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Stallgeruch: Kriminalroman
Stallgeruch: Kriminalroman
Stallgeruch: Kriminalroman
eBook441 Seiten5 StundenKommissar Christian Heldt

Stallgeruch: Kriminalroman

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Über dieses E-Book

Die Angst geht um im beschaulichen Eichsfeld: Die frisch verlobte Linda Becker liegt tot zwischen ihren Alpakas. Ein düsteres Geheimnis aus ihrer Vergangenheit nimmt sie mit ins Grab. Doch während ihre Familie auffällig schnell versucht, zur Tagesordnung überzugehen, geschieht ein weiterer Mord. Kriminalhauptkommissar Christian Heldt aus Göttingen gerät bei den Ermittlungen in einen Sog aus Intrigen, Hass und Selbstsucht, der ihn und die Menschen um ihn herum in Lebensgefahr bringt.
SpracheDeutsch
HerausgeberGMEINER
Erscheinungsdatum8. März 2017
ISBN9783839253120
Stallgeruch: Kriminalroman
Autor

Dominik Kimyon

Dominik Kimyon wurde 1976 in Duderstadt im Eichsfeld geboren. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er in Nordhessen, doch mit Anfang 20 zog es ihn zurück nach Niedersachsen in die Universitätsstadt Göttingen. Dort studierte er Medienwissenschaft und Sozialpsychologie, arbeitete als freier Mitarbeiter für eine Lokalzeitung und war in der Werbebranche tätig. Seit einigen Jahren ist er Presse- und Öffentlichkeitsarbeiter in Hannover. Mit feinem Gespür für menschliche Abgründe erweckt er Figuren zum Leben, die niemand gerne in der eigenen Nachbarschaft haben möchte - die aber mit Sicherheit genau dort leben.

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    Buchvorschau

    Stallgeruch - Dominik Kimyon

    Zum Buch

    Stadt, Land, Mord Die Angst geht um im idyllischen Duderstadt im Eichsfeld: Die frisch verlobte Linda Becker liegt tot zwischen ihren Alpakas. Während ihre Familie auffällig hastig versucht, zur Tagesordnung überzugehen, beginnen Christian Heldt und Tomek Piotrowski vom Polizeikommissariat Göttingen mit den Ermittlungen. Das missfällt den Kollegen der Duderstädter Polizei, die eine Schließung ihrer kleinen Dienststelle fürchten. Schnell merken Christian und Tomek, dass sich hinter der heilen Welt auf dem Alpakagestüt Abgründe auftun. Bald wird klar: Die lebenslustige Frau nahm ein düsteres Geheimnis aus ihrer Vergangenheit mit ins Grab. Als Vorwürfe der Tierquälerei laut werden, kommt es zu einem weiteren Mord und es stellt sich einmal mehr die Frage, was hier vertuscht werden soll. Die Kommissare geraten in einen Sog aus Intrigen, Hass und todbringender Selbstsucht, der sie selbst und die Menschen um sie herum in Lebensgefahr bringt.

    Dominik Kimyon wurde 1976 in Duderstadt im Eichsfeld geboren. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er in Nordhessen, doch mit Anfang 20 zog es ihn zurück nach Niedersachsen in die Universitätsstadt Göttingen. Dort studierte er Medienwissenschaft und Sozialpsychologie, arbeitete als freier Mitarbeiter für eine Lokalzeitung und war in der Werbebranche tätig. Seit einigen Jahren ist er Presse- und Öffentlichkeitsarbeiter in Hannover. Mit feinem Gespür für menschliche Abgründe erweckt er Figuren zum Leben, die niemand gerne in der eigenen Nachbarschaft haben möchte – die aber mit Sicherheit genau dort leben.

    Impressum

    Personen und Handlung sind frei erfunden.

    Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen

    sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

    Bestimmte örtliche Gegebenheiten wurden aus

    dramaturgischen Gründen leicht verändert.

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    Im Ehnried 5, 88605 Meßkirch

    Telefon 0 75 75 / 20 95 - 0

    info@gmeiner-verlag.de

    Alle Rechte vorbehalten

    Lektorat: Teresa Storkenmaier

    Herstellung/E-Book: Mirjam Hecht

    Umschlaggestaltung: U.O.R.G. Lutz Eberle, Stuttgart

    unter Verwendung eines Fotos von: © Olga D. van de Veer / fotolia.com

    und © grafikplusfoto / fotolia.com

    ISBN 978-3-8392-5312-0

    Kapitel 1

    Auf drei Dinge reagierte Walter allergisch: auf Mandeln, auf Niederlagen von Hannover 96 und auf die Rechthaberei seiner Frau. Die Nüsse ließ er einfach weg, gegen schlechten Fußball gab es Bier und bei Helga – nun, nicht ohne Grund prangte ein Wanderabzeichen in Gold an seinem Stock.

