Verlassene Mütter im Schatten ihrer Vergangenheit: 3 Frauenschicksale
Von Joana Peters
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Über dieses E-Book
Alle drei Mütter wurden von ihren eigenen Kindern verstoßen und verlassen.
Drei Frauenschicksale
Luise - 1944 unerwünscht geboren.
Bea - Burnout die unterschätzte Gefahr.
Kerstin - Das Feinste war für Marie nie gut genug.
Joana Peters
Joana Peters veröffentlicht ihre autobiographischen Romane, Politthriller, Tagebücher und Ratgeber unter einem Pseudonym.
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Buchvorschau
Verlassene Mütter im Schatten ihrer Vergangenheit - Joana Peters
Inhalt
Vorwort
Luise
1944 unerwünscht geboren.
Bea
Burnout die unterschätzte Gefahr.
Kerstin
Das Feinste war für Marie nie gut genug.
Danksagung
Vorwort
In jedem Jahr verlassen nur allein in Deutschland mehr als
10.000 Kinder
aus allen Gesellschaftsschichten ihre Eltern.
Sie brechen aus den verschiedensten Gründen den
Kontakt zu ihnen ab und leben ein Leben ohne sie.
Sie entziehen ihren eigenen Kindern die Großeltern und
nehmen damit beiden Seiten
das Schönste und Wertvollste,
was uns das Leben zu bieten hat!
Sobald das kleinste Glied unserer Gesellschaft,
die Familie nicht funktioniert,
hat unsere Gesellschaft auf Dauer keine Chance!
In diesem Buch erzählen uns drei Frauen von ihrem
Schicksal als verlassene Mutter und wie es dazu kam.
Aus Erzählungen meiner Vorfahren
Völlig unerwünscht erblickte ich als Endprodukt, zweier Menschen, die für ein paar Minuten ihren Spaß genossen hatten am 07. Mai 1944 in Wien, das Licht der großen, weiten Welt, man gab mir den Namen Luise.
Später erzählte man mir, dass gegen Ende des Krieges mein Vater noch zur Front geschickt wurde. In dieser Zeit waren gerade die Russen von Ungarn aus nach Wien im Anmarsch. Zum Jahreswechsel 1944 floh meine Mutter Hals über Kopf mit mir und dem Nötigsten nach Bayern. Ihr Vater, ein sehr hochrangiger Politiker und bekannter Jurist zu Zeiten der Weimarer Republik, hatte ganz in der Nähe von Landshut einen Bauernhof noch vor Kriegsbeginn käuflich erworben.
Dort wuchs ich auf und hatte, wie man sagt, das Paradies auf Erden.
1948 kehrte mein Vater aus der amerikanischen Kriegsgefangenschaft zurück. Neun Monate nach seiner Rückkehr wurde meine Schwester Anne geboren.
Ich persönlich erinnere mich daran, dass es kurz darauf einen großen Einschnitt in meinem bis dahin kurzen Leben gab. Ich war gerade fünf Jahre alt, als ich aufgrund der schwierigen Geburt meiner Schwester Anne und der körperlichen Schwäche meiner Mutter weggeschickt wurde. Man brachte mich für eine unbestimmte Zeit nach Bamberg, zu meiner Mutters ehemaligen Erzieherin, die ursprünglich ein uneheliches Kind eines irischen Bischofs war. Ich verstand zu dieser Zeit das alles nicht. Oft dachte ich sehr traurig darüber nach, warum meine Eltern ihr Kind zu dieser „Tante" schickten. Der lange Aufenthalt bei dieser fremden Frau stellte sich für mich als eine völlige Katastrophe heraus.
Meine Kindheitserinnerungen
Ich erinnere mich noch sehr deutlich an die Zeit gegen Ende Januar 1949, bei dieser gewissen „Tante", wie man sie immer nannte, stand noch der Weihnachtsbaum mit Silberlametta und Silberkugeln.
Wenn Besucher kamen, wurden alle Kinder bei ihr weggesperrt und hatten dann besonders leise zu sein. Sprechen in Gegenwart Erwachsener, war absolut verboten. Kinder waren bei ihr nur ein „notwendiges Übel und man sollte sie nicht bemerken. Als ich in deren Gegenwart einmal dringend auf das „Häuschen
musste, hatte sie mich sehr beschimpft und meinte lautstark, dass sich das nicht gehörte in Gegenwart anderer Personen diesen Ort aufzusuchen. Als Fünfjährige war ich der Auffassung, dass ich das generell nicht durfte. Tagsüber war das ja soweit in Ordnung, da rund um das Haus Büsche und ein Wald waren, aber wenn es dunkel wurde?
