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Anderswo ist das Gras doch manchmal grüner
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eBook263 Seiten3 Stunden

Anderswo ist das Gras doch manchmal grüner

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Über dieses E-Book

Charlotte liebte nichts mehr als zu schreiben und sich in ihren Geschichten zu verlieren. Nach dem Ende ihrer Beziehung hatte sie endlich den Mut aufgebracht und eine ihrer Geschichten an einen Verlag verkauft. Sie hätte niemals erwartet, dass sich ihr Leben fortan auf einem anderen Kontinent abspielen und das sie dort auch noch eine neue Liebe finden würde.
SpracheDeutsch
Herausgeberneobooks
Erscheinungsdatum4. Aug. 2016
ISBN9783738079517
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    Buchvorschau

    Anderswo ist das Gras doch manchmal grüner - Beatrix Kaiser

    Charlotte

    Charlotte sah mit einem leisen Lächeln aus dem kleinen Fenster. Die Welt unter ihr schrumpfte immer mehr. Menschen, Autos, Bäume, Häuser, alles wurde kleiner und kleiner je höher sie stiegen. Nach einigen Hundert Metern durchstießen sie eine dichte Wolkendecke und nur Augenblicke später sah Charlotte die Sonne, die hell und strahlend am Himmel stand. Sie konnte immer noch nicht glauben, dass sie jetzt tatsächlich in einem Flieger auf dem Weg nach Los Angeles saß. Auf dem Weg zu einem neuen Job. Auf dem Weg zu einem neuen Leben.

    Und das absolut Beste daran war, dass ihre beste Freundin Emily direkt neben ihr saß und sie begleitete.

    Noch vor einem Jahr hätte Charlotte allenfalls nur gewagt von so einer vielversprechenden Zukunft zu träumen. Niemals hätte sie gedacht, dass Ihr Traum tatsächlich einmal Wirklichkeit werden würde.

    Selbst vor ein paar Monaten, als sie ihr Buch fertig gestellt hatte und sich ein Verlag gefunden hatte, der es veröffentlichen wollte, hätte sie nie erwartet, das ihr Erfolgt noch größer werden könnte. Aber so war es. Sie warf einen Blick auf Emily, die in einem Magazin blätterte um sich abzulenken, da sie an Höhenangst litt, und musste schmunzeln. Charlotte wandte sich wieder dem Fenster zu und lächelte in Erinnerung daran, was im letzten Jahr alles passiert war und sie schlussendlich hierher geführt hatte.

    Charlotte, geboren 1974 in einer kleinen Stadt in Norddeutschland war nach ihrer Großmutter benannt worden, die sie über alles geliebt hatte. Wenn sie sich an ihre Kindheit zurück erinnerte, dann dachte sie immer, dass sie nie glücklicher hätte aufwachsen können. Ihre Eltern waren zwar beide berufstätig gewesen und sie war mehr oder minder bei ihrer Omi groß geworden aber sie hatte nie etwas vermisst. Ihre Eltern waren liebevoll und fürsorglich und immer für sie da gewesen, wenn sie sie wirklich brauchte.

    Ihre Oma und ihr Opa hatten drei große Kleingärten gehabt und hier hatte sie auch den Großteil ihrer Kindheit verbracht. Zwischen Kaninchen und Hühnern, Beeten voller Blumen und unterschiedlichen Gemüsesorten und vielen Obstbäumen lernte sie von ihrer Omi wie alles wuchs und gedieh. Wo die Eier herkamen und auch woher der Kaninchenbraten zu Weihnachten kam oder das gelegentliche Brathähnchen.

    Als sie drei Jahre alt war, bekam sie ein Brüderchen. Michael.

    Wo sie in ihren Kinderjahren noch miteinander gespielt und wild getobt hatten, änderte sich ihr Beziehung je älter sie wurden. Man konnte unumwunden behaupten, dass es ein wahrer Geschwisterkrieg gewesen war. Von täglichem Geschreie und Türen knallen bis zu wüsten Beschimpfungen die man sich einander an den Kopf warf, war alles vertreten. Dies änderte sich auch erst als sich Charlotte nach ihrer Ausbildung eine eigene kleine Wohnung gesucht hatte und ausgezogen war.

