Schwaben-Prinzessin: Der 24. Fall für Steffen Braig und Katrin Neundorf
Von Klaus Wanninger
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Wunderschön sieht sie aus, die Orchideenprinzessin, die tot am Rand des Wacholderhangs auf der Schwäbischen Alb gefunden wird. Doch weder ihr prächtiges, in kräftigen Blau- und Rottönen leuchtendes Gewand noch ihr blondes, zu Zöpfen geflochtenes Haar können darüber hinwegtäuschen, dass sie einer Gewalttat zum Opfer fiel. Die blutverkrustete Wunde an Katrin Reickles Hinterkopf spricht eine deutliche Sprache.
Kommissar Steffen Braig, der in die kleine Alb-Gemeinde beordert wird, findet rasch heraus, dass die junge Frau es verstand, ihr Leben zu genießen. Im Verlauf seiner Ermittlungen wird immer deutlicher, in welch illustren Kreisen sich die bildhübsche Werbebotschafterin bewegte. Ist ihr eine ihrer Affären zum Verhängnis geworden? Oder ist der Täter im Umfeld ihres heillos zerstrittenen Heimatortes zu finden? Immerhin wurden ihre sterblichen Überreste auf dem Grund und Boden einer Person gefunden, die schon einmal verdächtigt wurde, ein Verbrechen begangen zu haben …
Klaus Wanninger
Klaus Wanninger, Jahrgang 1953, lebt mit seiner Frau Olivera und der schwäbischen Katzendame Micki in der Nähe von Stuttgart. Er veröffentlichte bisher 40 Bücher. Seine überaus erfolgreiche Schwaben-Krimi-Reihe mit den Kommissaren Steffen Braig und Katrin Neundorf umfasst nun 24 Romane in einer Gesamtauflage von mehr als 650.000 Exemplaren.
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Schwaben-Prinzessin - Klaus Wanninger
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Klaus Wanninger
Schwaben-Prinzessin
Originalausgabe
© 2024 KBV Verlags- und Mediengesellschaft mbH, Hillesheim
www.kbv-verlag.de
E-Mail: info@kbv-verlag.de
Telefon: 0 65 93 - 998 96-0
Umschlaggestaltung: Ralf Kramp
Lektorat: Volker Maria Neumann, Köln
Druck: CPI books, Ebner & Spiegel GmbH, Ulm
Printed in Germany
Print-ISBN 978-3-95441-685-1
E-Book-ISBN 978-3-95441-694-3
Die Personen, Namen und Handlungen dieses Romans sind frei erfunden. Jede Ähnlichkeit mit lebenden Personen oder tatsächlichen Ereignissen wäre rein zufällig.
1. Kapitel
Die junge Frau am unteren Ende des Wacholderhangs schien zu schlafen. Ihr schlanker, von einem langen, blau-roten Kleid umhüllter Körper tauchte in den letzten Strahlen des verlöschenden Tages aus dem Dämmer hervor. Sie hatte kurze, blonde Zöpfe, ein schmales, von einer Stupsnase geprägtes Gesicht.
Im ersten Moment glaubte Braig, er habe sich verirrt; die Worte des Kollegen falsch verstanden, seine Ortsangabe: »Ungefähr 20 Meter. Am Fuß der Wacholderheide«, nicht korrekt befolgt. Vielleicht hatte ihn die aus der Ferne hörbare Musik, der an- und abschwellende Sound verschiedener Blaskapellen abgelenkt, vielleicht war er von den fast unerträglichen Temperaturen dieses Sommertags auch derart erschöpft, dass er nicht mehr zur gewohnten Konzentration finden konnte. Das knorrige, dicht gewachsene Gehölz um ihn herum vereitelte jede Chance auf korrekte Orientierung.
