Ich genüge!: Befreiung von emotionalem und narzisstischem Missbrauch durch (Selbst-)Hypnose. Mit Yager-Code und Klicker-Transformations-Hypnose.
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Buchvorschau
Ich genüge! - Astrid Bartolot-Zips
Ich genüge!
Befreiung von emotionalem und narzisstischem Missbrauch durch (Selbst-)Hypnose
Mit Yager-Code und Klicker-Transformations-Hypnose
Autorin: Dr. Astrid Bartolot-Zips
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-903229-30-3
Satz, DTP & Umschlaggestaltung: Verlag delta X, Wien
Cover-Illustration: © Alessandro Gottardo
E-Book-Herstellung: Zeilenwert GmbH
Fotos Innenteil: Dr. Astrid Bartolot-Zips
Grafiken Seite 39 und 155: Nina Zips
Alle Rechte vorbehalten.
Kein Teil dieses Buches darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages vervielfältigt oder verbreitet werden. Das gilt insbesondere für die gewerbliche Vervielfältigung per Kopie, Übersetzungen sowie die Vervielfältigung auf CD-Rom und allen anderen elektronischen Datenträgern.
Astrid Bartolot-Zips
ICH GENÜGE!
Befreiung von emotionalem und narzisstischem
Missbrauch durch (Selbst-)Hypnose
Inhaltsverzeichnis
Cover
Impressum
Titel
Danksagung
Sicherheitshinweis
Zum Anliegen dieses Buches
Test für Ihr Selbstwertgefühl
Die Entstehung der Selbstwertlosigkeit
Die heilsame Kraft der Hypnose
Ausgeplaudert! Bitte nicht (nur) sprechen!
Hypnose: Psychotherapie mit einem Dritten im Bunde
Reden ist Silber, Hypnose ist Gold
Yager-Code für die Aktivierung des inneren Heilers
Neue und neu verstandene Paradigmata für die Psychotherapie
„Zentrum", eine über-bewusste Instanz
Konditionierung und Rekonditionierung
Unterteiltes Unterbewusstsein
Erfolge der Yager-Therapie
Wie funktioniert die Yager-Therapie praktisch?
Einschränkungen und Kontraindikationen
Erweiterungen zur Yager-Therapie
Kompliziertere Verläufe in der Yager-Therapie
Selbstbehandlung mittels Yager-Therapie
Behandlungsablauf – Selbstgespräche einmal anders
Alternative Kommunikation mit „Zentrum"
Die Idee der inneren Anteile („Ego-States): „Das Kind, die Kinder in mir
Innere Anteile adoptieren, großziehen und heilen
Gesunde Anteile sind immer reife Anteile
Prägungen und Glaubenssätze
Trauma verstehen
Symbiose-Trauma verstehen
Könnte ich von einem Symbiose-Trauma betroffen sein?
Die Übung vom Ur-Selbst
Wie können Bindungstraumata therapiert werden?
Die Regulation des Selbstwertes, der pathologische Narzissmus und seine Opfer
Was narzisstischer Missbrauch ist und wie er entsteht
Narzisstische Persönlichkeiten – was sie gefährlich macht
Grandioser Narzissmus: „Ich bin supertoll und du bist nichts"
Checkliste: So erkennen Sie grandiose Narzisst(inn)en
Vulnerabler Narzissmus: „Ich bin wertlos, aber du noch mehr"
Borderline-Struktur
Ursachen von Narzissmus
Gibt es eine Narzissmus-Epidemie?
Warum es mehr Narzissmus-Geschädigte als Narzissten gibt
Wie familiärer Narzissmus seine Opfer erzeugt
Wie narzisstische Vorgesetzte das Selbstwertgefühl zerstören
Narzisstische Manipulation: Gaslighting erkennen und beenden
Klicker-Transformations-Hypnose: Ich genüge!