In dem Zimmer, was mir zur Verfügung stand, lag ein dicker, dunkler Teppich. In die äußerste Ecke dieses Raumes hatte ich mich dann hingesetzt und auf diesen dunklen Teppich mein Pfützchen erledigt.
Ich werde nie vergessen, dass diese „Tante" meist im Bett lag und sich von ihren Angestellten umsorgen ließ. Sobald der Arzt kam, mussten alle Kinder und auch ich Kohletabletten schlucken, um zu zeigen, dass wir sehr folgsam waren, so wie ihre Dackel.
Im Frühjahr 1949 holte mich mein Vater wieder zu uns nach Hause.
Ich erinnere mich noch sehr gut daran, dass ich ab dieser Zeit sehr viel Verantwortung übernehmen musste, meine Aufgaben waren es von da an, mich um meine Schwester Anne zu kümmern, sowohl auch meiner Mutter bei ihren Haus- und Hofarbeiten zu helfen.
Trotz der vielen Aufgaben war dies meine schönste Zeit, die ich in meinem Leben erleben durfte. Ich hütete Kühe, beobachte die Tiere in den Wäldern, rettete oftmals Tiere aus Schlingen. Half bei der Heuernte mit, lernte Kühe melken, und den Stall auszumisten. Auch gab es einen Esel auf unserem Hof, mit dem sind wir immer ins nächste Dorf gelaufen, um einzukaufen, das waren etwa sieben Kilometer zu Fuß. Kurz vor dem Dorf ging es über eine kleine Brücke und über diese Brücke wollte der Esel nie gehen.
Er weigerte sich, wie das eben Esel gelegentlich so machen. Hinten schob meine Mutter diesen Esel und vorne war ich mit einer gelben Rübe auch Mohrrübe genannt und zog am Kopfgeschirr des Esels. Es dauerte meist eine halbe Stunde, bis dieser Esel über diese kleine Brücke ging.
Im Herbst 1949 wurde ich eingeschult. Mein Großvater Otto organisierte sogar eine Schultüte mit vielen Leckereien, ich war die Einzige, die so etwas hatte. Mir war das den anderen Kindern gegenüber sehr peinlich. Nachdem wir einander vorgestellt wurden, jedes einzelne Kind musste seinen Namen nennen, wurde Ball gespielt bis gegen Mittag. Dann durften wir wieder nach Hause gehen.
Als mein erster Schultag zu Ende war, erklärte ich zum größten Entsetzen meiner Eltern, dass ich da nicht mehr hingehen wollte, denn mit dem Ball spielen konnte ich ja schon.
Ich erinnere mich hier noch ganz deutlich an zwei Erlebnisse, die sich in mir unglaublich eingeprägt hatten.
An einem Tag im Herbst war ich mittags von der Schule auf dem Heimweg und musste unter anderem auch durch einen Hohlweg gehen. Oben stand ein Mann mit einem Gewehr, infolge von Kriegserzählungen der Erwachsenen wusste ich, dass das gefährlich war und man sich robbend/also auf dem Bauch liegend sich vorwärts auf die Person zu bewegen sollte. Dieser Soldat hörte offenbar ein Geräusch, sah mich und schüttelte sich dann vor Lachen.
Himmel war ich beleidigt!
Dann nahm er mich bei der Hand und brachte mich zu meiner Mutter.
Einen Tag später, die Amis waren da und hatten Manöver, wir mussten sie auf Großvaters Bauernhof unterbringen. Wir hatten einen Sommerstall, da waren normal die Geräte drin, die im Sommer für die Landwirtschaft gebraucht wurden. Teilweise waren sie auch in der Tenne/Scheune untergebracht.
Ich hatte an einem späten Nachmittag den Auftrag von meiner Mutter erhalten, ein Medikament ins Bauernhaus zu einem kranken Soldaten rüber zu bringen.
