Entdecken Sie mehr als 1,5 Mio. Hörbücher und E-Books – Tage kostenlos

Ab $11.99/Monat nach dem Testzeitraum. Jederzeit kündbar.

13 Tage Angst: Ohne dich wird alles sinnlos
13 Tage Angst: Ohne dich wird alles sinnlos
13 Tage Angst: Ohne dich wird alles sinnlos
eBook296 Seiten4 Stunden

13 Tage Angst: Ohne dich wird alles sinnlos

Bewertung: 0 von 5 Sternen

()

Vorschau lesen

Über dieses E-Book

Der Wirtschaftsfachanwalt Dr. Philip Nolten verliebt sich während einer Reha-Kur in die junge Physiotherapeutin Laura Meyer. Nach Abschluss seiner Behandlung gesteht er ihr seine Liebe und lädt sie zu einem traumhaften Weihnachtsurlaub in die Schweiz ein. Schon lange hat er bemerkt, dass irgendetwas sie sehr traurig macht, doch sie spricht nie darüber. Als er ihr dann einen Heiratsantrag macht, läuft sie davon. Nach kurzer Suche findet er sie in der Kirche wieder und sie beichtet ihm unter Tränen ihre Vergangenheit. Zuerst schockiert hilft er ihr aber dann, sich zu beruhigen. Trotz allem liebt er sie und will sie nicht aufgeben. Beide kehren in ihr Berufsleben zurück, halten aber engen Telefonkontakt. Ein paar Wochen später muss Philip geschäftlich nach Detroit reisen. Kurz darauf bricht sie jeglichen Kontakt ab und verschwindet spurlos.
SpracheDeutsch
Herausgebertredition GmbH
Erscheinungsdatum2. Mai 2013
ISBN9783849543730
13 Tage Angst: Ohne dich wird alles sinnlos

Ähnlich wie 13 Tage Angst

Ähnliche E-Books

Fiktion für Sie

Mehr anzeigen

Verwandte Kategorien

Rezensionen für 13 Tage Angst

Bewertung: 0 von 5 Sternen
0 Bewertungen

0 Bewertungen0 Rezensionen

Wie hat es Ihnen gefallen?

Zum Bewerten, tippen

Die Rezension muss mindestens 10 Wörter umfassen

    Buchvorschau

    13 Tage Angst - Rita Caprea

    Laura stand am Fenster und sah hinaus in den verschneiten Kurpark. Alles war weihnachtlich geschmückt und überall duftete es herrlich nach gebrannten Mandeln, Plätzchen und Zimtsternen.

    „Laura, haben Sie einen Augenblick Zeit für mich?"

    Erschrocken und aus ihren Gedanken gerissen drehte sie sich um und sah einen ihrer Patienten in der Tür stehen. Hastig wischte sie mit der Hand übers Gesicht und meinte dann: „Philip, was machen Sie denn noch hier? Ihre Behandlung ist doch abgeschlossen."

    Er kam auf sie zu, sah in ihre Augen und fragte: „Haben Sie geweint? Kann ich Ihnen irgendwie helfen?"

    „Nein, nein. Ich hatte nur etwas im Auge, es geht schon wieder, danke." versuchte sie zu scherzen. Doch er glaubte ihr nicht so recht.

    „Ich möchte mich bei Ihnen für die hervorragende Behandlung bedanken und würde Sie gern heute Abend zum Essen einladen." Er versuchte, ihr in die Augen zu sehen, doch sie wich seinem Blick immer wieder aus. Schon lange hatte er bemerkt, dass irgendetwas sie sehr traurig machte, aber leider sprach sie nie darüber.

    „Philip, ich habe doch nur meine Arbeit getan. Ich freue mich natürlich, wenn Sie zufrieden waren, aber eine Einladung zum Essen ist wirklich nicht nötig." Sie schüttelte den Kopf und wollte an ihm vorbei gehen, als er plötzlich nach ihrem Arm griff und sie festhielt.