Spezielle Sprechweise
Induktion
Vertiefung
Suggestibilitäts- und Compliance-Beweis
Altersregression zu Szene 1: Nicht genug sein
Altersregression zu Szene 2: Anders sein, nicht in Verbindung treten können
Altersregression zu Szene 3: Was ich am meisten will, kann ich nicht bekommen
Nach-Beelterung aller drei „Ego-States"
Korrektur der Glaubenssätze für die Jetzt-Zeit
Vertiefung, diverse positive Suggestionen
De-Hypnose und Reflexion
Andere Indikationen
Nonverbale Hypnose
Selbstwertgefühl und Glück
Gegensätze ziehen sich an: „The Human Magnet Syndrome" von Ross Rosenberg
Das Rosenberg-Kontinuum
Egozentrik trifft auf Empathie: Das NORT-EAST-Achsensystem
NORT (+1+2): der nonchalante omnipräsente richtungsweisende Typus
NORT (+4+5): der narzisstisch organisierte reflexionsdefizitäre Typus
EAST (–1–2): der empathisch altruistisch selbstwertgestärkte Typus
EAST (–4–5): der emotional ausgebeutete selbstwertdefizitäre Typus
Was sind spätere Probleme von Ko-Abhängigen (EAST–4–5)?
Narzisstische Beziehungen: Im Idealfall Trennung?
Durchhalte-Strategien: Die „Gray Rock Methode"
„Duo infernal": Können auch zwei Narzisst(inn)en zu einem Paar werden?
Die Heilung der Ko-Abhängigkeit: Halten Sie durch! Es geht!
„Observe, don’t absorb": Wie man narzisstischen Missbrauch beendet – und zwar konsequent
„Gray Rock versus „Observe Don’t Absorb
: Was ist besser?
Mehr Selbstfürsorge
Die vier Phasen der Befreiung
Ich genüge – so, wie ich bin
Wie helfe ich Freunden, die in narzisstischen Beziehungen stecken?
Meditation für die Aktivierung des inneren Heilers
Meditation als begleitende Selbst-Hilfe gegen die Ko-Abhängigkeit
Konvergenter und divergenter Fokus
Die acht Energiezentren
Übung: „Übernatürliche Atmung"
Sich aus alten Mustern lösen
Paartherapie
Imago-Paartherapie
Gelingende partnerschaftliche Kommunikation oder „Highway To Hell"?
Mehr aus den Geheimnissen glücklicher Ehen
Das neue Bild von Partnerschaft – jenseits der Ko-Abhängigkeit
Bis hierher: Eine Zusammenfassung
Statt eines Epilogs: Der Lohn der Arbeit an sich selbst: Superkräfte nach überstandenem narzisstischem Missbrauch
Zur Autorin
Anhang
Yager-Therapie-Fragebogen: Yager Subjective Effects Inventory (YSEI)
Statistische Untersuchung der Yager-Therapie
Brainspotting
Auflösung Fallbeispiel Ida: Frisch verliebt! – Ist er der Richtige?
Meditation für Gehirn-Herz-Kohärenz und höhere Bewusstseinsebenen
Meditation Zirbeldrüse (Bewusstseinswandel)
Literatur
Hör-Zitate auf YouTube
Endnoten
Danksagung
Ich bedanke mich bei meinem lieben Mann, der meine zeitliche und gedankliche Investition in dieses Buch stets unterstützte und mir mit Rat und Tat zur Seite stand. Sein Verständnis für konkrete und kontrollierte Abläufe unterstützen mich in jedem Lebensbereich sehr.
Ich bedanke mich auch bei meiner Tochter, auf die ich stolz bin. In der Reflexion über dieses Buch lieferte sie nicht nur ein Feuerwerk an guten Ideen, sondern steuerte auch die Grafiken und Abbildungen in meinem Auftrag bei. Sie verfügt über eine Reife, von der ich in ihrem Alter – 21 – nur träumen konnte und bewältigt die Herausforderungen ihres Lebens mit Eleganz und Charme.
Ich bedanke mich ebenfalls ganz besonders bei meinen Patient(inn)en, die mir unzählige Ideen, Rückmeldungen und interessante Denkanstöße lieferten, und die mir ihr Vertrauen schenken. Sie ermöglichen es mir, den wunderbarsten Beruf der Welt auszuüben und dabei stets neugierig und flexibel zu bleiben.
