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Der Giraffengockel: Kriminalistische Geschichten aus Hohenlohe- Franken
Der Giraffengockel: Kriminalistische Geschichten aus Hohenlohe- Franken
Der Giraffengockel: Kriminalistische Geschichten aus Hohenlohe- Franken
eBook180 Seiten2 Stunden

Der Giraffengockel: Kriminalistische Geschichten aus Hohenlohe- Franken

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Über dieses E-Book

Hohenlohe- Franken der Landstrich im nördlichen Baden- Württemberg, das Land zwischen Kocher und Jagst, bietet die Kulisse für das Einsatzgebiet der Kommissarinnen Luzi Buzi und Bella Donna. Die beiden schwarzen Möpsinnen, die, gut versorgt von ihrem Hausschwein Roberta Sponti durch manchen skurrilen Mordfall an die Grenzen ihres kriminalistischen Spürsinns stossen. Aber sie dürften keine Möpsinnen sein...
SpracheDeutsch
Herausgeberepubli
Erscheinungsdatum24. März 2014
ISBN9783844286489
Der Giraffengockel: Kriminalistische Geschichten aus Hohenlohe- Franken

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    Buchvorschau

    Der Giraffengockel - Nik Schyra

    Quittengelee

    Es war Sonntag, der 27. November. Einer jener Novembertage an denen oder welchen der Regen langsam in Schnee überzugehen scheint. Der Wind peitschte eiskalt die Schneeflocken mitsamt dem Regen über das Hohenloher Land. „Was für ein Sauwetter", murmelte die Kommissarin Luzi Buzi, die auf dem Nachhauseweg von ihrem Büro im 19. Polizeirevier in Crailsheim war. Kommissarin Buzi eine schwarze Möpsin,  die im Laufe ihrer langen Dienstjahre einige graue Haare in ihr tiefschwarzes Fell bekommen hatte, genoss es in bestimmten Kreisen das Krokodil genannt zu werden. Sie war eine Meisterin der Beobachtung, um dann im richtigen Moment mit scharfem Biss den  Täter beim Kragen zu packen. Viele unterschätzten sie wegen ihres seltsamen Aussehens, sie war kleinwüchsig, wirkte etwas gedrungen, war jedoch durch und durch trainiert. Ein Muskelpaket von A – Z. Ihr zur Seite stand eine weitere schwarze noch recht junge Möpsin namens Bella Donna. Sie war bekannt für ihre schnellen Sprints und Spurts wenn es um Verfolgungsjagden ging. Bisher war ihr noch keiner der Ganoven entwischt. Sie besaß ebenfalls einen klaren Sachverstand und konnte sich, genau wie ihr großes Vorbild Kommissarin Buzi, bestens in den Täter hineinversetzen. Also denken wie ein Täter und ebenso handeln. Gerade bei einem Fluchtversuch,  der für jeden Ausreißer garantiert mit der Festnahme endete.

    Es gab noch eine dritte im Bunde.  Roberta Sponti, das Hausschwein. Man nannte sie scherzhaft die „Kubanerin wegen ihres dunklen Teints. Ihre Mutter hatte  sich in einer lauschigen Maiennacht mit dem schlimmsten und stärksten aller Keiler eingelassen, der je in den Wäldern von Hohenlohe sein Unwesen getrieben hatte. Viele behaupteten er sei ein Unhold erster Güte gewesen. Aber die Weiber die ihm begegnet waren, bekamen auch nach langer Zeit immer noch glasige Augen und seufzten mächtig tief, wenn von ihm die Rede war. Roberta hatte ihren Vater als einen liebevollen Keiler in Erinnerung, der sich aber dann nach Frankreich abgesetzt hatte, weil er sich in eine kleine zierliche Trüffelschweinfrau verliebt hatte. Ihre Mutter schwärmte immer noch von ihm mit den Worten, „so eine Sau, so eine wilde Sau und eine so starke Sau, ein Keiler wie kein zweiter.

