An einem Freitag in Colombo: Sieben Geschichten vom Leben und Sterben
Von Petra Reategui
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Über dieses E-Book
Manche Träume werden wahr, wie die des jungen Mannes, der in der Nacht des Mauerfalls in Berlin einen weißen Turnschuh findet und sich auf die Suche nach dem Gegenstück macht. Andere Wünsche lösen sich auf oder zerschlagen sich, wie es der Mann aus der titelgebenden Geschichte
erfährt, als er in der srilankischen Hauptstadt einen Neuanfang wagt. Oder jener Wasseringenieur, der sich Hals über Kopf in einen blonden Engel verguckt hat. Dass der Tod erbarmungslos sein kann, erzählt die Geschichte von dem Kind, das sterben muss, noch bevor es seine Träume kennt.
Aber er kann auch anders, der Tod – jeck und mit Narrenkappe erfüllt er einer alten Dame einen Herzenswunsch.
Petra Reategui
Petra Reategui war Journalistin beim Radio und arbeitet heute als freie Autorin in Köln. Neben Kurzgeschichten schreibt sie überwiegend Romane und Kriminalromane mit historischem Hintergrund. Bisher erschienen von ihr "Falkenlust", "Filzengraben", "Moselhochzeit" und "Weinbrenners Schatten".
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Buchvorschau
An einem Freitag in Colombo - Petra Reategui
Inhalt
Kyoto
Pierre oder die Liebe in DIN A4
Entwicklungshilfe oder der Traum von Weihnachten
Afrikanisches Souvenir
No Time to Die
Neapel sehen und sterben
An einem Freitag in Colombo
Über die Autorin
Kyoto
Langsam wandert das alte Ehepaar durch den Stadtwald. Von der nahen Kirche weht Glockengeläut herüber. Es hat zu schneien angefangen, aber die Flocken bleiben nicht liegen. Unter Baumgruppen, wo die Wipfel den Himmel verdecken, sind die Wege feucht und matschig. Dort fassen sich die Frau und der Mann an den Händen, um sich gegenseitig zu stützen.
Unsere Schritte haben sich angepasst in bald fünfzig Jahren Ehe, denkt der Mann, während er sich die Schildmütze ein wenig tiefer ins Gesicht zieht, damit der Schnee ihm nicht direkt in die Augen weht.
Er blinzelt und beobachtet, wie ihre Füße sich in gleichmäßigem Rhythmus vorwärts bewegen. Links, rechts, links, rechts. Er lächelt, das war nicht immer so gewesen. Ilse war immer gern vorwärts gestürmt, früher, als sie verlobt waren, und in den ersten zwanzig Jahren ihrer Ehe. Er war ihr nie schnell genug. Doch irgendwann war ihm aufgefallen, dass sie immer häufiger gleich schnell gingen.
Und inzwischen gleich langsam.
Habe ich mich Ilse angepasst oder sie sich mir?
Wo der Weg leicht ansteigt, fasst er sie fester am Arm. Sie sprechen nicht. In bald fünfzig Jahren Ehe ist fast alles gesagt. Er findet es nicht traurig, eher beruhigend. Sie wissen alles voneinander, und wenn tatsächlich der eine vor dem anderen noch ein altes Geheimnis haben sollte, dann ist es jetzt nicht mehr wichtig.
Er denkt zurück an den Wintertag vor über fünfzig Jahren, als er seine Großmutter im Rollstuhl durch den Park fuhr. Das war zu Hause gewesen. In Kyoto. Auch damals schneite es, und er hatte sich über ihre Schulter beugen müssen, um ihre Worte zu verstehen.
»Ich weiß, du wirst nicht auf mich hören, Junge, aber erzähl’ mir später nicht, ich hätte dich nicht vor dieser Heirat gewarnt.«
Er sah, dass sie weitersprach, aber der Wind nahm die Worte mit, und er verstand nur Fetzen wie »… die Mädchen dort in Europa …«, »… andere Kultur …«, »… später im Alter …«. Er war vierundzwanzig und verliebt, und das Alter interessierte ihn nicht.
Oben angekommen, bleiben sie ein paar Minuten auf dem Weg stehen und schauen hinunter auf die breite, weißglitzernde Lichtung, wo Kinder einen Schneemann bauen. Ilse atmet schwer. Er schaut sie von der Seite an, sie muss in letzter Zeit oft schwer atmen. Ihre Wangen sind von der Luft gerötet, sie hat die Augen zu schmalen Schlitzen zusammengekniffen, um sie vor den stärker wirbelnden Flocken zu schützen. Genau wie seine Großmutter damals, auf der Anhöhe im Park, von der aus man auf Kyoto blickte, das im Schnee versank. Er tritt näher zu seiner Frau und legt den Arm um sie.
Sie haben geheiratet und drei Kinder bekommen. Einen Sohn und zwei Töchter, die in Deutschland wegen ihrer glänzend schwarzen Haare auffielen und beim Besuch in Japan wegen ihrer großen runden Augen. Die jüngste, Hitomi, hat sogar die blauen Augen ihrer Mutter geerbt. Irgendwann, hatte er sich am Anfang ihres gemeinsamen Lebens vorgenommen, irgendwann wollte er mit Ilse und den Kindern zurück nach Kyoto gehen. Aber dann hatte die Firma, für die er arbeitete, eine Niederlassung in Düsseldorf eröffnet, und er blieb in Deutschland.
Manchmal lag ihm die »andere Kultur« schwer im Magen. Manchmal ging er allein auf die Anhöhe im Stadtwald, von wo man auf die Wiese schaute, auf der die Kinder herumtollten, und er sah seine Heimatstadt vor sich liegen, Kyoto mit seinen Schnellstraßen, seinen Hochhäusern, Kyoto im Sommer, Kyoto im Schnee. Und er beugte sich über die Schulter seiner Großmutter.
»Im Alter sehnt man sich wieder zurück in die Kindheit«, sagt sie.
Er wurde vierzig, dann fünfzig. Mit sechzig schaute er seinen Enkeln hinterher, die unten auf der Wiese Fangen spielten, und er dachte ans Alter. Nicht immer war die Ehe leicht gewesen, Ilse war immer so schnell. Aber dann waren sie plötzlich Großeltern, und ihre Schritte hatten einen gemeinsamen Rhythmus gefunden.
Manchmal begleitet Hitomis Sohn sie in den Stadtwald, dann packt der Enkel die Großmutter und trabt mit ihr den Weg hinauf bis dorthin, wo sie jetzt stehen. Hoch über der Lichtung, von wo er immer Kyoto sieht.