Es gab da eine große Wohnküche, wo unsere Angestellten sich einfanden, wenn sie nicht im Stall oder auf dem Feld waren. Ich trat ein, es war dort relativ dunkel, es gab da auch eine Art Couch, auf der lag ein Mensch mit schwarzer Hautfarbe. Er bewegte sich, als er mich hörte, öffnete er seine Augen, ich sah nur diese Augen, die förmlich leuchteten und eine völlig schwarze Gestalt. Ich schrie wie am Spieß, warf noch schnell das Medikament auf den großen Tisch und rannte davon.
Es hatte mir niemand gesagt,
dass es auch schwarze Menschen gibt auf dieser Welt!
Die Winter waren während meiner Volksschulzeit/Grundschule, in den ersten Jahren eine Katastrophe wegen des vielen Schnees. Es gab nicht viel Kleidung für uns Kinder. Man bekam Pluderhosen angezogen, die waren auf dem Schulweg durch einen Wald hügelabwärts, voller Schneeklumpen, später waren sie dann patschnass. Das Klassenzimmer, in dem die ersten bis vierten Klassen in einem Raum unterrichtet wurden, besaß einen dicken Buller Ofen, der unten unglaublich glühte, neben dem saß ich. Im Verlauf des Vormittages trocknete dann die rechte Seite meiner Kleidung, die linke Seite blieb nass.
Einmal kam nach Schulschluss unser Verwalter mit Pferd und Schneepflug vorbei und nahm mich mit nach Hause. Es war so kalt, dass ich infolge der feuchten Kleidung förmlich festgefroren war und nach der halben Stunde Weg nur mühsam vom Schneepflug runtergekommen war. Meine Mutter war ganz erschrocken, als sie sah, wie durchnässt und erfroren ich war, zog mich aus und setzte mich ins kalte Wasser, was mir vorkam, als würde ich ins kochende Wasser gesetzt.
Infolge dieser Belastungen war ich sehr viel krank und musste oft Tage das Bett hüten.
Im Sommer löste ich oft auf meinem Schulweg Rehe und Hasen aus Schlingen, die Menschen gelegt hatten, was zur Folge hatte, dass ich manchmal auch verletzt zum Unterricht erschienen war.
Religionsunterricht war für mich eine Katastrophe, weil ich damals schon wusste, dass das alles nicht stimmte, was da erzählt wird. Entsprechende Fragen oder Bemerkungen hatte ich gestellt und flog dann hochkantig aus dem Klassenzimmer.
Das gab dann zu Hause heftig Ärger!
Zu meinem Großvater Otto hatte ich stets eine ganz besondere Beziehung und er wohl auch zu mir. Ich konnte über Jahre schon immer meiner Mutter genau sagen, wann er nach Hause kam. Otto war Jurist und mit seinem Chauffeur täglich unterwegs. Ich sagte dann immer zu ihr zum Beispiel am Nachmittag:
„Heute kannst du für 15:00 Uhr den Kaffee fertigmachen!"
So kam es dann auch immer, mein Großvater fuhr mit seinem Chauffeur punkt 15:00 Uhr am Nachmittag auf unserem Hof.
Wenn er Freizeit hatte und bei uns zu Hause war, verbrachte er selbst auch die Regentage nur mit mir. Dann steckte er sich und mich, in Gummistiefel und in diese fürchterlichen Regenumhänge mit Kapuze, wo man so schwitzte nach einer gewissen Zeit, die es damals gab. Bei diesen sehr langen Spaziergängen redete und erzählte er meist aus seinem Leben, er wollte dann von mir gelegentlich meine Zustimmung hören und ich, ich strahlte ihn dann nur mit meinen großen Augen an.
Mein Großvater umarmte mich sogar und war liebevoll mir gegenüber, ich durfte mich an ihn kuscheln, dabei genoss ich es unglaublich, dass er immer so gut roch.
Ich durfte meine kleine Hand in seine große Hand schieben, in seiner Gegenwart fühlte ich mich behütet und beschützt. Wenn er kam, hatte er immer ein kleines Geschenk für mich dabei.
Ich erinnere mich noch ganz gut an eine lustige Zeit, die ich mit meinem Großvater erleben durfte. Da er immer auf seinen Chauffeur angewiesen war, hatte er die tolle Idee, selber Auto fahren zu wollen. Er nahm dann oftmals in den frühen Morgenstunden das Auto, ließ es an und fuhr die Auffahrt zur Tenne/Scheune hoch und fand stets die Bremse nicht, dann donnerte er nicht nur einmal an das geschlossene Scheunentor. Wenn es wieder frühmorgens rumste, dann wussten wir, Großvater hatte wieder das Autofahren versucht. Irgendwann hatte er dann genug davon und ließ es für immer sein.
