Geschichten vom laufenden Band: Mobbing in der Automobilindustrie
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Über dieses E-Book
Manfred Kaltenberg berichtet diese Erfahrungen auf eine Art und Weise, die den Leser unwillkürlich in die Geschichte hineinzieht, als sei man dabei. Man weiß, dass es so ist in der Tretmühle, täglich und stündlich. Jeder Handgriff wird beschrieben als würde ihn der Leser selbst machen. Der Autor bringt immer wieder mit verblüffender Direktheit die Situation auf den Punkt, bricht zugleich auch die bedrohlichen Erfahrungen mit Ironie und Sarkasmus.
Ein Buch über Mobbing zu schreiben, was immer wieder zum Schmunzeln bringt, das ist schon eine Leistung!
Es entlarvt die Lüge vom "freiwilligen" Ausscheiden aus dem Betrieb. Es regt dazu an, sich zusammenzuschließen und darüber nachzudenken, wie Mobbing funktioniert und wie man damit fertig werden kann.
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Buchvorschau
Geschichten vom laufenden Band - Manfred Kaltenberg
1(K)Ein Tag wie jeder andere
»Bitte folgen Sie mir«, sagt die Dame der Personalabteilung, als sie gemächlichen Schrittes aus dem Foyer ins Freie tritt und draußen wartet. Mit mir sind noch knapp 25 andere Personen anwesend, alle unterschiedlichen Alters. Wie ich später erfahre, sind es eine Reihe von Azubis. Der Rest sind alles Neueinstellungen, so wie ich.
Nachdem alle das Foyer verlassen haben, geht Frau Personalabteilung weiter in Richtung eines anderen Gebäudes. Wie wir erfahren, befinden sich dort die Verwaltung und die Besprechungsräume. Zu einem der selbigen sind wir nun auf dem Weg, um das Unternehmen besser kennenzulernen. »Ich bin mal gespannt, was die uns alles erzählen«, höre ich eine Stimme neben mir. Ich nicke nur und denke: »Ich auch«. Denn auch ich bin gespannt, was wir in den nächsten zwei Tagen alles über das Unternehmen erfahren. Die Stimme gehört Stefan, 35 Jahre alt und ebenfalls neu im Unternehmen. Mittlerweile sind wir im Gebäude angekommen und es geht zwei Stockwerke nach oben. Es sieht hier schon jetzt aus wie in einer Montagehalle. Zumindest stelle ich sie mir so vor. Da ich Zeit meines Lebens ein Schreibtischtäter war, hatte ich so gut wie keine Berührungspunkte mit Fabrikhallen oder Ähnlichem. Gefliester Boden, sterile weiße Wände. Irgendwie sieht alles ein wenig alt aus. Wie heißt es so schön? Form follows function? Na, meinetwegen.
Auch der Besprechungsraum sieht nicht unbedingt so aus, wie man sich den eines großen deutschen Autobauers vorstellt. Teppichboden und alles Grau in Grau. Aber auch das ist o.k. Schließlich befinden wir uns hier nicht in der Vorstandsetage einer Bank. Ein paar Mitarbeiter sitzen bereits im Raum und wie wir später erfahren, handelt es sich um die Schichtleiter aus den verschiedenen Bereichen, für die die neuen Mitarbeiter vorgesehen sind. Sie mustern uns beim Eintreten und bei Blickkontakt grüßen sie freundlich. So ungefähr muss man sich wohl bei einer großen Fernsehshow eines Privatsenders vorkommen, in der nach einem neuen weiblichen Fotomodel gesucht wird.
Nachdem sich alle gesetzt haben, sagt Frau Personalabteilung, dass nun nach und nach die Schichtleiter der einzelnen Bereiche uns eine kleine Einführung geben. Für Raucherpausen sei ebenfalls gesorgt. Wie gut, dass ich kein Raucher bin. Frau Personalabteilung verabschiedet sich mit bedeutungsschwangeren Worten, indem sie sagt, wie sehr sich alle freuen, dass wir da sind; sie wünscht uns einen guten Start im Unternehmen. Als sie die Tür hinter sich schließt, steht einer der Schichtleiter auf und begrüßt uns ebenfalls recht herzlich. Er stellt sich vor als Schichtleiter der Frühschicht, sei 37 Jahre alt, verheiratet und bereits seit Ende der 1990er-Jahre im Unternehmen. Angefangen habe auch er »ganz unten« und sei über die Jahre hinweg aufgestiegen. »Hier kann man also Karriere machen«, denke ich so bei mir. Das klingt doch schon mal recht vielversprechend. Später werde ich noch erfahren, wie es wirklich darum bestellt ist. Im Laufe seines Vortrags erzählt er uns, was in seinem Bereich für Tätigkeiten ausgeführt werden. Es sei die Endmontage und dort gebe es hauptsächlich Arbeitsplätze am Fließband, wo die Arbeit sehr anstrengend sei. Ein Raunen geht durch den Raum, was er zum Anlass nimmt, wie ein Priester über seine Gemeinde, die Hände zu heben. »Keine Sorge. Es ist hart, aber nach vier Wochen hat man sich daran gewöhnt.« Und falls es doch nicht klappt, könne man sich auch problemlos an einen anderen Arbeitsplatz oder in eine andere Abteilung versetzen lassen. Ein entsprechender Antrag beim Vorgesetzen, meistens der zuständige Betriebsingenieur, würde reichen. Bei einigen der Anwesenden sehe ich erleichterte Gesichter und auch das ein oder andere »Puh« ist zu vernehmen.