    »Hast du dein Handy dabei?«, hatte sie ihm hinterhergerufen.

    Er hatte mit den Händen geantwortet, »ja, ja, alles dabei«, und wusste doch, dass es auf seinem Nachtschränkchen lag. In der Frühe hatte er sich am Duderstädter Omnibusplatz in den 170er gesetzt, war in Göttingen umgestiegen und hatte in Hann. Münden direkten Anschluss nach Volkmarshausen gehabt. Dort war er losgelaufen, hinein in den Bramwald. Nach sechseinhalb Stunden querdurch hatte er sich unterhalb des Totenbergs nur für eine kurze Rast ins Moos legen wollen. Aufgewacht war er, als es längst duster geworden war.

    Walter fluchte. Er konnte nicht einen einzigen Hinweis ausmachen, wie er auf dem schnellsten Weg aus dem Wald herausfinden würde. Er hatte die Wahl: Entweder an Ort und Stelle die Nacht verbringen, bei seinem Glück mitten im Revier einer Wildschweinrotte, oder loslaufen. Missmutig streckte er die Glieder.

    Seine Augen gewöhnten sich schneller an die Dunkelheit, als er gedacht hatte. Gekonnt wich er Zweigen aus, damit sie ihm nicht ins Gesicht schlugen. Er blieb stehen. Überall raschelte es, in der Nähe tönte ein Steinkäuzchen. Ihm lief ein Schauer über den Rücken. Gab es im Weserbergland inzwischen auch Wölfe? Walter überkam das ungute Gefühl, beobachtet zu werden. Sei nicht albern, mahnte er sich. Seine Furcht war davon überhaupt nicht beeindruckt. Er entschied sich, den Trampelpfad zu verlassen und sich quer zwischen den Buchen durchzuschlagen. Irgendwann musste er doch auf einen Forstweg stoßen, verdammt noch mal!

    Er stolperte über eine Wurzel im Boden und prallte mit seinem Musikantenknochen gegen einen Baumstumpf. Der Schmerz blitzte durch den Arm über die Schultern bis ins Rückenmark. Zum ersten Mal in seinem Leben kam Walter sich richtig alt vor und er war überrascht, wie schrecklich sich das anfühlte. Bleib einfach hier sitzen, dachte er, es wird schon nichts passieren. Seine innere Stimme hatte allerdings keine Lust darauf, ohne jeden Schutz mitten im Wald zu übernachten. Also rappelte er sich wieder auf.

    Plötzlich erahnte er einen mannshohen Holzzaun, keine fünf Meter von ihm entfernt. Walter ging darauf zu und tastete sich an den blanken Holzlatten entlang. Ein Splitter fuhr ihm in den Daumen. Er zog den Span heraus und schmeckte das Blut, als er den Finger in den Mund steckte. Achtsam ging er weiter. Da, ein Griff! Er drückte die Klinke, doch die Tür war verriegelt. Es hatte alles keinen Sinn: Er würde über den Zaun klettern müssen, um auf der anderen Seite geschützt bis zum Morgengrauen auszuharren. Bei Tagesanbruch würde er den Weg fortsetzen und wahrscheinlich schon gegen halb neun mit Helga einen frischen Kaffee trinken. In der Zwischenzeit würde sie zwar verrückt werden vor Sorge um ihn und hatte weiß der Himmel wen nicht alles längst in Aufruhr versetzt, um ihn zu suchen. Das konnte er jetzt allerdings nicht ändern. Walter warf seinen Rucksack über den Zaun und stieg auf den Türgriff. Mit letzter Kraft hievte er sich hoch und holte zweimal Schwung, bis er ein Bein über die Tür gehoben hatte. Er zog das andere nach und sprang hinab.

    Der Geruch von Heiligenkraut und feuchtem Gras stieg ihm in die Nase. Etwa eine Baumlänge von ihm entfernt sah er die Umrisse eines Schuppens und ging unsicher da­rauf zu. Walter suchte den Eingang, zog die Tür auf und tastete mit der Hand die Wand ab, bis er etwas Rundes erspürte. Er drehte den Knauf und eine Glühbirne an der Decke glimmte auf.

    Im gleichen Augenblick sprang ihn das Grauen an.

