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Jerusalem im Zeichen des Kreuzes: Herrschaft, Glaube und Konflikte im  Zeitalter der Kreuzzüge
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Jerusalem im Zeichen des Kreuzes: Herrschaft, Glaube und Konflikte im  Zeitalter der Kreuzzüge
eBook348 Seiten3 Stunden

Jerusalem im Zeichen des Kreuzes: Herrschaft, Glaube und Konflikte im Zeitalter der Kreuzzüge

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Über dieses E-Book

Im 12. Jahrhundert, als Europa von religiösem Eifer und politischer Instabilität erschüttert wurde, entbrannte der Kampf um das Heilige Land. "Jerusalem im Zeichen des Kreuzes" beleuchtet die dramatische Geschichte der Kreuzfahrerkönige, die das Königreich Jerusalem regierten, und taucht tief in die komplexen Verflechtungen von Glauben, Macht und Krieg ein.

Henry Ch. FitzAlan führt den Leser auf eine fesselnde Reise durch das Mittelalter, in eine Zeit, in der Könige und Ritter die Waffen für das Kreuz erhoben, um die heiligen Stätten zu verteidigen und ihre Herrschaft zu sichern. Dieses Buch enthüllt die politischen Intrigen, die religiösen Überzeugungen und die erbitterten Konflikte, die das Schicksal Jerusalems bestimmten und die Welt des Mittelalters für immer veränderten.

Mit fundierter Recherche und lebendigen Schilderungen bringt FitzAlan die Vergangenheit zum Leben und zeigt, wie die Ideale des Glaubens und die Realitäten der Macht die Geschicke des Heiligen Landes lenkten. "Jerusalem im Zeichen des Kreuzes" ist ein unverzichtbares Werk für alle, die die Kreuzzüge und ihre Auswirkungen auf die Geschichte verstehen wollen.
SpracheDeutsch
Herausgebertredition
Erscheinungsdatum31. Aug. 2024
ISBN9783384339904
Jerusalem im Zeichen des Kreuzes: Herrschaft, Glaube und Konflikte im  Zeitalter der Kreuzzüge

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    Buchvorschau

    Jerusalem im Zeichen des Kreuzes - Henry Ch. FitzAlan

    Henry Ch. FitzAlan

    Jerusalem im Zeichen des Kreuzes

    Herrschaft, Glaube und Konflikte im

    Zeitalter der Kreuzzüge

    Die Ursprünge und Beweggründe der Kreuzzüge

    Die politischen und religiösen Hintergründe Europas

    Das mittelalterliche Europa war geprägt von komplexen politischen und religiösen Strukturen, die maßgeblich zur Entstehung und Entfaltung der Kreuzzüge führten. In einem Zeitalter, das von tiefem religiösen Glauben und ständiger politischer Instabilität geprägt war, verschmolzen geistliche und weltliche Aspekte zu einem facettenreichen Geflecht aus Macht, Einfluss und frommem Eifer.

    Im späten 11. Jahrhundert durchlief Europa tiefgreifende Veränderungen, die sowohl aus internen Konflikten als auch aus äußeren Bedrohungen resultierten. Zentral für das politische und religiöse Leben war die Römisch-Katholische Kirche, die nicht nur als geistliches Oberhaupt, sondern auch als mächtiger politischer Akteur agierte. Der Einfluss der Kirche erstreckte sich über alle Ebenen der Gesellschaft, von Königen und Kaisern bis hin zu den einfachsten Bauern. Das Papsttum befand sich in einer Phase der Konsolidierung und strebte danach, seine Autorität sowohl innerhalb als auch außerhalb Europas zu festigen.

    Zu dieser Zeit fand auch die sogenannte „Gregorianische Reform" statt, benannt nach Papst Gregor VII. Diese Reformbewegung zielte darauf ab, die Moral und Disziplin innerhalb der Kirche zu stärken und die Trennung von Kirche und Staat durchzusetzen. Gregor VII. und seine Nachfolger, darunter Urban II., sahen die Kreuzzüge als ein Mittel, sowohl den Einfluss der Kirche zu vergrößern als auch die christliche Welt zu vereinigen. Quelle: Thomas Asbridge, The First Crusade: A New History. Besonders Urban II. erkannte die Gelegenheit, die westliche Christenheit unter dem Banner eines gemeinsamen religiösen Ziels zu vereinen und damit seine Position zu stärken.

