Stehaufmännchen - Die Kraft zu leben: Wendezeiten
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Über dieses E-Book
Beschreibt die Jahre 1989 bis 2007. Ich berichte wie ich die Wende erlebt habe und vom Leben mit einem Alkoholiker, sowie den tiefen Abhang, den ich dadurch hinab gestürzt bin. Ich erzähle über das Weglaufen vor mir selber in einem anderen Bundesland und wie ich es dennoch geschafft habe, mir aus dem Nichts wieder eine Existenz aufzubauen. Ich beschreibe einen schier endlos anmutenden, steinigen Weg, den ich gegangen bin. Ich habe mein Ziel erreicht, weil ich den Mut nicht aufgegeben, neue Türen gefunden und sie auch geöffnet habe. Emotional halte ich die letzten Lebensmonate meines Vaters und dessen Tod 1992 fest. Ich berichte von meiner Unfähigkeit, meine große Liebe zu vergessen, sowie dessen Tod 2007, sodass ich diesen 2. Teil in einer bewegenden Fantasiegeschichte enden lasse, die mir aber letzten Endes geholfen hat damit umzugehen. Bleibt der Wunsch und die Möglichkeit irgendwann in meine Heimat zurück zu kehren ein Traum?
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Rezensionen für Stehaufmännchen - Die Kraft zu leben
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Buchvorschau
Stehaufmännchen - Die Kraft zu leben - Margarithe W. Mann
Idioten stürzen ab
Ich habe keinen Drang verspürt zum sogenannten Klassenfeind zu fahren, ... jedenfalls vorerst nicht, zumal ich mir bei Onkel Bertram seinerzeit ein Bild zumindest von den „äußeren" Begebenheiten verschaffen konnte. Zum anderen bin ich auch irgendwie mit mir selber beschäftigt, mit mir und den Gedanken die nicht aufhören und keine Ruhe geben, egal was ich tue. Innerhalb kürzester Zeit kommt alles zusammen, Erinnerungen an Frank und dennoch der Wunsch nicht mein weiteres Leben ohne Partner fortsetzen zu wollen und hoffentlich ergeht es Henny in Gütersbach gut. Ich weiß manchmal überhaupt nicht was ich will oder machen soll. Ich mache mich auf den Weg nach St. Josef, trotz ungemütlichen Wetters, die Pferde und Simon sorgen immer für eine Art Gemütsausgleich, aber diesmal hielt es eine Enttäuschung bereit, Simon hat eine neue Freundin, es trifft mich ein wenig, obwohl es mir ja eigentlich egal sein könnte, ist es mir aber nicht wirklich und es ärgert mich, ... aber schließlich war ich diejenige, die ihm in einer gewissen Beziehung aus dem Weg gegangen ist, ... eben weil ich ihn als zu jung für mich eingestuft hatte. Ich gebe vor, müde zu sein und gehe wieder nach Hause.
Im Sanatorium werden Stimmen laut, sie sagen die Klinik werde nicht mehr lange existieren, es fallen die Worte wie Verkauf und Treuhand. Es bleiben Fragen offen, was soll mit den geplanten Kuren der Patienten werden?, ... und was wird aus den Mitarbeitern, die dort arbeiten und wohnen, wenn das Haus geschlossen wird?. Fast im gleichen Atemzug ruft erneut Udo an: „Hast Du es Dir nun überlegt?, ... würdest Du zu mir nach Domstedt ziehen?". Ich werde momentan mit der gesamten Situation nicht fertig und glaube allen Ernstes, es wäre eine gute Lösung wenn ich mit alldem nicht mehr konfrontiert werde, ... wenn ich also ganz woanders hin gehe. Ich kann nicht mehr beschreiben wie ich mich fühlte, ... so mache ich den gleichen Fehler noch einmal und laufe vor mir selber davon, dabei soll sich bald schon herausstellen: es war der größte Fehler, den ich bisher in meinem Leben verzapft habe. So gehöre ich noch heute für das, was ich selber angerichtet habe, geteert, gefedert und ans Brett genagelt. Schließlich habe ich mir nicht nur selber damit sehr weh getan, sondern auch anderen, von meinen Kindern und den Eltern ganz zu schweigen. Ich fiel einen Abhang hinunter und riss die anderen mit in die Tiefe, in dem ich dem Udo zusagte, und meinen Arbeitsvertrag kurzfristig kündigte.Typisch für mich war wieder, dass ich alles durchzog, obwohl ich es, als dann alles endgültig war und der Umzug bevorstand es nicht mehr wollte. Ich war unfähig wie so oft, mich von Ungewolltem zu lösen und mich zu befreien. Heute ist mir ein Rätsel wie es überhaupt möglich ist, dass man dem Sog, den manche Menschen auf einen ausüben nicht entgehen kann. Wie schon im ersten Teil meiner Aufzeichnungen gesagt habe ich mich endlich davon befreit, es hat lange gedauert, länger als zwei Drittel meines Lebens habe ich dafür gebraucht, ... aber ich habe es geschafft.
Noch zu Ende November 1989 kündige ich kurzfristig mein Arbeitsverhältnis, sowie meine schöne Wohnung im Klinikum und bin mir nicht im Klaren, was ich damit anrichten würde. Zuerst der echten Überzeugung das Richtige zu tun, frage ich in meiner Naivität Carlo, ob es ihm für immer an der Ostsee gefallen würde. Was wohl soll ein Kind in seinem Alter anderes antworten als: „Ja, dann können wir wieder ganz viele Muscheln und Krebse sammeln!", ... verrückt, ... nicht wahr?. Irriger Weise ist zugleich der Gedanke da, dass man Henny des öfteren während ihrer Ausbildung besuchen könnte, dabei stellt sich doch die Frage: und dann?, wenn die Ausbildung zu Ende ist?, die dauert doch nicht ewig, ... .
Zeitweise bessert sich meine Stimmung etwas, es kommen Augenblicke, an denen ich gar nicht mehr hundertprozentig überzeugt bin von alledem was ich vorhabe. Ich ziehe es aber Dank meiner Verrücktheit vor nun alles durchzuziehen, eben auch, weil ich nun schon überall propagiert habe, was ich tolles vorhabe, … und zu feige bin, zu sagen: nein, ich mache das doch lieber nicht. Es mir mehr als nur schwer fällt zu gehen, ich bringe damit fast alle zum heulen, … trotzdem ziehe ich mal wieder alles durch, … wie schon tausendmal gesagt, kann ich heute keinen Bruchteil dessen, was ich mir dabei gedacht und getan habe nachvollziehen.