Er wischte sich den Schweiß von der Stirn, musterte die bildhübsche, junge Frau, beugte sich zu ihr nieder. Ein zarter, etwas bleicher Teint, schmale Wangenknochen, silbrig glänzende Perlenohrringe. Die blutverschmierte Wunde an ihrem Hinterkopf war erst bei genauerem Hinsehen zu erkennen. Ein kleiner, kreisrunder Fleck. Braig wusste aus langjähriger Erfahrung als Kriminalhauptkommissar des Stuttgarter Landeskriminalamtes, was das bedeutete: Er war doch am richtigen Ort angelangt.
Eine weibliche Leiche, nach ärztlicher Diagnose Fremdverschulden, hatte man ihm mitgeteilt, nachdem er bereits zwei Stunden vorher ins Vorland der Alb gerufen worden war, um die völlig demolierten Überreste einer großen Limousine auf einem abgeernteten Acker neben der Bundesstraße zu begutachten. »Sie finden sie keine zehn Kilometer von Ihrem derzeitigen Aufenthaltsort entfernt, am Rand von Brechtlingen.« Er hatte verfolgt, wie sich die Experten verschiedener lokaler Feuerwehren laut fluchend mit immer neuen Verrenkungen bemühten, mehrere kaum mehr identifizierbare Körper aus dem Wrack zu schneiden, hatte seine Beobachtungen dann mithilfe seines Notebooks dokumentiert. Der uniformierte Kollege, der ihn zu seinem neuen Einsatzort chauffieren sollte, war nur unter großer Mühe imstande gewesen, seiner Aufgabe nachzukommen. Zuerst hatte er sich verfahren, dann war er von heftigen Attacken in seinem Unterleib dazu gezwungen worden, anzuhalten und sich im nahen Gestrüpp zu erleichtern. Der untersuchende Arzt jedenfalls hatte den Fundort der Leiche längst verlassen, als Braig endlich am Ortsrand Brechtlingens eingetroffen war.
Ein uniformierter Beamter hatte ihn in Empfang genommen und sich als Franz Melk vorgestellt, ihn dann über eine steinige Wiese zu einem mit rot-weißem Flatterband abgegrenzten Areal hinter einem dem Tal folgenden Feldweg begleitet. Obwohl von dem Weg außer den Absperrungen nichts zu sehen war, hatten sich bereits mehrere Gaffer eingefunden. Die meisten waren der sommerlichen Hitze entsprechend mit T-Shirts und kurzen Hosen bekleidet, viele mit Fahrrädern unterwegs. Eine junge Polizistin hatte alle Hände voll zu tun, sie am Zutritt zu hindern.
Melk signalisierte ihm weiterzugehen, eilte seiner Kollegin zu Hilfe. Braig schlüpfte unter dem Flatterband hindurch, erreichte das dichte Gehölz, das den unteren Bereich des Hügels vor neugierigen Blicken schützte. Unzählige schlanke, fast senkrecht in die Höhe ragende Wacholderbüsche schmückten die sanft ansteigende, von Trockengräsern bewachsene Anhöhe – ein Anblick wie in einem Werbefilm des Touristikbüros der Schwäbischen Alb. Selten hatte er eine derart schöne Wacholderheide vor Augen gehabt. Er wusste, dass es sich um keine Naturlandschaft, sondern ein Produkt menschlicher Nutzung handelte. Auf den steinigen Hängen der wasserdurchlässigen Kalkböden der Alb hatten sich nur dünne Bodenauflagen bilden können, die nicht genügend Nährstoffe boten, um anspruchsvolle Pflanzen wachsen zu lassen. Nur wenig Feuchtigkeit beanspruchende Hecken, Gräser und Kräuter konnten hier gedeihen. Fehlte diesen Böden somit das Potenzial, direkt zur Ernährung der Menschen beizutragen, waren sie dennoch nicht vollkommen nutzlos: Schon vor Jahrhunderten war man darauf gekommen, sie von Schafen beweiden zu lassen. Die Tiere fraßen alle saftigen Gräser, Kräuter und Triebe, ließen jedoch die stacheligen Silber- und Golddisteln und die Wacholderbüsche unberührt, was letztendlich das Entstehen dieser einzigartigen Landschaftsform bewirkte. Ein traumhaft schöner, an einen gepflegten Park erinnernder Anblick.