Sicherheitshinweis
Keines der dargestellten Therapieverfahren ersetzt die individuelle psychotherapeutische und/oder medizinische Behandlung durch qualifizierte Expert(inn)en. Die vorgeschlagenen Selbstbehandlungen dienen Ihrem Erkenntnisgewinn. Führen Sie diese nur dann aus, wenn Sie sich seelisch und geistig gesund fühlen. Die Autorin und der Verlag beabsichtigen weiters nicht, individuelle Diagnosen zu stellen oder Therapieempfehlungen zu geben.
Weder die Autorin noch der Verlag haften für eventuell ausbleibende Ergebnisse oder unerwünschte Folgen, auch nicht für etwaige Personen-, Sach- und Vermögensschäden.
Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und der Verbreitung sowie der Übersetzung, sind der Autorin und dem Verlag vorbehalten. Kein Teil dieses Buches soll in irgendeiner Form ohne schriftliche Genehmigung der Autorin reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Medien gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.
Zum Anliegen dieses Buches
Dieses Buch beschäftigt sich mit neuen Ansätzen für die Psychotherapie, speziell im Bereich der Hypnose. Es könnte auch heißen „Alles, von dem ich gerne hätte, dass meine Patienten und Patientinnen es wissen und verstehen". Dies bezieht sich einerseits auf die Techniken, mit denen ich bevorzugt arbeite, andererseits aber auch auf Fragestellungen des Selbstwertgefühls, die ich oft im Hintergrund der vorgestellten Symptom-Problematik in der Psychotherapie sehe.
Die Geschichte begann im Herbst 2014: „Elektrisiert hat mich damals ein E-Mail, das über eine Seminarveranstaltung zu einer „Subliminaltherapie nach Edwin Yager
informierte. Mit etwas Vorstellung darüber, wie diese Methode genau funktionieren könnte, flog ich in Begleitung meines Mannes nach Berlin (der sich dort ein Fußballmatch ansehen wollte). Ich hatte mir davor natürlich etliche verfügbare Therapie-Videos von Dr. Edwin Yager angesehen und war von dessen Ruhe und Präsenz sowie der Neuartigkeit seines Ansatzes fasziniert.
Meine Erwartungen wurden in keiner Weise enttäuscht. Abgesehen davon, dass die von Dr. Norbert Preetz organisierte Seminarveranstaltung außerordentlich professionell aufgezogen war (Simultan-Dolmetsch-Team), mit der Möglichkeit, via Kopfhörer zwischen Original-Englisch und Übersetzungs-Deutsch zu wechseln, fand ich die Hypnose-Arbeit Yagers sehr beeindruckend.
Während also mein Mann in Berlin Museen besuchte, ein bisschen shoppte und auf den Rängen bei dem Fußballmatch sehr frieren musste, kam ich im Rahmen dieses Seminars erstmals in den Kontakt mit unbewussten (bzw. über-bewussten) seelischen Heilkräften, die jenseits der Sprache psychotherapeutisch wirken können – dem „Yager-Code".
Obwohl ich mich als „schnelle Lernerin betrachten würde, muss ich rückblickend sagen, dass ich den Yager-Code in der ersten Zeit meiner eigenen Anwendungen noch nicht ganz verstanden hatte. Der Paradigmenwechsel war zu radikal. Anstatt auf Bewusstwerdung und Verstandesleistung setzt diese Therapiemethode nämlich auf die Heilkräfte einer intuitiven Intelligenz, die jedem Menschen eigen ist. Eine Art „innerer Heiler
oder „innere Heilerin", dessen/deren inhaltliche Vorgehensweise nicht verstanden werden muss – ja, nicht einmal verstanden werden kann –, bietet den Zugang zur eigenen Psyche. Die Arbeit besteht in einer Art Kommunikation zwischen dieser intuitiven Intelligenz und verletzten inneren Anteilen, die sich durch negative Erfahrungen abgespeichert haben.
