Über dieses E-Book
dem Flüchtlingslager Lampedusa, einer Insel im Mittelmeer. Erzählt wird die Geschichte von Esmeralda, die unter dramatischen Umständen als Flüchtlingsmädchen aus Eritrea nach Deutschland gekommen war und als Krankenschwester mit ihrer Freundin Julia und deren Verlobten Jens,einem jungen unerfahrenen Assistenzarzt, in die Demokratische Republik Kongo geht, um den vom Elend geplagten Menschen in der Organisation `Ärzte für Menschen in Not` zu helfen. Esmeralda erfährt vom Leid von traumatisierten Kindersoldaten, den grausamen Überfällen von Rebellen auf unschuldige Menschen in ihren Dörfern und begibt sich selbst mit ihren Weggefährten in Lebensgefahr. Krankheiten, Hunger, Korruption, Gewalttaten, Mord und Totschlag prägen das Elend der Kongolesen. Es stellt sich heraus, dass all die Probleme des Landes mit den kriminellen Machenschaften von korrupten Politikern, Polizei und Landesführer entstanden sind. Schlimmste Überfälle auf die Dörfer waren von oberster Stelle angewiesen worden, um die Menschen zu vertreiben oder zu töten. Esmeraldas Vater Peter ist erfahrener Kriegsberichterstatter und hilft durch seinen gefährlichen Einsatz dem Ärzteteam dabei, die Welt über das Leid der Bevölkerung zu informieren. Viele Hindernisse müssen überwunden werden. Ohne den Glauben an das Gute des Menschen und an die Macht der Liebe wären die dramatischen Ereignisse kaum zu bewältigen gewesen. Dieser Glaube gibt
den Betroffenen Hoffnung und beflügelt sie zu neuen Taten.
Lisa Winter
Lisa Winter lebt seit 2009 in ihrem Wunschland Südafrika. Die phantastische Landschaft an der Südküste von KwaZuluNatal mit dem ausgewogenen warmen Klima inspirierte sie literarisch tätig zu werden. Schon von Jugend an erwuchs in ihr der Wunsch in einem tropischen Land zu leben und ihrer Veranlagung folgen zu können, kreativ tätig zu sein. Ganz im Gegensatz zu ihrem bisherigen Leben in Deutschland. Über 20 Jahre arbeitete sie selbständig im Finanz- und Immobilienbereich, bis sie das für sie geeignete Land gefunden hatte und dann den endgültige Entschluss getroffen hatte, auszuwandern, um ihren Lebenstraum zu erfüllen.
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Buchvorschau
Tränen der Hoffnungslosen - Lisa Winter
Dezember 2015
Dezember 2015. Es ist Silvester. Esmeralda und Jonas leben mit ihrer kleinen Tochter Sanira glücklich auf der Insel Lampedusa. Das neue Jahr möchten sie mit der Familie in Köln begrüßen. Die kleine Sanira ist mittlerweile ein Jahr alt und soll nun der deutschen Familie vorgestellt werden.
Jonas ist promovierter Arzt und hat sich, wie auch Esmeralda, der `Internationalen Hilfsorganisation zur Rettung für Flüchtlinge in Lampedusa` angeschlossen.
Dr. Fontane ist immer noch im Dienst. Er hatte Esmeralda medizinisch versorgt, nachdem sie als Flüchtling in Lampedusa als eine der wenigen Überlebenden angeschwemmt worden war. Das vollkommen überfüllte und veraltete Boot, welches sie in die Freiheit bringen sollte, sank und fast alle Passagiere kamen dabei ums Leben.
Er hatte sich sehr gefreut, als Esmeralda nach Jahren ihrer Rettung ihn besucht hatte und freute sich besonders darüber, dass auch sie als Krankenschwester für diese wohltätige Organisation tätig sein wollte.
„Mittlerweile hatte sie sich zu einer erwachsenen Schönheit entwickelt. Ihre Intelligenz, ihren Fleiß und Ausdauer hatte Dr. Fontane schon Jahre früher an ihr geschätzt.
