Die drei Magier - Das gestohlene Drachenfeuer: Roman
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Wieder einmal stiftet der dunkle Zauberer Rabenhorst Unfrieden in der magischen Welt Algravia: Seit er einen Drachen entführt hat, ist es plötzlich so eiskalt geworden, dass sogar die Geister in der Luft einfrieren!
Die drei Kinder müssen dringend die magische Ordnung wiederherstellen, sonst droht eine Eiszeit - und die wäre sogar in ihrer Heimatstadt Mühlfeld zu spüren..."
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Buchvorschau
Die drei Magier - Das gestohlene Drachenfeuer - Matthias von Bornstädt
Es war eine ziemlich große Beute für einen ziemlich kleinen Jäger. Daher musste der Jäger zu einer List greifen. Trotzdem blieb sein Vorhaben brandgefährlich.
Rabenhorst schwitzte unter seinem hohen Magierhut. Selbst mit der Kopfbedeckung war er nicht einmal halb so hoch wie das gewaltige Ungetüm, das wenige Schritte vor ihm auf dem Waldboden lag. Dessen Flanken hoben und senkten sich regelmäßig.
»Ah, sie schläft«, flüsterte Rabenhorst.
»Schläft! Schläft!«, krächzte der Rabe auf seiner Schulter.
Eilig drückte Rabenhorst ihm den Schnabel zu. Wollte das blöde Federvieh, dass sie beide als Drachenfrühstück endeten? »Keinen Krächz mehr, hast du verstanden, Findichgut?«
»Findichgut«, gab der Rabe so leise er konnte zurück.
Rabenhorst nickte. Dann tappte er näher an das Ungetüm heran. Dabei tastete er prüfend nach der Geheimwaffe, die er unter seinem Umhang verbarg. Um sie zum Einsatz zu bringen, musste Rabenhorst noch ein Stückchen näher heran …
Das Morgenlicht fiel in feinen Strahlen durch die Baumkronen und ließ die violetten Schuppen des schlafenden Biests aufblitzen.
Mit jedem Schritt wurde es Rabenhorst wärmer. Der Drache verströmte Hitze wie ein bollernder Ofen. Und dabei schläft sie noch, dachte Rabenhorst. Wie warm mochte es erst werden, wenn sie …
Knacks. Rabenhorst war auf einen Zweig getreten. Das Geräusch hallte wie ein Schuss durch den stillen Wald. Der Atem des Drachen stockte. Obwohl Rabenhorst schwitzte, fühlte er sich, als würde ihm jemand Eiswürfel in den Kragen kippen.
Erwachte das Monster? Sekunden verstrichen, in denen Rabenhorst sich nicht zu rühren wagte.
Plötzlich schwang der lange, mit Dornen gespickte Drachenschwanz durch die Luft.
ZWUSCH!, peitschte der Schwanz über den Boden, als wollte er eine Fliege erschlagen. ZWUSCH! ZWUSCH! ZWUSCH!
Rabenhorst hechtete zur Seite, doch der Drachenschwanz streifte sein Gesicht. Der Magier spürte einen brennenden Schmerz. Hatte das Biest ihm die Nasenspitze abgesäbelt?
Endlich atmete der Drache wieder ruhiger. Rabenhorst schnaufte durch. Uff … Er tastete nach seiner Nasenspitze. Alles noch dran.
Zum ersten Mal, seit Rabenhorst sich seinen Plan ausgedacht hatte, überkamen ihn Zweifel. War das hier vielleicht doch eine Nummer zu groß für ihn?
»Zu groß! Zu groß!«, krächzte Findichgut. Manchmal las der Vogel sogar die Gedanken seines Herrn.
»Pah! Von wegen zu groß«, knurrte Rabenhorst ungehalten. Für den größten Magier von Algravia war nichts und niemand zu groß! »Ich brauche diese Kreatur – um jeden Preis!« Er nahm allen Mut zusammen und tappte noch zwei, drei Schritte dichter an das Ungeheuer heran.
Dann zückte er seine Waffe.
Ein paar Minuten später war Rabenhorst mit seiner Beute über alle Berge. Doch im verlassenen Drachennest blieb etwas zurück: etwas, das wie ein eierförmiger Felsen aussah.
Der merkwürdige Stein war so groß, dass man ihn gerade so mit zwei Händen umfassen konnte. Und unter seiner Oberfläche ertönte ein hilfloses Kratzen …
»Mann, ist das öde!«, maulte Vicky.
»Das kann auch nur jemand sagen, der keine Ahnung hat«, gab Mila lächelnd zurück. »Hier wimmelt es in Wirklichkeit vor Leben!«
»Hm«, brummte Vicky und fuhr sich durch ihre blonde Mähne. »Dann bist du wohl in ’nem anderen Wald unterwegs als ich.«
Auf den ersten Blick hatte Vicky recht: Eine frische weiße Schneedecke hüllte die Bäume ein. Nichts schien sich zu regen – außer Mila, ihrer Freundin Vicky und ihrem Bruder Conrad, der ein paar Schritte hinter den Mädchen herbummelte. Und den Schneeflocken, die durch die Luft tanzten und die weiße Decke immer weiter wachsen ließen.
Drei Kinder unterwegs im verschneiten Winterwald: ein ganz normales Bild, wenn es Dezember oder Januar gewesen wäre. Dabei war gerade erst Mitte Oktober! So früh wie in diesem Jahr war der Winter noch nie nach Mühlfeld gekommen.
»Es ist wirklich wie verhext!«, hatte Tante Antonia gemeint, als Mila und Conrad sie gestern Nachmittag besucht hatten. »Vor allem ist es eine Katastrophe für die armen Igel!«
Tante Antonia betrieb zu Hause eine kleine Igelstation, in der sie ausgehungerte oder kranke Igel liebevoll aufpäppelte. Bei einem so frühen Wintereinbruch hatte sie alle Hände voll zu tun, denn viele Jungtiere hatten gerade erst begonnen, sich ein Polster für den Winterschlaf anzufressen. Der Schneefall im Herbst erwischte die Tiere tatsächlich eiskalt.
»Ah! Da hinten läuft einer!«, rief Mila plötzlich.
»Was? Wer? Wo?« Vicky drehte sich in alle Richtungen.
Mila schüttelte den Kopf. Vicky würde einen Igel in freier Natur wahrscheinlich nicht mal sehen, wenn man ihn ihr auf die Nase band.
Das Tier kletterte unbeholfen über eine Wurzel und machte sich daran, in ein Gebüsch zu verschwinden. Rasch verließ Mila den Waldweg und stapfte auf den Igel zu. Sie bekam ihn gerade noch mit ihren Handschuhen zu fassen, bevor er ins Unterholz abtauchen konnte.
Als er ihre Berührung spürte, rollte sich der kleine Kerl zu einer stacheligen Kugel zusammen.
Nur sein Gesicht schaute noch heraus, wie aus einer Kapuzenjacke.
»He, ich will dir ja nix Böses«, flüsterte Mila. »Nur mal sehen, ob es dir gut geht.«
Die Igelschnauze zuckte. Dann schnellte eine lange Zunge hervor.
Mila musste lächeln. »Du hast Hunger, stimmt’s?« Dank Tante Antonia hatte Mila einige Erfahrung mit Igeln. Dieser hier fühlte sich verdächtig leicht an.
