Drei Wochen ver-rückt: Erfahrungen mit einem Schamanen in Peru
Von Hans Fritz
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Drei Wochen ver-rückt - Hans Fritz
Vorwort
Vor kurzem las ich die oft noch unter Trance geschriebenen
Tagebucheintragungen über meine Erlebnisse mit einem Schamanen und Ayahuasca im peruanischen Amazonasgebiet wieder einmal durch. In der Rückschau haben mich die Erfahrungen und Erkenntnisse persönlich sehr bereichert. Sie halfen mir, Zusammenhänge zwischen Psyche und Körper besser zu verstehen. Ich bekam einen viel größeren Überblick. Um es gleich vorwegzunehmen, ich erhebe dabei keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit oder Richtigkeit meiner Texte. Ich habe das alles nicht wissenschaftlich erforscht, sondern zog und ziehe beständig meine eigenen Schlüsse, die ich auch immer wieder selbst hinterfrage.
Das Eintauchen in andere Bewusstseinsebenen ist für mich heute vergleichbar mit dem Stehen auf einem Aussichtsturm. Von oben erkennt man, wo und wie weit voneinander entfernt die Dörfer, der Fluss, die Berge und Seen liegen. Und so wie ich in meinem Leben oft von oben „vom Aussichtsturm aus" erst begriff, wie die Landschaften zusammenhängen, gab es gleich nach meiner Erfahrung auch keinen Zweifel an dem, was ich mit meinen eigenen Augen sah – unverrückbar real. Vieles, woran ich vorher noch gezweifelt hätte, wurde für mich zu einer inneren Wahrheit - unverrückbar klar und selbstverständlich, weil ich es am eigenen Körper erlebte. Die Landschaft in mir war genauso wenig wegzudiskutieren oder abzustreiten, wie die Realität eines Berges oder eines Sees, den man vom Aussichtsturm aus sehen kann.
Eingeladen zum Retreat hatte mich eine Bekannte aus Stuttgart. Sie sagte, ich wäre längst „reif für eine solche Selbsterfahrung und solle da unbedingt mitmachen. Und weil ich mich zu dieser Zeit gerade sowieso beruflich in Südamerika aufhielt, sagte ich spontan zu. Ich wusste nicht, was da auf mich zukam. Mit Natur-Halluzinogenen hatte ich in meinem Leben bisher keinerlei Kontakt gehabt. Freunde in Chile klärten mich allerdings kurz vor Antritt des Experimentes diesbezüglich noch etwas auf. Dort im Süden Chiles, eine Gegend wie das Alpenvorland, in dem ich geboren wurde und lebe, kommt zweimal im Jahr ein peruanischer Schamane und hält mit einigen chilenischen Freunden dreitägige Ayahuaska-Sitzungen ab. Das ist dort in Peru in etwa so „normal
, wie bei uns in die Kirche zu gehen, erzählte man mir.
Wer kennt es nicht, dass einem morgens im Bett die besten Ideen „einfallen. Meine Idee, Menschen zu animieren gemeinsam mit mir nochmal auf diesen „Aussichtsturm
zu steigen und zu erleben, was jeder Einzelne von dieser Aussichtsplattform aus sehen würde, entwickelte sich beständig weiter und deshalb fing ich an, dieses Buch zu schreiben – ich konnte gar nicht mehr anders!
Jetzt, wo ich das erste Mal vor dem Bildschirm sitze, um dieses Buch anzufangen, ist es dennoch ein neues, ein besonderes Gefühl, irgendwie vergleichbar vielleicht mit einer Geburt - einem neuen Anfang.
Dass ich heute, am 13. zu schreiben beginne, werte ich als ein gutes Omen – im Gegensatz zu der geläufigen Meinung eines Unglückstages!
Der Schamane, den ich kennenlernen durfte, war geborener Franzose. Sein bürgerlicher oder spiritueller Name tut hier nichts zu Sache. Ich werde ihn daher im Folgenden mit w. W. abkürzen.
Die Reise nach Innen beginnt
„Wir treffen uns gegen 17 Uhr am Hotel Maury."
Das war alles, was ich vor meiner Ankunft in Zentrum Limas wusste, als ich am 11. Januar 2008 am verabredeten Ort eintraf. Einige der 90 Teilnehmer begrüßten sich gerade sehr herzlich. Und auch ich fand schnell Anschluss.
