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Die Forts am Bozeman Trail 03: Gebrochene Verträge
Die Forts am Bozeman Trail 03: Gebrochene Verträge
Die Forts am Bozeman Trail 03: Gebrochene Verträge
eBook256 Seiten2 StundenDie Forts am Bozeman Trail

Die Forts am Bozeman Trail 03: Gebrochene Verträge

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Über dieses E-Book

Dies ist das dritte Buch in der Serie Die Forts am Bozeman Trail

Im Juni 1866 finden Friedensverhandlungen in Fort Laramie statt. Eine Delegation aus Washington ist angereist, um die Sioux und Cheyenne davon zu überzeugen, dass sie die Goldsucher auf deren Weg nach Montana nicht angreifen sollen. Die Verhandlungen erweisen sich als schwierig und führen wenig später zu blutigen Auseinandersetzungen.

Die Printausgabe umfasst 238 Buchseiten

Eine Exklusive Sammlerausgabe des Titels als Taschenbuch können Sie nur direkt über den Versabdshop des Blitz-Verlages beziehen.
SpracheDeutsch
HerausgeberBlitz Verlag
Erscheinungsdatum13. Sept. 2024
ISBN9783957193339
Die Forts am Bozeman Trail 03: Gebrochene Verträge
Autor

Alfred Wallon

Alfred Wallon, geboren 1957 in Marburg/Lahn, ist seit 1981 als Schriftsteller tätig. Er veröffentlichte bereits über 200 Romane in nahezu allen gängigen Sparten der Spannungs- und Unterhaltungsliteratur. Wallon gehört zu den wenigen Europäern, die bei den renommierten „Western Writers of America“ aufgenommen wurden, und ist außerdem Mitglied bei den „Western Fictioneers“. Bei dotbooks veröffentlichte er seinen Roman STERBEN KANN ICH MORGEN NOCH.

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    Buchvorschau

    Die Forts am Bozeman Trail 03 - Alfred Wallon

    KAPITEL 1: DER AUFTRAG

    Fort Laramie

    15. Dezember 1865

    Gegen 10:00 Uhr morgens

    „Diese gesamte Aktion von General Connor hat zu nichts geführt. Es hat nur Dutzende von Menschenleben und jede Menge Material gekostet."

    Die Miene von Colonel Henry Maynadier, dem Kommandanten von Fort Laramie, wirkte sehr nachdenklich, als er den Scout Jim Bridger anschaute, der vor einigen Monaten Connors Truppen begleitet und seine eigenen negativen Erfahrungen gemacht hatte.

    „Red Cloud und Dull Knife amüsieren sich wahrscheinlich darüber, dass General Connor den Kürzeren gezogen hat, fuhr er fort. „Zum Glück konnte noch ein weiterer Nachschubtransport Fort Connor erreichen. Aber die Moral der Truppe ist am Boden, Mister Bridger. Selbst der neue Kommandant Williford wird das nicht mehr ändern können. Erst recht nicht, wenn er meint, Fort Connor jetzt in Fort Reno umbenennen zu müssen.

    „Und was wollen Sie tun, Sir?, fragte Bridger. „Noch weitere Truppen als Unterstützung in dieses Fort senden?

    „Das würde auf Dauer nichts bringen, meinte Maynadier und ging zu dem großen Tisch, auf dem er eine Karte ausgebreitet hatte. „Wir müssen unsere Präsenz in der gesamten Powder-River-Region auf Dauer verstärken, und das geht nur, wenn wir so schnell wie möglich weitere Forts dort errichten. Spätestens im kommenden Sommer muss das erfolgen. Sonst setzen wir die ganzen Goldsucher und Abenteurer, die es nach Montana zieht, nur einem unnötigen Risiko aus.

    „Die Häuptlinge der Sioux und Cheyenne werden das nicht dulden, Sir, gab Bridger zu bedenken und strich sich dabei gedankenverloren über seinen grauen Bart. „Es wird nur zu weiteren blutigen Kämpfen kommen. Wollen Sie das wirklich?

    „Es geht schon längst nicht mehr darum, was ich will, Mister Bridger, brummte Colonel Maynadier. „Entscheidend ist, welche Pläne die Regierung in Washington gefasst hat. Und dass der Strom der Goldsucher nach Montana ohnehin nicht mehr aufzuhalten ist. Was wir bis jetzt erlebt haben, ist erst der Beginn ...

