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Buchvorschau
Junge Herzen schlagen höher - Benjamin Morgner
Himmelstürmer Verlag, Hamburg
www.himmelstuermer.de
E-mail: info@himmelstuermer-verlag.de
Originalausgabe, Oktober 2006
Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Verlages
Foto: Photo by: www.ModelGuys.com
Umschlaggestaltung: Olaf Welling, Grafik-Designer AGD, Hamburg
ISBN print 978-3-934825-60-4
ISBN epub 978-3-86361-426-3
ISBN pdf 978-3-86361-427-0
Glücklich ist der Mensch zu nennen, der gute Freunde hat.
Ich widme dieses Buch meinen Freunden!
1. Kapitel
„Na, meine Herrschaften, ist nun bald Ruhe? Sichtlich genervt schaute Klaus Brinkmann in seine Klasse. Er hatte sie soeben erst übernommen. Noch sagten ihm die einzelnen Gesichter der Jugendlichen überhaupt nichts. Es war eine kleine Klasse, gerade richtig für einen jungen Referendar, so meinten es jedenfalls die Lehrerkollegen. Ob es eine kluge Entscheidung des Schulrates war, ihn gerade in eine „Neunte
zu stecken, blieb dabei offen.
Ja, er mochte die jungen Leute in diesem Alter besonders, in ihrer Unbeholfenheit und ihrem unerschöpflichen Drang, die ganze Welt auf einmal zu verändern.
Klaus musste an seine eigene Schulzeit denken. War nicht gerade dieser Lebensabschnitt auch für ihn damals besonders aufregend und turbulent?
Damals hatte er sich das erste Mal verliebt, und ausgerechnet in einen Jungen! Dabei hatte sich Kerstin, ein von den anderen Jungs mächtig umschwärmtes Mädchen aus der Parallelklasse, besonders große Hoffnungen auf ihn gemacht. Ihretwegen hatten manche Klassenkameraden nachts feuchte Träume, nicht aber Klaus. In Gedanken daran musste Klaus lächeln. Es kam ihm vor, als wäre alles erst gestern gewesen:
Es war der erste Tag nach den großen Schulferien, der Tag mit der besonderen Atmosphäre des Neuanfangs. Chris war neu in die Klasse von Klaus gekommen, ein Junge vom Dorf, schüchtern und ohne jegliche Erfahrungen, wie man sich gleich zu Beginn in einer neuen Klasse am besten ins rechte Licht rücken konnte, auch ohne diese typisch städtische Arroganz, die Klaus so hasste.
Als ihn der Klassenlehrer der Klasse vorstellte, stand Chris hilflos da und wusste nicht so recht, wo er mit den viel zu langen Armen und den großen Händen hin sollte. Er war groß und schlank und schaute jetzt verlegen, mit extrem rotem Kopf, auf den Boden. Schweißperlen standen ihm auf der Stirn. Chris tat ihm echt leid. Klaus versuchte sich vorzustellen, wie er sich wohl jetzt in dessen Haut fühlen würde.
Für die Jungen war Chris nicht sonderlich interessant. Die Mädchen aber kicherten um so lauter und tuschelten sich gegenseitig ihre kritischen Bemerkungen in die Ohren, was Chris natürlich restlos verunsicherte. Der Neue amüsierte sie sichtlich.
„Naja, hoffen wir, dass wir gut miteinander auskommen", hatte der Klassenlehrer die Vorstellung endlich beendet.
Chris bekam den Platz neben Klaus zugewiesen. Sichtlich erleichtert setzte er sich auf den harten Stuhl und begann umständlich, seine Bücher auf den Tisch zu legen. Er schaute seinen Platznachbarn dabei nicht an.
„So, wir haben Literatur, bitte mal die Bücher rausnehmen. Unsere Aufgabe war ... Herr Schulze ließ einen Text aus „Tod in Venedig
von Thomas Mann lesen.