Gleich am nächsten Tag ging es per Linienflug weiter nach Osten, über die Anden, ins peruanische Amazonien.
Nach Peru war ich schon eine Woche früher gereist und war absolut fasziniert von den großen Steinmauern der Inkas oberhalb Cuscos. Aus der Vogelperspektive haben sie die Kontur eines riesigen Kondors. Cusco, die Hauptstadt Perus zu Zeit der Eroberung durch die Spanier, liegt auf 3400 m Höhe. Die unterschiedlich großen, bis zu 180 Tonnen schweren Steinblöcke passen so genau aufeinander, dass nicht mal eine Messerspitze in die Ritzen dazwischen passt. Sie zeigen völlig unterschiedliche Formen und Größen. Teilweise sind sie fünf- oder gar sechseckig. Welche Technik diese Menschen vor 500 bis 700 Jahre dafür verwendeten, weiß man bis heute nicht. Das Rad kannten sie jedenfalls noch nicht.
Ich fragte mich, was diese Leute damals wohl fühlten, welche Vision sie hatten? Und wie groß muss ihr Zusammenhalt untereinander gewesen sein, um solche Leistungen zu vollbringen? Ob sie auch glücklich waren, nach der Vollendung ihres Werkes, wusste ich nicht, aber von mir selber wusste ich, wie sehr sich das Selbstbewusstsein aufbaut, wenn mir - trotz vieler Mühsal - etwas Schönes gelang.
Vor diesen Steinen stehend, erinnerte ich mich an einen Besuch des Ulmer Münsters. 150 Jahre lang hatte man daran zur Ehre Gottes gebaut, in einem für heutige Verhältnisse kleinen Ort. Ulm hatte damals nur 10 000 Einwohner. Was war das für eine Leistung, nicht nur der Künstler und Handwerker, sondern auch der Bauern, die die ganze Zeit über die Lebensmittelversorgung sicherstellten? Es muss ein ganzes großes Gefüge gewesen sein. Für mich stellte sich in diesem Zusammenhang die Frage, ob die Menschen damals, mit ihrem gemeinsamen, „großen Ziel, zufriedener waren als wir es heute oftmals sind. Faszinierend war für mich auch der zeitliche Zusammenhang zwischen den großen Dombauten in Europa, wie hier des Ulmer Münsters, mit den ebenfalls unglaublichen Steinmauern in Peru. Zeitgleich muss in Europa und Südamerika, ohne direkten Kontakt zueinander, eine gleiche Grundstimmung geherrscht haben: eine Hinwendung zu etwas „Höherem
, zum großen Ganzen. War da weltweit eine andere Schwingung als heute?
Die großen Kirchen des siebzehnten Jahrhunderts stehen in Cusco den europäischen Bauwerken in keiner Weise nach. Viel Gold und Silber sowie das kunstvollste Chorgestühl von ganz Südamerika gab es für mich im Dom von Cusco zu bewundern. Auf dem großen Altarbild vom letzten Abendmahl war allerdings, anstelle des Opferlammes auf dem Tisch, ein Meerschweinchen dargestellt (eine auch heute noch beliebte Hauptspeise der Inkas), das dort etwa so groß wird wie bei uns ein Stallhase. Das Gesicht des Verräters, Judas, stellte ein Portrait Pizarros, des „Inkaschlächters" dar. Er hatte den damaligen Inkaherrscher nach der Herausgabe seines gesamten Goldes dann doch hinrichten lassen, obwohl er im dafür die Schonung seines Lebens versprochen hatte. Siebzehn Tonnen sollen es gewesen sein.
Diese Erinnerungen und Gedanken beschäftigten mich, als warmer Tropenregen uns in Amazonien empfing. Das angenehme, trockene Klima der Hauptstadt Lima lag jetzt eine Flugstunde hinter uns.