In den 6 Jahren meiner bisherigen Arbeit mit dem Yager-Code konnte ich meine Erfolge mit der Methode stetig steigern. Staunend nahm ich eines wahr: Je radikaler wir die innerpsychische Arbeit dem „inneren Heiler überlassen, umso besser. Dies war der Punkt, für den sich mein Verständnis erst entwickeln musste. Wie man diese Arbeit auch entgegen etwaiger unbewusster Selbstsabotage anleitet, werde ich in diesem Buch darstellen. Und auch, wie man für sich selbst damit arbeiten kann. Besonders wichtig ist hierbei die Überzeugung, dass Therapeut(inn)en (bzw. der bewusste Verstand) den persönlichen Heilungsweg nicht wissen, kennen und verstehen können – unser „innerer Heiler
hingegen genau weiß, was zu tun ist, um verletzte innere Anteile zu sanieren (entstanden etwa durch Traumata) und Symptome zu heilen.
Da ich eine besondere Freude damit habe, in der Psychotherapie einen reichen Methodenkoffer zur Verfügung zu haben, entwickelte ich 2018 noch eine eigene Anwendungsform der Hypnose („Klicker-Transformations-Hypnose"), die mehr mit erkenntnismäßiger Aufdeckung und Bewusstwerdung arbeitet. Ich sehe die beiden Methoden als einander ergänzend, und vor allem bringen sie Variationen in den therapeutischen Prozess, die oft sehr wichtig sind.
Vor allem kann ich sie dafür einsetzen, um meinen Patienten und Patientinnen dabei zu helfen, ihre gesunde Selbstwertschätzung zu stärken.
Als klinische Psychologin und Psychotherapeutin bin ich mit allen möglichen Fragestellungen befasst. Bei Ängsten, Depressionen, Süchten oder psychosomatischen Erkrankungen findet sich im Hintergrund öfters eine zu schwach ausgeprägte Selbstfürsorge als Mit-Ursache. Nicht selten ist diese durch emotional-narzisstischen Missbrauch verloren gegangen. Dieser kann oft vor langer Zeit passiert sein: in der Familie, Schule, Peergroup – oder auch in einer früheren Paarbeziehung. Diese Beziehungs- und Bindungstraumata wirken auf das spätere Leben nach. Sie können zu innerer Unruhe führen und unser autonomes, unwillkürliches Nervensystem in einen Alarmzustand versetzen. Ständiges Gedankenkreisen, Unruhe und Schlaflosigkeit sind die möglichen Folgen. Wenn wir nur an der Oberfläche der offensichtlichen Beschwerdebilder herumkratzen, würden wir möglicherweise wichtige Hintergründe (z. B. Bindungstraumata) übersehen.
In meiner therapeutischen Arbeit widme ich mich daher häufig dem Themenkomplex des „Nicht-Genug-Seins" – und der Korrektur der damit verbundenen negativen Glaubenssätze über sich selbst. Dafür habe ich auch die Klicker-Transformations-Hypnose entwickelt. Mit dieser Hypnosetechnik können geschockte und verletzte Ich-Anteile (also Bestandteile der eigenen Geschichte, die wir dennoch als einen Teil unserer Persönlichkeit betrachten müssen) behandelt und wieder in die Gesamtheit der Psyche integriert werden. Immer wieder gelingt es dabei, in tief unbewusste Bereiche vorzustoßen, was mit einer reinen Gesprächstherapie hingegen nicht möglich wäre.
Es erfüllt mich mit großer Freude, wenn ich meinen, oft hochsensiblen, Patient(inn)en vermitteln kann, dass sie an ihren Symptomen nicht „schuld" sind. Es handelt sich nicht um persönliches Versagen oder Schwäche. Im Gegenteil: Ihr hoch intuitives und enorm lernfähiges Kinder-Ich hat – oft vor langen Zeiten – Botschaften aus der Umgebung erhalten, die sie auf den falschen Weg geführt haben. Diese Einsicht bedeutet jedoch nicht, dass Betroffene in einer wehleidigen Opferhaltung verbleiben und sich nicht weiterentwickeln können. Methoden zu vermitteln, mit denen man seine Selbstwertschätzung eigenständig wieder fördern kann, war mir eine wichtige Motivation für die Verfassung dieses Buches.