    „Es gab Gerüchte, dass in Nebraska bereits erste konkrete Maßnahmen stattfinden, sagte Bridger und bemerkte, wie der Colonel sehr überrascht dreinblickte. Als hätte Bridger jetzt ein streng gehütetes Geheimnis herausgefunden. „Colonel, mittlerweile pfeifen es die Spatzen schon von den Dächern, dass Henry B. Carrington in diesen Plänen eine entscheidende Rolle spielt. Ist doch so, oder?

    „Ja, gab der Kommandant von Fort Laramie schließlich zähneknirschend zu. „Sie wissen doch, dass die Mission von Gouverneur Newton Edmunds nicht viel gebracht hat?

    „Sicher weiß ich das, nickte Bridger. „Wäre ich dabei gewesen, dann hätte ich sofort erkannt, dass es nichts bringt, mit bestimmten Indianern Verträge abzuschließen, die im Stamm aber selbst kaum etwas zu sagen haben. Man muss mit den Kriegshäuptlingen darüber verhandeln – die treffen letztendlich die Entscheidungen. Und von denen hat keiner an diesen Verhandlungen teilgenommen. Oder noch krasser ausgedrückt – das Ganze war eine einzige Lachnummer, wenn Sie es genau wissen wollen, Sir!

    „Ich weiß das, Mister Bridger, erwiderte Colonel Maynadier. „Aber in Washington glaubt man tatsächlich, dass jetzt in der Powder-River-Region neue und friedliche Zeiten anbrechen. Dabei sind die neuen Verträge, die Edmunds mit den Brulé, den Hunkpapa, den Oglala und den Minneconjou abgeschlossen hat, völlig unbedeutend. Und was schreibt die Presse darüber? Genau das Gegenteil. Hier, werfen Sie mal einen Blick auf eine Ausgabe der Washington Post ... Er ging zu seinem Schreibtisch und holte eine Zeitung, die er Bridger anschließend reichte. „Hat zwar etliche Wochen gedauert, bis die Zeitung Fort Laramie erreicht hat. Aber Sie können schwarz auf weiß lesen, welcher Unsinn dort verbreitet worden ist ..."

    Bridger warf einen Blick auf die Zeitung und registrierte sofort den Leitartikel auf der ersten Seite – und vor allem die große Überschrift: DURCHBRUCH AM POWDER RIVER – FRIEDENSVERTRAG MIT ALLEN STÄMMEN VEREINBART! Stirnrunzelnd las er weiter, was dort geschrieben stand:

    ... Endlich sind die Indianer befriedet. Nie wieder müssen solch kostspielige Expeditionen wie die von General Patrick E. Connor stattfinden, um einige widerspenstige Indianer mit einem Aufwand von über einer Million Dollar zu töten. Dabei haben tragischerweise Hunderte unserer Soldaten ihr Leben verloren, viele unserer Siedler wurden von den Wilden niedergemetzelt und ihr Besitz zerstört ...

    „Diese Idioten, murmelte Bridger fassungslos. „Keiner von denen war jemals hier. Niemand kennt die Verhältnisse vor Ort.

    „Solange es uns nicht gelingt, solche Häuptlinge wie Red Cloud, Dull Knife oder Sitting Bull an den Verhandlungstisch zu holen, so lange wird es auch keine Ruhe in der gesamten Region geben. Und jetzt kommen Sie ins Spiel, Mister Bridger. Sie sind ein erfahrener Scout und kennen die Indianer. Das gilt auch für Ihren Freund James Beckwourth. Sie beide wären genau die richtigen Männer vor Ort, um die Dinge in Bewegung zu bringen."

    „Das meinen Sie jetzt nicht wirklich ernst?, lautete Bridgers Antwort. „Für ein Selbstmordkommando wie dieses müssen Sie schon einen Dümmeren finden. Auf so was lasse ich mich nicht ein. Jeder Weiße, der sich im Gebiet des Powder River aufhält, riskiert in diesen Tagen nur seinen Skalp. Es hat schon genügend Tote gegeben. Ich möchte nicht einer von denen sein.

    „Es gibt Wege und Mittel, Sie etwas deutlicher zu überzeugen, Mister Bridger, fügte der Colonel mit einem Unterton hinzu, der Bridger ganz und gar nicht gefiel. „Sie sollten sich das wirklich mal gründlich durch den Kopf gehen lassen ...