Auch ich bin erleichtert. Ich werde zwar alles geben, aber ich bin für die Endmontage eingestellt worden und habe bisher leider keinerlei Erfahrung mit der Arbeit am Fließband. Nachdem alle noch offenen Fragen seitens der Neuankömmlinge von ihm beantwortet wurden, wünscht auch er uns allen einen guten Start. Auch er sei froh, dass wir da sind.
Die anderen Schichtleiter beten uns im Grunde genommen dasselbe herunter wie der erste. Nach weiteren drei abschließenden »Schön, dass Sie alle da sind« findet die erste Raucherpause statt. Mit dem Gefühl, dass jeder einzelne Schichtleiter noch an seiner Rekrutierungsmasche zu feilen hat, gehe ich mit den anderen nach unten auf den Hof. Im Vorbeigehen fällt mir im Vorraum zum Treppenhaus ein Kaffeeautomat auf, der mir für kleines Geld einen heißen Kaffee verspricht. Ich gebe dem Drang nach, mir einen Kaffee zu gönnen und gebe dem Automaten, was er will. Nach einem kurzen Surren und mehreren Klackgeräuschen, öffnet sich im unteren Bereich des Automaten ein Fach, dem ich meinen Kaffee entnehmen kann. Ich gehe raus auf den Hof und setze mich auf eine noch freie Bank. Die Sonne scheint und es ist angenehm warm. Wir haben Juli, Hochsommer. Ich nippe an meinem Kaffee und schaue mir nach und nach die anderen Kollegen an. Wo man hinschaut, hoffnungsvolle und strahlende Gesichter.
Als die zugestandenen 20 Minuten für die Raucherpause vorbei sind, gehen wir alle wieder nach oben. Dort wartet bereits Herr Betriebsrat auf uns. Als sich alle gesetzt haben, stellt auch er sich vor. Er sei Betriebsratsvorsitzender und ebenfalls seit den 1990er-Jahren im Unternehmen. Wie Sie sicherlich schon richtig geschlussfolgert haben, hat auch er sich hochgearbeitet, nicht so sehr wie andere, aber auch das werde ich später noch im Detail erfahren. Diverse Lobeshymnen auf die Erfolge des Betriebsrates sowie Hinweise auf diverse Betriebsvereinbarungen später, wünscht auch er uns einen guten Start und, jeder hat es erwartet, auch er sei froh, dass wir da sind. Wie aufs Stichwort geht die Tür auf und Frau Personalabteilung, in Begleitung eines unbekannten Mannes, betritt den Raum. Sie wolle nun die Azubis abholen, um sie in die einzelnen Bereiche zu bringen. Die Azubis stehen auf und folgen gehorsam Frau Personalabteilung – wie die Lemminge.
Der unbekannte Mann stellt sich als derjenige vor, der in dem Werk die Besichtigungen durchführt. Er sei nun da, um uns einmal herumzuführen, damit wir uns die einzelnen Abteilungen anschauen können. Die um die Azubis dezimierte Gruppe erhebt sich und verlässt nach und nach, geführt von dem Herrn, den Besprechungsraum. Auf dem Weg durch das Treppenhaus nach unten kommen wir an einem Herrn vorbei, der gerade aus der Tür mit der Aufschrift »Personalabteilung« gekommen ist. Er nickt uns allen freundlich zu und stellt sich als Personalchef des Unternehmens vor. Nacheinander schüttelt er uns allen die Hand und auch er schließt seine kurze Vorstellung mit den Worten, wie schön es doch sei, dass wir nun alle da sind. Wir gehen weiter in Richtung Erdgeschoss, der Herr Personalchef geht nach oben, ganz im Sinne der hierarchischen Unternehmensstruktur. Sehr viel später, als meine Odyssee durch das Unternehmen bereits im vollen Gang ist, erfahre ich, dass der Herr Personalchef überhaupt keine Ausbildung zum Personalmanager hat und somit einen Titel führt, der ihm in keiner Weise zusteht.