Die sogenannte Wende bringt vielen Menschen nichts Gutes mit sich, manche trifft keine Schuld, ... manche, so wie ich tragen einen Großteil an Eigenverschulden mit sich herum. Mir, ... und vielen anderen Menschen ist zum Zeitpunkt des Mauerfalls gar nicht bewusst, was es eigentlich bedeutet, wenn man so einfach sagt: jetzt ist die Mauer ist weg. Viele von ihnen sind regelrecht euphorisch, sie kaufen sofort Autos, ohne sich zu informieren, was es eigentlich noch wert ist, … aber Hauptsache erst mal ein Auto. Ich habe noch heute nicht viel Ahnung davon, aber so doof war ich nun auch wieder nicht, dass ich wie so mancher ein Auto kaufe, ein teures Auto, ... ohne zu wissen, welch` Schrottkarre sie sich haben aufschwatzen lassen. Ein anderer dafür war froh es los zu sein und konnte sich für das Geld ein fast neues kaufen. Plötzlich war alles, was wir bei uns in der DDR hatten schlecht, nichts Gutes blieb zurück. Fast alles jubelt, denn es gibt von heute auf morgen überall Bananen und „guten Kaffee. Es werden Kredite angeboten, mit viel zu hohen Zinsen. Oft gibt es diese Kredite über sogenannte Kreditvermittler, die eine hohe Bearbeitungsgebühr kassieren, dann aber keinen Pfennig des versprochenen Kredites auszahlen. unzählige Versicherungsvertreter überfluten die kleine DDR, Versicherungen, die man niemals brauchen würde werden schmackhaft gemacht, ihre Verkäufer verdienen sich damit eine goldene Nase. Fabriken und Betriebe werden plötzlich geschlossen, ... die Technik ist hinterm Mond, sagt man. Es dauert nicht lange, da haben wir sie auch: Arbeitslosigkeit, … was wir in der DDR ja nun überhaupt nicht kennen, ... und, und, ... . Das heißt nicht, bei uns in der kleinen Republik ist alles toll und in Ordnung gewesen. Der Staat hat sich aber selber zugrunde gerichtet, ... manches hätte eben nicht so sein dürfen wie es war, ... wie schon angesprochen, die viel zu niedrigen Mieten, ... wovon sollten die Wohnungen renoviert werden?. Es kann auch nicht sein, dass man als Kleingärtner für sein Obst mehr Geld bekommt, als es anschließend im Laden kostet. Um noch einmal auf das „Eingesperrt sein
in der DDR zurückzukommen, ... zu verurteilen sind natürlich die Vorkommnisse an der Grenze, ... keine Frage, ... hätte man uns doch reisen lassen, wo man gern hin gewollt hätte, ... und wenn ich nur an das Gesundheitswesen denke, ... wenn so mancher gemerkt hätte, in der DDR ist genanntes, wie so manch `andere Dinge auch nicht schlecht, ... sie wären wieder zurückgekommen, ... die meisten von ihnen jedenfalls. Ich glaube, dass sich, wenn man uns nicht eingesperrt hätte, ... wenn ich den Ausdruck wieder anwenden darf, ... dann hätte sich sicher nach einem vorausgegangenen Durcheinander im gemeinsamen Deutschland vieles von selber gelöst. Zumindest hätte man nicht übereilt alles, was es bei uns gab, abschaffen sollen , sondern aus jedem Teil Deutschlands das beste herauspicken sollen, um etwas Gemeinsames daraus zu machen, ... eben Einigkeit im vereinten Deutschland, ... aber noch heute, bald zwanzig Jahre später gibt es noch immer ungleiche Löhne und Renten, mit welchem Recht verdient man im „Westen mit gleicher Ausbildung im gleichen Beruf mehr als im „Osten
?, ... warum bekommen westdeutsche Frauen mehr Rente als Ostdeutsche?, obwohl wir Frauen in der DDR, außer unseren kleinen Babypausen immer in Vollzeit gearbeitet haben und auch zumeist mehr Kinder geboren haben als die westdeutschen Frauen, die ja auf Grund ihrer Mutterschaft nur stundenweise arbeiten „konnten, weil sie sonst alles andere im Haushalt nicht schaffen oder geschafft haben?. Warum verdienen Frauen, die im Beruf die gleiche Voraussetzung erfüllen wie ihre männlichen Kollegen weniger als diese?, ... mit welchem Recht bitte?. Bald schon kristallisiert sich diese „Schere
heraus, das heißt, es gibt schon fast keinen Mittelstand mehr. Es gibt keine breite Masse mehr, so wie es in der DDR war, in dem Sinne, dass in Etwa alle, bis auf Ausnahmen, die sich aber relativ gering halten; und bis auf die Obrigkeit natürlich, das gleiche Einkommensniveau hatten. Besser Verdienende wird es immer geben, das ist eine unabänderliche Tatsache in jeder Gesellschaftsordnung. Aber jetzt ist es so, dass es Leute gibt, die nicht wissen, wohin mit ihrem vielen Geld, während andere nichts zu essen haben und ihr Quartier im Freien aufschlagen müssen. Solange keine Gleichberechtigung geschaffen wird, was vor allem Löhne und Renten betrifft, so lange wird es immer „Ossi und „Wessi
bleiben. Wie steht es um unser Gesundheits - und Sozialsystem in der gegenwärtigen Zeit? .Na, ja, ich möchte aus und mit meinem Buch keine politische Abhandlung produzieren. Es würde Seiten füllen, und wenn die Aufzeichnung meines Lebens dann ein Schulaufsatz wäre, würde der Lehrer darunter schreiben: Thema verfehlt!. Aber weil die Politik ja auch irgendwie immer den einzelnen Menschen beeinflusst, so auch mich, möchte ich es halt nicht ganz und gar „außen vor" gelassen haben und werde sicher im Laufe meiner Niederschrift, dazu die eine oder andere Andeutung machen und meinen Kommentar abgeben.
Jedenfalls spricht es sich in unserem Sanatorium ganz schnell herum, dass ich noch vor Weihnachten gehen würde, am schlimmsten war es, mit meinen Eltern darüber zu sprechen, meine Mutter schreit mich an vor Entsetzen, mein Papa sinkt in sich zusammen und sagt nichts. Ich gebe mir heute noch die Schuld daran, weil es fort an mit seiner Gesundheit abwärts ging. Heute weiß ich, es ist manchmal ein blöder Satz, wenn man sagt: Ich bin doch nicht aus der Welt. Ich spreche an diesem Tag kaum noch ein Wort mit meinen Eltern, bzw. sie nicht mit mir, ... ich gehe einfach. Am gleichen Abend bin ich noch bei Jasmin, sie sagt nur: „Du spinnst doch!, ... weißt Du das?. Am vorletzten Arbeitstag treffe ich Willi im Flur: „Ich habe gehört, Du gehst fort?, ... sag` bitte, dass das nicht stimmt
. Er zieht mich an sich und flüstert: „Du, ... ich brauche Dich doch, ... Du kannst doch nicht so einfach gehen, ...das geht nicht. Ich beginne zu stottern. „ ... Willi, … ich, ... Du, ...
. „Ich hab` es Dir nie gesagt oder spüren lassen, dass Du nicht nur eine Affäre für mich bist, ... bitte überlege es Dir,... bleib` doch hier, ... bitte!. Ich bin verwirrt und auch berührt von dem was er sagt, aber antworte nur: „Tut mir leid, Willi, ... aber alles ist zu spät, ... ich muss gehen, ... aber vergessen werde ich Dich sicher nicht, ... glaube es mir
. Es kommen Patienten in Richtung Labor, aber er küsst mich trotzdem auf den Mund. Ich befreie mich aus seinen Armen und drehe mich um. „Adieu Willi, ... mach` s gut, ... vielleicht sehen wir uns ja mal wieder!. „Ja, ... denn, ... man kann nie wissen
, er seufzt kurz und geht ohne sich noch einmal umzudrehen seiner Wege, er lässt ein sonderbares Gefühl zurück. Am nächsten und letzten Tag feiern wir noch ein wenig in der Kantine meinen Ausstand und trinken Wein. Wir sind recht viele, natürlich sämtliche Laborkollegen, der Oberarzt Dr. Abschied, die Kurierfahrer und Angestellte aus der Küche, natürlich auch die Katarina, die am Schluss als ich gehe mit Sibylle um die Wette heult. Die nächsten paar Tage habe ich noch frei, ich packe die Reste in, bzw. aus meiner Wohnung zusammen. Ich fahre nochmal mit dem Bus nach Seelstein und gehe zur Sonnenburg, anschließend zu meiner Freundin Hanni um auch ihr tschüss zu sagen. „Ach, meine gute Meggy, ... die älteste und die jüngste, meint sie. „Ich hoffe nur für Dich, dass Du es richtig machst, aber ich werde Dich vermissen, Du wirst mir doch hoffentlich schreiben, ... und sag` auch, wenn es Dir schlecht geht
, spricht sie, als ich bereits wieder in der Tür stehe. „Ja, ... meine Hanni, ... das mache ich ganz sicher, ... versprochen, ich drücke sie noch einmal und fühle mich gar nicht gut. Zurück zum Bahnhof fahre ich ein letztes Mal mit dem Barkas nach Lohra mit. Es ist so als würde ich durch dichten Nebel fahren, ich kann keinen klaren Gedanken mehr fassen. Ich bitte den Kurierfahrer, mich an der Querstraße zu St. Josef abzusetzen, ich will mich noch von Familie Peters verabschieden. Ich steige also aus und gehe den kleinen befestigten Feldweg nach St. Josef zu Fuß. Noch heute habe ich, wenn ich darüber schreibe ein Gefühl, als wäre mein Herz ein Klumpen, der schwer in meiner Brust liegt und noch genauso schmerzt wie damals, nur dass ich heute wie gesagt keine Antwort darauf finde, warum ich mir diese Schmerzen angetan habe. Als ich ankomme ist es dunkel, auch im Stall brennt kein Licht mehr. Auf mein Rufen im Hausflur dringt wie immer Charlottes liebe Stimme an mein Ohr: „Komm` rein Meggy
. In der Küche ist es schön warm, ein Adventsgesteck steht auf dem Tisch. Martin ist nicht da, Kuno sitzt am Tisch und liest Zeitung, Simon nestelt an einem Taschenkalender herum und legt ihn beiseite als ich eintrete: „ Na, mein Herzblatt, ... was gibt es denn ? , will er wissen von mir. Ich lasse mich wie ein nasser Sack auf einen Stuhl fallen. „Jaaaa, ... ich, ... ich, ... ich wollte Euch tschüss sagen,... ich ziehe noch vor Weihnachten zu meinem Freund Udo an die Ostsee
. „Also stimmt es doch, ... ich habe es schon gehört, ... aber ich wollte es nicht glauben, ... Mädchen, was ist denn das für eine Idee?, meint Kuno, er wackelt mit dem Kopf, aber im Gegensatz zu sonst finde ich es nicht mehr lustig. „Du willst fort?, ... nee, ... das glaube ich nicht, ... Du findest es gut, an die Ostsee zu ziehen?