    „Laura, bitte gehen Sie nicht einfach so. Ich würde wirklich sehr gern mit Ihnen Essen gehen."

    Mit zum Boden gewandten Blick stand sie neben ihm und versuchte, ihren Arm aus seiner Hand zu befreien.

    „Ich kann nicht, Philip, es tut mir leid." flüsterte sie.

    Er gab ihren Arm frei und ging zum Fenster.

    Während er hinaussah sagte er leise: „Entschuldigen Sie bitte, ich wusste nicht, das Sie schon verabredet sind. Eigentlich hätte ich selbst drauf kommen müssen, eine hübsche junge Frau wie Sie. Wie dumm von mir."

    Laura war inzwischen bis zur Tür gegangen, doch nun blieb sie stehen und überlegte. Sie mochte diesen jungen Mann, der nach einem Verkehrsunfall, bei dem er sich eine komplizierte Beinfraktur zugezogen hatte und zur Reha hier in Lindenhain von ihr behandelt wurde. Seit sie vor drei Jahren ihre Ausbildung zur Physiotherapeutin wieder aufgenommen und diese dann im vorigen Jahr mit Auszeichnung abgeschlossen hatte, fühlte sie sich stärker und freier als je zuvor. Sie führte ein unabhängiges, wenn auch bescheidenes Leben, gönnte sich außer ein paar Büchern und ab und zu einer guten Flasche Wein kein Vergnügen. Sie ging weder zu Tanzveranstaltungen noch versuchte sie sonst auf irgendeine Weise Kontakt zum anderen Geschlecht zu knüpfen. Ihre Kolleginnen stichelten deshalb schon manchmal, aber außer ihr selbst kannte niemand den Grund für ihr Verhalten. Selbst während ihrer Arbeit trat sie männlichen Patienten gegenüber stets zurückhaltend und kühl auf. Trotzdem waren alle sehr mit ihrer Arbeit zufrieden und das war für sie das einzig Wichtige. Bei Philip allerdings hatte sich ihr Verhalten, ohne dass sie es beabsichtigt hätte, geändert. Er war von Beginn an ein sehr gesprächiger, lustiger Patient und schaffte es sogar, sie des Öfteren zum Lachen zu bringen. Es entwickelte sich im Verlaufe der Wochen eine herzliche Freundschaft zwischen Ihnen, die dazu führte, dass sie sich beim Vornamen ansprachen. Er hatte fast täglich zusätzliche Massagen und Behandlungen gebucht, nur um in ihrer Nähe sein zu können. Nun war sein Kuraufenthalt beendet und er würde in sein altes Leben zurückgehen. Plötzlich überkam Laura ein Gefühl der Angst und Hilflosigkeit. Nie wieder wollte sie so etwas erleben, das hatte sie sich damals geschworen.

    Sie lehnte ihren Kopf gegen den Türrahmen und sagte leise: „Ich habe keine Verabredung, ich lebe allein."

    Er ging zu ihr und legte sanft seine Hand auf ihre Schulter.

    „Laura bitte, ich wollte Ihnen nicht zu nahe treten. Ich möchte Sie gern näher kennenlernen, Sie sind so eine wunderbare und doch manchmal so traurige junge Frau. Bitte geben Sie ihrem Herzen einen Stoß. Bitte gehen Sie heute Abend mit mir aus."

    Er hatte eine warme, tiefe Stimme, die einem das Gefühl von Geborgenheit vermittelte. Und genau das machte ihr Angst. In Gedanken sah sie sein markantes Gesicht, die dunklen, leicht gelockten Haare und seine braunen Augen, die manchmal richtig leuchteten.

    War er wirklich allein? Ein Mann, der so gut aussah? Sie konnte sich das einfach nicht vorstellen.

    „Sollten Sie nicht heute nach Hause fahren? Ihre Reha ist doch beendet."

    „Ja das stimmt, aber auf mich wartet zu Hause niemand und deshalb habe ich meinen Aufenthalt hier verlängert."

