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Der Ostdeutsche, das unbekannte Wesen: Band 2
Der Ostdeutsche, das unbekannte Wesen: Band 2
Der Ostdeutsche, das unbekannte Wesen: Band 2
eBook483 Seiten5 Stunden

Der Ostdeutsche, das unbekannte Wesen: Band 2

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Über dieses E-Book

Wie die Leserschaft leicht erkennen mag, symbolisiert das auf der Coverseite befindliche Piktogramm den Missstand, dass sich das in der Öffentlichkeit vermittelte Bild über die Ostdeutschen in einer gewissen Schieflage befindet. Einerseits wird es von westdeutsch dominierte Medien und Politik geprägt. Andererseits wird von Autoren, die aus der ehemaligen DDR kamen, die Auseinandersetzung entweder polemisch oder mit ideologischen Scheuklappen geführt. Beides ist der Wahrheitsfindung wenig dienlich. Wolfgang Schimank hat es sich zur Aufgabe gemacht, genau diese Lücke zu schließen.
Im ersten Band des Buches "Der Ostdeutsche, das unbekannte Wesen" beleuchtet er die verschiedensten Facetten der DDR. Seine Schilderungen kreisen um den Überlebenskampf der Menschen, um die Entstehung der Bürgerrechtsbewegung und um die Schwierigkeiten der ehemaligen DDR-Bürger, sich im vereinigten Deutschland zurechtzufinden.
Der zweite Band behandelt drei weitere, gewichtige Sachgebiete:
Der Autor, selbst in der DDR groß geworden, rechnet mit Angela Merkel ab. Er beschreibt, wie er sich ein besseres Deutschland vorstellt. Außerdem setzt er sich mit dem bei der ARD und beim ZDF stark beworbenen Buch "Wer wir sind: die Erfahrung, ostdeutsch zu sein" von Jana Hensel und Wolfgang Engler auseinander und führt einen "Faktencheck" durch.
Es kommen viele aktuelle Themen zur Sprache: Deutschlands Russland-Politik, die Gefühlswelt der Ostdeutschen, warum viele die AfD wählen, die Rentenpolitik, die für die Deutschen ruinöse Geldpolitik der EZB und als Pendant zu Betrachtungen in Band 1, die Frage, ob die BRD als ein Unrechtsstaat angesehen werden müsste und die Ausländer- und Flüchtlingspolitik der BRD.
SpracheDeutsch
Herausgebertredition
Erscheinungsdatum29. Aug. 2022
ISBN9783347650558
Der Ostdeutsche, das unbekannte Wesen: Band 2

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    Buchvorschau

    Der Ostdeutsche, das unbekannte Wesen - Wolfgang Schimank

    Vorwort

    „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursachen derselben nicht an Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Muthes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Muth, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung."¹

    Immanuel Kant, 1784

    Im ersten Band des Buches „Der Ostdeutsche, das unbekannte Wesen" habe ich die Leserschaft, zeitlich gesehen, bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges mitgenommen, um die Umstände, die zur Entstehung der beiden deutschen Staaten geführt haben, begreiflich zu machen. Im Laufe des Bestehens der DDR zeichnete sich zunehmend eine Diskrepanz zwischen dem moralischen Anspruch, den man sich bei der Staatsgründung gestellt hatte, und der Wirklichkeit ab und hinkte die Wirtschaft der DDR in Bezug auf die Effektivität der westdeutschen hinterher. Ich schildere im ersten Band den Überlebenskampf der einfachen Menschen in der DDR, wie sich teilweise eine eigene Kultur entwickelte (insbesondere in der Musikszene), wie sich der politische Widerstand formierte und wie sich Westdeutsche und Ostdeutsche in ihrer Mentalität und Denkweise auseinanderentwickelten.

    Die DDR-Bürger hatten sich immer ganz allgemein als Deutsche begriffen. Die schroffe Zurückweisung in vielen Bereichen der Gesellschaft nach dem Beitritt der DDR zur BRD führte letztendlich zur Selbstfindung als Ostdeutsche. Das gelegentliche Ignorieren einer ostdeutschen Identität in den öffentlichrechtlichen Medien, die Vorgehensweise der Treuhandgesellschaft in den 1990er-Jahren, die zunehmende Einschränkung der Meinungsfreiheit und die Tatsache, dass die Ostdeutschen bis heute von Führungspositionen in Unternehmen und in der Gesellschaft nahezu ausgeschlossen sind, führt dazu, dass sie sich selbst nach mehr als 30 Jahren nach dem Mauerfall im vereinten Deutschland nicht angekommen fühlen. Zu dieser Ungleichbehandlung gibt es im ersten Band eine spezielle Tabelle.²

