenger Christenverfolger war und von dem die Bibel berichtete, dass eine Begegnung mit dem auferstandenen Jesus ihn augenblicklich zum Gläubigen machte – war einfach eine sehr verkehrsreiche Stadt (Staus von zweihundert Kilometer Länge waren keine Seltenheit) und eine sehr gefährliche dazu. Überfälle auf offener Straße waren an der Tagesordnung. Wer es sich leisten konnte, reiste per Hubschrauber und schwebte somit im wahrsten Sinne des Wortes über den Dingen – den Dingen, mit denen sich der Pöbel tagtäglich konfrontiert sah, und mit Pöbel war jeder gemeint, der weniger als eine Million Dollar im Jahr verdiente. Abgesehen von New York fanden nirgendwo auf der Welt so viele Hubschrauberflüge statt wie hier, was São Paulo einen speziellen Spitznamen eingebracht

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