Chris blätterte in seinem Buch herum und fand den genannten Absatz nicht. Sollte Klaus ihm jetzt helfen? Er schaute seinen Nachbarn von der Seite her an. Immer noch blätterte Chris hastig hin und her. Dann sah er hilflos zu Klaus hinüber. Es waren seine hellblauen, leuchtenden Augen, die Klaus sofort gefangen nahmen. Sie schienen ihn anzuflehen: Nun, komm schon, hilf mir doch endlich!
Klaus legte sein Buch in die Mitte und zeigte auf die Seitenzahl.
„Danke!" Chris war sichtlich erleichtert.
„Nicht dafür", gab Klaus zur Antwort.
Der Neue hatte ein schönes Gesicht. Seine dunklen Wimpern, die Augenbrauen, die sich in der Mitte fast nahtlos miteinander verbanden, ein kleines Grübchen auf der linken Wange, wenn er, wie jetzt, lächelte, all das fand Klaus sofort faszinierend. Er lächelte zurück. Doch, die beiden mochten sich vom ersten Augenblick an.
„Von Seite zweiundachtzig, dritter Absatz, lesen wir jetzt den Text ...Yvonne, du beginnst bitte!"
Es war wieder der normale Schulalltag eingekehrt. An den Neuen dachte inzwischen niemand mehr, außer Klaus. Der schielte zu Chris hinüber, auf dessen schlanke Hände, die locker auf der Buchseite lagen. Sie waren gepflegt und zitterten noch ein wenig vor Aufregung. Wie weich die Haut aussah. Am liebsten hätte Klaus sie berührt, einfach so, vielleicht nur, um die Wärme zu spüren. Wie würde Chris wohl darauf reagieren?
Die Pausenglocke schreckte Klaus aus seinen Gedanken, große Pause, endlich. Sofort stürmten die Klassenkameraden auf den Schulhof. Chris legte langsam seine Hefte zur Seite und lehnte sich auf seinem Stuhl zurück, die Beine hatte er weit von sich gestreckt. Die Sonne schien voll ins Klassenzimmer.
„Willst du nicht mit raus? In der großen Pause darf niemand im Klassenraum bleiben. War das in deiner alten Schule nicht so?", wollte Klaus wissen.
Widerwillig erhob sich Chris und ging wortlos hinter Klaus her durch den langen Flur, der nach irgendwas Unangenehmem roch. Komisch, dass diesen Räumen ständig ein so merkwürdiger Geruch anhängt.
Sie beide waren die letzten, die den Schulhof betraten. Draußen tobten einige kleinere Jungs miteinander herum, andere ärgerten Mädchen, die kreischend hinter ihnen herliefen, wieder andere standen in der Hofecke und rauchten.
„Seid wann wohnst du hier, ich hab dich noch nie in dieser Gegend gesehen?"
Klaus hatte sich rückwärts an den Zaun gelehnt und sein rechtes Bein angezogen. Er schaute Chris neugierig an und erfuhr von ihm, dass sie vor zwei Monaten hierher gezogen waren, er und sein Vater. Die Eltern lebten seit einem knappen Jahr getrennt. Nun wohnten sie am Rande der Stadt: ‚An der Wolfsschlucht Drei’, was immer das heißen mochte. Klaus kannte dieses Viertel überhaupt nicht. Ach ja, eine Zwillingsschwester hatte Chris, aber die lebte bei der Mutter.
„Kannst mich ja mal besuchen kommen, ich würde mich freuen", fügte Chris zur Adresse hinzu.
„Klar, mach ich doch glatt."
Die Pause war zu Ende, alles strömte dem Eingang zu, auch Klaus und Chris. Sie hatten noch eine Doppelstunde Mathe.
„Chris, bleib bitte noch eine Minute hier." Herr Schulze brauchte noch Daten fürs Klassenbuch.
Klaus hatte sich extra viel Zeit gelassen, als er sein Fahrrad aus dem Untergestell holte. Als Chris immer noch nicht kam, radelte er nach Hause. Schade, er wäre noch gern etwas mit Chris zusammen geblieben.