    Kapitel 2

    »Das ist einfach nichts für mich!« Christian Heldt stützte die Hände auf seine Oberschenkel und schnappte nach Luft. Salzige Schweißperlen, dick wie Rosinen, rollten von der Stirn über den Nasenrücken und tropften hinab. Er wälzte sich über das Gras und streckte Arme und Beine so weit von sich, dass er glaubte, sie würden ihm bald abfallen. Er hatte Baumstämme so schwer wie ein Dutzend Bierkästen in die Höhe gewuchtet. Beim Klimmzug hatte er alles gegeben und sich an den Stangen entlanggehangelt wie ein Orang-Utan auf Brautschau. Die Übungen waren dermaßen anstrengend gewesen und Christian hatte Grimassen geschnitten, für die man in anderen Ecken der Welt kastriert worden wäre. Liegestütze, Kniebeuge – »Und jetzt auf einem Bein« – egal welche Befehle Fabian gerufen hatte, Christian hatte alles gegeben. Ein Todesmuskelkater bis in die Spitze seines linken kleinen Zehs war das Mindeste, was ihm nach dieser Aktion blühen würde. Was für eine Quälerei, nur damit er am ersten Göttinger Herbstlauf teilnehmen und sich an den glotzenden Massen am Straßenrand vorbeischieben konnte, mit einem Gesicht so rot wie eine Kardinalshaube und sehr wahrscheinlich im Feld der Altersgruppe 75 plus. Ihn gruselte der Gedanke.

    Er hob den Kopf und wagte einen Blick hinüber zu seinem besten Freund. Der hatte ein Pokerface aufgesetzt. Christian hatte keine Chance, auch nur einen Hauch wohlwollender Bestätigung oder vernichtender Kritik darin zu erkennen. Entnervt warf er die Arme in die Höhe. »Ich bleibe lieber bei meinen Mördern und Totschlägern.«

    »Im Jammern bist du schon ganz gut«, sagte Fabian lachend und fuhr sich mit der Hand durch sein gelocktes Haar. »Schalte den perfektionistischen Kriminalbeamten in dir für ein Weilchen ab und setz dich nicht so unter Druck. Du wirst sehen, bis zum Lauf am Wochenende wirst du in Topform sein!« Er hob den Daumen und grinste schelmisch.

    Erschöpft von den akrobatischen Übungen setzte Christian sich neben Fabian, seines Zeichens rechte Hand des Landrats und leidenschaftlicher Triathlet, ins Gras. »Wer will mich Fettsack schon durch die Fachwerkschluchten der Stadt hecheln sehen?«

    Fabian stand auf und ging quer über den Trimm-dich-Platz am Jahnstadion zu seinem Rucksack, den er an der Barren-Station abgelegt hatte. Mit zwei Flaschen Biolimonade kam er zurück, drehte sie auf und reichte eine davon Christian. »Erstens: Du hast die besten Voraussetzungen, beim Lauf zu glänzen.«

    »Das Einzige, was an mir glänzen wird, werden meine völlig durchgeschwitzten Klamotten sein«, entgegnete Christian und trank die Flasche halb aus. Im nächsten Moment prusteten beide los.

    »Zweitens«, setzte Fabian immer noch lachend fort, »bist du nur etwas zu klein für dein Gewicht. Und schließlich: Es war deine Idee, dich für den Lauf anzumelden.«

    »Das war keine Idee«, protestierte Christian. »Ich bin reingelegt worden!« Gleichzeitig huschte ein Lächeln über seine Lippen, als er an den lauen Abend vor dreieinhalb Monaten zurückdachte. In einem Anflug von jugendlichem Leichtsinn hatte er sich zu einer Wette hinreißen lassen und als Wetteinsatz seine Teilnahme am Stadtlauf eingebracht. »Nicht im Traum hätte ich gedacht, dass ich verlieren würde.«