Braig wandte seinen Blick talwärts, bemerkte, dass sich keine hundert Meter entfernt das Wohnhaus und die Stallungen eines Bauernhofs am Ortsrand Brechtlingens erstreckten. Auf den eingezäunten Wiesen um das Anwesen herum weideten mehrere Tiere, deren Blöken und Mähen ab und an, wenn das volkstümliche Gedudel aus der Ferne für einige Augenblicke verebbte, deutlich zu vernehmen war. Er sah, dass es sich um eine Kuh und ihr Kalb, dazu unterschiedliche Rassen von Schafen und Ziegen handelte, nahm überrascht die mitten zwischen den anderen Tieren friedlich im Boden wühlenden Schweine wahr. Ein Teil der Herde tummelte sich sogar auf dem Feldweg, der dem ausgetrockneten Bachbett entlang vom Dorf her durchs Tal folgte und jetzt von vielen Radfahrern und Spaziergängern bevölkert war. Beidseits davon sanft ansteigende, von Wacholderweiden und fast schon herbstlich anmutendem Wald geprägte Hügel und Berge. Eine wunderschöne, spätsommerliche Alb-Landschaft wie aus dem Bilderbuch, deren Idylle allerdings von der sich hoch am Himmel auftürmenden dunklen Wolkenwand und dem toten Körper vor ihm infrage gestellt wurde.
Er wandte sich wieder den sterblichen Überresten der jungen Frau zu, musterte ihr farbenfrohes, folkloristisch anmutendes Kleid. Kein Alltagsgewand, wohl auch nicht die Aufmachung eines gewöhnlichen Sonntags, überlegte er, eher die festliche Kleidung für einen besonderen Anlass. Eine Hochzeit zum Beispiel oder einen größeren Geburtstag. Oder hatte es mit den musikalischen Klängen im Hintergrund zu tun? Er lauschte den Melodien einer Blaskapelle, vermutete eines der unzähligen Volksfeste, die in der warmen Jahreszeit an fast jedem Wochenende irgendwo im Land stattfanden. War es am Rand dieser Veranstaltung, etwa unter dem Einfluss zu viel konsumierten Alkohols, zu einer tätlichen Auseinandersetzung gekommen, deren Folgen ihm hier vor Augen lagen?
Das leise Fluchen einer männlichen Stimme wenige Meter oberhalb hinderte ihn daran, seinen Gedanken weiterzuspinnen. Er trat aus dem Schatten des Gestrüpps, sah eine in helle Schutzkleidung gehüllte Person aus dem Unterholz eines Wacholderbuschs kriechen und sich mühsam aufrichten. An der Aufmachung war deutlich zu erkennen, dass es sich um einen Spurensicherer eines der regionalen Reviere handelte.
»Oh, Sie sind da«, schnaufte der Mann. Er lockerte seine Muskeln, folgte dann dem Hang abwärts.
Braig stellte sich vor, glaubte, den Kollegen von früheren Einsätzen her zu kennen.
»Meiser, Spusi Reutlingen. Wir sind uns vor ein paar Jahren schon mal begegnet«, bestätigte der Mann seine Vermutung. Er streckte eine durchsichtige Plastiktüte in die Höhe, wies auf ihren Inhalt. »Sie haben die Wunde am Hinterkopf bemerkt? Hier, ich schätze, das ist das Tatwerkzeug.«
Braig nahm überrascht den grauen, an mehreren Stellen rotbraun verfärbten Stein wahr, den ihm der Spurensicherer präsentierte. Eine etwa handtellergroße, grob-kantige Felsabsplitterung, zum Gestein der Umgebung passend. »Wo haben Sie den her?«
»Im Gras neben dem Wacholderbusch.«
»Sie haben den ganzen Boden abgesucht?«
Meiser nickte. »Der Arzt sprach von einem harten, kantigen Gegenstand. Was liegt da näher als ein Stein?«
»Alle Achtung. Sie sollten sich beim LKA bewerben.«
»Na ja, das war nicht so schwer. Der Täter wollte ihn so schnell wie möglich loswerden, das ist logisch. Also warf er ihn einfach weg. Der Brocken ist voller Kanten und Spitzen. Wenn wir Glück haben, finden wir Reste von seiner DNA.«
»Sie sind wirklich clever«, anerkannte der Kommissar.