    Heute würden die beiden für einander durchs Feuer gehen. Nichts könnte ihn oder sie davon abhalten den anderen zu beschützen. Über die Jahre waren sie nicht nur länger Bruder und Schwester, sie waren sehr gute Freunde geworden und Charlotte hatte ihren Bruder sehr lieb.

    Als Charlotte fünfzehn Jahre alt war verstarb ihr geliebter Vater. Noch wenige Monate zuvor, bei ihrer Konfirmation, hatte er sie in einem stillen Moment zur Seite genommen und ihr versichert, dass er immer für sie da sein würde und das sie mit allem, auch ihren Problem, immer zu ihm kommen könnte. Dass er immer ein offenes Ohr für sie haben würde und ihr immer helfen würde, egal was sie brauchte. Sie hatte ihn sehr geliebt und nun war er von einem auf den anderen Tag einfach nicht mehr da. Ein dummer Sportunfall und seine Folgen hatten ihn ihr einfach so entrissen. Das war schwer zu verstehen. Die kleine Familie war unsagbar traurig gewesen. Ihre Mutter hatte aber alles zusammen gehalten. Sie hatte jede Arbeit angenommen um das Haus zu halten und ihren Kindern, Charlotte und Michael, alles zu ermöglichen.

    Ein Jahr nach dem tragischen Verlust fand ihre Mutter eine neue Liebe, die sich bis heute hielt. Obwohl der neue Mann im Leben ihrer Mutter vierzehn Jahre jünger war, verstand sich Charlotte mit ihm gut. Über die Jahre war er nicht nur ein guter Freund sondern auch zu einer Vaterfigur geworden. Da Charlotte gerademal sieben Jahre jünger war als der Mann an der Seite ihrer Mutter, löste sie bei ihre Vorstellung: „Das ist mein Stiefvater" oftmals großes Stirnrunzeln hervor. Was sie und ihren Stiefvater aber eher zum Lachen brachte.

    Nur wenige Monate nach dem Tod ihres Vaters verstarb ihr Opa. Er hatte Kehlkopfkrebs und die Chancen standen nicht schlecht, dass er ihn überleben würde. Aber den einzigen Sohn zu verlieren war für ihn zu viel gewesen und er hatte den Kampf aufgegeben. Ein paar Jahre später verstarb dann auch noch ihre über alles geliebte Omi nach einer schweren Operation. Wenn sie nicht den Halt durch ihre Familie gehabt hätte und auch den ihrer besten Freunde Emily und Andreas, dann hätte sie nicht sagen können, was aus ihr geworden wäre.

    Charlottes beste Freundin, seit der fünften Klasse, war Emily. Es war wohl Schicksal, dass sich diese beiden Mädchen gefunden hatten. Von Anfang an waren sie unzertrennlich gewesen. Während ihre Mitschülerinnen mit den Mitschülern rumknutschten, auf dem Klo rauchten oder sich abends auf Feten trafen, gingen die beiden Freundinnen lieber ins Theater, ins Kino, stundenlang spazieren oder saßen nachmittags zusammen, hörten Musik, spielten Scrabble und tranken Tee. Das sollte jetzt aber nicht heißen, dass die beiden, kleine Engel gewesen wären. Oh nein, weiß Gott nicht. Wenn ihre Eltern wüssten, was die zwei so in deren Abwesenheit getrieben hatten, dann würden sie wohl heute noch die Hände über ihren Köpfen zusammen schlagen.

    So kauften sich die zwei im zarten Alter von vierzehn Jahren Zigaretten, meistens Metholzigaretten, und rauchten, na ja pafften diese auf ihren Spaziergängen. Nur um danach ein schlechtes Gewissen zu bekommen und die Zigaretten einer nach der anderen in einer Mülltonne akribisch zu zerkrümelten. Als sie fünfzehn waren, fingen sie an ihren nachmittäglichen Tee des Öfteren mit Alkohol zu verfeinerten. Hierzu nahmen sie das, was die jeweils elterliche Hausbar so anbot. Da gab es die unterschiedlichsten Likörchen und manchmal sogar Whiskey oder Rum.

    Als sie alt genug waren um selber Alkohol kaufen zu dürfen, besorgten sie sich des Öfteren Wein oder Sekt und betranken sich zum Teil so stark, dass sie sogar Filmrisse hatten.

