Die geheime Kunst der Börsenanalyse: Nie wieder zum falschen Zeitpunkt investieren
Von Michael Rasch
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Die geheime Kunst der Börsenanalyse - Michael Rasch
Michael Rasch
Die geheime Kunst der Börsenanalyse
Nie wieder zum falschen Zeitpunkt investieren
Verlag Neue Zürcher Zeitung
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
© 2014 Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich
Der Text des E-Books folgt der gedruckten 1. Auflage 2014 (ISBN 978-3-03823-919-2)
Titelgestaltung: Besiana Bandilli, Zürich
Datenkonvertierung: CPI books GmbH, Leck
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ISBN E-Book 978-3-03810-044-7
www.nzz-libro.ch
NZZ Libro ist ein Imprint der Neuen Zürcher Zeitung
Für meine Liebsten
Vorwort
Wollen Sie reich werden? Dann sollten Sie hart arbeiten, denn das ist der erfolgversprechendste Weg zum Ziel. Am besten gelingt dies vermutlich mit einem Beruf, der Ihnen wahrhaft so viel Freude bereitet, dass er mehr Hobby als Arbeit ist. Und wenn Sie trotzdem nicht reich werden, haben Sie wenigstens ein erfülltes Arbeitsleben.
Der Aktienmarkt ist dagegen oft ein grausamer Ort. Er lockt mit grossen, schnellen Gewinnen, doch der Weg zu diesem Ziel ist steinig. Nie dürfen sich Anleger in Sicherheit wiegen, immer müssen sie auf der Hut sein, denn allzu schnell treten Unwägbarkeiten auf. Zwei Schritten nach vorn folgt oft ein Schritt zurück – und manchmal geht es sogar drei oder vier Schritte rückwärts. Welcher Börsianer hat noch kein Geld am Aktienmarkt verloren, ist nicht schon mal genau zum falschen Zeitpunkt in den Markt eingestiegen oder hat sich zum schlechtesten Zeitpunkt gerade wieder enttäuscht vom Markt verabschiedet?
Dieses Buch soll Ihnen helfen, grosse Fehler zu vermeiden. Für langfristig orientierte Menschen gehört dazu, nicht auf dem Höhepunkt einer Aktienhausse einzusteigen. Dies war etwa am Ende des New-Economy-Booms im Jahr 2000 oder am Ende des grossen Rallyes in den Jahren von 2003 bis 2007 der Fall. Auch dürfen langfristig orientierte Anleger, am Tiefpunkt entnervt, nicht die Flinte ins Korn werfen wie zum Beispiel im Frühjahr 2003 oder im Frühjahr 2009. Die Experten der amerikanischen Vermögensverwaltungsfirma GMO haben in den vergangenen Jahrzehnten 28 grössere Blasen identifiziert. Alle endeten für die Investoren sehr böse – vor allem, wenn sie zu spät auf den Zug aufsprangen. Die Kurse fielen immer wieder auf den vor der Blasenbildung herrschenden Trend zurück. Die schlimmsten Blasen waren dabei jene am amerikanischen Aktienmarkt mit den Höhepunkten 1929, 1965 und 2000, am japanischen Aktienmarkt 1990 sowie am japanischen und amerikanischen Immobilienmarkt 1991 bzw. 2005. Schon Börsenaltmeister André Kostolany soll gesagt haben: «Beim Tiefstand der Kurse haben die Hartgesottenen die Papiere und die Zittrigen das Geld. Auf dem Höhepunkt des Booms haben die Hartgesottenen das Geld und die Zittrigen die Papiere.» Derlei schlechte Entscheidungen treffen nicht nur langfristig orientierte Anleger, sondern auch Investoren oder Spekulanten mit einem mittelfristigen oder kurzfristigen Zeithorizont. Das soll Ihnen künftig weniger häufig passieren, ganz vermeiden kann man das an der Börse aber nicht.
