Über dieses E-Book
Die Oglala-Sioux haben Seamus Donegan und seine beiden Söhne überfallen. Amos und Ben sind tot, ihr Vater überlebt. Verletzt und skalpiert gelingt ihm die Flucht. Donegan will den Tod seiner Söhne rächen. Auf seinem Weg der Rache hinterlässt er bei jedem getöteten Oglala-Sioux ein blutiges Kreuz auf der Stirn. Er wird zum gnadenlosen Killer, der kein Erbarmen kennt. Die Indianer fürchten ihn.
Donegan geht seinen Weg unerbittlich weiter, der ihn zu einem Deserteur aus Fort Connor führt und in dem von Oglala-Sioux belagerten Fort endet, dessen Besatzung kaum noch Lebensmittelvorräte besitzt. Ein schrecklicher Tod erwartet alle Soldaten, wenn nicht bald ein Nachschubtransport aus Fort Laramie eintrifft. Doch die Oglala-Sioux versuchen dies mit aller Macht zu verhindern.
In diesen dramatischen Tagen entscheidet sich nicht nur Donegans Schicksal, sondern auch das vieler Soldaten.
Die Printausgabe umfasst 234 Buchseiten
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Alfred Wallon
Alfred Wallon, geboren 1957 in Marburg/Lahn, ist seit 1981 als Schriftsteller tätig. Er veröffentlichte bereits über 200 Romane in nahezu allen gängigen Sparten der Spannungs- und Unterhaltungsliteratur. Wallon gehört zu den wenigen Europäern, die bei den renommierten „Western Writers of America“ aufgenommen wurden, und ist außerdem Mitglied bei den „Western Fictioneers“. Bei dotbooks veröffentlichte er seinen Roman STERBEN KANN ICH MORGEN NOCH.
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Rezensionen für Die Forts am Bozeman Trail 02
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Buchvorschau
Die Forts am Bozeman Trail 02 - Alfred Wallon
Kapitel 1: Der Kampf ums Überleben
11. August 1865
Am frühen Morgen, in der Nähe des Powder River
Als er zum ersten Mal wieder etwas spürte, kam er sich vor wie in der Hölle. Zuerst war es nur ein kleiner Schmerz, der sein allmählich erwachendes Bewusstsein berührte. Aber daraus wurde innerhalb weniger Sekunden die Hölle. Der Kopf drohte zu explodieren, und er hörte ein grauenvolles Röcheln. Erst kurz darauf begriff er, dass er selbst es gewesen war, der diese Laute ausgestoßen hatte. Wie ein Tier im Todeskampf!
Verzweifelt versuchte er, die Augen zu öffnen, um in dieser wabernden Flammenhölle wenigstens eine geringe Orientierung zu bekommen. Aber es gelang ihm irgendwie nicht. Seine Augenlider waren schwer wie Blei, und er selbst konnte seinen Körper nur teilweise bewegen. Weil etwas ihn daran hinderte.
Dann spürte er, wie sein rechter Arm das Hindernis beseitigte. Die Finger seiner rechten Hand erreichten das Gesicht, versuchten, das permanente Rot irgendwie wegzuwischen, das seine Sicht trübte. Es war, als hätte ein dichter roter Schleier seine Sicht auf immer und ewig getrübt – und das, was sich hinter diesem Schleier befand, konnte er nur als blasse Konturen erkennen.
Dutzende von Gedankenfetzen und verwirrenden Bildern jagten sich, während er immer noch nicht begriff, was mit ihm geschehen war. Das Erwachen aus der alles verschlingenden Dunkelheit und die steigenden Schmerzen, die ihn peinigten – all dies trug mit dazu bei, dass er überhaupt nicht begriff, was mit ihm geschehen war.
In diesen quälenden Sekunden der Rückkehr ins Leben wusste er weder seinen Namen, noch erinnerte er sich daran, was überhaupt geschehen war. Warum er nur eingeschränkt sehen und sich immer noch kaum bewegen konnte, begriff er nicht. Er wusste bis jetzt nur, dass die Dunkelheit immer weiter zu weichen begann und die Flut von Gedankenbildern, die ihn verwirrte, allmählich nachließ. Übrig blieb nur der Wunsch, dass diese grausamen Schmerzen endlich nachließen und er wieder richtig sehen konnte.