    Unvergessen wird allerdings die Nacht bleiben, in der die beiden schon am frühen Abend angefangen hatten Glühwein zu trinken. Es war Dezember und der Winter hatte Einzug gehalten. Es hatte tagelang geschneit und der Schnee lag bestimmt dreißig Zentimeter hoch. Da beide Alkohol nicht wirklich vertrugen und schon nach kürzester Zeit ziemlich betrunken waren, hatten sie beschlossen einen Spaziergang um den kleinen See im Ort zu machen, um den Kopf wieder frei zu bekommen. So waren sie zu später Stunde aufgebrochen um einmal um den See zu gehen. Den Weg um den See kannten sie in und auswendig, schließlich gingen sie beinah jeden Tag hier spazieren. Zudem war er im Dunkeln mit vielen Laternen ausgestattet, so dass man nicht Gefahr lief, im Dunkel zu straucheln. Sie waren in guter Stimmung unterwegs und lachten viel. Als sie an den kleinen Hügel kamen, hatten sie die lustige Idee, sich den Hügel hinunter kullern zu lassen. Also legten sie sich in den Schnee und rollten den Hügel hinab. Waren sie unten angekommen, liefen sie lachend wieder nach oben um sich gleich noch einmal hinunter rollen zu lassen. Binnen kürzester Zeit war ihre Kleidung durchnässt aber das merkten oder störte die beiden nicht mehr. Wer nun die Kombination von Alkohol und sich drehen kennt, der weiß allerdings, wie schlecht es den beiden, nach ihren doch anfänglich lustigen Aktion, erging. Ihnen war speiübel. Durchnässt und frierend hatten sie sich dann an den Armen eingehakt und waren nach Hause gegangen.

    Sie waren eben auch nur normale Teenager, die ihre Grenzen austesteten.

    Schon damals waren die beiden Mädchen sehr kreativ gewesen. Mit vierzehn, sahen sie eine Sommersendung für Kinder im Fernsehen, die dazu aufforderte, eine Kurzgeschichte zu schreiben und diese dann einzusenden. Charlotte und Emily schrieben eine lustige Geschichte über einen Ritter Kunibert und schickten sie voller Vorfreude ans Fernsehen. Leider bekamen sie nie eine Antwort.

    Aber sie liebten das Schreiben, besonders Charlotte, und so schrieben sie etwas später eine ganze andere Geschichte.

    Nachdem sie die Realschule abschlossen hatten, besuchten Emily und Charlotte gemeinsam die Berufsfachschule für Wirtschaftsassistentinnen. In der Zeit schrieben sie zusammen eine Geschichte über eine Untergrundorganisation, die gegen eine korrupte Regierung rebellierte, in dem sie auch Anschläge auf strategisch wichtige Ziele verübte.

    Sie erdachten eine kleine Stadt unter der Erde, in der die Menschen, die sich der UGO (Untergrundorganisation) angeschlossen hatten, lebten. Hierbei ging es nicht nur um Einzelpersonen, die in der unterirdischen Stadt Zuflucht suchten, sondern es waren zum Teil auch ganze Familien, die von der Regierung verfolgt wurden und hierher kamen. Die Verbrechen, die man den Männer und Frauen vorwarfen, waren zu einem Großteil frei erfunden. Die Menschen waren unbequem, stellten zu viele Fragen und stellten auch zu viel in Frage. Deshalb wurden sie gejagt. In dieser Geschichte ging es aber im Besonderen um zwei junge Frauen, die sich dieser UGO angeschlossen hatten und sich dann in zwei Männer verliebten, die ebenfalls dieser Organisation angehörten.

    Jedwede Ähnlichkeit mit lebenden Personen war natürlich rein zufällig. Aber die beiden jungen Frauen waren natürlich Charlotte und Emily und die beiden Männer zwei Jungs aus den höheren Klassen, für die sie schwärmten.

    Nun, diese beiden Männer in der Geschichte waren so etwas wie Doppelagenten. Was anfänglich für Verwirrung sorgte und schlussendlich dazu führte, dass die beiden jungen Frauen, die beiden Männer festgenommen hatten. Woraus sich dann neben der Geschichte um die UGO auch eine kleine romantische Liebesgeschichte spannte.

    Charlotte und Emily verbrachten Stunden damit, die Geschichte immer weiter auszubauen, sich neue Charaktere auszudenken und ließen die beiden Heldinnen der Geschichte immer wieder neue Fälle lösen.