Schön wäre natürlich der Blick in eine Kristallkugel, um zu sehen, ob die Kurse steigen oder ob ein neuer Crash droht. Um den Antworten auf derlei Fragen näherzukommen, haben sich die Experten allerlei Hilfsmittel ausgedacht. Keines funktioniert immer, und nicht alle weisen den Weg gleich gut. Ich zeige Ihnen einige dieser Massstäbe, Indikatoren und Kennzahlen für verschiedene Zeitebenen, damit Sie nach Möglichkeit keine oder zumindest sehr viel weniger Fehler beim Timing Ihrer Investitionen machen.
Im Fokus der Analyse stehen dabei oftmals Zeitreihen. Muster in Datenfolgen sind in vielen Bereichen der Wirtschaft von Bedeutung, von der Konjunktur über die Unternehmensanalyse bis hin zu den Finanzmärkten. Vor allem im Fachgebiet der Ökonometrie untersuchen Wissenschaftler unzählige Daten und Zeitreihen, um Trends, Saisonalitäten oder andere ökonomische Grössen zu identifizieren. Dabei kann der Übergang zum Aberglauben in Form von Astrologie, Numerologie oder Kabbalismus fliessend sein. Apophänie lautet der Fachbegriff für die entsprechende Krankheit, nämlich die krankhafte Suche nach einer Bedeutung in zufälligen Daten. Viele Börsianer haben sich mit dieser Krankheit schon infiziert. Es ist jedoch bei aller Interpretation von Kursbildern und anderen Zeitreihen wichtig, nicht mehr zu sehen, als zu sehen ist. Charts sind ein Spiegel der Vergangenheit, der für die Prognose der Zukunft hilfreich sein kann – aber nicht zwingend sein muss. «Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich», soll Mark Twain sinngemäss gesagt haben. Dies dürfte auch für viele Entwicklungen an der Börse gelten, denn das Geschehen am Aktienmarkt beruht oft auf den Emotionen und der Psychologie der Anleger. Deren Verhalten wiederholt sich häufig mehr oder weniger ähnlich in gleichartigen Situationen.
An der Börse gibt es keine Gewissheiten, denn sonst wären wir alle tatsächlich reich. Handeln am Aktienmarkt heisst stets Denken in Wahrscheinlichkeiten und in Szenarien. Ist es also gerade wahrscheinlicher, dass die Kurse steigen oder dass sie fallen? Dabei gleicht die Börse einem gigantischen Puzzle, bei dem man möglichst viele passende Teile kombinieren muss. Es wird sich allerdings nie ein perfektes Gesamtbild ergeben. Und selbst wenn noch so sehr alles für ein bestimmtes Szenario spricht, kann es doch anders kommen. Oder es kommt zumindest kurzzeitig anders, treibt Sie aus dem Markt, und erst dann setzt sich Ihr Szenario bzw. jenes mit der höheren Wahrscheinlichkeit durch. Man kann deshalb immer nur versuchen, sich an die Wirklichkeit und an das möglicherweise Kommende heranzutasten und jeden Tag ein bisschen dazuzulernen, um künftig noch besser für die Unwägbarkeiten des Börsenalltags gerüstet zu sein.
Ich wünsche Ihnen eine spannende, unterhaltsame und lehrreiche Lektüre.
Michael Rasch
Zürich, im Sommer 2014
Einleitung
«Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen», soll der dänische Physiker Niels Bohr während eines Seminars in Kopenhagen zum Thema Quantenphysik einmal gesagt haben. Wer wüsste das nicht besser als Börsianer? Das Timing, also das zeitlich richtige Abschätzen von bestimmten Entwicklungen an der Börse, ist eine hohe Kunst, die nur sehr wenige Marktexperten gut beherrschen. Viele Scharlatane tun jedoch so, als verstünden sie diese Kunst. Es gibt allerdings Indikatoren für die lange, mittlere und kurze Frist, die Anlegern helfen, nicht gerade im ungünstigsten Moment das Falsche zu tun. Mit diesen Indikatoren werde ich Sie in den folgenden Kapiteln vertraut machen und Ihnen hoffentlich dabei helfen, dem Teufel in Gestalt des unberechenbaren Markts ein Schnippchen zu schlagen.