    Was die ostdeutsche Identität betrifft, erinnere ich mich, wie ein Professor aus Erfurt in einer Gesprächsrunde bei ARD, ZDF oder Phoenix im Jahre 2021 allen Ernstes behauptete, dass es die Ostdeutschen als einen homogenen Block nicht mehr gebe. Dieser sei dramatisch in Auflösung begriffen. Soll das heißen, es gäbe keine Notwendigkeit mehr, über die „Ostdeutschen" als Spezies zu reden oder zu schreiben oder gar auf ihre Befindlichkeiten Rücksicht zu nehmen? Er begründete es damit, dass in Mitteldeutschland der Zuspruch zur AfD und zu PEGIDA wesentlich größer sei als im restlichen Ostdeutschland. Diese Feststellung ist meiner Meinung nach viel zu kurz gegriffen, weil er den Betrachtungswinkel drastisch einschränkt. Seine Behauptung wird sowohl in Band 1 als auch in Band 2 widerlegt. Zudem möchte ich als ehemaliger DDR-Bürgerrechtler meine Erfahrung entgegenhalten: Im Herbst 1989 sind, grob gesagt, im Süden der DDR zehnmal so viele Menschen auf die Straße gegangen wie im Norden. Das hat damit zu tun, dass einerseits die Bevölkerungsdichte unterschiedlich hoch und andererseits die mecklenburgische und die preußische Mentalität anders ist als die in den mitteldeutschen Landesteilen. Im Norden ist/war man etwas behäbiger, vielleicht auch ein bisschen staatsgläubiger. Etwas provokant könnte man sagen, dass die deutsche Einheit in erster Linie den Sachsen, SachsenAnhaltinern und den Thüringern zu verdanken ist. Bedauerlicherweise hat in der Ära Angela Merkel die Staatskonformität der Wissenschaft stark zugenommen. Die Aussage dieses Professors belegt es einmal mehr. Sie ist auch ganz im Sinne Angela Merkels sowie des ehemaligen SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz und des aktuellen, Olaf Scholz. Denn diese Politiker woll(t)en sich an der deutsch-deutschen Realität vorbeimogeln und zügig an der Bildung eines europäischen Bundesstaates arbeiten. Denn wie meine beiden Bücher über die Ostdeutschen belegen, ist die innere Einheit Deutschlands noch längst nicht abgeschlossen.

    ***

    Als noch die DDR existierte, war von nicht wenigen Westdeutschen immer wieder der Spruch zu hören: Wenn sie in der DDR leben würden, dann hätten sie wegen der gesellschaftlichen Verhältnisse schon längst mit der Faust auf den Tisch gehauen und die Machthaber weggefegt. Der ehemalige ostdeutsche Schauspieler Armin Mueller-Stahl feierte sowohl in der DDR als auch in der BRD und in den USA große Erfolge. Nachdem er ein Protestschreiben gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns unterschrieben hatte, bekam er zweieinhalb Jahre lang so gut wie keine Rollen mehr angeboten. Daher verließ er 1980 die DDR und siedelte in die BRD über. Anscheinend muss er in der Zeit, als er sich in Westdeutschland aufhielt, mit diesem hochnäsigen Spruch mehrfach konfrontiert und von ihm genervt gewesen sein. Denn in irgendeiner Fernsehsendung von ARD, ZDF oder von PHOENIX im Jahre 2021, wo über Armin Mueller-Stahls Leben berichtet wurde, kam ganz beiläufig eine seiner bemerkenswerten Aussagen: Angenommen, die Westdeutschen würden in der DDR leben. Dann würden die gleichen Unterdrückungsmechanismen ablaufen. Eine Minderheit unterdrückt eine Mehrheit. Es gäbe dann auch Verrat, Mitläufertum, Angst, seine Meinung offen auszusprechen, und Rückzug ins Private. Die Gegenwart gibt ihm leider recht: Denn ist es nicht ein Treppenwitz der Geschichte, wenn nun ein kleiner Personenkreis von Westdeutschen, die gleich einer Sekte mit missionarischem Eifer und mit großer Intoleranz gegenüber Andersdenkenden, Political Correctness, die Gendersprache, die Kontaktschuld, Cancel Culture und anderes mehr einer Mehrheit der Deutschen aufzwingt?³ Und sind es nicht besonders die Westdeutschen, die sich abducken und alles klaglos hinnehmen? Die Tatsache, dass laut einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach und von infratest dimap eine übergroße Mehrheit der Deutschen (und erst recht der Ostdeutschen) das alles nicht will, ficht die Vertreter dieser fatalen Ideologie nicht an.⁴ Während sich die meisten ihrer Protagonisten auf Anfrage zu ihrem Vorgehen lieber bedeckt halten und einer öffentlichen Diskussion ausweichen, weil sie keine stichhaltigen Argumente haben, tönt die linksgrüne Zeitung taz trotzig und unverblümt: „Noch tun sich zwei Drittel der Deutschen schwer mit dem Gendern. Früher oder später werden sie sich aber doch damit arrangieren müssen."⁵ Da fällt mir nur noch der Spruch ein: Willkommen in der DDR!