    Eingeschickt hatten sie ihre kleinen Geschichten jedoch nie. Sie schrieben sie nur für sich, einfach zum Zeitvertreib.

    Als sie die Berufsfachschule erfolgreich beendet und jede ihre Ausbildung angetreten hatte, hatten sie plötzlich nicht mehr so viel Zeit für sich wie früher. Als dann beide auch noch einen festen Freund hatten, trafen sie sich nicht mehr so oft, aber eben so oft sie eben konnten. Außerdem gab es ja noch das Telefon und wenn die beiden erst mal ins quatschen kamen, dann konnten schon mal ein oder zwei Stunden ins Land gehen.

    Emily bekam nach der Ausbildung einen Job in Hamburg und zog zusammen mit ihrem Freund dahin. Charlotte blieb in Kiel und kaufte sich Jahre später mit ihrem gemeinsamen Lebensgefährten ein kleines Reihenhäuschen. Nun konnten sich die beiden Freundinnen erst Recht nicht mehr so oft sehen aber sie besuchten sich oft und telefonierten zuweilen mehrmals in der Woche.

    Vor 10 Jahren

    „Ich geh´ dann jetzt" rief Charlotte, die wusste, dass ihr Lebensgefährte nach der Arbeit mal wieder im Keller verschwunden war und an irgendetwas herumbastelte.

    „Wo willst du denn hin?" verlangte er brummig zu wissen.

    „Ich gehe mit Andreas ins Kino… das hab´ ich dir doch erzählt… ich hatte dich letzte Woche gefragt ob du mit willst, aber du wolltest ja nicht." Charlotte spürte wie sich bei ihr schon wieder Ärger breit machte, weil er sich nie merken konnte oder wollte, wenn sie mal etwas vorhatte.

    „Und was ist mit Essen?" fragte ungehalten.

    „Was soll damit sein?"

    „Ich habe noch nicht gegessen…" kam es pampig zurück.

    Charlotte hätte jetzt einfach sagen sollen, dann mach dir dein Essen doch selbst. Aber nein, stattdessen holte sie wütend ein Paket mit Fischstäbchen aus dem Gefrierfach und einen Beutel für Kartoffelpüree aus dem Küchenschrank.

    Binnen weniger Minuten hatte sie beides auf dem Herd. Als das Wasser für das Püree kochte rührte sie die Milch und die Flocken hinein. Sie wendete die Fischstäbchen und rief dann in den Keller „Essen ist fertig!"

    Dann nahm sie ihre Sachen und ging. Es war ihr egal, ob er rechtzeitig aus dem Keller kommen würde, bevor die Fischstäbchen in der Pfanne zu schwarzen kleinen Rechtecken verbrannten waren und das Kartoffelpüree im Topf angesetzt hatte.

    Sie war so wütend, dass sie froh war, dass sie noch einige Schritte zu gehen hatte, so hatte sie wenigstens Zeit sich wieder etwas zu beruhigen.

    Als sie an der Wohnung ihres besten Freundes angekommen war, wartete er schon draußen auf sie.

    „Entschuldige, dass ich etwas zu spät bin…" sagte sie und sie umarmten sich freundschaftlich.

    Andreas lächelte und winkte ab „Wir haben noch genug Zeit."

    Sie setzten sich in sein Auto und fuhren in die Stadt.

    „Ehrlich begann sie, immer noch wütend auf ihren Lebensgefährten, „ich war eben kurz davor meine Koffer zu packen!

    „Was war denn diesmal?" wollte Andreas wissen und Charlotte erzählte es ihm.

    Andreas war seit der Schulzeit, neben Emily, Charlottes bester Freund. Sie konnte mit ihm über alles reden und er war immer hilfsbereit und für sie da, wenn sie ihn brauchte. Und das wir uns hier gleich richtig verstehen: Andreas war weder schwul noch hatten er und Charlotte mal etwas miteinander. Sie waren einfach nur beste Freunde. Auch wenn Zweifler meinen, so eine Freundschaft würde es zwischen Mann und Frau nicht geben. Es gibt sie!

    Als Charlotte am gleichen Abend in ihrem Bett lag, konnte sie einfach nicht zur Ruhe kommen, während ihr Lebensgefährte neben ihr mal wieder laut schnarchte.

