Über dieses E-Book
Die etablierten Parteien versuchen, die "Neudenker" in die rechte Ecke zu stellen, und gehen nach der für sie verlorenen Bundestagswahl eine fragile Vierfarbenkoalition ein. Damit erreichen sie allerdings das Gegenteil. Die Neudenker werden angesichts der chaotisch handelnden Regierung immer populärer. Der Plan des geheimnisvollen "Council of Global Welfare", der hinter der Parteigründung steckt, scheint aufzugehen.
Wolfgang Sanden
Wolfgang Sanden, 1946 in Hildesheim geboren, übte nach Abitur und Mathematikstudium dreißig Jahre lang verschiedene Berufe in der IT-Branche aus. Unter anderem war er als Programmierer, Systemanalytiker, Berater, Qualitätsmanager und Ausbilder tätig. In jener Zeit konnte er sich dem Schreiben nur sporadisch widmen. Heute arbeitet Wolfgang Sanden als freier Schriftsteller.
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Die Neudenker - Wolfgang Sanden
1
In Markus Müllers Hosentasche summte es leise. „Moment mal, unterbrach er sein Gegenüber, „tut mir leid.
Widerwillig nestelte er sein Smartphone hervor. „Ja, Anna, was gibt’s? Während er zuhörte, verzog er genervt sein Gesicht. „Ja, ja, ich habe es nicht vergessen. Ich werde Dirk sofort fragen. Tschüs, tschüs, bis nachher. Tschüs.
Und zu Dirk Spieß gewandt: „Seit es diese blöden Dinger gibt, wird man für jeden Mist angerufen." Er ließ den Apparat wieder in der Hosentasche verschwinden.
„Was willst du mich denn sofort fragen?" Dirk Spieß leerte sein Weinglas.
„Ach, wie der Fliesenleger heißt, der eure Terrasse im vorletzten Jahr so schön erneuert hat. Unsere hat es vielleicht auch mal nötig. Anna liegt mir damit schon seit Wochen in den Ohren."
„Der heißt Wohler. Oder – warte mal. Spieß schloß für einen Moment die Augen und dachte nach. „Wohlerst. Mit s-t am Ende.
„Schick mir doch am besten gleich den Link rüber."
Spieß lachte. „Nee, mein Lieber, wohl kaum. Ich habe die Kiste zu Hause gelassen. So wichtig habe ich es nicht. Ich werfe dir morgen einen Zettel mit der Telefonnummer in den Briefkasten. – Steffie, bringst du mir bitte noch einen Hauswein? rief er der Bedienung hinterher. Die bestätigte die Bestellung mit einem Kopfnicken und verschwand gleich darauf im mit Weinranken überwachsenen Wirtshaus. Dann fuhr er fort. „So einen schönen Abend laß ich mir doch nicht vom Händi-Geklingel vermiesen.
Er blickte wohlgelaunt in die Runde.
Sie saßen im lauschigen Hof der „Weinrebe". Das beliebte Lokal war bereits zu dieser frühen Abendstunde gut besucht. Bei solch einem sonnigen Augusttag, der nun milde zu Ende ging, allerdings auch kein Wunder. In weiser Voraussicht hatte Müller deshalb schon gestern einen Tisch reservieren lassen.
„Eigentlich hast du ja recht, meinte Markus. „Meine Frau läßt bei jedem Summen und Klingeln alles stehen und liegen und stürzt zu ihrem Smartphone. Meistens handelt es sich um irgendein blödes Video oder Fotos von zubereitetem Essen und ähnlichen Belanglosigkeiten. Besonders schlimm sind die Selfies, bei denen dich ein verzerrtes Gesicht angrinst.
„Völlig überflüssig. Stiehlt einem nur die Zeit. Wußtest du, daß das Versenden einer Nachricht wegen des dazu benötigten Stroms jedesmal zwei Gramm CO2 verursacht? Und eine Stunde Streaming so viel CO2 wie eine Stunde Autofahrt? Aber alle wollen das Klima retten – angeblich."
In den nächsten Minuten beklagten sie die beim Umwelt- und Klimaschutz herrschende Doppelmoral. Biogemüse kaufen, SUV fahren, nach sonstwohin fliegen, Grüne wählen und sich danach wie bei einem mittelalterlichen Ablaß sündenrein und moralisch überlegen fühlen.
