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Kinderjahre: Frühe Erinnerungen 1944-1951
Kinderjahre: Frühe Erinnerungen 1944-1951
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eBook128 Seiten1 Stunde

Kinderjahre: Frühe Erinnerungen 1944-1951

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Über dieses E-Book

Erinnerungen an eine Kindheit in Deutschland und England in den 1940er und 1950er Jahren.
SpracheDeutsch
HerausgeberBooks on Demand
Erscheinungsdatum8. Feb. 2021
ISBN9783753411699
Kinderjahre: Frühe Erinnerungen 1944-1951
Autor

Alrun Moll

Alrun Moll, * 1940 in Kassel. Aufgewachsen in England und Deutschland. Musikstudium (Gesang) in Freiburg, Basel und Paris. Seit vierzig Jahren als Gesangs­pädagogin tätig. Kam spät über die »singende Stimme« zum »geschriebenen Wort«. Zahlreiche Gedichte von ihr wurden von Brian Ferneyhough, Peter Förtig und Berfried Pröwe vertont. Sie veröffentlichte die Lyrikbände »Mauersegler« und »grundrisse himmelan«.

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    Buchvorschau

    Kinderjahre - Alrun Moll

    Meiner Enkelin Anna-Lu gewidmet

    Inhaltsverzeichnis

    Kapitel I

    Kapitel II

    Kapitel III

    Kapitel IV

    Kapitel V

    Kapitel VI

    Kapitel VII

    Kapitel VIII

    Kapitel IX

    Kapitel X

    Kapitel XI

    Kapitel XII

    Kapitel XIII

    Kapitel XIV

    Kapitel XV

    Kapitel XVI

    Kapitel XVII

    Kapitel XVIII

    Kapitel XIX

    Kapitel XX

    Kapitel XXI

    Kapitel XXII

    Kapitel XXIII

    Kapitel XXIV

    Kapitel XXV

    Kapitel XXVI

    Kapitel XXVII

    Kapitel XXVIII

    Kapitel XXIX

    Kapitel XXX

    Kapitel XXXI

    Kapitel XXXII

    Kapitel XXXIII

    Kapitel XXXIV

    Kapitel XXXV

    Kapitel XXXVI

    Kapitel XXXVII

    Kapitel XXXVIII

    Kapitel XXXIX

    Kapitel XL

    Kapitel XLI

    Kapitel XLII

    Kapitel XLIII

    Kapitel XLIV

    Kapitel XLV

    Kapitel XLVI

    Kapitel XLVII

    Kapitel XLVIII

    Kapitel XLIX

    Kapitel L

    Kapitel LI

    Kapitel LII

    Kapitel LIII

    Kapitel LIV

    Kapitel LV

    Kapitel LVI

    Kapitel LVII

    Kapitel LVIII

    Kapitel LIX

    Kapitel LX

    Kapitel LXI

    Kapitel LXII

    Kapitel LXIII

    I

    Der Himmel liegt auf der Wiese. Flirrende Bläue im Haar meiner Mutter. Ich folge ihrem federnden Schritt durchs hohe Gras hinunter zum See. Wir sind barfuß. Es summt und duftet ringsum. Eine kurze Rast. Wir winden ein Kränzchen, mein helles Jauchzen, als es gelingt – weiter, Hand in Hand, bis das Schlagen der Wellen uns begrüßt. Am Ufer, auf den morgendlich glänzenden Kieseln bleiben Kleider und Kränzchen zurück.

    Wie schon so oft nimmt sie mich auf ihre Schultern und schreitet aufrecht, wie eine Göttin, dem Wasser zu. Ihre Hände teilen das sanft schaukelnde Silber, die Wellen steigen, wir verwachsen, Kopf an Köpfchen, unzertrennlich. Meine kleinen Hände umschließen ihren Hals – es ist fast ein Würgen vor freudig ängstlicher Spannung – endlich der Moment des Eintauchens. Gemeinsam ziehen wir unsere immer größer werdenden Kreise dem Licht entgegen.

    II

    Es gibt ein kleines Foto von meinem Vater und mir, das einzige Foto von uns beiden.

    Es muss in der frühen Zeit am Bodensee gewesen sein. Mein Vater in Zivil, er war wohl auf Fronturlaub, hockt neben mir auf dem Waldboden und redet auf mich ein. Mein Gesicht ist trotzig von ihm abgewandt. Wütend und verschlossen schaue ich in die Kamera. Ich erinnere mich lebhaft an diese Szene. Ich weigerte mich, meine Brezel mit dem Nachbarsbuben (nicht im Bild) zu teilen. Eine Brezel war damals etwas ganz Besonderes. Wo kam sie überhaupt her?