1951 wurde mein Bruder Max geboren. Nach seiner Geburt wurde ich in ein Kinderheim ins Allgäu gebracht. Da verbrachte ich allerdings nur sechs Wochen, es gab wieder Zeiten, in denen ich bei meinen Eltern als Kind unerwünscht war.
Gefragt wurde ich in beiden Fällen des Verschickens, nicht ob ich das wollte, auch keine Erklärung gab es dafür. Man packte meine Sachen und ich wurde ins Auto gesetzt, ab ging es, Widerrede oder Tränen zwecklos. Zärtlichkeiten oder Schmusen gab es nicht, ein in den Arm nehmen, auch nicht. Ich kannte das von meiner Mutter nicht, sie selbst kannte das auch nicht, auch sie wurde in ihrer Kindheit von dieser „Tante" erzogen, da ihre leibliche Mutter, als sie gerade mal sieben Jahre alt war, verstarb.
Wieder zurück in meiner Familie, kümmerte ich mich nun täglich um meine beiden Geschwister, um das Haus, den Hof und natürlich um meine Schule.
Mit 10 Jahren
brach für mich damals meine Welt völlig zusammen.
Im Dezember 1954 nur ein paar Tage vor Weihnachten, ich hatte wie schon so oft, den Auftrag von meinen Eltern bekommen, am Radio sitzen zu bleiben, um dann zu melden, wenn die Nachrichten kamen. Auf dem Tisch lag die geöffnete Briefmappe meiner Mutter und so fiel mein Blick auf ein Schreiben eines Freundes meines Großvaters an meine Eltern. Darin stand unter anderen:
„Dass er es ganz großartig fand, dass meine Eltern mir eine Erziehung im Internat geben wollten, obwohl ich nicht ihr eigenes Kind sei."
Da war ich nur noch imstande zu melden, dass die Nachrichten kamen und ich sauste los in die Kälberboxen. Das machte ich immer, wenn ich Kummer hatte und so auch jetzt. Da lag ich bei den Kälbchen und weinte mir die Augen aus, die kleinen süßen Kälbchen leckten mein Gesicht trocken.
Gleich zu Anfang Januar 1955, verkündeten mir dann meine Adoptiveltern, dass ich in eine Waldorfschule nach Hessen gebracht werden würde, zwecks einer besseren Schulbildung da weiter zur Schule zu gehen.
Das war ungeheuer weit weg von allem, was mir lieb und teuer war.
Ferner wurde mir klar, dass meine „Eltern" mich offenbar nicht mehr haben wollten und ich deswegen weit weggeschickt wurde.
Zu meinem Glück kam ein gewaltiger Wintereinbruch, wo der Schnee bis zur Hälfte der Erdgeschossfenster ging und wir somit eingeschneit waren.
Daraufhin brachte mich mein Adoptivvater erst Ende Januar in diese Waldorfschule, damit brach für mich eine sehr traurige Zeit an.
Da gab es Strohsäcke als Matratze und nachts tanzten die Mäuse und Wanzen durch die Schlafräume. Filzläuse am gesamten Körper waren gang und gäbe.
Zum Frühstück mussten wir in extragroßes Gebäude, es nannte sich Rundbau, da gab es Schrotbrei und am Sonntag Haferbrei. Die Margarinestückchen am Abend, waren weiß und schmeckten seifig, selbst mit etwas Wurst und Käse konnte man sie nicht ertragen.
Für mich alles ein Horror!
Erst nach zwei Jahren vertraute ich mich einer Lehrerin an und erzählte ihr, dass meine „Eltern mich nicht mehr haben wollten und ich deswegen in diesem Internat bin. So erfuhren auch meine „Eltern
davon, dass ich wusste, dass ich nicht ihr eigenes Kind war.
Mein Großvater Otto vergaß nie meinen Geburtstag, zum Nikolaus kam immer ein Päckchen, er war der Einzige, der mich im Internat besuchte.
Ich erinnere mich noch sehr genau daran, als ich gerade 13 Jahre alt war, es war in meinen Schulferien, die ich über den Jahreswechsel hatte, nahm mich mein Großvater während eines Spazierganges an die Hand und erzählte mir, wie alles dazu kam, dass ich von meinen „Eltern" adoptiert wurde.