, sagt Simon ehrlich verblüfft, er steht auf und holt aus dem Küchenschrank ein paar Gläser und gießt jedem einen Korn ein. „Jetzt will ich es nochmal aus Deinem Munde hören, dass Du gern von uns allen hier weg willst!. Er trinkt das Glas in einem Zuge aus während Kunos Hand derart zittert, dass er die Hälfte dabei vergießt und den verbliebenen Rest umständlich austrinkt. Ich kann irgendwie nichts mehr sagen. „Du willst doch überhaupt nicht von hier fort
, spricht Simon weiter, er packt mich an den Schultern und schaut mich an. Ich weiß, er hat recht und spätestens jetzt hätte ich mein Vorhaben rückgängig machen müssen, ... jetzt, nachdem Simon versucht hat mir diese Brücke zu bauen. Eine letzte Gelegenheit die ich nicht wahrgenommen habe, aus meiner Situation wieder herauszufinden und meine falsche Entscheidung in eine Richtige umzuwandeln, ... der Mut dazu war nicht da.-
Drei Tage vor Weihnachten kommt der Möbelcontainer in Wiesenstadt an, kurz vorher bin ich mit Carlo mit dem Zug gefahren, ich habe noch immer nicht registriert, wie endgültig das alles ist und habe ein Gefühl, als wäre das alles nur vorübergehend, ... so als fahre ich nur in den Urlaub. In Wiesenstadt muss noch alles auf einen Transporter umgeladen werden. Es ist nicht besonders viel, den größten Teil meiner Habseligkeiten muss ich leider abgeben, Udo hat auch Möbel, zwar lange nicht so schöne wie es meine sind, aber es ist kein Platz da, um meine Dinge aufstellen zu können. Am meisten tut mir leid, dass ich deshalb den schönen Bauernschrank meiner Großeltern zurücklassen muss, es ist einfach keine Möglichkeit dafür da, ... wie für so manche andere Dinge, die mir an` s Herz gewachsen sind. Den Bauernschrank habe ich dem schönen Willi auf seinen Wunsch hin überlassen, er möchte ihn als Erinnerungsstück an mich behalten und eine Hausbar daraus machen. Trotzdem ist es eine ganz schöne Möhlerei, ich habe noch immer nicht geschnallt was da eigentlich „ab geht und Carlo schon gleich überhaupt nicht. Nach einer Weile umräumen, wird mir erst richtig bewusst, was das eigentlich für eine schreckliche Wohnung ist, die von Udo, ganz abgesehen davon, dass sie viel zu klein für uns alle ist. Diese Wohnung ist am Hennensteig 12, in Domstedt eben, in einem alten, nicht gerade gut erhaltenen Mehrfamilienhaus. Es ähnelt in der Art und Weise wie damals dem in Seelstein, in der Melissengasse, nur dass die Bewohner hier alle glücklicher Besitzer einer eigenen Toilette, bzw. eines Badezimmers sind. Es gibt so gut wie keinen Flur, wenn man zur verschrobenen Haustür hereinkommt, ist da eine „Riesenfläche
von ca. 1 bis 2 m2 . Links und rechts ist eine Wohnung, links eine Familie mit zwei Mädchen, eines zu der Zeit 12 Jahre alt das andere 3 Jahre. Gegenüber wohnt eine ältere Dame mit zwei oder drei Katzen, oft dringen aus ihrer Wohnung stark muffige und üble Gerüche, ich denke mal, es kommt daher weil sie, wie ich später mitbekomme ein „Messi" ist, ... auch etwas was ich vorher nicht kannte. Von hier aus führt unmittelbar vor einem eine steile Treppe mit 15 Stufen hinauf bis zu einem podestartigen Absatz gleicher Größe wie unten. Links ist nun Udos Wohnung , rechts die einer Familie mit einem Jungen in Carlos Alter. Zur Tür eingetreten steht man unmittelbar gleich in der mehr als nur kleinen Küche mit einem uralten Schrank und einem noch älteren Tisch. Dem gegenüber ist die Abwäsche, links davon das Fenster zur Straße. Zwischen dem Küchentisch und dem Gas - Kohle - Herd ist die Tür zum Schlafzimmer, auch klein und uralt. Rechts neben der Eingangstür zur Wohnung ist ein Durchgangszimmer, besser gesagt ein sogenannter Alkoven, von dem man ins Bad gelangt, welches noch das Beste an der ganzen Horntie ist, ... gefliest und mit einem Kohlebadeofen. Geradeaus der Küche ist eine kleine Stube mit Fenster zum Hof. Wie im Bad auch, schaut man von hier aus auf einen kleinen total verwilderten Garten neben dem eigentlichen Hof. Mein Gedanke ist, ... mein Gott, wohin hast du eigentlich dein Kind verschleppt?, anders kann man es nicht bezeichnen, was habe ich mir nur dabei gedacht?, was habe ich da bloß wieder angerichtet?. Wo nur ist deine schöne Wohnung?. - Wie gesagt verstehe ich da alles heute selber nicht mehr, zumal ich doch diese schäbige Wohnung gesehen habe, ... mehrmals, wenn wir bei Udo zu Besuch waren, ich kann das nur tausendmal wiederholen, ... aber ich kann es aber nicht rückgängig machen, nur mich selber immer wieder dafür verurteilen.
Weihnachten kommt, ich bereite zu Hause den Karpfen zu, Henny kommt aus Gütersbach, Carlo hat zu meinem Erstaunen gleich Kontakt mit dem Nachbarsjungen Raffael aufgenommen, sie spielen bereits miteinander, ... Gott sei Dank etwas. Ein Arbeitskollege und eine Kollegin von Udo sind zum Essen da, ... der Karpfen schmeckt, ... mir allerdings nicht wirklich, ich vermisse das gewohnte Weihnachten in Familie. Ich rede mir ein, ein schönes Fest gehabt zuhaben, zu mir selber sage ich: Was willst du eigentlich?, ... jetzt hast du doch eine vollständige Familie, die du immer haben wolltest!, ... die Kinder, ... und auch einen Mann, ... jetzt sei doch endlich zufrieden und jammere nicht herum. Der Udo hat dich gefragt, ob du ihn haben willst und du hast ja gesagt, .... du hast es dir selber ausgesucht und niemand hat dich gezwungen, du hast alles freiwillig gemacht. - Trotzdem, auch wenn ich mir das selber vor erzähle, kann ich dennoch keinen Spaß und Freude an diesem Weihnachtsfest finden, es ist das erste ganz ohne meine Eltern, das Silvester ohne meine Freunde, … dafür sind es die ersten Tage an denen ich erkennen muss: der Udo ist einer, der nichts und niemanden mehr liebt als den Alkohol. In den paar vorangegangenen Besuchen bei ihm, sowie während des Urlaubes ist es mir nicht aufgefallen, bei solchen Anlässen trinkt man ja oft ein Gläschen mehr, als es sonst üblich ist, aber heute sage ich mir: Du hättest es sehen und merken müssen.
Heute sage ich mir, was redest du dir da vor?, du hättest es doch merken müssen, ... als ich es an diesem Weihnachtfest mitbekommen habe, wäre es doch fast ein Leichtes gewesen zu sagen, ich nehme die Kinder, bzw., meinen Carlo und mache auf dem Absatz kehrt, … warum habe ich das denn nicht gemacht?, ... warum?, ... stattdessen habe ich auch noch zu jedem, der mich gefragt hat, wie es mir geht, gesagt und immer wieder geantwortet, es gefällt mir gut und es geht mir auch gut, … ausnahmslos zu jedem habe ich es gesagt und damit die nächste Chance verwirkt, alles rückgängig zu machen. Fast immer, wenn Udo nach Hause kommt, ist er nicht nur voll, sondern stechend voll, oft kommt er auch noch dreckig, weil er im Suff die Straße gemessen hat. Ich sehe immer zu, dass ich Carlo ins Bett bringe und dass er schläft bevor Udo nach Hause kommt. Ich will meinem Kind wenigstens nicht zumuten, sich das ansehen zu müssen. Ich mache mir eh schon genug Vorwürfe und schäme ´mich, dass ich das alles meinen Kindern und den Eltern einfach so vorgesetzt habe. Wie gesagt ist aber noch schlimmer, dass ich nicht den Arsch in der Hose habe zu sagen: Nein, das mache ich nicht mit, ich gehe zurück nach Hause, in meine Heimat, ich schäme mich, einzugestehen, was für einen Mist ich da wieder verzapft habe. Das Sanatorium, d.h. seine Existenz stand zwar schon auf der Kippe, ... aber es war zu dieser Zeit noch da, ... heute weiß ich, es hätte sich sicher eine Lösung gefunden. Dieser größte Fehler meines Lebens machte meine seelischen Zustände noch schlimmer als sie vorher waren, ... ich Idiot habe zu Anfang wirklich geglaubt, es würde besser werden, wenn ich weit genug weg bin, ... dann, als die Erkenntnis kam , es ist doch nicht richtig, war ich zu feige es rückgängig zu machen, ... na ja und da schließt sich der Kreis wieder: dann erst recht zu feige zur Umkehr.