Wieder bewegte er seine rechte Hand in Richtung der Augen, und aus einem Reflex heraus gelang es ihm, die klebrige Nässe, die sein Sichtfeld einschränkte, zu entfernen. Dann blickte er direkt in ein grelles, schmerzendes Sonnenlicht und schloss sofort wieder die Augen.
Seine Nase registrierte plötzlich einen Geruch, der ihn beunruhigte. Je schneller seine übrigen Sinne aus den Tiefen der Bewusstlosigkeit wieder zurückkehrten, umso stärker wurde die Unruhe, die ihn erfasste und ihm signalisierte, dass irgendetwas Verhängnisvolles geschehen war. Denn er spürte jetzt nicht nur einen bohrenden Kopfschmerz, sondern auch gleichzeitig ein Pochen in seiner Schulter, das in diesem Zustand fast schon eine Panik auslöste.
Ich bin hilflos!, schrie eine innere Stimme. Schwach und hilflos – aber dennoch lebe ich. Nur für wie lange ...?
Eine quälende Ewigkeit später gelang es ihm schließlich, auch die andere Hand von der unbekannten Last freizubekommen, die seinen Körper auf dem Boden festhielt und einfach nicht nachgeben wollte. Wieder und wieder rieb er über sein Gesicht, bis aus der feuerroten Hölle schließlich eine andere Umgebung wurde. Eine Umgebung, an die sich auch sein Verstand wieder erinnerte.
Als die Sicht wieder so klar wurde, dass er seine nähere Umgebung erkennen konnte, wusste er, was die Ursache dafür war, warum er sich nicht bewegen konnte. Etwas lag auf seiner Brust. Etwas, das streng roch und ihm seltsamerweise irgendwie bekannt vorkam – ohne dass er schon sagen konnte, warum das so war.
Er blickte in das schmerzverzerrte blutige Gesicht eines Toten, dessen Augen ihn anklagend anstarrten. Die Augen eines jungen Mannes, der sein ganzes Leben noch vor sich gehabt hatte. In Bruchteilen von Sekunden klärte sich die Flut von Erinnerungen und Ängsten, die von allen Seiten gleichzeitig auf ihn eingestürmt waren. Nun wusste er, wer er war!
„Ben ...", keuchte Seamus Donegan, während er sich von der Last seines toten Sohns Ben zu befreien versuchte. Das Herz schlug ihm bis zum Hals, als er Sekunden später auch seinen ältesten Sohn Amos erblickte, der wenige Schritte entfernt lag. Ebenfalls tot!
Er versuchte, sich zu erheben, soweit das in diesem geschwächten Zustand überhaupt möglich war. Gleichzeitig bildete sich in seinem Magen ein unangenehmer Druck, während in der Kehle sich etwas bildete, was einen Hustenanfall verursachte. Dem folgte ein heftiges Erbrechen, das Donegans Körper schüttelte und ihn in Atemnot brachte.
Als er schließlich nichts mehr im Magen hatte, war er in Schweiß gebadet, und er zitterte immer noch am ganzen Leib. Der bohrende Kopfschmerz hatte merkwürdigerweise etwas nachgelassen, aber das dumpfe Pochen in seiner Schulter hatte sich dagegen noch etwas verstärkt.
Jetzt wusste er, was geschehen war. Seine Söhne und er hatten auf eigene Faust versucht, die Alder Gulch in Montana zu erreichen, um dort nach Gold zu graben. Die Pratt-Brüder hatten sich ihnen angeschlossen, aber nur wenig später hatte es Ärger gegeben, und Donegan hatte handeln müssen. Harper Pratt war gestorben, weil er etwas Folgenschweres entdeckt hatte. Und als sein Bruder Travis hatte eingreifen wollen, war auch er umgebracht worden.