Meine wahre Herkunft
Er erzählte mir sehr bedrückt, wie meine leibliche Mutter damals versuchte, mich sofort nach der Geburt auf das Brutalste zu entsorgen.
Mary die Frau, die mir mein Leben gab, hatte sich damals mit einem Mann eingelassen, der nicht ihr Ehemann war, meldete mich aber vor ihm als ihr eheliches Kind an. Kurz nach meiner Geburt besuchte ihr damaliger Liebhaber, der wie es schien, überaus sehr pflichtbewusst war, meine Mutter. Dieser Mann erwischte sie dabei, wie sie gerade versuchte, mich mit einem Kissen zu ersticken. Er nahm mich in seine Obhut und brachte mich sofort in ein nahegelegenes Kinderheim.
Ein paar Tage später ging meine leibliche Mutter fluchtartig von Wien weg, zurück nach Ostpreußen.
Nachdem ich in einem völlig desolaten Zustand gleich ein paar Stunden nach meiner Geburt in diesem Kinderheim, um mein Leben als neugeborenes Kind kämpfte, holte mich ein Arzt, mein späterer Adoptivvater, der die Leitung aller Kinderheime rund um Wien hatte, innerhalb ein paar Tage zu sich nach Hause. Schon viele Jahre hatte er zusammen mit seiner Ehefrau Marga, meine spätere Adoptivmutter, den sehr großen Wunsch, nach einem eigenen Kind. Seine Frau erlitt bis zu diesem Zeitpunkt, schon etliche Fehlgeburten. Die beiden nahmen sich mir an und päppelten mich mühevoll wieder auf.
Mein Großvater erzählte mir mit zitternder Stimme, dass mein winzig kleiner Körper damals völlig blau, lila und unterkühlt gewesen sei. Marga meine „Mutter lag die ersten Wochen zusammen mit mir am Tag nur in ihrem Bett, nachts übernahm mich dieser Arzt mein „Vater
.
Nachdem ich die schlimmste Zeit meines Überlebenskampfers überstanden hatte und meine damaligen Lebensretter mit meinen großen schwarzen Augen unwiderstehlich anlächelte, entschlossen sie sich, mich bei ihnen zu lassen.
Der Ehemann meiner leiblichen Mutter strebte später einen Gerichtsprozess gegen sie an, da er nicht mein leiblicher Vater sein konnte. Er befand sich zum Zeitpunkt meiner Zeugung an der Front. Infolge des damaligen Durcheinanders durch die Kriegswirren und dem Kriegsende verlief sich allerdings dieser Prozess im Sande.
Ich erinnere mich noch sehr genau daran,
wie ich in diesem Moment mich an meinen Großvater klammerte
und jämmerlich weinte!
Nachdem ich mich wieder etwas beruhigt hatte, erzählte er mir weiter.
Nach dem der Krieg endgültig zu Ende war, hatte man alles versucht sofort meine leibliche Mutter ausfindig zu machen, um meine Adoption rechtsgültig zu machen, was leider nicht möglich war.
Vom Gesetz her musste die Mutter hinsichtlich einer Adoption des eigenen Kindes, die Zustimmung geben. Meine „Eltern" und die Behörden waren der Auffassung, da man sie nicht finden konnte, dass sie offenbar auf der Rückreise von Wien nach Ostpreußen zu diesem fürchterlichen Angriff auf Dresden ums Leben gekommen sei.
Mein Großvater verbürgte sich damals dafür, dass zwischen meinen „Eltern" und mir alles genau geregelt war und sie mich behandelten wie ihr eigenes Kind.
Erst ein paar Jahre später schaffte es dann mein Großvater aufgrund seiner Tätigkeit als Jurist, meine leibliche Mutter, doch noch ausfindig zu machen und mit ihr Kontakt aufzunehmen.
Ich erfuhr weiter, dass es mit meiner leiblichen Mutter, immer wieder Gespräche über meine Adoption gab, auch sagte er mir, dass sie lange Zeit nicht ihre Einwilligung dazu gab. Nur aufgrund dessen, dass mein Großvater als Politiker zu Zeiten der Weimarer Republik einen sehr bekannten Namen hatte, ging dann letztendlich meine Adoption von Seiten der Behörden aus, reibungslos im Februar 1952 über die Bühne.
Diesen Spaziergang zu den Weihnachtstagen mit meinem
Großvater werde ich nie wieder vergessen!
