Über dieses E-Book
Adi Hübel
Adi Hübel lebt und arbeitet in Ulm. Sie betrieb einige Jahre ein kleines Theater. Seit längerem befasst sie sich mit dem Schreiben von Gedichten und Romanen. Sie hat zwei Ulm-Krimis herausgebracht, sowie einige Bände mit Kurzgeschichten. Zuletzt schrieb sie zusammen mit einem Kollegen 42 Geschichten zu jeweils dem gleichen Thema. Ihre Erzählungen sind auch in mehreren Anthologien veröffentlich. Ihr neues Buch handelt von einer Frau, die nach einem Gefängnisaufenthalt durch die oberschwäbische Landschaft wandert und endlich wieder die Freiheit genießt. Ein Roadmovie der besonderen Art!
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Buchvorschau
Der Hund muss weg - Adi Hübel
Impressum
Autor:
Adi Hübel
Titel:
Der Hund muss weg
Coverdesign: © Stephan Werner
Verlag: © nexx verlag gmbh, 2015 (www.nexx-verlag.de).
Alle Rechte vorbehalten.
Überarbeitete Ausgabe. Erscheinungstermin: März 2015
ISBN/EAN: 9783958702592
Personen und Handlung sind frei erfunden.
Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen
sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.
1
Die Türen schlossen sich fast lautlos. Der sanfte Druck des anfahrenden Zuges war kaum zu spüren. Die meisten Fahrgäste hatten ihre Plätze eingenommen und ihr Gepäck in der Ablage verstaut. Eine Reisende, die ein kleines Köfferchen hinter sich herziehend den Gang entlangschritt, blieb suchend stehen und blickte von oben auf die junge Frau, die den Fensterplatz einnahm.
Kiki Wunder hatte die Abfahrt des Zuges mit einem Blick auf den langsam entschwindenden Bahnsteig registriert. Sie ließ sich entspannt in den Sitz sinken. Endlich Urlaub! Drei Wochen Urlaub! Sie seufzte genüsslich.
Sie sah hoch, als die Frau neben ihr stehen blieb. Offensichtlich wollte diese sich auf den freien Sitzplatz neben sie setzen.
Kiki musste in Stuttgart umsteigen und hatte deshalb ihren Koffer einfach neben sich hinter den vorderen Sitz geklemmt. Sie lächelte die Frau freundlich an, zeigte auf ihren Koffer und zuckte bedauernd mit den Schultern.
Das Abteil war nur halb voll. In Ulm waren nicht sehr viele Reisende zugestiegen. Schräg über den Gang war noch ein Sitzplatz frei, auf dem die Dame, als solche bezeichnete Kiki bei sich die Reisende mit dem Köfferchen, dann Platz nahm.
Eine interessante Erscheinung, diese Frau. Um die fünfzig mochte sie sein. Sie hatte eine tolle Figur. Die Haare glänzten in hellem Naturblond und schmiegten sich luftig in einer Welle nach innen. Die Frisur erinnerte Kiki unwillkürlich an Marylin Monroe in einem ihrer Filme. Bewundernd registrierte Kiki, dass die Reisende teuer bis superteuer gekleidet war. Kiki kam sich in ihrer extra für die Reise gewählten Alltagskleidung, einer bequemen Hose und der alten Lederjacke, neben einer solch eleganten Erscheinung etwas schäbig vor. Hätte sie gewusst, dass sie mit dieser Frau noch näher zu tun bekommen würde, hätte sie sie wahrscheinlich noch intensiver betrachtet.
Sie legte sich die Tageszeitung zurecht und dachte an ihr Zuhause, das sie der Obhut einer Nachbarin anvertraut hatte. Zuerst hatte sie ihre Freundin und Kollegin Franziska Großmann gefragt, ob sie ihr die Blumen gießen und die Post versorgen würde. Die Zeitungen überließ sie gerne einer karitativen Einrichtung. Bei ihrem Beruf war es ihr ganz recht, dass die Insassen des Untersuchungsgefängnisses für drei Wochen von ihrer Zeitung profitierten.
Als sie gestern Abend bei Franzi und Philip anrief, waren die beiden gerne bereit gewesen, den Dienst zu übernehmen. Allerdings klang Franziska verschnupft und klagte über eine angehende Grippe. Aber trotzdem, es sei kein Problem. Sie und Philip könnten sich ja abwechseln. Kiki hatte gehört, wie Philip im Hintergrund mit dem Hund herumalberte. Ja, die beiden und ihr Hund! Wieder einmal beneidete sie das Paar um ihr gutes Verhältnis zueinander. Ein Paar wie aus dem Bilderbuch, war die Meinung vieler Kollegen. Die beiden hatten sich bei der Kriminalpolizei kennengelernt und waren seit einigen Jahren verheiratet.