Steigen Sie künftig als ein in Jahren denkender, konservativer Anleger in den Aktienmarkt ein, der nicht mehr von der allgemeinen Euphorie am Ende eines langen Rallyes getrieben ist, nur weil beispielsweise gerade der Deutsche Aktienindex die 10 000-Punkte-Marke überwunden hat und jedermann wieder über die Börse redet – sogar Ihr Tankwart und Ihre Friseurin. Geben Sie als mittelfristig, im Sinn von vielen Monaten orientierter Anleger nicht gleich auf, nur weil sich gerade mal wieder eine deftige Korrektur in einem langfristigen Aufwärtstrend vollzieht. Und lassen Sie sich als eher kurzfristig, auf Sicht von Wochen agierender Hobbyspekulant nicht vom hektischen Auf und Ab der Börse ins Bockshorn jagen, sondern versuchen Sie, die Vorgänge zu durchschauen.
Eines sollte Ihnen vor der Lektüre dieses Werks klar sein: Das Buch ist kein Plädoyer für den Versuch, mit Timing den Gesamtmarkt zu schlagen. Für private Anleger ist eine auf die persönliche Risikoneigung, Risikotoleranz und Risikofähigkeit ausgerichtete strategische Asset Allocation das sinnvollste Vorgehen. Damit ist die Aufteilung des anzulegenden Geldes auf verschiedene Anlageklassen wie Aktien und Anleihen sowie gegebenenfalls auch Gold und andere Rohstoffe, Immobilien oder sogar alternative Anlageklassen wie Hedgefonds und Private Equity gemeint. Die strategische Asset Allocation ist nach den Schätzungen von Experten für etwa 80 Prozent des Anlageerfolgs verantwortlich. Nur die übrigen 20 Prozent kommen durch taktische Wetten zustande, also durch die phasenweise Übergewichtung von einer oder mehreren Anlageklassen. Zudem sollten Sie stets über mehrere Investmentkategorien und Regionen der Welt diversifizieren, die Kosten Ihrer Investitionen beispielsweise durch die Nutzung von passiven Anlageprodukten wie Exchange-Traded Funds niedrig halten und die Altersvorsorge von taktischen Wetten trennen. Seien Sie zudem kritisch: Misstrauen Sie Ihrem Anlageberater, den Medien und irgendwelchen Gurus – und auch allen Aussagen, die Sie in diesem Buch finden. Bilden Sie sich selbst eine Meinung.
Für viele Privatanleger ist es nicht möglich, mit dem wenigen Geld, das ihnen zur Verfügung steht, eine langfristig sinnvolle Vermögensaufteilung über mehrere Anlageklassen umzusetzen. Viele Anleger müssen immer wieder gewisse Beträge investieren oder von der Börse abziehen. Wenn Sie auch zu dieser Gruppe gehören, bleibt Ihnen gar nichts anderes übrig, als taktische Massnahmen an der Börse zu treffen. Die Anlageberater – oder besser gesagt Verkäufer – Ihrer Hausbank werden Ihnen dabei wenig hilfreich sein, denn die Instrumente und Indikatoren, die ich Ihnen in den folgenden Kapiteln vorstelle, werden Sie von diesen nie zu sehen bekommen. Die Verkäufer der Banken wollen Ihnen primär die Produkte empfehlen, die gerade von der Zentrale auf die Verkaufsliste gesetzt wurden und Ihnen bestenfalls noch bei der strategischen Asset Allocation helfen.