Peru ist klimamäßig zweigeteilt. Das Land zwischen dem Andenhauptkamm und dem Pazifik ist wüstenähnlich und niederschlagsarm. Es ist aber durchzogen von vielen Flüssen, deren Wasser zur Bewässerung genutzt wird. Diese werden gespeist vom Regen, der auf den bis zu 6000 m hohen Bergen entsteht, wenn die warme Meeresluft abkühlt und kondensiert. Bereits über 2500 Metern ist das Klima angenehm und gemäßigt. Zudem fällt oben aber auch genügend Regen, wodurch sich dort eine „Weltmacht" wie das Inkareich entwickeln konnte. Durch das besondere Klima, viel Sonne und ausreichend Wasser, um auch die trockenen Wüstengebiete bewässern zu können, haben die Menschen heute, über ihre eigene Ernährung hinaus, noch gute Exporteinnahmen durch landwirtschaftliche Produkte. Das war damals besonders spannend für mich. Angekommen östlich der Anden, auf der Amazonasseite, herrschte tropisches und feuchtes Klima. Mit Kleinbussen fuhren wir nach der Landung, vom Flughafen Tarapoto zu einem etwa 30 Kilometer entfernten Dörfchen. Die Bewohner empfingen uns sehr herzlich und halfen uns, das Gepäck zu tragen.
Zu Fuß ging es über eine Hängebrücke weiter zu einem noch abgelegeneren Ort. Es regnete und der nasse, klebrige Lehm ließ uns bis zu 10 cm „größer werden", weil er sich ganz zäh an den Fußsohlen aufbaute. Der Marsch war sehr anstrengend. Kurz vor dem Ziel erlitt ein Mann aus Frankreich einen Schlaganfall und verstarb. Die ganze Gruppe war zunächst schockiert, dann bedrückt und schließlich nachdenklich.
Ich fragte mich, was dieser Auftakt für die nächsten drei Wochen wohl zu bedeuten habe. „Kauf dir unbedingt ein dickes Heft, in das du alles was du erlebst, aufschreiben kannst", hatte meine Bekannte mir noch in Lima empfohlen.
Es war eine gute Empfehlung gewesen, legte es doch den Grundstein für dieses Buch hier. Allerdings hatte ich anfangs nach all den Eindrücken und der (nicht nur) körperlichen Erschöpfung, dazu noch überhaupt keine Lust. Erst am dritten Tag fing ich an zu schreiben, was ich jetzt ein wenig bedauere.
3. Tag. 15.01.2008
Durch die Hölle gehen
Die erste Nacht hatten wir, soweit ich mich erinnern kann, noch in unseren Betten geschlafen; die zweite und dritte Nacht lagen wir dann auf dünnen Matratzen alle nebeneinander in der Maloka, unserem ungewöhnlichen Seminarhaus. Das war ein Rundbau mit 25 bis 30 m Durchmesser und 20 m Höhe. Gebaut war alles aus Holz, Bambus und Palmblättern. Die Seitenwände waren ca. 3 m hoch, alles andere war Dach. Unsere Matratzen lagen in zwei Kreisen an der Wand entlang auf dem Holzboden. In der Mitte befand sich ein flacher Fels auf dem ein Feuer brannte.
Gegen 23.00 Uhr wurde in der ersten Nacht nach einer eineinhalbstündigen Zeremonie das Ayahuasca ausgegeben; ein halbes Schnapsglas voll scheußlich schmeckendem Sirup. Ich erlebte nach der Einnahme noch nicht viel. Die Wirkung dauerte etwa drei Stunden, von denen ich zwei Stunden verschlief. Die zweite Nacht hatte es, nach einer ähnlichen Zeremonie wie in der ersten, allerdings in sich. Wenn ich die Augen schloss, wechselten im Sekundentakt Ornamente und Farben. Es war, als würde ich in einem endlosen Meer mitgerissen werden. Mein „Ich" war völlig weg. Es schwamm einfach, wie ein Stück Holz im Fluss, irgendwie mit und ich konnte keinen Einfluss darauf nehmen, wohin es trieb. Das machte mir allerdings keine Angst.
Manchmal war alles bunt, dann Ton in Ton, z.B. Gelb, Ocker oder Braun, zwischendurch alles Golden im Wechsel mit Braun und Schwarz. Wenn ich die Augen öffnete, waren teilweise die Umrisse verschwommen, sie waren eingerahmt von kleinen Kreuzchen oder x. Meine Hand wechselte die Farben und meine Finger wurden mal dicker und mal dünner. Wenn ich die Augen schloss, erschienen sofort wieder die Ornamente, aber so schnell wechselnd, dass es kaum auszuhalten war. Um mich herum kotzten und stöhnten, lachten und weinten die Leute.