Wir schreiben das Jahr 1990, ein neues Jahrzehnt hat angefangen, mit einer neuen Schulklasse für Carlo und einer neuen Arbeitsstelle für mich. Raffael der kleine Nachbarsjunge geht mit Carlo in ein und die selbe Klasse. Ich hoffe nur er wird sich einleben, ... heute denke ich: das arme Kind. - Kurz gesagt, meine Arbeit gefällt mit überhaupt nicht, wenn ich es ganz gelinde ausdrücke. Wenn ich dazu sage: sie ist schrecklich, dann trifft es schon eher zu. Ich bin zwar jetzt auch im Labor beschäftigt, ein bis zwei Bushaltestellen von Domstedt entfernt, aber in einer Einrichtung für Pflanzenaufzucht. Ich mag zwar Blumen, immer schon, aber das hier ist für mich einfach absolut gar nichts. Man sitzt den lieben langen Tag am Mikroskop und zählt Blüten - oder Pflanzenchromosome, ich langweile mich zu Tode. Jeden Morgen werde ich mir dieser ganzen Abscheulichkeit bewusst. Wenn ich mit den anderen sturen Fischkoppweibern auf den Bus warte, ist mir bereits der ganze Tag vergällt, ... er scheint unendlich zu sein, ... ein Tag kommt mir länger vor als der andere, ich bin jedes mal froh, wenn dann endlich Dienstschluss ist. Dieser Feierabend allerdings wird genau auf die Minute eingehalten, etwas, was ich ja nun überhaupt nicht kenne. Die Mitarbeiter sagen, wenn Feierabend ist, dann ist Feierabend, ... auch wenn jemand gerade noch einen Objektträger zur Begutachtung fertig gemacht und unter das Mikroskop legen will, lässt man buchstäblich alles fallen und macht am nächsten Tag weiter. Wie gesagt ist das ganz fremd für mich, angefangene Arbeit in der Klinik wurde zu Ende gemacht und blieb nicht einfach liegen. Wir gingen nach Hause wenn wir fertig waren, manchmal etwas früher, aber meistens viel später als unsere offizielle Arbeitszeit es vorschrieb, schließlich konnten wir nicht zu den Patienten sagen: nein, ... jetzt haben sie keinen Schock, ... kommen sie morgen wieder!. Ich weiß ziemlich schnell, ich werde das nicht lange, schon gar nicht bis an mein Lebensende aushalten. Die Kollegen sind ebenso wie die Arbeit stinkend langweilig, jedes Wort muss man ihnen aus der Nase ziehen, oft ist es so ruhig, dass man im wahrsten Sinne des Wortes hören würde, wenn eine Stecknadel herunterfällt, eine Stille die zur Nervosität führt. Bald scheint sich zu bestätigen, was man bei uns Schluchtenjodlern sagt: Es sind und bleiben Mecklenburger, … Fischköppe und stur eben, eine ganz andere Mentalität als die Menschen in meiner Heimat. Ich kann mit diesen Kollegen einfach nicht warm werden, ich vermisse die meinigen zu Hause, meine Patienten und die ewigen Debatten mit meinem Chef, meine Arbeit als solches die mir Spaß gemacht hat, von meinen Hobbys spreche ich lieber gar nicht erst. Von diesem tollen Arbeitstag und Ort zurück, mache ich meist gleich Schularbeiten mit Carlo, er geht dann mit Raffael nach Draußen zum spielen, ich räume in der Zeit die Horntie auf. Wieder habe ich das, was ich nun schon x mal hatte, es muss von Hand geheizt werden und ich bin, wie soll es auch anders sein, diejenige, die die Kohlen schleppt. Carlo ist noch zu klein dafür, aber oft pilgert er mit mir mit bis zum Schuppen im Hinterhof, wo die Kohlen lagern. Udo ist meist viel zu besoffen, um mir am späten Abend wenn er kommt noch Kohlen hereinzubringen. Am nächsten Tag findet er nicht aus dem Bett, wenn er sich irgendwann hochgerappelt hat, dann muss er zur Arbeit. Gott sei Dank ist es wenigstens so, dass Carlo am Abend schläft, und morgens mit mir zur gleichen Zeit los muss, bis auf zwei Tage, die Udo in der Woche frei hat, weil er am Wochenende arbeitet. Carlo muss zur Schule und ich zu meiner leidigen Arbeitsstelle. Einmal an einem Wochenende schicke ich Udo, bevor er zur Arbeit geht in den Schuppen, damit er mir noch Kohlen hereinbringen soll, ich bin so doll erkältet. Ich hätte es lieber selber machen sollen. Als er mit dem Kohleneimer die Treppe fast oben ist, stolpert er und der ganze Eimer samt Inhalt fällt mit unheimlichen Getöse die Treppe herunter. Raffaels Eltern, und natürlich auch die anderen Hausbewohner kommen gleich aus ihren Wohnungen, mir ist es einfach nur peinlich, habe mich für ihn und seinen Suff am heller lichten Vormittag geschämt. Als er weg ist, bereits blau auf dem Weg zur Arbeit, quäle ich mich damit, alles wieder in Ordnung zu bringen. Nie wieder habe ich ihn gebeten, Kohlen für uns hereinzuschaffen. Als er einmal irgendwann von der Arbeit kommt und ich noch „auf bin möchte ich gern mir etwas auf der Seele brennendes loswerden. „Du, ... Udo, ich glaube, ich halte es dort im Labor nicht mehr aus, ich werde nicht warm mit den Kollegen, sie reden kaum ein Wort mit mir und die Arbeit ist langweilig, sie füllt mich nicht aus, ... es gefällt mir überhaupt nicht dort
. „Du wirst Dich schon noch daran gewöhnen", ist der einzige Satz, den ich zur Antwort bekomme. Es hat wohl keinen Sinn, mit ihm darüber zu sprechen, aber ich kann mich nicht einleben, weder auf Arbeit, noch im allgemeinen überhaupt. Ich bin aber so bescheuert und antworte auch in Briefen, die ich von meiner Freundin Hanni und auch von Sibylle bekomme, jedes mal etwas anderes, ... nur nicht die Wahrheit, ich kann es nicht, ich schäme mich in meiner Beklopptheit dafür, wieder nichts, aber auch gar nichts richtig gemacht zu haben.
Im Februar reicht das Geld um nach Seelstein fahren zu können, Carlo hat Ferien, ... endlich, ich freue mich darauf. Das Geld ist ein wenig knapp geworden, etwas was mir eigentlich fremd ist, mein schöner Verdienst ist nicht mehr, so wie es einmal war, ... um nicht zu sagen: sehr wenig Geld bekomme ich jetzt nur noch. Der Umzug hat auch allerhand gekostet. Ich bin enttäuscht, dass Udo nicht einen Pfennig beigesteuert hat, ... er jagt es lieber durch die Kehle. Der Gedanke, hoffentlich reißt er sich zusammen, wenn wir bei meinen Eltern sind, beschäftigt mich unaufhörlich. Ich packe also die Koffer, Mitte Februar fahren wir nach Seelstein, wieder ist da dieses Gefühl: Ich fahre nicht in den Urlaub, sondern kehre aus ihm zurück und trete die Heimfahrt an. Meine Eltern freuen sich sehr und wir sind an einem Abend in der Gaststätte zur „Höhle. Es ist sehr schön, aber ich bin nur damit beschäftigt zu schauen, dass der Udo nicht so viel in sich hineinschüttet, aber meine Eltern haben wohl bereits den „Braten
gerochen wie man sagt. Fast warte ich darauf, dass sie diesbezüglich etwas sagen und vielleicht wäre es damit eine Art rettender Strohhalm gewesen, den ich hätte greifen können, um vor dem Abgrund noch im letzten Augenblick Halt zu finden. Sie sagen nichts in dieser Beziehung und ich bin wiedermal dabei, alles zu verniedlichen, spiele Komödie nicht nur vor mir selber und glaube dann fast selbst, dass alles so gut ist wie es ist und meine, nun eh` nichts mehr rückgängig machen zu können. Ein zweites Mal über den eigenen Schatten springen? ... das wird nicht gehen, ... dabei wäre alles so einfach gewesen, ... einfach nur mein verdammtes Maul aufmachen!. Ich höre meinen Vater fragen: „Na, wie ist es?, kommt Ihr zurecht?, geht` s Euch gut?, ... er sagt Euch, ich weiß, er meint damit die Kinder und mich, ... nicht Udo der sich angesprochen fühlt und für mich antwortet, bevor ich es selber tun kann. Er sagt: „Ja, klar, ... alles gut, … einen Antrag auf eine neue größere Wohnung habe ich auch schon gestellt, schließlich wollen wir ja auch heiraten, ... nicht wahr Meggy?