„Ganz schlimm sind die Jungen und Jüngeren, meinte Dirk Spieß. „Seit mein Sohn von den Großeltern – übrigens gegen meinen Willen, denn er ist erst zehn Jahre alt – ein Smartphone bekommen hat, hängt er auch andauernd daran. Von meiner Tochter bin ich das ja schon länger gewohnt. Mehrfach am Tag müssen die die Dinger aufladen. Ich habe ihnen schon Händi-Verbot angedroht, falls sie die Schule vernachlässigen sollten.
„Händi-Verbot! Dirk, du hast aber Mut. Müller lachte kurz auf. „Die jungen Leute bekommen doch bereits einen Nervenzusammenbruch, wenn sie mal eine Stunde ohne sind. Bei meiner Tochter ist das jedenfalls so. Das ist wie eine Droge.
„Das ist eine Droge. Manchmal sind die Dinger ja durchaus praktisch, und es gibt Situationen, in denen sie sehr hilfreich sein können. Zum Bespiel, wenn du mit dem Auto in der Pampa liegenbleibst. Auch beruflich, wenn man damit diszipliniert umgeht und nicht andauernd andere bei der Arbeit stört – oder sogar nachts. Aber sonst sind sie eher eine Plage."
„Achtung, der Wein kommt. Steffie trat von hinten an den Tisch heran und goß Spieß aus einem kleinen Glaskännchen nach. „Wohl bekomm’s. Für Sie auch noch ein Weinchen?
Sie deutete auf Müllers fast leeres Glas. Der Angesprochene stellte eine spätere Order in Aussicht. Dann wandte er sich wieder Dirk Spieß zu.
„Diese Chat-Gruppen können gefährlich sein. Gerade für junge Mädchen. Die werden überredet, Nacktbilder an völlig Unbekannte zu schicken. Und dann kreisen die auf ewig im Netz herum. Ganz zu schweigen von den Verabredungen zu Treffen, die böse enden können.
„Unglaublich, wie naiv manche sind, bestätigte Spieß. „Ich hoffe, daß Hannah unsere Mahnung beherzigt, von sich nicht zu viel preiszugeben und überhaupt mit den sozialen Medien kritisch umzugehen.
Markus Müller schnaubte verächtlich. „Die unsozialen Medien! Facebook, Twitter, Instagram und wie das ganze Zeugs heißt. Was auf diesen Kanälen an Propaganda und Lügen verbreitet wird! Fake-News, wie das Neuhochdeutsch heißt. Alles ungeprüft."
„Mein Vater, der gerade siebzig geworden ist, sagt immer, daß man sich über den Dreck, der da kübelweise ausgegossen wird, nicht wundern muß, wenn die Urheber sich hinter Pseudonymen verstecken können. Früher hätten sich solche Sachen meistens nicht über die Ortsgrenze hinaus verbreitet, erst recht nicht in diesem Tempo. Das sei ein moderner Pranger, nur, daß der Betroffene nicht weiß, wer ihm da ins Gesicht spuckt."
„Da hat er recht, dein Vater, pflichtete Müller bei. „Ich verstehe auch nicht, weshalb die Politiker hier mitmachen. Nicht nur dieser Trump, nein, sogar die Bundeskanzlerin hat einen Twitter-Account. Merkwürdigst. Ich halte das für unseriös.
„Mehr als unseriös sind in meinen Augen diese Influencer, meistens weiblichen Geschlechts. Die haben auf Jugendliche einen unglaublichen Einfluß. Da werden bestimmtes Aussehen und Körperideale propagiert, mit denen die allermeisten nicht dienen können. Nicht zuletzt deshalb, weil die Bilder häufig bearbeitet sind und Menschen zeigen, die es allein aus anatomischen Gründen so nicht geben kann. Das Ergebnis ist Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper. Da wird dann gehungert, bis der Arzt kommen muß. Außerdem wird zum Kauf irgendwelcher teurer Klamotten und Kosmetika animiert."