    Sie machte sich nichts mehr vor, die Beziehung mit ihrem Lebensgefährten war schon vor langer Zeit zur Routine abgeflacht. Sex empfand sie nur noch als Pflichtübung und Liebe war praktisch nicht mehr vorhanden. Jedenfalls liebte sie ihn nicht mehr. Sie hatten glücklicher Weise nie geheiratet und Kinder hatten beide nie gewollt. Oftmals dachte sie darüber nach, dass sie es begrüßen würde, wenn er sie betrügen würde. Denn dann hätte sie einen Grund gehabt ihn zu verlassen. Aber das tat er nicht. Jedenfalls nicht das sie davon gewusst hätte.

    Sie wusste aber eines, sie wollte diese Beziehung nicht mehr. Brachte aber nicht den Mut auf um endlich einen Schlussstrich zu ziehen. Über 10 Jahre waren sie jetzt zusammen und die ersten fünf Jahre waren sehr schön gewesen. Aber nach einem gemeinsamen Urlaub im Ausland hatte sich etwas in Charlotte verändert. Sie hatte sich verändert. Sie wollte mehr vom Leben, wollte mehr aus sich machen und fühlte sich zusehend eingeengt in der Beziehung mit ihm.

    Anfänglich hatte sie das alles einfach abgetan, ihre Wünsche hinten angestellt.

    Ja selbst eine damalige Freundin, mit der sie über ihre Gefühle und Gedanken gesprochen hatte, hatte zu ihr gesagt, dass im Urlaub nun mal eben alles besser aussieht als zuhause und das sie jetzt wieder im „richtigen" Leben wäre und nicht mehr darüber nachdenken sollte. Im richtigen Leben? Charlotte hatte eine Weile darüber nachgedacht und obwohl sie tief in sich drin wusste, dass diese Freundin im Unrecht war, sprach sie nie wieder mit ihr über ihre persönlichen Gefühle.

    Was ist denn schon das richtige Leben? Und wer bestimmt das?

    Sollte nicht jeder so leben können, wie er möchte? So wie er am glücklichsten ist?

    Das Leben dauert ja schließlich nicht ewig. Sollte man da nicht versuchen, das Beste draus zu machen? Und zwar das Beste für einen Selbst?

    Ob man nun allein oder zu zweit glücklicher ist, das muss doch jeder für sich entscheiden. Ob man in dem Land in dem man geboren wurde glücklich ist oder es nur in einem anderen Land der Erde sein kann, auch das ist doch jedem selbst überlassen.

    Ob nun im persönlichen oder beruflichen Bereich, Charlotte war der Ansicht, dass jeder versuchen sollte, das Beste aus seinem Leben zu machen, denn leider hatten wir alle nur ein Leben.

    Und ist es nur ein richtiges Leben, wenn man in einer Beziehung lebt? Vielleicht Kinder hat und das Vorzeigehäuschen mit Vorgarten und weißem Lattenzaun, so wie die damalige Freundin behauptet hatte?

    Das mag für viele funktionieren, für Charlotte aber nicht.

    Hat es damals nicht und wird es heute auch nicht.

    Sie war schon immer sehr kreativ gewesen aber in ihrem Beruf war sie sehr weit davon entfernt kreativ sein zu können. Und sich einen neuen Beruf zu suchen stand damals auf keinen Fall zur Debatte. Als sie das Thema mal hatte anklingen lassen, hatte ihr Lebensgefährte nur verächtlich geschnaubt und gemeint, sie solle sich diesen Unsinn aus dem Kopf schlagen und mal wieder zurück in die Realität kommen. Und damals hatte sie noch das getan, was man ihr gesagt hatte.

    In jeder Beziehung gibt es bekanntlich ja auch mal Stress und Ärger. Das wusste Charlotte, aber weil sie selbst zusehends unzufriedener mit ihrem Beruf und vor allem mit ihrer Beziehung wurde, hatte sie angefangen jede Tat und jedes Wort von ihm auf die Goldwaage zu legen. Und das Ergebnis, war immer zu seinen Ungunsten ausgefallen.

    Sie hatte es einfach satt, dass ausschließlich sie diejenige war, die Kompromisse einging. Besser gesagt, sie gab den Wünschen ihres Partners nach, da mit seiner schlechten Laune nicht gut zu Leben war.

    Und das bei so banalen Dingen wie beispielsweise dem Abendessen.

    Was für einen Aufstand es jedes Mal gegeben hatte, wenn sie mal

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