    Ein weiterer entscheidender Faktor war die politische Fragmentierung und Unruhe in Europa. Das Heilige Römische Reich, Frankreich und England waren alle durch interne Machtkämpfe und dynastische Konflikte geschwächt. In vielen europäischen Königreichen und Fürstentümern herrschten lokale Adelige, die ihre Macht oft auf Kosten des Königtums ausweiteten und häufig in Konflikte verwickelt waren. Diese Zersplitterung schwächte die Fähigkeit der europäischen Mächte, effektiv gegen äußere Bedrohungen, wie die Expansion der Seldschuken in Anatolien und die Eroberung Jerusalems durch die Fatimiden, vorzugehen.

    Die religiösen Beweggründe für die Kreuzzüge dürfen ebenfalls nicht unterschätzt werden. Der christliche Glaube spielte eine zentrale Rolle im Leben der mittelalterlichen Menschen und das Bild von Jerusalem als heilige Stadt, als Zentrum des christlichen Glaubens, hatte eine immense Bedeutung. Die Pilgerfahrten nach Jerusalem waren seit langem eine Tradition, und Berichte über die schwierigen Bedingungen und Gefahren, denen die Pilger ausgesetzt waren, verstärkten den Wunsch, die Stadt aus muslimischer Kontrolle zu befreien. Es herrschte die Überzeugung, dass der Kampf gegen die Muslime ein „gerechter Krieg" sei, der sowohl den individuellen als auch den kollektiven Glauben stärken würde. Quelle: Christopher Tyerman, God's War: A New History of the Crusades.

    Ein weiterer Aspekt, der die Kreuzzüge antrieb, war der zunehmende Einfluss des Rittertums und der militärischen Kultur. Ritter sahen sich als Beschützer des Glaubens und als Kämpfer für eine gerechte Sache. Das Ideal des „miles Christi", des Soldaten Christi, wurde von der Kirche und der adeligen Gesellschaft stark gefördert. Der Kreuzzug bot den Rittern und Adligen nicht nur eine spirituelle Rechtfertigung für ihre kriegerischen Talente, sondern auch die Aussicht auf Reichtum, Land und Prestige. Quelle: Jonathan Riley-Smith, The Crusades: A History.

    Die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse in Europa spielten ebenfalls eine Rolle bei der Entstehung der Kreuzzüge. Bevölkerungswachstum und wirtschaftliche Expansion führten zu einem zunehmenden Druck auf die vorhandenen Ressourcen. Insbesondere jüngere Söhne des Adels, die keine Aussicht auf Erbschaften hatten, sahen im Kreuzzug eine Möglichkeit, neue Ländereien und Reichtümer zu erlangen. Für viele war der Kreuzzug auch eine Form des Auswegs aus wirtschaftlichen Schwierigkeiten und sozialer Unterdrückung, ein Weg zu Ansehen und Wohlstand. Quelle: Thomas Madden, The Concise History of the Crusades.

    Zusammengefasst formte sich das Bild Europas im späten 11. Jahrhundert aus einem vielfältigen Mosaik aus politischer Rivalität, religiösem Eifer, wirtschaftlichem Druck und sozialem Wandel. Die Kreuzzüge, entstanden aus diesen ineinander verwobenen Faktoren, dienten einer Vielzahl von Zwecken und Interessen. Sie waren ein Produkt einer Epoche, die von tiefgreifendem Glauben und beständigem Streben nach Macht und Einfluss geprägt war. Dieses komplexe Geflecht von Motiven und Hintergründen ist unerlässlich, um die Ursprünge und die Dynamik der Kreuzzüge vollständig zu verstehen.

    Der Aufruf von Papst Urban II. zum Ersten Kreuzzug

    Der historische Aufruf von Papst Urban II. am 27. November 1095 auf dem Konzil von Clermont markierte den Beginn eines entscheidenden Kapitels in der Geschichte des Mittelalters und in der Erzählung der Kreuzzüge. Papst Urbans Worte hallten durch die Versammlung der anwesenden Kleriker und weltlichen Führer und legten den Grundstein für die Entstehung des Ersten Kreuzzugs. Es war ein Ruf zu den Waffen, ein geistlicher und militärischer Appell, der die Christen Europas mobilisieren sollte, um das Heilige Land von muslimischer Herrschaft zu befreien.