»Danke. Aber das hilft ihr auch nicht mehr ins Leben zurück. So ein Jammer!« Er wandte sich den sterblichen Überresten der jungen Frau zu, ließ einen Seufzer hören. »Manchmal habe ich keine Lust mehr.«
Braig wusste sofort, wovon der Kollege sprach. »Wem sagen Sie das!« Die Crux unseres Berufs, überlegte er. Tag für Tag nur Elend, Leid und Tod. Manchmal war das Übermaß an schlimmen Ereignissen kaum mehr zu ertragen. Die Gefahr, sich in depressiven Ängsten zu verfangen, lauerte Tag und Nacht.
»Sonst kann ich Ihnen leider nichts präsentieren«, erklärte Meiser. »Der Boden ist staubtrocken. Kein Wunder, es hat ja seit Wochen nicht geregnet. Schauen Sie sich das Bachbett dort unten an: kein Tropfen drin. Keine Chance auf einen Fußabdruck oder das Profil einer Sohle. Höchstens eine Stofffaser oder ein Hautpartikel hier an einem der Büsche. Blätter hat es genug. Aber die alle zu untersuchen …«
Braig wollte sich gerade nach der Identität der Toten erkundigen, als er begleitet von ständigem Hupen das laute Heulen eines Automotors hörte. Er kletterte ein paar Schritte den Hang hoch, sah ein großes Fahrzeug mit überhöhter Geschwindigkeit den Feldweg entlang auf sie zurasen, den zahlreichen Radfahrern und Fußgängern in waghalsiger Manier ausweichend. Das Auto schoss an den schimpfenden Menschen vorbei, kam erst unmittelbar vor der uniformierten Beamtin, die ihm heftig winkend den Weg versperrte, zum Stehen.
Die Eltern, ging es Braig durch den Kopf. Sie haben vom Schicksal ihrer Tochter gehört und sind jetzt in Panik.
Er sah, wie ein kräftiger Mann mittleren Alters aus dem Fahrzeug sprang und allen Versuchen der jungen Kollegin, ihn aufzuhalten, zum Trotz die Begrenzung und die dichten Hecken durchbrach und direkt auf ihn zuhielt.
»Sie sind endlich der Kommissar?«, dröhnte seine Stimme nervend laut.
Wie ein viel zu weit aufgedrehter Lautsprecher, überlegte Braig. Der war wirklich völlig außer sich.
Er musterte die nicht allzu groß geratene Gestalt, deren schwarz glänzende Haare in Unmengen von Gel zu ertrinken schienen. Die Nachricht vom Tod der jungen Frau schien den Mann völlig aus der Fassung gebracht zu haben, sein Gesicht glühte in ungesund kräftigem Rot, er schnaubte und keuchte vor Anstrengung.
Braig hasste Situationen dieser Art. Angehörigen ums Leben gekommener Menschen gegenübertreten zu müssen und ihnen das Schicksal ihrer Partner, Eltern oder gar Kinder mitteilen oder bestätigen zu müssen, war das Schlimmste, was ihm sein Beruf abverlangte. Normalerweise blieb ihm wenigstens etwas Zeit, sich darauf vorzubereiten, jetzt aber …
Der Mann baute sich vor ihm auf, streckte ihm die Hand entgegen. Braig suchte nach Gedanken des Trostes, hatte Schwierigkeiten, Worte zu finden.