. Ich weiß zwar bisher nichts, weder von dem einem noch von dem anderen, und obwohl ich mich mehr als nur überfahren fühle, sage ich kein Wort. Ich weiß nicht mal mehr, ob ich mit dem Kopf genickt habe oder nicht. - Natürlich fahren wir auch nach St. Josef, ich freue mich fast unbändig darauf, aber Kuno hat üble Laune, ... auch hier zeigt sich die Wende, es gibt Probleme mit dem Land welches der Familie Peters gehört, er hat den Kopf voll damit, verständlich natürlich, ... Gott sei Dank ist das wenigstens nicht auch noch meine Schuld. Charlotte freut sich sehr über unseren Besuch, Simon nimmt mich in den Arm, ... ich kann nicht sagen wie gut es mir tut, ich schließe die Augen für einen Moment und genieße es einfach nur. Charlotte lädt uns ein, zum Mittagessen zu bleiben, ich erfahre noch mehr, allerdings nicht sehr schöne Neuigkeiten. Ein neues Fohlen ist in den Morgenstunden am Tag unseres Besuches geboren worden und will nicht trinken. Simon bemüht sich redlich um das neue Wesen und sagt zu mir: „Schade, dass Du nicht mehr da bist Meggy, das wäre mit Sicherheit die perfekte Aufgabe für Dich gewesen". Es macht mich sehr traurig was er da sagt, ... zur gleichen Zeit auch ein wenig stolz, ... ich denke an die gemeinsame Stallwache damals mit Simon zusammen. Die Schwarze Tulpe ist verkauft worden und Mister soll ebenfalls in den nächsten Tagen abgeben werden, ... mein Mister, ich bin wie vor den Kopf geschlagen, ich möchte dem Kuno am liebsten ein Messer ins Kreuz jagen obwohl er nicht schuld an den ganzen unvermeidbaren Zuständen ist, und eher ich dieses Messer verdient habe. Ich frage lieber nicht, ob es noch Sportfeste geben wird, geschweige denn welche Pferde dann dafür genommen werden sollen. Ich wäre so gern mit Simon ausgeritten, aber ich weiß nicht mehr, warum ich nicht danach frage. Nach dem Essen brechen wir auf, ich habe ein bleiernes Gefühl im ganzen Körper.-
Die Monate März und April 1990 ergeben keine großen Veränderungen in meinem Leben, ich mache das, was ich schon so oft in meinem Leben getan habe, ... zu versuchen aus der Situation, in die ich mich selber hinein manövriert habe, das Beste zu machen und darüber nachzudenken, wie es andere schaffen, nicht wie ich so ein unmöglicher Mensch zu sein, ich schimpfe mit mir selber und komme nicht weiter. Nach einer Weile gerate ich zu einem Punkt, an dem mir alles egal zu sein scheint, vielleicht bin ich nun auch irgendwie ganz verrückt geworden, weil ich zustimme, als Udo nach Hause kommt und sagt, er wäre auf dem Standesamt in Wiesenstadt gewesen und habe einen Termin gemacht, um uns zusammenschreiben zu lassen, ... am 22. Juni 1990. Außer den Kindern soll niemand dabei sein, ... nur Mittagessen wird geplant. Nicht einmal die Eltern, ... weder seine noch meine würden zugegen sein. „Wenn Deine Eltern mal hier auf Besuch sind, dann feiern wir mit meinen Eltern und meiner Schwester ein wenig nach. Ich hätte sagen sollen: Nein, ... das will ich so nicht, ... geschweige denn das alles überhaupt, aber ich stecke irgendwie in einem tiefen Loch fest, es ist alles dunkel, da komme ich sowieso nicht mehr heraus. Immer wenn ich es schaffe, mich ein Stück hochzuziehen, sodass ich ein wenig Licht sehen kann, tritt mir wieder jemand auf die Finger, dass ich mich nicht mehr festhalten kann und ich rutsche wieder zurück. „Is, gut
, sage ich nur. Wie alle diese Dinge, hundertmal beschrieben, ist es für mich heute nicht mehr nachvollziehbar, ... für so manchem Leser unglaubwürdig, ... und doch bittere Tatsache.
Jeder Tag verläuft gleich, immer wieder der verhasste morgendliche Gang zum Bus, zu einer Arbeit die mir keinen Spaß macht, am späten Nachmittag zurück nach Hause, welches mich mehr als eine Art Unterkunft anmutet, und nicht wie ein Ort, an dem ich mich heimisch fühlen kann. Nach Carlos Schularbeiten kommt der Besuch in der Telefonzelle, um Henny anzurufen, dann gleich anschließend noch mit meinen Eltern oder Arbeitskollegen zu sprechen, damit ich ihnen den Quatsch vom Glücklichsein und völligem eingelebt haben erzählen kann. Hinterher für mein Kind Abendessen zu machen und froh zu sein, dass ich wenigstens meinen Carlo bei mir habe, der sich ganz gut zurechtzufinden scheint, jedenfalls habe ich den Eindruck, dass es so ist. Dann sehe ich noch fern und warte, dass Udo von der Arbeit kommt und hoffe, es ist in einem einigermaßen erträglichen Zustand. Ich merke schon immer, ob er stark angetrunken ist oder weniger, an der Art und Weise wie er die Treppe heraufkommt, ... oder eben herauf stolpert. Es dauert dann nicht lange, dann grunzt Udo neben mir wie ein Wildschwein, was in der Erde herumwühlt. Ich kann nicht schlafen, weil die Gedanken die immer die gleichen sind, es nicht zulassen: Fühlt sich dein kleiner Mann hier wirklich einigermaßen gut ?, ... oder ist er dabei genauso ein guter Schauspieler zu werden wie du es bist?, ... macht Henny die Lehre noch Spaß?, hoffentlich schafft sie alles gut, ... du bist eine schlechte Mutter, ... was machen deine Eltern?, ... was denken sie?, glauben sie das, was du ihnen am Telefon erzählst?, ... ich allein bin schuld daran, dass es mit Papas Gesundheit abwärts geht, ... das ist so, ... ganz bestimmt sogar. Wie mag es deiner Freundin Hanni gehen?, ... glaubt sie mir, was ich schreibe?. Was machen die Kolleginnen?, ... ob sie manchmal an mich denken?. ... Sind wieder Patienten angereist die du kennst?. Quälende Gedanken an Frank kommen regelmäßig zurück, manchmal mischen sich Bilder von Benni darunter. Ich sehe mich mit Simon durch den Wald stieben, denke an Charlotte. Ich denke an Luka, warum habe ich kein Lebenszeichen mehr bekommen?,... wo ist er?, ... ob er Familie hat?, ... wenn er noch hier in der Nähe ist, ... jetzt ist die Mauer weg,. .. vielleicht kann ich ihn ausfindig machen?, ... aber wozu eigentlich?... . Was macht Marcel?, ... ich glaube schon nicht mehr daran, dass er irgendwann nach mir fragt, … ich fange an, mich an diese Gedanken zu gewöhnen, wie an so viele Gedanken, an die ich mich nun wohl oder übel werde gewöhnen müssen. Fast jede Nacht läuft alles wie ein Film ab, ... du bist selber schuld, ... du bist wieder weggelaufen, ... du bringst allen nur Unglück, wann willst du das ändern?, ... was wird noch alles kommen?. Am Morgen bin ich wie gerädert und fürchte mich vor dem kommenden Tag, der ganz genauso verläuft wie der Tag vorher.