Einige Anmerkungen zur Verwendung:
Anmerkung 1:
Wie Sie bemerken werden, entstammen etliche der zitierten Quellen, insbesondere zum Thema Narzissmus, dessen Dynamik ich im Hintergrund der Selbstwertstörungen oft entdecke, öffentlich zugänglichen YouTube-Videos. Denn:
1) Dazu findet sich (auch!) qualitätsvolle und aktuelle Information im Internet;
2) Für meine Leser(innen) entsteht der Vorteil, dass sie unmittelbar im Internet „nachhören" können, um sich intensiver mit dem Thema zu befassen, etwa, um gegebenenfalls eine eigene Betroffenheit festzustellen.
Ich beziehe mich auf Familienmitglieder in den dargestellten Fallgeschichten zumeist als „möglicherweise mit starken narzisstischen Zügen". Da diese Nahestehenden nicht persönlich anwesend sind, verbietet es sich, sie fern zu diagnostizieren. Selbstverständlich sind alle Fallgeschichten anonymisiert (mit falschem Namen), und unwichtigere Details sind soweit verändert worden, dass ein direktes Wiedererkennen der jeweiligen Person verhindert werden kann.
Anmerkung 2:
Was ist das Ziel der Behandlung? Worin besteht die Kur? Führt sie zur Selbstliebe? Auch wenn viele Menschen diesen Begriff sehr unschuldig verwenden und damit dem recht nahe kommen, was ich als Therapieziel ansehe, würde ich sagen: hoffentlich nicht.
Denn die Unterscheidung zu einer narzisstisch-selbstmitleidigen und um sich selbst kreisenden Eigenbetrachtung wäre mir hier zu schwammig. Und all dies ist definitiv nicht unser Ziel, und steht auch nicht für seelische Gesundheit. „Selbstliebe käme zu schnell in den Geruch der Dynamik rund um den selbstverliebten Narziss aus der griechischen Mythologie, der in der äußeren Spiegelung seiner selbst auf eine fehlgeleitete libidinöse Besetzung für seine eigene Person stößt. Wer sein Selbstgefühl auf das Ausmaß von Aufmerksamkeit und Bestätigung aufbaut, das ihm von der Umwelt entgegengebracht wird, ist auf dem Holzweg – und erst recht, wer sich davon abhängig macht. Ein Beispiel: Wenn ich in einer kontroversiellen Diskussion meinen „Erfolg
darin sehe, hohe Gesprächsanteile zu verbuchen oder Zustimmung zu erhalten, bin ich nicht bei der Sache, sondern bei mir selbst. Für andere ist dies zumeist langweilig.
Zurück zur Selbstliebe: „Liebe bezieht sich meines Erachtens stets auf etwas außerhalb unserer selbst: einen Menschen, ein Tier, eine Pflanze, für manche ist es Gott, dem sie Liebe entgegenbringen. Auch die philosophische Unterscheidung in „Agape
(von Gott inspirierte, uneigennützige und mitleidige Liebe), „Philia (freundschaftliche Liebe, gelingender kommunikativer Austausch etc.) und „Eros
(die sexuelle Liebe) bezieht sich jeweils auf ein „Du" (in einer guten Partnerschaft sind diese drei vereint). Das bedeutet immer, dass ich mit Einflüssen von außen einen – hoffentlich produktiven – Umgang finde, der mich selbst ebenfalls bereichert. Dagegen ist natürlich absolut nichts einzuwenden, im Gegenteil. Ich glaube jedoch, dass keiner dieser Begriffe dafür geeignet ist, das gute Verhältnis zu sich selbst zu beschreiben.
Ich arbeite daher hauptsächlich mit den Bezeichnungen „Selbstwertschätzung und „Selbstfürsorge
. Die Selbstwertschätzung eines Menschen ist z. B. dann gut zu erkennen, wenn es um Abgrenzungsverhalten geht. Wie man sich behandeln lässt – oder eben nicht. Wer eine fundierte Selbstwertschätzung vorzuweisen hat, ist, durch jahrelanges Training, versiert darin, sich abzugrenzen, falls notwendig. Also „nein" zu sagen oder jemanden in die Schranken zu weisen. Im Idealfall existiert dafür eine ganze Klaviatur an Möglichkeiten. Die Grenzziehung kann also etwa, so oft wie möglich, sehr gnädig, respektvoll, humorvoll, über mehrere Umwege oder liebevoll-charmant erfolgen. Andere Male muss sie äußerst klar, unmissverständlich und im Notfall auch einmal scharf, sogar drohend oder angriffig platziert werden – je nachdem, was die Umstände erfordern.