Donegan und seine beiden Söhne hatten aber noch nicht das Ende ihrer Pechsträhne erreicht. Schon einen Tag später waren sie in einen Hinterhalt geraten, und Donegan hatte zusehen müssen, wie diese verdammten roten Bastarde seine Söhne getötet hatten. Er war wenig später durch einen vernichtenden Hieb gefallen und gestorben – das war jedenfalls seine letzte Erinnerung gewesen. Aber Donegan lebte noch. Jedoch Amos und Ben waren tot!
Er schaffte es schließlich, aufzustehen, aber er schwankte noch stark. Immer wieder überkam ihn ein Schwindel, während er vorsichtig nach seinem Kopf tastete und auf einmal eine Stelle berührte, an der sich normalerweise hätten Haare befinden müssen. Aber da war gar nichts mehr. Weder Haare noch Kopfhaut.
Diese roten Hundesöhne hatten ihn skalpiert! Und die Schulter war ebenfalls verletzt durch einen Messerstich. Dort, wo Blut geflossen war, hatte sich eine starke Kruste gebildet. Als Donegan versuchte, das Hemd an der Schulter zu lösen, stöhnte er laut, weil es jetzt wehtat. Und als er seine Stirn berührte, fühlte sie sich heiß an. Sehr heiß!
Fieber, dachte er voller Entsetzen. Ich habe Fieber bekommen! Ich muss etwas tun, sonst ...
Allein der Gedanke, dass er nur erwacht war, um die Leichen seiner beiden Söhne zu sehen und dann kurz darauf die endgültige Reise ins Jenseits anzutreten, war so schrecklich, dass er seine letzten Kräfte mobilisierte. Er konnte ... nein, er durfte einfach nicht sterben. Nicht jetzt und erst recht nicht hier.
Noch während er sich diese Tatsache schonungslos vor Augen hielt, wurde ihm bewusst, dass er nicht länger hierbleiben konnte. Der sich immer stärker ausbreitende Geruch von Tod und Verwesung würde wilde Tiere anlocken. Ganz zu schweigen von den Sioux, die vielleicht noch einmal an den Ort ihrer blutigen Tat zurückkehren konnten.
So grausam diese blutige Realität auch war – er konnte und durfte nicht länger hierbleiben. Er musste Schutz suchen und einen Ort finden, an dem er in seiner momentanen Hilflosigkeit nicht zum Opfer wurde.
Auch wenn er selbst nicht wusste, woher er die Kraft und den Willen nahm, um diese schrecklichen Bilder des Todes überhaupt noch verarbeiten zu können, so gelang es ihm dennoch. Es nutzte nichts, auf die Leichen seiner Söhne zu starren und Trauer zu empfinden. Das machte sie nicht mehr lebendig. Er musste jetzt vor allem an sich selbst und an sein eigenes Überleben denken. Dennoch war es nicht sicher, ob ihm das überhaupt gelingen würde.
Er war allein in der Wildnis und verletzt – und er spürte das Fieber, das seinen Körper erfasst hatte. Seamus Donegan wankte ein paar Schritte und musste zunächst wieder innehalten, um Luft zu holen. Er war so schwach, dass jede Bewegung ganz viel Kraft kostete. Aber er biss die Zähne zusammen und marschierte weiter. Bis zu dem Wagen, auf dem sich einmal alles befunden hatte, was ihm und seinen beiden Söhnen eine neue Zukunft in Montana hätte ermöglichen sollen. Diese Träume waren jedoch ein für alle Mal vernichtet!
Donegan schaffte es erst beim dritten Versuch, auf den Wagen zu klettern und sich dann umzuschauen. Natürlich war ihm klar, dass die Sioux den Wagen gründlich durchsucht und alles mitgenommen hatten, was für sie noch irgendeinen Wert darstellte. Er fand lediglich noch ein Messer, das einer dieser blutrünstigen Hunde übersehen haben musste – und einen Beutel, in dem sich noch etwas Brot befand. Nicht viel, aber trotzdem mehr, als er in dieser Situation überhaupt erwartet hatte.