    „War das jetzt eine Drohung, Colonel Maynadier? Bridgers Stimme nahm plötzlich einen gereizten Unterton an, und in seinen Augen begann es wütend zu funkeln. „Das dürfte Ihnen nicht gelingen. Ich habe weder einen Vertrag bei der Armee unterschrieben, noch mich sonst irgendwie schriftlich verpflichtet. Suchen Sie sich einen anderen Dummen, der für Sie die Kastanien aus dem Feuer holt. Ich werde es jedenfalls nicht sein. Und Beckwourth ganz bestimmt auch nicht.

    „Schade, erwiderte Maynadier seufzend. „Dann muss ich eben andere Wege gehen. Aber es wäre mir bedeutend lieber, Sie dabei zu haben.

    „Wenn ich Ihnen einen guten Rat geben darf, dann überzeugen Sie Washington irgendwie davon, dass es besser ist, die Füße still zu halten. Sobald Carrington das geplante Vorhaben im kommenden Sommer in die Tat umsetzt, wird es einen Flächenbrand aus Blut und Gewalt geben."

    „Nicht unbedingt, warf der Kommandant ein. „Deswegen will ich ja alle friedfertigen Mittel ausnutzen und den Indianern Gelegenheit geben, nach Fort Laramie zu kommen. Hier werden die nächsten Verhandlungen stattfinden.

    „Sie glauben wirklich, dass Red Cloud und Dull Knife hierher kommen? Bridger schüttelte mit einem bitteren Lächeln den Kopf. „Colonel, das wird niemals geschehen.

    „Vielleicht nicht, wenn Weiße als Unterhändler diese Einladung überbringen, meinte Maynadier. „Wenn es aber Männer sind, die zum gleichen Stamm gehören, dann sind die Chancen weitaus größer.

    „Was meinen Sie damit genau?"

    Der Colonel erwiderte nicht gleich etwas darauf, sondern trat hinüber zum Fenster seines Quartiers und winkte Bridger zu sich. Draußen trieb der Wind weitere Schneeflocken vor sich her, aber die Soldaten führten dennoch im Innenhof ihr tägliches Exerzieren durch. Beobachtet von einer Gruppe von Indianern, die allesamt einen heruntergekommenen und erbärmlichen Eindruck machten. Es waren Sioux – aber sie hatten sich längst für die Seite der Weißen entschieden und lebten seitdem in einer Welt, die ihnen anfangs noch fremd gewesen war. Jetzt aber versuchten sie, ihren Vorteil daraus zu gewinnen, indem sie Geschäfte mit beiden Seiten machten. Jeder wusste das, aber niemand unternahm etwas dagegen.

    „Laramie-Bummler!, entfuhr es Bridger heftiger, als er das eigentlich geplant hatte. „Um Himmels willen, was haben Sie vor, Colonel? Sie wollen doch nicht etwa mit diesen zwielichtigen Halunken zusammenarbeiten?

    „Sie haben ja kein Interesse, Mister Bridger, lautete Maynadiers Antwort. „Deshalb sind Big Mouth, Big Ribs, Eaglefoot, Whirlwind und Little Crow die einzig mögliche Alternative. Man kennt sie, und man wird auf sie hören, wenn sie dieses Friedensangebot zu ihrem Stamm bringen. Selbstverständlich werde ich diesen Unterhändlern freie Hand geben, wenn sie den Stamm notfalls zum Verhandeln überreden müssen.

    „Sie wollen den Frieden kaufen?, fragte Bridger. „Ausgerechnet mithilfe dieser Halunken, die notfalls ihre eigene Großmutter anbieten würden, wenn es ihnen Vorteile brächte?

    „Wenn es keine andere Möglichkeit mehr gibt, dann schon, antwortete Maynadier. „Sie haben bereits Ihre Entscheidung getroffen, Mister Bridger – und wie schon gesagt, ich akzeptiere sie. Aber ich werde nicht untätig bleiben, wenn noch eine andere Möglichkeit besteht, um irgendwie einen Frieden zu erreichen. Wenn Sie jetzt gehen, dann schicken Sie mir bitte die fünf Indianer gleich zu mir. Ich will, dass sie noch heute losreiten.

    Bridger sagte nichts mehr dazu. Wozu auch noch? Maynadier hatte schon längst seine Entscheidung getroffen. Wütend verließ er die Kommandantur und schlug die Tür dabei heftig hinter sich zu.

    „Wenn ich dich so anschaue, dann hab ich den Eindruck, du denkst jetzt so ähnlich wie ich", meinte Bridger.