Kiki hatte bei ihnen nur vorgefühlt, dann aber auf dem Weg zum Bäcker noch die Nachbarin angesprochen. Die hatte äußerst bereitwillig zugesagt. Franzi war bei der Absage dann keinesfalls beleidigt. Sie wohnten am Eselsberg hätten aber mit dem Rad einen Schlenker nach Söflingen machen können. Aber so war es auch in Ordnung. Die beiden hatten ihr eine stressfreie Reise und eine gute Erholung gewünscht. Das konnte sie brauchen.
Kiki verreiste gerne, leider nicht allzu oft. Sie war nicht die Einzige im Haus, die für längere Zeit abwesend war. Es war purer Zufall, dass sie gleichzeitig mit ihrer Vermieterin drei Wochen weg sein würde. Sie musste schmunzeln, als sie an gestern dachte. Vom Balkon des ersten Stockwerks hatte Frau Zummermann nach ihr gerufen und sie zu sich hoch gebeten. Es passte wunderbar zu ihr, dass sie, die zu einer Kur nach Bad Waldsee fuhr, ihre beiden Koffer nicht schließen konnte. Zwei große Koffer für gerade mal drei Wochen! Kiki sollte ihr dabei behilflich sein, die Kleiderberge zusammenzupressen. Und es gelang mit vereinten Kräften.
Sie hatten ein gutes, fast freundschaftliches Verhältnis, ihre Vermieterin und sie, obwohl Frau Zummermann gute vierzig Jahre älter war. Wie alt sie wirklich war, hatte Kiki noch nicht in Erfahrung bringen können.
So hatten sie heute Ulm beide verlassen, Kiki zuerst nach Berlin zu ihrer Familie und anschließend an die Ostsee, Frau Zummermann zur Kur in die andere Richtung ins nicht so ferne Allgäu.
Karoline ärgerte sich. Konnten die Reisenden ihre riesigen Koffer nicht vorne am Anfang des Waggons abstellen? Wozu gab es in den ICEs die Gepäckablagen? Zugegeben, sie waren keineswegs ausreichend.
Das Abteil war nicht voll. Trotzdem, diese junge Frau hätte ihren Koffer nicht unbedingt zwischen die Sitze quetschen müssen. Aber manche Menschen brauchten den Blick auf ihr Eigentum. Wahrscheinlich hatten sie Angst, es könnte alles verschwinden, wenn sie nicht ein Auge darauf hätten.
Ach, was soll’s, dachte sie, meine Handtasche hätte ja auch gereicht, aber ich musste unbedingt mein kleines Köfferchen mitschleppen. Sie schloss die Augen und dachte an Günther. Wie schön, dass sie sich wieder treffen konnten. Günther war mit dem Auto zu seiner Tagung gefahren, sie fuhr mit der Bahn. Und beide hatten sie das gleiche Ziel: ein Bett in Stuttgart. Sie musste schmunzeln, wenn sie daran dachte. Im gleichen Moment sah sie Rudolf vor sich, wie er sie beim Frühstück angeschaut hatte. Er hatte nur kurz und wortlos die Zeitung gesenkt. Anscheinend hatte er den Geburtstag einer Stuttgarter Freundin, zu dem sie fahren würde, geschluckt. Ehemänner sollten nicht zu vertrauensselig sein, hatte sie innerlich grinsend gedacht und ihn mit unschuldiger Miene angelächelt.
Sie war zufrieden, einen Sitzplatz gefunden zu haben. Eigentlich wollte sie ja mit dem Wagen fahren, hatte sich dann doch anders entschieden. Die Fahrt im Zug war bequemer. Sie konnte sich zurücklehnen und über ihre Situation nachdenken. Es war ihr nicht ganz geheuer, dass auch Anke, ihre Freundin und Günthers Frau, bis heute nichts von ihrem Verhältnis mit Günther gemerkt haben sollte. Aber Anke war längere Zeit in der Klinik gewesen und war erst seit Kurzem wieder zu Hause. Man würde sehen, wie sich das ganze entwickelte. Von Scheidung war zwischen ihr und Günther schon lange die Rede. Bis heute war es allerdings bei gewissen Überlegungen geblieben. Ihre Treffen waren meist viel zu kurz, um sich außerhalb des Hotels mit intensiven Planungen zu befassen.