    »Du bist ihr direkt in die Falle getapst, mein Bester.«

    Christian dachte an sie. Tanja! Wenn er nicht zugelegt hätte wie Joschka Fischer in seiner postparlamentarischen Phase, wenn sie nicht mit Markus Kratzer verheiratet wäre, wenn er sich nur nicht auf diesen ganzen Humbug eingelassen hätte … Wenn, wenn, wenn! Tanja hatte damals gewettet, dass Fabian und er mindestens ein Jahr brauchen würden, um die Vorkriegselektronik und giftigen Bleirohre aus den Wänden zu reißen und das Gehöft, ein unerwartetes Erbe von Fabians Großtante, bautechnisch ins 21. Jahrhundert zu katapultieren. Das alte Gemäuer gut zehn Autominuten südöstlich von Göttingen hatte zwar mehr Ähnlichkeit mit einem heruntergekommenen Bauernhof und war sanierungsbedürftiger als eine 68-jährige russische Oligarchengattin. Doch in den Wanderkarten der Region war es nach wie vor als Gut Eschenberg markiert. Es lag direkt hinter den Gleichen auf einem Hügel, dem Eschenberg, und bot bei gutem Wetter einen Blick bis zu den Westausläufern des Harzes. Fabian hatte sich vorgenommen, dem Gebäudeensemble wieder Leben einzuhauchen, nachdem die letzten Bewohner zu Wirtschaftswunderzeiten das Landleben als altertümlich kategorisiert hatten und eine Wohnung im noblen Göttinger Ostviertel bevorzugten. Einer an zwischenmenschlicher Nähe desinteressierten Verwandtschaft hatte Fabian es schließlich zu verdanken, als einziger Erbe in Frage zu kommen. Das nötige Kleingeld für den Unterhalt des Erbes hatte die Tante leider nicht hinterlassen. Er hatte es sich daher zur Aufgabe gemacht, an dem Schmuckstück herumzubasteln, es zu renovieren und Schritt für Schritt wieder bewohnbar zu machen. Christian half dabei, so gut er konnte. Voller Eifer hatten sie sich in ihre nagelneuen Latzhosen gezwängt, Gemäuer freigelegt und Fußböden geschliffen. Tanja würde schon sehen, wie alles bald blitzen und glänzen und wunderschön werden würde. Überschwänglich hatten sie eine gruselige Halloween-Einweihungsparty im Herbst in Aussicht gestellt. Tanja hatte sich gekringelt vor Lachen, was Christian letztlich zu dem wagemutigen Wetteinsatz hatte hinreißen lassen. Tanja hatte natürlich sofort eingeschlagen. Es sah aus, als sollte sie Recht behalten – bis Halloween waren es keine drei Wochen mehr und das Haus war nach wie vor eine einzige Baustelle. Der Strom floss inzwischen zwar aus den richtigen Steckdosen und das Leitungswasser hinterließ keinen metallischen Geschmack mehr auf der Zunge. Doch eine Übernachtung auf Gut Eschenberg war eher abenteuerlich als angenehm. Nun galt es, sich irgendwie mit dem Schicksal zu arrangieren und diesen Lauf zu bewältigen, koste es, was es wolle.

    »Hey, du Tagträumer«, holte Fabian ihn wieder auf den Planeten.

    »Als weltbester Triathlet hättest du mich vor diesem Blödsinn doch schützen müssen«, maulte Christian, bevor Fabian dumme Fragen über seine Gedanken stellen konnte.

    »Du bist der cleverste Kriminalhauptkommissar, den ich kenne. Du brauchst keinen Beschützer.« Er klatschte zweimal. »Zeit für ein paar Extraeinheiten Crunches!«

    Christian stöhnte auf. Sein Handy brummte.

    »Was für ein Pech, Joshuas Basketballtraining ist wohl vorbei«, murmelte er halb erleichtert, stemmte sich in die Höhe und kramte sein Handy aus der Jacke hervor. »Verdammt«, Christian drehte die Augen gen Himmel, »es ist Bauschke.«

    »Lass es einfach klingeln«, sagte Fabian, doch Christian lief bereits mit Telefon am Ohr zwischen den Holzgeräten hin und her.

    »Sie sollten sich angewöhnen, schneller ans Telefon zu gehen, Heldt. Schon mal was von Notfällen gehört?«, bellte es ihm am anderen Ende der Leitung entgegen.

    Es war typisch für Hubert Bauschke, seine Gespräche mit einer Kritik zu beginnen. Am Anfang hatte Christian diese Seitenhiebe seines Chefs noch ernst genommen und war davon verunsichert gewesen. Mittlerweile wusste er, dass es nur eine Marotte war, von der Bauschke glaubte, damit seine trübe und humorlose Art zu übertünchen. Seit sein eigentlicher Vorgesetzter Paul Stern vor etwas mehr als einem halben Jahr eine längere »Auszeit« genommen hatte, war dessen Team direkt Bauschke unterstellt worden, der den Zentralen Kriminaldienst der Polizeiinspektion Göttingen unter seinen Fittichen hatte. Christian wäre das letztlich egal gewesen – seine Arbeit wurde dadurch nicht weniger. Nervig war der Umstand, dass Bauschke und Stern in etwa so gut miteinander auskamen wie Tom und Jerry. Wegen seiner guten Kontakte bis ins Innenministerium in Hannover – böse Zungen behaupteten, nur deswegen – hatte es Bauschke seinerzeit geschafft, sich den Posten und damit die Aussicht auf höhere Sphären unter den Nagel zu reißen. Stern hatte sich schon lange zuvor für diese Position bewährt, doch das hatte nicht gezählt. Seither kämpfte Stern einen ungleichen Kampf. Es war, als gäbe es eine gläserne Decke, die es ihm unmöglich machte aufzusteigen. Christian vermutete, dass sein Burn-out – er war eines Nachmittags einfach im Büro zusammengeklappt – unter anderem diesem Machtspiel geschuldet war.

    »Was kann ich für Sie tun?«, fragte Christian, ohne auf Bauschkes Stichelei einzugehen. Er schaute zu Fabian und zuckte mit den Schultern.

