Die schwarze Fledermaus 58: Die Dokumente des Selbstmörders
Von G.W. Jones
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Über dieses E-Book
Als Quinn in Rikers Wohnung eintrifft, findet er den Toten, doch nicht den angekündigten Umschlag. Die darin enthaltenen Dokumente müssen hochbrisant sein, denn schon bald werden Mordanschläge auf Quinn verübt.
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Rezensionen für Die schwarze Fledermaus 58
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Buchvorschau
Die schwarze Fledermaus 58 - G.W. Jones
1. KAPITEL
Der teure, schwere Wagen fuhr an einem der elegantesten Wohnhäuser Chicagos vor. Der livrierte Chauffeur stieg aus, öffnete seinem Herrn die Wagentür und wartete mit gezogener Mütze.
Das Paar im Wagen wechselte noch einen zärtlichen Kuss, bevor der Mann Anstalten machte, auszusteigen. Er war hochgewachsen, sehr elegant, und seine angegrauten Schläfen gaben ihm etwas unendlich Vornehmes. Seinem Anzug war auf den ersten Blick anzusehen, dass er vom teuersten Schneider stammte.
Der Mann sagte zu seiner Begleiterin: „Wir sehen uns um acht Uhr dreißig, Lois. Du hast also zwei Stunden Zeit zum Umziehen. Er lächelte. „Du siehst, ich werde einen sehr verständnisvollen Gatten abgeben! Das ist eine unserer letzten Verabredungen, mein Schatz. Von Sonnabend angefangen wird unser ganzes Leben ein einziges glückliches Rendezvous sein.
Lois Lloyd strich ihm leicht mit den Fingerspitzen über die Wange.
„Ich bin die glücklichste Frau der Welt, Paul. Ich kann es noch gar nicht fassen, dass ich in einer Woche Mistress Paul Riker sein werde ‒ die Frau eines der prominentesten Rechtsanwälte von Chicago!"
„Das Glück ist ganz meinerseits, erwiderte Paul Riker mit dem Lächeln des Verliebten. „Ich werde Fred schicken, um dich abzuholen, Liebling. Bevor wir zu der Party gehen, trinken wir noch einen Cocktail in meiner Wohnung, ja? Du sollst dich etwas an sie gewöhnen ‒ damit dir das Einleben dann nicht gar zu schwer wird!
Er stieg aus und wandte sich an den Chauffeur.
„Fred, gehen Sie jetzt essen, holen Sie dann Miss Lloyd um acht Uhr dreißig ab und bringen Sie sie hierher! Jetzt können Sie sie nach Hause fahren."
„Jawohl, Sir."
Der livrierte Chauffeur tippte an den Mützenschirm.
Paul Riker sah dem Wagen nach, bis er vom Verkehr verschluckt wurde, und ging dann ins Haus. Er nickte dem Pförtner freundlich zu, trat dann ans Empfangspult und fragte nach Post. Er steckte die paar Briefe zu sich, die eingegangen waren, fuhr darauf mit dem Lift zu seiner Wohnung hinauf und unterhielt sich unterwegs mit dem Liftführer über das Wetter.
Im vierundzwanzigsten Stock betrat er seine Wohnung. Sie war, seinem ganzen Lebensstil entsprechend, kostbar und elegant eingerichtet. Zwei große antike Bronzevasen standen zu beiden Seiten der Eingangstür, die mit Mosaik ausgelegt war. Er ging durch die Diele direkt in das große Wohnzimmer, legte Hut und Mantel auf einen Sessel und mixte sich behaglich einen Drink an der Hausbar. Er stand unter einem wertvollen Bild, einem echten Renoir, an dem er sich nie sattsehen konnte. Lächelnd hob er das Glas und trank der Frau auf dem Bild zu. Das Leben war herrlich! Und in wenigen Tagen würde er es mit der reizenden Lois teilen.
Lois war von erlesener Schönheit ‒ wie alles, womit Paul Riker sich umgab. Sie hatte die strahlendsten blauen Augen, die er je gesehen hatte, goldblondes Haar und die Figur einer Schönheitskönigin. Außerdem aber war sie klug, amüsant und temperamentvoll.