    Ungläubig sah sie zu ihm auf, er war fast einen Kopf größer als sie.

    „Sie haben wunderschöne Augen Laura. Bitte nehmen Sie meine Einladung an."

    Er war ihr so nah, das sie seinen Atem spüren konnte. Ihr Herz klopfte heftig und ein Gefühl der Sehnsucht breitete sich darin aus. Gerne hätte sie sich von ihm in die Arme nehmen lassen, aber sie hatte einfach Angst.

    „Philip, Sie sind sehr nett, aber ich kann einfach nicht."

    Sie schloss die Augen und hatte Mühe, ihre Tränen zurück zu halten.

    „Laura, was hindert Sie daran? Sie haben gesagt, Sie sind ungebunden und ich hab Sie sehr lieb gewonnen. Ich möchte sehr gern mit Ihnen zusammen sein. Bitte gehen Sie heute mit mir aus."

    Er legte vorsichtig seine Hand unter ihr Kinn und hob sanft ihren Kopf, so dass sie ihn ansehen musste.

    Erschrocken bemerkte er ihre Tränen unter den geschlossenen Lidern.

    „Laura, bitte weine doch nicht. Sag mir doch bitte, was dich so traurig macht, vielleicht kann ich dir helfen."

    Er merkte gar nicht, das er einfach zum „du" übergegangen war, denn er sorgte sich sehr um sie.

    Behutsam wischte er mit der anderen Hand eine Träne weg, als sie ihre Augen öffnete und direkt in Seine sah.

    „Philip, Sie sind so nett zu mir, aber ich kann trotzdem nicht."

    „Bitte sag >du< zu mir, ich hab das Gefühl, ich kenne dich schon ewig und doch weiß ich so wenig über dich. Bitte gib uns doch eine Chance."

    Sie schluckte und sagte dann: „Es tut mir wirklich leid Philip, aber ich kann das nicht. Es hat nichts mit dir zu tun, du bist sehr lieb und ich verstehe nicht, wieso du keine Frau und Familie hast. Aber mit mir, das würde nicht gut gehen. Bitte glaube mir Philip, ich habe eine Vergangenheit."

    „Was soll das Laura, auch ich habe eine Vergangenheit, ich bin neunundzwanzig. Darüber können wir doch reden. Laura, bitte sag ja."

    „Ich kann nicht darüber reden, bitte versteh mich. Es geht einfach nicht. Und nun muss ich gehen, ich habe noch eine Patientin. Alles Gute für dich Philip."

    Sie legte kurz ihre Hand auf seine Brust und ging dann schnell.

    Philip stand wie benommen da.

    „Laura, ich liebe dich!" rief er ihr nach, doch sie drehte sich nicht noch einmal um. Traurig ging er auf sein Zimmer, legte sich aufs Bett und grübelte.

    >Ich werde sie nicht so einfach aufgeben. < sagte er nach einer Weile zu sich selbst, griff nach seinem Kugelschreiber und setzte sich mit einem Blatt Hotelbriefpapier an den kleinen Tisch.

    Liebste Laura!

    Ich habe dich wirklich sehr lieb und es macht mich unheimlich traurig, dass du meine Einladung nicht angenommen hast. Schon seit unserer ersten Begegnung habe ich den Wunsch, dich näher kennenzulernen, mit dir auszugehen. Aber ich wollte das Verhältnis Therapeut – Patient nicht belasten und habe deshalb bis heute davon Abstand genommen. Wenn du nicht über deine Vergangenheit sprechen möchtest, ist das für mich auch kein Problem. Ich liebe dich so, wie ich dich bisher kennengelernt habe. Mein ganzes Leben habe ich nach einer Frau wie dir gesucht. Bitte gib uns doch eine Chance! Ich werde heute Abend ab halb acht bei >Luigi`s< auf dich warten.

    Bitte liebste Laura!