    Die Gründe für diesen Aufruf waren tief verwurzelt in den politischen und religiösen Umständen der Zeit. Die mittelalterliche europäische Gesellschaft befand sich in einer Phase der tiefen religiösen Inbrunst, was von der Kirche geschickt genutzt wurde, um die Idee des Kreuzzugs als Akt der höchsten Frömmigkeit und Loyalität gegenüber Gott darzustellen. Papst Urban II. versuchte, die zunehmende Fragmentierung und die internen Konflikte innerhalb des christlichen Europas zu überwinden, indem er die Christen in einer gemeinsamen Sache vereinte.

    In seiner berühmten Rede, deren genaue Formulierung in verschiedenen historischen Berichten leicht variiert, betonte Urban II. nicht nur die religösen Motive, sondern auch die Notlage der Christen im Osten. Die Byzantinischen Kaiser, insbesondere Alexios I. Komnenos, hatten mehrmals um militärische Unterstützung gegen die vorrückenden seldschukischen Türken gebeten. Diese Bitten gaben Urban den Anlass, moralische und religiöse Appelle mit praktischen politischen Zielen zu verknüpfen.

    Robert von Reims beschreibt in seiner Chronik die Worte von Papst Urban II. folgendermaßen: „Deus lo vult! – „Gott will es! Der Papst betonte die überirdische Belohnung für die Teilnahme am Kreuzzug, einschließlich Ablass und Sündenvergebung, ein mächtiger Anreiz in der religiös geprägten Vorstellungen des Mittelalters. Das Ziel war klar definiert: die Befreiung Jerusalems und der heiligen Stätten von der Kontrolle „Ungläubiger".

    Und es war nicht nur die Verheißung des Jenseits, die Anklang fand. Für viele Adelige und Ritter bot der Kreuzzug auch eine Möglichkeit, eigenes Land und Reichtum zu gewinnen, und zudem war es eine Gelegenheit, Status und Ehre zu erlangen. Urbans Rede streifte die wirtschaftlichen Motive kaum, aber die Aussicht auf neues Land und Beute war unter den Rittern kein minderer Grund zur Teilnahme an der Expedition.

    Ein weiterer bedeutender Aspekt war die Versucht, die energische und oft destruktive Kriegerkultur des europäischen Adels auf ein heiliges Ziel zu lenken. Das Mittelalter war geprägt von zahlreichen inneren Konflikten und Fehden zwischen regionalen Herrschern. Indem Papst Urban II. diese Streitigkeiten in den Dienst einer höheren, heiligen Pflicht stellte, hoffte er, die endemischen Kriege und Gewalt durch die Fokussierung auf einen gemeinsamen Feind zu mindern.

    Dieser dramatische Appell spiegelte auch die Vision einer geeinten Christenheit wider, die bereits in den philosophischen und theologischen Bereichen seit langem vorherrschte. Die Einnahme und Verwaltung der heiligen Orte durch Muslime wurde als Schmach und Herausforderung für die Christenheit empfunden, und die Rückeroberung sollte ein Symbol der wiedergewonnenen religiösen und moralischen Überlegenheit des Christentums sein. Jerusalem, der Nabel der Welt aus christlicher Perspektive, sollte zurückerobert werden, um das göttliche Mandat zu erfüllen und das christliche Erbe zu verteidigen.

    Die unmittelbare Reaktion auf den Aufruf zeigt die Wirkmacht und das Geschick von Urban II. Rasch formierten sich Heerscharen europäischer Adliger, Ritter und einfacher Krieger, aber auch einfache Pilger, um dem Aufruf zu folgen. Die Versammlungen und darauf folgenden Bewegungen waren so umfangreich wie divers, wie in den Berichten von Augenzeugen und Chronisten wie Fulcher von Chartres und Anna Komnena detailliert festgehalten wurde. Die Motivation, sich dem Kreuzzug anzuschließen, war vielfältig, von tiefen religiösen Überzeugungen und Pflichtgefühl bis hin zu weltlichen Hoffnungen auf Ruhm und materiellen Gewinn.