„Wenn du genug Leute hast, die deinen Internet-Auftritt anklicken, kannst du damit sogar viel Geld verdienen. Sozusagen mit heißer Luft." Müller schüttelte den Kopf.
„Was folgern wir daraus? Dirk Spieß grinste. Sein Gegenüber schaute ihn gespannt an. „Selber probieren!
„Na ja, kam es gedehnt zurück. „Wenn ich so etwas machen würde, dann nur mit einem wirklichen Thema.
„Du meinst ein ernsthaftes Thema. Ob du damit aber genügend Interessenten, sogenannte Follower, findest? Du mußt ja auf eine große Zahl kommen. Sonst fließt kein Geld. Wie würde denn bei dir so ein Hashtag heißen, Markus?"
„Gleich. Ich will mir erst noch ein Glas genehmigen. Müller drehte sich suchend nach der Bedienung um. Dabei fiel sein Blick auch in Richtung Hofzugang. „Ach, du meine Güte, da kommt ja der Arnold. Da gehe ich lieber in Deckung.
Er zog den Kopf ein.
Jetzt schaute auch Dirk Spieß zum Eingang hinüber. „Du meinst doch nicht etwa den Sven? Sven Torsten Arnold?"
„Doch, genau den. Hoffentlich sieht der uns nicht."
Es blieb ein frommer Wunsch. Im nächsten Moment nämlich nahm Arnold Kurs auf den Tisch der beiden, im Schlepptau eine sehr blonde, sehr angemalte Frau deutlich unter dreißig, die ein bauchfreies Top mit gewagtem Ausschnitt trug.
„Hallöchen. Arnold klopfte zur Begrüßung zweimal auf den Tisch. „Mensch, Dirk, dich habe ich schon länger nicht mehr gesehen. Wo versteckst du dich bloß?
Er wirkte sehr aufgeräumt. „Wir haben uns aber auch schon eine Ewigkeit nicht mehr gesehen, Herr Müller. Was machen die Geschäfte? Sind Sie noch bei der ChemMedical?"
Ohne eine Antwort abzuwarten, machte er Anstalten, sich neben Spieß zu setzen. „Geh schon mal rüber zu den anderen, Nathalie. Ich komme gleich nach." Er gab seiner Freundin einen herzhaften Klaps auf den Po, der sich unter dem kurzen, engen weißen Rock einladend abzeichnete. Nathalie folgte der Aufforderung und steuerte auf einen langen Tisch drei Reihen weiter zu, wo sie mit großem Hallo empfangen wurde.
In diesem Augenblick eilte die Bedienung herbei. Arnold begrüßte sie mit einem herzhaften Wangenkuß. „Steffie, mir auch einen Silvaner aus Franken, schloß er sich Markus Müller an. „Bitte hier an den Tisch.
Damit setzte er sich endgültig.
„Wie geht’s dir denn, alter Bürgerschreck? Arnold legte den Arm vertraulich um die Schulter von Spieß. „Wenn du meine Steuererklärung auf den Tisch bekommst, weißt du hoffentlich, was du tun mußt.
Er lachte laut. „Aber du warst ja schon in der Schule überkorrekt. Dabei blinzelte er zu Müller hinüber. „Damals hat sich keiner von uns darüber gewundert, daß du beim Finanzamt anfangen wolltest.
Dirk Spieß murmelte etwas Unverständliches vor sich hin und griff zu seinem Weinglas.
Arnold kramte sein Händi hervor und begann es zu bearbeiten. „Sorry, ist geschäftlich." Er wischte und tippte eine Weile herum, legte das Gerät dann neben sich auf den Tisch.
„Siehst du, Dirk, auch ein Süchtiger", meinte Müller grinsend.
„Ich bin schließlich kein Beamter. Für Consultants gibt es keinen Feierabend, verteidigte sich Arnold. „Außerdem finde ich die Dinger sehr, sehr praktisch. Habt ihr schon meine Homepage gesehen?
Ehe er wieder zu seinem Händi greifen konnte, wurde er von Steffie unterbrochen. „Dann erst einmal Prost", hob er sein Glas. Die beiden anderen taten es ihm nach.
„Wir haben gerade über die Smartphone-Sucht gesprochen, erläuterte Spieß. „Besonders über die Gefahren, die von den vielen Falschmeldungen und Haßkommentaren im Netz ausgehen.