Es war niemand im Haus, als Klaus die Haustür aufschloss. Die Eltern würden erst gegen Fünf von der Arbeit kommen. Klaus hatte sich die kleine Pizza, die Mutter auf den Tisch gelegt hatte, in die Mikrowelle geschoben und eine Cola aus dem Kühlschrank geangelt. Immer wieder waren seine Gedanken bei Chris. Er sah seine hellblauen Augen, die blonden Haare, das Lächeln. Was mochte der jetzt wohl machen? Komisch, bei dem Gedanken an Chris wurde plötzlich sein Penis steinhart. Gut, das war ja nichts Außergewöhnliches, das passierte ihm ja jeden Tag mehrmals, aber in diesem Zusammenhang? Oder hatte das nichts damit zu tun? Klaus schüttelte leicht den Kopf. Was war nur los mit ihm?
Das Telefon hatte plötzlich in seine Gedanken hinein geklingelt. Kerstin wollte wissen, ob Klaus mit ihr und einigen Freunden zum Baden mitgehen würde. Er hatte keine Lust und erzählte ihr etwas von Hausaufgaben und anderen Verpflichtungen, denen er noch nachkommen müsse. Mann, warum kapierte die nicht, dass er nichts von ihr wollte? Andere Jungs wären sicher sofort auf sie geflogen, aber nicht er. Er hatte es ihr doch eigentlich schon deutlich genug zu verstehen gegeben. Warum war sie nur so schwer von Begriff? Naja, Weiber!
Klaus schaute nach draußen, die Sonne schien prächtig, obwohl für den Nachmittag Gewitter angesagt worden war. Nirgends war auch nur ein kleines Wölkchen am dunkelblauen Himmel zu sehen. Klar, eigentlich war das Wetter viel zu schade zum Drinnesitzen. Wie wäre es, wenn er jetzt zu Chris fahren würde? Er könnte doch mal sehen, wo die ‚Wolfsschlucht’ ist. Noch kauend angelte er sich das Telefonbuch und begann zu blättern. Mann, wie hieß Chris gleich noch mit Nachnamen? Er versuchte sich erfolglos daran zu erinnern. Es war irgendwas mit Müller, Meier, Schulze, oder war es Schneider? Er gab auf. Er würde einfach losfahren, und wenn Chris nicht daheim war, war es ja auch nicht so schlimm.
Klaus brauchte mit dem Fahrrad vielleicht gerade mal zwanzig Minuten, bis er vor dem kleinen Haus stand, in dem Chris wohnen musste. Eine große, schmiedeeiserne Drei war an der Außenfassade angebracht. Von Chris war aber keine Spur zu sehen, auch das Rad war nirgends. Klaus schaute sich um. Es gab hier nichts Besonderes: ein etwas verwahrloster Vorgarten, ein Hof mit einem verwaisten Hundezwinger, oder war es ein Hühnerstall? Eine alte Schwengelpumpe, an der der Schwengel fehlte. Eine schwarzweiß gefleckte Katze stromerte über den Hof. In diesem Moment kam Chris um die Ecke gefahren.
„Das ist ja eine Überraschung, platzte es freudig aus ihm heraus. Er blieb neben Klaus stehen und strahlte ihn an: „Cool, dass du hergekommen bist ... nee, echt, ich freu mich riesig. Komm, wir gehen rein.
Klaus hatte keine Lust, ins Haus zu gehen.
„Können wir nicht gemeinsam irgendwo hinfahren?", schlug er vor. Am liebsten wäre er mit Chris an den Badesee gefahren, aber da war ja nun Kerstin mit ihrer Clique, und die wollte er dort am allerletzten treffen.
„Klar, wart mal, ich hol nur schnell noch was zu trinken."
Chris verschwand im Haus, um gleich wieder mit einem kleinen Rucksack zurückzukommen. Er schnürte ihn auf dem Gepäckträger fest und schwang sich aufs Rad.
Wohin wollen wir?
, wollte Chris wissen.
„Weiß nicht, du kennst dich hier besser aus als ich."