Wenn ich die Augen öffnete und sie anschaute, konnte ich nur leere Gesichter erkennen. Ich hatte das Gefühl, mein Gehirn schwebe alleine umher und könne bald platzen. Nun befürchtete ich doch für einen Moment, dass sich etwas umstellen könne und ich vielleicht hinterher nicht mehr normal sein würde, doch ich hatte keine Zeit länger darüber nachzudenken, denn neue Bilder kamen weiter im Sekundentakt. Ich versuchte, an die Menschen zu denken, die ich liebte oder die mir nahestanden. Ich versuchte, ein Licht einzufangen, aber es verschwand genauso schnell, wie die Ornamente vor meinen Augen. Dabei sah ich weder Fratzen noch wilde Tiere – dennoch – es war schrecklich für mich. So, wie man sich die Hölle vorstellt! Immer in diesem Zustand bleiben zu müssen, musste wirklich, wie in der Bibel beschrieben, die ewige Verdammnis sein.
Mir war dabei bewusst, dass das alles nicht von außerhalb kam, sondern sich alles in meinem Kopf abspielte. Zum ersten Mal in meinem Leben spürte ich, welche unendlichen, ungenutzten Kapazitäten in einem Gehirn gespeichert sind. Ich hatte wiederholt das Gefühl, dass mein Gehirn außerhalb meines Kopfes schwebe. Dann fasste ich mir an den Kopf, um immer wieder festzustellen, dass er, dass ich noch „da" war und versuchte dadurch von der Trance-Welt immer wieder zurück in die reale, in die materielle, in die mir bekannte Welt zu wechseln.
Ich sah auf die Uhr und es waren erst zwei Stunden seit der Einnahme vergangen. In der ersten halben Stunde hatte ich noch überhaupt keine Wirkung gespürt. Doch das Umschalten vom Normalzustand in den Trance-Rausch ging dann ganz schnell, so wie das Einschlafen. Jedoch war der Unterschied zum Schlaf der, dass ich dabei hellwach blieb. Ich fragte mich, ob es Gemeinsamkeiten mit den bekannten „Rauschgiften gab. Diese förderten meines Wissens die Ausschüttung von Glückshormonen, während ich bei Ayahuasca aber geradezu das Gegenteil empfand – zumindest was meinen gerade aktuellen Zustand betraf. Ich würde diesen „Rausch
eher als ein Eindringen ins Innere bezeichnen, was auch immer dort vorhanden sein mochte.
*
DMT (Dimethyltryptamin) ist der Hauptwirkstoff von Ayahuasca, wie es die Indianerstämme Amazoniens seit Jahrhunderten herstellen, wird aus einer Liane gewonnen die bis zu 30 m an den Bäumen im südamerikanischen Dschungel hochwächst. Die Wirkung kann aber erst durch das Vermischen der Liane mit einer oder mehreren anderen Pflanzen einsetzen. Diese verhindern, dass der Stoff sofort abgebaut wird. Die Kombination der Pflanzen hindert die Leber daran, ein körpereigenes Gegenmittel zu produzieren, so dass die Schranke zwischen den beiden Gehirnhälften aufmacht, die sonst immer streng verschlossenen ist. Durch die Überschreitung dieser Gehirnschranke bekommt man plötzlich Zugriff zum gesamten Inhalt unserer eigenen „Fest- oder Speicherplatte mit der gesamten Fülle des Gemerkten oder des sogar schon bei der Geburt Mitgebrachten. „Der Türsteher wird weggeschickt und andere Geister haben dadurch Zugang
, erklärte uns später „unser" Schamane.
Wie ich später nachlas, können die Auswirkungen von Ayahuaska bei jedem Menschen anders sein. Der durch die Inhaltsstoffe hervorgerufene Zustand unterscheidet sich maßgeblich von dem, der durch andere Halluzinogene entsteht. Es ist kein Delirium. Die Erlebnisse in der Wirkungs-Zeit werden real erlebt. Ayahuasca ist absolut keine Partydroge. Schamanen benutzen die Substanz seit Jahrhunderten, um mit den Seelen Kontakt aufzunehmen. Die DMT-haltige Liane wird als heilige Pflanze und Medizin hoch verehrt. Sie wird von den verschiedenen einheimischen Gruppen bei vielerlei Zeremonien verwendet. Die Traditionen der Zubereitung variieren, doch geht es darum, die spirituellen Kanäle des Menschen zu öffnen und als geübter Schamane Visionen zu erhalten. Sobald jemand in diese Welt eingetaucht ist, wird er mehr über sich und andere erfahren und alles aus einem anderen, sonst nicht erreichbaren und deshalb für viele unbekannten Blickwinkel sehen können. Die Pflanzen-Mischung wird gelegentlich auch als Yagé bezeichnet. Und es gibt noch viele weitere Namen dafür. Wegen der starken Wirkung bezeichnen die heutigen Indogenen Ayahuaska manchmal scherzhaft als „Amazonas Television, „Naturkanal
oder „Dschungelkino. Katholische Mestizen oder „Stadtindianer
feiern ihre Gottesdienste oft zusammen mit Ayahuasca und mischen indianische Rituale mit christlichen Liedern und Gebräuchen. Dabei wird der Tee oder Sirup oft auch als das Fleisch und Blut Christi getrunken. Allerdings steigt auch der Ayahuasca-Tourismus. Da es spirituell hoch anregend ist und körperlich reinigend wirkt, ist Ayahuaska nur demjenigen zu empfehlen, der die jeweilige Wirkung unter professioneller Begleitung mit Respekt handhabt.