    ***

    Im Vorwort des ersten Bandes habe ich erklärt, was mich veranlasst hat, ein Werk über die Ostdeutschen zu schreiben. Diese Gründe möchte ich nicht alle wiederholen. Auf einen möchte ich aber näher eingehen, weil dieses Thema im zweiten Band eine große Rolle spielt:

    Beim Lesen des Buches „Wer wir sind die Erfahrung, ostdeutsch zu sein" von Jana Hensel und Wolfgang Engler stieß ich auf einige Passagen, bei denen mir der Atem stockte. Diesen Aussagen kann ich einfach nicht zustimmen, weder was die Beschreibung der Verhältnisse in der DDR noch was die in der heutigen BRD betrifft. Das wollte und konnte ich nicht so stehen lassen. Gewiss, es gibt Dinge, die man aus diesem und jenem ideologischen Blickwinkel betrachten kann, es gibt aber auch unumstößliche Fakten …

    Zudem wunderte ich mich, warum ARD und ZDF, die sonst auf die „Ostdeutschen" nicht so gut zu sprechen sind und denen deren Probleme eher eine Randnotiz wert sind, gerade dieses Buch so intensiv bewarben.

    Ich habe versucht, mich in einem ganzen Kapitel in diesem Buch mit den Aussagen dieser beiden Autoren sachlich auseinanderzusetzen. Es existieren auch Passagen, denen ich vorbehaltlos zustimme. Beispielsweise, dass die ehemaligen DDR-Bürger und ihre Kinder unter besonderer Beobachtung der westdeutsch dominierten Leitmedien und Politik stehen, ob sie sich ja in deren Sinne verhalten. Das Misstrauen liegt darin begründet, dass die ehemaligen DDR-Bürger zur Politik und zu den Medien aufgrund ihrer Geschichte ein gesundes Misstrauen entwickelt haben. Ich denke, ihre Aufmüpfigkeit wird auch von der sogenannten „Elite" gefürchtet. Daher findet durch sie in einer gewissen Weise eine Verfemung statt.

    Mündige Bürger, Freigeister und die spannende freie Rede mit Pro und Kontra sind anscheinend nicht (mehr) erwünscht. Dass sich durch den Wegfall der DDR die Machthaber auch nicht mehr genötigt sehen, eine Schaufensterpolitik zu betreiben, dürfte eine weitere Erklärung sein. Die Meinungsfreiheit siecht seit dem Machtantritt Angela Merkels und ihrer Alternativlos-Politik in einem besonders starken Maße dahin. Allerdings ist darüber im Buch „Wer wir sind die Erfahrung, ostdeutsch zu sein" wenig zu lesen … Spätestens da sah ich mich genötigt, die sogenannte Schreibfeder zu ergreifen.

    ***

    Im zweiten Band meines Buches habe ich mich nicht nur mit der DDR und den dort lebenden Menschen befasst, sondern auch Vergleiche zwischen der DDR und der heutigen BRD gezogen. Das bot sich besonders bei der heiklen Frage der Ausländer- und Flüchtlingspolitik sowie bei der Frage nach dem Rechtsstaat an. Angela Merkel wollte den UN-Migrationspakt möglichst geräuschlos durch den Deutschen Bundestag manövrieren. Das deutsche Volk sollte davon nichts mitbekommen. Ich gehe den Fragen nach, warum dieser Pakt von den Diktatoren gern unterschrieben wird und ob dieser die Fluchtbewegung eindämmt oder verstärkt.

    Als Angela Merkel 2005 das Amt der Bundeskanzlerin antrat, hatte ich mich als Ostdeutscher darüber sehr gefreut. Auch wenn ihre ostdeutsche Herkunft, ihr Kleidungsstil, ihr Auftreten und ihre Redegewandtheit insbesondere für die führenden westdeutschen CDU-Funktionäre ein großes Problem zu sein schienen, verbanden viele meiner Landsleute mit ihr die Hoffnung, dass die Probleme bei der Einheit auf den Tisch kämen, dass sie die Menschen aus West und Ost zusammenbrächte und dass die BRD noch demokratischer werde. Leider haben sich diese Erwartungen nicht erfüllt. Es kommt noch viel schlimmer: Trotz geleistetem Amtseid fühlt sie sich weder ihren Wahlversprechen noch dem deutschen Volk, geschweige denn den Ostdeutschen, in irgendeiner Weise verpflichtet. Damit hat sie die meisten Ostdeutschen tief enttäuscht. Das hat mich auch veranlasst, eine Abrechnung mit Merkel zu verfassen. Hierbei kamen ihr Leben zu Zeiten der DDR und ihr politisches Wirken seit 1990 zur Sprache.