    Bauschke räusperte sich und schluckte den Schleim geräuschvoll hinunter. »Ich brauche Sie hier. In 20 Minuten!«

    Wenn Bauschke ihn aus dem Urlaub zurück in den Dienst pfiff, musste es dringend sein. Christian wurde flau im Magen. Er hatte sich ein paar Tage freigenommen, um die Herbstferien mit Joshua verbringen zu können. Im Sommer hatten sie die einzige Regenwoche der Saison erwischt und sich in ihrem Zelt auf einem Fehmarner Campingplatz angeödet. Die Herbstferien sollten das ausgleichen. Einen kurzfristigen Konferenztermin konnte er gerade als Letztes gebrauchen. Denn meistens war der nur der Auftakt für eine viel langwierigere Angelegenheit. Außerdem war er völlig durchgeschwitzt. Er presste Daumen und Zeigefinger auf die Augen und suchte fieberhaft nach einer Ausrede.

    »Ich muss meinen Sohn gleich vom Basketballtraining abholen. Danach könnte ich …«

    »Der müsste in seinem Alter doch selbstständiger sein!«, unterbrach Bauschke.

    Seitdem Ellen kurz nach Joshuas Geburt sie beide allein gelassen und die Stadt verlassen hatte, als wütete dort die Pest, sorgte Christian für seinen Sohn. Er kümmerte sich darum, dass seine Klamotten sauber waren, dass der Kühlschrank nicht nur ein Lager für Bier und Fleischsalat war, dass er verdammt noch mal auch ohne seine Mutter zu einem ganz normalen Jungen heranwachsen konnte. Dennoch drückte all die Jahre die Last auf ihm, es nicht gut genug, etwas falsch gemacht zu haben. Bauschke hatte ihn zielsicher an seiner verwundbarsten Stelle getroffen.

    Kapitel 3

    Sunny riss die Tür auf. Drei energische Schritte und sie stand am Fenster, zog den schwerfälligen Vorhang zur Seite und öffnete es. Im Zimmer stank es nach Schweißfüßen und Männerunterhosen. Sie blieb am Fenster stehen und füllte ihre Lungen mit der hereinströmenden frischen Luft.

    »Genug Bäume gesägt!« Sie verschränkte die Arme vor ihrer Brust, doch ihre Entrüstung war nur zum Teil gespielt. Den halben Tag schon hatte sie sich in Geduld geübt und darauf gewartet, dass er endlich aus seinem Zimmer kriechen und ihr berichten würde. Selbst der Duft frischer Frühstückspfannkuchen hatte ihn nicht aus seiner Koje gelockt.

    »Lass mich in Ruhe«, maulte Fletscher schlaftrunken. Er klang wie ein Hafenarbeiter, der nach zu viel Bier mit dem Kopf auf dem Tresen seiner Stammkneipe eingeschlafen war und ans Bezahlen erinnert wurde. Dann rieb er sich den Schlaf aus den Augen und zog sich die Decke so weit über den Kopf, dass sein linker Fuß am anderen Ende hervorlugte. Sunny lächelte gerissen. Sie trat ans Bett und strich mit einem Finger ganz sacht an der Fußsohle entlang. Schnell wie eine zuschnappende Mausefalle zog er die Beine an und warf die Decke genervt zurück.

    »’Ne Stechmücke ist umgänglicher als du!« Mit nackten Füßen und nur mit seinen Schlafshorts bekleidet schlurfte er zum Badezimmer. Am Plastikhocker, der bei der Tür stand und auf dem er seine schmutzigen Jeans und das T-Shirt vom Vortag abgelegt hatte, griff er nach einer eingedrückten Packung Luckys.

    Nachdem er eine gefühlte Ewigkeit geduscht hatte, setzte er sich in seinem blauweiß gestreiften Secondhand-Morgenmantel an den Kieferntisch in der Küche, den Gürtel nur locker um die schlanke Hüfte geschlungen. Das nasse Haar hatte er zu einem braven Seitenscheitel gekämmt. In seinem tiefen Braun glänzte der Schein der brennenden Glühbirne, die ohne Schirm nur an einem Stromkabel über dem Tisch baumelte. Sunny hatte von Hand aufgebrühten Kaffee in zwei Becher gefüllt. In dichten Schwaden stieg der Dampf auf. Fletscher hielt einen Löffel über die heiße Flüssigkeit und bestaunte die Tropfen, die sich in der Wölbung bildeten.