Von den hier vorgestellten Massstäben für das Niveau des Aktienmarkts dürften die meisten Banker in den Filialen noch nicht viel gehört haben. Dabei sind darunter extrem wichtige, langfristige und fundamentale Indikatoren zur Bewertung der Aktienbörse wie etwa das monetäre Umfeld, das KGV 10 oder Tobin’s Q. Zudem weihe ich Sie in die Analyse der Commitment of Traders Reports (COT-Reports) ein, die von der amerikanischen Terminmarktaufsichtsbehörde Commodity Futures Trading Commission (CFTC) veröffentlicht werden. Darüber hinaus werde ich Ihnen auch Barometer zeigen, die auf den ersten Blick etwas esoterisch klingen, beispielsweise das mysteriös anmutende Hindenburg-Omen, den McClellan-Oszillator oder den Armsindex. Die Anwendung und das Verständnis dieser Bewertungsmassstäbe und Indikatoren bezeichne ich als «die geheime Kunst der Börsenanalyse». Schieben Sie alle Skepsis und Vorurteile beiseite und lassen Sie sich darauf ein. Auf los gehts los.
1Indikatoren für langfristige Anleger
1.1 Das monetäre Umfeld am Aktienmarkt
1.1.1 Die Kreatur von Jekyll Island
«Die Kreatur von Jekyll Island» ist an den Finanzmärkten allgegenwärtig. So bezeichnete in seinem gleichnamigen Buch G. Edward Griffin die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) und nannte sie «das schrecklichste Ungeheuer, das die internationale Hochfinanz je schuf». Die US-Notenbank wurde am 23. Dezember 1913, also einen Tag vor Heiligabend, gegründet – sie ist aber alles andere als heilig oder gar unumstritten. Initiiert hatten die Gründung schon lange vorher führende US-Bankiers, und zwar bei einem geheimen Treffen auf der nur 23 Quadratkilometer grossen und zum US-Bundesstaat Georgia gehörenden Insel Jekyll Island. Die vom Autor G. Edward Griffin geäusserte Kritik an der US-Notenbank ist sicherlich journalistisch zugespitzt, wenn nicht gar überzogen. Doch in der Tat hat die Fed einen enormen Einfluss auf das Geschehen an den internationalen Finanzmärkten.
An der Börse ist das monetäre Klima von entscheidender Bedeutung. Für diese geldpolitische Stimmung gibt es mehrere Einflussfaktoren, von denen der wichtigste das allgemeine Zinsniveau ist, das durch die Leitzinsen beeinflusst wird. Diese Leitzinsen legt für jeden Währungsraum die zuständige Zentralbank im Rahmen ihrer Geldpolitik fest. In den USA ist das die Federal Reserve. In Europa übernimmt dies für die Eurozone die Europäische Zentralbank (EZB). Davor war es die Deutsche Bundesbank für Deutschland sowie die D-Mark, und in der Schweiz ist es die Schweizerische Nationalbank (SNB) für den Frankenraum. Der Leitzins ist der Zinssatz, zu dem sich Finanzinstitute wie Banken und Sparkassen kurzfristig untereinander Geld ausleihen. Er beeinflusst vor allem das Zinsniveau für Kredite mit zeitlich kurzen Laufzeiten. Durch die Festlegung des Leitzinssatzes versuchen die Zentralbanken, auf Faktoren wie das Wirtschaftswachstum und die Inflation sowie in neuerer Zeit auch auf den Arbeitsmarkt Einfluss zu nehmen.
Wichtig für das monetäre Klima sind neben der Politik der jeweiligen Notenbank auch die Kreditnachfrage der Wirtschaft, die Liquidität der Banken, die Entwicklung der Konsumentenkredite, das Vorherrschen von deflationären oder inflationären Tendenzen sowie die Höhe des Diskontsatzes zur Beeinflussung der kurzfristigen Zinsen und die Prime Rate. Das sind die Zinsen, zu denen Banken ihren grössten Kunden Geld leihen. Entscheidend ist jedoch die Politik der Notenbank, die wiederum alle anderen Faktoren stark beeinflusst. Als Faustformel kann man sich merken, dass sinkende Zinsen gut für die Wirtschaft und die Börse sind, wohingegen steigende Zinsen bremsend wirken. Dennoch kann es oft dringend nötig sein, dass eine Notenbank die Zinsen erhöht – etwa um eine Überhitzung der Wirtschaft zu verhindern oder um eine zu stark steigende Inflation zu bekämpfen.