    Auch wenn es in diesem Buch vornehmlich um die Ostdeutschen gehen soll, so komme ich bei der Auseinandersetzung mit Merkels Politik nicht umhin, über gesamtdeutsche und internationale Politik zu reden. Bestimmte Themen habe ich, um es nicht ausufern zu lassen, nur angerissen und dafür auf mein Buch „Ist Deutschland ein souveräner Staat?" verwiesen. Auch wenn man es nicht vermuten mag, so sind dort viele heikle Themen ausführlich beschrieben und mit Literaturquellen belegt.

    Der 3. Oktober 1990 war für mich zweifellos ein Tag der Freude. Ich dachte aber auch an die vielen Menschen, die diesen Tag ersehnt, aber nicht erlebt hatten. In dem Moment der Besinnung schoss mir plötzlich ein Gedanke durch den Kopf: Eine Diktatur zu stürzen, scheint wohl einfacher zu sein, als einen Regierungschef einer westlichen Demokratie zu stoppen, der sich darauf beruft, vom Volk gewählt zu sein, der aber sein Volk hintergeht und es versteht, alle Instrumentarien der Machtkontrolle auf seine Seite zu ziehen bzw. zu paralysieren. Mit Angela Merkel ist dieser Albtraum in Erfüllung gegangen. Durch geschickte Manipulation seitens der Politik und der Medien und durch das Säen von Zwietracht erkennen viele Deutsche auch heute noch nicht, was politisch und gesellschaftlich in Deutschland passiert.

    Am Ende des Kapitels, in dem ich mit Angela Merkel abgerechnet habe, steht ein Zitat des bekannten Philosophen Karl Jaspers aus dem Buch „Wohin steuert die Bundesrepublik?. Dieses Werk stammt aus dem Jahre 1966, es erschien zwei Jahre vor den Unruhen von 1968 in der BRD. Dieses Zitat ist aktueller denn je, weil es hier Parallelen zu 1966 gibt: Die Verhaltensweise der Politiker hat sich nicht geändert. Aber dieses Mal rumort es besonders bei den Menschen aus der Mittelschicht gewaltig. Die Corona-Krise ist lediglich der Beschleuniger bei diesem Gärungsprozess. Der FDP-Bundestagsabgeordnete Marco Buschmann muss im Gegensatz zu vielen seiner Berufskollegen das Gespür für die Befindlichkeiten des Volkes noch nicht ganz verloren haben. Denn er warnte im „Spiegel davor, dass „bald eine Revolution in der Luft liegen könnte, wenn „das so weitergeht. ⁶

    Interessant ist die Reaktion der hohen politischen Gremien auf den aufkeimenden Unmut der Menschen: Anstatt mit dem Volk zu reden und die Politik zu ändern, will sich der Bundestag mit einem Schutzwall um das Reichstagsgebäude einigeln und ruft zum Kampf „gegen rechts und zur „Verteidigung der Demokratie auf. Dabei wird die Zuschreibung „rechts ganz bewusst unklar gehalten, um jeden, der mit Merkels Politik nicht einverstanden ist, als „Rechten zu diffamieren. Mit „Demokratie" meinen die führenden Politiker offensichtlich den von Jaspers kritisierten Parteienstaat. Unter Merkel geht es den etablierten Parteien und den Parteifunktionären finanziell so gut wie noch nie. Und an der Selbstbedienung soll sich nichts ändern …

    ***

    In diesem Band meines Buches gehe ich in einem Kapitel sehr genau auf die Geldpolitik der EZB ein. Der Grund ist: Nahezu jeder Ostdeutsche lehnte die Abschaffung der DM und die Einführung des Euros ab. Dieses Kapitel offenbart ganz nebenbei das Versagen der linken Parteien (Linkspartei, Grüne, SPD). Anstatt gegen die Enteignung der Ersparnisse und die Zerstörung der Rentenvorsorge durch die EZB zu demonstrieren, verzetteln sich diese in Identitätspolitik (Geschlechterpolitik), in No-Borders-no-Nations-Politik, im Überbieten von Ideen, wie man der deutschen Wirtschaft das Leben noch schwerer machen kann, und in Repressionen gegenüber dem eigenen Volk. Wo bleibt hier das soziale Gewissen und der von der SPD so oft bemühte „Respekt" vor dem mühsam Ersparten der kleinen Leute? Für diese Parteien ist der Euro eine heilige Kuh, an der etwas zu bekritteln nicht erlaubt ist.

    Das hält mich aber nicht davon ab, der Sache auf den Grund zu gehen. Ich weise nach, dass es so gut wie keine stichhaltigen Argumente gibt, am Euro festzuhalten. Geld hat drei Funktionen: als Rechnungseinheit, als Transaktionsmittel und als Wertaufbewahrung. Letztere hat der Euro dank der Geldpolitik der EZB eindeutig verloren …

    ***

    Welches Deutschland möchte ich?