Er trank sein Glas aus, während er, behaglich in einem Sessel zurückgelehnt, die Abendzeitungen las. Nach einer halben Stunde erhob er sich, überlegte, ob er sich noch einen Drink genehmigen sollte, verzichtete dann aber darauf und stellte sein leeres Glas auf die Bar. Er würde mit Lois noch einen Cocktail trinken; denn die Party, die sie dann gemeinsam besuchen wollten, würde vermutlich ziemlich feucht werden.
In seinem Schlafzimmer zog er sich aus. Dann ging er ins Bad, um sich zu rasieren. Er wusch sich heiß, nahm eine kalte Dusche, trocknete sich sorgfältig ab und ging ins Schlafzimmer zurück. Er holte seinen neuen Smoking aus dem Schrank, legte ihn über einen Stuhl und begann sich anzukleiden.
Er war gerade mit dem Binden seiner Krawatte beschäftigt, als das Telefon läutete. Rasch ging er ins Wohnzimmer, hob ab und setzte sich. Er sagte nur: „Hallo", und dann nichts mehr.
Je länger er horchte, desto mehr wich alles Blut aus seinem Gesicht. Seine Lippen wurden schmal.
Schließlich legte er auf, ohne noch ein weiteres Wort gesagt zu haben.
Minutenlang blieb er wie betäubt sitzen, in tiefe Gedanken versunken. Als er sich endlich erhob, schwankte er ein wenig.
Er ging zu dem Bild von Renoir hinüber. Aber diesmal gönnte er ihm keinen bewundernden Blick. Er fasste den Rahmen mit beiden Händen und drehte ihn zur Seite. Eine Safetür wurde dahinter sichtbar.
Riker drehte die Zahlenkombination, öffnete den Safe und entnahm ihm seinen einzigen Inhalt: einen langen, bräunlichroten schweren Umschlag, der mit mehreren Siegeln versehen war. Er schloss den Safe, brachte das Bild an die alte Stelle und ging zu seinem Schreibtisch.
Hier saß er eine Weile, den dicken Umschlag in der Hand. Endlich griff er zur Feder und schrieb auf den Umschlag: Die Dennison-Papiere.
Dann lehnte er den Umschlag gegen die Stehlampe, sodass man ihn nicht übersehen konnte.
Wieder in seinem Schlafzimmer, überprüfte er sorgfältig den Sitz seines Binders und schlüpfte in die mitternachtsblaue Smokingjacke.
Aus einer Schublade nahm er eine 38er-Pistole, lud sie und steckte sie zu sich. Wieder ging er zum Telefon im Wohnzimmer. Er musste eine Nummer aus dem Telefonbuch heraussuchen und fand sie rasch ‒ unter Q gab es nicht viele Namen. Er wählte die Nummer Anthony Quinns.
„Mister Quinn?", fragte er, als sich eine Stimme meldete.
„Nein, Sir. Hier ist nicht Mister Quinn, sondern sein Butler. Wer spricht dort, bitte?"
„Paul Riker. Ich möchte Mister Quinn sprechen. Sagen Sie ihm, es sei sehr dringend."
Einige Sekunden später hörte Riker die volle, sympathische Stimme Tony Quinns.
Riker meldete sich unter seinem Namen. „Hallo, Tony! Sie sind sicher sehr überrascht, von mir zu hören. Ich nehme an, dass Sie mir nicht gerade grün sind. Sie wissen ja, dass ich einer Ihrer Gegner war, als Sie sich damals für den Posten des Staatsanwaltes für besondere Aufgaben bewarben. Nun, Sie sind es seinerzeit trotz meines Einspruchs geworden, und ich hoffe, Sie sind nicht nachtragend, zumal Sie ja mittlerweile den Staatsdienst quittiert haben und wir nun Kollegen sind."
Quinn lachte. „Bestimmt nicht. Was kann ich für Sie tun, Mister Riker?"
„Sie können mir einen Gefallen tun, Tony. Ich weiß, dass man sich auf Sie unbedingt verlassen kann. Lassen Sie sich so schnell wie möglich zu meiner Wohnung fahren. Kommen Sie ohne weitere Anmeldung herauf. Sie liegt im vierundzwanzigsten Stock. Meine Tür wird unverschlossen sein. Treten Sie ein, gehen Sie gleich ins Wohnzimmer. Dort finden Sie auf dem Schreibtisch, an die Lampe gelehnt, einen Umschlag, den ich soeben mit der Aufschrift Die Dennison-Papiere versehen habe. Ich möchte, dass Sie diesen Umschlag an sich nehmen, Quinn. Verstehen Sie?"