Auch das nachbarschaftliche Verhältnis zwischen ihr und Günther, das sie in Ulm pflegten, durfte nicht zu intim wirken. Zum Glück war Günthers Tochter nicht mehr in Ulm, auch wenn Anke ihr Kind nur schweren Herzens ziehen ließ, wie sie immer wieder betont hatte. Karoline war froh gewesen, als sie hörte, dass dieses, jetzt schon den Kinderschuhen entwachsene Kind einen Studienplatz in Hamburg bekam. Wenn sie ehrlich war, hatte sie diese verwöhnte Göre nie gemocht. Und eine Tochter, die sie und Günther immer im Auge behielt, hätte ihr gerade noch gefehlt.
Wie auch immer, sie fühlte sich verliebt wie lange nicht.
Der Halt in Stuttgart wurde angesagt. Kiki und die Frau mit dem Köfferchen standen fast zeitgleich auf und gingen dem Ausgang zu. Kiki hatte Mühe, ihren großen Reisekoffer vor sich herzuschieben und sah neidvoll das winzige Handgepäck der Mitreisenden, das diese leicht über den Ausstieg hob. Die Dame war wohl schon am Ziel angekommen.
2
„Nicht weggehen", Karoline murmelte es mehr zu sich selbst. Sie blinzelte träge in seine Richtung. Während sie sich auf den Bauch drehte, tastete sie über das feuchte, zerknüllte Leinen. Zärtlich strich sie Günther mit den Fingernägeln die Wirbelsäule entlang abwärts. Im dämmerigen Licht der Jalousien saß er nach vorne gebeugt auf dem Rand des Bettes.
„Tja, für heute sind unsere heißen Stunden wieder einmal vorbei. Er griff nach ihrer Hand und zog sie nach vorne auf seinen Bauch. „Du kratzt ganz schön, du Raubkatze, du!
„Ach komm, wieso hast du es denn so eilig? Sie robbte sich an seinen Rücken heran und begann ihn mit kleinen Bissen zu malträtieren. „Nur noch einmal. Hm, du schmeckst gut. Bitte, komm noch einmal zu mir, wer weiß, wann wir uns wieder treffen. Immerhin ist Anke jetzt dann wieder zu Hause und da werden wir es nicht mehr so einfach haben.
„Au, au, lass das!" Er wehrte sich spielerisch, ließ sich dann aber doch rückwärts auf sie fallen. Sie fasste es als Einverständnis auf und begann wild mit ihm zu kämpfen.
„Ja, ich bin eine Raubkatze, und wenn du nicht noch einmal mit mir schläfst, fresse ich dich auf." Lachend und kreischend tobten sie über das Bett, bis er sich mit einem Sprung ins Badezimmer rettete.
„Oh nein, du bist ja so gemein! Komm raus da." Sie hämmerte mit beiden Fäusten gegen die verschlossene Tür.
„Ich muss weg", hörte sie ihn von innen rufen.
Schmollend warf sie sich aufs Bett.
„Immer musst du weg! Wie ich das hasse. Sie schrie ihren Frust gegen die Badezimmertüre. „Ich will das nicht mehr hören. Ich will bei dir sein, immer bei dir sein, immer, immer.
Sie zog das Leintuch zwischen die Beine. Sie hatte noch nicht genug von ihm. Mit beiden Händen streichelte sie ihre Brüste. Mein Gott ja, sie war knapp über fünfzig, aber an denen gab es nichts auszusetzen. Und an allem anderen auch nicht. Sie drehte sich zur Seite und schaute sehnsüchtig zur Tür des Badezimmers. Sie stellte sich vor, wie er sich kurz unter der Dusche abbrauste, sich in aller Eile abtrocknete und dann in Hemd und Hose schlüpfte.
Wenigstens hatte er sich heute mehr Zeit genommen. Atemlos, verschwitzt und erschöpft waren sie nebeneinander gelegen. Sie hatte ihn ins Ohrläppchen gebissen und ihm das Wörtchen wann ins Ohr geflüstert.