Langsam wird es wärmer draußen, ich mache mich an den verwilderten Garten hinterm Haus und denke dabei an meinen kleinen hübschen Garten in Lohra, den ich mit so viel Schweiß und Mühe angelegt habe. Es wird eine Weile dauern bis ich diese Wüste hier so weit habe, dass ich sie als Garten bezeichnen kann.-
Dann kommen die Maiferien 1990, ich kann nicht anders, als mit Carlo nach Seelstein zu fahren. Ich muss zugeben froh zu sein, mich mit meinem Kind allein auf den Weg zu machen, Udo kommt diesmal nicht mit. Ich brauche mir keinen psychischen Stress zu machen der Alkoholgeschichte wegen. Es hört sich vielleicht doof an, aber ich schäme mich für ihn, sein Benehmen ist mir unangenehm und peinlich. Ich verabrede mich mit Sibylle und Katrin zum Essen, es ist ein schöner Abend. Sie fragen mich natürlich ob ich zufrieden bin mit dem was ich habe, und meinem damit verbundenen Schicksal. Ich alte Dappe antworte meist mit Gegenfragen und verschweige, dass der Tag des Zusammenschreibens bereits fest steht. Nach St. Josef bin ich diesmal nicht gegangen, ich bin immernoch betroffen vom letzten mal. Von Sibille erfahre ich auch, mein Mister ist tatsächlich verkauft worden, es tut ganz schön weh. Den Rest meines Besuches in der Heimat verbringen Carlo und ich bei und mit meinen Eltern am Steiger, wir haben sehr schönes Wetter. Als wir in Domstedt zurück sind, werde ich mit Dingen konfrontiert, die mir bislang unbekannt geblieben sind, sie galten bisher nicht für mich. In der Post ist ein Brief vom Pflanzenlabor, in dem ich bislang, wenn auch lustlos gearbeitet habe. Ich bin entlassen auf Grund personeller Probleme, die die sogenannte Wende mit sich gebracht hat. Ja, ... und nun?, ich weiß es nicht. Als Udo nach Hause kommt, kann ich diesmal sogar mit ihm reden, er hat von seiner Chefin eine Standpauke in punkto Alkoholkonsum bekommen. Ich erfahre es von Lore, einer Kollegin aus der dortigen Küche. Frau Gärtner hat ihm angedroht ihn zu entlassen, wenn er sich nicht zusammenreißt. Das Problem Arbeitslosigkeit ist mit eine mal da, ... wie aus dem Nichts, ... in der DDR wurde niemand so schnell entlassen, da mussten schon heftige Gründe vorliegen, aber jetzt?, ... aber jetzt ist es Gang und Gebe. Wenn man nicht mehr gebraucht wird, dann „darf man gehen. Die Begründung der Entlassung lautet so gut wie immer: ... Auf Grund der personellen Lage, ... . Nun weiß ich wie so viele andere Menschen nicht, dass es ein Arbeitsamt gibt, wo man in so einem Fall hingehen muss, um sich arbeitslos zu melden, ... niemand sagt einem etwas, ... genauso wenig, dass es so etwas gibt wie Arbeitslosengeld, was man eben auf diesem Amt beantragen muss. Es war nie aktuell für mich, vielleicht bin ich blöd, aber ich habe es eben nicht gewusst. Ich frage Udo, ob er weiß, was ich jetzt machen soll oder könnte. „Ja, das weiß ich auch nicht, musst halt mal sehen, ob Du etwas anders bekommst
. „Na sehr witzig, ... und was bitte?, ... wo soll ich hier wohl hin?, antworte ich. Zum ersten Mal bedaure ich, keinen Führerschein zu haben, jetzt braucht man nicht mehr so lange auf einen Lehrgang warten wie früher. Ich verwerfe aber den Gedanken gleich wieder, ... jetzt gibt es zwar Lehrgänge, ... aber dafür fehlt das Geld, ... und erst recht dafür, um ein Auto kaufen zu können. Eine Möglichkeit wäre es vielleicht, mich in einer Einrichtung des Gesundheitswesens, etwa im Labor des Städtischen Krankenhauses zu bewerben, ... dahin fahren Busse, ... zur Zeit jedenfalls noch, ... aber das ist nicht möglich wegen der Schichtarbeit von Udo. Er kommt erst nachts von der Arbeit, und vor allen Dingen kann ich mich nicht auf ihn verlassen. Jemand muss da sein, der Carlo versorgt wenn ich Spät, - oder Nachtschicht hätte. Hier in Domstedt, diesem kleinen Nest, werde ich kaum eine Möglichkeit finden, ... es gibt hier noch keine Rehaklinik oder ein Krankenhaus, wo man wenigstens stundenweise arbeiten könnte, ... nur zwei niedergelassene Ärzte, die statt miteinander, gegeneinander arbeiten und ihr Stammpersonal haben. Ich muss aber unbedingt Arbeit bekommen, erstens kenne ich nichts anderes und zweitens kann ich mich nicht auf Udo verlassen, ... manchmal gibt er mir Geld für den Haushalt, ... aber öfter eher nicht. Ich weiß nicht einmal genau, wie viel er überhaupt verdient. Mit dem Gedanken, dass es hier in Domstedt das einzige was es gibt Gaststätten sind, wegen des Urlauberbetriebes im Sommer, fällt mir etwas ein. Gegenüber von der nicht gerade glückbringenden Pension, in der ich mit den Kindern im letzten Jahr gewesen bin, gibt es eine Gaststätte. Im Urlaub waren wir dort hin und wieder zum Essen, Udo pries mich dort als seine „Neue
an. „Zur Marktmitte, heißt diese Gaststätte etwas kurioser Weise. Man könnte, wenn man das hört annehmen, der Markt sei riesengroß, wenn man die dortigen Begebenheiten nicht kennt. Na, ja, jedenfalls heißen die Inhaber Familie Vogenschmidt, Frau Vogenschmidt hat öfter gesagt, sie und ihr Mann können die Arbeit während der Saison kaum schaffen. Diese Arbeit habe ich noch nie gemacht, aber fragen könnte ich doch einmal, ... die neue Saison steht vor der Tür, vielleicht habe ich Glück und man kann mich irgendwie gebrauchen. Udo könnte ich samt seiner Gleichgültig auf den Mond schießen, ... ohne besagte Rückfahrkarte natürlich. Carlo ist indessen im Bett, Udo hat sich bereits das nächste Bier aufgemacht, ich weiß nicht genau ob Carlo schon schläft und spreche ein wenig leiser, ich will nicht, dass er mitbekommt, dass es Probleme gibt. „Du, ... sag` mal, ... ob ich mal nach der Gaststätte da am Markt gehen sollte, ... ich könnte doch mal fragen, ob man mich gebrauchen könnte
, spreche ich Udo an. „Ich weiß nicht, ... kannst Du ja machen, ... wenn Du denkst, meint er monoton. „Udo,... sag` mal, kann es sein, dass Dir das alles mehr oder weniger egal ist?, ... machst Du Dir gar keine Gedanken wie es weitergehen soll?
. Er zuckt nur mit den Schultern und sagt gelangweilt: „Das musst Du schon selber wissen, ... was Du arbeiten willst. „Na Du bist gut, ... ob ich mir das wohl aussuchen kann hier?, ... davon kann wirklich keine Rede sein, ... aber ich muss doch etwas tun!, ... oder bringst Du mir meine Sonnenburg mitsamt dem Labor hierher?, ich glaube sicher eher nicht
. Ich warte auf Antwort, aber es kommt keine, ich bin traurig und ärgerlich zugleich, sage ebenfalls nichts weiter und gehe zu Bett. Schlafen kann ich natürlich nicht, die gleichen Gedanken, die nach wie vor immer wieder kommen machen auch heute ihre nächtlichen Spaziergänge durch mein mich ewig zermarterndes, dummes Gehirn. Spät wie immer sind die Spaziergänger müde, ich schlafe ein und zucke zusammen als der Wecker klingelt. Ich stehe auf, genieße es, mit Carlo frühstücken zu können, dann geht Carlo zur Schule. Und was mache ich?, komisches Gefühl, ... keinen Urlaub zu haben , ... nicht krank zu sein und dennoch herum zu sitzen. Ich koche mir noch einen Kaffee, ... ja, ... so werde ich es machen, ... ich werde einfach mal zu Vogenschmidts gehen. Ich räume flink noch alles auf, mache mich ein wenig zurecht, um bei Familie Vogenschmidt mein Glück zu versuchen. Es wäre schon gut wenn sie mich nehmen würden, ich habe das zwar nicht gelernt, aber so blöd werde ich sicherlich nicht sein, um wenigstens als ein Handlanger beschäftigt zu werden, denke ich unterwegs, ... es ist nicht das, was ich mir vorgestellt habe, … etwas im Gesundheitswesen, ... wenn es auch nicht im Labor sein kann, ... damit wäre ich schon glücklicher geworden, ... aber im Moment habe ich keine andere Wahl, ... ich muss Geld verdienen. Udo bringt von dem bisschen was er verdient und von dem ich wie gesagt nicht mal genau weiß, wie viel das ist, nur die Hälfte mit nach Hause, ... wenn überhaupt, weil er das andere in Alkohol umsetzt, ... hoffentlich übertreibt er es nicht wieder, ... sonst wird er doch noch entlassen, ... was dann?, ... . Während mir diese Überlegungen durch den Kopf gehen bin ich an der Gaststätte „Marktmitte angelangt, es ist bereits geöffnet. Als ich eintrete schlägt mir der typische Geruch einer Gaststätte entgegen, ... es riecht nach Küche, gemischt mit kaltem Zigarettenrauch vom Vortag. Dazu dringt von der geöffneten Tür zum Hof frische Luft herein, sie vermischt sich wiederum mit den vorhandenen Gerüchen in der Hoffnung, Herr über diese zu werden. In der Mitte des Gastraumes kommt mir der dort angestellte Kellner Urs Oberland entgegen, fast zur gleichen Zeit schaut Frau Vogenschmidt hinter ihrem Tresen hervor. Zwei Frauen sitzen in einem Teil des Gastraumes und trinken Kaffee. „Guten Tag
, grüße ich ein wenig unbeholfen, „ich wollte einfach nur fragen, ob Sie eventuell Arbeit für mich haben, ... ich hatte einmal mitbekommen, dass Sie in der Saison kaum die anfallende Arbeit bewältigen, ... und ich dachte, fragen kannst du ja mal, ob ich mich hier nützlich machen könnte. Frau Vogenschmidt geht ein paar Schritte in Richtung Küche, während der Kellner das gegenwärtige Geschehen verfolgt. Sie ruft: „Walter, ... kommst Du bitte mal!?