    Letztlich war der Aufruf von Papst Urban II. ein ideenreicher Impuls, der bestehende religiöse Überzeugungen und politische Gegebenheiten vereinte, und er rief nachhaltige und weitreichende Bewegungen im mittelalterlichen Europa hervor. Die Kreuzzüge, von diesem Initialruf inspiriert, formten die historische Landschaft des Mittelalters und hinterließen ein ambivalentes Vermächtnis von religiösem Eifer, kriegerischer Tapferkeit und kulturellem Austausch sowie von Gewalt und Zerstörung, dessen Folgen Jahrhunderte überdauerten und bis heute zum Verständnis des mittelalterlichen Christentums und seiner Beziehungen zur islamischen Welt beitragen.

    Die Rolle der Kirche und religiöser Eifer

    Die Rolle der Kirche im Kontext der Kreuzzüge kann kaum unterschätzt werden. In einer Epoche, in der Religion und Staat miteinander verflochten waren, agierte die Kirche als moralischer Kompass und quasi-politische Instanz. Der religiöse Eifer, der sowohl die geistliche als auch die weltliche Gesellschaft durchdrang, schuf eine einzigartige Dynamik, die letztlich in den größeren Kontext der Kreuzzüge mündete.

    Der Ausgangspunkt für diese Bewegung lässt sich auf das Pontifikat von Papst Urban II. zurückführen, der am 27. November 1095 in Clermont mit eindringlichen Worten zum Ersten Kreuzzug aufrief. Urbans Predigt zielte nicht nur darauf ab, das Heilige Land von muslimischer Herrschaft zu befreien, sondern auch darauf, die moralische und geistliche Einheit der Christen Europas zu stärken. ...All who die by the way, whether by land or by sea, or in battle against the pagans, shall have immediate remission of sins., versprach Urban (Robert the Monk, Historia Iherosolimitana), was den tiefen Einfluss der Kirche auf das individuelle Seelenheil verdeutlicht.

    Die Kreuzzüge wurden somit als heilige Kriege propagiert, bei denen die Teilnehmer nicht nur weltlichen Ruhm und territoriale Gewinne erlangen konnten, sondern auch Aussicht auf Sündenerlass und ewiges Leben hatten. Der Gedanke an das perpetuum meritum, den ständigen Verdienst im göttlichen Sinne, motivierte viele Christen, die Kreuzzugsidee zu unterstützen und daran teilzunehmen. Für die Gläubigen war der Dienst im Kreuzzug nicht nur eine religiöse Pflicht, sondern auch ein Akt der Buße und der Verbesserung des Seelenzustands.

    Die Organisation der Kreuzzüge lag wesentlich in den Händen der Kirche, die ihre administrativen und logistischen Fähigkeiten voll ausschöpfte. Geistliche wie Adhemar von Le Puy, der als päpstlicher Legat fungierte und die Armeen der Kreuzfahrer begleitete, spielten eine zentrale Rolle in der Führung und Motivation der Truppen. In omnibus erat consultor et rector Athumarus, apostolicae sedis legatum (Ekkehard von Aura, Chronicon). Kirchenmänner leiteten nicht nur spirituelle Zeremonien und Bußgottesdienste, sondern beteiligten sich auch aktiv an militärischen Planungen und Aktionen.

    Die Kreuzzüge wurden durch die Predigten der Wanderprediger weiter gefördert, die die Frohe Botschaft der Befreiung Jerusalems in alle Ecken Europas trugen. Berühmte Persönlichkeiten wie Peter der Einsiedler zogen durch das Land und entfachten den religiösen Eifer der Massen. Die vereinfachten und dramatisierten Darstellungen in ihren Reden erweckten starke Emotionen und einen unbedingten Willen zur Teilnahme. Petrus Venerabilis, Abt von Cluny, schrieb: Heralds of divine instruction roam over the earth... (Petrus Venerabilis, De Miraculis Sancti Benedicti).

