Disziplin – Schlüsselkompetenz des 21. Jahrhunderts: Ein Impulsbuch
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Über dieses E-Book
Warum hat die Disziplin in unserer Gesellschaft einen so schlechten Ruf? Warum wird sie mit Strenge und Gehorsam gleichgesetzt und gerät dadurch in die "Schmuddelecke"? Ist Disziplin nicht der Motor für Lern- und Bildungsprozesse? Nährt sie sich nicht aus der Anstrengungsbereitschaft – der Lust, sich Herausforderungen zu stellen, um diese zu meistern?
Ursula Günster-Schöning und Isabella Gölles möchten die Disziplin für pädagogische Fachkräfte, für Eltern und für alle anderen wieder attraktiv machen. Längst geht es nicht mehr nur um die Einhaltung von Regeln, sondern um die positiv stärkende Entwicklung von Selbstbestimmung, Selbstkontrolle und Selbstregulierung. Dieses Impulsbuch ermutigt dazu, Kindern und auch sich selbst Anstrengungsbereitschaft wieder zuzumuten, um für das Leben im 21. Jahrhundert bestens gewappnet zu sein – es ist eine Hommage an einen überaus nützlichen Wert.
Ursula Günster-Schöning
Ursula Günter-Schöning, staatlich anerkannte Sozialfachwirtin, systemische Organisationsentwicklerin und SeniorCoach (QRC) mit eigener Praxis, ist als Dozentin und Autorin im Bereich der frühkindlichen Bildung tätig. Den Youtube-Kanal von Ursula Günster-Schöning finden Sie hier:https://www.youtube.com/channel/UCyy5dNSa7THLmN-m2ltya3w
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Buchvorschau
Disziplin – Schlüsselkompetenz des 21. Jahrhunderts - Ursula Günster-Schöning
Teil 1
Abb. 1: Domino-Steine
»Der Unterschied zwischen dem, was du hast, und dem, was du gerne hättest, nennt sich Disziplin.«
Marianne Weit²
2https://psychologie-einfach.de/beste-zitate-disziplin/ [letzter Aufruf: 21.05.2024].
Disziplin
Disziplin, die
SUBSTANTIV, FEMININ
A: das Einhalten von bestimmten Vorschriften, vorgeschriebenen Verhaltensregeln o. Ä.; das Sich-Einfügen in die Ordnung einer Gruppe, einer Gemeinschaft;
B: das Beherrschen des eigenen Willens, der eigenen Gefühle und Neigungen, um etwas zu erreichen.³
Andere Wörter für Disziplin: Beherrschtheit, Beherrschung, Kontrolle, Selbstbeherrschung, Selbstdisziplin, Selbstkontrolle, Ordnung, Zucht (veraltet).⁴
Die Wortbedeutung
Der Begriff »Disziplin« stammt von dem lateinischen Wort disciplina, was ursprünglich Unterweisung oder Lehre bedeutete. Das Wort ist eng verwandt mit discipulus, dem lateinischen Wort für Schüler oder Lernender, was darauf hinweist, dass die ursprüngliche Bedeutung von Disziplin stark mit dem Prozess des Lernens und der Bildung verknüpft war. Disciplina bezog sich also auf die Lehre und die Praktiken, durch die Wissen und Fähigkeiten von einer Generation zur nächsten übertragen wurden, sowie auf die Ordnung und Regeln, die diesem Prozess zugrunde lagen und ihn strukturierten.
Mit der Zeit hat sich die Bedeutung von Disziplin erweitert und umfasst nun auch die Konzepte von Ordnung, Kontrolle, Regulierung und Selbstbeherrschung. Diese Entwicklung spiegelt die historische Ausweitung des Begriffs von einem engen Fokus auf Bildung und Lehre hin zu einem breiteren Verständnis, das die Selbstregulierung und das Verhalten in verschiedenen Lebensbereichen einschließt. Trotz dieser Erweiterung bleibt der Kerngedanke der Disziplin als Mittel zur Strukturierung und Verbesserung des menschlichen Verhaltens und somit Lebens und zur Förderung des Lernens und persönlichen Wachstums bestehen. Die etymologische Wurzel des Wortes betont die Bedeutung von Lernen und Entwicklung als zentrale Aspekte der Disziplin.
Disziplin ist somit ein vielschichtiger Begriff, der in verschiedenen Kontexten unterschiedliche Bedeutungen haben kann. Im Allgemeinen bezieht sich Disziplin auf die Praxis der Selbstkontrolle, die es Individuen ermöglicht, ihre Gedanken, Gefühle und Handlungen zu regulieren, um bestimmte Ziele oder Standards zu erreichen. Sie ist sowohl ein individuelles als auch ein kollektives Phänomen, das in Bildungseinrichtungen, an Arbeitsplätzen und bekannterweise auch in militärischen Organisationen eine zentrale Rolle spielt.