    In Liebe dein Philip

    Er faltete den Brief, schrieb auf den Umschlag nur ihren Namen und brachte ihn dann in den Anmeldebereich der Physiotherapie. Unterwegs zog er noch eine rote Rose aus dem Gesteck im Foyer und legte sie dann mit dem Umschlag auf den Schreibtisch.

    Als Laura eine halbe Stunde später wieder zu ihrem Schreibtisch kam, entdeckte sie die Rose und den Brief.

    Mit zitternden Händen öffnete sie ihn und las die wenigen Zeilen.

    „Ich hab dich auch sehr lieb, Philip" flüsterte sie und steckte den Brief dann in ihre Tasche. Nachdem sie sich umgezogen und die Rose samt Brief in ihrer Handtasche verstaut hatte, verließ sie das Hotel. Es war ihr letzter voller Arbeitstag vor Weihnachten und über die Feiertage waren bis jetzt kaum Anmeldungen für den Wellnessbereich des Hotels eingegangen, sodass sie wahrscheinlich nicht jeden Tag würde arbeiten müssen.

    Auf dem Heimweg schlenderte sie noch einmal über den Weihnachtsmarkt und war dann um kurz vor sechs in ihrer kleinen Wohnung angekommen. Sie stellte die Rose in eine Vase und legte den Brief auf den Couchtisch. Während sie unter der Dusche stand, sah sie Philips Gesicht vor sich und in ihren Ohren hallten immer wieder seine Worte

    „Was soll ich nur tun?" fragte sie sich. Ihr Herz sehnte sich nach Liebe und Geborgenheit, doch sie hatte Angst, wieder verletzt zu werden. Nachdenklich ließ sie eine ganze Weile einfach nur das warme Wasser über sich laufen. Dann zog sie ihren weichen Bademantel über und wickelte ein Handtuch um ihr Haar. Im Wohnzimmer setzte sie sich mit angezogenen Beinen auf die Couch und las noch einmal seinen Brief.

    „Nur ein kleines bisschen Glück, nur ein ganz kleines bisschen, mehr möchte ich doch gar nicht." sagte sie leise zu sich selbst und legte dann den Brief zurück auf den Tisch. Ein Blick zur Uhr zeigte ihr, dass es bereits kurz nach sieben war. Sie ging ins Bad und föhnte ihre Haare trocken. Anschließend stand sie im Schlafzimmer vor ihrem Kleiderschrank. Nachdem sie mehrere Kleidungsstücke herausgenommen und wieder hineingehangen hatte, entschied sie sich für das royalblaue Kleid. Ihre Haare steckte sie zu einem lockeren Knoten und fixierte diesen mit einer silbernen Spange. Sie schminkte sich dezent und sprühte noch etwas von ihrem Lieblingsparfum auf Hals und Handgelenke. Dann nahm sie ihren schwarzen Wintermantel, zog die schwarzen Stiefel an und verließ ihre Wohnung. Als sie auf ihre Uhr sah, war es bereits viertel vor acht.

    >Ich komme zu spät, ob er wohl auf mich warten wird? < dachte sie, während sie sich beeilte. Das >Luigi’s< war in der Kleiststraße, sie musste also noch einmal quer über den Weihnachtsmarkt, der voller Menschen war.

    >Ich hätte mir lieber ein Taxi rufen sollen. < dachte sie, während sie sich durch die Menschenmenge drängte.

    ***

    „Darf ich Ihnen noch etwas bringen? fragte der Kellner. „Nein danke, im Augenblick nicht. antwortete Philip und sah wieder auf seine Uhr. Es war bereits kurz vor acht und er wartete jetzt schon fast eine Stunde. Er war extra früher ins Restaurant gegangen in der Hoffnung, Laura würde vielleicht doch seine Einladung annehmen.

    Immer wieder blickte er voller Hoffnung zum Eingang.

    ***

    Als Laura endlich in die Kleiststraße einbog, schlug die Glocke der Andreaskirche gerade viertel nach acht. Mit schnellen Schritten lief sie weiter und stand wenige Augenblicke später vor dem Eingang zum Restaurant.

