Über dieses E-Book
Alfred Wallon
Alfred Wallon, geboren 1957 in Marburg/Lahn, ist seit 1981 als Schriftsteller tätig. Er veröffentlichte bereits über 200 Romane in nahezu allen gängigen Sparten der Spannungs- und Unterhaltungsliteratur. Wallon gehört zu den wenigen Europäern, die bei den renommierten „Western Writers of America“ aufgenommen wurden, und ist außerdem Mitglied bei den „Western Fictioneers“. Bei dotbooks veröffentlichte er seinen Roman STERBEN KANN ICH MORGEN NOCH.
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Rezensionen für Texas Ranger 04
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Buchvorschau
Texas Ranger 04 - Alfred Wallon
In dieser Reihe bisher erschienen
4701 Alfred Wallon Tod am Rio Blanco
4702 Alfred Wallon Canoma muss sterben
4703 Alfred Wallon Die erste Rebellion
4704 Alfred Wallon Kampf ohne Gnade
4705 Alfred Wallon Die Helden von Alamo
4706 Alfred Wallon Vergeltung für Alamo
4707 Alfred Wallon Überfall auf Parkers Fort
4708 Alfred Wallon Gefahr am Little River
4709 Alfred Wallon Rinder für Texas
4710 Alfred Wallon Das Fort am Colorado River
4711 Alfred Wallon Entscheidung am Elm Creek
4712 Alfred Wallon Hinterhalt am Trinity River
4713 Alfred Wallon Der Commanchen-Jäger
4714 Alfred Wallon Der Ritt nach Laredo
4715 Alfred Wallon Blutiger Sommer (Frühjahr’25)
4716 Alfred Wallon Tödlicher Herbst (Frühjahr’25)
DeckblattKAMPF OHNE GNADE
TEXAS RANGER
BUCH 4
ALFRED WALLON
BLITZ-Verlag BLITZ-Verlag
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Copyright © 2022 Blitz-Verlag, eine Marke der Silberscore Beteiligungs GmbH, Mühlsteig 10, A-6633 Biberwier
Titelbild: Rudolf Sieber-Lonati
Umschlaggestaltung: Mario Heyer
Redaktion: Alfred Wallon
Logo: Mario Heyer
Satz: Gero Reimer
Alle Rechte vorbehalten
www.Blitz-Verlag.de
ISBN: 978-3-95719-364-3
4704 vom 11.08.2024
INHALT
Blutige Jagd
Allein in der Wildnis
Der Überfall der Kickapoo
Hinterhalt am Alazan Creek
Angriff auf San Antonio de Bexar
Die Scharfschützen
Nächtliche Flucht
Begegnung mit dem Tod
Die letzte Entscheidung
Historische Anmerkungen zum vorliegenden Roman
Über den Autor
LandkarteBLUTIGE JAGD
5. September 1835
Nördlich des Trinity River
Am späten Nachmittag gegen 17:00 Uhr
„Wir haben Hufspuren gefunden!, rief Oliver Buckman und zeigte aufgeregt mit dem Daumen der rechten Hand hinter sich. „Es sind Spuren von unbeschlagenen Pferden. Sie führen zu einem Indianerlager. Cyrus und ich haben es aus der Ferne sehen können, Captain.
Er schaute dabei zu seinem Kameraden Cyrus Belmont, und der bestätigte mit einem kurzen Nicken diese Worte.
„Wie viele Rothäute sind es?", wollte Captain Robert R. Williamson von den beiden Texas Rangern wissen, die als Späher vorausgeritten waren.
„Höchstens zehn, soweit wir das feststellen konnten, Captain, antwortete Buckman. „Wir sind nicht näher herangekommen und wollten lieber Vorsicht walten lassen. Nicht dass uns die Indianer noch bemerkt hätten.
„Das haben sie ja zum Glück nicht", sagte Belmont.
Captain Williamson grinste, als er das hörte. Er nahm seinen breitkrempigen Hut ab, wischte sich kurz über die schweißfeuchte Stirn und blickte dann in die Richtung, aus der Buckman und Belmont gekommen waren. Er überlegte kurz, bevor er eine Entscheidung traf.
„Das sehen wir uns genauer an, meinte er. „Wir haben uns von diesen verdammten Waco-Indianern lange genug täuschen lassen. Jetzt machen wir kurzen Prozess mit ihnen.
„Das wurde auch Zeit, sagte Buckman und konnte seine Vorfreude auf einen baldigen Kampf kaum verbergen. „Mit diesen verdammten Bastarden habe ich noch eine Rechnung offen. Es wird Zeit, dass sie endlich beglichen wird.
