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Ei Ole Kiire: Das Leben läuft Dir nicht davon
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Ei Ole Kiire: Das Leben läuft Dir nicht davon
eBook202 Seiten2 Stunden

Ei Ole Kiire: Das Leben läuft Dir nicht davon

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Über dieses E-Book

"Bournout? Ich doch nicht", denkt sich Maia. Obwohl sie sich eingestehen muss, dass Leben gerade besser laufen könnte. Ihr berufliches Leben geht gerade den Bach runter und von ihrem Privatleben ganz zu schweigen. Aber braucht sie deswegen gleich eine Auszeit? Erst als sie mit der Finnin Okka ihre Wohnung in Hamburg tauscht, wird ihr bewusst, dass es sich lohnt auch mal einen Gang zu zurückzuschalten.
SpracheDeutsch
Herausgeberneobooks
Erscheinungsdatum1. Apr. 2020
ISBN9783750230378
Ei Ole Kiire: Das Leben läuft Dir nicht davon

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    Buchvorschau

    Ei Ole Kiire - Frederike Gillmann

    Kapitel 1

    Burnout. Burn-out.

    Ich versuchte diesen Gedanken zu fassen.

    Burn out – ausbrennen. Ausgebrannt.

    Ich konnte es einfach nicht fassen. Ich doch nicht. Klar, in letzter Zeit hätte es besser laufen können, gerade beruflich, aber ich dachte, das wäre irgendwie nur so eine Phase. Das hat schließlich jeder Mal.

    Und dann war ich beim Arzt, um mir Schlaftabletten verschreiben zu lassen und er meinte einfach so nebenbei, dass das wohl ein Burnout sei. Ich musste mich zusammenreißen, um nicht loszulachen. So ein Quatsch. Ich doch nicht. Doch der Dr. Keimel hatte das wohl vollkommen ernst gemeint und meinte, alles, was ich ihm erzählt habe – die Schlaflosigkeit, die negativen Gedanken, die Müdigkeit, dieses Gefühl der inneren Leere, wenn man nichts schafft und so weiter – , seien Anzeichen dafür, dass ich mich mal ernsthaft mit mir auseinandersetzen sollte. Noch besser: einfach mal `nen Gang zurückschalten, vielleicht ein paar Tage Urlaub machen. Ja, der hat gut reden, der verdient ja auch genug und kann sich einfach mal so Urlaub leisten. Ich kann das nicht. Mein Honorar hängt davon ab, was ich abliefere und mein Verleger hat schon angedeutet, wenn sich meine Bücher weiter so schlecht verkaufen, dann wird er sich überlegen, ob er mich noch weiter vertritt. BÄM! Das hat gesessen, als er mir das gesagt hat. Doch was sollte ich tun? Dr. Keimel kam mir gleich mit einer Liste von spezialisierten Therapeuten, die er mir empfehlen könnte, aber ich war in dem Moment einfach so überfordert, dass ich sie nur wortlos entgegengenommen habe.

    „Denken Sie mal drüber nach!", hatte er mir noch im Hinausgehen mitgegeben.

    Nachdenken worüber? Ich denke mein ganzes Leben schon nach. Mit mir war doch alles in Ordnung. Dachte ich…

    Sollte ich mit jemanden darüber reden? Eigentlich hatte ich keine große Lust darauf, denn ich kannte meine Mitmenschen gut genug, dass eine solche Nachricht zumindest bei einigen – allen voran meiner Mutter – die Alarmglocken schrillen ließ. Ich hörte sie schon etwas sagen wie „Ich habe es doch gewusst. Ich habe dir doch gesagt, du siehst blass aus. Und abgenommen hast du auch". Nee, nee, so etwas wollte ich nun wirklich nicht.

    Meinen Freund Guillaume, der immer ein offenes Ohr für mich hatte? Aber auch bei ihm wollte ich nicht, dass er sich Sorgen machte.

