Das Buch Jesus Sirach: Ein Lebensratgeber voller Weisheiten und moralischer Lehren aus jüdischer Philosophie und altgriechischen Einflüssen für Spiritualität und Ethik.
Von Anonym und Martin Luther
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Buchvorschau
Das Buch Jesus Sirach - Anonym
Vorrede
Inhaltsverzeichnis
¹ Vieles und Großes ist uns gegeben durch das Gesetz und die Propheten und die andern, so denselben nachgefolgt; daher muß man Israel billig loben um solche Weisheit und Lehre. 2 Darum sollen nicht allein die, so es haben und lesen, weise daraus werden, sondern auch denen in der Fremde dienen mit Lehren und Schreiben.
³ So hat mein Großvater Jesus, nachdem er sich sonderlich befleißigt, zu lesen das Gesetz, die Propheten und die andern Bücher, so uns von unsern Vätern gelassen sind, und sich wohl darin geübt hatte, sich vorgenommen, auch etwas zu schreiben von Weisheit und guten Sitten, ⁴ auf daß die, so gerne lernen und klug werden wollten, desto verständiger und geschickter würden, ein gutes Leben zu führen.
⁵ Darum bitte ich, ihr wollet es freundlich annehmen und mit Fleiß lesen und uns zugut halten, so wir etwa in einigen Worten gefehlt haben, obwohl wir allen Fleiß getan haben, recht zu dolmetschen. ⁶ Denn was in hebräischer Sprache geschrieben ist, das lautet nicht so wohl, wenn man’s bringt in eine andere Sprache. ⁷ Nicht allein dieses mein Buch, sondern auch das Gesetz selber und die Propheten und die übrigen Bücher lauten gar viel anders, wenn sie in ihrer eigenen Sprache geredet werden.
⁸ Als ich nun nach Ägypten kam, im achtunddreißigsten Jahr des Königs Ptolemäus Euergetes, und dort blieb, gewann ich Raum, viel Gutes zu lesen und zu schreiben. ⁹ Darum sah ich’s für gut und not an, daß ich den Fleiß und die Mühe darauf legte und dies Buch verdolmetschte. ¹⁰ Und dieweil ich Zeit hatte, arbeitete ich und wandte Fleiß an, daß ich dies Buch fertig machte und an den Tag brächte, auf daß auch die in der Fremde, so lernen wollen, sich zu guten Sitten gewöhnen, auf daß sie nach dem Gesetz des Herrn leben mögen.
Kapitel 1.
Ruhm der Weisheit und Furcht Gottes.
Inhaltsverzeichnis
¹ Alle Weisheit ist von Gott, dem Herrn, und ist bei ihm ewiglich. ²Wer hat zuvor gedacht, wieviel Sand im Meer, wieviel Tropfen im Regen und wieviel Tage der Welt werden sollten? ³Wer hat zuvor gemessen, wie hoch der Himmel, wie breit die Erde, wie tief das Meer sein sollte? Wer hat Gott je gelehrt, was er machen sollte? ⁴Denn seine Weisheit ist vor allen Dingen. ⁵Das Wort Gottes, des Allerhöchsten, ist der Brunnen der Weisheit, und das ewige Gebot ist ihre Quelle. ⁶Wer könnte sonst wissen, wie man die Weisheit und Klugheit erlangen sollte? ⁷Einer ist weise, der Allerhöchste, der Schöpfer aller Dinge, allmächtig, ein gewaltiger König und sehr erschrecklich, ⁸der auf seinem Thron sitzt, ein herrschender Gott; ⁹der hat sie durch seinen heiligen Geist verkündigt, der hat alles zuvor gedacht, gewußt und gemessen ¹⁰und hat die Weisheit ausgeschüttet über alle seine Werke und über alles Fleisch nach seiner Gnade und gibt sie denen, so ihn lieben.
¹¹ Die Furcht des Herrn ist Ehre und Ruhm, Freude und eine schöne Krone. ¹² Die Furcht des Herrn macht das Herz fröhlich und gibt Freude und Wonne ewiglich. ¹³ Wer den Herrn fürchtet, dem wird’s wohl gehen in der letzten Not, und er wird endlich den Segen behalten. ¹⁴ Gott lieben, das ist die allerschönste Weisheit, ¹⁵ und wer sie ersieht, der liebt sie; denn er sieht, welch große Wunder sie tut. ¹⁶ Die
Furcht des Herrn ist der Weisheit Anfang und ist im Herzensgrund allein bei den Gläubigen und wohnt allein bei den auserwählten Weibern, und man findet sie allein bei den Gerechten und Gläubigen. ¹⁷Die Furcht des Herrn ist der rechte Gottesdienst; ¹⁸der behütet und macht das Herz fromm und gibt Freude und Wonne. ¹⁹Wer den Herrn fürchtet, dem wird’s wohl gehen; und wenn er Trostes bedarf, wird er gesegnet sein. ²⁰Gott fürchten ist die Weisheit, die reich macht und bringt alles Gute mit sich. ²¹Sie erfüllt das ganze Haus mit ihren Gaben und alle Gemächer mit ihrem Schatz. ²²Die Furcht des Herrn ist eine Krone der Weisheit ²³und gibt reichen Frieden und Heil. ²⁴Diese Weisheit macht recht kluge Leute; und wer an ihr festhält, dem hilft sie aus mit Ehren. ²⁵Den Herrn fürchten ist die Wurzel der Weisheit, und ihre Zweige grünen ewiglich. ²⁶Die Furcht des Herrn wehrt der Sünde. ²⁷Denn wer ohne Furcht daherfährt, der gefällt Gott nicht, und seine Frechheit wird ihn stürzen. ²⁸Aber ein Demütiger harret der Zeit, die ihn trösten wird. ²⁹Denn wiewohl seine Sache eine Zeitlang unterdrückt wird, ³⁰so werden doch die Frommen seine Weisheit rühmen. ³¹Dem Gottlosen ist Gottes Wort ein Greuel; denn es ist ein Schatz der Weisheit, der ihm verborgen ist.
