Der Wolf in der Fellfalle: Die Haaranlagen des Hundes
Von Gabriele Peters
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Über dieses E-Book
Gabriele Peters
Ich bin seit über 30 Jahren als Groomerin tätig und konnte in dieser Zeit sehr viele Erfahrungen in der Hundepflege erwerben. Durch ständige Weiterbildungen in vielen Bereichen, insbesondere in dem Gebiet der verschiedenen Fellanlagen, erwarb ich ein hohes Wissen um die Pflege der unterschiedlichen Hundehaare. Mit diesem Buch möchte ich mein Wissen und meine Erfahrungen an interessierte Groomer, Züchter und Hundeliebhaber weitergeben. Ich freue mich, wenn durch dieses Buch viele Gerüchte, Halbwahrheiten und Unwissenheiten rund um das Hundefell vermindert werden und viele kompetente Hundepfleger heranwachsen können.
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Buchvorschau
Der Wolf in der Fellfalle - Gabriele Peters
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Kapitel I - Die Entwicklungsgeschichte
Der Homo sapiens
Der Haushund und der Wolf
Die moderne Hundezucht
Wolfsfell vs. Hundefell
Gründe für die Fellpflege
Ästhetische Gründe
Gesundheitliche Gründe
Temperaturbedingte Gründe
Haltungsbedingte Gründe
Sonstige Gründe
Grundlagen der Genetik
Die Funktionen eines Felles
Einflüsse auf das Haarkleid
Temperatur
Licht
Biorhythmus
Hormone
Ernährung
Haltung & Pflege
Kapitel II - Haut- und Haaraufbau
Sinnesorgan Haut
Aufbau des Hundehaares
Wachstumsphasen des Haares
Grundformen der Hundehaare
Einfaches Fell
Double Coat
Vibrissen
Primärhaar
Sekundärhaar
Terminalhaar – Vellushaar - Lanugohaar
Kastratenfell
Welpenfell
Strukturveränderungen
Farbveränderungen
Die Farben der Haare
Basis – Farbgenetik
Gewünschte und ungewünschte Farbvarianten
Glatthaar oder Mutation Locke
Mutation – Locke im Grooming
Drop Coat vs. Abstehendes Langhaar
Farbmutation mit Lockenmutation
Kapitel III – Die Haaranlagen
Kurzhaar oder Mutation Langhaar
Kurzhaar
Stockhaar
Langhaar
Double-Coat – Langhaar - wollig
Double-Coat – Langhaar - glatte Haardecke
Mutation Rauhaar
Das Rauhaar im Grooming
Strukturveränderungen durch ein Grooming
Leichte Lockenmutation im Rauhaar
Starke Lockenmutation im Rauhaar
Locken- und Farbunterschiede im Rauhaar
Länger und weich vs. kurz und fest am Rauhaar
Die sehr feste Haaranlage im Rauhaar
Die sehr weiche Haaranlage im Rauhaar
Normalhaar oder Furnishing
Langhaar vs. Langhaar mit Furnishing
Langhaar mit Furnishing, einfaches Haar
Langhaar mit Furnishing und Unterwolle
Zusammenfassung der Haaranlagen
Kapitel IV – Wissenswertes
Sonnenbrand
IPL Laser Technik
Thermische Fenster und Thermografie
Weitere Haarzyklusstörungen
Zuwenig DHT Anregung des Haarwachstums – Hypertrichose
Zuviel DHT Reduktion des Haares – Hypotrichose
Hypotrichose
Morbus Cushing
Hypothyreose
Hyperöstrogenismus
Alopezie
Alopezie X
Nicht-entzündliche Alopezie
Post-clipping Alopezie
Rezidivierende Flankenalopezie
Color Dilution Alopecia
Und vergesst niemals:
Quellennachweise:
Quellenangaben mit Originalauszügen:
Nachtrag
Alle Texte sowie Layout / Fotos / Illustrationen
Innenteil: Gabriele Peters
Foto Afghane für Titelbildmontage: Katrin B. / Pixabay
Foto Wolf für Titelbildmontage: Andrea Bohl / Pixabay
Umschlaglayout / Titelbildmontage: M. Feiter | Starfeiter Designbüro
Mikroskopische Aufnahmen mit freundlicher Genehmigung:
Alexandra Pasterk „Die kleine Tierwelt", Völkermarkt
Einleitung
Was und wer ist eigentlich unser Hund? Um zu verstehen, worum es sich bei den Fellarten unserer Hunde handelt, werden wir einen rasseübergreifenden Blick auf die Haaranlagen unserer Hunde werfen. Das Leben der Hunde und ihr Wohlergehen hängt wesentlich vom Wissen und den Lebensumständen der Menschen ab, mit denen sie zusammenleben.
Um die Zusammenhänge besser nachvollziehen zu können, beginnen wir mit einem kleinen Rückblick auf die gemeinsame Entstehungsgeschichte und der Rassehundezucht.
Aufgrund genetischer Untersuchungen sagt die Wissenschaft, dass alle unsere Hunde vom großen grauen Wolf Eurasiens abstammen. Im Wolfsforschungszentrum im österreichischen Grünau versuchten Wissenschaftler, die Unterschiede zwischen Wölfen und Hunden zu erforschen. In vielem sind sich die Verwandten ähnlich, doch sie unterscheiden sich auch sehr. Wölfe sind Wildtiere und an ein Leben in der Natur angepasst. Sie sind stets misstrauisch und sehr wachsam. Der Hund hingegen verhält sich ganz anders, denn er hat eine ökologische Nische entdeckt: den Menschen. Hunde verstehen es ausgezeichnet, ihre Bedürfnisse mitzuteilen und so den Menschen für ihre Zwecke einzuspannen.