    Warum hatte er sie mir zuerst geschenkt, um dann einen solchen Tribut einzufordern. Ich schrie und stampfte wild. Natürlich vergeblich, das Vaterwort war unerbittlich. Mir blieb nur das stumme, tief gekränkte Schmollen – und das hielt ich durch …

    III

    »Fritzle« gehörte zu unserer Hausgemeinschaft. Er war undefinierbaren Alters, trug immer ein zerbeultes Lodenhütchen und ein zerschlissenes Jankerl. Jeden Morgen schnitt ihm seine Mutter ein frisches Zweiglein, je nach Jahreszeit, mit welchem er wild, manchmal auch fast zärtlich vor seinem Gesicht herum wedelte. Nur seine Mutter verstand die lallenden Laute. Er trielte immer leicht vor sich hin, und in seinen Mundwinkeln bildeten sich hässliche Krusten. Fritzle war fast immer allein, die Dorfkinder hänselten ihn, hielten aber auf Abstand.

    Er hatte ein tägliches Ritual. Am späten Nachmittag trottete er hinunter zum See, um dort auf den Sonnenuntergang zu warten. Oft folgte ich ihm, in gehörigem Abstand, immer bereit, die Flucht zu ergreifen. Er lief bis zum äußersten Ende des Bootsstegs, dort hockte er sich mit seinem inzwischen verwelkten Zweiglein nieder und beobachtete andächtig die sinkende Sonne.

    Je tiefer der glühende Ball versank, um so intensiver blinzelte er in das schwindende Licht. Erst als der letzte mild schimmernde Streif am Horizont erlosch, stand er auf und trat den Heimweg an.

    Später habe ich mich oft gefragt, wie es seiner Familie gelang, Fritzle – mit schwerem Down-Syndrom – heil durch die Nazizeit zu bekommen.

    IV

    Dann – eines Nachts – kamen die Flugzeuge und warfen ihre Bomben über dem See ab. Es sollte wohl zu unserer Abschreckung dienen. Meine Mutter ging gleich frühmorgens mit mir zum See.

    Barfuß mit geschürztem Kleid stand sie im seichten Wasser, beide Hände überquellend von kleinen silbernen Fischen – tot. Immer mehr Fische wurden ans Ufer geschwemmt. Es bildete sich ein gekräuselter silberner Rand zu ihren Füßen … ein unvergessliches Bild von beklemmender Schönheit.

    Ich hatte heimlich ein Fischlein mitgenommen und versteckte es in meinem Nachtkasten. Hoffte ich wirklich, es würde wieder lebendig, oder wollte ich es nur aufbewahren weil es so hübsch anzusehen war? Immer wieder schaute ich heimlich nach meinem Schatz – aber bald begann er erbärmlich zu stinken …

    V

    Viele Erwachsene stehen im großen Obstgarten hinterm Haus. Sie haben soeben gemeinsam eine tiefe Grube gegraben. Jetzt legen sie alle möglichen Gegenstände hinein und schaufeln immer wieder frische Erde darauf. Ich erkenne: in Handtücher verpacktes Tafelsilber – es wurde nur an Feiertagen benutzt –, Leuchter, die die Weihnachtstafel schmückten … Dann auch Abzeichen – die ich irgendwie von den Wehrmachtsuniformen kannte; ein Dolch mit geschnitztem Griff ist mir in Erinnerung geblieben. Alles verschwand in dem dunklen Loch –

    Zum Schluss legte jemand ganz schnell meinen schwarzen nackten Bimbo auf die unsichtbaren Kostbarkeiten. Mein Vater hatte mir diese Puppe von einem Fronturlaub aus Frankreich mitgebracht. Vergeblich hatten die Frauen versucht, Bimbo mit einer Rasierklinge »weiß« zu kratzen. Erklärungen bekam ich nicht – es gab keine Tränen, ich stand nur stumm und staunend dabei.

    VI

    Nur zwei Männer gab es in unserem Haus – den alten Schiffsbauer und seinen schwer herzkranken Schwiegersohn. Beide waren »kriegsuntauglich«. Am Tag, bevor die Franzosen kamen, verbarrikadierten sie das ganze Haus; alle Türen und Fenster wurden mit Brettern und schwerer Pappe vernagelt, während dessen versuchten die Frauen alles Essbare zu verstecken – im Kachelofen, unter den Dielen, ja sogar hinter den Büchern! Ich stand auf der Treppe und schaute dem geschäftigen Treiben staunend zu.

    VII

    … und dann kamen sie, die Franzosen. Ich stand wieder auf der Treppe. Man hörte schon

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