In Deutschland und anderen europäischen Ländern fällt der in Ayahuasca enthaltene Stoff DMT unter das Betäubungsmittelgesetz. (Quelle: Wikipedia und Erzählungen von Einheimischen)
Der Schamane trommelte ununterbrochen weiter. Es führte mich. Wohin? Das wusste ich nicht und irgendwie doch. Sämtliche Töne nahm ich viel intensiver und völlig anders als im nüchternen Zustand war. Später, wieder zu Hause, sollte ich einen Wissenschaftler kennenlernen, der die Musik der Amazonasvölker sehr oft in Ayahuaska-Trance erforschte, um sie dadurch besser zu verstehen. Im jetzigen Moment fühlten sich meine Füße nicht mehr gerade, sondern total verbogen und wie ineinander verhakt an. Mir wurde speiübel, ich wollte mich aber nicht übergeben.
„Wo bin ich da hineingeraten, werde ich etwa abhängig?, fragte ich mich zum wiederholten Mal. Da ich außer den kleinen Ängsten, wie z. B. „Habe ich etwa gerade meinen Autoschlüssel verloren?
oder „Habe ich meine Geldbörse nicht dabei?, wenn ich sie an der Supermarktkasse nicht gleich fand, soweit ich mich gerade erinnerte, nie große Ängste hatte, war da auch jetzt kein Gefühl der Angst. Oder hatte ich diese Ängste aus Selbstschutzgründen nur erfolgreich verdrängt? Ich fragte mich nur immer wieder: „Warum mache ich das? Brauche ich das? Warum tue ich mir diese Strapazen überhaupt an?
Ja, warum tat ich mir diese Qualen an? Beim Schreiben dieser Zeilen kommt mir der Gedanke, dass wir vieles tun, von dem wir denken, dass wir es nicht bräuchten. Aber warum tun wir es dann? Eine Antwort: Auch durch vermeintlich „unnütze" Dinge oder sogar gerade durch sie funktioniert das Prinzip des Lernens!
Ich dachte an Orpheus in der Unterwelt, an Dante und die Beschreibungen der Hölle in der Bibel. Ich fragte mich, ob die Erfahrung dem Sterbeprozess nahekam? Ich erinnerte ich mich an das, was ich in verschiedenen Büchern und Fernsehsendungen über Nahtoderfahrungen gelesen oder gesehen hatte sowie an die Erzählung eines meiner besten Freunde, der auch einen Nahtod erlebte. Der Zustand wurde von allen als sehr harmonisch beschrieben - im Gegensatz zu meinem aktuellen Erlebnis.
Uns wurde damals gesagt, dass man die Trance-Ebenen mit Ayahuaska sozusagen im „Raketentempo erreiche und nicht jahrelang üben müsse, wie etwa beim Meditieren. Dennoch, zum aktuellen Zeitpunkt hatte ich noch 15 bis 18 Einnahmen vor mir. Und so hoffte ich, dass ich noch weitere Himmel oder Höllen würde durchwandern dürfen, denn darauf war ich ja neugierig! Außerdem erinnerte ich mich in diesem Augenblick an das, was mir in Lima, vor Antritt der Reise, mein Geschäftspartner Enrike gesagt hatte: „In Peru gibt es die These, dass du dich erst nach einer Einnahme von mindestens 14 x in dieser neuen Welt zurechtfindest und du von da an auch als Eingeweihter giltst.
Meine Reise nach Innen war also noch nicht