Williamson wusste, was Buckman damit sagen wollte. Die meisten Männer, die sich den Texas Rangern angeschlossen hatten, verfügten über eigene Erfahrungen im Kampf gegen verschiedene Indianerstämme. Auch Buckman hatte einen Cousin verloren, dessen Farm von Waco-Indianern angegriffen und niedergebrannt worden war. Weder der Cousin noch dessen Familie hatten das überlebt, und man hatte nur noch die Toten bergen und beerdigen können. Seit diesem Zeitpunkt war Buckman förmlich versessen darauf, gegen die Indianer zu kämpfen, und er riskierte eine ganze Menge, um diesen persönlichen Racheschwur zu erfüllen. Captain Williamson wusste das. Deshalb achtete er ganz besonders darauf, dass Buckman mit seinem Eifer nicht den ganzen Ranger-trupp von zwanzig Mann durch bodenlosen Leichtsinn gefährdete.
„Reiten wir, sagte Williamson schließlich. „Du hältst dich aber zurück, Buckman. Ist das klar? Du hörst auf mein Kommando, und es wird erst geschossen, wenn ich es sage.
„Herrgott, ja, erwiderte Buckman. „Ich passe schon auf.
„Dann ist es ja gut", meinte der Captain und gab das Zeichen, loszureiten und den Spuren zu folgen, die die beiden Späher entdeckt hatten. Die Gegend zu beiden Seiten des Trinity River war flach. Nur hin und wieder erhoben sich kleinere, mit Büschen und Sträuchern bewachsene Hügel. Williamson und seine Ranger mussten deshalb besonders vorsichtig sein, damit sie nicht doch noch von den Waco-Indianern bemerkt wurden.
Eigentlich war ihre Mission schon längst beendet, denn die meisten der Ranger, die im letzten Monat in der Region unterwegs gewesen waren, befanden sich schon längst wieder auf dem Rückweg nach Fort Sterling, das man inoffiziell auch nach dessen Gründer Parker’s Fort genannt hatte. Parker’s Fort war der Ausgangspunkt für die Missionen der Ranger, die von Colonel John Henry Moore geleitet wurden. Es gab insgesamt vier Gruppen, die von den Captains Barnett, Coe, Goheen und William-son geführt wurden. Während die Ranger unter dem Kommando von Barnett und Coe schon längst wieder in Parker’s Fort weilten, waren die anderen beiden Rangertrupps noch immer in der Gegend des Trinity River unterwegs und suchten den Kampf mit vereinzelten Kriegerbanden. Dass Buckman und Belmont jetzt wieder Spuren entdeckt hatten, die sogar zu einem kleinen Indianerdorf führten, wertete Williamson als gutes Zeichen, denn jetzt konnten die kampferfahrenen Männer endlich wieder unter Beweis stellen, zu was sie fähig waren.
Es war ein unruhiges Jahr, das von zahlreichen Kämpfen bestimmt wurde. Sowohl gegen verschiedene Indianer-stämme als auch gegen die Truppen des mexikanischen Generals Martin Perfecto de Cos, der auf Befehl des -Präsidenten Antonio López de Santa Anna nach Texas einmarschiert war und versuchte, Druck auf die Bevölkerung auszuüben, indem man entweder willkürliche Steuern forderte und die Siedler dann von ihrem Land vertrieb, wenn sie nicht in der Lage waren, diese Steuern zu zahlen. Jeder der Ranger, die in den Kampf zogen, mussten damit rechnen, nicht mehr nach Hause zurückzukehren, aber trotzdem waren sie fest entschlossen, ihre neue Heimat mit allen Mitteln zu verteidigen.
Der Trupp aus zwanzig mutigen Männern folgte den Spuren, die Buckman und Belmont gefunden hatten, während die Sonne immer weiter nach Westen sank. Bald würde sie am fernen Horizont untergehen, und bis dahin mussten die Texas Ranger ihre Aktion beendet haben. Während der Dunkelheit ein Indianerlager anzugreifen, stellte ein viel zu großes Risiko dar. Deshalb wollten sie natürlich möglichst schnell für klare Verhältnisse sorgen.
Wieder waren Buckman und Belmont ein Stück voraus-geritten. Sie blieben aber immer noch in Sichtweite und wollten kein großes Wagnis eingehen. Dann kamen sie aber wieder zurück und teilten dem Captain mit, wie sich die Lage jetzt darstellte.
„Wir sollten die Pferde hierlassen und den Rest des Weges zu Fuß gehen, schlug Belmont vor, der der Besonnenere von beiden war. „Dann gehen wir kein Risiko ein. Das Lager befindet sich direkt unterhalb von zwei Hügeln. Die Rothäute haben einen Wachposten aufgestellt, aber den können wir mit Leichtigkeit ausschalten. Ich übernehme das gerne, Captain.