Er nahm beides an sich und stieg wieder vom Wagen herunter. Noch bevor er mit den Füßen den Boden berührt hatte, überkam ihn von einer Sekunde zur anderen ein Schwächeanfall. Zum Glück konnte er sich noch rechtzeitig an einer Verstrebung festhalten, bevor er das Gleichgewicht verlor und hinfiel. Denn er ahnte, dass er sich dann nicht mehr so schnell hätte erheben können.
Donegan wartete einen Moment, öffnete den Beutel und nahm ein Stück Brot an sich. Er konnte nur schätzen, wie lange er bewusstlos dort drüben gelegen hatte. Aber er verspürte einen nagenden Hunger, der jetzt seinen Tribut forderte. Trotzdem ging er mit dem Brot sehr sparsam um, denn er wusste überhaupt nicht, wie es mit ihm weitergehen sollte. Aber er schob den Gedanken beiseite, dass er in dieser Wildnis jetzt ums Überleben kämpfen musste. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass er sich mitten im Indianerland befand.
Er schob sich einen Brocken Brot in den Mund und kaute darauf herum. Erst dann schluckte er es herunter und spürte, wie sein Körper noch nach mehr verlangte. Jedoch zwang er sich, diesem Gefühl nicht weiter nachzugeben, sondern war dankbar dafür, dass er überhaupt noch etwas zu essen gefunden hatte.
Er schaute hinauf zum Himmel und stellte fest, dass die Sonne schon ein gutes Stück weiter nach Westen gewandert war. Der Abend war nicht mehr fern. Höchste Zeit also, Ausschau nach einem sicheren Unterschlupf zu halten, bevor die wilden Tiere kamen. Deshalb setzte er vorsichtig einen Fuß vor den anderen. Zwar ganz langsam, aber mit jedem weiteren Meter, den er sich vom Ort des Todes entfernte, wuchs auch die Hoffnung, dass es ihm gelingen würde, irgendwie zu überleben. Auch wenn es nur eine geringe Chance war, so klammerte er sich an den Gedanken, dass diejenigen, die seine Söhne so brutal ermordet hatten, irgendwann dafür zahlen mussten!
Dieser Hass war es, der ihm zusätzliche Kräfte verlieh und das schier Unmögliche Wirklichkeit werden ließ. Seamus Donegan wankte zwar ein wenig, aber mit jedem weiteren Schritt brachte er immer mehr Entfernung zwischen sich und die Stätte des Todes.
Während er tiefer in den Wald eindrang, musste er immer wieder gegen das Fieber ankämpfen, das seinen Körper in Schüben erreichte und ihn wanken ließ. Er wusste aber auch, dass er niemals aufgeben durfte. Sonst wäre alles umsonst gewesen. Diejenigen roten Bastarde, die seine Söhne auf dem Gewissen hatten, mussten die Zeche zahlen – egal wie viel Zeit verstrich. Donegan war kein Mann, der Rechnungen offenstehen ließ. Selbst in seinem geschwächten Zustand und mit den Verletzungen, die er erlitten hatte, kämpfte er sich weiter.
Mehr als eine Stunde mochte vergangen sein, bis er schließlich einen kleinen Bach entdeckte, der sich sein Bett in zahlreichen Windungen einen flachen Hügel hinunter grub. Für Donegan bedeutete dieses Wasser Überleben. Das Herz schlug ihm bis zum Hals, als er den kleinen Bach erreichte und langsam niederkniete. Er tauchte beide Hände in das kalte Wasser und seufzte, als allein dieses Gefühl ihm schon ein unbeschreibliches Wohlgefühl bereitete.
Ganz vorsichtig reinigte er sein Gesicht und versuchte auch, das verkrustete Blut von der Stelle seines Kopfes zu entfernen, wo man ihm den Skalp abgezogen hatte. Für einen winzigen Moment sah er im klaren Wasser des Baches sein Spiegelbild und zuckte zusammen, als ihm klar wurde, wie ausgezehrt er aussah.
Die Wunde in der Schulter blutete zwar nicht mehr, aber er konnte auch nicht erkennen, wie tief sie war. Einer der Sioux musste von hinten auf ihn eingedrungen sein und ihn mit dem Messer verletzt haben. Auch wenn die Verletzung noch schmerzte und ihn mehr als nur einmal dazu zwang, die Zähne zusammenzubeißen und tapfer zu bleiben, konnte er dennoch atmen, ohne dass er einen Stich in der Lunge verspürte. Was nichts anderes bedeutete, als dass vermutlich keine inneren Organe ernsthaft verletzt waren. Zumindest hoffte Donegan das.