    Erst einmal abwarten, das war bestimmt alles halb so wild. Bestimmt wollte mir der Arzt auch nur einschärfen, dass ich von nun an auf mich aufpassen soll. Ärzte neigen ja manchmal zur Übertreibung…

    In dem Moment klingelte mein Telefon: meine Mutter. Als hätte sie es geahnt (allerdings passierte etwas erstaunlich oft, dass genau dann das Telefon klingelte, wenn ich mir über irgendetwas den Kopf zerbrach).

    „Was gibt’s?", begrüßte ich sie, nachdem ich auf den grünen Hörer gedrückt hatte.

    „Dir auch einen guten Tag, mein Kind", sagte sie mit belehrender Stimme.

    Ich hatte mir einfach abgewöhnt, mich bei bekannten Nummern mit meinem Namen zu melden. Manchmal musste ein einfaches Ja auch ausreichen. Und manchmal eben noch nicht einmal das. Ich war eben momentan nicht in der Stimmung für viele Worte.

    „Hallo Mama, wie komme ich zu der Ehre deines Anrufes?", wiederholte ich etwas übertrieben und konnte mir vorstellen, wie meine Mutter am anderen Ende der Leitung die Augen verdrehte.

    „Ich wollte nur mal hören, wie es dir geht. Das ist schon ein Weilchen her, dass wir miteinander gesprochen haben. Und deine alte Mutter macht sich eben Sorgen."

    „Mama, ich bin schon groß. Ich kann ganz gut auf mich alleine aufpassen", sagte ich mit einem Seufzer.

    „Aber du bleibst doch immer mein Kind…das haben Mütter nun mal so an sich…", hörte ich sie sich verteidigen.

    „Also Mama, warum rufst du wirklich an? Du rufst doch nicht einfach so an, nur um zu fragen, wie es mir geht. Und du kennst die Antwort." So langsam hatte ich keine Lust mehr auf dieses Spielchen.

    „Ja…also da gibt es tatsächlich etwas…", setzte sie nun an. „Dein Vater und ich haben beschlossen, dass wir eine Kreuzfahrt machen wollen und nun ja…wir brauchen jemanden, der hin und wieder mal nach dem Haus schaut, den Briefkasten leert und so weiter.

    „Kann Tim das nicht machen?", kam es fast wie aus der Pistole geschossen. Tim war mein älterer Bruder.

    „Du weißt doch…der ist immer so beschäftigt…", sagte meine Mutter.

    „Ich bin auch beschäftigt", erwiderte ich empört.

    „Ja, aber du kannst dir doch aussuchen, wann du arbeitest", kam es wieder von der anderen Seite.

    „Mama…ich mache das doch immer", jammerte ich fast. Ich hatte wirklich keine Lust, schon wieder den Haussitter für meine Eltern zu spielen, denn das war es, was sie eigentlich wollten. Sie hatten nahezu panische Angst davor, dass man in ihrer Abwesenheit in ihr Haus einbricht, sodass sie am liebsten immer jemanden haben wollten, der da war. Und dieser jemand war eben ich, denn dass ich Schriftstellerin und von Zeit zu Zeit auch freiberufliche Journalistin war, zählte für meine Eltern eben nicht unter eine regelmäßige Tätigkeit.

    „Ich habe dieses Mal wirklich keine Zeit", versuchte ich eine letzte verzweifelte Abwehr.

    „Ach ja? Was musst du denn machen?", fragte meine Mutter inquisitorisch.

    „Ähh…" Verdammt. „Ich habe da ein neues Projekt. Das ist riesig groß und ich habe kaum Zeit." Gut, dass sie nicht sehen konnte, wie ich langsam rot anlief und betete, dass sie mir diese Story abnahm.

    „Ja, aber wer kümmert sich denn um Schnorri?" Meine Mutter gab einfach nicht auf. Schnorri – oder besser gesagt Schnorrbert – war unsere Katze.