„Durch ihre Erfahrungen ist sie die passende Persönlichkeit, um den Angekommenen, vom Leid gezeichneten Flüchtlingen, zu helfen", dachte Dr. Fontane, nachdem er sie persönlich eingestellt hatte.
Zu ihren Aufgaben gehört, neben der medizinischen Versorgung, die amtlichen Registrierungen durchzuführen, bevor die Flüchtenden zu ihrem nächsten Ziel gebracht werden. Mit viel Mitgefühl, Rat und Tat steht sie den meistens hilflosen Menschen bei. Es sind lange Arbeitstage, harte Arbeit, oft 12 Stunden am Tag.
„Jonas, hast du den Strom im Sicherungskasten abgeschaltet?"
„Ja, habe ich."
„Auch alle Stecker aus den Steckdosen herausgezogen? Und den Hauptwasserhahn im Keller zugedreht?"
Esmeralda ist beschäftigt, die restlichen Sachen für Sanira einzupacken.
„Ja Schatz, ist alles erledigt. Es wird schon nichts passieren, während wir in Deutschland sind", meint Jonas.
Fertig angezogen sitzt die kleine Sanira fröhlich und quiekend in ihrem Laufstühlchen. Die Reise kann losgehen.
„Dr. Fontane freut sich mit uns, wenn wir Papa besuchen. Er lässt ihn herzlich grüßen."
„Ja er ist ein guter Arzt und ein großartiger Mann und vor allem hat er für jeden ein großes Herz. Sonst hätte er über die vielen Jahre die Problematik der Flüchtlinge nicht so wegstecken können. Er ist vollkommen überarbeitet. Auch ihm würde mal ein etwas längerer Urlaub gut tun. Weg von allem."
„Schatz, wohin sollte er gehen, um Urlaub zu machen? Er hat sein ganzes Leben für die Hilfe von Bedürftigen geopfert. Er hat keine eigene Familie oder noch lebende Angehörige."
Esmeralda sitzt neben Jonas auf dem Beifahrersitz in ihrem Kombi und die kleine Sanira in ihrem Kindersitz auf der Rückbank. Zufrieden knabbert Sanira an einer trockenen Brotkruste und schaut während der Fahrt aufmerksam aus dem Fenster.
Nach der Überfahrt mit der Autofähre, hören sie auf der Autobahn über das Radio Nachrichten über neu angekommene Flüchtlinge, die aus nordafrikanischen Ländern geflohen waren. Immer mehr Menschen fliehen aus dem Elend, das in ihren Heimatländern herrscht und suchen Frieden und Sicherheit in Europa.
Während der Autofahrt erinnert sich Esmeralda an die vergangenen Jahre, vor und nach ihrer Entlassung aus dem Sanatorium für Suchterkrankte.
2010 Ein neues Leben kann beginnen
Peter und seine eritreische Frau Sanira hatten für ihre achtzehnjährige Tochter Esmeralda ein kleines gemütliches Appartement im Schwesternheim gemietet, das direkt neben dem Krankenhaus in einem Vorort von Frankfurt lag. Sie teilte es sich mit Julia. Julia war im gleichen Alter.
Beide waren gleichzeitig erfolgreich mit ihrer Ausbildung als Krankenschwestern fertig geworden.
Julia war langbeinig, schlank und hatte halblanges hellblondes Haar, das sie meistens zum Pferdeschwanz zusammengebunden hatte. Durch ihre aufgeweckte, offene Art war sie Esmeralda sofort sympathisch geworden. Dies beruhte sich auf Gegenseitigkeit. Sie wurden Freundinnen. So waren die gemeinsamen langen, meist ruhigen Nachtdienste, nicht ganz so ermüdend und langweilig gewesen, da sie sich immer etwas zu erzählen hatten. Doch niemals hatte Esmeralda von ihren dunklen Erlebnissen aus ihrer Vergangenheit erzählt.
Beide jungen Frauen wurden durch ihren Fleiß und Hilfsbereitschaft von den Ärzten, sowie von den Patienten geschätzt.