    »Nur zwei Tassen?«

    »Schon mal auf die Uhr geguckt? Felix und Sœren müssten längst im Emsland sein. ›Chicken Run‹. Etwa vergessen?« Sunnys Stimmung wurde nicht besser. Seit ein paar Wochen strapazierte der Job in der Bar ihre Nerven. Das hieß, besonders nervig war ein Gast, der immer das Gleiche bestellte: erst einen frisch gemixten Martini ohne Olive und anschließend eine Weißweinschorle mit einer Schale Wasabi-Erdnüssen. Während er trank und knabberte, flirtete er ungeniert mit ihr. Er war groß, schlank und hätte locker ihr Vater sein können. Abstoßend fand sie vor allem seinen aalglatten, blasierten Ton und wie er mit seiner goldenen Uhr und seinen teuren Anzügen pfauengleich herumstolzierte. Sie hatte obendrein den Eindruck, dass er, kurz bevor er die Bar betrat, seinen Ehering abstreifte. Ihre Kollegin riet ihr, sie solle ihm einfach die bestellten Drinks mit einem aufreizenden Lächeln servieren und ein fettes Trinkgeld kassieren.

    Fletscher lehnte sich zurück und hob einen nackten Fuß auf die Stuhlkante. Auf die warme Tasse in der Hand reagierte sein Körper mit tiefer Entspannung. Der Morgenmantel rutsche etwas zur Seite und gab den Blick auf seine Erregung frei. Seelenruhig trank er einen Schluck Kaffee, setzte die Tasse wieder ab und streckte sich. Sunny und er hatten, nachdem er in die Wohngemeinschaft gezogen war, ein paar Mal miteinander geschlafen. Sie hatte sofort gespürt, dass ihre schlanke, beinahe knabenhafte Figur ihn reizte. Er hatte nie gefragt, ob sie auch mit Felix oder Sœren Sex gehabt hatte; es schien ihm ohnehin egal gewesen zu sein. Seine anfängliche Leidenschaft war schneller verflogen als ein in einem Baum sitzender Schwarm Spatzen, der von einem platzenden Luftballon aufgeschreckt wurde.

    »Wenn ich den Herkules sehen möchte, fahre ich nach Kassel …«

    »’tschuldigung. Wusste nich’, dass du so spießig geworden bist.«

    Trotzig legte er den Morgenmantel wieder um seinen Körper. Dann erzählte er ihr von seinem Einsatz am Vorabend. Vor fünf Wochen hatten sie in der Wohngemeinschaft beschlossen, dass Fletscher bereit war, diese Sache allein durchzuziehen. Er hatte darum gebeten und warum sollte er nicht zeigen dürfen, was er drauf hatte? »Sieh es als Feuertaufe an, Fletscher«, hatten sie gesagt. Am Nachmittag waren sie den Plan noch einmal durchgegangen. Sie hatten ihm eingeschärft, worauf es ankäme und was zu beachten sei. Jetzt, da Fletscher ihr mit aufgeschlagener Lippe gegenübersaß, fühlte Sunny sich in ihren Bedenken bestätigt.

    Beunruhigt drehte Sunny mit der Zunge an ihrem Lippenpiercing. »Is’ etwa was schiefgegangen?« Sie konnte sich nicht länger beherrschen: »Dir ist schon klar, dass du dich und uns damit in große Schwierigkeiten bringen kannst, oder?«

    »Denkste, ich bin blöd?«, fauchte Fletscher zurück wie ein in die Ecke gedrängter Kater. »Was glaubste eigentlich, wie’s mir geht? Du bist ja nich’ dabei gewesen. Und jetzt große Reden schwingen, oder was? Es war stockduster da draußen, verstehste?« Er hielt sich eine Hand vor die Augen, um Sunny zu zeigen, wie dunkel es war. »Wenn ich das Feuerzeug …«

    »Was ist mit dem Feuerzeug?«

    »Keine Ahnung. Als ich zurück war, war’s weg.«

    »Hast du das etwa da liegen gelassen?« Sie konnte kaum fassen, wie cool er blieb. »Hast du wenigstens an den Rest gedacht?«

    »Ich musste da so schnell wie’s ging weg und bin auch noch über irgendein scheiß Wurzelzeugs im Boden gestürzt!«

    »Das darf doch nicht wahr sein! Wer hat denn darauf gedrängt, endlich mal zu zeigen, was in ihm steckt? Ich hab dir von Anfang an gesagt, dass das hier kein Austin-Powers-Slapstickscheiß ist. Hast du denn gar nichts begriffen?« Wütend knabberte sie an einem Fingernagel und zog mit den Zähnen ein Stückchen Haut ab. Blut sickerte hervor, flink leckte sie es ab. Eine einzige vermasselte Aktion konnte das Aus bedeuten! Nicht zum ersten Mal ging ihr durch den Kopf, dass er einfach zu jung war. Zu jung für diese WG, zu jung für den Einsatz, zu jung für alles. Nein, korrigierte sie sich. Mit seinen 23 Jahren war er nur ein knappes Jahr jünger als sie selbst. Ihm fehlte es ganz schlicht an Erfahrung. Das war der Knackpunkt.