Wann, ja wann würde er seiner Frau die Wahrheit über sie beide sagen. Sie wollte nicht mehr so weitermachen. Sie brauchte reinen Tisch. Diese Heimlichkeiten waren anfangs ganz aufregend gewesen, aber die letzte Zeit nervten sie sie zunehmend. Wir werden eine Lösung finden, gedulde dich noch ein wenig, hatte er sie immer wieder vertröstet. Ich muss nur einen passenden Moment abwarten, dann beichte ich es Anke.
Immer diese Ausflüchte! Heute hatte er dann angedeutet, dass er es nicht fertig brächte, sich von ihr scheiden zu lassen. Sie sei schwer krank und habe einiges durchgemacht. Weil Anke Krebs hatte, war von Scheidung also plötzlich nicht mehr die Rede.
„Das ist vielleicht ein Grund, die Trennung von ihr hinauszuziehen, aber noch lange kein Grund, mich immer wieder hinzuhalten", hatte sie sich beschwert.
„Ich will dich nicht hinhalten, ich will dich bei mir haben, meine Schönste. Ich stelle es mir jetzt nur ein wenig anders vor."
Und dann hatte er diesen Vorschlag gemacht. Bisher war immer von Scheidung die Rede gewesen. Nur von Scheidung. Und diese Scheidungen, es waren ja zwei, hatte sie sich noch nie sehr leicht vorgestellt. Eher im Gegenteil. Sie hatte ziemliche Angst davor. Sie war auch verheiratet und musste es Rudolf beibringen. Und Anke war schließlich ihre Freundin. Einfach würde das nicht werden, das wusste sie. Sie hatte immer darauf gewartet, dass Günther den ersten Schritt tun würde. Er sollte Anke endlich reinen Wein einschenken.
Diese ewige Heimlichtuerei. Sie hatte das so satt. Immer alles mit größter Vorsicht arrangieren. Keinen Blick riskieren. Kein Wort zu viel! Wütend schlug sie auf das Kissen neben sich ein. „Du Schuft!", schrie sie Richtung Badezimmertüre, doch kein Laut war zu hören.
Dann hatte er also diese andere Lösung ihres Problems, wie er das nannte, vorgeschlagen. Hatte sie sich tatsächlich auf den Pakt eingelassen? Glaubte er wirklich daran, dass damit ihr Problem gelöst wäre? Das konnte er nicht ernst meinen.
Aha, hatte sie bei seiner plötzlich aufgetauchten Rücksicht auf Ankes Krankheit gedacht, aha, jetzt kommen seine Bedenken. Er will mich gar nicht für immer bei sich haben. Dann hatte sie versucht, es positiv zu sehen. Er war eben ein rücksichtsvoller Mensch, der seine kranke Frau nicht einfach abservieren konnte.
Jetzt fragte sie sich allerdings, wie diese Fürsorglichkeit mit seinem Vorschlag zusammenpasste? Sie hatte zuerst gemeint, sich verhört zu haben, als er zögernd damit herausrückte. Er hatte sie so heiß geküsst und gestreichelt und ihr dazwischen Koseworte ins Ohr geflüstert.
„War das wirklich ernst gemeint?" Die Badezimmertüre war noch immer geschlossen, aber sie rief laut und fordernd.
„Was war ernst gemeint?" Er hörte sie also doch.
„Na, was du dir da ausgedacht hast. Du weißt schon, dein Vorschlag von vorher."
„Aber sicher, du hast doch zugestimmt."
Es stimmte, sie hatte ja gesagt. Sie hatte sogar geschworen mitzumachen. Beim Leben ihrer Mutter hatte sie geschworen. Ausgerechnet! Nicht einmal die Finger hatte sie hinter dem Rücken gekreuzt. Wie auch? Er war doch auf ihr gelegen und hatte sie überall geküsst und geküsst und ein Ja von ihr verlangt.
Er wolle nicht mehr so weiterleben. Es sei die einzige Möglichkeit, bald und für immer mit ihr zusammen zu sein. Wie gerne sie das hörte!
Und auch für Anke wäre das die bessere Lösung. Wer wusste schon, wie lange sie noch zu leben hatte. Außerdem hatte sich Anke während ihrer langen Krankheit immer wieder ein Ende ohne Leiden gewünscht. Eine Scheidung würde sie sicher tief treffen. Er habe schon seit längerem darüber nachgedacht.
Sie schauderte wieder bei dem Gefühl, das das fordernde Streicheln seiner Hand auf ihrer Brust hervorgerufen hatte.
