Weil sich Dein Herz erhob und die Weisheit verdarb
Von Oliver K. Voigt
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Über dieses E-Book
Eine packende Tragödie, die mit den Vorurteilen einer verdrehten Menschheitsgeschichte und deren Religionen aufräumt, ohne den Zusammenhang an die Geschichtsschreibung zu verlieren. Gleichzeitig erhält der Leser einen exakten Einblick in eine Welt, die jeden Insider erstaunen lässt. Hier findet ein Paradigmenwechsel statt, der Spannung erzeugt und zwar in dem Bereich, wo der Mensch seine angestammten und anerzogenen Wahrheiten zu hinterfragen beginnt und sich zum Schluss des Buches nach seinen Sehnsüchten und den Wahrheiten seines Lebens fragen wird.
Oliver K. Voigt
Oliver K. Voigt wurde 1971 geboren. Er lebt in Mönchengladbach. Nach dem Abschluss zweier Berufsausbildungen und einem nicht beendetem Studium, ist er in der Filialleitung eines Mobilfunkunternehmens tätig. Parallel ist er Künstler, Fotograf und Inhaber einer kleinen Firma die sich u. a. mit der Vermarktung von Kunst befasst.
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Buchvorschau
Weil sich Dein Herz erhob und die Weisheit verdarb - Oliver K. Voigt
Für Dich
Dich und dein Blut hab’ ich gerächt, habe dich aus der Gruft, in der du lebendig begraben warst, gezogen, und auf den Fürstenstuhl zurückgeführt.
Dass dein Schicksal an meines befestigt ist, begreifst du. Du stehst mit mir, und mit mir gehst du unter. Die Völker alle sehn auf uns. Ich hasse die Gaukelei, und was ich nicht empfinde, mag ich nicht zeigen; aber ich fühle wirklich eine Ehrfurcht gegen dich, und dies Gefühl, das meine Knie vor dir beugt, es ist mein Ernst.
Deine Eva
Paris im Mai 2004
Inhaltsverzeichnis
Prolog: Zu Mysterienbünden, sonstigen Geheimgesellschaften Zu Mysterienbünden, sonstigen Geheimgesellschaften
Das Orakel von Delphi
Isis und Osiris
Strukturen
Paradigmenwechsel
Veritas und Eva
Martyrium
Krönendes Requiem
Metamorphose
Christentum versus homo est Deus
Inmitten unter uns, in den Bergen, die Söhne des Herren
Wenn die Sonne stirbt. Ein Memorandum
Der Tod einer Königin/ Never let it die
Ein Ende wird zum Anfang
Caspar Maria Ferdinand Ein Kind ohne Vater und Mutter
Ausweglos
Am Ende eines Tages- Ein Memorandum an die Liebe des Lebens
Mesopotamien
Triumphaler Einzug der Weihe
Auszug aus dem Tagesablauf eines Großpriors
Sol invictus
die Siegesfeier am dunkelsten Tag
Die Macht des Zorns und der Hilflosigkeit
Über den Vorhof in den Tempel
Zwischengefühle von Macht und Machtlosigkeit
Aus dem Ritual, einer Saturn Loge:
Der Tod eines Ritters, eines Bruders
Wem und was dienen wir auf der Welt? – Einer Weltherrschaft – the new world order
Die Gruppe der Mächtigen „The Group"
Ode der Sehnsucht
Ritueller Tagesablauf
Die Masse und deren Dummheit versus Ideal der Verschwiegenheit
Die Rolle des Baphomet
Ouroboros
Die Ausweglosigkeit des Menschseins
The sound of goodbye
Nachlass
Jahre später. Ein Déjà-vu
Prolog
Zu Mysterienbünden, sonstigen Geheimgesellschaften
und zu diesem Buch
In den sogenannten Mysterienbünden, wie z. B. bei den Rosenkreuzern, Freimaurern und einigen anderen okkulten Gruppierungen spielen immer wieder die Stufen der Geburt, der Wanderung durch das Leben und der Tod eine wichtige und übergeordnete Rolle. Die Daseinsfrage und die Frage nach der Sterblich- bzw. Unsterblichkeit stehen im Mittelpunkt des Geschehens. Die Herangehensweisen unterscheiden sich, wobei es immer wieder zu Überschneidungen kommt. Fast alle Gruppen sind Splittergruppen, die entweder den gleichen Ursprung oder sich aus einer Gruppe herausgebildet haben. Einige von ihnen haben ein Lehrsystem und andere wiederum, wie die Freimaurerei, haben keins oder angeblich keins. In sogenannten Ritualen werden über Allegorien Geschichten initiiert, die dem Probanden eine andere Weltanschauung vermitteln sollen. Diese wird mit viel Zinnober und althergebrachtem Mysterienwissen, dass leider mittlerweile so verklärt wurde, dass die sogenannten Eingeweihten selber deren Ursprung und