Im Erdgeschoss angekommen bekommen wir alle von dem Herrn für die Werksführung einen Kopfhörer mit Empfänger, damit seinen Erzählungen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit zuteil wird. Als alle mit Kopfhörern versorgt sind, begrüßt unser »Reiseleiter« uns nochmals und fängt an, uns über die Geschichte des Werks aufzuklären. Es sei Anfang der 1990er-Jahre mit großem Tam-Tam entstanden. Wie dies im Einzelnen vonstattengegangen ist und wie es überhaupt zu dieser, vornehm ausgedrückt, Führungsriege, gekommen ist, erläutere ich Ihnen im Epilog. Für den chronologischen Ablauf wäre es störend, wenn ich hier schon damit rausrücken würde. Also noch etwas Geduld, es lohnt sich.
Wir gehen auf der Straße weiter in Richtung einer der großen Werkshallen. Diese betreten wir durch einen entsprechend gekennzeichneten Eingang und sehen uns wieder mit einem Treppenhaus konfrontiert. In diesem geht es in den zweiten Stock, wo wir schließlich durch eine große Doppeltür die heiligen Hallen unseres neuen Arbeitgebers betreten. Was uns erwartet, lässt sich mit Worten kaum beschreiben. Wir stehen auf einer Galerie, circa sieben Meter über dem Boden, etwa auf halber Höhe des Raums. Von hier aus können wir fast die ganze riesige Halle überblicken. Unter uns schleichen die Skelette der Fahrzeuge im Schneckentempo dahin und Mitarbeiter in Hemd und Stoffhose wuseln wie Ameisen an und in den Skeleten herum. Wie wir über die Kopfhörer erfahren, befinden wir uns hier im Rohbau. Hier werden die Fahrzeuge aus entsprechenden Karosserieteilen zusammengebaut. Anschließend werden diese dann weiter über das Fließband in die Lackiererei transportiert, wo sie ihre Farbe bekommen. Dies könnten wir uns aber leider nicht ansehen, da wir hierfür eine entsprechende Schutzkleidung benötigten und eine Besichtigung ohnehin nicht vorgesehen sei. Die Führung geht weiter über die Galerie, vorbei an historischen Bildern, die die Geschichte des Werks und der hier gefertigten Modelle erzählen, in Richtung Fertig- und Endmontage, dem Einsatzgebiet, wo die meisten von uns demnächst ihr Dasein fristen werden.
Über eine Treppe gelangen wir von der Galerie auf die Montageebene. Über die Kopfhörer erfahren wir, dass wir innerhalb der auf dem Boden durch gestrichelte Linien gekennzeichneten Gehwege bleiben und auf den Lieferverkehr, der aus Gabelstaplern und Elektroschleppern besteht, achten sollen. Diese flitzen in einem mir wahnwitzig vorkommenden Tempo, beladen oder unbeladen, über die gekennzeichneten Förderstraßen. Es geht weiter, vorbei an verschiedenen Montagestationen, die wir einzeln über die Kopfhörer erklärt bekommen. Ich bleibe an einer Station stehen und schaue mir die Arbeit genauer an. Hier wird der Tank eingebaut. Dazu schwebt das Auto über dem Mitarbeiter und dieser führt von Hand den Tank in die dazugehörige Öffnung ein. Ein anderer Mitarbeiter schraubt diesen dann mit einem Akkuschrauber fest. Das Ganze geschieht über Kopf und das Band gibt dem Mitarbeiter das Tempo vor. Für mich als Außenstehenden sieht das Ganze sehr gehetzt aus. Wie ich später am eigenen Leib erfahre, ist das hier leider Normalität, auch die ungesunde Haltung beim Montieren. In diversen Filmen auf einer großen Video-Plattform im Internet kann man sehen, dass dies auch anders geht. Ergonomie heißt das Zauberwort. Hier wird es leider kleingeschrieben, sehr klein. Auch das werde ich bald erfahren.