    Die Rolle der Kirche beschränkte sich jedoch nicht nur auf befehlende und organisierende Tätigkeiten. Die theologischen und ideologischen Grundlagen der Kreuzzüge wurden in klösterlichen Skriptorien und theologischen Schulen entwickelt. Bedeutende Theologen wie Anselm von Canterbury und Bernard von Clairvaux formulierten Lehren, die die Legitimität und Notwendigkeit der Kreuzzüge aus religiöser Sicht untermauerten. Während Anselm eine rationale und philosophische Rechtfertigung bot, verkörperte Bernard den spirituellen Enthusiasmus, indem er die Kreuzzüge als göttlich geboten präsentierte: Gott will es! (Bernard von Clairvaux, De Laude Novae Militiae).

    Neben der institutionellen Kirche spielten auch religiöse Orden eine bedeutende Rolle. Der Templerorden und der Johanniterorden sind die bekanntesten Beispiele für militärische Gemeinschaften, die aus dem Kreuzzugsgedanken hervorgingen. Diese Orden kombinierten das monastische Leben mit militärischem Dienst und entwickelten eigene Regelwerke und Ideologien, die die Heiligkeit und den militärischen Kampf im Dienste Gottes vereinten. Ihre Mitglieder wurden als die Elite der Kreuzritter angesehen, was ihnen sowohl hohes Ansehen als auch beträchtliche weltliche Macht verlieh.

    Ein zentraler Aspekt des religiösen Eifers war zudem die Idee der imitatio Christi, der Nachahmung Christi. Die Teilnahme an den Kreuzzügen wurde als einweg Opfer verstanden, das den Leidensweg Christi nachahmte und dadurch die Gläubigen näher zu Gott führte. Die Vorstellung, Christus durch das Leiden und den Kampf für das Heilige Land nachzufolgen, verlieh den Kreuzzügen eine tiefe spirituelle Bedeutung. Im Einklang mit dieser Ideologie wurden auch Formen der geistlichen Kriegführung entwickelt, die sowohl den physischen als auch den geistlichen Kampf betonten.

    Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Rolle der Kirche und der religiöse Eifer zentrale Elemente für das Verständnis der Kreuzzüge sind. Die Kirche fungierte als treibende Kraft, sowohl durch institutionelle Strukturen als auch durch die geistige und theologische Unterstützung des Kreuzzugsgedankens. Der religiöse Eifer, gespeist durch Versprechen auf Sündenerlass und die Aussicht auf ewiges Heil, motivierte zahllose Männer und Frauen, sich auf die gefährliche Reise ins Heilige Land zu begeben. Es war ein Eifer, der sich in den Herzen und Köpfen der Menschen festsetzte und die Geschichte des Mittelalters nachhaltig prägte.

    Die sozialen und ökonomischen Faktoren

    Die Kreuzzüge, eine Serie von militärischen Feldzügen christlicher Europäer im Mittelalter, wurden oft als ein rein religiös motiviertes Unterfangen dargestellt. Doch neben dem tief verwurzelten Glauben und der glühenden Hingabe, die die Kreuzzügler antrieb, spielten auch soziale und ökonomische Faktoren eine entscheidende Rolle in der Entstehung und Durchführung dieser Unternehmungen. Diese Zusammenhänge zu verstehen, ist essenziell, um das komplexe Geflecht der Kreuzzugbewegung vollständig zu erfassen.

    Eines der markantesten sozialen Phänomene, das zur Mobilisierung von zehntausenden von Menschen führte, war die demografische Situation im mittelalterlichen Europa. Bis zum 11. Jahrhundert hatte sich die Bevölkerung Europas nach Jahrhunderten der wirtschaftlichen und landwirtschaftlichen Stagnation erholt und war stark gewachsen. Diese Bevölkerungsexplosion führte zu einem intensiven Druck auf die verfügbaren Ressourcen und erzeugte eine Anzahl von überflüssigen jungen Männern, besonders aus dem Adel, die keine Aussicht auf eine eigene Ländereien oder Herrschaften hatten. Diese überschüssigen Söhne des Adels, die nicht erben konnten, sahen in den Kreuzzügen eine Möglichkeit, Ruhm und Reichtum zu erlangen.