    Fletscher zog die Luckys aus seiner Manteltasche und steckte sich eine zur Hälfte aufgerauchte Zigarette an. Die Augen halb geschlossen, blies er Sunny genüsslich den Rauch ins Gesicht, bis sie den Kopf angewidert wegdrehte.

    »Wird schon alles gut gehen.«

    »Und wenn die Bullen morgen hier vor der Tür stehen? Dann will ich dich mal sehen, du Hosenscheißer!« Wütend griff sie nach seiner Zigarette und warf sie in seine noch halb volle Kaffeetasse. Sie erlosch zischend. Fletscher starrte sie mit offenem Mund an.

    »Rauchverbot in der Küche!« Sunny stand auf, nahm die Kaffeebecher und kippte die Reste in die Spüle. Sie ließ warmes Wasser in die Becher laufen, schwenkte sie kurz und stellte sie zu dem übrigen Geschirr in das rostige Abtropfgitter auf dem Herd.

    »Du musst sie treffen. Bei der Arbeit.« Er sollte nicht glauben, dass er sich einfach aus der Verantwortung stehlen konnte. Sie drehte sich um und funkelte Fletscher aus Augen an, die Wasser mühelos in Eiswürfel hätten verwandeln können. »Am besten noch heute Abend. Spätestens morgen. Wir müssen wissen, wie die Stimmung dort ist.«

    Fletscher machte nicht den Eindruck, als hätte er Lust, schon wieder nach Wollershausen zu fahren. Er hatte sie zuletzt am vergangenen Wochenende direkt am Gestüt getroffen. Wie er anschließend erzählt hatte, war sie nicht einen Deut verwundert darüber gewesen, dass er sie unbedingt von der Arbeit abholen wollte und einen Spaziergang rund um die Stallungen vorgeschlagen hatte. Naives Ding, hatte Sunny gedacht, während Fletscher erzählt hatte. Bereitwillig hätte sie ihn umhergeführt und die ganze Zeit über belangloses Zeug gequasselt, während er sich alles eingeprägt hatte. Er hatte wissen müssen, welchen Weg er zu gehen haben würde, an welcher Stelle der Stacheldrahtzaun endete und wie viele Schritte es von der Landstraße bis zur Stallmauer sein würden.

    Sunny schlug mit der flachen Hand auf die Tischplatte, das Gespräch war für sie beendet. Sie würde ihn mindestens noch drei Mal erinnern müssen, bevor er tatsächlich zurück auf das Gestüt fahren würde. Sie betete, dass er es nicht verbockt hatte!

    Kapitel 4

    19 Minuten nach seinem Anruf stand Christian in Bauschkes Vorzimmer. Er hatte sich nach dem Gespräch sofort auf den Weg nach Hause gemacht, seinen Achseln einen Stoß Deo gegönnt und sich etwas Bürotaugliches übergezogen. Fabian hatte angeboten, Joshua vom Training in der Leine-Sporthalle abzuholen und später mit ihm auf eine »Salami-Peperoni-doppelt-Käse« ins Taormina zu gehen. Das hatte Christian etwas entspannt, denn man konnte nie wissen, wie lange Bauschke einen in Beschlag nehmen würde, befand man sich erst einmal in seinen Fängen. Der Mittagsverkehr hatte sich zäh durch das Stadtzentrum geschlängelt und am Groner Tor hatten sich gut zwei Dutzend Erstsemester versammelt, um ihren neuen Lebensabschnitt mit viel Bier, guter Laune und postpubertären Spielchen zu feiern. Christian hatte damit gerechnet, dass ihm ein nackter Hintern entgegengestreckt würde, der Anblick war ihm allerdings erspart geblieben. Aus aschgrauen Wolken, die sich über die Stadt gestülpt hatten, waren erste Tropfen gefallen. Die Studenten hatte das nicht beeindruckt.

    Sigrid Brüggel-Herdermann saß aufrecht wie eine Buchstütze am Schreibtisch, vor sich ein Flachbildschirm groß wie eine Golf-III-Heckscheibe. Im Büro roch es penetrant nach einem künstlichen Duftöl, Christian vermutete eine perverse Mischung aus Bergamotte und Patschuli. Sie sah auf, ohne ihr Getippe zu unterbrechen. Er hatte einmal das Gerücht aufgeschnappt, dass sie ihre Lippen stets nach den aktuellen Vorgaben der »Brigitte« bemalte. In diesem Herbst war wohl ein kräftiges Aubergine angesagt. Leider, dachte er, achtete sie nicht darauf, ob ihr die Farbe schmeichelte oder sich mit ihrer Kleiderwahl vertrug. Sie sprach ein lautloses »Hallo«, und der dunkle Mund gab ihrem Gesicht eine merkwürdig dreieckige Form. Dabei zog sie ihre zu schmalen Streifen gezupften Augenbrauen so weit nach oben, dass sie die Spitzen ihres Ponys berührten, der die Farbe eines Hokkaidos hatte. Ihre Augen, die durch eine leicht mandelförmige Kontur und das Kastanienbraun der Iris einen asiatischen Einfluss durch einen ihrer Vorfahren verrieten, kamen durch dieses Wirrwarr von Make-up und Styling zu Christians Bedauern nicht zur Geltung.

