alles ist eins: Lehrbuch für Tantrameister und Menschen, die es werden wollen
Von Karin Engelkamp (Editor)
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Buchvorschau
alles ist eins - Karin Engelkamp
Tantra bedeutet,
sich jedes Wimpernschlags
gewahr zu sein.
Inhalt
Vorwort
Einleitung
Rotes Tantra
Weisses Tantra
«Unser» Tantra
Arbeit mit Gruppen
Tantragruppen für Anfänger
Assistenz
Themen und Gespräche
Integration und Einsicht
Wirklichkeit sehen
Sexuelle Befreiung
Authentizität und Abhängigkeit
Beziehung und Bezogenheit
Über Konditionierung hinausgehen
Anhaftung
Stille
Sterben – eine Meditation
Übungen
Übungen des Roten Tantra
Die Blindenführung
Sich verschenken
Begegnen und verlassen
Der tantrische Tanz
Trotz konfrontieren
Energien fühlen
Achtsamkeit
Aufeinanderliegen
Tu, was du willst
Übungen des Weissen Tantra
Das Energiefeld wahrnehmen
Selbstheilung
Energiereinigung
Hauptübungen für Fortgeschrittene
Erste Hauptübung: vor der Gruppe entkleiden
Zweite Hauptübung: in seiner Sexualität zeigen
Dritte Hauptübung: Beziehungsabklärungen
Vierte Hauptübung: Abklärungen zum Ritual
Das tantrische Ritual
Abschlusswoche in der Türkei
Stimmen aus der Gruppe
Literaturhinweise
Tantra ist
die Bewusstwerdung,
dass alles eins ist
und aus Liebe gemacht.
VORWORT
Als ich zum ersten Mal mit Tantra in Berührung kam, wusste ich nichts darüber. Ich hatte gehört, dass es aus Indien stamme und etwas mit Sexualität zu tun habe – das war alles. Im Jahr 2005 lernte ich meinen Mann kennen, der bereits Erfahrungen mit Tantra gemacht hatte und mir viel darüber erzählte.
In den folgenden Jahren besuchten wir gemeinsam mehrere Kurse, Seminare und Workshops bei Samuel und Danièle Widmer Nicolet und entdeckten Tantra immer mehr als „unseren"Weg.
Tatsächlich hat Tantra viel mit Sexualität zu tun, aber eigentlich geht es dabei vielmehr um das Entdecken der Einheit allen Seins. Und es geht um Energie, zu lernen, diese überhaupt wieder wahrzunehmen in sich und in anderen. Das gesamte Universum ist angefüllt mit energetischen Phänomenen, die wahrnehmbar sind. Tantra sensibilisiert für diese Phänomene.
Sexualität ist Schöpfung. Sie ist die schöpferische Energie, aus der alles kommt, und bildet den Boden für Gedeihen und Blühen allen Lebens, des ganzen Seins. Der tantrische Weg widmet sich deshalb zunächst und immer wieder dieser Wurzel, um die nötige Grundlage zu schaffen für einen freien Fluss dieser fruchtbaren Kraft im Menschen selbst, in seinen Beziehungen und letztlich im Ganzen.
In der vierjährigen Ausbildung zur Tantrameisterschaft bei Samuel und Danièle, zwei Meistern ihres Fachs, lernten wir auf hohem Niveau, die tantrische Lebensweise ganz in uns aufzunehmen und zu unserer zu machen, das heisst sich der energetischen Gegebenheiten bewusst zu sein und frei, verantwortungsvoll und liebend auf die Welt zu schauen. Und wir lernten, was es braucht von uns, um dieses Wissen oder Können weiterzugeben an andere.
Dieses Buch ist daher beides: Es bietet Menschen, die im eigenen Leben in eine freie Energie hineinwachsen wollen, eine Art Leitfaden und es ist ein Lehrbuch für Expertinnen, die Tantrakurse für Gruppen anbieten.
Das Buch basiert auf persönlichen Mitschriften während der Gruppentage und -wochen. Vor allem Marlene Graf-Bornhütter ist es zu verdanken, dass die wertvollen Inhalte dieser vier Ausbildungsjahre schriftlich erhalten geblieben sind. Es ist daher vor allem auch ein persönliches Buch von uns, der deutschen Tantrameisterausbildungsgruppe der Jahre 2014 bis 2018, das keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt oder eine Garantie beinhaltet. Es legt unsere Erfahrungen und Prozesse dar, ganz aus unserem individuellen Entwicklungsprozess heraus.