    Meine Vision ist ein neutrales Deutschland mit einer direkten Demokratie. Dort wird die Macht der Politiker eher auf eine das Volk in seinen Entscheidungen beratende Funktion begrenzt. Die Politiker müssen zu wichtigen Themen das Volk über die Situation aufklären und Lösungsvorschläge unterbreiten. Das Volk stimmt dann darüber ab, und die Politiker setzen seine Entscheidung um. Die Parteien haben nur Dienstleister des Volkes zu sein. Für alle wichtigen Ämter muss es eine Amtszeitbegrenzung geben.

    Deutschland sollte auf jeden Fall aus der NATO austreten, alle ausländischen Streitkräfte nach Hause schicken, die Eurozone verlassen, die Deutsche Mark wiedereinführen und Gesetze erlassen, die eine Übernahme der deutschen Schlüsselindustrie durch das Ausland verhindern. Eine Bargeldgarantie sollte im Grundgesetz verankert werden, wobei gesetzlich zu verhindern ist, dass eine Bargeldzahlung gegenüber einer bargeldlosen Zahlung benachteiligt wird. Es sollte zum alten Grenzregime zurückkehren und nur in der EU verbleiben, wenn diese sich grundlegend reformieren lässt und die Kompetenzen des Europäischen Gerichtshofes beschnitten werden. Dabei ist insbesondere die Souveränität Deutschlands nicht verhandelbar. Es ist beispielsweise ein Unding, wenn sich die Europäische Kommission und der Europäische Gerichtshof ständig in die Ausländer- und Flüchtlingspolitik der EU-Staaten einmischen, zumal diese Politik massiv in die Sicherheit der Staaten eingreift. Schließlich ist die Fähigkeit, für Sicherheit zu sorgen, eine der wichtigen Säulen der staatlichen Souveränität. Was die Zusammenarbeit mit anderen EU-Staaten betrifft, sollte Deutschland auf eine Subsidiarität mit Augenmaß achten. Nur bei Staaten mit ähnlicher Wirtschaftskraft und gleichem Rechtsund Werteverständnis könnte ich mir eine begrenzte Aufweichung der Souveränität vorstellen. Der deutsche Staat sollte endlich anfangen, Wirtschaftsspionage, egal von welchem Land sie ausgeht, hart zu bestrafen.

    Zum anderen sollte dafür gesorgt werden, dass die Schere zwischen Arm und Reich nicht zu weit auseinandergeht, der Mittelstand steuerlich entlastet und gesetzlich festgelegt wird, dass Manager, Banker und Unternehmer persönlich für ihre Misserfolge haften. Außerdem sollte eine Verfassungsdebatte in Gang gesetzt werden mit dem Ziel, das Grundgesetz durch eine republikanische Verfassung zu ersetzen. Selbst wenn die künftige Verfassung zu 80 bis 90 Prozent dem Grundgesetz entspräche, so wäre ihre Entstehung auf demokratischem Wege sehr wichtig für die Akzeptanz im deutschen Staatsvolk.

    Um Deutschland wieder wehrfähig zu machen, ist der Militäretat zu erhöhen. Eine weitere wichtige Maßnahme ist die Wiedereinführung der Wehrpflicht. Denn die Armee hat eine integrative Wirkung. So kommen sich die Jugendlichen aus allen Landesteilen näher. In dieser Zusammensetzung der Armee wird es für die Politik schwieriger, auf kriegerische Abwege zu kommen …

    ***

    Den Ostdeutschen wird von bestimmten Politikern und Medien vorgeworfen, patriotisch zu sein, jedenfalls wesentlich patriotischer als die Westdeutschen. Der Frage, warum das so ist, bin ich insbesondere im ersten Band meines Buches eingegangen.

    Die Verächtlichmachung des Patriotismus hat auch etwas damit zu tun, dass der Nationalstaat im Zangengriff von linksgrünen, transatlantischen und von „neoliberalen" Kräften steht und dass ein zentralistisch regierter europäischer Superstaat aufgebaut werden soll. Angela Merkel behauptete allen Ernstes, dass Nationalstolz/Nationalismus die Ursache aller Kriege gewesen sei und deshalb die Abgabe von Souveränität an die EU vorangetrieben werden müsse. Dabei unterschlug sie geflissentlich folgende Tatsache: In allen Kriegen der letzten beiden Jahrhunderte ging es primär darum, die Interessen des Kapitals zu befriedigen. Alles andere war nur Mittel zum Zweck. Im Kapitel über Angela Merkel habe ich dazu bedeutende Zeitgenossen aus dem beginnenden 20. Jahrhundert zu Worte kommen lassen.