    Sie zögerte kurz, atmete noch einmal tief durch und ging dann aber doch hinein.

    „Guten Abend, darf ich Ihnen den Mantel abnehmen?" fragte ein Kellner höflich. Laura gab ihm den Mantel und sah sich um.

    „Entschuldigung, ich war hier mit Herrn Nolten verabredet. Ist er noch da?" fragte sie ängstlich, doch in diesem Augenblick stand Philip schon neben ihr.

    „Laura, ich freue mich so, dass du gekommen bist." Er nahm ihre Hand und sah sie mit strahlenden Augen an.

    „Entschuldige dass ich so spät komme, ich …" Weiter konnte sie nicht sprechen, denn Philip hatte sie an sich gezogen und haucht ihr nun einen zarten Kuss auf den Mund. Sie war vollkommen überrascht und sprachlos.

    Er führte sie an den Tisch und bestellte beim Kellner eine Flasche Sekt.

    „Philip, ich bin mir noch immer nicht sicher, ob ich das Richtige tue."

    Er griff nach ihrer Hand, streichelte zärtlich darüber und meinte: „Es ist richtig, glaub mir. Ich bin so froh, dass du gekommen bist."

    Der Kellner brachte den Sekt, füllte beide Gläser und nahm die Essenbestellung entgegen.

    „Auf einen schönen Abend" sagte er und hob sein Glas Laura entgegen. Sie stieß mit ihm an und nickte nur.

    Er spürte ihre Anspannung und begann deshalb nur eine lockere Unterhaltung. Sie redeten über das Wetter, die Stadt und andere belanglose Dinge. Nach und nach entspannte sich Laura und lachte sogar ein paar Mal, als er etwas Lustiges erzählte.

    „Was wirst du Weihnachten machen? fragte er leise. Sie sah ihn an, trank noch einen Schluck und antwortete dann: „Ich werde es mir zu Hause mit einem Buch gemütlich machen oder vielleicht etwas Fernsehen. Vielleicht melden sich auch noch ein paar Hotelgäste zur Massage, dann habe ich auch noch zu arbeiten.

    Er sah sie liebevoll an und meinte: „Ich hoffe, es meldet sich niemand. Ich würde nämlich Weihnachten liebend gern mit dir verbringen. Wir könnten doch irgendwohin fahren oder ins Theater gehen. Was hältst du davon? Erwartungsvoll sah er zu ihr, doch sie schwieg und versuchte, seinem Blick auszuweichen. Immer wieder streichelte er zärtlich über ihre Hand und sie ahnte, er würde nicht locker lassen. Schließlich sagte sie, ohne ihn dabei anzusehen: „Willst du nicht lieber deine Familie besuchen? Sie vermissen dich doch sicher! Du bist doch schon acht Wochen hier.

    Lächelnd schüttelte er den Kopf. „Du glaubst mir immer noch nicht. Laura, auf mich wartet niemand! Meine Eltern verbringen Weihnachten schon seit einigen Jahren bei meinem Bruder in Schwanberg. Er hat drei Kinder und die freuen sich immer riesig wenn Oma und Opa kommen. Warum besuchst du deine Eltern nicht?"

    Sie zog ruckartig ihre Hand zurück und sah zum Fenster hinaus. Philip spürte, dass er einen wunden Punkt bei ihr berührt hatte und ließ ihr deshalb etwas Zeit, um ihr inneres Gleichgewicht wieder zu finden.

    „Ich habe keine Eltern mehr. Sie sind bei einem Autounfall gestorben als ich sieben Jahre alt war. Danach habe ich im Heim gelebt."

    „Das ist ja furchtbar, es tut mir so leid für dich. Dann hast du wohl auch keine Geschwister oder andere Verwandte?"

    Sie schüttelte nur den Kopf, sprechen konnte sie im Augenblick nicht, denn sie hatte Mühe, ihre aufkommenden Tränen zu unterdrücken. Zum Glück brachte der Kellner gerade das Essen, sodass sie abgelenkt wurde.