    „Wie lange seid ihr denn weg?", fragte ich und mir fiel ein, dass ich das auch gleich am Anfang des Gesprächs hätte tun sollen.

    „Zwei Wochen."

    „Und wohin?" Warum musste ich meiner Mutter jegliche Informationen immer aus der Nase ziehen.

    „Skandinavien", kam die kurze Antwort. Aha.

    „Ach bitte Maia…mein Bienchen…mein allerliebstes Lieblingsbienchen…", flehte meine Mutter nun fast. Eigentlich hieß ich Marlene, aber ich habe in meiner Kindheit wohl zu viel Biene Maja geschaut und irgendwann habe ich dann wohl verkündet, dass ich von jetzt an nur noch Maia genannt werden möchte.

    „Ich überleg’s mir, versprach ich. „Aber ich muss jetzt wirklich weitermachen.

    „Danke, mein Schatz, aber überleg‘ bitte nicht zu lange. Ich muss das so schnell wie möglich wissen."

    „Ja, versprochen, sagte ich mit einer leicht leiernden Stimme. „Gib Papa einen Kuss von mir.

    „Mach ich. Auf bald."

    „Ich hab dich lieb, Mama."

    „Ich dich auch, Maia. Mach’s gut."

    Damit nahm ich den Hörer vom Ohr, wartete noch eine Sekunde und drückte dann auf den roten Knopf.

    Einmal tief durchatmen. Ein. Und wieder aus. Vielleicht noch ein zweites Mal. Ein. Und wieder aus. Ja, meine Eltern hatten recht, ihre freie Zeit zu genießen. Aber warum immer ich? Tim konnte sich immer schön rausreden, obwohl ich bezweifelte, dass er wirklich so viel arbeitete.

    Natürlich gönnte ich meinen Eltern die Reise und ich kannte mich selbst gut genug, um zu wissen, dass ich zu 99 Prozent zusagen würde, dass ich mich um das Haus und Schnorri kümmern würde, aber trotzdem sträubte sich etwas in mir.

    Kapitel 2

    „Also gut, ich mach’s", sagte ich in den Hörer – wieder einmal ohne Begrüßung –, sobald ich am anderen Ende hörte, dass die Leitung frei war.

    „Ich wusste es doch! Maia, du bist die beste!, freute sich meine Mutter. „Herbert, sie macht es!, hörte ich sie meinem Vater zurufen.

    „Was ist los?", hörte ich meinen Vater fragen.

    „Unser Bienchen kümmert sich um unser Haus."

    „Na dann…", kam die Reaktion von meinem Vater. Ich musste ein wenig in mich hineinlächeln. Mein Vater war diesbezüglich weitaus pragmatischer.

    „Gut, also du kommst dann nächste Woche?, erkundigte sich meine Mutter. „Du weißt ja, du brauchst nichts mitzubringen. Und die Waschmaschine kannst du auch benutzen. Wie reizend von meiner Mutter, dass ich die Erlaubnis hatte, mich immer noch frei im Haus meiner Kindheit zu bewegen.

    „Ja, ist gut." Sofort hatte ich wieder dieses ungute Gefühl, dass das doch nicht die richtige Entscheidung gewesen war.

    „Super! Vielen Dank, Maia!", sagte sie.

    „Kein Problem", sagte ich, wenn auch wenig enthusiastisch.

    „Du bist doch meine Lieblingstochter." Du hast ja auch nur eine.

    „Also, ich komme dann am Montag", sagte ich und deutete damit an, dass das Gespräch langsam für mich zu Ende war.

    „Ja, am Montag dann...oder…kannst du auch schon Sonntagabend? Du, vielleicht kannst du uns dann ja am Montag zum Hafen fahren…", meinte sie.

    Ich verdrehte die Augen und seufzte innerlich.

    „Ja, ich denke, dass lässt sich schon irgendwie hinkriegen."