    „Und ob." James Medicine Calf Beckwourth spuckte verächtlich aus, als er die fünf Sioux-Indianer aus der Kommandantur kommen sah. Gefolgt von Colonel Henry Maynadier, der immer noch auf sie einredete und sich zum Schluss mit einem Händedruck von ihnen verabschiedete. „Ausrechnet diese Herumtreiber mit so einer wichtigen Aufgabe zu betrauen, grenzt schon an blanke Unwissenheit. Da kann nichts Gutes dabei rauskommen."

    „Wem sagst du das?, brummte Bridger, während er mit Beckwourth vor dem Stalltor stand und beobachtete, was nun weiter geschah. „Dir hat Maynadier den Job als Unterhändler doch bestimmt auch angeboten, oder?

    „Sicher hat er das, erwiderte Beckwourth und kratzte sich dabei nervös an der rechten Schläfe. „Aber ich hab ihm gesagt, dass ich für solche Himmelfahrtskommandos zu alt bin.

    „Nicht nur du, fügte Bridger hinzu. „Weißt du, manchmal gibt es Tage, an denen ich mir wünschte, ich wäre noch mindestens dreißig Jahre jünger und wieder mit der Rocky Mountain Fur Company auf dem Oberen Missouri unterwegs.

    „Das waren andere Zeiten, Jim, meinte Beckwourth. „Aber sie kommen nicht wieder. Auch wir alten Säcke müssen uns nach der neuen Zeit richten – selbst wenn uns das nicht gefällt. Trotzdem sollten wir nicht alles schlecht sehen. Wenn die fünf Rothäute es schaffen sollten, Red Cloud und Dull Knife zu Friedensverhandlungen zu bewegen, dann wäre das verdammt gut.

    „Aber das wäre nur ein trügerischer Frieden, gab Bridger zu bedenken. „Falls du es noch nicht mitbekommen haben solltest: Es sind weitere Truppen in die Powder-River-Region unterwegs. Angeführt von Colonel Henry B. Carrington. Du hast sicher schon von ihm gehört, oder?

    „Dieses und jenes, meinte Beckwourth schulterzuckend. „Und der soll jetzt die Kastanien aus dem Feuer holen?

    „Indem er weitere Forts entlang des Bozeman Trails errichtet, rückte Bridger nun mit dem heraus, was er selbst in Erfahrung gebracht hatte. „Was glaubst du, wie die Kriegshäuptlinge darauf reagieren werden, wenn sie das herausbekommen?

    „Sie werden gewiss nicht zu Friedensverhandlungen kommen, schlussfolgerte Beckwourth. „Weißt du was, Jim? Seine Miene nahm von einer Sekunde zur anderen plötzlich einen sehr ernsten Ausdruck an. „Ich glaube, es wäre besser, wenn wir so schnell wie möglich von hier verschwinden. Es gibt da draußen jenseits des Horizontes noch das eine oder andere Tal, in dem man noch ungestört leben und jagen kann."

    „Aber wer weiß, wie lange noch?, entgegnete Bridger seufzend. „Nein, ich denke, wir werden hier noch gebraucht. Lass uns zumindest bis zum kommenden Frühjahr abwarten, wie sich die Dinge entwickeln. Dann können wir immer noch entscheiden, was wir tun.

    Beckwourth überlegte einen kurzen Moment und nickte dann schließlich. Seine Blicke richteten sich auf die fünf Sioux-Indianer, die zwischenzeitlich ihre Pferde geholt hatten und aufgesessen waren. Sie ritten langsam zum Tor des Forts, das jetzt geöffnet wurde. Zwischenzeitlich war der Schneefall etwas stärker geworden und die Sicht noch eingeschränkter. Als die Indianer durch das Tor geritten waren, konnten Bridger und Beckwourth den kleinen Reitertrupp nur noch konturenhaft wahrnehmen.

    „Komm, lass uns zurück ins Quartier gehen, riss Bridger die Stimme seines Gefährten aus den Gedanken. „Ich hab unter meiner Pritsche noch eine Flasche Whisky stehen. Ich glaube, jetzt ist der richtige Zeitpunkt gekommen, diesen guten Tropfen zu genießen. Du bist eingeladen, Jim.