    oheswert erwies sich auch die wirtschaftliche Notwendigkeit, für die nichtadelige Bevölkerung neue Wege zu finden, sich zu versorgen und zu überleben. Die Agrarwirtschaft im Mittelalter war oftmals unproduktiv, und viele Bauern litten unter Armut und Überbevölkerung. Das Heilige Land und die damit verbundenen Handelswege boten die Aussicht auf neues Land, neue Märkte und neue Möglichkeiten. Der Gedanke, das zum Teil unerschlossene und furchtbare Land des Nahen Ostens zu kolonisieren, war für viele Bauern äußerst verlockend. Der Kreuzzug bot die Perspektive auf ein neues Leben und wirtschaftliche Besserstellung durch Landgewinn und neue Handelsbeziehungen.

    Die Städte und aufstrebenden Handelszentren Europas spielten ebenfalls eine maßgebliche Rolle. Venedig, Genua und Pisa waren stark an der Errichtung und Aufrechterhaltung der Kreuzfahrerstaaten beteiligt. Der Zugang zu neuen Handelsrouten im Osten sowie die Kontrolle über wichtige Hafenstädte und Märkte im Mittelmeerraum stellen für diese Handelsmächte eine enorme wirtschaftliche Versuchung dar. Die Städte unterstützten die Kreuzzüge, indem sie Schiffe und Versorgung bereitstellten und damit ihre Position als Handelszentren stärkten.

    Die Adligen und Ritter Europas verfügten über eines der wirksamsten Mittel zur Bereicherung: das Kriegswesen. Der Kriegszug ins Heilige Land versprach nicht nur geistlichen Lohn, sondern auch beträchtliche weltliche Gewinne. Die Aussicht auf erbeutete Schätze, neue Lehen und das Rüstzeug zum Rittertum waren verlockende Anreize für die kämpferische Elite Europas. Es war eine Möglichkeit, ihren sozialen Aufstieg zu sichern und ihren Status durch militärische Taten und Eroberungen zu festigen.

    Finanziell betrachtet war die Teilnahme an den Kreuzzügen teuer und stellte für viele ein bedeutendes Risiko dar. Viele Kreuzfahrer verkauften oder verpfändeten ihre Ländereien, um die Reise zu finanzieren, in der Hoffnung, durch Lösegelder, neue Gebiete oder Ressourcen im Osten das eingesetzte Kapital und mehr zurückzugewinnen. Die wirtschaftlichen Beweggründe waren somit eng mit einer risikobehafteten, aber potenziell äußerst lukrativen Unternehmung verbunden, die den individuellen gesellschaftlichen Status und das Vermögen erheblich augmentieren konnte.

    Die Urbanisierung und die Zunahme städtischer Zentren, die sich stark auf den Handel fokussierten, schufen ebenfalls eine neue soziale Dynamik innerhalb Europas. Der wachsende Einfluss der Handelsstädte und der wohlhabenden Kaufmannsschichten führte zu einer verstärkten Unterstützung der Kreuzzüge, da diese neue Handelsrouten und wirtschaftliche Möglichkeiten versprachen. Zudem förderte die Aussicht auf wirtschaftliche Gewinne die Unterstützung der Kreuzzugen durch Bürgen und Financiers, die den Kreuzzügen willkommene Ressourcen zur Verfügung stellten.

    Somit bleibt festzuhalten, dass die Kreuzzüge nicht allein von religiösem Eifer geprägt waren. Vielmehr waren sie auch das Produkt komplexer sozialer und ökonomischer Verhältnisse, die viele Schichten der mittelalterlichen europäischen Gesellschaft beeinflussten. Der Drang nach Land, Reichtum und sozialem Aufstieg war ein starker Antrieb, der viele Menschen, vom einfachen Bauern bis zum mächtigen Adeligen, dazu brachte, sich auf den gefährlichen und anspruchsvollen Weg ins Heilige Land zu begeben. Dieses Zusammenspiel aus religiöser Hingabe und profanen Beweggründen formte die Kreuzzüge zu einem der beeindruckendsten und vielschichtigsten Ereignisse des Mittelalters.

    Diese Struktur der Motivation, die sowohl von der Notwendigkeit der Sicherung von Grund und Boden als auch von dem Streben nach

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