Belmont grinste bei diesen Worten und zog dabei sein großes Messer aus der Scheide am Gürtel. Mit dieser Geste wollte er Captain Williamson andeuten, was er vorhatte.
„Ich schleiche mich von hinten an den Roten heran und schneide ihm die Kehle durch, schlug er dem Captain vor. „Ihr anderen bleibt noch in Deckung. Dann hänge ich mir seine Decke um. Von Weitem wird man nicht erkennen können, dass ich kein Indianer bin. Danach gebe ich euch ein Zeichen, und dann können wir losschlagen.
Williamson kratzte sich an der rechten Schläfe und grübelte einen kurzen Augenblick. Aber dann gab er mit einem kurzen Nicken sein Einverständnis. Mehr wollte Belmont nicht wissen. Er stieg ab, drückte die Zügel seines Pferdes Buckman in die Hände, nahm seine Rifle und hastete geduckt vorwärts. Wenige Sekunden später war er schon nicht mehr zu sehen.
„Absitzen!, rief Williamson den übrigen Männern zu. „Du passt auf die Pferde auf, Otis
, befahl er einem der Ranger. „Du hilfst ihm dabei, Wallace, fuhr er fort. „Ihr anderen kommt mit. Geschossen wird erst auf mein Kommando und wenn Belmont signalisiert hat, dass wir angreifen können. Ist das klar?
Er blickte kurz in die Runde und registrierte Zustimmung in den Gesichtern der Ranger. Dann nahmen die Männer ihre Rifles und setzten den Weg zu Fuß fort. Immer vorsichtig und wachsam.
Aponi sah die Weißen als eine der Ersten. Sie zuckte zusammen, als die ersten Schüsse fielen und einer der Krieger von einer unsichtbaren Faust gepackt und nach hinten gestoßen wurde. Er stürzte nur wenige Schritte von ihr entfernt zu Boden, und sein Gesicht war blutüberströmt und im Tod eine schreckliche Grimasse.
Sie erhob sich rasch und eilte hinüber zu dem Tipi, wo ihre kleine Tochter zurückgeblieben war und mit einer Puppe spielte, die Aponi aus Gras und Holz für sie gemacht hatte. Sie liebte es, damit zu spielen, aber jetzt beendete sie plötzlich ihr Spiel und schrie vor Angst, als die Gewalt um sie herum eskalierte. Mit ihren drei Jahren begriff sie natürlich nicht, warum das geschah. Aber sie spürte die Angst und den Tod, und das ließ sie laut schreien.
Aponi sah, wie die Weißen jetzt die Tipis erreichten und mit ihren Feuerwaffen Tod und Verderben säten. Ein anderes Kind, mit dem ihre Tochter eben noch gespielt hatte, wurde von einer Kugel niedergestreckt. Das Kind, ein vierjähriger Junge, stürzte einfach nach vorn und blieb reglos im Gras liegen.
Einige Krieger versuchten, die Frauen und Kinder zu schützen, aber das gelang ihnen nicht. Die Weißen waren in der Überzahl und besaßen die tödlicheren Waffen. Immer wieder fielen Schüsse, in die sich die -Todesschreie der Krieger mischten, die keine Chance hatten, den Angriff der Weißen zurückzuschlagen.
Aponis Hand tastete nach dem Messer, das sie unter ihrem Kleid verborgen hatte. Sie fürchtete die Weißen und hatte von den Gewalttaten gehört, die sie angerichtet hatten. Dieser Hass war schuld am Tod des Caddo-Häuptlings Canoma. Sein Stamm hatte den Texanern vertraut, und letztendlich hatten er und einige seiner Krieger dafür einen hohen Preis bezahlen müssen. Die Weißen hatten sie getötet, und seitdem standen sich die Texaner und mehrere Indianerstämme unversöhnlich gegenüber.
Sie beugte sich über ihr schreiendes Kind und versuchte, es mit ihrem Körper zu schützen. Nur wenige Schritte entfernt starb eine weitere Indianerin, die zu fliehen versucht hatte. Einer der Weißen tötete sie, bevor sie in den Büschen untertauchen konnte.
Lautes Stöhnen erklang. Von den zehn Kriegern, die auf die Jagd gegangen waren, lebten nur noch zwei. Einer von ihnen war von einer Kugel in die rechte Schulter getroffen worden, und Blut lief den Arm herunter. Er versuchte sich zu wehren, kam aber gegen die rohe Kraft eines der weißen Angreifer nicht an. Aponi schloss die Augen, als einer der Weißen mit dem Kolben seiner Rifle ausholte und damit den Krieger niederschlug. Es gab ein hässliches Geräusch, als das Holz des Kolbens mit dem Schädel zusammenprallte.