    „Gute Idee", meinte Bridger und spürte auf einmal die Kälte des stärker einsetzenden Windes in seinen Knochen. Er war mittlerweile in einem Alter, wo man die Vorzüge einer warmen Stube genoss und – wenn es sich irgendwie vermeiden ließ – darauf verzichtete, sinnlose Jobs zu übernehmen.

    20. Dezember 1865

    In der Powder-River-Region, gegen Mittag

    Sie wussten, dass man sie schon seit Tagen beobachtete. Auch wenn es noch zu keiner direkten Begegnung gekommen war, spürten die fünf Sioux-Indianer, dass man sie schon seit geraumer Zeit entdeckt hatte und sie seitdem nicht mehr aus den Augen ließ.

    Big Mouth wusste, dass es ein gutes Zeichen war, dass sie bis jetzt noch nicht angegriffen worden waren. Auch wenn er und seine vier Gefährten von den meisten anderen Mitgliedern ihres Stammes dafür verachtetet wurden, dass sie dem Weg des weißen Mannes folgten und die Lebensweise ihrer Vorfahren schon fast vergessen hatten.

    Der stämmige Sioux-Indianer, der seinen Namen zurecht trug, weil er sehr gut verhandeln konnte, ließ seine wachsamen Blicke über die winterliche Region schweifen. Hin und wieder hatten er und seine Begleiter einen einsamen Reiter auf einer Hügelkuppe gesehen, der dort stumm verharrte und ihnen dadurch zeigte, dass man sie von nun an nicht mehr aus den Augen ließ.

    „Warum kommen sie nicht näher?", meinte der hagere Little Crow, der jüngste der fünf Sioux. Er wirkte ungeduldig und nervös und konnte das vor seinen Gefährten nicht verbergen.

    „Sie werden kommen, wenn sie es für richtig halten, beschwichtigte ihn Eaglefoot. „Wir müssen einfach nur abwarten.

    Er sah, dass Little Crow von diesen Worten nicht ganz überzeugt war. Aber nicht zuletzt die tadelnden Blicke von Big Ribs und Whirlwind taten ihr Übriges, dass Little Crow jetzt seine Nervosität unter Kontrolle hatte. Er war derjenige unter den Laramie-Bummlern, der sich am längsten im Fort aufhielt und demzufolge jetzt die größten Sorgen hatte, sich den Hass seiner einstigen Stammesangehörigen zuzuziehen, weil er und einige andere Sioux sich auf die Seite der Blaurock-Soldaten geschlagen hatten.

    In diesem Moment gerieten die Dinge in Bewegung. Auf dem gegenüberliegenden Hügel tauchte jetzt nicht nur ein einzelner Reiter auf – sondern gleich zehn. Sie hatten ihre Pferde nicht gezügelt und beobachteten die fünf Sioux, sondern trieben ihre Tiere jetzt an und ritten genau auf sie zu.

    „Bleibt ruhig!, rief Big Mouth seinen Gefährten zu. „Sie werden uns nicht angreifen!

    Seine Worte schienen Little Crow nicht ganz zu überzeugen, aber er tat das, was Big Mouth ihm und den anderen geraten hatte. Alle blickten den näherkommenden Reitern entgegen. Es herrschte eine fast schon unerträgliche Stille, die nur von den trommelnden Hufschlägen der heranreitenden Krieger unterbrochen wurde.

    „Es sind Brulé-Krieger, sagte Big Mouth. „Das ist gut. Spotted Tail wird sehr bald erfahren, was wir ihm zu sagen haben ...

    Seine Miene war ausdruckslos, als die Brulé-Krieger ihre Pferde zügelten. Er ließ sich nicht anmerken, was er dachte, sondern hob die rechte Hand zum Gruß und wartete ab, bis einer der Krieger das Wort an ihn richtete.

    „Was wollt ihr hier?"

    Die Stimme des Kriegers klang drohend und verhieß im ersten Moment nichts Gutes.

    „Wir kommen im Auftrag des Blaurock-Häuptlings aus Fort Laramie, antwortete Big Mouth. „Wir haben eine Botschaft für Spotted Tail.

    „Spotted Tail will nichts von den Blaurock-Soldaten wissen!, lautete die Antwort des Brulé-Kriegers. „Reitet zurück und sagt dem weißen Häuptling, dass es nichts zu bereden gibt.

    „Wer bist du, dass du über so etwas zu entscheiden hast?", ergriff nun Big Ribs das Wort und trieb sein Pferd an, sodass es direkt neben dem Tier von Big Mouth zum Stehen kam.

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