1957 wechselte ich in die Mittelschule nach Regensburg für drei Jahre. Das Gelände dieser Schule, war eingezäunt, keiner kam raus, es sei denn, man hatte einen Ausgangsschein, der aber nur ausgestellt wurde, wenn man besonders brav war. Die Jungen aus der näheren Umgebung warfen mittels eines Steines Brieflein über den Zaun, um zu uns Kontakt aufzunehmen.
Unser zuständiger Direktor ertränkte sich später in der Donau, man warf ihm vor, er hätte sich an seinen Zöglingen sexuell vergangen.
Ich persönlich hatte nie bis auf die Tatsache, dass er seine Frau immer stützen musste, weil sie stockbetrunken war, etwas bemerkt.
Wenn ich als Sechzehnjährige einmal nicht so spurte, wie es gewünscht war, hörte ich dann immer wieder von meinem Adoptivvater:
„Du wirst doch nicht so werden,
wie Mary - deine leibliche Mutter."
Ab Herbst 1960 besuchte ich auf Anweisung meiner Adoptiveltern, für zwei Jahre eine Frauenfachschule am Tegernsee.
Da durften wir uns dann frei bewegen, ich lernte dort alles, was eine zukünftige Hausfrau zu wissen hatte. In den Ferien war ich immer verpflichtet, mein „Elternhaus" und deren Praxisräume zu reinigen und mittags dann den gesamten Abwasch von fünf Personen zu erledigen. Meine Stiefschwester Anne ging regelmäßig nach dem Essen, immer zur Toilette und blieb dort eine Stunde. Wenn sie wiedererschien, dann war die Küche wieder in Ordnung. Meine Adoptiveltern amüsierte das nur. Viel Freizeit für mich persönlich war da nicht, man war der Ansicht, dass ich Pflichtgefühl zu erlernen hatte. Als meine Adoptiveltern merkten, dass ich gut kochen konnte, musste ich in meinen Schulferien diesen Job als Köchin für die gesamte Familie ebenfalls noch übernehmen.
Da ich schon damals, sehr viel künstlerisches Talent besaß, ich konnte schon zu dieser Zeit außergewöhnlich gut malen, wollte ich unbedingt zu einem sehr bekannten Bildhauer nach Salzburg. Bei ihm wäre ich sehr gern in Lehre gegangen. Von Seiten meiner Adoptiveltern her, wurde mir gesagt, dass dieser Beruf kein Geld bringen würde. Dann wollte ich Fotografin werden, damals musste man noch sehr viel rechnen, um fotografieren zukönnen und so hieß es, du kannst nicht rechnen, das wird nichts werden.
Nach meinem Schulabschluss mit gerade mal achtzehn Jahren wurde ich nach München geschickt. Ich musste auf Empfehlung meines „Vaters" hin in einer Einrichtung der evangelischen Kirche als Allroundkraft arbeiten.
Völlig auf mich ganz allein gestellt, musste ich mein Leben organisieren und mich wieder in einer fremden Stadt zurechtfinden.
Auch wenn ich gerade achtzehn Jahre alt war, hatte ich von zwischenmenschlichen Beziehungen keine blasse Ahnung. Obwohl ich in einem Arzthaushalt aufgewachsen war, war das Thema Aufklärung und Sexualität absolut tabu. Ich machte mir meinen Reim diesbezüglich selbst darauf, da ich ja auf dem Land aufgewachsen war.
Wenn der Stier zur Kuh getrieben wurde oder Katzen aufeinandersaßen, kam nach einer gewissen Zeit immer Nachwuchs und so erklärte ich mir das auch mit uns Menschen.
Meine erste „Liebe"
Dumm wie ein Brot, was das Leben und die Liebe anging, begab ich
mich auf das Glatteis des puren Lebens.
Nun wollte ich nicht immer nur den ganzen Tag arbeiten, nein ich wollte mehr vom Leben.
Im Februar gab es einen Faschingsball im Ort. Ich nähte mir aus alten Kleidern, die ich von einem Lumpensammler geschenkt bekam, ein Kostüm. Ich wollte unbedingt eine schicke Charleston Tänzerin sein.
An diesem Abend kam ein junger Mann auf mich zu und forderte mich zum Tanz auf. Ich fand seine zuvorkommende Art sehr nett.