„Und wir haben uns gefragt, ob man auch mit einem seriösen Thema genügend Follower bekommen kann", ergänzte Müller.
„Mh, seriös. Arnold dachte kurz nach. „Na klar, schafft das Finanzamt ab zum Beispiel.
Er klopfte Spieß gackernd auf den Rücken.
„Sehr seriös!" meinte der sarkastisch.
„War nur ein Witz. Da hättest du allerdings gigantisch viele Follower. Seriös – wie wäre es mit ... Arnold überlegte. „Wie wäre es denn mit – mit sexueller Gewalt gegen Kinder? Die lehnt doch jeder ab. Das kannst du gleich hier in der Weinrebe nachprüfen.
Er wurde immer eifriger. „Mit dem Thema kannst du glatt eine Partei gründen. Die käme sofort in den Bundestag."
Spieß und Müller äußerten Skepsis. Ein-Thema-Parteien hätten keine Zukunft, das habe man doch bei den „Piraten" gesehen. Und die AfD sei demnächst dran.
„Und die Grünen? entgegnete Arnold und nahm einen tiefen Schluck. „Umwelt, Klima, Atomkraft nein danke, Umwelt, Klima, Atomkraft nein danke, Umwelt ...
Müller winkte ab. „Da läuft viel über Angstmacherei und Übertreibung. Aber im Unterschied dazu werden Sie den Leuten kaum einreden können, daß jeder zweite ein Pädophiler ist."
„Ha, aber moralisch steht man auf der ganz, ganz sicheren Seite. Bei dem Grünen-Dauerlutscher gibt es auch bedenkenwerte Gegenargumente. Nicht aber bei Pädophilie."
„Höchstens von ein paar obskuren Psychologen", warf Spieß ein.
„Ich gehe jede Wette ein, daß das funktionieren würde. – So, ihr Lieben, ich muß mich mal um meine Leute da hinten kümmern. Arnold leerte sein Glas schon im Stehen. „Ich kann es doch hier lassen, oder?
Bereits auf halbem Weg zum großen Tisch, rief er ihnen noch ein „Bis später" zu.
„Hoffentlich nicht", sagte Dirk Spieß halblaut nach einer kurzen Schamfrist.
„Der Arnold war dein Schulkamerad? Was für ein Zufall. Ich kenne ihn nämlich beruflich. Der hat vor drei Jahren in unserer Firma als Berater in einem Projekt mitgewirkt. Da war er noch bei ICE angestellt ..."
„EY?"
„Nein, ICE wie Eis. International Consulting Experience. Angeblich sollen die ihn rausgeschmissen haben. Für mich kein Wunder. Der Mann ist ein Dünnbrettbohrer."
„Ach, sieh an, zeigte sich Dirk Spieß überrascht. „Dann ist seine Selbständigkeit gar nicht so freiwillig, wie er tut. STAR Consulting nennt er seinen Ein-Mann-Laden. Na, den großen Max markiert hat er schon in der Schule. STAR für Sven Torsten Arnold hat er damals überall hingekritzelt, sogar in Bänke geritzt. Aber reden konnte er, das muß der Neid ihm lassen. Damit hat er in den Laberfächern gepunktet. In der achten Klasse ist er übrigens mal sitzen geblieben. So kam er in meine Klasse.
Markus Müller stimmte Dirks Einschätzung zu. Bezeichnend sei ja schon Arnolds T-Shirt mit dem Aufdruck „University of California Berkley". Die habe er wohl höchstens als Tourist gesehen. Allerdings dürfe man nicht vergessen, daß er einen Doktortitel besitze.
Daraufhin lächelte Dirk maliziös. Es gehe das Gerücht um, daß der Titel lediglich gekauft sei. Denn auf der Uni habe der Sven am allerwenigsten die Hörsäle von innen gesehen. Vielmehr habe er sich in Studentenkneipen und Cafés seinen liebsten Studienobjekten gewidmet: jungen Frauen. Arnold stamme aus einer reichen Familie, der eine Maschinenfabrik gehört habe. Nach dem Tod des Vaters vor etlichen Jahren hätten Mutter und Sohn die Firma an ein amerikanisches Unternehmen verkauft. Die Mutter lebe in einer hochherrschaftlichen Villa mit parkähnlichem Garten. Sven bewohne ein Penthaus in einem der eigenen Mietshäuser. „Nein, Sorgen muß der sich nicht machen, selbst wenn seine Beratungsfirma nicht läuft."