Ich schätze mich glücklich, dabei gewesen zu sein, und hoffe, dass dieses Buch vielen Menschen nahebringt, was Tantra ist und was es zu bewirken vermag.
Karin Engelkamp
Liebe ist da,
wo kein Konflikt ist.
EINLEITUNG
Was ist ein Tantrameister? Das ist ein Mensch, der die tantrische Lebensweise konkret in seinem Leben umsetzt. Daraus kann je nach persönlicher Bestimmung die Aufgabe erwachsen, anderen Tantra nahezubringen durch Gruppenangebote.
Die tantrische Lebensphilosophie und gelebte Praxis sind allerdings keineswegs gebunden an Seminare und Gruppen. Eine tantrische Ausbildung kann direkt im Alltag stattfinden, in Gemeinschaft und Freundschaft. Wenn sich das unmittelbare Leben an dem ausrichtet, was Tantra beinhaltet, zeigt sich darin, wie jemand die Sexualität leben will und „muss", um zur Einheit zu finden. Wichtig ist, lebendig zu bleiben. Was mit zwanzig gelebt sein will, kann mit vierzig möglicherweise nicht mehr stimmen und mit sechzig wieder anders sein. Dennoch entsteht auf dem tantrischen Weg ein Leben wie aus einem Guss. Die Einheit, auf die Tantra abzielt, drückt sich konkret aus. Damit diese Kraft im eigenen Leben wirksam wird, ist Tantra eng mit Selbsterkenntnis verknüpft. Es entsteht Frieden mit den eigenen Wurzeln, dem Schicksal der Familie, den Ahnen, mit der Kultur, aus der du kommst, mit der Religion, die dich geprägt hat.
Für die Arbeit mit Gruppen ist es enorm wichtig, sehr intensiv am eigenen Prozess zu arbeiten, um anderen nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern die Inhalte selbst zu leben und als Beispiel zu dienen.
Die Themen und Gespräche in diesem Buch sind eine Auswahl, die sich aus dem Geschehen innerhalb der Ausbildungsgruppe ergeben hat. Sie bildet einen Ausschnitt, der mögliche Anliegen einer Tantragruppe zum Ausdruck bringt und tiefer einführt in wichtige Elemente eines Wachstumsprozesses.
Mit dem Roten Tantra sind grosse Herausforderungen verbunden. Es handelt sich dabei um enorme Energiefreisetzungen. Daher ist ein professioneller Umgang sowohl mit Anfängern als auch mit Fortgeschrittenen sehr wichtig in der tantrischen Arbeit. Die Übungen des Roten Tantra zeichnen sich durch grosse Einfachheit aus. Sie sind nicht komplex oder kompliziert, lenken nicht vom Wesentlichen ab. Sie konfrontieren dadurch umso mehr mit dem, was essenziell ist.
Du findest in diesem Buch ein Set an Übungen, die entweder von Samuel und Danièle vorgeschlagen oder von uns selbst erarbeitet wurden. Dieses Set eignet sich für die Erweiterung des persönlichen Repertoires in der Arbeit mit Tantragruppen aller Niveaus. Zudem dienen viele Übungen der eigenen Selbsterkenntnis. Du kannst dich mit anderen zusammen ausprobieren, sie im geeigneten Rahmen erproben und etwas Neues lernen.
Die Hauptübungen für Fortgeschrittene beinhalten vier Sequenzen, die sich als überaus hilfreich erwiesen haben, um den tantrischen Prozess tief in eine ernsthafte Auseinandersetzung mit sich selbst und untereinander münden zu lassen. Sie eignen sich nicht nur hervorragend zur Befreiung der sexuellen Energie, sondern führen in besonderem Masse zu einem voll verantworteten Leben in einem gemeinsamen Feld, das von Liebe durchdrungen ist.