»Herzlich willkommen im wunderschönen Brechtlingen, unserer einzigartig reizvollen Alb-Metropole«, polterte sein Gegenüber plötzlich los. »Natur in unvorstellbarer Pracht, Blumen und Blüten in einer Vielfalt und einem Farbenrausch wie sonst nirgends auf der Welt. Und mittendrin unser traumhaft schönes Brechtlingen, den kühnsten Fantasien entsprungen und Wirklichkeit geworden: unsere Alb-Metropole. Ganz schön was los heute, wie? Menschen von nah und fern, Besucher aus allen Ländern: Unser wunderbares Fest lässt alle Herzen schneller schlagen. Ich hoffe, Sie hatten eine angenehme Anfahrt?«
Braig glaubte, unter einer heftigen Bewusstseinsstörung zu leiden, sah sich außerstande, auch nur ein Wort zu äußern. Er wusste nicht, was der Clown hier von ihm wollte, bemerkte, wie sich der Spurensicherer genervt von ihm abwandte. Eine intensive Bierwolke ging von dem üppig Gegelten aus, stach ihm fast schmerzend in die Nase. Angewidert trat er zwei Schritte zurück. Trotz der nach wie vor ausgestreckten Rechten des anderen verzichtete er auf einen Handschlag, musterte ihn stattdessen mit zunehmend kritischer Miene. »Darf ich wissen, was Sie hier …?«
Der Mann fiel ihm mitten ins Wort. »Mein Name ist Waller. Ich bin der Bürgermeister dieser wunderbaren Gemeinde. Wir haben ein prächtiges Fest und einen wunderschönen Tag.«
»Sie vielleicht schon. Die junge Frau hier wohl kaum.«
Der Bürgermeister schien plötzlich einem Asthma-Anfall zu erliegen. »Oh, mein Gott, ja.« Sein heftiges Schnaufen ließ ihn für einen Moment verstummen. »Das ist, das ist …«
Braig sah Melk mit fragender Miene zu ihm herschielen. Er signalisierte ihm mit der Andeutung eines Kopfschüttelns, dass er seine Hilfe nicht benötigte. Obwohl er keine Lust auf eine Unterhaltung mit dem Mann verspürte, beschloss er, den Kontakt für seine Ermittlungen zu nutzen. »Sie kennen die Frau?«
Waller fand augenblicklich zu alter Lautstärke zurück. »Ob ich sie kenne?«, polterte er los. »Ob ich sie kenne? Das wollen Sie wirklich wissen?« Er holte tief Luft, starrte mit hochroter Miene zu seinem Gesprächspartner. »Unsere Orchideenprinzessin«, dröhnten seine Worte dann weit in die Umgebung. »Die Königin unserer Alb-Metropole.«
»Was jetzt?«, brummte Braig. »Königin oder Prinzessin?«
»Mehr als alles! Unsere einzigartige Orchideenprinzessin!«
Braig wusste um die Bemühungen vieler Gemeinden und Regionen, durch die Proklamation junger Frauen zu Königinnen mediale Aufmerksamkeit für den jeweiligen Ort oder die Gegend zu erlangen, um Tages- oder Langzeitgäste anzulocken oder heimische Produkte besser zu vermarkten. Inzwischen gab es kaum eine Stadt, die nicht über eine eigene Königin oder gar mehrere Hoheiten verfügte. Mochte der Titel noch so absurd, manchmal auch peinlich anmuten, er musste herhalten, um in der Öffentlichkeit Aufmerksamkeit zu erregen. Braig hatte von Kartoffelköniginnen gehört, von Braunviehhoheiten und Exzellenzen, die provinzielle Bier- oder Schnapsmanufakturen präsentierten. Im Vergleich dazu erschien ihm der Titel Orchideenprinzessin geradezu wohlklingend; eine Bezeichnung, die – jedenfalls bei ihm – angenehme Assoziationen erweckte. Auch wenn er nicht wusste, was die exotische Pflanze mit dem kleinen Ort hier auf der Schwäbischen Alb zu tun haben sollte. »Orchideen?«, hakte er nach.