Nach einem gemeinsamen Nachtdienst erschien es Esmeralda, dass Julia aufgekratzt und gar nicht müde, so wie sonst war. Esmeralda kam bettfertig in ihrem Nachthemd aus dem Badezimmer und Julia saß untätig auf ihrem Bett.
„Wieso ziehst du dich nicht aus. Willst du noch weg?", fragte Esmeralda.
„Ja, ich geh noch weg."
Julia wirkte etwas verlegen.
„Wohin denn?"
„Es ist früher Morgen, viel zu schade, um ihn zu verschlafen. Außerdem haben wir heute den ganzen Tag frei, bis morgen zum Frühdienst", antwortete Julia.
Julia ging ins Badezimmer.
Esmeralda legte sich in ihr Bett und war gerade am Einschlafen, als Julia geschminkt und umgezogen vor ihrem Bett stand. Sie spürte, dass Julia etwas auf dem Herzen hatte.
„Sag endlich was du vor hast. Vorher lässt du mich doch nicht einschlafen."
Esmeraldas Neugier war geweckt.
Julia kicherte:
„Ich bin zum Frühstück verabredet. Mit Dr. Müller, dem neuen Assistenzarzt."
„Hab ich es mir doch gedacht! Ich habe doch gemerkt, dass da irgend etwas zwischen Euch läuft. Ansonsten hättest du dich nicht freiwillig zum Nachtdienst gemeldet."
Esmeralda lachte.
„Der ist doch süß, oder? Ich finde ihn hinreißend."
„Ja, dass wird er wohl sein. Dann geh und komme nicht so spät zurück. Auch Verliebte müssen mal schlafen."
Esmeralda lächelte und gähnte.
„Und da ich Gott Lob nicht verliebt bin, brauche ich jetzt meinen Schlaf", fügte sie hinzu und drehte sich zur Wand um.
Bevor sie einschlief dachte sie über ihre neue Freundin nach. Esmeralda hatte aus den Erzählungen geschlossen, dass Julia in Liebesangelegenheiten noch sehr unerfahren war. Während ihrer Schulzeit hatte sie einen Freund in ihrer Klasse, der sehr schnell etwas mehr als `Händchenhalten` von ihr forderte. Daraufhin hatte Julia den Kontakt mit ihm beendet. Für mehr war sie nicht bereit gewesen.
Außer dem leitenden Professor der Klinik, Dr. Schüler, kannte niemand Esmeraldas Vergangenheit. Prof. Schneider, der ihr damals geholfen hatte aus ihrer Suchterkrankung heraus zu kommen, hatte ihr mit guten Worten geholfen, einen Neuanfang als Krankenschwester beginnen zu können. Er übernahm sozusagen eine persönliche Bürgschaft für Esmeralda.
„Sie wissen Herr Prof. Schneider, dass auch der Giftschrank mit allen Medikamenten, die unter Verschluss sein müssen, von den Schwestern verwaltet werden muss. Stellt das nicht eine Versuchung für ihre ehemalige Patientin dar, etwa rückfällig zu werden?"
„Nein, das halte ich für ausgeschlossen. Esmeralda hat zu viel leiden und erleben müssen, um aus dem Drogensumpf heraus zu kommen. Sie ist vernünftig und intelligent genug, um nicht rückfällig zu werden."
„Trotzdem werde ich ein Auge auf sie werfen. Doch nur eins von zwei Augen, Herr Kollege Schneider, keine Sorge."
Dabei kniff er ein Auge zu. „Sie wird es nicht bemerken."
Allein schon durch ihre Erscheinung war Esmeralda in ihrem neuen Umfeld aufgefallen. Sie war schön, wie ihre eritreische Mutter Sanira. Ihre leuchtenden smaragdgrünen Augen betonten ihr ebenmäßiges schönes Gesicht. Durch ihren deutschen Vater Peter war ihr bronzefarbener Teint nicht schwarz, wie bei vielen, die aus ihrer Heimat kamen. Nicht nur die Pfleger und Ärzte bemerkten ihr exotisches Aussehen, sondern auch einige der Patienten.