    Als die Kommissarinnen Buzi und Bella Donna nachhause kamen rochen sie schon im Eingangsbereich ihres Hauses den herrlichen Duft von frisch aufgebrühtem Früchtetee,von Lebkuchen, Spekulatius und gerade erst gebackenen Weihnachtsplätzchen. Roberta Sponti war eine ausgezeichnete Köchin, die Kuchen und Torten in den schönsten Formen zustande brachte.

    Da alle drei zusammen in einem schönen alten Häuschen in Crailsheim wohnten, freuten sie sich auf das Heimkommen  um endlich diesen Abend gemütlich verbringen zu können. Frau Buzi rauchte wie gewöhnlich eine gute kubanische Zigarre. Die gab es nur in einem besonderen Laden in Crailsheim, nicht in New York, nicht in Paris oder London, nein nur in Crailsheim in der Farberstrasse. Es gab in diesem besonderen Laden nicht nur gute Zigarren sondern allerlei geheimnisvolle Dinge aus aller Welt.

    Bella Donna, wie gewöhnlich ihre Pfeife rauchend, lehnte sich in ihrem Ohrensessel weit zurück und schaute Roberta Sponti zu, wie sie den Tee zelebrierte.

    Was war das für ein schöner Sonntagabend, so in vertrautem Kreis, in einem gemütlichen warmen Wohnzimmer. Er lud förmlich dazu ein, ein kleines Kartenspielchen zu beginnen. Roberta schlug vor,  doch wieder einmal Skat zu spielen. Nicht um Geld, sondern um den nächsten Abwasch.  Luzi Buzi und Bella Donna verdrehten bei diesem Einsatz nur die Augen. War es nicht unter ihrer Würde solche niederen Hausarbeiten zu verrichten, wo sie doch mit schwerstkriminalistischen Fällen zu tun hatten? Die Spiellust war stärker und so ließen sich die beiden großen Kriminalistinnen schweren Herzens dazu überreden.

    Roberta Sponti grinste insgeheim jedoch wie ein Honigkuchenpferd, da sie die beste Skatklopferin im Hause war. Die Karten waren schnell gemischt und ausgeteilt, „2-4-6 weg so lautete die Ansage. Frau Buzi strahlte. Sie hatte ein gutes Blatt und sagte überlegen „wir spielen Grandezza und fügte den Spruch hinzu: „bei Grand spielt man Ässe oder hält die Fresse. Bella Donna meinte dazu nur lakonisch „Du könntest dir ruhig mal einen neuen Spruch dazu einfallen lassen, den hören wir jetzt schon seit bald dreißig Jahren.

    Buzi donnerte Kreuz-Ass mit einem breiten Grinsen auf den Tisch und sammelte anschließend den Stich mit einem arroganten „hhhmmmm" ein. Die beiden anderen  verstummten und warfen ihr nur verächtliche Blicke zu.

     Da schrillte das Telefon. Ein Klingeln, das die Stille dieser Nacht in Fetzen riss, das sie alle zusammen zucken ließ. Es schien eine ewige Zeit zu verstreichen bis Kommissarin Buzi den Hörer abnahm und mit monotoner Stimme fragte: „Wer sthört? Die beiden anderen am Tisch konnten die Stimme am anderen Ende der Leitung hören, schrill und hysterisch.  Kommissarin Buzi sagte mit leiser Stimme: „Ok, wir kommen.

    Sie warf die Karten auf den Tisch und murmelte, „da hat man schon mal ein gutes Blatt und dann kommt mitten in der Nacht eine Leich daher".

    Die beiden Kommissarinnen setzten sich in ihren alten anthrazitgrauen VW-Käfer Baujahr 1964, bei dem die Heizung nur spärlich funktionierte und fuhren in die Dunkelheit, nach Schrozberg,  zum Tatort. Ein eiskalter starker Nord-Wind, verbunden mit einem wilden Schneetreiben begleitete sie. Anspielungen Bella Donnas auf den alten anthrazitgrauen Käfer und dessen Heizung prallten an Luzi Buzi ab, wie die Regentropfen auf dem hinteren pausbackigen leicht ramponierten Kotflügeln des in die Jahre gekommen Gefährts.