Am Ende der Ausbildungszeit – und dieses Buches – steht als krönender Abschluss das tantrische Ritual. Die Gruppe ist zusammengewachsen. Alle haben sich in ihrer Verletzlichkeit gezeigt, Konflikte wurden ausgetragen, Ängste und Widerstände aus dem Weg geräumt. So wird das Ritual zu einem gemeinsamen Fest, das eine grosse Verbundenheit schafft. Die Einheit unter den Menschen, zwischen Mann und Frau, mit allem ist wieder hergestellt.
Das ist die besondere Heilkraft von Tantra.
Der innerste Gehalt
von Tantra ist,
das Verlassensein zu integrieren.
ROTES TANTRA
von Marianne Principi¹, teilweise zitiert aus verschiedenen Büchern gemäss Literaturverzeichnis am Ende dieses Vortrags
Tantra kann dir eine neue Sichtweise geben, eine neue Art, dich selbst und das Leben zu betrachten, eine neue Art mit der Existenz in Harmonie zu sein. Denn Tantra ist keine intellektuelle Anregung, es ist reine Erfahrung.
Osho
In dieser Sequenz unserer Tantrameisterausbildung werden wir uns mit dem Roten beziehungsweise linkshändigen Tantra befassen. Im ersten Teil der Woche wird es um das einfachere Rote Tantra gehen, in der zweiten Hälfte um das komplexere Weisse.
Worin unterscheidet sich das Rote Tantra eigentlich vom Weissen? Wie wir beim letzten Mal schon entdeckt und festgehalten haben, ist der Übergang fliessend und nicht ganz klar definierbar, aber als vager Anhaltspunkt kann vielleicht die Aussage gelten, dass man von Rotem Tantra spricht, sobald körperliche Stimulation (von ganz harmlos bis zu sehr fortgeschritten) ins Spiel kommt oder Übungen in direkter Interaktion mit anderen Menschen stattfinden.
Kleine Einführung in die Welt des Tantra
Was es braucht, ist Verständnis, keine Unterdrückung. Je tiefer das Verständnis, umso höher steigen Menschen auf. Je geringer das Verständnis, umso mehr neigen Menschen dazu, zu unterdrücken. Es gibt niemals erfolgreiche und gesunde Resultate aus Unterdrückung heraus. Sex ist die grossartigste Energie im menschlichen Leben, aber man darf nicht bei ihm stehen bleiben. Sex muss in höheres Bewusstsein verwandelt werden.
Osho
Der Tantrismus ist eine grosse philosophische Bewegung, die der Sexualität des Menschen eine zentrale Bedeutung beimisst. So wurden im Tantra verschiedene Meditationstechniken entwickelt, die es dem Menschen ermöglichen sollen, seine sexuelle Kraft für einen inneren Transformationsprozess zu nutzen.
Der Tantrismus ist keine Religion mit dogmatischen Vorstellungen, sondern eine gelebte Philosophie, die alle Bereiche des Lebens zutiefst bejaht und alle einengenden gesellschaftlichen Strukturen sprengt, um den Menschen in Einklang mit dem grossen Ganzen zu bringen, sodass er die Liebe und die Kraft des Kosmos‘, die universale Einheit in sich erfahren kann.
Tantra vereinigt Gegensätze. Alles hat zwei Seiten und nur, wenn wir beide unvoreingenommen wahrnehmen können, beginnen wir, die dahinterliegende Wahrheit zu verstehen. So sind wir im Leben mit Situationen und Gefühlen konfrontiert, die uns angenehm beziehungsweise unangenehm erscheinen, doch jede Seite will gefühlt, vollkommen angenommen und durchlebt werden, damit sie transformiert werden und ihre Essenz zutagetreten kann.
Das klassische Tantra
Beim Yoga muss man kämpfen; es ist der Weg des Kriegers. Auf dem tantrischen Weg muss man überhaupt nicht kämpfen. Eher im Gegenteil, man muss sich hingeben – aber mit Bewusstheit.