    Patriotismus ist in meinen Augen nicht der Hass auf andere Völker, sondern die Liebe zum eigenen Volk und seiner Kultur. (Spruch frei nach Peter Rosegger)

    ***

    Mit dem vorliegenden Gesamtwerk über die Ostdeutschen ist die Absicht verbunden, die gesellschaftspolitische Situation in der verblichenen DDR und in der neuen BRD kritisch zu beleuchten. Ich halte beides für wichtig, da insbesondere bei den Jugendlichen und einer kleinen wohlhabenden Schicht, die in den Großstädten lebt, die DDR/der Sozialismus zunehmend romantisiert wird und die Politiker sich vom Volk abkapseln, die gesellschaftlichen Probleme nicht sehen, geschweige lösen wollen. Für den Bundespräsidenten Steinmeier leben gar die Deutschen „im besten Deutschland, das es jemals gegeben hat⁷. Hier verwechselt Steinmeier wohl die Politikerkaste mit dem Volk … Insofern ist der von mir etwas abgewandelte Spruch „Wer die Vergangenheit bzw. die gegenwärtige Realität nicht kennt oder ignoriert, kann keine Zukunft gestalten! aktueller denn je.

    Gleich nach der Vereinigung beider deutscher Staaten fragte sich die jüngere Generation zu Recht, wie es zu solchen diktatorischen Verhältnissen habe kommen können. Auch wenn ich mich hier wiederhole: Die DDR konnte unter anderem nur deshalb so lange existieren, weil in der DDR der totale Rückzug in die Privatsphäre, Anpassung, Begeisterung durch Manipulation und/oder Denunziation die Begleiter im Alltag waren. Jeder ehemalige DDR-Bürger, der damals erwachsen war, muss sich selbst die Frage stellen, inwiefern er mitschuldig an den Verhältnissen in der DDR gewesen sei. Die friedliche Revolution im Jahre 1989 war zweifellos eine große emanzipatorische Leistung der „Ostdeutschen", bei denen die Freiheit im Mittelpunkt stand. Und die Vereinigung beider deutscher Staaten ist ein hohes Gut, das man sich bei aller Kritik an nachfolgenden Ereignissen und Ungerechtigkeiten nicht schlechtreden lassen sollte.

    Die BRD ist zwar von den Verhältnissen in der DDR noch etwas entfernt, doch schleichen sich auf samtenen Pfoten solche ein, die denen in der DDR immer ähnlicher werden und die fatalerweise die jüngere Generation aller Deutschen nicht bemerkt. Hier sind es die älteren Ostdeutschen, deren feine Sinne Tendenzen zu einer Diktatur verspüren und die in der Öffentlichkeit noch viel vernehmbarer Alarm schlagen sollten. Bereits Cicero sagte einmal sinngemäß: „Der Geschmack der Freiheit ist umso köstlicher, da wir uns an den Geschmack der Tyrannei erinnern." ⁸ Der eingangs in diesem Band meines Buches über die Ostdeutschen zitierte Appell Immanuel Kants geht daher vornehmlich in Richtung der Westdeutschen.

    Abschließend möchte ich meine Hoffnung zum Ausdruck bringen, der Leserschaft so manches fehlende Puzzleteil gegeben zu haben, das sie bezüglich der deutschen Nachkriegsgeschichte womöglich nicht gekannt hat. Auch wenn sie vielleicht nicht mit diesem oder jenem Gedankengang einverstanden sein möge, so soll sie ermutigt werden, sich aktiv in die Gestaltung Deutschlands, ihres Vaterlandes, einzumischen und dieses Feld nicht allein den Politikern zu überlassen. Mit dem Verfassen meines Buches ist das Ziel verbunden, das Verständnis zwischen Ost- und Westdeutschen zu verbessern. Insofern würde es mich freuen, wenn es mir gelänge, wenigstens einen kleinen Teil zur besseren Verständigung beigetragen zu haben.

    Neuruppin, im August 2021 Wolfgang Schimank

    ¹ Kant, Immanuel: Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? In: Berlinische Monatsschrift 4 (1784), S. 481–494, hier: 481.

    ² Die DDR-Bürger hatten zwar Westmusik gehört. Es gab aber auch eigene Musik, die die Menschen bewegte und die sie mit viel Emotionen mitsangen. Es ist schon befremdlich, wenn heutzutage die ostdeutschen Fernsehsender MDR und RBB beim Abspielen der 100 oder 50 besten Musiktitel der 1970er- und 1980er-Jahre die ostdeutsche (Rock-)Musik kaum oder gar nicht erwähnen. Soll der Ostdeutsche schon froh sein, dass der Musiktitel „Über sieben Brücken mußt du geh’n" nicht Peter Maffey zugeschrieben wird?

    ³ Die Gendersprache ist das Ergebnis von Wohlstandsverwahrlosung, Bildungsnotstand und Verachtung der deutschen Kultur.