    Am Tatort angekommen bot sich Ihnen ein schauriges Bild. Der Fundort der Leiche war weiträumig, mit rot weißen Bändern von den uniformierten Kollegen abgesperrt. Die Szene wurde durch mächtige Strahler der Feuerwehr in gleißendes Licht verwandelt. Der Tatort lag  an einer Wegkreuzung, dicht an einer Fichtenschonung. Jeder der hier vorbei kam musste unausweichlich die Leiche sofort sehen. Die Kommissarinnen Luzi Buzi und Bella Donna schälten sich schwerfällig aus ihrem Käfer. Buzi murmelte nur: „Scheißwetter, Sauwetter, da jagt man doch keinen Hund vor die Türe und trat in die tiefste Matschpfütze des Hohenloher Universums.  Lauthals schimpfte sie: „auch noch gefüllte. Bella Donna sagte nur leise: „Mach die Glubschaugen auf, denn schließlich bist du gefahren und nicht ich".

    Ein großer dicker schon etwas älterer Polizist trat schnellen Schrittes auf sie zu und begrüßte beide mit kurzen knappen Worten: „So sieht man sich also mal wieder. Er führte sie zur Leiche. Da hing sie nun, eine wunderschöne, getigerte Katze, mit weit aufgerissenen Augen, an einen dicken Buchenstamm gefesselt. Der Täter hatte ihr teilweise das Fell geschoren. Für beide Kommissarinnen ein fürchterlicher Anblick. Die Pathologin vom gerichtsmedizinischen Institut Frau Dr. Constanze Entlebucher aus Crailsheim erklärte dass der Fundort nicht der Tatort sei. Der Zeitpunkt des Todes könne höchstens sechs bis acht Stunden zurück liegen. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit sei das Opfer von hinten erwürgt worden, das zeigten die Male am Hals. Auffällig sei der Verlauf des Fingerabdrucks. Es sei davon  auszugehen, dass der Täter kleiner als das Opfer war oder es von unten hinten her erwürgt worden sei. Genaueres ergäbe erst die Obduktion. Buzi äußerte die Vermutung es könnte auch ein Ritualmord gewesen sein. Gewisse Anzeichen deuteten darauf hin und man dürfe nichts außer Acht lassen. Die Frage, ob es nicht auch eine Täterin gewesen sein könne, beantwortete Frau Doktor Entlebucher nachdenklich mit: „Durchaus möglich.

    Kommissarin Buzi war jedesmal von der Schönheit dieser Gerichtsmedizinerin angetan. Sie verfügte  außerdem über einen unglaublichen Charme und einen Blooz backen konnte sie- in den wollte man sich am liebsten hineinknien. Buzi und Frau Dr. Entlebucher mochten sich gut leiden und verabredeten sich erfolglos des Öfteren mal auf ein Bier. Na ja, irgendwann mal würde das sicher auch noch klappen. Davon waren sie beide überzeugt.

    Bella Donna führte ihre Kollegin zu seltsamen Reifenspuren, die in dem Matsch zu sehen waren. Es waren nicht die üblichen Traktorspuren oder Spuren von Geländewagen. Sie waren  viel schmaler. Buzi sagte mehr zu sich selber „sehen aus wie Spuren von einem Leiterwagen oder vielleicht von einem Fahrrad. Der Polizeifotograf machte gleich darauf mehrere Fotos. Nachdem die Spurensicherung alles aufgenommen und gesichert hatte, was es an eventuellen Spuren gab, verabschiedeten sich die in weiße Plastikoveralls gekleideten Männer und meinten die Woche fängt ja gut an. Also dann bis später".

    Nachdem die Leiche ins gerichtsmedizinische Institut nach Crailsheim abtransportiert worden war blieben nur noch wenige Personen am Fundort zurück, die beiden Kommissarinnen, zwei Uniformierte und zwei Feuerwehrleute. Buzi versuchte sich vorzustellen warum  der Mörder die Tote gerade an dieser Stelle abgelegt hatte. Die Tote stammte nicht aus Schrozberg, soviel stand fest, denn keiner der ortsansässigen Feuerwehrmänner und Polizisten kannte sie.