Nach einer guten Stunde ist die Führung vorbei und es geht auf direktem Weg zurück in den Besprechungsraum. Frau Personalabteilung ist bereits anwesend und teilt uns mit, dass wir nun eine Stunde Mittagspause haben. Da die Bezahlung in der Kantine überwiegend über Guthabenkarten abgewickelt wird, werden wir gefragt, wer dort essen möchte; entsprechende Karten würden bereitgehalten. Ein paar entscheiden sich dafür, die meisten aber dagegen. Stefan fragt mich, ob ich auch etwas zu Mittag essen möchte. »Warum nicht«, sage ich. Wir stehen auf und fragen Frau Personalabteilung nach zwei Guthabenkarten. Sie drückt uns jedem eine Karte in die Hand und empfiehlt uns die Bratkartoffeln. Diese seien richtig gut. Wir bedanken uns für den Tipp und machen uns auf den Weg zur Kantine. Diese liegt im ersten Stock der großen Werkshalle, die wir zuvor besucht haben. Auf dem Weg dorthin halten wir ein wenig Small Talk. Stefan stellt sich mir vor, ich tue es ihm gleich. Durch den bereits bekannten Eingang gehen wir in das Treppenhaus und von dort in den ersten Stock. Durch eine Doppeltür betreten wir die Kantine. Sie sieht nicht viel anders aus als eine Uni-Mensa bzw. so stelle ich mir eine klassische Firmenkantine vor. Wir nehmen uns ein Tablett und gehen zur Essenausgabe. Beide entscheiden wir uns für die empfohlenen Bratkartoffeln, wovon die Bedienung an der Essensausgabe uns eine große Portion auf den Teller schaufelt. »Bitte sehr und einen guten Appetit«, wünscht die Bedienung mit einem freundlichen Lächeln. Irgendwie warte ich noch auf das bereits geliebte »Schön, dass ihr da seid«, aber Stefan drückt mich mit einem »Komm, ich habe Kohldampf« in Richtung Kasse. Ich schnappe mir im Vorbeigehen noch zwei kleine Flaschen Cola aus dem Regal. Wir zücken beide unsere Guthabenkarte und reichen sie der Kassiererin. Es piept jeweils zweimal. Das war es. Auf meine Frage, ob sie noch etwas bekomme, sagt sie uns freundlich, dass die Karte genügend Guthaben aufweise und das Essen somit bezahlt sei. Wir bedanken uns und gehen zu einem Tisch, wo bereits ein paar von uns Neuankömmlingen sitzen. Als wir uns gesetzt haben, wünsche ich allen einen guten Appetit. Die Bratkartoffeln schmecken in der Tat fantastisch. Auch Stefan schmecken sie gut. Beim Essen ziehen wir ein erstes Resümee über das, was in den letzten Stunden passiert ist. Wir sind uns einig, dass der Empfang und das Tagesprogramm mehr als in Ordnung geht, und hoffen, dass es in den nächsten beiden Tagen so weitergeht.
Nachdem wir aufgegessen haben, steht Stefan auf und bringt sein Tablett weg. Als er mich fragend ansieht, sage ich, dass ich noch etwas hierbleibe. Er nickt und während er die Kantine verlässt, hole ich mein Handy aus der Tasche. Als ich es entsperre, sehe ich, dass ich zwei Nachrichten erhalten habe, beide von meiner Freundin. Sie wünscht mir einen guten Morgen und fragt, wie es mir geht. Ich schreibe ihr zurück, dass bis jetzt alles super ist, auch das Essen. Ich warte noch etwas, aber eine Antwort werde ich wohl erst später bekommen.
Als ich mich noch etwas in der Kantine umsehe, bemerke ich, dass auch hier an den Wänden Bilder aus der Geschichte des Werks hängen. Wortlos lasse ich meinen Blick über die Fotos schweifen, dann stehe ich auf und begebe mich mit meinem Tablett zu einem dafür vorgesehenen Fließband. Ich stelle es darauf, verlasse die Kantine und gehe zurück in Richtung Besprechungsraum.
Den Rest des Tages bekamen wir das Unternehmen in allen Details nähergebracht und im Grunde genommen waren die nächsten zwei Tage nichts anderes, also eine Kopie des ersten Tages. Weshalb ich hier auch schon das Kapitel beende, um im nächsten damit zu starten, wie es wirklich hinter der Hochglanzfassade aussieht.
2Der erste Arbeitstag
Heute ist es soweit. Mein erster Arbeitstag beginnt mit einem Weckerklingeln. Während ich versuche, die Augen zu öffnen und auf den Wecker zu schielen, taste ich nach dem Ausschalter, damit meine Freundin nicht wach wird. »Ist es echt schon so weit?«, frage ich mich und während meine Augen sich langsam zu Schlitzen öffnen, erkenne ich die Zahlen auf dem Wecker. 4:30 Uhr. Kein Traum. Vor Aufregung habe ich die halbe Nacht nicht geschlafen, mindestens. Dies rächt sich nun in Form einer bleiernen Müdigkeit. Ich setze mich also auf die Bettkante und fang an, meine Gedanken zu sortieren. Heute also geht es los. Der erste Arbeitstag im neuen Unternehmen. Ich bin bereit, jedenfalls sobald der Rest des Körpers