    ⁴ Petersen, Thomas (Institut für Demoskopie Allensbach) (16.06.2021): Eine Mehrheit fühlt sich gegängelt. Nur noch weniger als die Hälfte glaubt, man könne seine Meinung in Deutschland frei äußern. FAZ Nr. 136 vom 16. Juni 2021, S. 8. Online verfügbar unter https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/allensbach-umfrage-viele-zweifeln-an-meinungsfreiheit-in-deutschland-17390954.html (zuletzt abgerufen am 31.08.2021). Siehe auch infratest dimap (2021): Weiter Vorbehalte gegen gendergerechte Sprache. Online verfügbar unter https://www.infratest-dimap.de/umfragen-analysen/bundesweit/umfragen/aktuell/weiter-vorbehalte-gegen-gendergerechte-sprache/ (zuletzt abgerufen am 31.08.2021).

    ⁵ TAZ.de (24.05.2021): Gendergerechte Sprache: Keine Angst vorm Gendern. Online verfügbar unter https://taz.de/Gendergerechte-Sprache/ !5769880/ (zuletzt abgerufen am 31.08.2021).

    ⁶ Buschmann, Marco (2020): Droht eine Revolution der Mittelschicht? Ein Gastbeitrag von Marco Buschmann, FDP. In: Spiegel-Online vom 29.03.2020. Online verfügbar unter https://www.spiegel.de/politik/deutschland/corona-krise-droht-eine-revolution-der-mittelschicht-ab900b343-fa69-4fb6-98e2-bb0fe4e3615c (zuletzt abgerufen am 19.09.2020).

    ⁷ RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) GmbH (Hrsg.) (03.10.2020): Steinmeier: „Wir leben im besten Deutschland, das es jemals gegeben hat". Online verfügbar unter https://www.rnd.de/politik/steinmeierwir-leben-im-besten-deutschland-das-es-jemals-gegeben-hat-79e657f9-a7b2-4fc8-b330-3a6eddfd5622.html (zuletzt abgerufen am 03.02.2021).

    ⁸ Krall, Markus (24.09.2020): Freiheit oder Untergang – Das ist hier die Frage! Gastkommentar in Epoch Times Europe. Online abrufbar unter https://www.epochtimes.de/meinung/gastkommentar/dr-markus-krallfreiheit-oder-untergang-das-ist-hier-die-frage-a3332408.html (zuletzt abgerufen am 26.09.2020), zit. n. Cicero, Philippica, Cic. Phil. 3,36: […] iucundiorem autem faciet libertatem seruitutis recordatio." Siehe auch Marcus Tullius Cicero, Sämtliche Reden: Eingeleitet, übersetzt und erläutert von Manfred Fuhrmann, Ausgabe in sieben Bänden, Band VII, Artemis & Winkler Verlag, Düsseldorf/Zürich 1982.

    VIERTER TEIL:

    Angela Merkel

    17 Kleine Biografie und ihr Wirken in der Wendezeit

    17.1 Ist Angela Merkel eine Ostdeutsche?

    In den Mainstream-Medien und auch von der Politik werden als Beweis für die gelungene „Wiedervereinigung" Deutschlands Angela Merkel als Kanzlerin und Joachim Gauck als ehemaliger Bundespräsident genannt. Wie aus meinen bisherigen Ausführungen zu erkennen ist, entlarvt sich diese Behauptung als eine äußerst oberflächliche Betrachtung der Situation in der BRD.

    Ja, Gauck ist ein Ostdeutscher. Daran gibt es nichts zu zweifeln. Bei Angela Merkel sieht die Sache etwas anders aus. Die Frage ist genauso diffizil wie die Frage, ob Deutschland ein souveräner Staat sei: Auf dem (der Öffentlichkeit zugänglichen) Papier (des Zwei-plus-vier-Vertrages) ja, aber in Wirklichkeit gibt es „geheime Verträge aus der Besatzungszeit" …⁹ Wie komme ich darauf? Nun, der Lebenslauf eines typischen Ostdeutschen in der gleichen Konstellation wäre ganz anders verlaufen. Als Ostdeutscher, der fast genauso alt ist wie Merkel, kann ich das beurteilen.

    Michael Bluhm und Olaf Jacobs vom Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität Leipzig verfassten 2016 eine bemerkenswerte Studie zum Thema „Wer beherrscht den Osten?". Auf Seite 4 wird auch definiert bzw. zitiert, was ein Ostdeutscher ist: „Mit den ‚Ostdeutschen‘ seien hier jene Menschen gemeint, die bis 1990 in der DDR aufgewachsen sind oder dort den größeren Teil ihres Lebens verbracht haben. Dies gilt außerdem für junge Menschen, die nach 1975 in der DDR bzw. in den neuen Bundesländern geboren wurden und durch ihr Umfeld ‚ostdeutsch‘ sozialisiert wurden und demnach eine ‚ostdeutsche Herkunft‘ haben. Denn diese frühe Sozialisierung in einem bestimmten Umfeld prägt das Verhalten bis in die späteren Lebensjahre. (5) Demnach können auch Führungskräfte mit westdeutscher oder ausländischer Herkunft ihre soziale Prägung nicht so schnell ablegen, auch wenn sie seit 25 Jahren in den neuen Bundesländern leben und selbst sehr häufig die Meinung vertreten, die Herkunft spiele keine Rolle mehr."¹⁰ Demnach ist Angela Merkel als eine Ostdeutsche zu betrachten.