Der Krieger ging sofort in die Knie, fiel nach hinten und bewegte sich nicht mehr. Das Blut, das ihm aus Nase und Ohren lief, war ein eindeutiges Zeichen, dass er bald sterben würde. Nur wenige Sekunden später lag er still.
Aponi hob abwehrend beide Hände, als einer der Weißen mit vorgehaltener Rifle auf sie zukam. Aber ein anderer Mann stellte sich ihm in den Weg, redete kurz mit ihm und gab ihm dann ein Zeichen, seine Waffe sinken zu lassen.
Verzweifelt schaute sie in die Runde und musste entsetzt feststellen, dass sie und ihre kleine Tochter die Einzigen waren, die noch lebten. So verloren hatte sie sich noch nie gefühlt. Sie umschlang ihr Kind mit beiden Armen, weil sie spürte, dass die Kleine am ganzen Körper zitterte und ihre Mutter gar nicht mehr loslassen wollte. Zwei weitere Weiße traten nun auf sie zu und versuchten sie hochzuzerren. Natürlich wehrte sie sich dagegen, aber sie hatte keine Chance gegen diese rohe Gewalt. Die Männer packten sie und trennten sie von dem Kind. Ein dritter Mann kümmerte sich um das Kind, packte es und schrie es an. Da verstummte das verzweifelte laute Weinen und machte einem leisen Wimmern Platz.
„Lasst mein Kind los!, rief Aponi. „Es hat euch doch nichts getan!
Sie wusste, dass die Weißen nicht verstehen konnten, was sie sagte. Deshalb wehrte sie sich nochmals und bekam dafür eine schallende Ohrfeige, die ihr klar und deutlich zeigte, dass sie eine Grenze überschritten hatte.
Sie wurde mitgeschleppt zum Fuße des kleinen Hügels, während die Weißen das Lager der Waco-Indianer durchsuchten. Zwei Männer deuteten ihr mit einer klar -verständlichen Geste an, am Boden sitzen zu bleiben und sich nicht von der Stelle zu rühren. Aponi befolgte diesen Befehl, weil sie endlich ihre total verängstigte Tochter wieder in die Arme schließen konnte. Tränen liefen der Kleinen übers Gesicht, und sie war froh, dass sie sich endlich wieder in die Arme ihrer Mutter retten konnte. Aber das war eine trügerische Sicherheit, von der Aponi nicht wusste, von welcher Dauer sie sein würde, denn sie sah, mit welcher brutalen Grausamkeit die Weißen ans Werk gingen. Sie töteten die letzten beiden Krieger und lachten dabei. An diesem Tag ging nicht nur die Sonne unter und machte der einsetzenden Dunkelheit Platz, sondern diese Nacht breitete sich auch in ihrem Herzen aus, in dem es keine Wärme mehr gab. Sie wusste, dass sie so nicht weiterleben konnte, und somit blieb nur noch ein einziger Weg für sie.
Tränen zeichneten sich in ihren Augenwinkeln ab, als sie sich vorzustellen begann, welchen schweren Schritt sie gehen musste. Erst recht, wenn es um ihr eigenes Kind ging. Sie liebte das kleine Mädchen von ganzem Herzen, aber das ungewisse Schicksal, das sowohl sie als auch ihre Tochter erwartete, beinhaltete nur noch namenlosen Schrecken. Dies wollte sie dem Mädchen ersparen.
„Gute Arbeit", meinte Captain Williamson, während er seine Blicke in die Runde schweifen ließ. Er sah, wie seine Männer das Lager plünderten und alles an sich nahmen, was ihnen irgendwie von Wert erschien. Insbesondere Oliver Buckman war da gar nicht zimperlich. Das, was er tat, musste man unter normalen Umständen als Leichenfledderei bezeichnen, und das war noch eine harmlose Beschreibung. Johlend teilten die Männer die Messer und Kriegsbeile unter sich auf, und der eine oder andere aus Captain Williamsons Truppe hielt es für angebracht, sich eine sehr spezielle Trophäe zu holen: In diesem Fall handelte es sich um Skalpe.
Der Kommandant der Texas Ranger sah das zwar, empfand aber selbst Abscheu davor, die Toten zu verstümmeln oder zu berauben. Aber er duldete es dennoch, weil er wusste, dass die Ranger das brauchten, um endlich ihren Gefühlen und Hassgedanken freien Lauf zu lassen. Zu viel war in den letzten Wochen und Monaten geschehen, denn die Stimmung war aufgeheizt unter den verschiedenen Indianerstämmen und erst recht bei den texanischen Siedlern. Es hatte einmal eine Zeit gegeben, als Stephen Austin mit einigen Indianerstämmen über einen dauerhaften Frieden verhandelt hatte, aber all dies schien unendlich weit zurückzuliegen. Niemand dachte