Die gelingende Selbstfürsorge zeigt sich in weitgehend bestehender Gesundheit, und zwar psychischer und physischer Natur. Seelisch hat man Ausgleichsmöglichkeiten für Stress gefunden, hauptsächlich in einer starken Verankerung innerhalb der eigenen Identität. Ich weiß also, wer ich bin und was ich brauche. Der Halt, den ich mir selbst gebe, kann durch die Anbindung an etwas Höheres mitbegründet sein, etwa durch Spiritualität und Religiosität. Denken und Fühlen sind eher positiv, so wird jede Gelegenheit genutzt, Freude, Dankbarkeit und Begeisterung zu empfinden, auch für Kleinigkeiten. Humor kann eine entscheidende Rolle spielen, Lachen ist heilsam. Selbstfürsorge bedeutet aber auch eine tragfähige Work-Life-Balance gefunden zu haben, die Be- und Entlastungsphasen kombiniert. Wer auf dem zweiten Bildungsweg ein anstrengendes Studium absolviert, kann immer noch im Bereich der Selbstfürsorge agieren, solange die Belastung nicht auf unbegrenzte Zeit anhält und am Schluss eine substanzielle Verbesserung der Lebenssituation erzielt wurde.
Gesunde Ernährung, Sport und Bewegung sowie eine vernünftige Pflege des eigenen Erscheinungsbildes sind Teil davon. Ich wähle für mein Leben also das aus, was für mich wahrhaft gut ist – übrigens auch im Beziehungssektor, um den sich dieses Buch hauptsächlich kümmern wird.
Begleiten Sie mich also bitte auf einer Reise zu einem stimmigen und gesunden Verhältnis zu sich selbst!
Test für Ihr Selbstwertgefühl
Es geht also um die Selbstwertschätzung und die gesunde Selbstfürsorge. Diese können der Dreh- und Angelpunkt für ein glückliches Leben sein. Mit dem nachfolgenden Test können Sie sich in Bezug darauf einschätzen. Je ehrlicher Sie die folgenden Testfragen mit „Ja oder „Nein
beantworten, umso aufschlussreicher wird dieser kleine Selbst-Test für Sie sein. Wir prüfen hier die ungefähre Stärke Ihres Selbstwertgefühls und Ihrer Selbstfürsorge. Sollte Ihr ehrlicher Selbst-Test ein verbesserungswürdiges Ergebnis erbringen, heißt dies, dass Ihnen eine Beschäftigung mit diesem Thema guttun würde – egal, um welches Defizit es sich genau handelt.
Geben Sie bitte für jede „JA"-Angabe einen Pluspunkt:
1) Ich fühle mich meistens wohl in meiner Haut.
2) Mit dem Verlauf meines bisherigen Lebens bin ich zufrieden.
3) Ich glaube, dass ich beliebt bin.
4) Ich bin hilfsbereit.
5) Wertschätzung, Lob und Anerkennung für andere spreche ich offen aus.
6) Ich achte darauf, auch andere zu Wort kommen zu lassen und sie nicht zu verletzen.
7) Ich denke, dass ich erfolgreich bin.
8) Ich betrachte mich als konfliktfähig.
9) In Geldangelegenheiten komme ich gut zurecht.
10) Ich halte mich als Partner(in) für begehrenswert.
11) Mit dem, was ich im Spiegel sehe, kann ich leben, ohne mich ständig zu vergleichen.
12) Ich achte auf meinen Körper, meine Gesundheit, meine Ernährung und meine Fitness.
13) Mit allen Suchtmitteln (auch Essen!) habe ich einen moderaten Umgang.
14) Mit meiner Herkunftsfamilie habe ich ein recht liebevolles Verhältnis (oder Gedenken).