³² Mein Sohn, willst du weise werden, so halte die Gebote; so wird dir Gott die Weisheit geben. ³³ Denn die Furcht des Herrn ist rechte Weisheit und Zucht; und Glaube und Geduld gefallen Gott wohl. ³⁴Siehe zu, daß deine Gottesfurcht nicht Heuchelei sei, und diene ihm nicht mit falschem Herzen. ³⁵Suche nicht Ruhm bei den Leuten durch Heuchelei, und siehe zu, was du redest. ³⁶Und wirf dich selbst nicht auf, daß du nicht fallest und zu Schanden werdest ³⁷und der Herr deine Tücke offenbare und stürze dich öffentlich vor den Leuten, ³⁸darum daß du nicht in rechter Furcht Gott gedient hast und dein Herz falsch gewesen ist.
Kapitel 2.
Vermahnung zur Geduld in Trübsal, zum festen Glauben und zur Hoffnung zu Gott.
Inhaltsverzeichnis
¹ Mein Kind, willst du Gottes Diener sein, so schicke dich zur Anfechtung. ²Halte fest und gedulde dich und wanke nicht, wenn man dich davonlockt. ³Halte dich an Gott und weiche nicht, auf daß du immer stärker werdest. ⁴ Alles, was dir widerfährt, das leide und sei geduldig in allerlei Trübsal. ⁵ Denn gleichwie das Gold durchs Feuer, also werden die, so Gott gefallen, durchs Feuer der Trübsal bewährt.
⁶ Vertraue Gott, so wird er dir aushelfen; richte deine Wege und hoffe auf ihn! ⁷Die ihr den Herrn fürchtet, vertrauet ihm; denn es wird euch nicht fehlen. ⁸Die ihr den Herrn fürchtet, hoffet das Beste von ihm; so wird euch Gnade und Trost allezeit widerfahren. ⁹Die ihr den Herrn fürchtet, harret seiner Gnade und weichet nicht, auf daß ihr nicht zugrunde gehet. ¹⁰Sehet an die Beispiele der Alten und merket sie. ¹¹Wer ist jemals zu Schanden geworden, der auf ihn gehofft hat? ¹²Wer ist jemals verlassen, der in der Furcht Gottes geblieben ist? Oder wer ist jemals von ihm verschmäht, der ihn angerufen hat? ¹³Denn der Herr ist gnädig und barmherzig und vergibt Sünden und hilft in der Not.
¹⁴ Weh denen, so an Gott verzagen und nicht festhalten, und dem Gottlosen, der hin und wieder wankt! ¹⁵ Weh den Verzagten! denn sie glauben nicht; darum werden sie auch nicht beschirmt. ¹⁶ Weh denen, so nicht beharren! ¹⁷ Wie will es ihnen gehen, wenn sie der Herr heimsuchen wird?
¹⁸ Die den Herrn fürchten, glauben seinem Wort; und die ihn liebhaben, halten seine Gebote. ¹⁹ Die den Herrn fürchten, tun, was ihm wohl gefällt; ²⁰ und die ihn liebhaben, halten das Gesetz recht. ²¹ Die den Herrn fürchten, bereiten ihr Herz und demütigen sich vor ihm und sprechen: ²² Wir wollen lieber in die Hände des Herrn fallen als in die Hände der Menschen; ²³denn seine Barmherzigkeit ist ja so groß, wie er selber ist.
Kapitel 3.
Pflicht der Kinder gegen ihre Eltern; Vermahnung zur Demut, und zur Beobachtung seines Amts.
Inhaltsverzeichnis
¹ Liebe Kinder, gehorchet mir, eurem Vater, ² und lebet also, auf daß es euch wohl gehe. ³Denn der Herr will den Vater von den Kindern geehrt haben; und was eine Mutter die Kinder heißt, will er gehalten haben. ⁴Wer seinen Vater ehrt, des Sünden wird Gott nicht strafen; ⁵und wer seine Mutter ehrt, der sammelt einen guten Schatz. ⁶Wer seinen Vater ehrt, der wird auch Freude an seinen Kindern haben; und wenn er betet, so wird er erhört. ⁷Wer seinen Vater ehrt, der wird desto länger leben; und wer um des Herrn willen gehorsam ist, an dem hat die Mutter einen Trost. ⁸Wer den Herrn fürchtet, der ehrt auch den Vater und dient seinen Eltern und hält sie für seine Herren. ⁹ Ehre Vater und Mutter mit der Tat, mit Worten und Geduld, ¹⁰ auf daß ihr Segen über dich komme.