Und dann hatte er nach einigem Überlegen gefragt, ob sie nicht finde, dass auch Rudolf, ihr Mann ... Zwischen zarten Bissen hatte er ihr ins Ohr geflüstert, wie viel Ärger sie sich ersparen würden. Sie wisse nicht, wie anstrengend so eine Scheidung sei. Rudolf würde sicher alles an sich reißen, vor allem dann, wenn er wüsste, dass sie mit ihm zusammen sei.
Sie sollten das vielleicht über Kreuz machen. Er ihren Mann, sie seine Frau. Oder doch jeder für sich. Wir kennen ja die Gewohnheiten unserer besseren Hälften gut und das macht die Sache leichter. Die Einzelheiten würden sie noch besprechen. Er arbeite daran. An einem todsicheren Plan. Sie war nicht dazu gekommen, etwas zu sagen.
Plötzlich überflutete sie eine Welle der Angst. Sollten sie das wirklich tun? Was, wenn es nicht gelingen würde? Was, wenn sie entdeckt würden? Müsste sie dann ins Gefängnis? Sie sprang auf, zog das Rollo nach oben und riss das Fenster auf. Sie brauchte Luft zum Atmen.
Auf der Straße hatte der Feierabendverkehr eingesetzt. Plötzlich fühlte sie jegliche Euphorie und alles Wohlbehagen von sich abfallen. Langsam suchte sie ihre Kleidungsstücke zusammen. „Wie lange brauchst du noch?"
Die Tür ging auf und vor ihr stand dieser Mann, so gut aussehend mit seinem graumelierten Haar, im eleganten Anzug mit einem blauen Hemd, das so gut zu seinen Augen passte. Mit ausgebreiteten Armen kam er auf sie zu. „Du meine nackte Katze", flüsterte er samtweich. Seine Zungenspitze wühlte sich in ihr Ohr und jagte ihr einen Schauder über den Leib. Seine Hände strichen ihr den Rücken abwärts.
„Wir beide, wir werden das schaffen. Vertrau mir. Wir werden immer zusammen sein. Unser ganzes weiteres Leben. Er drückte sie noch einmal fest an sich. „Bis bald.
Lächelnd griff er nach seinem Jackett und der Mappe und verschwand durch die Türe.
Sie schüttelte resigniert den Kopf. Er kann alles mit mir machen. Er kann wirklich alles mit mir machen.
Als sie im Bad die Dusche aufdrehte, atmete sie tief durch. Noch war nichts begonnen. Ein Plan war ein Plan.
3
Die Treppe passte jetzt eindeutig besser zu seiner Stimmung als der schwerfällige Aufzug. Vogelleicht fühlte er sich, als er die Stufen geradezu hinunterhüpfte. Er hatte das Zimmer für die Dauer der Tagung gebucht. Da morgen noch ein Tag mit Vorträgen und geselligem Beisammensein anstand, blieb er noch eine Nacht.
Anke hatte es etwas merkwürdig gefunden, wie sie mit einem ironischen Lächeln sagte, dass er ein Hotelzimmer in Stuttgart buchte, wo man doch in einer Stunde locker wieder nach Ulm zurückfahren konnte. Das mit der Geselligkeit und dem frühen Beginn der Tagung hatte sie dann doch überzeugt. Auf ihre Begleitung hatten weder er noch sie gesteigerten Wert gelegt.
„Finanzbeamte in großen Mengen, darauf kann ich verzichten. Und ich fühle mich auch noch nicht kräftig genug." Mit diesem endgültigen Satz war der Weg frei für sein Date mit Karoline.
Jetzt musste er sich beeilen, um rechtzeitig im Kongress-Center zu sein. Die anstehende Rede wollte er nicht versäumen. Immerhin war der Vortragende ein Freund. Ihn zu enttäuschen, das ging nicht.
Trotzdem schade, dass er nicht länger mit Karoline zusammen sein konnte. Immer diese Heimlichtuerei. Sie belog Rudolf und er Anke. Ach Anke, die wollte er jetzt gar nicht in seinem Kopf haben. Raus da, Anke! Aber das war leichter gesagt als getan.
Wie lange war das her, dass er mit seiner Frau, so wie jetzt mit Karoline ein so leidenschaftliches, wunderbares Gefühl gehabt hatte. Schon viel zu lange. Seine Laune sank mit jedem Schritt und mit jedem Gedanken an sie. Was war diese Anke damals für eine wunderbare Frau gewesen. Schön wie eine Göttin. So hatte er sie auch genannt. Meine Göttin. Einen Körper hatte sie gehabt! Und nicht