    „Hm, das sieht sehr lecker aus. Ich wünsche dir einen guten Appetit."

    „Danke, dir auch." antwortete sie leise.

    Beide genossen schweigend das wunderbare Essen. Philip beobachtete sie manchmal und Laura nutzte die Zeit, um über ihre Gefühle für ihn nachzudenken. Warum sollte sie nicht Weihnachten mit ihm verbringen? Er war sehr nett, ungebunden und ein bisschen Geborgenheit würde ihr bestimmt gut tun. Hatte sie nicht auch ein Recht auf Glück? Wenigstens für ein paar Tage wollte sie glücklich sein, denn spätestens zu Beginn des neuen Jahres würde er nach Kaltenbrüggen zurückkehren um seine Arbeit wieder aufzunehmen. Und dann würde er sie gewiss sehr schnell wieder vergessen, denn sie würde ja hierbleiben und ihrer Arbeit im Kurhotel nachgehen.

    Sie tupfte sich mit der Serviette den Mund ab, trank einen Schluck Sekt und sah ihn dann lächelnd an.

    „Philip, ich danke dir für diese nette Einladung. Es ist sehr schön, mit dir zusammen zu sein. Bisher waren meine Abende meist sehr einsam."

    Freudig überrascht griff er nach ihrer Hand und zog sie an seine Lippen. Er hauchte einen zarten Kuss darauf und flüsterte: „Ich bin sehr glücklich, dass du meine Einladung angenommen hast. Was sagst du nun zu einem gemeinsamen Weihnachtsfest?"

    Sie zögerte kurz, sagte dann aber: „Ich denke, es ist bestimmt schön, an den Feiertagen nicht allein zu sein. Ich weiß allerdings noch nicht, ob ich arbeiten muss."

    Er freute sich riesig, küsste wieder ihre Hand und füllte dann die Gläser noch einmal.

    „Wenn du arbeiten musst, ist das ok. Aber die übrige Zeit möchte ich mit dir verbringen. Was würdest du gern machen? Wünsch dir etwas!"

    „Ich hab eigentlich nur einen Wunsch, an Heiligabend möchte ich gern in die Kirche. Ich bin zwar nicht kirchlich, aber trotzdem. Mit allem Anderen kannst du mich überraschen." Sie schenkte ihm ein liebevolles Lächeln und prostete ihm zu.

    Mit heftig klopfendem Herzen erwiderte er ihre Geste und meinte dann: „Gut, ich werde mir etwas ganz Besonderes für dich einfallen lassen. Wann weist du denn sicher, ob du arbeiten musst?"

    „Spätestens morgen Nachmittag kann ich dir sagen, ob ich Termine habe. Danach sind keine Anmeldungen mehr möglich."

    „Das ist gut. Hoffentlich meldet sich niemand, dann haben wir mehr Zeit für uns."

    „Du bist ganz schön egoistisch."

    „Ja, aber nur wenn es dich und unsere gemeinsame Zeit betrifft." Er küsste noch einmal ihre Hand und trank sein Glas leer.

    „Möchtest du tanzen?" fragte er mit strahlenden Augen.

    „Hier? Unsicher sah sie ihn an, doch er lachte und meinte: „Nein, aber in der Tanzbar des Hotels. Bitte Laura, der Abend ist so schön, lass uns noch ein bisschen Tanzen gehen.

    Als sie nickte, bezahlte er schnell seine Rechnung und ließ ein Taxi rufen. Dann half er ihr in den Mantel und kaum hatten sie das Restaurant verlassen, hielt auch schon das Taxi.

    Die Tanzbar des Hotels war gut besucht, aber sie fanden noch einen kleinen Tisch in einer der seitlichen Nischen.

    „Was möchtest du trinken?" fragte er während er ihr den Mantel abnahm.