Die Historie hinter dem Begriff
Historisch gesehen hat sich das Konzept der Disziplin parallel zum Fortschritt menschlicher Gesellschaften entwickelt. In der Antike wurde Disziplin oft mit der Ausbildung von Soldaten assoziiert, wobei der Schwerpunkt auf körperlicher Fitness, Ordnung und Gehorsam lag. Mit der Zeit erweiterte sich die Bedeutung des Begriffs auf die Erziehung und Ausbildung von Kindern und Jugendlichen, wobei der Fokus auf der Vermittlung von Werten, Moral und Wissen lag. Auf Seite 44 gehen wir vertiefend auf die Historie des Begriffs ein, denn es lohnt sich zu lesen, wie er sich im Laufe der Zeit verändert hat.
Heute wird Disziplin in einem breiteren Sinne verstanden und umfasst die Fähigkeit eines Individuums, Impulse zu kontrollieren, Ausdauer zu zeigen und sich an soziale und allgemeingültige Normen zu halten. In pädagogischen Kontexten wird Disziplin oft als wesentlicher Bestandteil des Lernprozesses angesehen, da sie Kinder und vor allem Schüler und Jugendliche dazu befähigt, Aufmerksamkeit zu fokussieren, Lernziele zu verfolgen und erfolgreich Wissen und Fähigkeiten zu erwerben.
Die soziologische Perspektive auf Disziplin wurde maßgeblich von Michel Foucault geprägt, der in seinem Werk »Überwachen und Strafen« die Entwicklung der Disziplinargesellschaft und die Mechanismen der Macht, die durch Disziplin ausgeübt werden, untersucht. Foucault (1975) argumentiert, dass Disziplin in modernen Gesellschaften nicht nur durch direkte Kontrolle und Bestrafung, sondern auch durch subtilere Formen der Überwachung und Selbstregulierung wirkt.
In der Psychologie wird Disziplin oft im Zusammenhang mit Konzepten wie Selbstregulierung, Willenskraft und Motivation untersucht. Forschungen in diesem Bereich zeigen, dass Disziplin eng mit Erfolg in verschiedenen Lebensbereichen verbunden ist und durch verschiedene Techniken und Strategien gefördert werden kann (Foucault 1975).
Auch lässt sich Disziplin in zwei Hauptkategorien unterteilen: intrinsische und extrinsische Disziplin. Diese Unterteilung erweitert unser Verständnis darüber, wie Disziplin individuell und kollektiv motiviert und aufrechterhalten wird.
Intrinsische Disziplin
bezieht sich auf die Selbstmotivation und Selbstregulierung, die von inneren Werten, Interessen und Zielen einer Person angetrieben wird. Diese Form der Disziplin entsteht aus dem persönlichen Wunsch heraus, bestimmte Fähigkeiten zu entwickeln, Wissen zu erwerben oder Ziele zu erreichen, unabhängig von externen Anreizen oder Bestrafungen. Personen mit hoher intrinsischer Disziplin finden oft in der Aufgabe selbst oder in der persönlichen Befriedigung, die sie aus der Ausführung der Aufgabe ziehen, eine Belohnung. Die Forschung zeigt, dass intrinsisch motivierte Menschen tendenziell eine höhere Ausdauer haben, kreativer sind und langfristig erfolgreichere Lernergebnisse erzielen.
Extrinsische Disziplin
hingegen wird durch äußere Anreize wie Belohnungen, Strafen oder den Druck von sozialen Gruppen oder Autoritäten gefördert. Diese Form der Disziplin ist oft mit der Einhaltung von Regeln und dem Streben nach Anerkennung oder Vermeidung von negativen Konsequenzen verbunden. Obwohl extrinsische Motivatoren effektiv sein können, um kurzfristige Ziele zu erreichen oder grundlegende Verhaltensnormen zu etablieren, argumentieren viele Expert:innen, dass eine übermäßige Abhängigkeit von extrinsischen Anreizen die Entwicklung der intrinsischen Motivation behindern und die Langzeitwirkung auf die Selbstregulierung und das Engagement eines Menschen einschränken kann. Dies ist auch im Kontext der Erziehung ein wichtiger und relevanter Faktor.
Die Balance zwischen intrinsischer und extrinsischer Disziplin ist entscheidend für die effektive Entwicklung und Aufrechterhaltung von diszipliniertem