Sinn abhandengekommen ist, versucht zu vermitteln. Die Mitglieder in diesen Vereinigungen fangen in einer gewissen Phase an zu forschen und zu studieren. Andere wiederum widmen sich mit Hingabe ihrem Lehrsystem und beginnen mit ihren Exerzitien. Größtenteils wird kommentarlos an der Veränderung der eigenen Psyche gearbeitet. Das Ziel bleibt zunächst verborgen, schließlich muss man die Stufen der einzelnen Tempel erst erklimmen um dann feststellen zu können, wo die Reise eigentlich hingegangen ist. Nicht wenige sind bitter enttäuscht und resignieren oder füllen ihre erreichte Funktion mit großer Leidenschaft aus. So wie es in vielen Vereinen auch üblich ist. Ist nicht eines der großen Laster der Menschheit die Eitelkeit? Hierarchisch sind diese Systeme aufgebaut und Andersdenkenden wird das Leben schwergemacht. Gerne wird unter dem Deckmantel der Humanität agiert und es werden neue Mitglieder geworben, nur in der realen Praxis stellt der Zögling fest, Humanität und anders denken ja, aber nicht weiter hier! Schließlich hat dieses Andersdenken, den Adepten ja zu dieser Vereinigung geführt. Nun muss auch mal gut sein, mit dem anders denken. Jetzt muss sich eingefügt werden, in den Weltenbau der Gemeinschaft. Im Endeffekt machen die Mitglieder und auch die Ausbrecher aus diesen Systemen genau das, was von ihnen erwartet wird. Sie stehen in der Ablenkung vor sich selbst, sie sind gefangen in Systemen. Welchem System sie letztlich und endlich angehören ist zweitrangig, selbst wenn sie resigniert aus allem aussteigen. Sie wurden gefangen genommen und erleichtern einer Obrigkeit, wo man diese auch immer vermuten mag, ihr tägliches Tun, mit uns Schäfchen. Sei einem manchen von uns auch der Beitritt zu einer Vereinigung noch so hilfreich, gerade im Hinblick des Klüngelns, des Wichtigmachens, der Reputation für das wirtschaftliche Weiterkommen. Der Mensch ist und bleibt Gefangener, wie die Angehörigen sämtlicher Religionsgemeinschaften. Der einzige Unterschied ist der: Mit dem sogenannten und fälschlicherweise bezeichneten, einfachen Menschen hat diese Obrigkeit etwas weniger Mühe. Diesen Menschen lässt man entweder nicht den Luxus zugutekommen, sich mit angeblichen esoterischen Hilfsmitteln weiterzuentwickeln, bei diesen Menschen reicht der schiere Existenzkampf oder die Glotze aus, um manipuliert zu sterben und das Maul zu halten, um einfach nur zu funktionieren. Demokratie ist hier auch ein Zauberwort, das sich sehr gut bewährt hat.
Am Ende bleiben die, die ahnen, dass da etwas nicht koscher ist, in unserem System. Nur wer von diesen Menschen erhebt sich und will gar Märtyrer sein? Gegen wen soll dieser Mensch sich erheben? Sind die Gegner doch namentlich nicht bekannt oder über eine Gruppe angesammelt auffindbar zu machen, geschweige denn eine formulierte Anklage würde zu einer unüberwindbaren Herausforderung werden. Erschwert sich dieses ganze Vorhaben noch dadurch, dass selbst innerhalb Kleinstzirkeln, sei es auf kommunaler Ebene, innerhalb von Behörden oder Firmengeflechten und Sonstigem auch diesen Klüngel im Großen und Ganzen existierend auffinden lässt. Für wen also kämpfen? Wer sich zu irgendeiner Weltverschwörung bekennt, wird ausgelacht und eines Besseren belehrt, nicht zuletzt von plötzlich auftauchenden Experten, die alles recherchiert haben und im Ergebnis festhalten: stimmt nicht. Alles absurd, so wie der Glaube an die Auferstehung, sei es nur der Glaube an der Auferstehung eines einzelnen Menschen. Machen Sie doch einmal die Probe, haben Sie den Mut und stellen Sie Fragen an die Kirche, die Sie für fragwürdig erachten. Die Art der Antwort, wird Sie stark an das Mittelalter erinnern. Wundert Sie das? Wenn ja, dann herzlichen Glückwunsch. Machen Sie das Beste daraus und widmen Sie sich Ihrem Selbst und versuchen Sie ein Leben zu führen, dass nur Ihnen gerecht wird. Wenn es Sie nicht wundert, dann schreiben Sie einen Roman, damit es wenigstens den Anstrich eines Märchens hat, den Sie dann schützend über sich legen können.