Sinkende Zinsen sind gut für die Aktienmärkte, weil dadurch ihre relative Attraktivität gegenüber dem Anleihenmarkt zunimmt. Sie führen nämlich zu einem abnehmenden Zinsniveau an den Anleihemärkten, wodurch Aktien für die Anleger – relativ gesehen – interessanter werden. Auf dieser Überlegung fusst auch das sogenannte Fed-Modell, dass Sie später in Kapitel 1.2.7 noch kennenlernen werden. Aktien und Anleihen sind die beiden grossen Anlageklassen, zwischen denen das meiste Geld hin und her fliesst, wenngleich in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten viele andere Investmentkategorien entstanden sind, beispielsweise Rohstoffe, Währungen, Hedgefonds, Private Equity und vieles mehr. Zudem wird es in einem Umfeld fallender Zinsen für Unternehmen günstiger, sich zu verschulden. Dies machen Konzerne zum Beispiel, um Investitionen in neue Projekte zu tätigen. Von sinkenden Zinsen profitieren also besonders solche Firmen, die einen hohen Grad an Fremdfinanzierung aufweisen, also stark verschuldet sind. Für sie nimmt durch das sinkende Zinsniveau ein grosser Kostenblock ab. Und wenn sich die Ausgaben reduzieren, steigen bei sonst gleichbleibenden Bedingungen die Gewinne, die wiederum neben dem monetären Klima der wichtigste Treiber für die Aktienkurse von Unternehmen sind.
Das allgemeine Zinsniveau hat darüber hinaus in der gesamten Wirtschaft eine wichtige Steuerungsfunktion. Es signalisiert, ob es tendenziell attraktiver ist, zu sparen oder sich zu verschulden, also auf Kredit zu konsumieren. Am Aktienmarkt führen, wie erwähnt, steigende Zinsen ökonomisch tendenziell zu sinkenden Kursen und fallende Zinsen zu steigenden Kursen. Der Wechsel von einer Hausse zu einer Baisse und umgekehrt erfolgt allerdings meist nicht abrupt. Für den Anleihenmarkt sieht das Bild bei nach oben tendierenden Zinsen anders aus. Die Besitzer von bereits emittierten Anleihen leiden tendenziell bei kletternden Zinssätzen. Wenn die Renditen steigen, kommt es nämlich vor allem bei Anleihen mit Laufzeiten von mehr als zwei Jahren zu signifikanten Kursverlusten. Das schreckt viele Anleihenbesitzer ab und gilt besonders für zahlreiche institutionelle Anleger wie Pensionskassen und Versicherungen, weil sie ihre Anleihenportefeuilles immer wieder umschichten müssen. Grundsätzlich machen steigende Renditen die Obligationen, wie Anleihen auch heissen, im Vergleich mit anderen Anlageklassen jedoch attraktiver. Das gilt vor allem dann, wenn die Zinsen wieder auf einem ansprechenden Niveau sind und die Marktteilnehmer den Zinserhöhungszyklus als abgeschlossen erachten. Für Investoren in Anleihen, die ihre Papiere bis zum Ende der Laufzeit halten, ist die Zinswende allerdings weniger problematisch, da der investierte Betrag samt Verzinsung am Laufzeitende zurückgezahlt wird – falls der Emittent inzwischen nicht zahlungsunfähig wurde.
Ein wichtiges Signal ist eine Wende bei den Zinsen (und dadurch vor- oder nachlaufend auch an den Aktienbörsen) zudem für den Immobilien- und Hypothekarmarkt. Wer mit dem Gedanken spielt, eine Hypothek aufzunehmen, will dies zu möglichst niedrigen Zinsen tun. Sinkende Zinsen ziehen also immer mehr «Häuslebauer» und Käufer von Immobilien an, wohingegen steigende Zinsen mittelfristig einen boomenden Immobilienmarkt abkühlen sollten. Doch nicht nur für Hypothekenbesitzer, sondern für alle Schuldner wirken steigenden Zinsen einschränkend, da sie bei höherer Zinslast auf anderweitigen Konsum