. Auf ihre Aufforderung kommt keine Antwort, aber dafür erscheint ein großer, kräftiger Mann in Kochmontur und bleibt im Eingang zum Gastraum stehen. Urs Oberland begibt sich hinter die Theke und zapft zwei Bier, die wohl gerade von neu eingetretenen Gästen bestellt wurden. „Walter, ... die junge Frau hier sucht Arbeit und fragt, ob wir sie nicht vielleicht irgendwie gebrauchen könnten. Der stämmige Mann, der etwas rötliche Haare und einen ebensolchen Bart hat, verkörpert für mich das passende Bild eines Kochs. Er scheint hier der Chef des Ganzen zu sein, er reibt sich die Hände an seinem üppigen Bauch trocken. „Ja, ... im Prinzip schon, dann hätte die Marianne in der Küche ein wenig Unterstützung
. Er richtet seinen Blick forschend abwechselnd auf Frau Vogenschmidt, dann wieder auf mich und fragt: „Haben Sie denn schon mal in der Gastronomie gearbeitet?. Ich bin für Ehrlichkeit und verneine die so eben gestellte Frage. Er erkundigt sich weiter. „Können Sie dann Arbeiten verrichten, die in der Küche notwendig sind, ... wie zum Beispiel Salate zubereiten, oder auch mal Fische ausnehmen?
. „Ja, ... natürlich kann ich das, es soll bestimmt kein Problem für mich sein, antworte ich wahrheitsgemäß. Frau Vogenschmidt fragt noch: „Können Sie denn auch backen?
. „Ja, freilich, ... das kann ich auch , .... „Mein Mann ist ein sehr guter Koch, ... aber backen kann er nicht, ... jedenfalls so gut wie nicht
, meint sie. „Musst Du immer gleich petzen?, verteidigt sich Herr Vogenschmidt klein wenig verärgert, meint dann aber zu mir: „Na, das wäre alles gar nicht so schlecht, wenn Sie auch für uns backen würden, ... dann brauchen wir keinen Fertigkuchen mehr zu bestellen, … warum nicht, versuchen wir es doch einmal miteinander, … oder?, ... Caroline?
. Seine Frau schaut mich an und fragt: „Wann könnten Sie denn anfangen?, … für ein paar Stunden erst mal?. „Von mir aus gleich morgen
, erteile ich die Auskunft. Sie nickt mit dem Kopf, zittert ein bissel mit den Fingern, ich habe das Empfinden, sie könnte auch etwaige Probleme mit dem Alkohol haben, sie hat eine geringfügige „Fahne und eine auffällig rote Nase. Den gleichen Eindruck macht der Kellner, ... es scheint in dem Gewerbe so etwas wie ein Normalzustand zu sein, denke ich für mich selber, nur Herr Vogenschmidt macht einen ruhigen und sehr soliden Eindruck. „Na schön, dann kommen Sie morgen um 10.00 Uhr, ... dann zeige ich Ihnen alles und wir besprechen dann auch, was Sie im einzelnen zu tun haben und wie alles ablaufen soll
, sagt sie. „Vielen Dank, ... bis morgen um 10.00 Uhr. „Alles klar, ... morgen um 10.00 Uhr!
, höre ich Herrn Vogenschmidt rufen, der bereits wieder an seine Arbeit gegangen ist. Ich gehe recht zufrieden meiner Wege, auch wenn es keine Vollzeitarbeit sein würde und sicher nur begrenzt bis zum Saisonende, ... aber ich habe erst mal was und freue mich, dass man mich genommen hat. Ich habe noch ein paar Mark einstecken, ich gehe auf dem Heimweg in die Kaufhalle und ich denke mir, es wäre sicher vorteilhaft, gleich einen Kuchen zu backen, um ihn am ersten Arbeitstag als Kostprobe mitzubringen. Ich finde es als gute Idee, einen Apfelstrudel zu backen, wie ich ihn zu Hause auch backe, nach dem alten Rezept meiner Großmutter. Genauso mache ich es auch und stoße auf ein äußerst positives Echo bei Vogenschmidts. Ich freue mich sehr über das ehrliche Lob meines zukünftigen Chefs. Von nun an übernehme ich das Backen für die Gaststätte meines neuen Arbeitgebers. Ich finde mich relativ schnell zurecht und befreunde mich mit der Kollegin aus der Küche, Marianne Therwagen, ... endlich habe ich hier im Niemandsland jemanden, mit dem ich mich unterhalten kann. Mein Arbeitsfeld ist vielseitig, aber nicht zu vergleichen mit meinem Beruf und meiner Arbeitsstelle in Lohra, ... aber es ist wenigstens Arbeit, und eine, die mir um einiges besser gefällt, als die in dem langweiligen Pflanzenlabor. Im Prinzip erledige ich bei Vogenschmidts alle anfallenden Arbeiten die nötig sind, ... wie eben Marianne und Urs auch. Ich habe nicht das Gefühl für die Drecksarbeit da zu sein. Vor dem täglichen öffnen der Gaststätte muss sauber gemacht und im Außenbereich die Tische und Stühle abgewischt werden. Dann geht es in der Küche ans Werk, es sind vor allem Essensvorbereitungen unter Anleitung von Herrn Vogenschmidt angesagt, alle machen mit, im Wechsel die gleiche Arbeit. Während des Mittagsgeschäftes mit der Herausgabe der vom Gast bestellten Gerichte, haben Marianne und ich die Teller mit Dekorationen, wie Salatbeigaben zu versehen. Herr Vogenschmidt sieht das Ganze recht gelockert und entspannt. Wenn ich zum Beispiel frage, was ich zu den Bratkartoffeln oder den Rühreiern legen soll, meint er nur: „Ach, ... Meggy, ... das ist doch ganz egal, ... Hauptsache es sieht appetitlich und gut aus, Du machst das schon! . Er „ärgert
manchmal seine Frau Caroline, nach dem Mittagsgeschäft geht er für ein paar Stunden nach Hause, um am Abend wieder präsent zu sein. So meint er dann schelmisch zu ihr: „Koche bitte das Eisbein noch fertig, Caroline, ... und gebe noch 8 Pimentkörner und 10 Wachholderbeeren dazu!. Wenn er zurückkommt und nach dem Eisbein schaut sagt er: „Caroline!, ... ich habe Dir doch gesagt 8 Pimentkörner!, ... und nicht 12!
. Sie fühlt sich jedes mal angesprochen und versucht sich zu verteidigen, er amüsiert sich immer köstlich darüber und alle lachen mit. Nach dem Mittagsabwasch gehe ich nach Hause und backe Kuchen für den nächsten Tag. Manchmal helfe ich auch am Nachmittag und übernehme den Tresen wenn Urs frei hat, oder bediene auch die Gäste wenn es sich erforderlich macht. Am wenigsten mag ich das Putzen und zurechtmachen von Fisch, der wird immer ganz frisch geliefert. Aale küchenfertig machen ist keine besonders schöne Aufgabe, zumal es im nicht gerade geringen Umfang ist. Wir erledigen das immer gemeinsam, Marianne und ich, wir sitzen dabei, wenn es das Wetter zulässt auf dem Hof der Gaststätte. Wir können uns gut dabei unterhalten, diese Arbeit erfordert ja keine besondere Anstrengung des Gehirns. Wir bekommen als Mitarbeiter jeden Tag ein freies Essen und Getränke soviel wir Durst haben und trinken möchten, keinen Alkohol natürlich.