15) Ich habe gelungene Kinder und ein gutes Verhältnis zu ihnen.
16) Im Wesentlichen denke ich, dass meine Berufstätigkeit meine größten persönlichen Stärken ausschöpft.
17) Ich habe Zeit für ein Hobby.
18) Ich habe – zumindest einen – verlässlichen Freundeskreis.
19) Mein allerbester Freund ist mein(e) (Ehe)partner(in).
20) Ich habe ein erfüllendes erotisches Leben mit meinem/r (Ehe)partner(in).
21) Viele Menschen in meinem Umfeld sehe ich positiv und kann ihre Stärken gut erkennen.
22) Wenn mich jemand ärgert, denke ich auch darüber nach, warum mich das berührt, und reflektiere mich selbst.
23) Ich blicke, trotz manch widriger Umstände, optimistisch in die Zukunft.
24) Eigentlich sagt niemand, dass ich übermäßig egoistisch wäre.
25) Ich lasse mich gern belehren, wenn jemand in einem Fachbereich eine hohe Kompetenz aufweist.
26) Ich kann mich entschuldigen und meine Fehler einsehen.
27) Rechthaberisch werde ich nur selten, etwa, wenn mir eine Sachlage extrem wichtig ist.
28) Ich kann mich gut abgrenzen und Nein sagen.
29) Ich habe keine Angst davor, eine andere Meinung zu vertreten.
30) Ich traue mich, in einer Gruppe oder auch in der Öffentlichkeit zu sprechen.
Geben Sie bitte für jede „JA" Antwort einen Minuspunkt:
1) Ich bin sehr misstrauisch.
2) Ich mache mir ständig Sorgen.
3) Ganz im Grunde denke ich, dass ich besser bin als andere.
4) Andere Menschen nerven mich schnell.
5) Mein Selbstwertgefühl und mein Selbstbild schwanken stark.
6) Ich habe sehr vieles, das ich wollte, in meinem Leben nicht erreicht.
7) Zu meinen Eltern habe ich ein gespanntes – oder kein – Verhältnis.
8) Ich habe Schulden, von denen ich nicht weiß, wie ich sie begleichen soll.
9) Ich kann meinen Körper nicht leiden.
10) Ich esse/rauche/trinke viel zu viel oder konsumiere andere Drogen.
11) Meine Partnerschaften halten nie lange.
12) Sport, Bewegung und gesunde Ernährung mag ich nicht.
13) Ich sehe in anderen Menschen zuerst das Schlechte.
14) Ich hasse es, wenn ich einen Fehler mache.
15) Ich hasse es, wenn andere einen Fehler machen.
16) Ich habe keine Partnerschaft, weil kaum jemand meinen Ansprüchen genügt.
17) Ich fühle mich unattraktiv.
18) Mein erotisches Leben ist nicht zufriedenstellend.
19) Meine Gedanken kreisen im Prinzip ununterbrochen um mich selbst.
20) Ich neige zu Empörung und Wut.
21) Es gefällt mir, wenn sich andere unterlegen fühlen.
22) Meine Kinder kann man vergessen.
23) Ich lüge oft, um mir Schwierigkeiten zu ersparen.
24) Macht und Status sind mir als Selbstzweck sehr wichtig – ob ausreichend vorhanden oder nicht.
25) Ich denke, dass man mich zu wenig beachtet.
26) Ich habe chronische gesundheitliche/psychische Probleme.
27) Ich würde nie in der Öffentlichkeit sprechen wollen.
28) Es ist mir oft passiert, dass man den Kontakt zu mir unerwartet abgebrochen hat („Ghosting").
29) Ich kann nicht verzeihen, wenn mich jemand gekränkt hat.
30) Ich entschuldige mich eigentlich nie.
Bitte ziehen Sie nun Ihre Minuspunkte von Ihren Pluspunkten ab und errechnen Sie Ihr Ergebnis:
Minus-Bereich: Oje! Dies zu erörtern, erübrigt sich wohl. Bitte kümmern Sie sich dringend um Ihre Selbstwertschätzung! Sie leben weit unter Ihren Möglichkeiten.