„Was enthält der Umschlag?, fragte Quinn in scherzhaftem Ton. „Alle schwarzen Punkte Ihres Lebens?
„Nicht aus meinem ‒ aus dem Leben eines anderen, Tony, antwortete Riker ernst. „Öffnen Sie den Umschlag auf der Stelle. Verlieren Sie keine Sekunde. Handeln Sie sofort seinem Inhalt entsprechend. Der Besitz der Papiere wird Sie in große Gefahr bringen, fürchte ich. Aber ich weiß, dass Sie keine Gefahr scheuen. Auch nicht, seit Sie erblindet sind.
„Danke!, sagte Quinn. „Ich werde tun, was Sie verlangen. Etwas in Ihrer Stimme sagt mir, dass das kein Spaß ist. Werden Sie dort sein, wenn ich ankomme?
„Nein. Ein seltsamer Ausdruck trat in Rikers Augen. „Nein, ich werde nicht da sein. Und vielen Dank, Tony! Sie werden schon wissen, was zu tun ist, wenn Sie den Inhalt des Umschlages kennen.
Riker legte den Hörer auf und sah auf seine Uhr. In vierzig Minuten würde Lois kommen.
Entschlossen durchquerte er das Schlafzimmer, ging ins Bad, stieg in die Wanne und zog den Brausevorhang zu. Ohne eine Sekunde zu zögern, schoss er sich eine Kugel in den Kopf.
Sehr nachdenklich hatte Tony Quinn nach dem Anruf den Hörer wieder auf die Gabel gelegt. Seine Augen, die von tiefen Narben umgeben waren, starrten blicklos ins Leere. Diese Narben waren das Einzige, was seine sonst so regelmäßigen Züge entstellte ‒ ein trauriges Andenken an jene verhängnisvolle Sekunde, die ihn das Augenlicht gekostet hatte.
Silk Kirby, sein Diener und Vertrauter, fragte etwas besorgt: „Schlechte Nachrichten, Sir?"
„Ich weiß nicht recht. Quinn runzelte die Stirn. „Das war Paul Riker. Merkwürdig, dass er mich um einen Gefallen bittet. Er mochte mich nie und hat sich damals meiner Ernennung zum Staatsanwalt für besondere Aufgaben heftig widersetzt, weil er selbst auf den Posten scharf war.
„Den Namen Riker kenne ich, sagte Silk. „Er ist ein ziemlich prominenter Anwalt, nicht wahr?
Quinn nickte. „Nach dem missglückten Versuch, Staatsanwalt zu werden, ist er in die Industrie eingestiegen. Und das mit großem Erfolg. Ich bin ihm seither keine fünf Mal mehr begegnet. Bin gespannt, was er von mir will. Hol den Wagen aus der Garage, Silk! Wir fahren gleich hin. Ich hatte den Eindruck, dass etwas wirklich Wichtiges und Dringendes vorliegt."
Silk gehorchte, ohne weitere Fragen zu stellen. Zwei Minuten später war er mit dem Wagen vor dem Haus.
Als Silk vor dem großen Appartementhaus hielt, stieg Quinn zwar allein aus, blieb aber dann hilflos stehen, bis sein Begleiter ihn am Arm fasste und zum Eingang führte.
Der Lift brachte sie zum vierundzwanzigsten Stock. Sie stiegen aus. Silk fand Paul Rikers Namensschild und drückte die Klinke nieder. Die Tür ließ sich ohne Weiteres öffnen. Silk klopfte ein paar Mal, aber da niemand antwortete, traten sie ein.
Quinn sagte: „Führ mich gleich ins Wohnzimmer, Silk! Zu Rikers Schreibtisch."
Silk schob seinen Herrn durch die Tür.
Quinn tappte mit dem weißen Stock vor sich herum, bis er den Sessel traf und ihm ausweichen konnte. Silk führte ihn zum Schreibtisch und sagte etwas ratlos: „Mister Riker wollte Ihnen den Umschlag