Das Orakel von Delphi
Der Abend konnte beginnen. Alles war blitzeblank saubergemacht und aufgeräumt. Nicht dass dies sonst nicht so war, aber für diesen Abend musste es ganz besonders sein. In der Küche war eifrige Betriebsamkeit der Hausherrin zu vernehmen. Es roch nach Essen und Backwerk. Klar, es war ja auch gekocht und gebacken worden. Der Tisch war gedeckt - und wie! Das Silberbesteck lag vorschriftsmäßig angeordnet. Löffel, Messer, Gabel, Licht waren in mehrfacher Ausführung vorhanden. Es sollte und durfte an nichts fehlen. Entsprechend galt dieser Überfluss auch für das Service, die Gläser, Glaskaraffen, Silberkaraffen. Eine richtige Festtafel war das. Die Musik spielte auch schon. Eine CD mit Jazz, der Interpretin Diana Krall. Gedämpftes Licht schaffte behagen im angrenzenden Wohnzimmer. Indirekte Beleuchtung war hier das Zauberwort. Sie stammte von den schweren Silberleuchtern, von denen der eine auf einem sehr alten gotischen Altar, der zur Hausbar umfunktioniert worden war, stand, und der andere auf dem ebenfalls antiken Beistelltisch. Alles war geschmackvoll eingerichtet und man fühlte sich wie in einem britischen Zimmer, so wie man es aus den Illustrierten kennt. Der große Balkon war beleuchtet und dadurch wirkte es sehr heimelig und der Blick nach draußen in den herbstlichen Abend verschaffte Behagen, gut im Inneren der Wohnung aufgehoben zu sein. Schnell noch eine Kontrollfrage in Richtung Küche, ob alles nach Plan lief und ob noch etwas für den Hausherrn zu tun sei. Erleichtert wurde das Nein entgegengenommen und der letzte der schon zuvor mehrfach stattgefundenen Kontrollgänge konnte beginnen. Auf dem Kamin schnell noch einmal den Stand des im Silberrahmen befindlichen Bildes korrigieren. In der Toilette nach dem Rechten schauen, dann ging es Richtung Arbeitszimmer. Vollkommen unüblicher weise brannte auch dort Licht, obwohl die Tür geschlossen war und sich niemand im Raum befand. Ein stolzer Blick zu dem riesigen Mahagonischreibtisch bestätigte, dass sich kein Schnipsel Papier und kein „Gedöns" darauf befand und der Blick nur auf die drei eingearbeiteten grünen Lederplatten fiel. Dadurch wirkte der Tisch besser, vor allem noch größer. Anhand des hölzernen Ablagekorbs konnte sich ein eventuell verlaufener Gast die Bestätigung einholen, dass hier auch gearbeitet wurde. Schließlich ist in einem Haushalt ein Arbeitszimmer allein nur für den Hausherrn vorgesehen. Böse Zungen behaupteten, es handele sich hierbei um einen Kinderzimmerersatz. Was natürlich absoluter Blödsinn ist. Schließlich wurde hier innerhalb der Männerwelt auch repräsentiert. Nicht jeder dieser Männer konnte ein Arbeitszimmer vorzeigen. Und dieses Arbeitszimmer war ein Vorbild eines Arbeitszimmers, denn hier stand nicht nur ein riesiger englischer Mahagonischreibtisch, sondern auch ein schwarzes Klavier und noch ein Sessel mit einem Beistelltisch. An der Wand ein Gemälde mit dem Hausherrn persönlich darauf, in besonderer Pose. Die selbst den Hausherren gelegentlich zum Schmunzeln brachte. Es war das Geschenk eines Freundes. Nun gut, hier schien alles in Ordnung zu sein. Ein letzter Blick in den Spiegel - alles in Ordnung. Das Haar lag gut. Kleidungsauswahl war exzellent, nur das Einstecktuch bedurfte einer kleinen Korrektur. Dann der Blick auf die alte goldene Armbanduhr. Mit diesem Blick setzte auch unverzüglich die Unruhe ein. Wo blieben sie denn, die Gäste!