Plus-Bereich bis 5: Ein Anfang ist gesetzt! Sie haben aber noch viele Steigerungsstufen.
Plus-Bereich bis 20: Nicht schlecht! Bestimmt können Sie aber durch ein Coaching oder anderweitiges Arbeiten an Ihren Themen noch mehr erreichen. Bleiben Sie dran!
Plus-Bereich ab 20: Gratulation, Sie sind gut aufgestellt! Vielleicht hatten Sie das Glück, sehr liebevoll und dennoch Halt gebend aufgewachsen zu sein. Wenn nicht, so ist dieses Ergebnis allein Ihr Verdienst, der Lohn für die Arbeit, die Sie an sich vollzogen haben, in welcher Form auch immer. Weiter so!
Dieser kleine Selbst-Test ist natürlich leicht durchschaubar. Er steht und fällt damit, dass Sie zu sich ehrlich sind. Führen Sie den Test bitte allein durch. Sie müssen das momentane Ergebnis mit niemandem teilen oder nur mit Ihrem Therapeuten oder Ihrer Therapeutin.
Die Entstehung der Selbstwertlosigkeit
Das Leben funktioniert leider nicht immer so rund und geschickt, wie man sich das vorstellen mag. Und gerade um die „Selbstwertlosigkeit" zu verstehen, müssen wir einen Schritt zurück machen – von allerhand schönen Ideen rund um die Fülle des Lebens zur manchmal unschönen Realität.
Die von mir behandelte Selbstwert-Problematik liegt immer in einer chronifizierten Haltung der Selbstwertlosigkeit, die sehr leidvolle, tiefe Schamgefühle, pathologische Einsamkeitsgefühle und eine permanent niedrige Selbstakzeptanz inkludiert. Ich sehe dies am häufigsten als Folge eines emotionalen Missbrauchs, der oft in der Kindheit beginnt.
Warum sonst widmet sich eine so erfahrene wie erfolgreiche Psychotherapeutin wie die später zu erwähnende Marisa Peer dem Thema der Selbstwertlosigkeit so grundlegend? Warum erkennt sie darin die Quelle zahlreicher psychischer Probleme wie Depression, Angst und Sucht? Tatsächlich ist das „Nicht genug sein" der ideale Nährboden für verschiedenste psychische Symptome.
Aber wodurch entsteht eigentlich dieser Bruch im Wertgefühl eines Menschen, da er ganz sicherlich nicht angeboren ist?
Wenn man so wie ich als Therapeutin mit der Klicker-Transformations-Hypnose arbeitet, ist man oft überrascht, auf welche Szenen man in der hypnotischen Altersregression stößt. Bevor wir uns den ganz tiefen Wurzeln, die in der Familiendynamik der Primärfamilie liegen, zuwenden, lassen Sie uns auf diese Vielfalt etwas eingehen.
Aus meiner Sicht gibt es drei weitere, aber unterschätzte Bereiche als Quelle für einen Bruch im Selbstwertgefühl: Schule, Geschwister und Peers (Gleichaltrigengruppe).
FALLBEISPIEL BARBARA
Barbara, 33, kam wegen übermäßiger Eifersucht in Bezug auf ihren Partner in die Therapie. In ihrem Leben, so musste Barbara mit der Zeit feststellen, stimmte aber so einiges nicht: Es bestand aus Job, Hausarbeit und Versorgung ihres Partners (Einkaufen, Kochen, Jause mitgeben etc.). Bei all diesen Angelegenheiten war sie zudem äußerst perfektionistisch. Auch wenn es ihr Partner gewollt hätte: Wäsche und Geschirr durfte er gar nicht angreifen, weil Barbara für alles eine ganz spezielle Ordnung hatte. Für Entspannung, Freude sowie Interessen und Hobbys war in diesem Leben kein Platz. Im Zuge unserer Zusammenarbeit, die auch aus etlichen therapeutischen Gesprächen bestand, wurde ihr allerdings klar, dass sie Sport als Ausgleich zu ihrer anstrengenden, geistigen, sitzenden Tätigkeit unbedingt benötigte. Barbara begann zu laufen, zu radeln