Mittlerweile hatten sich die richtigen Rundungen an den richtigen Stellen ihres graziösen Körpers gebildet. Sie war schlank und ihre langen Beine betonten ihre Grazie, während sie durch die Gänge der Station schritt. Bewundernde, manchmal auch freche Blicke verfolgten sie. Doch sie ließ sich nichts anmerken. Falls sie von den Patienten eine unangebrachte Bemerkung hörte, konterte sie schlagfertig und höflich zurück.Von Männern hatte sie genug. In ihrer Freizeit ging sie gerne ins Kino oder zog sich in ihr Appartement zurück, um zu lesen oder das Fernsehprogramm zu verfolgen.
Doch Julia war in ihrer Freizeit ständig unterwegs. Ihr neuer Verehrer konnte nicht genug von ihr bekommen. Sie waren beide sehr verliebt. Esmeralda freute sich für Julia, auch wenn sie manchmal der müden Julia helfen musste, rechtzeitig aus dem Bett zu kommen, um pünktlich den Dienst anzutreten.
Jens und Julia waren nun schon seit Monaten ein Paar, ohne dass sie, außer intensivem Schmusen, Sex hatten. Esmeralda bewunderte Jens für seine Disziplin und Geduld.
„Er muss sie wirklich lieben, sonst würde er auf Sex bestehen", dachte sie.
„Esmeralda, schläfst du schon?", fragte Julia leise, als sie wieder im Morgengrauen zurück kam.
„Ich weiß, wir müssen früh aufstehen. Doch ich kann nicht schlafen, bevor ich dir nicht alles erzählt habe. Über das, was ich heute erlebt habe."
Esmeralda knipste ihre Nachttischlampe an und rieb sich den Schlaf aus ihren Augen. Sie schaute auf ihren Wecker, es war 4 Uhr morgens. Den Wecker hatte sie auf 6 Uhr gestellt.
„Hat das wirklich keine Zeit bis später? Ich bin noch sehr müde Julia!".
„Es ist passiert! Hörst du Esmeralda?"
Julias Stimme klang aufgeregt.
„Ich habe es getan!" Julia schaute mit ernster Miene zu Esmeralda, die nicht gleich reagierte.
„Nein wir haben es getan."
„Was denn? Was habt Ihr getan?"
Eine kleine Pause, dann begriff Esmeralda:
„Herrjeh, … er hat dich entjungfert! Oder? Ach du meine Güte, wie geht es dir?"
Esmeralda war hell wach geworden und hörte der aufgekratzten Julia neugierig zu. Julia setzte sich auf Esmeraldas Bettkante.
„Es geht mir gut, es war gar nicht so schlimm, wie ich befürchtet hatte. Jens war sehr zärtlich und liebevoll zu mir. Er meinte, dass ich es beim nächste Mal mehr genießen würde. Stimmt das? Ich fand es nicht so toll, wie er. Was meinst du? Du bist doch keine Jungfrau mehr, oder?"
Esmeralda setzte sich auf.
„Bevor ich dir von meiner Entjungferung irgendwann erzählen werde, erzählst du zuerst. Bei mir war es grässlich."
Julia schilderte ihr jede Einzelheit. Wo sie sich trafen, was sie vorher im schicken Restaurant gegessen und getrunken hatten und wie aufgeregt sie war, als er sie in seinem Appartement verführt hatte.
„Dann hat er gesagt, dass er mich liebt und keine andere Frau mehr ansehen würde. Er hätte nur noch Augen für mich."
Julias Wangen waren gerötet, während sie fortfuhr.
„Vorher oder nachher?"
„Wenn du es so meinst, wie ich es verstehe, bevor es passiert ist. Wir waren in seinem Appartement. Er hatte gemerkt, dass ich Zweifel hatte, und dass ich mich dabei geschämt hatte, nachdem er mich sanft auf sein Bett gezogen hatte und nackt ausgezogen hatte. Dabei hatte er mich zärtlich gestreichelt und geküsst und mir gesagt, dass ich für ihn eine wundervolle Frau wäre."