„Daß die floriert, kann ich mir ehrlicherweise auch gar nicht vorstellen, meinte Markus. Er berichtete von etlichen Fehlleistungen Arnolds damals. Inhaltsleere Präsentationen, mit viel Trara vorgetragen. Sämtliche Vorschläge seien für das Projekt wertlos gewesen, weil der Mann von der Materie einfach nichts verstanden habe. „Am Ende hat unser Projektleiter bei ICE die Ablösung des selbsternannten Stars durchgesetzt.
In der Klasse habe der Sven als einer der Ältesten schon eine wichtige Rolle gespielt, äußerte Dirk Spieß. Nicht nur mit dem Mund, sondern auch bei Schülerstreichen und später bei ungezügelten Freizeitaktivitäten sei er immer vorneweg gewesen. Legendär die Parties im weiträumigen Keller der Villa – immer in Abwesenheit der Eltern. Mein lieber Scholli, da sei die Post abgegangen. Denn der frühreife Sven habe eine Menge Mädchen eingeladen, die zur Freude seiner männlichen Gäste teilweise sehr aufgeschlossen gewesen seien. Den Erfolg beim anderen Geschlecht könne man als seine mit Abstand hervorstechendste Begabung bezeichnen. Damals hätten die Jungens ihn natürlich darum beneidet.
Spieß war eine gewisse erinnerungsselige Begeisterung anzumerken. „Anfang des Jahres habe ich ihn mal zusammen mit meiner Tochter zufällig in der Stadt getroffen, fuhr er fort. „Der hatte nur Augen für die damals 13-Jährige.
Jetzt klang es bißchen empört.
„Kann man sogar verstehen. Eure Hannah ist ohne Zweifel ein hübsches Mädchen. Und immer freundlich, sagte Markus. „Arnolds recht offensive, durchaus charmante Art allem Weiblichen gegenüber war übrigens ein zusätzlicher Grund, ihn aus dem Projekt zu werfen. Der verdrehte den Frauen den Kopf und brachte so Unruhe in das Team.
Damit wechselten die beiden das Gesprächsthema. Sie redeten über dies und das, bestellten noch zweimal nach und genossen die sommerliche Stimmung. Inzwischen brannten auch die bunten Glühbirnen, die sich an langen Girlanden durch den Hof zogen.
Plötzlich stand Arnold wieder vor ihnen. „Jungs, hört mal zu, hob er leicht angeheitert an, „ich meine das mit der Wette ernst – todernst.
Spieß und Müller schauten ihn einigermaßen verdutzt an.
„Na, Mensch, das mit dem Mißbrauch von Kindern. Ich wette mit euch um tausend Euro, daß ich mit Hilfe des Internets eine Partei gründen und damit die nächste Wahl gewinnen werde. Er stutzte, vollführte ein paar unkoordinierte Bewegungen mit der rechten Hand und setzte noch einmal an. „Quatsch, ich meine natürlich, daß ich in den Bundestag einziehen werde. Ich bekomme dafür genügend Follower zusammen!
„Sven, das Geld kannst du uns gleich geben." Dirk Spieß lachte.
„Gerade du, Arnold zeigte mit ausgestrecktem Finger auf seinen ehemaligen Schulkameraden, „gerade du solltest wissen, daß ich erstens immer was riskiere und zweitens in Gelddingen nicht kleinlich bin. Also, geht ihr auf die Wette ein?
Er hielt Müller die rechte Hand hin.
Die Angesprochenen schauten sich eine kurze Weile an.
„Ihr seid mir schöne Feiglinge. Gut, ich verschärfe. Ich wette, daß ich sogar mit mindestens fünfundzwanzig Prozent in den Bundestag kommen werde. Also los!"
Nach einem weiteren Blickwechsel nickte Spieß fast unmerklich Müller zu.
„Einverstanden. Ich