    17.2 Angela Merkels Kindheit und Jugend und gewisse Besonderheiten

    Angela Merkel ist am 17. Juli 1954 in Hamburg als Angela Dorothea Kasner geboren worden. Ihre Mutter arbeitete als Lehrerin, und ihr Vater Horst Kasner war ein evangelischer Theologe. Kurz nach ihrer Geburt im Jahre 1954 zog die Familie in die DDR. Das war schon ein ungewöhnlicher Schritt, denn freiwillig ging kein Mensch von Westdeutschland in die DDR. Die Umzugsrichtung war eher von Ost nach West. So verließen 180 000 Menschen allein von Januar bis Mai 1954 die DDR, von der Gründung der DDR im Jahre 1949 bis zum Bau der Berliner Mauer 1961 waren es sogar 2,5 Millionen Ost-Bürger. Dem Merkel-Biografen Gerd Langguth zufolge ist der Umzug auf den Wunsch des Hamburger Bischofs Hans-Otto Wölber zurückzuführen.¹¹ Da es aufgrund der Kirchenpolitik der DDR-Führung in der DDR einen Mangel an Pfarrern gab, sollte Horst Kasner eine Lücke ausfüllen. Da er ohnehin schon eine gewisse Sympathie gegenüber der DDR hegte, fiel ihm dieser Schritt anscheinend nicht schwer. Anfangs bezog er eine Pfarrerstelle in Quitzow bei Perleberg (Region Prignitz). Dann wechselte er mit seiner Familie den Wirkungskreis und zog nach Templin, einer kleinen Stadt in der Uckermark. Dort kamen ein Sohn und eine zweite Tochter zur Welt. Laut Wikipedia durfte Angela Kasners Mutter in der DDR angeblich deshalb ihren Beruf als Lehrerin nicht ausüben, weil ihr Vater Pfarrer war. Hier möchte ich als außenstehende Person und als ehemaliger DDR-Bürger zumindest ein kleines Fragezeichen setzen. Bei Kindern hingen die Bildungschancen und der Berufseintritt in der Tat davon ab, welchen Beruf die Eltern hatten. Aber bei Erwachsenen? Als Lehrer musste man staatstreu sein. Es mag sein, dass es diesbezüglich ein gewisses Misstrauen gab, weil Angela Merkels Mutter aus dem Westen kam.

    Am 1. September 1961 wurde Angela Kasner in die zehnklassige Polytechnische Oberschule (POS) in Templin eingeschult. 1973 legte sie das Abitur an der Erweiterten Oberschule (EOS) in Templin ab. Sowohl die zehnte Klasse als auch das Abitur absolvierte sie mit sehr guten Leistungen. Die Schulfächer Mathematik und Russisch schienen ihr besonders zu liegen … Sie war in der Pionierorganisation und ab der Oberstufe in der Freien Deutschen Jugend (FDJ) organisiert. Für eine Pfarrerstochter ist dieses Engagement schon etwas ungewöhnlich. Der Druck, in die FDJ einzutreten, war zweifellos groß. Über die Mitgliedschaft in der FDJ könnte ich noch gütig hinwegsehen, aber nicht über die Bekleidung von Posten in dieser Organisation. Normalerweise haben sich die Schüler vor solche Aufgaben gedrückt, teilweise aus Bequemlichkeit, teilweise auch deshalb, weil es unter den Jugendlichen helle Köpfe gab, die sich nicht vom Staat instrumentalisieren lassen wollten. Hierauf komme ich noch einmal zu sprechen.

    Dreifach merkwürdig ist folgende Begebenheit: Obwohl Angela Kasner in der achten Klasse nicht an der Jugendweihe, dem Gegenstück zur Konfirmation, teilnahm, ihr Vater zur Intelligenz gehörte und zudem noch Pfarrer war, einer Berufsgruppe angehörte, zu der die DDR-Staatsführung äußerstes Misstrauen hegte, durfte sie das Abitur machen! Mein Vater war zum Beispiel Lehrer und außerdem Mitglied der SED. In meiner Familie hatten von meinen drei Geschwistern und meiner Person mindestens drei das Potenzial, das Abitur abzulegen. Keinem wurde es erlaubt! Meine Schwester und ich erlangten die Studienreife auf Umwegen, über die Berufsausbildung mit Abitur. Viele Schüler evangelischen Glaubens erhielten sowohl die Konfirmation als auch die Jugendweihe, um Benachteiligungen aus dem Wege zu gehen. Bei katholisch geprägten Schülern war dieses Sowohl-als-auch

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