„Muss wohl ein sehr zärtlicher Liebhaber sein, dein Jens", Esmeralda klang etwas misstrauisch.
„Komm, ich koche uns einen Tee. Wir können sowieso nicht mehr schlafen. Bald beginnt unsere Frühschicht. Erzähl mir jedes Detail."
Esmeralda stand auf und füllte den Wasserkocher für den Tee auf, bevor sie ins Bad ging.
Leben ohne Sanira
Esmeralda war im Nachtdienst. Julia und Jens hatten frei und waren zusammen. Es war sehr ruhig auf der Station. Nachdem vor der allgemeinen Nachtruhe alle Patienten versorgt worden waren und sie alle Medikamente für die Nacht an die Patienten ausgegeben hatte, begab sie sich ins Schwesternzimmer, nahm sie sich eine Illustrierte, die ein Patient zurückgelassen hatte. Während sie die Seiten des Magazins durchblätterte hörte sie Radiomusik, bis eine männliche, neutral klingende Stimme die Musik unterbrach:
„Achtung Autofahrer!
Auf der A 6, zwischen Frankfurt und Darmstadt, gab es einen tragischen Auffahrunfall, in den mehrere Fahrzeuge verwickelt wurden. Ein Lastkraftwagen hatte plötzlich in einer uneinsehbaren Kurve gebremst, um vor einem unerwarteten, vor ihm liegenden Stau, anhalten zu können. Folgende Fahrzeuge waren nicht mehr in der Lage rechtzeitig zu stoppen. Aufgrund der Auffahrunfälle ist die Fahrbahn auf beiden Seiten der Autobahn gesperrt. Wir bitten die Autofahren, die sich auf der A 6, zwischen Frankfurt und Darmstadt befinden, wegen Aufräumarbeiten, auf die A 61 Richtung Mainz-Frankfurt, auszuweichen."
Esmeralda nahm diese Nachricht kaum zur Kenntnis.
Ihre Station lag auf der gleichen Etage wie die Notaufnahme. Mit einem Ruck flog die Tür zum Schwesternzimmer auf.
„Komm Esmeralda, wir werden in der Notaufnahme gebraucht. Es gab fürchterliche Unfälle auf der Autobahn. Viele Verletzte werden gebracht!"
Samuel, ein Pfleger, man nannte ihn Sam, stand in der Tür. Esmeralda eilte mit ihm durch den Flur zur Notaufnahme. Als sich die schwere undurchsichtige Milchglastür zur Notaufnahme automatisch öffnete hatte, klangen hektische, wirre Stimmen und quietschende Geräusche von eilig geschobenen Tragen durch den Flur. Die verletzten Menschen auf den fahrbaren Krankenliegen hatten teilweise blutende Verletzungen auf ihren Körpern. Von einigen Verletzten tropfte Blut aus Wunden von ihren Gesichtern auf den Fußboden. Bei anderen hingen die Arme schlaff herunter. Andere wurden mit Verbänden an Kopf und Körper auf Rollstühlen zur Notaufnahme geschoben. Die riesige Tür, die zum Ausgang zur Straße führte, war weit offen und bot den Blick auf mehrere Krankenwagen mit grell aufleuchtenden Scheinwerfern. Esmeralda rannte mit Sam zum diensthabenden Notarzt.
„Geht beide in den Raum 2 A. Da liegen zwei Schwerverletzte, die schnellstens versorgt werden müssen. Dr. Fischer ist dort. Er wird Euch Anweisungen geben. Schnell, beeilt Euch!" befahl er, während er eine bewusstlose Frau untersuchte.
Esmeralda und Sam eilten zu ihrem angewiesenen Platz.
Im Raum 2 A lagen auf den Krankenligen eine Frau und daneben ein Mann, beide ohne Bewusstsein. Die Frau hatte einen dunklen Teint. Bei dem Anblick erschrak Esmeralda und hörte ihren Pulsschlag hinter ihren Schläfen pochen. Neben der Frau lag ein Mann. Ein weißer, blonder Mann. Er trug eine Sauerstoffmaske auf dem Gesicht, so dass Esmeralda sein Gesicht nicht genau erkennen konnte. Sie trat näher an die Liege der Frau und erkannte ihre Mutter. Mit geschlossenen Augen schien Sanira nicht zu atmen. Dann blickte Esmeralda auf den Mann. Tatsächlich! Es war ihr Vater.