Nur konnte ich nicht ahnen, dass seine ersten Berührungen während des Tanzes, mich völlig aus der Fassung bringen würden. Ich kannte es nicht, berührt zu werden. Ich wusste bis dahin nicht, wie schön es sein kann gestreichelt zu werden. Wie es sich anfühlte, einen durchgeschwitzten männlichen Körper an meinem zu spüren.
Seinem Atem, der heftig nach Alkohol und Zigarettenrauch roch, an meinem Ohr zu spüren.
Das alles veränderte mein bisheriges Leben. Wir gingen nach ein paar Tänzen nach draußen und wollten ganz allein mit uns sein.
So naiv und unwissend, wie ich war, verliebte ich mich zu diesem Faschingsball, zu einem stundenlangen Knutschen sofort in Peter.
Er bestand nach zwei Tagen darauf, mit mir unbedingt schlafen zu wollen. Es ging alles sehr schnell. Er nahm mich, zog mein Kleid nach oben und schon war es passiert. Danach verabschiedete er sich von mir und war verschwunden. Was das Erlebnis in Bezug auf meinen ersten Sex betrifft, so war das soweit ganz schön, aber irgendwie so nach dem Motto:
„Da hätte ich mir Größeres erwartet."
Gegraust hatte es mich allerdings zu unserem nächsten Treffen, als er unbedingt oralen Sex von mir verlangte. Ich hatte keine Ahnung davon, da meinte Peter:
„Ich solle mich nicht so haben."
Es war grausam, er roch so extrem nach Urin. Ich sagte Peter, dass ich das nie wieder möchte bei ihm. Er ließ sich darauf ein und begnügte sich regelmäßig an mir. Für mich war es ganz normal, mich für Peter hinzugeben, immerhin war er der Mann, den ich von Herzen liebte, er war der Mann, der mir zeigte, wie schön menschliche Berührungen doch sein konnten. Ich war bis dahin der Meinung, wenn eine Frau mit einem Mann sexuelle Erlebnisse hat, dann liebt er sie ebenfalls und würde sie irgendwann einmal heiraten. Ich hatte keinerlei Aufklärung von zu Hause aus mitbekommen, wie das alles vonstattengeht. Auch gab es zu meiner Schulzeit keinerlei Informationen über die Fortpflanzung der Menschen.
Mir wurde plötzlich früh am Morgen sehr schlecht. Nachdem ich während meiner Arbeit in der evangelischen Kirche, mich maßlos übergeben musste, gab mir eine alte Dame, die zum Beten gekommen war, den guten Rat bei einem Doktor vorstellig zu werden. Mit einem Lächeln in ihrem Gesicht verabschiedete sie sich von mir.
Gleich am nächsten Tag lief ich ins benachbarte Dorf und unterzog mich einer Untersuchung. Es war ein sehr, sehr alter Arzt. Mir war es unglaublich peinlich, als ich mich von ihm zwischen meinen Beinen untersuchen lassen musste.
Er gratulierte mir an diesem Tag zu meiner Schwangerschaft und wünschte mir und meinem Partner alles Gute.
Ich war völlig durcheinander, ich wusste nicht, was ich mit einem eigenen Kind anfangen sollte. Als ich diese Nachricht Peter überbrachte, war er sichtlich geschockt und sagte sofort:
„Glaube nicht, dass wir heiraten, ich studiere noch und habe noch keine Lust auf Familie."
Für mich brach wieder meine Welt zusammen.
Das geschah genau in der Zeit, als mein „Großvater" Otto, an dem ich sehr gehangen hatte, plötzlich und unerwartet verstarb. Ich hatte eine sehr enge und nicht beschreibbare Beziehung zu ihm.
Als mein Großvater starb, fiel zum Zeitpunkt seines Todes sein Bild, was bei mir an der Wand hing, herunter. Ich hatte die Angewohnheit, wenn sich nachts etwas ereignete, auf die Uhr zu sehen und mir das zu merken. Später erfuhr ich, dass das exakt der Todeszeitpunkt meines Großvaters war. Da hatte er sich wohl von mir endgültig verabschiedet.
Am Tag seiner Beerdigung holte mich mein „Vater" ab und wir fuhren nach Norddeutschland, da dort sein Staatsbegräbnis stattfand.
Es lief alles sehr formell ab. Als der Sarg meines „Großvaters" aus dieser Kapelle herausgetragen wurde, bekam ich einen heftigen Weinkrampf.
Da war alles so endgültig!
Obwohl