Was ist noch alles im Sommer 1990?, ich führe zur Zeit wiedermal sehr wenig Tagebuch, aber mit den aufgeschriebenen Stichpunkten kann ich durchaus etwas anfangen. Wie angedeutet heirate ich wahnwitziger Weise ein drittes Mal, über dessen Unverständlichkeit ich mich bereits ausführlich ausgelassen habe.-
Udo borgt sich Geld von seinen Eltern, er kauft das Auto von meinem Chef, Herrn Vogenschmidt, ... einen alten Opel. Zuerst finde ich das nicht gut, aber dann doch nicht so verkehrt, ich hoffe, Udo würde sich mit seiner Trinkerei zusammenreißen, weil er das Auto fahren muss. Udo meint eines Tages: „Es gibt jetzt so viel Kreditangebote in der Zeitung, da können wir doch auch einen aufnehmen und das Geld schneller zurückzahlen, was meine Eltern gegeben haben. Ich gebe zu, die Idee nicht schlecht zu finden und willige ein. „Ich beantrage etwas mehr, ... dann können wir etwas nehmen davon, wenn wir eine neue Wohnung bekommen und vielleicht einmal irgendwohin in den Urlaub fahren möchten
. Es sind einmal gute Worte, ich habe die Hoffnung, es normalisiert sich vielleicht doch noch alles und die Saufeskapaden unterbleiben, damit ein einigermaßen normales Leben geführt werden kann, wenn es auch nicht auf diese Art herbeigesehnt wurde. Ich für meinen Teil werde mich bemühen, um dazu beizutragen, es bleibt mir ohnehin nichts anderes übrig, als mich damit abzufinden und zu arrangieren, an mir soll es nicht liegen, Frank durfte oder konnte es nicht sein, ... leider, ehrliche Hände habe ich nicht annehmen wollen, ... also bitte, ... etc. pp. .- Der Kredit wird beantragt, es kommt schnell eine Antwort darauf, er sei genehmigt, erfordere aber eine Bearbeitungsgebühr von 400, - DM. Durch die Arbeit bei Vogenschmidts habe ich ganz mühselig angefangen, wieder alles auf die Reihe zu bekommen. Es reicht gerade aus, um diese Summe auf den Tisch legen zu können. Die Bearbeitungszeit soll etwa drei Wochen dauern, dann würden wir das Geld haben. Es vergeht Woche um Woche, Monat um Monat, … aber es kommt kein Geld, ... ich glaube nicht mehr daran, aber Udo meint, wir werden es schon noch kriegen. - Natürlich kam es nicht, ... bis zum heutigen Tage nicht, wir waren auf einen Betrüger hereingefallen, die äußerst mühsam zusammengekratzten 400, - DM waren weg auf nimmer Wiedersehen. Dafür kann ich Udo natürlich nicht die Schuld zuweisen, ich hätte damals ja auch nicht gedacht, dass es so einen Schwindel geben könnte, so etwas kannten wir ja nun in der DDR gleich gar nicht. Später fiel ich noch einmal auf einen Betrug herein, es kam Post, mit der Werbung war sie dabei. Es war ein silbernes Kettchen abgebildet, es hieß, wenn man 10, - DM bezahlt, also überweist, dann bekäme man dieses Schmuckstück in Gold. Ich habe überwiesen, aber niemals das versprochene Goldkettchen bekommen, ... nur die 10 - DM waren weg. Wir DDR - Bürger wurden wie schon erwähnt ganz schön über` s Ohr gehauen, so mancher Spitzbube hat sich seine Wasserhähne damit vergolden lassen, wie man sagt. Ich bin nie wieder auf so etwas hereingefallen, ... bis zum heutigen Tage nicht. Ich sage besonders meiner Mutter und den Kindern immer wieder: Hände weg davon, überhaupt wenn es heißt, dass im Voraus etwas bezahlt werden soll. Selbst jetzt noch, so viele Jahre nach der Wende fallen noch etliche, besonders ältere Menschen auf solche Gauner herein. Die Betrugsgeschäfte haben Hochkonjunktur, noch immer, alles mögliche wird sich ausgedacht, von unlauteren Gewinnspielen bis zu Telefonaten bei denen man abgezockt wird. Je länger man sich am Telefon hinhalten lässt, umso mehr wird man anschließend zur Kasse per Telefonrechnung gebeten. Preise und Gewinne werden angepriesen, ... man braucht nur etwas bestellen, ... und schon hat man gewonnen! . Betrüger kommen bis an die Wohnungstür, als Überprüfer oder Monteur der Gas oder Stromleitung, ... oder was auch immer. Besonders alte Menschen werden regelrecht genötigt etwas zu unterschreiben, ... schon bekommt man irgendwelche Geräte oder Zeitschriften nicht mehr los. Man weiß nicht mehr, wem man noch Vertrauen schenken kann und wem besser nicht. Es leiden diejenigen darunter, die auf ehrliche Art und Weise ihr Geld verdienen möchten, bzw. müssen. Na ja, das nur so kurz nebenbei, obwohl es keineswegs Nebensache ist, wir alle mussten oder müssen noch heute lernen damit umzugehen. Wer ehrlich ist, der gibt zu, dass wir gelernten DDR - Bürger, wie wir genannt werden, oder uns auch selber bezeichnen, den sogenannten, viel angepriesenen „goldenen Westen etwas anders vorgestellt haben. Wir lebten auf alle Fälle ein sichereres und ruhigeres Leben. Jetzt überall hin fahren zu dürfen und in den Supermärkten alles kaufen zu können, vorausgesetzt man kann es sich leisten, ... ich weiß nicht, ob alles damit aufgewogen wird?, ... ich für meinen Teil möchte es in Frage stellen. Mit unseren Kindern geht es doch weiter, ... wo ist die Möglichkeit geblieben, ein garantiert sicheres Leben führen zu können?, bei „uns
gab es nicht einen einzigen Schulabgänger, der keine Lehrstelle bekommen, und damit keinen Beruf erlernen konnte. Auch wenn es manchmal nicht den Vorstellungen des Schulabgängers entsprach, aber der Begriff „Ungelernt", das war für uns ein Fremdwort. Von der unterschiedlichen Bezahlung sprach ich bereits und sicher gab es in der DDR einzelne Berufsgruppen, die ein wenig mehr in der Tasche hatten, ... das gab es, … das gibt es, und das wird es immer geben, ... aber die breite Masse hatte in etwa das Gleiche, ... so große Unterschiede wie sie es jetzt sind, ... . Wir entwickeln uns dahingehend, nur noch arme oder reiche Leute zu haben, ... die Mittelschicht wird es bald nicht mehr geben. Es kann doch nicht sein, dass es Leute gibt, die vor lauter Dummheit nicht mehr wissen, was sie alles mit ihrem Geld anstellen sollen, leben in Saus und Braus, verbringen ihr Leben in teuren Luxushotels, lassen eine nicht ganz penible Tischdecke oder eine Fliege an der Wand zu einer Katastrophe werden, während andere Menschen kein Dach mehr über dem Kopf haben. Es gibt wieder Hunger in Deutschland und Menschen, die wie Tiere aus Müllkübeln etwas Essbares heraussuchen und noch dafür betraft werden, weil ihnen diese Abfalltonne nicht gehört, … nicht alle Menschen, die das betrifft sind auch automatisch selber schuld daran, ... von unseren Straßenkindern ganz zu schweigen. Das ist nicht nur für uns Mütter, die einigermaßen normal im Kopf sind eine schauerliche Vorstellung, ... oder nicht?, … unser marodes Gesundheitswesen, wo man oft sagen muss: weil du arm bist, musst du früher sterben, ... und, ... und, ... und, ... haben wir, ... hast Du das alles wirklich so gewollt?, ist das nicht etwas, worüber man dringend nachdenken sollte?, ... es wird noch nicht die Spitze des Eisberges sein, wir sollten aufpassen, dass es niemals so eine Spitze gibt, man muss dringend etwas tun, damit sie rechtzeitig abbricht.-
... Also kaufen wir das Auto von Familie Vogenschmidt, ich hoffe auf einen Zusammenriss von Udos Seite aus betreffs des Alkoholkonsums. Weil ich von der Stadtverwaltung in Domstedt noch nichts gehört habe, was den Wohnungsantrag betrifft, gehe ich selbst noch einmal hin um vorzusprechen. Ich falle aus allen Wolken als man mir sagt, der Herr Wolmirstedt hätte überhaupt keinen Antrag abgegeben. Als ich ihn daraufhin zur Rede stelle, zuckt er nur mit den Achseln und sagt dazu bloß: „Mmmm, ... hab` ich wohl vergessen. „Na, wie kann man denn das vergessen?, ... Du hast doch direkt gesagt als wir bei meinen Eltern waren, Du warst dort, ... also musst Du doch ganz bewusst gelogen haben!
, stelle ich ärgerlich fest und finde nicht die rechten Worte. „Ich war jedenfalls heute auf dem Amt und habe es nachgeholt, ... wenn ich nicht dort gewesen wäre, dann hätten wir ewig warten können bis sich etwas tut. Ich bekomme wie so oft keine Antwort, von irgendwoher kenne ich das bereits, er geht stattdessen aus dem Zimmer und holt sich gleich nochmal mehrere Büchsen Bier, um sich hoffentlich nicht so oft erheben zu müssen. Ich sage dann noch, dass es mir bei Vogenschmidts recht gut gefalle und ich ja nun schon eine ganze Weile dort wäre. „Na, ist doch schön
, quält er sich heraus. Ich gehe in den Garten hinterm Haus, wo Carlo bereits mit Raffael und ein paar anderen Kindern spielt. „Hallo, … Mutti, ruft er als er mich sieht. „Na, was macht Ihr den schönes mein Junge?
, wollte ich wissen. „Wir haben uns eine Höhle gebaut!, freut er sich. „Oh, das habt Ihr aber schön gemacht, ... das sieht gut aus!
, staune ich. Die Kinder haben vom Nachbarzaun her eine Decke gespannt, und diese über einen Zweig vom Apfelbaum gehängt. Es ähnelt den „Behausungen", die wir schon als Kinder immer am Steiger gebaut haben. Es ist ein sehr warmer Tag und sehr trocken im Garten, das Unkraut geht sehr schlecht heraus. Irgendwie habe ich keine Lust mehr dazu, es ist mein freier Tag heute, den ich einmal in der Woche habe, weil ich ja, wie es im Gaststättengewerbe üblich ist, fast jedes Wochenende arbeiten muss, ... wenn auch nicht in Vollzeit. Carlo kann wenn er Ferien hat, oder eben an diesen Wochenenden, wenn ich arbeiten muss, für ein geringes Entgeld zur Gaststätte kommen um zu essen und ich bin zufrieden, weil Carlo sein regelmäßiges Essen bekommt. „Carlo, ... wollen wir nicht zum Baden gehen?, es ist so schönes Wetter, ich