»Die schönsten Blüten der Welt. Wunderwerke der Natur. In unübersehbarer Vielfalt hier bei uns.« Der Bürgermeister reckte seinen rechten Arm weit von sich, drehte sich im Kreis, wies auf die Hügel, Wacholderweiden und Wälder der Umgebung. »Die Menschen kommen von überall her, um sie anzuschauen. Aus Köln, aus Hamburg, aus Berlin. Auch aus Frankreich, aus England, aus Holland, aus Amerika. Sogar aus Brasilien strömen die Besucher in unsere Alb-Metropole. Obwohl die dort ihren riesigen Urwald haben.«
So riesig ist der nicht mehr, die holzen ständig weiter ab, ging es Braig durch den Kopf, wurde von den unaufhaltsam weiter sprudelnden Ausführungen seines Gesprächspartners aber daran gehindert, seine Gedanken laut zum Ausdruck zu bringen.
»Asien nicht zu vergessen. Dort wird das Interesse an unserer Orchideen-Metropole immer größer. Besonders in China. Die wollen alle zu uns.«
»Aha. Und wie heißt die Orchideenprinzessin mit bürgerlichem Namen?«
»Mit …« Der Bürgermeister schien nicht zu verstehen. »Bürgerlicher Name. Ach so.« Er starrte auf den leblosen Körper vor ihnen, holte tief Luft. »Katrin. Katrin Reickle.«
Braig zog sein Handy vor, gab den Namen ein. »Sie stammt von hier?«
»Nein. Sie kommt aus Heilbronn. Vor vier Jahren bewarb sie sich auf die freie Stelle in unserer Verwaltung. Die Zukunft der einzigartig reizvollen Alb-Metropole mitgestalten. Sie fühlte sich sofort angesprochen.«
»Seitdem lebte sie aber hier im Ort?«
Waller hatte ungewohnte Schwierigkeiten, Worte zu finden. Er räusperte sich schwerfällig, benötigte mehrere Anläufe. »Es ist nicht einfach, bei uns eine Wohnung zu finden. Brechtlingen ist sehr begehrt. In unserer Alb-Metropole leben zu dürfen, hier zu arbeiten und sogar zu wohnen, ist nicht jedem Menschen vergönnt …«
»Wohnte sie jetzt hier oder nicht?«
»Also, wenn Sie mich so fragen, ja. Wir haben ihr im Januar eine Gemeinde-eigene Wohnung zukommen lassen können.«
»Wie steht es mit den familiären Verhältnissen von Frau Reickle? Sind sie Ihnen bekannt?«
»Allerdings.« Der Bürgermeister fand endgültig wieder zu seiner ursprünglichen Lautstärke zurück. »Unsere Orchideenprinzessin ist solo. Noch zu haben. Es gibt allerdings viele Interessenten. Und«, er trat zwei Schritte auf Braig zu, grinste anzüglich, »die junge Frau lässt nichts anbrennen. Wenn Sie verstehen, was ich meine.«
Eine intensive Bierwolke hüllte den Kommissar ein. Sie lässt nichts anbrennen, wiederholte er im Stillen. Er war sich der Bedeutung dieser Behauptung – sofern sie auf realen Hintergründen beruhte – sofort bewusst. Lag hier das Motiv der Tat? Die Eifersucht eines verschmähten oder abgelegten Liebhabers, die außer Kontrolle geraten und in eine gewaltsame Auseinandersetzung eskaliert war?