Ein ungeschriebenes Gesetz der Wölfe ist: „Aus vielen wird Eines" und das hat sich bei jagdlichen Strategien im Rudel bewährt. Es macht das Rudel stärker als jeden eigennützigen Einzelkämpfer.
Der österreichische Verhaltensforscher Eberhard Trumler hat in den 1980er Jahren des vergangenen Jahrhunderts folgendes festgestellt: "In größeren Gruppen zu leben war dem Menschen ursprünglich ebenso unbekannt wie heute noch dem Orang-Utan oder dem Gorilla.
Wenn wir das Verhalten von irgendwelchen Affen beobachten, entdecken wir weit weniger Gemeinsamkeiten mit dem Sozialverhalten des Menschen, als wenn wir die Rudelordnung der Wölfe zum Vergleich heranziehen."
Heute gilt der Hund als „bester Freund des Menschen". Meist wird behauptet, dass der Hund zum Menschen kam. Könnte es nicht auch andersrum gewesen sein? Und der Urmensch vom Wolf lernte, den Nutzen seines Rudel-Verhaltens erkannte und eine immer stärker werdende Symbiose begann?
Es könnte ebenso sein, dass nicht die Wölfe den Menschen folgten, sondern die Menschen den Wölfen und diese profitierten von seiner Art zu jagen – und das lange vor der Domestikation des Hundes.
„Die Beziehung Mensch-Hund ist
eine Symbiose."
Viel Freude beim Lesen dieses Buches.
Ihre
Gabriele Peters
Kapitel I - Die Entwicklungsgeschichte
Der Homo sapiens
Aus wissenschaftlicher Sicht wird behauptet, dass es den Homo sapiens vor 100.000 Jahren noch nicht in Eurasien gab. In Eurasien lebten damals angeblich viele Jahrtausende lang nur der Neandertaler, Homo neanderthalensis. Die Neandertaler aber gelten als eher plumper Vertreter der Gattung Homo, dem fast niemand zutrauen wollte, die Leistung einer Domestikation
des Wolfes vollbracht zu haben. Der zum Fachexperten gewordene Homo sapiens tut sich meist schwer damit, andere Lebewesen für auch nur annähernd so intelligent zu halten, wie sich selbst. An fehlender Gehirnmasse kann das Aussterben des Neandertalers nicht gelegen haben, denn die war beim Homo neanderthalensis sogar etwas größer als beim Homo sapiens. Kämpfe zwischen den Menschenarten sind nicht bekannt, aber sehr wohl nähere Kontakte, wie einige Neandertaler-Gene zeigen, die bis heute viele Menschen, wissenschaftlich nachweisbar, in sich tragen.
Neue Funde brachten diese Hypothese ins Wanken. Ein Unterkiefer aus Griechenland und ein Backenzahn aus Bulgarien sind einzigartige Fundstücke der rätselhaften Menschenaffenart Graecopithecus freybergi. Forscher haben mit Hilfe von Computertomografie diese genauer untersucht und Erstaunliches festgestellt. Die Fossilien haben demnach eindeutig Eigenschaften, wie sie auch moderne Menschen besitzen. Das würde bedeuten, dass sich der Mensch in Europa entwickelte. Anhand der Sedimente, aus denen die Fossilien geborgen worden waren, konnten die Forscher zeigen, dass der Unterkiefer 7,175 Millionen Jahre alt sein muss. Der Backenzahn sei sogar 7,24 Millionen Jahre alt. Beide sind damit älter als der bisher älteste aus Afrika bekannte Vormensch Sahelanthropus, der sechs bis sieben Millionen Jahre alt ist.
Quelle: Potential hominin affinities of Graecopithecus from the Late Miocene of Europe Published: May 22, 2017 https://doi.org/10.1371/journal.pone.0177127
Zwei versteinerte menschliche Schädel aus der Apidima-Höhle in Südgriechenland wurden Ende der 1970er Jahre entdeckt, sind jedoch rätselhaft geblieben. Es wurden virtuell beide Schädel rekonstruiert. Der eine stammt aus der Zeit vor mehr als 170.000 Jahren und weist ein Neandertaler-ähnliches Muster auf. Der zweite aus der Zeit vor mehr als 210.000 Jahren und zeigt eine Mischung aus modernen menschlichen und primitiven Merkmalen. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass an dieser Stelle zwei menschliche Gruppen anwesend waren - eine frühe homo sapiens-Population, gefolgt von einer Neandertaler-Population. Diese Ergebnisse stützen die mehrfache Verbreitung von Menschen in der frühen Neuzeit außerhalb Afrikas und heben die komplexen demografischen Prozesse hervor, die die Evolution des Pleistozäns (Das Pleistozän ist ein Zeitabschnitt in der Erdgeschichte. Es begann vor etwa 2,588 Millionen Jahren und endete vor etwa 11.700 Jahren mit dem Beginn der Holozän-Serie, der Jetztzeit. Somit dauerte das Pleistozän etwa 2,5 Millionen Jahre.) und der modernen menschlichen Präsenz in Südosteuropa charakterisiert.
Quelle: Potential hominin affinities of Graecopithecus from the Late Miocene of Europe Published: May 22, 2017 https://doi.org/10.1371/journal.pone.0177127