Osho
Tantra entstand in Indien, ist aus Buddhismus und Hinduismus hervorgegangen und als Gegenbewegung zur religiösen Askese zu verstehen. Tantra bezieht im Gegensatz zu den Religionen bewusst die Sexualität mit ein. Während im Yoga, im Christentum und auch im Buddhismus Sexualität durch Askese unterdrückt wird, nutzt Tantra die sexuelle Energie und transformiert sie. Das entscheidende Element des Tantra sind spezielle Techniken zur Erweckung und bewussten Lenkung der sexuellen Energie – alleine oder in körperlicher Vereinigung. Die dazu verwendeten Hilfsmittel haben zum Teil Ähnlichkeit mit anderen spirituellen Techniken aus Yoga und Buddhismus: Atemlenkung, Visualisierung, Mantras (besondere Laute ohne Wortsinn, die verwendet werden, um geistige Bilder, Empfindungen oder Energie hervorzubringen), Yantras (kontrollierter Gebrauch der Einbildungskraft, der Imagination; sie dienen dem gleichen Zweck wie Mantras, sind jedoch visuell), Asanas (Körperhaltungen).
Tantra ist wie Yoga eine Methode der spirituellen Bewusstwerdung mit dem Ziel der Erleuchtung. Doch anstelle von Askese und Disziplin, die im Yoga eine grosse Rolle spielen, geht Tantra den Weg der Ekstase und des bewussten Geniessens, um dasselbe zu erreichen.
Tantra ist ein Prozess, der das Individuum auf sexuellem Weg erneuert, indem Geist, Körper und Emotionen von allen Hemmungen befreit werden, indem vollkommene Beherrschung der Sexualität entwickelt wird, die uns ermöglicht, sexuelle Freuden in einem ungeahnten Mass zu erleben, und indem wir die sexuelle Energie kanalisieren und lernen, sie für andere Lebensbereiche verfügbar zu machen. Als Grundlage dafür spricht deshalb der Tantrameister zu Mann und Frau: «Keinen geheimen Bereich eures körperlichen Seins sollt ihr voreinander verbergen. Ihr sollt den Körper des anderen ansehen wie euren eigenen; den Geist des anderen wie euren eigenen; das Yantra und Mantra des anderen wie euer eigenes; die Lust des anderen wie eure eigene. Versucht, selbst das kleinste Teilchen des anderen kennenzulernen, und teilt alles, auch das Kleinste, miteinander. Darin liegen die Freuden und Kräfte, die euer sein können.»
Grundsätzlich hat Tantra die Funktion, uns zu unserem eigenen Ursprung zurückzugeleiten, uns zu helfen, zu unseren Wurzeln der Identität zu gelangen. Tantra lässt uns «die Wahrheit erfahren, die wir selbst sind», indem wir uns bestimmten Ritualen unterziehen, die es uns ermöglichen, uns selbst in einer ganz neuen Weise kennenzulernen. Dies geschieht durch äusserste Anstrengung – auf psychischer, intellektueller, emotionaler und sexueller Ebene.
Wenn wir gewisse Wahrheiten über uns selbst aufdecken, erkennen wir die Wahrheiten der Welt, des Universums und unserer psychischen Kräfte der Erleuchtung. Man muss diese Geheimnisse und die psychische Magie des Tantra mittels der Praxis der Rituale erlebt haben, um sie zu verstehen. Auf intellektueller Ebene allein können sie nicht erfasst werden. Tantra ist ein spiritueller Einweihungsweg.
Klassische Tantraschulen vermitteln eine strenge Disziplin, die meist erst die eigene Sensibilisierung und Bewusstwerdung anstrebt und erst später die Interaktion mit einem Partner einbezieht.
Ein Schüler wandte sich an die Tantrameisterin und fragte sie: «Warum muss ich die Lust im Alleinsein suchen? Ist nicht die grössere Lust in den Armen eines anderen zu finden? Ist nicht der Austausch der Lust jener vorzuziehen, die man im Alleinsein findet?»
Die Tantrameisterin antwortete: «Jegliche Lust wird innerhalb deines eigenen Wesens erfahren. Du bist fähig, jede Lust, die es gibt, kennenzulernen, indem du deine eigenen Zentren der Sinnlichkeit findest. Durch Stimulierung und Selbstkontrolle kannst du alle Ebenen der Lust erreichen. Kennst du erst einmal die Zentren deiner Lust, so wirst du eher in der Lage sein, diese mit jemand anderem zu teilen. Das ist Tantra: Du musst durch die Kenntnis deiner selbst und deiner Lust das empfangen, was du bist, denn nur dann kannst du die Lust geben, die du suchst, und die Lust entgegennehmen, die gegeben wird.