Er versuchte, der Bierfahne des Gegelten auszuweichen, überlegte, inwieweit er den Aussagen des Mannes Glauben schenken konnte. Hatte der Bürgermeister wirklich Einsicht in das Privatleben der jungen Frau, oder wiederholte er nur, was die Dumpfbacken des Dorfes in ihrem Stammtisch-Geschwurbel so von sich gaben? »Sie glauben, Frau Reickle hatte wechselnde Beziehungen?«
»Nicht: Ich glaube«, gab Waller zu verstehen. »Mit glauben hat das nichts zu tun. Unsere Orchideenprinzessin ist keine Kostverächterin. Sie liebt das Leben. Und alles, was Hosen anhat.«
»Woher wollen Sie das wissen?«
»Woher ich das weiß?« Das kräftige Lachen des Bürgermeisters dröhnte über den halben Hang. »Sie kennen sie nicht, sonst würden Sie das nicht fragen.«
»Dann benötige ich die Namen und die Anschriften der Herren. Sämtlicher infrage kommender Herren. Der aktuellen und der verflossenen.«
»Die Namen und Anschriften? Ja, glauben Sie, ich führe Buch über das Liebesleben unserer Rathaus-Angestellten?«
»Was jetzt?«, maulte Braig. »Gerade haben Sie noch behauptet, über die Beziehungen Frau Reickles Bescheid zu wissen. Es ist doch in Ihrem Interesse, möglichst schnell zu erfahren, wer für die Gewalttat an Ihrer Orchideenprinzessin verantwortlich ist. Oder etwa nicht?«
Zum ersten Mal im Verlauf ihrer Unterhaltung schien der Bürgermeister seine Sprache verloren zu haben. »Gewalttat?« Er starrte ungläubig zwischen der toten jungen Frau und dem Kommissar hin und her. »Sie wollen doch nicht sagen, dass …«
»Was denn sonst?«, fiel Braig ihm ins Wort. »Glauben Sie, der Stein, mit dem sie erschlagen wurde, fliegt von selbst durch die Luft?«
Waller schien erneut einem Asthma-Anfall zu erliegen. »Ich … ich dachte, ein Unfall beim Joggen«, brachte er schwer schnaufend hervor. »Dass sie unglücklich gestürzt sei …«
»Joggen?« Braig schüttelte den Kopf. »In diesem Kleid?«
Der Bürgermeister beugte sich nach vorn, kämpfte um Luft. »Sie joggt immer hier in der Gegend. Das ist ihr Revier. Fast jeden Abend. Von ihrer Wohnung zum Wacholderhang und zurück.« Er wies in die Richtung des Dorfes. Im gleichen Moment zuckte ein greller Blitz über die dunkle Wolkenwand.
Braig starrte zum Himmel, wurde mitten in seiner Frage: »Das wissen Sie so genau?«, von kräftigem, kaum enden wollendem Donnergrollen unterbrochen.
»Das wissen alle«, versuchte der Bürgermeister, die Naturgewalt zu übertönen.
»Aber sie joggt doch nicht in diesem Kleid«, wiederholte Braig.
Waller starrte auf den leblosen Körper vor ihnen, musterte seinen Gesprächspartner dann mit verwundertem Gesichtsausdruck, als hätte er die festliche Bekleidung der Toten gerade erst wahrgenommen. »Nein, nicht in diesem Kleid. Das trägt sie zu offiziellen Anlässen. Bei ihren Auftritten als Orchideenprinzessin. Heute, bei unserem wunderbaren Fest.«
»Wann war das?«
»Den ganzen Mittag. Bis gegen 18 Uhr.« Der Bürgermeister verstummte. »Das darf nicht bekannt werden«, erklärte er dann plötzlich. »Das muss unter uns bleiben.« Seine Stimme schwoll zu alter Lautstärke an.
»Wie bitte? Was muss unter uns bleiben?«
»Unsere Orchideenprinzessin. Opfer einer Gewalttat. Oh nein«, stöhnte Waller. »Nicht bei uns in der wunderschönen friedlichen Alb-Metropole. Bei uns ist es nicht so wie sonst überall. Bei uns gibt es keine Gewalt. Das darf nicht bekannt werden. Unser Ansehen. Unser Renommee. Bei uns ist es friedlich. Immer und überall. Das weiß die ganze Welt. Deshalb kommen die Menschen zu uns. Weil sie die Schönheit unserer Alb-Metropole so schätzen. Und die friedliche Atmosphäre, die sie hier erleben. Das muss unter uns bleiben. Ich verlange Diskretion. Verstehen Sie?« Er baute sich breitbeinig vor dem Kommissar auf, musterte ihn mit entschlossenem Blick.
Langsam dämmerte Braig, wovon der Clown da sprach. »Diskretion? Sie haben Humor.« Er wusste nicht, ob sein Gegenüber voll bei Sinnen war. Glaubte