    Er fragte sich, ob ein ausgesprochener Gruß irgendjemanden gestört hätte. Wie immer machte sie einen viel beschäftigten Eindruck. Zeit für einen Small Talk hatte sie selten. Mit einer Kopfbewegung in Richtung Bauschkes Bürotür nickte sie ihn durch. Kurz bevor Christian an ihrem Schreibtisch vorbei durch die Tür ging, drückte sie ihm wortlos eine grüne Dokumentenmappe in die Hand. Christian konnte sich ein stummes »Vielen Dank« nicht verkneifen, richtete kurz sein Jackett und schritt in das Büro seines Vorgesetzten. Hubert Bauschke stand mit dem Rücken zur Tür am Fenster. Vor dem grauen Licht, das an diesem Tag den Ton angab, wirkte er wie eine dunkle, eindimensionale Masse.

    Der Zentrale Kriminaldienst teilte sich den Dienstsitz mit der Göttinger Polizeidirektion in der Weststadt. Der Neubau erstreckte sich auf verschiedene, gestuft angeordnete Gebäude, die durch gläserne Übergänge miteinander verbunden waren. Aus Bauschkes Büro in der fünften Etage des Quergebäudes gab es bei gutem Wetter einen schönen Blick über die roten Altstadtdächer bis hoch in den Göttinger Stadtwald. Kleinbürgerliche Wohnparadiese in hellen Farben reihten sich am gegenüberliegenden Leineufer auf. Christian überlegte, ob Bauschke möglicherweise heimlich die Menschen beobachtete, die ihre Handtuchgärten trotz des einsetzenden Regens herbsttauglich machten. War sein Vorgesetzter etwa ein Spanner? Er wäre nicht verwundert, hätte Bauschke ein pikantes Geheimnis.

    In seiner Ordnung und Sauberkeit übertraf das Büro noch das Vorzimmer. Nirgends lag etwas einfach nur herum. Auf dem wuchtigen Schreibtisch aus dunkel gebeiztem Lindenholz, der schräg zur Fensterfront stand und vom Sitzplatz einen ständigen Blick zur Tür erlaubte, stand eine filigrane Messinglampe, die man, das hatte Christian einmal gesehen, mit dem Finger berühren musste, um sie ein- und auszuschalten. Weiterhin gab es ein Festnetztelefon und ein Blackberry, einen schwarz-grünen, hochglänzenden Füllfederhalter, eine dunkelbraune, lederne Schreibunterlage mit Notizblock sowie einen Flachbildschirm und eine kabellose Tastatur. Auf dem ebenfalls dunklen Konferenztisch, der die andere Hälfte des Büros einnahm, standen zwei silberne, bauchige Blumentöpfe mit imposanten Schmetterlingsorchideen. Eines der karmesinroten Blütenblätter war, vermutlich ohne dass Bauschke es bemerkt hatte, vom Stiel gefallen und leuchtete auf der dunklen Tischplatte. Für einen Moment war Christian versucht, hinzugehen und das Blatt zu entfernen. Die acht Stühle waren ordnungsgemäß an ihre exakte Position gerückt – 90 Grad zur Tischgeraden mit genau einem halben Meter Abstand zum Tisch. Vergebens suchte man in diesem Zimmer nach Aktenstapeln oder anderen Utensilien, die einen geschäftigen Eindruck gemacht hätten, ganz zu schweigen von persönlichen Dingen wie Familienfotos.

    Bauschkes nachtblauer Zweiteiler, maßgeschneidert von »Wilder & Söhne« in Hannover, wie er bei jeder Gelegenheit großspurig erzählte, saß so passgenau, als hätten die Schneider ihn direkt an seinem Körper zusammengenäht. Schuhe und Gürtel waren aus hellbraunem Kalbsleder gefertigt, das Armband seiner Uhr hatte er passend dazu gewählt. Er war der erste und bislang einzige Kriminalbeamte, den Christian im Anzug erlebte. Für einen kurzen Moment hatte er Mitleid mit seinem Chef. Dieser Perfektionismus musste einen neurotischen Ursprung haben, so viel war klar. Auffällig war, dass Bauschke es vermied, mehr über sein Privatleben zu

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