Tantra zeigt, wie der Mensch seinen stärksten Energiestrom zu kontrollieren vermag: die sexuelle Energie. Wenn sie kontrolliert wird, ist diese Energie die Quelle einer Kraft, die stärker ist als jede andere, weil sie die grundlegende Energie allen Lebens ist.
Der Urtrieb des Menschen ist der Sexualtrieb; seine Kraft ist fast unbegrenzt. Wir sind imstande, den Trieb zu begreifen und seine Kraft zu beherrschen. Wir können sein Herr sein statt sein Sklave. Darum geht es im Wesentlichen bei den tantrischen Ritualen (damit sind alle Rituale gemeint, die alleine vom Mann beziehungsweise der Frau, zu zweit als Paar oder in einer ganzen Gruppe durchgeführt werden): den Vorrang des Sexualtriebs anzuerkennen, nicht ihn zu leugnen. Unserem wahren Wesen gegenüberzutreten. Zu begreifen, dass dieser Trieb eine fundamentale Naturkraft ist, die uns die schöpferische Energie liefert, mit Erfolg unmöglich erscheinende Aufgaben anzugehen sowie sich hoffnungslosen Situationen zu stellen und sie zum Guten zu wenden. Mehr zu werden, als wir uns je erhofft haben. Dieser Trieb liegt aber einer noch viel grösseren Kraft zugrunde. Der Kraft, sich mit anderen Menschen durch ein Band der Wunder und der Freude, des Glücks und des Lachens, der Liebe und des Verstehens zu vereinen. Und diese Kraft ist es ausserdem, die uns mit dem Universum vereint.
Es gibt unzählige Bücher über Sexualität, in denen über Variationen und Positionen geredet wird. Als Grundleitfaden für den rein körperlichen Akt haben diese Bücher ihren Wert, aber die Sexualität des Tantra unterscheidet sich vom dort beschriebenen Sex dadurch, dass sie als Mittel und nicht als Zweck dient. Als Mittel zur grössten körperlichen Lust, als Mittel, die ganze Fülle der lebensspendenden inneren Kräfte freizusetzen und auch als Mittel, das Reich des Geistes zu betreten. Die Lust ist nicht länger etwas, was man tut – sie wird zu etwas, das man ist.
Wir müssen begreifen, dass Tantra kein Selbstzweck ist. Es ist das Mittel.
Tantra verbietet, dass von einem Tantriker irgendeine Tat begangen wird, die gegen die menschlichen Rechte eines anderen verstösst. Das Einverständnis muss von innen kommen. Niemand soll zu tantrischem Denken oder tantrischen Aktivitäten bekehrt werden. Wenn man sich auf den Weg der Rituale begibt, muss das mit dem Einverständnis des ganzen Wesens, mit voller Hingabe geschehen.
Fotografie von Lothar Balling ©
Die tantrische Sicht bezüglich Männlichkeit und Weiblichkeit
Du bleibst über Stunden im tantrischen Beischlaf. Es ist eine Art Verschmelzen mit der Frau oder mit dem Mann; es ist eine Art Entspannung in das jeweils andere Wesen hinein. Und es ist meditativ, weil es kein Ego gibt; kein Gedanke stört. Und die Zeit hält an. Das ist ein flüchtiger Eindruck von Gott. Tantra ist der natürliche Weg zu Gott, der normale Weg zu Gott. Die Sache wird so vollkommen instinktiv, so vernunftlos, dass wir mit der ultimativen Natur eins werden – dass die Frau beziehungsweise der Mann verschwindet und zu einer Tür in die Unendlichkeit wird.
Osho
Weil Tantra an die Ganzheit glaubt, schliesst es Gegensätze ein und betrachtet diese nicht als Widerspruch, sondern als Ergänzungen. Männlichkeit und Weiblichkeit bedeuten keine ewige Spaltung in zwei Seiten, sondern werden als Pole betrachtet, die sich im Inneren jedes menschlichen Wesens treffen und verschmelzen. Tantra weiss, dass jeder Mensch sowohl männliche als auch weibliche Eigenschaften hat.
Tantra ermutigt den Mann, seine weichen, empfänglichen, verletzlichen, weiblichen Eigenschaften zu entdecken und zu leben. Er kann die Last seiner männlichen Verantwortung ablegen, seine Leistungsvorstellungen vergessen und sich entspannen. Er kann sich