    „Super! Bis denne."

    „Ja, bis dann", sagte ich und damit war das Gespräch beendet.

    ***

    Auf was hatte ich mich da bloß wieder eingelassen? Und warum ließ ich mich immer breitschlagen?

    Vielen Dank auch, schrieb ich an meinen Bruder. Ich war genervt.

    Was ist denn los?, kam die Antwort prompt zurück.

    Mama und Papa machen eine Kreuzfahrt und ich soll mal wieder den Haussitter spielen.

    Davon wusste ich ja noch gar nichts…, schrieb er wieder.

    Aha, so lief der Hase also. Meine Eltern erzählen mir, dass mein Bruder nicht kann, obwohl sie ihn noch nicht einmal gefragt hatten. Vielleicht hätte ich doch Nein sagen sollen…

    Sie haben mir erzählt, dass du nicht kannst, weil du ja immer so beschäftigt bist. Meine Wut auf meinen Bruder war verflogen, denn offensichtlich war er ahnungslos.

    Ich habe auch immer viel zu tun, momentan geht’s aber. Wie läuft es bei dir? Mein Bruder war aber heute gesprächig…

    Geht so, tippte ich zurück. Ich hatte wenig Lust, mit meinem Bruder meine Gefühlslage auszudiskutieren.

    Ok, war seine Antwort und damit wussten wir beide, dass die Konversation beendet war. Kein Schreib, wenn du etwas brauchst, denn das war einfach nicht sein Stil. Und wir wussten beide, dass wir uns aufeinander verlassen konnten, wenn wir die Hilfe des anderen brauchten. Tim arbeitete als Wirtschaftsprüfer und daher kam es eher vor, dass ich Hilfe von ihm brauchte als er von mir und ich hatte schon immer das Gefühl, dass meine Eltern meinen Bruder bevorzugten – nicht nur, weil er finanziell besser dastand als ich.

    Sagen wir mal…ich war eher so das Zufallsprodukt, als meine Eltern zehn Jahre nach meinem Bruder eigentlich schon damit abgeschlossen hatten, noch ein weiteres Kind zu bekommen. Ich meine, unsere Eltern haben uns beide geliebt beziehungsweise tun es immer noch, aber na ja…ein fader Beigeschmack bleibt immer.

    ***

    Ich habe es schon wieder getan, schrieb ich an Guillaume. Bei ihm erwartete ich keine sofortige Antwort, denn er hatte selten sein Handy griffbereit.

    Guillaume hatte ich bei einer Reise für ein neues Werk in Paris kennengelernt. Ich war gerade in einem Café am Frühstücken, als er – wie ein echter Franzose – mich ansprach und nachdem wir uns unterhalten und ein paar weitere Male getroffen hatten, hatte er sich ein paar mehr Hoffnungen gemacht, die ich ihm dann aber leider zunichte gemacht habe. Trotzdem waren wir seit dem Zeitpunkt gut befreundet.

    Nachdem das also geklärt war, überkam mich wieder diese Leere. Ich wusste einfach nicht, was ich tun sollte. Na ja, eigentlich schon, denn ich musste irgendetwas schreiben. Etwas, was präsentabel war, was ich abgeben konnte. Etwas, was mir den Lebensunterhalt über die kommenden paar Wochen sicherte. Ich nahm meinen Laptop, öffnete das Schreibprogramm und starrte auf den blinkenden Cursor, der nur darauf wartete, dass ich in die Tasten haute. Bitte, nur ein einziger Gedanke, ein Geistesblitz. Ich glaubte nicht an Gott oder sonst ein göttliches Wesen, aber das war einfach intuitiv. Stattdessen hörte ich wieder die Stimme meines Verlegers in meinem Kopf: Maia, Deine Sachen waren auch schon mal besser. Ja, das tat weh, aber ich wusste, dass er recht hatte. Aber was sollte ich

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