„Messt den Blutdruck der Beiden. Schnellstens, jede Minute ist lebenswichtig! Sie sind direkt in den LKW reingefahren. Sie mussten von der Feuerwehr aus ihrem Autowrack herausgeschnitten werden. Hier habe ich das Antihistaminikum aufgezogen. Die Frau hat einen Schock. Esmeralda geben Sie ihr die Spritze."
Doch Esmeralda wurde es übel und schwarz vor den Augen. Sie verlor die Kontrolle über ihre Beine und sackte in sich zusammen, fiel auf den Boden, bevor sie ohnmächtig wurde.
„Was ist denn das für eine Krankenschwester? Wieso fällt sie zusammen wie ein Kartenhaus?"
Dr. Fischer war wütend.
Sam beugte sich über Esmeralda.
„Wach auf Esmeralda, was ist los?"
Dr. Fischer gab auch Esmeralda eine Injektion, nachdem er Sanira versorgt hatte. Langsam kam Esmeralda wieder zu sich.
„Meine Mami, … ist sie tot? Was ist mit meinem Vater?", stammelt sie mühsam hervor.
„Sind das Ihre Eltern?" Dr. Fischer begriff.
Schon stand Esmeralda wieder auf ihren Beinen und wollte zu ihren Eltern gehen. Doch Sam hielt sie zurück.
„Komm ruhe dich aus. Wir sorgen für sie. Es wird alles getan, um deine Eltern zu retten."
Aus den Augenwinkeln heraus beobachtete Esmeralda die helfenden Hände über ihren Eltern. Eine Schwester führte sie zurück in das Schwesternzimmer.
„Lege dich auf die Liege und ruhe dich aus. Wir übernehmen deinen Dienst. Gut, dass es auf unserer Station ruhig ist. Wenn wir Neuigkeiten wegen deinen Eltern haben, werden wir dich rufen. Bleib ruhig und versuche etwas zu schlafen."
Esmeralda war viel zu besorgt und zu nervös, um Ruhe zu finden. So entschied sie, wieder zur Notaufnahme zurück zu gehen. In 2 A sah sie, wie mehrere Ärzte um das Leben von Sanira kämpften.
„Sie hat keinen Herzschlag mehr!", rief eine Schwester.
Mit einer Maschine versuchten die Helfer ihr Herz zu reanimieren.
Nach dem ersten Elektroschlag bäumte sich Saniras Körper kurz auf und fiel wieder schlaff zurück auf den OP-Tisch. Nächster Versuch. Ein kurzer Laut. Wieder bäumte sich der schlaffe Körper von Sanira auf und fiel wieder leblos auf den OP-Tisch zurück. Die Ärzte und das Team wussten nun, dass es keinen Sinn mehr hatte. Das Signal der Herzschrittmaschine gab einen ununterbrochenen, in Esmeraldas Ohren, schrillen, nicht enden wollenden Ton, von sich. Das Signal des Todes.
Peters Leben konnte gerettet werden. Er saß am Steuer des Unglückswagens. Sanira wurde bei dem Aufprall zwischen ihrem Sitz und dem vorderen Teil des Cockpits eingeklemmt. Trotz der Abmilderung des Aufpralls, durch das Airbag, riss ihre Milz und unglücklicherweise drang eine gebrochene Rippe ihres Brustkorbes in ihre Lunge.
Esmeralda stand regungslos im Raum. Sie war traumatisiert. Sam bemerkte sie und führte sie aus dem Raum. Willenlos ließ sie sich von ihm führen. Er fuhr sie in seinem Auto nach Hause. Julia hatte von Sam von dem Unfall erfahren und wartete in ihrem Appartement auf Esmeralda. Sam nahm Esmeralda bei