Erst jetzt hob er die Hände an seinen Mund und nahm einige Schlucke. Das Wasser tat ihm gut und ließ zusätzliche Lebensgeister in seinen geschundenen Körper zurückkehren.
„Ich schaffe es, murmelte Donegan mit krächzender Stimme. „Ich brauche nur etwas Zeit. Aber dann werdet ihr es büßen ...
Für ihn war das so etwas wie ein heiliger Schwur, den er jetzt an diesem kleinen und unscheinbaren Bach gefasst hatte. Er würde alles dafür tun, dass diese Gedanken nicht nur reines Wunschdenken blieben, sondern Wirklichkeit wurden. Alles, was dafür nötig war – das waren Zeit und Ruhe.
Wieder aß er etwas von dem Brot aus dem Beutel und trank erneut Wasser. Schon jetzt fühlte er sich deutlich zuversichtlicher und beschloss deshalb, weiter nach einem geeigneten Ort zu suchen, wo er langsam wieder zu Kräften kommen konnte. Er hoffte, dass er solch einen Platz in der Nähe des kleinen Baches finden würde. Denn hierher würden auch Tiere kommen, um zu trinken. Für ihn bedeutete das eine Chance auf Fleisch, das er dringend brauchte.
Das wenige Brot, das er besaß, würde vielleicht zwei oder drei Tage reichen – aber nicht länger. Bis dahin musste er so weit wieder zu Kräften gekommen sein, dass er auf die Jagd gehen konnte. Wie er das in seinem angeschlagenen Zustand überhaupt bewerkstelligen konnte, darüber dachte Donegan nicht nach. Er wusste nur, dass er eine Lösung finden würde, wenn der Zeitpunkt gekommen war.
Jetzt galt sein Interesse einem abgebrochenen Ast, der nur wenige Schritte von ihm entfernt lag und genau die richtige Größe besaß, um ihm als Gehhilfe zu dienen. Mit dem Messer aus dem Wagen schnitt er die Zweige ab. Allein das verursachte wieder einen Schweißausbruch und ein Pochen in der Schulter. Aber er machte trotzdem weiter, bis er zufrieden sein Werk betrachtete. Nun besaß er so etwas wie eine Krücke, mit der er schneller vorankommen konnte.
Seine Blicke schweiften über das Gelände um den Bach herum und fixierten schließlich einen Punkt etwas oberhalb. Instinktiv schritt er darauf zu. Mit dem starken Ast, den er als Stütze benutzte, schaffte er das in einer knappen Viertelstunde. Dann stand er vor einer mit Büschen und Moos bewachsenen Felswand – und er entdeckte einen Einschnitt im Gestein, den er vom Bach aus gar nicht sehen konnte. Dieser Einschnitt erweiterte sich zu einer Höhle, die Donegan ohne Zögern betrat.
Auch wenn er damit rechnen musste, dass diese Höhle einem wilden Tier als Unterschlupf diente, kroch er hinein. Das Messer hielt er weiter in der rechten Hand – aber nichts wies darauf hin, dass ihm eine unmittelbare Gefahr drohte. Seine Nase registrierte auch keinen Tiergeruch.
Allmählich wich die Spannung, die von Donegan seit seinem Erwachen Besitz ergriffen hatte – und die kleine Höhle gab ihm zumindest so etwas wie einen Hauch von Sicherheit in dieser Wildnis. Jetzt gab er der Erschöpfung nach, die schon seit geraumer Zeit ihren Tribut forderte.
Er konnte nur hoffen, dass das Fieber ihm jetzt nicht die letzten Kraftreserven raubte. Das war einer seiner letzten Gedanken, bevor sein Kopf zur Seite fiel und er das Bewusstsein verlor.
13. August 1865
Kurz vor Sonnenaufgang –
in der Höhle unweit des kleinen