Schon radelte Chris los. Klaus hatte Mühe, an ihm dran zu bleiben. Sie fuhren durch die Straßen raus aufs Land, vorbei an Gärten, an parkähnlichen Anlagen und an abgelegenen Gehöften.
Nun wurde es immer einsamer. Weite Wiesen und abgeerntete Felder breiteten sich um sie herum aus. Die Feldwege waren durch die Erntefahrzeuge stark ausgefahren und die Jungs mussten aufpassen, dass sie nicht in den Schlaglöchern zu Fall kamen. Der Boden war durch die Trockenheit gefährlich hart geworden. Endlich war der Feldweg zu Ende. Vor ihnen begann ein großer Mischwald. Als sie auf dem schmalen Weg zwischen den riesigen Bäumen hindurchfuhren, bot ihnen der Schatten eine angenehme Kühle. Plötzlich bremste Chris scharf und stützte sich mit beiden Beinen ab, als er zum Stehen kam.
„Hörst du das?"
Klaus versuchte herauszufinden, was Chris wohl meinen könnte. Er hörte nichts weiter als einzelne Singvogelstimmen und ein gleichmäßiges Klopfen, nur manchmal durch eine Pause unterbrochen, irgendwo, etwas weiter entfernt.
„Hörst du das nicht? Das muss ein Buntspecht sein. Den hab ich hier schon oft gehört", wurde Klaus von Chris aufgeklärt.
„Bist du öfter hier?", wollte Klaus wissen.
„Geht so, allein macht es nicht so viel Spaß."
Ja, das konnte Klaus gut verstehen.
„Dann werde ich wohl öfters herkommen müssen."
„Mann, das wär Klasse!", schoss es sofort aus Chris heraus und Klaus spürte, dass es echt gemeint war.
Es war der Beginn einer langen, sehr intensiven Männerfreundschaft gewesen, die eine ganze Schulzeit hindurch und noch viel länger andauern sollte. Chris ging an die Kunstakademie nach Berlin und Klaus blieb an der Pädagogischen Fachschule am Ort. Über all die Jahre hinweg hielten sie engen Kontakt.
Als sie beide ihr Studium beendet hatten, beschlossen sie, zunächst nur aus rein wirtschaftlichen Überlegungen heraus, sich gemeinsam eine Wohnung zu suchen. Es war immer lustig, die verdatterten Gesichter der Vermieter zu sehen. Sie hatten meist ein Pärchen erwartet, aber nicht zwei Männer. Einer sagte sogar, dass er kein Haus für Schwule hätte. Sie hatten sich damals höflich bedankt und waren wieder gegangen. Natürlich hatten sie sich darüber geärgert.
Dann klappte es schließlich doch. Eine ältere Dame schmunzelte, als die beiden die Wohnung besichtigten. Es war eine Traumwohnung. Sie waren sich schnell einig. Es tat den beiden Männern gut, die Toleranz der alten Dame zu erleben.
Es war ein wunderbarer Zufall, oder war es Fügung, dass Chris in derselben Stadt eine Anstellung als Dozent an der Kunsthochschule bekam, in der auch Klaus im Gymnasium als Referendar unterrichtete?
Anfangs war es nur eine schöne Freundschaft gewesen, ganz platonisch, obwohl beide sich immer intensiver gewünscht hatten, auch Zärtlichkeiten auszutauschen. Es hatte jeder sein Zimmer für sich in dieser herrlich angelegten Wohnung. Warum nutzten sie die Räume nicht alle gemeinsam? Keiner hatte den Mut, den ersten Schritt zu tun, bis sie langsam merkten, dass aus ihrer Freundschaft mehr wurde. Bald begannen sie, sich wie ein Ehepaar zu benehmen, gemeinsame Termine, sehnsüchtige Blicke beim Essen oder wenn sie sich in der Küche oder im Flur begegneten. Sie begannen sich zu lieben, ohne dass es ihnen richtig bewusst wurde. Es kam einfach über sie.
Den eigentlichen Durchbruch hatten sie bei Othello. Es war ein wunderschöner, schwülwarmer Abend, vielleicht zwei Wochen nach dem Einzug bei der alten Dame.