    „Vielleicht einen trockenen Weißwein? Er hing die Mäntel an die Garderobe und bestellte eine Flasche davon an der Bar. Dann setzte er sich zu ihr und flüsterte: „Gemütlich hier, nicht wahr? Lächelnd nickte sie ihm zu.

    Als der Kellner den Wein brachte, zeigte er zuerst Philip die Flasche.

    „Ja, der ist gut."

    Der Kellner öffnete nun die Flasche und goss ein wenig in ein Glas. Philip probierte und nickte dann zustimmend. Daraufhin füllte er beide Gläser, zündete die Kerze auf dem Tisch an und entfernte sich dann lautlos. Philip gab Laura ein Glas und stieß dann leicht mit ihr an. Seine Augen leuchteten im Schein der Kerze wie Sterne und Laura fiel es schwer, ihn nicht ständig anzusehen.

    „Auf uns." flüsterte er und sie lächelte zustimmend.

    „Möchtest du tanzen?" fragte er, nachdem er sein Glas auf dem kleinen Tischchen abgestellt hatte.

    „Ja gern, aber ich muss dich warnen, ich bin keine gute Tänzerin. Ich werde wohl mehr auf deinen Schuhen herumtrampeln."

    Er lachte und sagte: „Das kann ich mir gar nicht vorstellen und selbst wenn, du bist doch so leicht wie eine Feder, das macht mir nichts aus."

    Er reichte ihr die Hand, führte sie zur Tanzfläche und legte seinen rechten Arm um sie. Dann nahm er ihre rechte Hand in seine Linke und flüsterte: „Lass dich einfach von mir führen, du wirst sehen, es ist ganz leicht. Sie schmiegte sich an ihn, spürte seine Kraft und folgte einfach nur seinen Schritten. Es dauerte nicht lange und sie harmonierten wunderbar. Laura war erstaunt, wie gut er tanzen konnte. Er schien überhaupt in allem, was er tat, sehr erfolgreich zu sein. Und wieder grübelte sie, ob es Sinn machte, was sie hier taten. Je länger sie miteinander tanzten, umso schwereloser fühlte sie sich. Dann, bei einem sehr langsamen Lied, zog er sie ganz nah an sich heran und legte ihre rechte Hand an seine Brust. Sie spürte das heftige Klopfen seines Herzens und lehnte ihren Kopf an seine Schulter. Während sie so verträumt tanzten, küsste er zärtlich ihr Haar und flüsterte: „Ich liebe dich, Laura.

    In diesem Augenblick war sie so glücklich, wie schon lange nicht mehr und trotzdem konnte sie ihre Tränen nicht zurückhalten. Um sein schönes Jackett nicht zu beflecken, hob sie ihren Kopf von seiner Schulter und sah auf den Boden.

    „Warum weinst du? Hab ich dir wehgetan?"

    „Nein Philip, es ist nur so ein wunderbares Gefühl, in den Arm genommen zu werden und hier mit dir zu tanzen. Ich glaube, ich bin so glücklich, wie schon sehr lange nicht mehr." Tränen glitzerten in ihren Augen als sie ihn ansah. Mit seiner linken Hand hob er sanft ihr Kinn etwas, beugte sich zu ihr und hauchte ihr zärtlich einen Kuss auf jede Wange. Dann sah er ihr tief in die Augen und schließlich fanden sich ihre Lippen zu einem sehr zärtlichen Kuss. Er war so liebevoll zu ihr, dass sie nahe daran war, ihre Fassung zu verlieren. Tränen liefen ihr über die Wangen und er spürte, wie ihre Kraft sie verließ.

    „Geht es dir gut? Vielleicht sollten wir uns erst einmal setzen und einen Schluck trinken." Sie fühlte sich so schwach, dass sie glaubte, jeden Augenblick in Ohnmacht zu fallen. Deshalb hielt sie sich krampfhaft an seiner Schulter fest. Er legte seinen Arm um

    Gefällt Ihnen die Vorschau?
    Seite 1 von 1