Gemurmel, Geklimper, Lachen. Die Feier war in vollem Gange. Die Meute war gesättigt und feuchtfröhlich gelaunt. Die Damen hockten zusammen und die Herren hatten sich ebenfalls in zweierlei Gruppen zusammengefunden. In jeder der beiden Männergruppen gab es einen Wortführer, der durch den Abend zu begleiten schien. Simon, dessen Geburtstag gefeiert wurde, pendelte zwischen den Gruppen aus Frauen und Männern hin und her. Prösterchen hier, Prösterchen da und die Frage, „wie geht es dir" bis hin zu vertraulichen Fragen und Anliegen, die innerhalb zweier Männer stattfanden, aber innerhalb einer Männergruppe selten bis gar nicht gestellt werden, wurden an ihn gerichtet und herangetragen. Im Großen und Ganzen war Simon bemüht, seiner Gastgeberrolle gerecht zu werden. Er schenkte nach, bot die verschiedensten Getränke an, wie Grappa, Obstbrände sämtlicher Geschmacksrichtungen, Wein, Whisky und selbst Zigarren hatte er im Angebot. Ab und zu ein Blick zu seiner Partnerin, um sich zu vergewissern, ob er sich richtig verhielt und ob noch alles nach Plan verlief. Doch niemand bemerkte, dass Simon unendlich angeödet war, denn sein Geburtstag endete im Präsentieren und vor allem Repräsentieren seiner Selbst. Was repräsentiere ich hier eigentlich? In welche Rolle bin ich hier geschlüpft? Unzufriedenheit breitete sich in ihm aus. Obwohl doch alles in Ordnung schien. Ist es die Beziehung? Sicher, beide hatten schon bessere Zeiten miteinander erlebt, aber diese Abnutzungserscheinungen gab es auch bei anderen. Wer im Umfeld hatte schon die optimale Beziehung? Nein, dies schien nicht die Ursache zu sein und wenn, nicht ausschließlich. Simon fühlte sich selbst gegenüber fremd. Heute war er einunddreißig geworden, hatte keine Kinder, aber es verhältnismäßig weit gebracht, mit seiner schönen Wohnung, seinem besonderen Stil, der Einrichtung und auch beruflich lief alles im ruhigen und sicheren Fahrwasser. Er war endlich dabei, Geld zu verdienen und gab dieses Geld auch aus. Sparen und der Kauf dieser Wohnung waren die Ideen seiner Eltern. Schließlich musste er ja an das Alter denken. An das dachte er seit kurzem täglich, an diese gottverdammte Zeiteinteilung. Nur, was tun mit der Zeit, zumal sie begrenzt war? Nicht nur die Lebenszeit, auch die Tageszeit. Er arbeitete viel und auch nebenbei halste er sich viel auf. Zuletzt sein Studium. Simon hatte sich in den vergangenen drei Monaten sehr verändert. Er war sehr nachdenklich geworden. Kleine depressive Schübe überkamen ihn. Nichts Pathologisches. Nein, er war mit der Frage nach dem Sinn des Lebens konfrontiert worden. Nicht, dass ihm diese Frage neu sie ihm noch nie begegnet war. Nein, sein inneres Ich hatte ihm plötzlich und unaufgefordert diese Frage gestellt. Gerade jetzt. Was sollte das? War Simon doch gerade nach turbulenten Zeiten, der beruflichen Wirrungen und nach dem Ende einer Beziehung nun endlich in einer neuen Beziehung angelangt und hatte gerade einen Karrieresprung erreicht.
Nein, den Gedanke nach Sinn und Unsinn hatte er mitgebracht, nach seiner Aufnahme in die Freimaurerei. Er hatte in der Dunklen Kammer, der Kammer der verlorenen Schritte gesessen und war dort mit den Zeichen und Symbolen der Vergänglichkeit konfrontiert worden. Er hatte an einem Tisch gesessen, auf dem aufgeschlagen die Bibel lag. Der Logos des Johannes Evangelium, das mit den Worten beginnt:
Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Dieses war im Anfang bei Gott. Alles ward durch dasselbe, und ohne dasselbe ward auch nicht eines, das geworden ist. In ihm war Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst.
Ihm gegenüber lag ein Totenkopf und eine Sanduhr stand daneben, als Zeichen der Vergänglichkeit. Der Raum war mit schwarzem Stoff verhangen, ähnlich der Tischdecke, die ebenfalls schwarz zu