Klaus hatte ganz spontan Karten fürs Theater besorgt. Schon lange hatten sie vor, sich die neue Inszenierung von Verdis Oper anzusehen. Es stand darüber einiges in der Tageszeitung, was sie neugierig gemacht hatte. Dem Regisseur sollte eine besonders interessante Deutung gelungen sein.
Sie sahen an diesem Abend chic aus in ihren dunklen Anzügen. Beide freuten sich riesig auf den Musikgenuss. Gute Plätze hatten sie auch erwischt. Die Erinnerung daran war bei Klaus noch total lebendig.
Schon begann die Ouvertüre. Durch die Musik baute sich eine ungeheure Spannung auf, die in dem Moment zum Höhepunkt kam, als sich langsam der schwere, türkisfarbene Bühnenvorhang hob. Die beiden Männer schauten sich lächelnd an. Tatsächlich war schon das erste Bühnenbild sehr gewagt. Es bestand nur aus dünnen Tüchern, die von der Decke her verschiedenfarbig angestrahlt wurden. Chris konnte sich nicht erinnern, jemals eine solche Bühnendekoration in einer Oper gesehen zu haben.
Es war einfach schön, hier zusammen zu sitzen. Sie ließen die Musik, den Gesang und das Bühnenbild auf sich wirken. Sie schienen in diesem Moment losgelöst von Raum und Zeit in einer anderen Welt zu sein.
Gerade berieten Jago und Rodrigo, wie sie Othello zu Fall bringen könnten, als plötzlich Klaus das starke Bedürfnis verspürte, Chris anzufassen, ihn einfach nur zu berühren, einfach seine Nähe zu spüren. Langsam schob er den Arm zu seinem Freund hinüber und suchte dessen Hand. Es war ein wunderschönes Gefühl, die Wärme des Anderen zu spüren, seine Reaktion zu genießen. Chris hatte die Hand sofort ergriffen und begonnen, den Rücken zärtlich zu streicheln. Es war das allererste Mal, dass sie sich ihre Gefühle körperlich so deutlich zeigten.
Ab wann lag eigentlich die Hand auf dem Schenkel und dann über Chris’ Schritt? Sie konnten es beide im Nachhinein nicht mehr sagen. Jedenfalls verspürte Klaus das Bedürfnis, Chris dort zu streicheln, während Jago auf der Bühne ein Trinklied anstimmte und anschließend Cassio überredete, mit ihm zu zechen. Chris hörte nicht mehr auf die Musik, er genoss das zärtliche Streicheln der Hand.
Das alles war inzwischen vier Jahre her. Sie hatten noch miteinander in einer Weinstube gesessen und über die Inszenierung gesprochen. Ein Taxi brachte sie schließlich nach Hause. Von diesem Abend an, hatten sie ein gemeinsames Schlafzimmer. Wie doch die Zeit verging. Klaus war es, als wäre es erst gestern gewesen.
In Gedanken daran musste Klaus lächeln, was von den Schülern seiner neuen Klasse als Zeichen der Überlegenheit angesehen wurde. Jedenfalls kehrte nach und nach Ruhe ein. Nur kurz flog noch ein Lineal durch das Klassenzimmer und landete scheppernd an der hinteren Wand. Gespannt schauten sie auf ihren neuen Pauker. Was würde der jetzt wohl machen? Ob der in Ordnung war? Klaus stand, immer noch lächelnd, vor der Klasse.
„Ich bin euer neuer Klassenlehrer. Mein Name ist ... Klaus drehte sich zur Tafel und schrieb mit großen Buchstaben Brinkmann drauf. „… Klaus Brinkmann ist mein Name.
Es wurde einfach nicht still im Raum.
„Wir werden es in den nächsten Jahren miteinander zu tun haben. Ich möchte gern, dass wir ein gutes Verhältnis miteinander aufbauen."
„Eh, cool, hat der grade Verhältnis gesagt?"
Bernd hatte sich mit dieser