    Der Wind und das Schneetreiben nahmen an Heftigkeit zu und eine klamme ekelhafte Kälte bekroch alle Anwesenden. Jeder dachte nur, „nix wie weg hier, nachhause in die warme Stube oder gleich ins Bett- außer Kommissarin Buzi. Sie suchte mit ihrem scharfen Mopsblick die Umgebung des Tatortes nochmals ab. Nur spärlich war in dem in dem Schneetreiben  die Landstraße von der sie abgebogen waren zu erkennen, schemenhaft der kleine Weiler, mit seinen drei Bauernhöfen, die sich nahe zusammen geduckt hatten, um sich gegenseitig gegen diesen scharfen, kalten Novemberwind zu schützen. Buzi fiel das alte Volkslied ein, das Hohenlohe beschreibt „ ...wo der Wind nie schlafen geht! „ So ist es in sibirisch Hohenlohe" murmelte sie vor sich hin. Nie war das besser zu spüren als in dieser Nacht.

    Buzi und Bella Donna stiegen in den Käfer, nachdem klar war, dass der Fundort bewacht werden würde.  Später bei Tageslicht würden sie ihn nochmals in Augenschein nehmen.

    Beide Kommissarinnen schwiegen während der ganzen Fahrt von Schrozberg nach Crailsheim und hofften, dass der Käfer doch irgendwann anfinge ordentlich zu heizen, was sich jedoch als Trugschluss herausstellte.

    Am nächsten Morgen bei  der Pressekonferenz im 19. Revier in Crailsheim teilte die leitende Staatsanwältin Berger de Picare mit, dass eine Sonderkommission „Miezekatze in Schrozberg im Gasthaus „Zur blauen Gans eingerichtet worden sei, besetzt mit zehn Beamten. Die Kommissarinnen Luzi Buzi und Bella Donna seien  mit der Leitung der Sonderkommission beauftragt. Sie erwarte, dass die Aufklärung dieses grausamen Mordes  in ein paar  Tagen erfolgt sei.

    Die Kommissarinnen fuhren erneut mit einigen Männern und der Staatsanwältin zum Tatort. Das Wetter zeigte sich heute von seiner besten hohenlohischen Seite. Es war kalt, der Boden gefroren und mit leichten Schneeresten bedeckt, die der Wind, der immer noch sehr stark blies,  nicht wegwehen konnte. Die Sonne schien stark und kräftig.  Ein ideales Wanderwetter, dachte Buzi.

    Per Handy ließ sich Buzi den genauen Todeszeitpunkt geben. Sie erfuhr, dass die Tote schon nicht mehr gelebt hatte, als der Mörder sie hier an diese Buche angebunden hatte. Ferner, dass die Handabdrücke am Hals der Toten von einer kräftigen, kleinen Männerhand stammen mussten.  Unter den Krallen der Toten befanden sich Hautpartikel, die mit hoher Wahrscheinlichkeit von ihrem Mörder stammten, als sie versuchte sich von der Umklammerung des Würgers zu befreien. DNA Spuren waren also vorhanden und könnten die Aufklärung vielleicht beschleunigen. Ein Vergleich mit in Frage kommenden Tätern, erwies sich jedoch vorerst als Sackgasse. Die Kommission begann routinemäßig ihre Arbeit.

    Alle, die in unmittelbarer Umgebung des Tatortes wohnten wurden befragt. Aber keiner konnte irgendwelche brauchbaren Angaben machen.

    Erst ein Bild der Toten in der Tageszeitung brachte Aufklärung, wer die Tote war und wo sie gelebt hatte. Es handelte sich um Kleopatra Kathäuser. Eine eher unauffällige, jedoch nicht minder wunderschöne Katze. Es stellte sich schnell heraus, dass die Tote ein sehr bewegtes Leben mit vielen Verehrern geführt hatte. Sie hatte genau Buch geführt, wann und wo sie sich mit ihnen traf. Ebenso schnell klar wurde es Kommissarin Buzi, dass die Lover nichts voneinander wussten.

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